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Neue jüdische Presse · 1905-01-13 · Heft 2 (13.1.1905) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2. Petersburg. ,Die Zeitung „Ruß" schreibt: Das Petersburger Seminar gibt wie üblich seinen Schülern beim Verlasse» der Stadt einen Reisepaß. Auf diesem Paß steht auf der einen Seite die Erlaubnis für die Reise und die andere Seite enthält verschiedene Bemerkungen, worunter die folgende sehr charakteristische: „Die Eltern der Schüler oder ihr Vormund . sind selbst verpflichtet,. den Bedarf der Schüler an Kleidern und Schuhen einzukaufen, denn man darf "den Einkauf nicht den Schülern überlassen, J>a diese bei Juden einkaufen könnten und so großer Schäden für ihre Sittlichkeit entstehen könnte." Ter „Nuß" bemerkt dazu, daß nicht-alle Juden Bösewichte und nicht alle Christen Heilige sind. Wilna. Die früher in Petersburg herausgegebene Jargon-Tageszeitung „Der Tog" hat die Erlaubnis erhalten, hier erscheinen zu dürfen. Nunmehr wird Wilna zwei jüdische Tageszeitungen haben. Nikolajew. Wie man mit den Juden herumspringt. Obgleich im Gouvernement Chason den Juden das Wohnrecht gestattet ist, war noch bis vor 30 Jahren Mkolajew die einzige Stadt in diesem Gouvernement, in der ihnen der Aufenthalt verboten war. Seit dieser Zeit aber wurde den Juden auch hier die Niederlassung gestattet und der Gesetzesparagraph, der Nikolajew zu den Städten außerhalb des Ansiedelungsrayons zählt, gestrichen. Tie jüdische Bevölkerung in Nikolajew beträgt heute 25 000 Seelen, deren materielle Lage für russische Verhältnisse eine günstige genannt werden darf. In das Gesetzbuch von 1903 ist nun wiederum die frühere Bestimmung, die 'Nikolajew außerhalb des Ansiedlungsrayons gestellt hatte, hineingebracht worden, und so droht den hiesigen Juden samt und sonders jeden Tag die Ausweisung.- Eine jüdische Deputation hat sich zum Minister des Innern begeben und ist am 25. Dezember von ihm empfangen worden. Der Minister sagte eine Prüsung der Sache zu. Ob etwas damit erreicht ist, muß abgewariet werden. Rumänien. h. Bukarest. Das statistische Amt des Jnncrministeriums gibt eine liebersicht über die jüdische Auswanderung in den letzten Jahren. Danach wan-- berten ans: 1889 3375, 1900 16678, 1901 3101, 1902 8974, 1903 6671, 1901 stk» Jahr) 2682, zusammen 41281. Bukarest. Ausweisungen und Auswan d e r u n g v o n Juden. Aus einem vom rumänischen Minister des Innern veröffentlichten Berichte geht hervor, daß seit dem Jahre 188l bis jetzt 859 Personen ans Rumänien ausgewiesen worden sind. Seit dem Jahre 1891 betrug die Zahl der Auslieferungen 192 und diejenige der Verbannungen 6529. -Von 1899 bis zum 1. Oktober 1904 haben 41 754 Juden das Land verlassen, darunter 9288 Handwerker, Die größte Zahl fällt auf das Jahr 1900, nämlich 5383 Männer, 3089 Frauen und 7336 Kinder, zusammen 16 678 Personen. Unter den ausgewänderten Handwerkern befinden sich 3071 Schneider, 625 Schreiner, 604 Spengler und 503 Seiler. Bulgarien. Philippopel. 8. Jan. Wie der hiesigen Zeitung „El Dia" von Sofia telegraphisch gemeldet wurde, verschob Rabbiner D r. M. Ehrenpreis den K o ngreß der jüdischen Gemeinden Bnlga- - r i e n s auf den 19.