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Neue jüdische Presse · 1905-02-24 · Heft 8 (24.2.1905) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 8 (24.2.1905)
Date
1905-02-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 schiedenen Gebieten — wie cs heißt: „Gedanken auszudenken, in Gold, Silber und Kupfer zu arbeiten/ auch in Steinarbeit zu fassen und in Holzarbeit, in allen sinnreichen Künsten zu arbeiten, zu verfertigen alle Werke des Meisters und sinnreichen Künstlers auch des Kunststickers" — sondern sie zeigt auch in der schönen Ebenmäßigkeit und der richtigen Raumverteilung, die sich in dem Ausbau und in dem Ausmaße der Stistshütte selbst, als der heiligen Geräte sich ganz besonders äußert,- von welchem Geschmacke sie geleitet waren. Lin sehr schlagender, fast unabweislicher Beweis für die genaue und intime Vertrautheit unserer Vorfahren mit der Kunst, ist die überreiche Kunstnomenklatur, die wir gerade in unserer Bibel finden, in der zweiten Halste des zweiten Buches unserer Thora und in der genauen Beschreibung des Tempelbaues im Büche der Könige und der Chronik. Diese überaus wertvollen Bibelpartien sind nicht allein für die hebräische Sprachforschung, sondern vielmehr auch für die allgemeine antike Kunstgeschichte vom höchsten Interesse. Das ehrliche Studium derselben wird die europäische Welt überzeugen, wie verkehrt, unrichtig und ungerecht es ist, gerade einem Vvlke, Lessen Sprache eine so -reiche, ureigene, von niemandem erborgte Kunstnomenklatur schon im Uraltertum besaß, jeden Sinn für Kunst abzufprechen. Fünfhundert Jahre später finden wir die Kunst in dem salomonischen Tempel, wenn auch vielleicht zum großen Teil durch phönizische 'Hand, aber immer nach jüdischem Geschmack eingeführt. Das Kupsermeer mit seinen 12 Stieren, welches zu den Wunderwerken der alten Welt mitgehört zu haben scheint, war das Werk eines Juden, wenigstens mütterlicherseits.. Wie stand es aber mit dem nachexil.schen, gesetzesstrengen Judentum des zweiten Tempels? Wie verhielt sich dieses zu dem Kunstwesen überhaupt? Das achtundreißigste Kapitel des Buches Sirach bietet unS eine genaue Spezifikation aller nützlichen und schönen Künste, die vor zweitausendzweihundert' Jahren von unseren Borfähren im Lande unserer Väter mit fleißigem Eifer betrieben worden sind. Die Straßen der heiligen Stadt waren mit verschiedenen Tierbildern reich geschmückt, wie Jeruschalmi und Tosesta -berichten. Das Non unseren Verächtern so ausposaunte starre Kunstverbot — etwa wie es bei den einseitigen Jslamitern der Fall ist — beschränkt sich in der Tat in unserem endgiltigen Religionsgesetzbuch (Schulchan-Aruch) auf einen sehr kleinen Raum. Dies eben erklärt uns, wie einer der ehrwürdigsten, konsequentesten Hauptvertreter der strengsten Orthodoxie im vorigen Jahrhmrdert dem Bildhauerjach keine Hindernisse in den Weg legte und sich mit einer sehr winzigen rituellen Konzession begnügend, einen angehenden Jünger der Kunst zu seiner Lausbahn herzlich beglückwünschte. Aber nicht allein Sinn und Neigung für die schönen Künste begegnen wir fast in jedem Zeitabschnitte in, unserer Geschichte, sondern auch Begeisterung für dieselben. Bazalel, der Erbauer des ältesten Heiligtums und Verfertiger seiner kunstvollen Geräte, wird uns von der Thora als ein gottbegnadeter Mann, der vom göttlichen Geist erfüllt war, als ein weiser Lehrer in allen Kunstfächcrn bargestellt. „Gott hat ihn mit göttlichem