Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 3 (1905)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1905)
- Date
- 1905-01-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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f. Seite 2. I Frmckfurter ^aeMscheS ^samilkMatt. Nr. 1. solche Fülle von Anregungen wurde gegeben, ein solch heißeS Feuer religiöser Begeisterung glühte in den Worten der Redner. Auch wenn die Beratungen nicht zu praktischen Ergebnissen geführt hätten — wie dies in Wirklichkeit in vielen Punkten der Fall war — Las Zusammentreffen so vieler Gesinnungsgenossen, die vom äußersten Älorden und Süden, von Ost und West herbeigeeilt waren und die religiösen Verhältnisse ihrer Gemeinden schilderten, um aus der reichen Erfahrung ihres Berufslebens Vorschläge zu unterbreiten, die Aussprache allein hätte in jedem Teilnehmer einen tiefen, nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zur Versamnrluug, welche im Sitzungssaalc der Israelitischen Synagogengemeindc Adaß Jisrael abgehalten wurde, waren erschienen die Herren Rabbiner Dr. Dr. Ackermann- Brandenburg, Auerbach- Halberstadt, B ä h r - Prenzlau, Prof. Barth- Berlin, Baßfreund -Trier, Prof. Berliner-Berlin, B e r l i n g e r - Braunsbach, Ed. Biberfeld- Bcrlin, Blcichrode - Berlin, B o n d i -Mainz, Car leb ach-Lübeck, C o h u - Kattowitz, Eh rentreu-München, E m m r i ch - Tarnowitz, Fricdmann-Grätz, Gallin ger-Beuthen, Gradenwitz-Berlin, G o i t e i n - Burgkunnstadt, Heppner-Koschmin,H. Hild cs hei m er, M.Hild esheimer, Rektor Dr. D. Hoffmann-Berlin, M. Hoffmann-Randegg, Horovitz - Frankfurt am Main, Kahn-Eßlingen, Königsberger- Pleschen, Kahn- Ansbach, Direktor Langegranksurt a. M., L e r n e r - Mtona, L cw Y - R'eustcttin, L ö b - Einden, Löw e u ste i n-Mosbach, Löwcnthal-Hamburg, M a n n e s - Schwabach, Münz- Berent, E. Munk-Berlin, L. Munk-Marburg, Ncuwirth-Bingen, Nobel-Leipzig, Pick-Berlin, Petuchowski-Berlin, 3io sen ack-Bremen, Rosenthal-Pr.-Aargard, Stein- Schweinsurt, Stein-Berlin, Weiub e r g - Sulzbürg, Weingarten-Eins, Wo hlgemuth-Bcrlin, Wreschner - Smnter. In Vertretung des amtlich behinderten Vorsitzenden, Herrn Oberrabbiner Tr. Feilchenscld-Posen, begrüßt Herr Distriktsrabbiner Dr. P. K o h n - Ansbach die Erschienenen und gibt vor Eintritt in die Tagesordnung dem Vorsitzenden der Gemeinde Adaß Jisrael das Wort, welcher der Versammlung im Namen der Gemeindebehörden herzliche» Gruß des Willkommens entbietet. Die Versammlung trat dann mit Entgegennahme der Berichte des Vorstandes und der Kommissionen in die Tagesordnung ein. Aus denselben ging hervor, daß die Vereinigung zur Zeit 72 Mitglieder zählt und der günstige Kas.enbestand die Begründung eines festen Fonds' in allerdings noch bescheidenem Maße ermöglicht hat. In der sich anschließenden allgemeinen Diskussion verweist Baßfreuud -Trier aus den noch immer bestehenden Mangel an einem zeitgemäßen Schechitabuche in deutscher Sprache und fordert die Beschaffung von Ritualien zu mäßigen Preisen. Rosenack-Bremen wünscht Einsetzung cjner Kommission zur Sichtung bezw. Herausgabe angemessener religiöser Jugendliteratur. Auerbach- Halberstadt schildert die HUslosigkeit zahlreicher kleiner Gemeinden bezw. der Erhaltung der rituellen Institute und erklärt die Schöpfung einer umfassenden Organisation für notwendig. Ter Vorsitzende dankt für die Anregungen und schlägt unter Zustimmung der Versammlung vor, die Erörterung des letztgenannten Themas im Rahmen der in Aussicht genommenen „freien Besprechungen" stattfinden zu lassen. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildet das Referat des Herrn Landrabbiner Dr. I. Löb-Emden über eine Petition des „Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" (Schomre Schabbos) in Frankfurt a. M. In dieser Petition wird unter ausführlicher Begründung das Ersuchen an die Versammlung gerichtet, im Jnteresse der Angestellten im lausmäiinischcn Betriebe von der Licenz der Association leinen Gebrauch zu machen. Referent erllärt sich gegen die Aufstellung bindender Normen seitens der Versammlung, fordert aber, daß die bezügliche Licenz nur unter der Bedingung erteilt werde, daß. in das Personal prozentualiter solche Angcstclüc