—21. Januar, weil er die Wahlen der Delegierten nicht korrekt fand. Man weiß, daß Herr Dr. Ehrenpreis in manchen Delegierten Gegner seiner Bestrebungen befürchtet. Obgleich er selbst Zionist ist, ist er nicht damit zufrieden, daß die Majorität der Delegierte» Zionisten sind, weil diese ihm zu viel auf die Finger sehen. Ein Ton der Entrüstung durchlief die hiesigen spaniolischen Zeitungen über diese Eigenmächtigkeit des Rabbiners. Tie Zionisten werden sich Blühe geben, auch bei der zweiten Wahl die Majorität zu erhalten, und im Falle Herr Dr. Ehrenpreis wieder Schwierigkeiten macht, so wird man versucht sein, den Kongreß ohne sekkie Zustimmung abzuhalten. Amerika. New-Pork. 10. Jan. Zurücksendung von Einwanderern wegen Mittellosigkeit. Tie Regierung sendet Hunderte russischer Juden wegen Mittellosigkeit zurück. ■ Die Einwanderungsbehörden erkläre», die israelitischen Hilfsgesellschaften in Europa seien vornehmlich daran schuld. New-Nork» 10. Jan. In den letzten fünf Monaten sind 75 160 russische Juden in New-Pork eingetroffen. Eine scharfe Anwendung der Besiimmungen des Einwanderungsgesetzes führt dazu, daß eine größere Anzahl dieser Einwanderer zurückgeschickt wird, weil sie mit fremder Unterstützung eingetroffen sind. Die Berichte über diese Rücksendungen werden zur Vorlegung an den Kongreß vorbereitet, in der Absicht, dieses Einströmen zu verhindern. Montreal (Kanada), 11. Januar. Auch Kanada ist entschlossen, die weitere Einwanderung mittelloser russischer Juden zurückzuweisen. Ter Premierlilinister Laurier erklärte, die Regierung könne lediglich etwaige Farmarbejter provisorisch unterstützen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Palästina. Jerusalem (Palästina). Die- Lehrer-Bereinigung im Laude Israel gibt ihren ausländischen Mitgliedern folgenden Bericht über die Leistungen seit der Gründung: 1. Wir haben für alle Schulen Palästinas ein einheitliches Programm festgesetzt. 2. Wir haben uns bemüht und bemühen uns noch, alle Lehrer Palästinas unter das Dach unseres Vereins zu bringen. 3. Wir haben eine Philologen-Kommission eingesetzt, die sich mit der Regelung der neugeschaffenen h bräischen Worte befaßt, um auf diesem Gebiete dem Chaos ein Ende zu machen. Tie Mitglieder der Kommission sind: I. M. Sinnes, Tr. Mase, Ben Jehnda, T. Jelin, Mjuches, Sapir, Suto und Professor Talmann (letzterer ist Christ). 4. Wir befassen uns fleißig mit der beabsichtigten Herausgabe - einer Sammlung von geeigneten Schulbüchern. Diese Heransgabe-soll durch Aktien von je 20 Francs ermöglicht werden. 5. Wir gedenken demnächst eine ausführliche und genaue Landkarte von Palästina mit hebräischen Bezeichnungen erscheinen zu lassen. Tie Länge der Karte wird 2 Meter, die Breite 1,10 Meter sein. Dapid Jelin Josef Mjuches Vorsitzender. Sekretär. Personalien. Frankfurt a. M. D-r Titel I u st i z r a t wurde verliehen den Rechtsanwälten: Dr. Seligsohn- Wiesbaden, Heilbronn -Köln, Dr. Wallach- Essen und Burg heim- Minden. Der Titel Professor wurde verliehen dem Privatdozenten Tr. Fritz Stier-Domta -Bonn unh dem Dozenten an der technischen Hochschule Dr. Kaufmann- Stuttgart. Berlin. Der König von Schweden hat dem Kamnierrat Emil Jonas, dem verdienstvollen Nebersetzer skandinavischer Dichtungen einen jährlichen Ehrcnsold von 1000 schwedischen Kronen ausgesetzt. Erlangen. Die israelitische Kultusgemeinde wählte an Stelle des kürzlich gestorbenen Kaufmanns Stern den Privatier Jul. Frohmann zu ihrem Vorstand. Köln a. Rh. Am 30. Dez. verschied nach einem arbeitsreichen Leben infolge kurzer Krankheit ein angesehener und bekannter Bürger unserer Stadt, der Rentner Jakob de Jonghe im hohen Alter von 85 Jahren. Ter Heimgegangene gehörte 28 Jahre der Verwaltung der israelitischen Waisensti'tnng, ferner