Geiste, mit Weisheit, mit Vernunft, mit Wissenschaft und mit allerlei Kunstgeschicklichkeit erfüllt." Der Talmud umgibt diesen greisen Urvater der jüdischen Kunst mit noch mehr Liebe und Verehrung, läßt chn noch bei seinem Leben im Schatten Gottes wohnen und stellt "ihn hin als leuchtendes Muster echtjüdischer Künstler, deren Ausgabe darin bestehen soll, in ihren Werken das Geisttge mit dem Körperlichen, das Himmlische mit dem Irdischen harmonisch zu verbinden, wie es die Aufgabe unseres Volkes überhaupt ist, Götüiches und Menschliches in den schönsten Einklang zu bringen. Und so wünsche ich auch Euch, Ihr jüdischen Jünger der Kunst, Jünger Bazalels zu sein, die geistige Belebung in der Kunst nach jüdischem Geschmacke anzustreben, alles Gemeinsinnliche, alles Gegenjüdische aus Eueren: Melier zu verbannen und auf solche Mft Euere.Arbeitskammern als wahre WohnMtten Schem's zu weihen, in denen sich der Frankfurter JsrackitifcheS Familienblatt. „japhethidische Schönheitssinn" mit dem „semitischen Ernst" versöhnen möge, wie einst Himmel und Erde sich vereinten in: Bau unseres ältesten Heiligtums. Aus aller Welt. Deutsches Reich. Berlin. Es ist vielfach die Meinung verbreitet, als ob durch den neuen deutsch-russischen Handelsvertrag die jüdischen Vertreter deutscher Häuser mit den christlichen vollständig gleichgestellt würden. Das ist nach dem Vertragstext nicht der Fall. Es befindet sich in: Schlußprotokoll zu Art. 12 lediglich die Vestinnnung, daß die Gültigkeitsdauer der Paßvisa in Rußland von 6 Monaten sich auch auf das Paßvisa der deutschen Handlungsreisenden mosaischer Religion erstrecke. Die Frist, die bisher für jüdische Handlnngsreisende drei Monate betrug, wird also hiernach auf sechs Monate erstreckt. Eine weitere Neuerung ist durch den Vertrag in dieser Beziehung nicht erreicht. Es wird allerdings noch ausdrücklich festgestellt, daß die für 28 Tage gültigen Grenzlegitimationen auch an Israeliten verabfolgt werden, das war aber auch bisher schon, tatsächlich der Fall. Sodann sind die jüdischen Handelsreisenden mit den christlichen hinsichtlich der Gewerbesteuer gleichgestellt. Die besonderen Beschränkungen für jüdische Reisende, die nicht in Vertretung eines Gewerbebetriebes Rußland aufsucheu, bleiben also ebenso bestehen, wie die weiteren Beschränkungen für jüdische Handelsreisende deutscher Reichszugehörigkeit. Trotz der stipulierten Meistvergünstigung kann demnach auch fernerhin deutschen Handelsreisenden die Betretung ganzer Gouvernements einfach verboten werden. Berlin. Das neue jüdische Krankenhaus. Von der Repräsentanten-Versammlung ist die Vorlage des Gemeindevorstandes betr. das neue jüdische Krankenhaus genehmigt worden. Das Krankenhaus wird für 200 Betten eingerichtet, soll jedoch die Möglichkeit bieten, diese Zahl auf 230 zu vermehren; die Ausgaben für Krankenpflege werden insgesamt auf 230 000 JL jährlich geschätzt. Außer den Krankenzimmern, dem Operatiönssaal usw. soll das neue Krankenhaus auch ejne gynäkologische Slbteilung erhalten. Außerdem dürste ein besonderes Verwaltungsgebäude und ein eigenes Schwesternheim auf dem Grundstück errichtet werden. Nürnberg. Statistik. 1904 wurden in hiesiger Stadt Ehen geschlossen: rein jüdisch 34, jüdisch-chrfttlich 3 (1 evangelisch.jüdisch, 1 jüdisch-evangelisch und 1 jüdisch-katholisch) und 1 konfessionslos-jüdisch. München. Statistik. 