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Neue jüdische Presse · 1905-02-10 · Heft 6 (10.2.1905) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 6 (10.2.1905)
Date
1905-02-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6. Oesterreich-Uugaru. Budapest. Israelitische Gesellschaftsreise nach dem Heiligen Lande. Me von einem internationalen Komitee initierte Gesellschaftsreise der Israeliten nach dem Heiligen Lande hat besonders in Oesterreich-Ungarn und Deutschland großen Anklang gefunden und haben besonders aus Deutschland so zahlreiche, angesehene Persönlichkeiten ihre Teilnahme gesichert, daß für die Gesellschaft ein Separat-Dampfer gechartert wurde. Der Rendezvousplatz der Teilnehmer ist die schöne Hauptstadt Ungarns, B u d a p e st. die Pforte des internationalen Verkehres nach dem Orient. Trotzdem sich d-r Zentralsitz des Komitees aus technischen Gründen in Budapest befindet» besteht die 120 Teilnehmer zählende Gesellschaft kaum zum dritten Teile aus Ungarn. Das weitaus größte Kontingent lieferten Deutschland, Oesterreich, Bosnien, Belgien, Holland. Dänemark usw. Die israelitische Pilgerfahrt wird demnach einen internationalen Charakter haben, und wird die Gesellschaft sowohl in Budapest, ills auch in Alexandrien, Jaffa. Jerusalem. Damaskus, in den jüdischen Kolonien, Kairo usw. festlich empfangen werden. Der .Anmeldungstermin wurde beim Komitee bis 15. Febr. verlängert. Budapest. Der Antisemitismus in Ungar n. '$« „Ungarische Landes-Agrikultur-Verei n", der jüngst' an die Regierung das antisemitische Ersuchen gestellt hatte, die Einwanderung von Galizien, Rußland und Rumänien einzudämmen, wandte sich auch an die Hauptstadt Budapest um Unterstützung seines Vorgehens. Me Angelegenheit stand nun in der Stadtverordnetensitzung vom 1. Februar auf der Tagesordnung. Der Magistrat beantragte, das. Gesuch zu unter st ützen. Stadtverordneter Dr. MarzellBaratsch trat für den Magistratsantrag ein, doch nahm er gegen den gebässi"en Ton der Zuschrift des Landes-Agrikultnr-Vereins. welche von den Juden als von einem „fluchbeladenen" Bolksstamme spricht, Stellung. Ter »n-ci''i>ck>e Jude gehöre mit Leib und Seele der ungarischen Nation an. er assimiliere sich schnell und sein einziges Streben sei, als Ungar zu leben. (Lebhafte Zustimmung.'» Stadtverordneter I. v. Kereschy fo-bert, daß man in Budapest n»r die Ausländer dulden solle, die ihre Erwerbssäbigkeit Nachweisen. Das Ende der Debatte war, daß der Magistratsantrao mit dem Zusatzantrag v. Kereschy's ang e n o m m e n w u r d e. Bemerkenswert bei dieser Affäre ist. daß unter den Bubapester Stadtverordnete» ein sehr großer Prorentsatz Juden sich beendet und daß diese Herren sämtlich geschwiegen haben. Graz. In der Nacht vom 2«. auk den 29. Jan. wurde im hiesiaen israelitischen Tempel ein Einbruch verübt. Mehrere Männer drangen durch ein Fenster in das Innere und erbrachen alle Opferstöcke, die ausgeplüudert wurden. Großbritannien. London. Die Blätter berichten über aroste Ovationen, die demnächst die larunnoloaiscken und musiknlisrben Bereinigungen dem be-ühmten Erfinder des Kehlkopfsviegels Manuel Garcia an- . läßlich seines 100. Geburtstages darbrin"en werden. Ter aeniale 100jähri"e Greis, welcher noch imm-r tätig ist, und gegenwärtig in seinem Heim in Aicklewoob noch immer Geianos"nterricht erteilt stammt bekanntlich von einer jüdischen Familie ab. deren Namen in der Lste-atur der Juden einen guten Klang hat. Ema»»el Kar-ia wird die Tenutationen der größten, wis'en'rba'tlichen Bereinigungen cmvfanaen. Me Glückwünsche der svanilchen Regierung wird ihm der svanische Boticha'ter überbr!n-en. Svanien bat in früherer Zeit die Juden Vertrieben, aber das Svanien von heute ist fortgeschritten genug, stolz auf den Jndenstämmlina Manuel Gareia zu sein, der durch eine epochale Tat für den Ruhm , seines Vaterlandes mehr getan hat, als alle Fanatiker, die. ad majomn ä-i elnriam die „Ungläubigen" verfolgten und verjagten. Frankreich. 