dem Kuratorium des israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache an. 43 Jahre lang war er Mitglied und 25 Jahre Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde. München. Die goldene Prinz Ludwigsmedaille der Wichmann-Eichhornischen Stiftung, die der bekannte Forschungsreisende Dr. Phil honoris causa Gottfried Merzbacher, ein Nesse von Ülbraham Merzbacher s. Ä., vor einigen Wochen erhalten hat, war bisher erst einmal verliehen worden und zwar dem Admiralitätsrat von Neiimayer. Altona. Das Fest der Eisernen Hochzeit begehen am Montag, den 23. Januar. Herr Rabbi n a t s a s s e s s o r I. M. Cohn und Frau, Gr. Prinzenstraße Nr. 51. Herr Cohn steht im 98.. seine Frau im 85. Lebensjahre und beide erfreuen sich bei 8er 65. Wiederkehr ihres Hochzeitstages ungewöhnlicher geistiger und körperlicher Regsamkeit. Argen«« (Posen). Die Vorsteher und Repräsender hiesigen jüdischen Gemeinde überreichten dem Rentier Kaltmann scheu Ehepaare anläßlich seiner goldenen Hochzeit einen prachtvollen Pokal. Kallmann gehört dem Vorstände der Gemeinde schon seit vielen Jahren an. Wien. Ausländische Ordensauszeichnungen. Es erhielten Ministerialrat im Eisenbahnministerium Kamill Kuranda: Ko mthurkreuz des königl. sächs. Albrechtordens; Kommerzialrat Lud. Zwieback: kais. russ. St. Annenorden 3. Kl.; Statthaltereisekretär Jakob Kowh: kgl. siamesischen weißen Elephantenorden 5. Kl.: Kommerzialrat Paul Ritter von Leon: Offrzierskreuz des' sürstl. bulg. St. Alexander-Ordens. Wien. Der Rechnungsrak im Landesverteidigungsministerium Aron Auerbach wurde zum Oberrechnungsrat im selben Ministerium ernannt. Czernowitz. Der Minister für Kultus und Unterricht hat den Universitäts-Professor D r. K a r l A d - ler zum Vizevräses der rechtshistorischen Staatsprüfungskommission ernannt. Budapest. Der Präsident der Budapester Straßeneisenbahn-Gesellschaft und der ungarischen Kausmannshalle. Herr Heinrich I e l l i n e k, ein Resst des verstorbenen, berühmten Kanzelrebners Dr. Jellinek in Wien, ist von Seiner Majestät dem König durch Verleihung des Titels eines Hofrates ausgezeichnet worden. Paris. Camill Roos, Sohn des früheren Synagogenchordirkgenten in Straßbura, wurde vom Unterrichtsminister mit dem Titel „Offizier de l'instruction publique" und den „akademischen Palmen" Seite 3. ausgezeichnet. Ter 24jährige Herr Roos hat den Rus eines hervorragenden Getgenkünstlers. Paris? Frl. Helene Korb, Tochter des ehrwürdigen Rabbiners von Nantes, wurde zur Mittelschulprofessorin in Laval (Tep. Mayenne) ernannt. Padua. Hier wurde ein Jude in der Person des Sgr. Artom zum Bürgermeister gewählt. Amsterdam (Holland). Hier starb im Alter von 74Jahren RabbinerMordechaiSohlberg{Wi* gesan Zwi), Urenkel von Rabbi Rabbi Hechel und Nachkomme des Chacham Zwi. Rabbi Sohlberg, der in Krakau geboren war, wirkte 54 Jahre in Amsterdam; er war Rabbiner des Beshamidrasch und des Mischnajos-Bereines und fungierte als Prediger verschiedener Chewros. Ter Verstorbene war einer der größten Talmudgelehrten unserer Zeit. Aus -er zionistische« Bewegung. Posen. Herr Elias Auerbach.Berlin hielt am 1. Januar in der hiesigen Ortsgrupve einen Vortrag über „Die praktischen Arbeiten des Zionismus". Die Erfolge, die die zionistische Bewegung in den 8 Jahren ihres Bestehens errungen, seien höchst zufriedenstellend, namentlich in Berücksichtigung der Tatsache, daß die reichen Juden der Bewegung sich möglichst fernhalten und die Mittel fast ausschließlich von dem