1903 fanden auf den hiesigen Standesämtern 42 rein jüdische Ehen und 10 Ehen, wobei nur der eine Teil Jude war, statt. Diese 10 Mischehen setzen sich wie folgt zusammen: kath.-jüd. 5, sreirelig.-jüd. 1, jüd.-kath. 2 und jüd.- protestantisch 2. Hannover. Statistik. Im Jahre 1904 wurden hier 34 rein jüdische und 22 jüdisch-christliche Ehen geschlossen. Gebweiler. Eine hochanzuerkennende Kundgebung vornehmer und vorurteilsfreier Gesinnung und seltenen Wohlwollens gegenüber unserer Glaubensgemeinschaft hat dieser Tage der ehemalige Präsident hes Landesausschusses von Elsaß- Lothringen, Se. Exzellenz, Wirllicher Geheimrat D r. von Schlumberger betätigt. Anläßlich der am 22. v. M. stattgefundenen Feier ihres diamantenen Ehejubiläums haben Ihre Exzellenz Herr und Frau Geheimrat von Schlumberger an den Vorstand der israelitischen Gemeinde folgendes Schreiben gerichtet: „Aus Anlaß unserer 60jährige» Hochzeitsfeier beehren wir uns. Ihnen beiliegend Jk 1000 zu überreichen, die Sie zun: Nutzen der israelitischen Gemeinde nach Belieben verwenden wollen Hochachtungsvollst gez.: Dr. I. von Schlumberger, Clarisse von Schlumberger." Oesterreich-Ungarn. Budapest. Israelitische Gesellschaftsreise nach dem heiligen Lande im Jahre 1905. (Abfahrt am 7. März ab Fiume.) Folgende Teilnehmer haben sich gemeldet: Aus Ungarn: Jacob Boschan, Präsident der Chewra-Kadischa, Budapest; Tr. Jzso Bleicr, Advokat, Temesvar; Otto Blau, Grundbesitzer, Nagykanizsa; Ignatz Bräun jun., Fruchthändler, Budapest; Wilhelm Braun, Dampfsägcreieigentümer, Zcnta; Alexander Eisler, Privatier, Budapest; David Fei», Polizei-Tierarzt, Budapest; Armin Zlesch, Rabbiner, Mohacs; Josef Freund u. .Frau, Tampfsägereieigentümer, O. Beese; S. A. Grausz, Spiritushändler, Krsinark; Armin Grüner, Fruchthändler, Magyar-Kanizsa; Simon Händler, Rabhiner, Lugos; Lazar Hoffman::, Privatier, Budapest; Hermann E. Kuusmann, Rabbiner, Virovitica (Slav.); Sigmond Klein, Wirtschafter, Tisza-Dada; Armin Kvpeczki, Kaufmann, Abony; Samuel Krausz, Nr. 8. Präparandie-Prosessor, Budapest; Ignatz Lang n. Frau, Privatier, Ruttka; Moritz Latzko, Juwelier, Budapest; F. L. Lichtensteiu, Privatier, Nagy-Megher; Witwe Kolomann Liebermann, Private, Kolozsvar; Adolf Lövy, Fruchthändler, Losonc; Franz Mezei, Sekretär der Israelitischen Landeskanzlei, - Budapest; Armin Reichmann, Gemeindepräsident, Debrecen; Ignaz Richter,-Privatier, Miskolcz: Ludwig Rosinger, Grundbesitzer, Debrecen; Ignaz Roth, Kaufmann, Debrecen; Dr. Gezö Rudas, Universitätsprofessor, Kolozsvar; Alexander Salgo, Photograph, Budapest; Moritz Schächter, Bäckermeister, Budapest; Salamon Schuck, Rabbiner, Karczag; Josef Schlesinger, Grundbesitzer, Budapest; Milhaly Szell, Gemeindepräsident, Kisvarda; Josef Ungar u. Frau, Grundbesitzer, O- Moravica; Franz Ungar u. Fran, Grundbesitzer, O- Moravica; Aron Wamoscher Frau, Kaufmann, Zombor; Moritz Weiß, Kaufmann, Budapest. Aus dem Auslände: Gabor Feuchtwanger u. Frau, Benjamin Feuchtwanger u. Frau, Jernö Neuburger, sämtlich in Fürth; Manfred Goldschmidt, Frau Schwarzschild, Dr. Sigfried Schwarzschild, Maier Stern ::. Frau, sämtlich in Frankfurt a. M.; Chain: Abinun, Kaufmann, Traw'nitz; David Axelbrad, Mühleneigentümer, Janow; Lipmann Bloch u. Frau, Unternehmer, Breslau; Helena Brinkmann, Eschwege; Ignatz Cohn, amerik. Bürger, Prag; M. P. Elfter, Sarajevo; Mendel Feigenbaum, Lemberg; Isidor Finzer, Sarajevo; Äser Leon Finzi, Rabbiner, Sarajevo; Pink. Frankfurter; Wien; Ildolf Frei, Sarajevo; Josef Goldschmidt, Hamburg; Dr. Salamon