0.) Paris. Vor zwei Jabren warben die Barone Rothschild 10 Mill. -kr. aus mr die Errichtung'von hhgienilchen und billigen Arbeiterwohnhänsern. Am 31. März d. I. läuft die Frist zur Einreichung der Konkurrenzen ab. Ueber 300 Architekten werden sich an der Konkurrenz beteiligen. 50000 Fr. sind für die Prämiierung nicht akzeptierter, lobenswerter Arbeiten gewidmet. Rußland. Petersburg. In der heutigen Sitzung des Ministerkomitees wurde die Beratung des sechsten Punktes des Reformerlasses vom 25. Dezember 1904 betreisend die Duldsamkeit in Religionssachen und Beseitigung aller nicht direkt im Gesetz angegebenen Beschränkungen begonnen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. - - Warschau. Auf Grund der offiziellen Statistik veröffentlicht die „Nowoje Wremja" über die Juden in Warschau die folgenden Zahlen: Auf 772000 Einwohner zählt die Stadt gegenwärtig 275000 Juden, ist also die größte jüdische Gemeinde in Europa und i ach Newyork die größte der Welt. In Warschau leben 50050 jüdische Familien. Bon diesen zahlen nur 7390 eine Kultussteuer von 2—500 Rubel jährlich. Me übrigen Familien leben in großem Elend. Durch die ökonomische Krise im letzten Jahre waren 13000 jüdische Handwerker brotlos. Personalien. Hannover. Die Bestattung des Konsuls a. D. Simon fand am 1. Febr. unter sehr großer Teilnahme statt. Eine Trauerfeier im Parkhause ging der Ueberführung der Leiche nach dem Friedhofe voran. Landrabbiner Dr. Gronemann hielt die Trauerrede, in der er hervorhob, daß das tragische Ende des Entschlafenen überall tiefe Betrübnis hervorgerufen habe, wie die große Versammlung der Leidtragenden zeige, die hier am Sarge aus allen Teilen des Reiches erschienen seien. Ter Tod Moritz Simons sei ein schwerer Schlag, den das ganze Haus Israel bellage. Der Redner entwarf ein treffliches Charakterbild des Verstorbenen und würdigte sein in der Ahlemer Erziehungsanstalt verkörpertes uneigennütziges Streben, die Erwe-bstätigkeit namentlich der armen jüdischen Bevölkerung in andere Bahnen zu leiten, sie zurückzuführen zu der ursprünglichen Beschäftigung der Israeliten, zum Ackerbau und zum Handwerk. Man könne mit König David sagen: „Ein grober Heerführer in Israel ist gefallen." Ein treuer Sohn seines Vaterlandes sei nun dahingegangen. der das Vaterland von Herzen liebte. Weiter erwähnte der Redner noch, daß Konsul Simon auch die Anregung gegeben habe, die planlose Auswanderung der Juden in geregelte Bahnen zu leiten. In diese Pläne reiße sein Heiingana eine große Lücke, denn angesichts der in Amerika auftretenden Widerstände gegen die Einwanderung würde gerade seine Kraft die notwendige gewesen sein, um — einem Moses gleich — den Wanderern den Wen über das Meer zu bahnen. So schrecklich wie sein Tod, so herrlich sei sein Leben gewesen. Me Anregungen, die er gegeben, würden nicht verloren g-hen, und feilt großes Werk, bie Erziehungsanstalt 316fern, werde ihm einen Namen sichern für alle Zeiten. Justizrat D r. B e r e n d widmete