ärmeren Teile 8er Judenschast aufgebracht würden. In dieser Hinsicht werde von den arnien, unter den schwierigsten Verhältnissen lebenden Juden Rußlands ein höchst nachahmenswertes Beispiel gegeben; ihre Opferwilligkeit sei eine höchst rühmenswerte. Die aus den Spenden gegründete Kolonialbank in London verfüge über ein Kapital von etwa 8 Millionen Mark, und man sei jetzt daran gegangen, eine zweite Bank in Palästina selbst zu gründen, die die Mntterbank zu überflügeln verspreche. Schon jetzt seien unter dem Schutze der Türkei größere Ländergebiete in Palästina ausgekaust, die vorderhand mit Oelbäumen bep»lan>t werden. Sei von den Gegnern immer wieder behandlet worden, der Zionismus sei -ine Utopie, so sei durch die erzielten Erfolge das Gegenteil bewiesen, was auch von den Gegn"rn anerkannt werde. Ter Zionismus sei durchaus kein Phan- "asiegebitde, sondern eine wohldurchdachte und wohldurchführbare Idee zur Befreiung des Judentnms aus fremden Fesseln und zur Verwirklichung des jahrhundertelangen Sehnens, der Gründuna eines jüdischen Nationalstaates. La-gan^-anernder Beifall lohnte dem Redner für seine Ausführungen. Ldeffa (Rußland). Das Komitee der „CboweweZion"hatcinNachrichtenbureaufür die Auswanderung nach Palästina errichtet und hierfür Rubel 1000 jährlich bestimmt. Frankfurt a. M> Entgegen dem Berichte in dem „Abendblatt der „Frft. Ztg." vom 4. er. stellen wir hiermit fest, daß bis jetzt inbetreff der Verlegung des großen zionistischen Aktions-Komitees ion Wien nach London noch keinerlei Beschluß gefaßt worden ist. Nur der im Sommer dieses Jahres stattfindende Kongreß ist kompetent, hierüber einen bindenden Beschluß zu fassen. Frankfurt a. M. Wie uns von autoritativer Seite mitgeteilt wird, hat Herr Brainin in seinem Interview mit Max Nordau diesen an manchen Stellen mißver'chisten: fest stehe aber, baß Mar Nordau eine Wahl a^s Nachfolger seines Freundes Herzl s. A. unter allen Umständen ablehnen werde. Aus de« Vereine«. Frankfurt a. M. Der rübrige Gesangverein „J e s ch u r u n" veranstaltet am Sonntag, ben 22. Januar, in den Räumen des Kaufmännischen Vereines einen Gesellschaftsabend. Da bei bem künstlerisch sehr viel versprechenden Programme "in überaus zahlreicher Besuch zu erwarten ist, so wirk» redeten, Eintrittskarten (k 1 JL reservierte Plätze h 1.50 Jk) bis zum 17. er. bei dem Vorstanbsmitaliede Herrn MaxStern, Hanauerlandstraße 12 schriftlich bestellen zu wollen (siehe auch Inserat). Aschaffeuburg, 7. Jan. 1905. Heute Abend versammelten sich hier im „Hotel Freihos" ein Teil unsrer Gemeindemitglieder, um über die Gründung "ines Vereines für jüdische Geschichte uni» "iteratur zu beraten. Ter Wunsch, ei"en solchen Verein am hiesigen Platz erstehen zu las'en. w"rde schon in früheren Jahren laut, doch konnte die Idee keinen fruchtbaren Bo^en gewinnen. Nun ist es ab"r gelungen, nachdem diese Angelegenheit von schätzbarer und energischer Seite in Händen genommen wurde, Männer und Jünglinge zu gewinnen, und man konnte feststellen, daß die stattgehabte Versammlung eine derartige Vereinigung mit Freude begrüßte und derselben auch lebbaites Interesse entgegenbrachte. — Unter dem Vorsitz des allerseits geschätzten.Herrn Simon Vogel wurde bereits heute Abend der Verein gegründet und eine aus 7 Herren (Rabb. Dr. Wachenheim er, Direktor Sal. Bamberger, Rechtsanwalt Schottenkels, Simon Vogel, A. Hamburger, Leon Steruheimer, Gust. Wolfs) bestehende Kom-

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