Goldschmidt, Rabbiner, Königshütte; M. Gottesmam:, Bojan; Josef Hartlig, Czortkow; Abraham Hübner, Kopyczynce; Regina Huppert, Kenty; Moise I. Kabilio, Sarajevo; E. Karlin, Anftterdam; Moritz Kurz, Mikulince; 'Dr. Samuel Landau, Slobodka-Lesna; Moritz Löbl, Karlsbad; Zadik Löbl, Sarajevo; Simon Natzler, Perchtoldsdorf; Joachim H. Neiger, Mala/ Josef Philipp, Lemberg; Aron Rand, Gutsdirektor, Tarnow; L. Rand, Grundbesitzer, Tarnow; Naftal: Retter, Bojan; A. Simon u. Frau, Kopenhagen; Jsac Lumblovic, Sarajevo; Sulim Sußmann, Stanislau, L. Verschleißer, Hamburg; Herrn. Viesler, Dolni-Tuzla. Aus dem Fahrkartenbureau: Dr. Julius Pollack, Direktor; Dr. Julius Krppich, Direktor; Dr. Josef Lang, Direktor; Kassenchef Ludvigh Rozsa und Frau; Julius Hahn; Wilhelm Donath; Hles Wler, Oberrabbiner, O.-Buda; Max Szabolcsi u. Frau, Redakteur; Adolf Glaser, Gutspächter, Puszta-Novak; Jeremias Pfeffer, Tarnow; N. Band, Kaufmarm, Tarnow; Wilheln: Krausz, Oberrabbiner, Debreczin; Sam. Hajnal, Landwirt, Debreczin; Samuel Wolf, Landwirt, Derwent; Dr. D. Simonsen, Oberrabbiner und Professor, Kopenhagen; Mina Werner, Private, Oedenburg; Dr. Adolf Kelemen u. Frau, Rabbiner, Fogaras; Adolf Lewin, Kaufmann, Kvnigshüttc; Dan. Mbachary, Prodnktenhändler, Wien. Austerlitz. Das Wahlrecht der mährischen Iudengcmeinden. Am 31. Oktober 1902 wurde die Wahl in den Straßenausschuß vollzogen. Die Bezirkshauptmannschast Wischau reihte in die Wählerliste, und war in die Kurie der Städte, auch die Vertreter von Austerlitz-Judengemeinde ein. Die Statthalterei sowie das Ministerium des Innern verwarfen die gegen diese Zulassung erhobenen Rekurse. Gegen diese Erkenntnisse erhob Wilhelm Valnicek, Bürgermeister von Austerlitz, - die Beschwerde beim Berwaltungsgerichtshofe, über welche kürzlich unter Vorsitz des Senatspräsideuten Doktor v. Haberer verhandelt wurde. Der Beschwerdeführer war durch Reichsratsabgeordneten Dr. Stransky (ein getaufter Jude), das Ministerium des Innern durch Ministerialsekretär Dr. Baron Mdmann, die Austerlitz-Judengemcinde durch ihren Bürgermeister Heinrich Flesch vertreten. Als Referent fungierte Hoftat Dr. Zenker. Der Verwaltungsgerichtshof gab'der Beschwerde des Wilhelm Valnicek statt. In der Begründung heißt es, daß in dem zitierten Paragraphen/3 der Landtags-Wahlordnung von einer Judengemeinde Austerlitz keine Rede ist. In Konsequenz dieser Entscheidung dürften schon bei den nächsten Landtags- und Reichsratswahle:: in Mähren die Judengemeinde,r, mit Ausnahme von Trebitsch, nicht selbständig wählen. Komorn. Die hiesige orthodox-jüdische Gemeinde baut eine ::eue Syn a g o ge. Se. Hoheit der Erz- Herzog Friedrich, Kvrpskommandant, hat gnädigst geruht, 200 Kr. für den Synagogenban zu spenden. Rußland. Minsk. Bor 4 Jahren wurde in der Nähe unserer Stabt eine jüdische landwirtschaftliche Farm gegründet zu dem Zwecke, jüdische Kinder zu Ackerbauern zu erziehen. Da die Unterrichtszeit 4 Jahre dauert, so wurden am 1. Februar zum ersten Male fertig ausgebildete Zöglinge entlassen. Be: dem vor der Entlassung abgehalteneu öffentlichen Examen erwiesen sich die erreichten Resultate als höchst befriedigende. Homel. Die Homeler »bessere" Gesellschaft hak dem Vorsitzenden in den: nun beendeten Prozesse wegen der Judenexzesse für seine „echt russische" Amtsführung eine Dankesadresse gesandt. Dieselbe lautet: „Die Homeler Gesellschaft hat den über

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