im Namen der Verwaltung der Ahlemer Anstalt dem Verstorbenen einen warmherzigen Nachruf, in dem er den Gefühlen de-" Liebe und Verehrung der Anstaltsanaehörige» für den Entschlafenen und dem Schmerze um feinen Verlust Ausdruck gab. Namens der Bne Brith-Loaen, des Deutsch-Israelitischen Kemeindebundes und anderer Bereinigungen sprachen Seminärdirektor D r. Kn oller-Hannover. Senator Fischer-Linden, Jos. W i s l o ch und Rechtsanwalt Tr. Jul. B l a u - ^r-mknirt a. M. warme Worte der Ehrung und des Abschieds. Noch am Tage der, Beisetzung traten die Kuratoren und Vorstandsmitglieder der Erziehungsanstalt Ahlem zu einer Sitzung zusammen, in der einhellig der Wille zum Ausdruck kam, di- Fortführung und Weiterentwicklung der in der Anstalt verkörperten Ideen mit allen Kräften zu verfolgen. Me großen Pläne Simon's werden nicht mit ihm begraben sein. Breslau. Herr stoä. med. Curt Coden, Sohn des Breslauer Hausbesitzers Ascher Cohen hat de» vollen Breis für die letztiähriqe Preisaufgabe der medizinischen Fakultät erhalten. Wien. Samstag, den 28. Januar, starb hier Frau Regine K o l d e n b e r g im 72. Lebens-ahre. Sie war die Witwe des im Jahre 1898 verstorbenen Tarnovoler Gelehrten Berisch Goldenverg und stammte aus einer der edelsten jüdischen Familien in Galizien. K. Wien. Am 31. Januar wurden drei Damen an der Wiener Universität zu Doktorinnen der Philosophie promoviert: darunter zwei Jüdinnen: Fräulein Klara Pollak und Frl. Paula Wahrmann. Erstere wählte Botanik, letztere vergleichende Sprachwissenschaft zum Hauptfach. Budapest. Dem Ingenieur Wilbelm Quittner verlieh der König sowohl für seine Person als auch kür seine gesetzlichen Nachkonimeu in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der ösfentlichen Angelegenheiten und der Votkswirtsckait den ungarischen Adel mit dem Prädikate Bngfalvi. Budapest, 6. Februar. Der Olner Rabbiner Dr.Bartholomäus (früher Baruch) Edelstein führte gestern in Leipzig das Frl. Gisela P o r g es Tochter des Leipziger Rabbiner Tr. Nathan Porges, zum Traualtar. Bauybad lUngarn). Sterbeiall. Vorige Woche verschied hier in ihrem 82. Lebensjahre die hochangesehene und gelehrte Witwe des berühmten Rabbiners AwrohomJehudahaCauhen, Verfasser der Kaut Arjeh. 25 Jahre hindurch hatte sie jeden Montag und Donnerstag gesaftet. Ihre Wohltätigkeit kannte keine Grenzen. Gott segnete sie schon in ihrem Leben, indem ihre Söhne als Seite 3. Taurohgelehrte und Rabbineoin ihrem Sinne wirken; auchunter ihren 45 Enkeln sind bereits Gelehrte von angesehenem Ruse, wie z. B. Rabbiner Josef Schwartz in Bonyhad, Herausgeber der talmudischen Zeitschrift Wajlaket Joszef. Außer ihren zahlreichen Söhnen und Enkeln trauern um die Verstorbene 58 Urenkel.und 2 Ururentet. Mattersdorf lUngarn). Der bekannte und angesehene Dejan Gabriel Müller ist gestorben. Mit ihm hat ein Leben geendet, das ganz dem Studium der Gottestehre und der Verbreitung ihrer Kenntnis geweiht war. Er war der Verfasser einer Anzahl Seforim. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes sein! Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Die Jüdische HauS* haltungsschule (E.-B.) hatte in der Zeit vom 1. Oktober 1903 bis 30. September 1904 Jk 21847 Einnahmen (darunter Jk 2810 Honorar der Schülerinnen, »V. 240 Honorar der Kochschülerinnen, Mark 10914 Honorar der Pensionärinnen und 1507 für Mittags- und Abendtisch) und .L 22631 Ausgaben (darunter Jk 15719 für Lebensmittel). Am 6. Adar (22. Febr.) feierte der verdienstvolle erste Vorsitzende Herr Alfred Geiger seinen 70. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit wurde der Grundstock zu einem Stipendien-Fonds für arme Zöglinge, der den Namen Alfred Geiger-Fonds erhalten hat, gelegt und dem außer der Gabe des Vorstandes von Jk 300 und des Herrn Alfred Geiger von Jk 300 in der Zwischenzeit bereits einige weitere Spenden zngcflossen sind. <8) Grofi-Zimmern. Am Samstag, den 28. v. M. abends feierte der hiesige Jünglings-Verein ll den Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers. Me Mitglieder nebst eingeladene Damen versammelten sich um 8>/r Uhr im Saale des Herrn Vogel F r o h in a n, um gemeinsam an dessen Festessen Teil zu nehmen. Unter vielen Toasten, Musik und Gesang verlief der Abend in schönster Weise, so daß es einem Jeden leid tat, trotz der vorgerückten Stunde nach Hause zu gehen. Auch dem Hause Frohman zollen wir Lob für gute Küche und Keller. Berlin. Der Verein Jüdische Lesehalle und Bibliothek, der demnächst auf ein lOjähriges Bestehen zurückblickt, hielt am 26. Januar seine Generalversammlung ab. Seine Bibliothek, welche auf 4736 Bände (gegen 3962 im Vorjahre) angewächsen ist, hat im abgelaufenen Jahre insgesamt 2469 Bücher an 1709 Personen ansgeliehen. Me Lesehalle, in der 63 jüdische Blätter und 7 Tageszeitungen anssiegen, wurde im Mirchschnitt von 100 Personen täglich besucht. Das Lesezimmer ist geöffnet am Samstag von 1—5 Uhr, am Sonntag von 1—2 Uhr und am Samstag, Sonntag und Dienstag von 7—10 Uhr abends. Die längst gehegte Absicht, das Institut möglichst an jedem Abend zu g'fnen, scheiterte an dem Mangel an Mitteln. Me Einnahmen beliefen sich im abgelaufenen Jahre auf Jk 3607, die Ausgaben auf Jk 3507. Bedauerlich ist, daß nur Jk 162 für Bücher-Anschaffunaen aufgewendet werden konnten: wenn sich die Bibliothek trotzdem erfreulich vergrößerte, so ist dies lediglich de» zahlreich einlaufenden Bücher-Spenden zu verdanken. (L.W.) Halberstadt. 7 Febr. Auf einer »Wanderung durch Palästina" war uns oestern Abend im B.-L.-B. Herr Dr. Hirsch Hildesh e k m e r ans Berlin Führer. Wir hätten uns keinen angenehmeren und bewanderteren wünschen können. Der geographischen Lage nach von Nord bis Süd zog er mit uns durchs heilige Land und ließ vor unserem geistigen Au-e die historischen Stätten unserer jüdischen Geschickte erstehen. — Doch auch der momentanen Entwicklung der neuerstandenen Kolonieen gedachte der Redner. Mit liebevoller Sorgfalt wies er darauf hin, daß wir alle an diesem beaonnenen Werk auch aus der .Ferne Mitarbeiten können, indem wir unser vollstes Interesse daran durch Wort und Tat bekunden; ist doch , die landwirticka'tliche Tätigkeit unterer dortlebenden Glaubensbrüder Mr nnse'-en Volksstamm eine Genugtuung de» anderen Völkern oegenüber! Mit größter Ainmerksamkesi kolbten die zahlreich Erschienenen dem glänzenden Vortrag, der ans alle Anwesenden einen nachhaltigen Einfluß ausübte. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Mitteilung der National» fondskommission der Frankfurter Zionistischen Bereinigung. Herr R. N. einen Oelbaum aus den Namen Dr. Herzl 6 Jk I. Hirsch, gesammelt bei der Verlobung unseres 6K Herr James Levv mit Fränl-in Frieda Rotschild 5,92 Mark. Herr Dr. Schwarzschild, statt Beileidstelearamm an Herrn Redakteur Lothar Stark anlänlich des Todes des>en Frau Atutter 50 Pfg. Herr Mr. Reinhardt, statt Telegramm zur Hochzeit des Herrn Moritz Karlsbrrg

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