auszunehmen sind, welche von der Arbeitsleistung am Sabbat dispensiert sind. Zugleich fordert Referent, daß die Vereinigung Schritte tue, die Berschmelzung sämtlicher Vereine Deutschlands herbeizusühren, deren Zweck in dem Schutz der Sabbatruhe im wirtschaftlichen Leben bestehe. Ter Vortrag löste eine eingehende, lebhafte Debatte aus, in welcher zum Ausdruck gebracht wurde, was crsahrungsmäßig pro und.kontra spreche und die Mehrzahl der Redner sich den Ausführungen des Rcfercnicn anschloß. Zur Frage der Verschmelzung betont Tr. E. B i b e r f c l d - Berlin die Schwierigkeiten, welche bisher ihr hinderlich in den Weg traten, und lenkt die Aufmerksamkeit auf den jüngst ins Leben gerufenen „Bund der S a b b a t f r c u n d e" mit dein Sitze in Berlin, dessen Zweck die Mitarbeit.an allen der Sabbatheiligung geltenden Aufgaben, nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiete, sei. 'Die Erörterung schließt mit Annahme eines Antrages Wreschner- Samtcr, die Petition in folgendem Sinne zu beantworten: „Die „Vereinigung" erkennt die Bedenken, welche gegen die Association geltend gemacht sind, an, muß aber mit Rücksicht auf die Verschiedenheit der allgemeinen wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse es jeden: Rabbiner überlassen, nach Würdigung der besonderen Sachlage seine Entscheidung zu treffen. Im Falle der Zulassung der Association soll der Rabbiner dem Petenten ans Herz legen, daß er nach wie vor die religiöse Verpflichtung habe, jüdische Arbeitskräfte unter Dispens von der Sabbat- oder Festtagsarbcit im Personal zu beschäftigen." Am zweiten Verhaudlnngstage begann die Beratung mit dem Ziese rat des Herrn Realschuldirektors Tr. G. Lauge- Frankfurt a. M. über die religiöswissenschöstliche F ortbildungdcr Religionslehrer. Nach eingehenden und hochinteressanten Ausführungen faßte der Redner seine Wünsche in drei Thesen zusammen, die in folgender Form von der Versammlung gebilligt wurden: 1. Es ist anzustrebcn, daß nirgends Lehrer an Religionsschulcn angestellt werden, die nicht staatlich geprüft sind oder vor einer aus Rabbinern und Lehrern gebildeten Kommission eine Prüfung abgelegt haben. 2. Für Seminar-Abiturienten sind Kurse auf ein Jahr einzurichtcn, um ihre Ausbildung in den religions-wissenschaftlichen Disziplinen zu erweitern. 3. Die Rabbiner sollen der religiösen Fortbildung der Religionslchrer — nicht nur der . ihrer Aufsicht unterstellten — ihr Interesse widmen: a) durch Einrichtung von Konferenzen, die möglichst alle 14 Tage abgehalte» werden; b) durch Förderung des Selbststudiums; es sind geeignete Werke zu enipsehlcn und deren billiger Bezug zu vermittclii; e) sollte von gcsetzestreuer Seite noch der Wunsch nach Einrichtung von Ferienkursen laut werden, so ist das Rabbiner-Seminar in Berlin zu ersuchen, einer solchen Anregung Folge zu leisten. In der überaus lebhaften Diskussion, die sich bis Mittag hinzog, brachten vor allem die Herren, die in ausgedehnten Landes- und Tistrikts-Rabbinaten wirken, aus dem reichen Schatz ihrer Erfahrungen wichtiges Material zur Behandlung der einschlägigen Fragen. Es stellte sich jedoch im Lause der Befprechung heraus, daß die Verhältnisse in den einzelnen Bundesstaaten und wiederum in den Provinzen Preußens so grundaus verschiedene sind, daß eine allgemein gültige Norm ohne Weiteres nicht aufzustellen wäre. Der Vorstand wurde daher beauftragt, eine Kommission einzusetzen, der für je eine Gruppe von Bundesstaaten rcsp. preußischer Provinzen ein Mitglied angehöre und die in möglichst häufigen persönlichen Zusammenkünften das Material bearbeite und das Resultat der nächsten Tagung der Rabbiner- Vereinigung vorlege. Sodann hielt Herr Seminarrektor Dr. Hoffmann-Berlin den angekündigten halachischen Vortrag über Sugje Tcmunnn (Kethuboth 75). Es war eine Freude zu hören, wie die Koryphäen der Talmudwissenschasten miteinander diskutierten, bis sich alles in Harmonie löste. Es folgte das Referat des Herrn Provinzial- Rabbiners Dr. L. M u n k - Marburg'über „Trauer- Vorschriften nach erfolgter Feuer-Bestattung", an dessen scharfsinnige und gelehrte Äussührungen sich eine rcligionsgesetzliche Diskussion schloß, die in Kürze nicht wiederzugeben ist. Alle Redner teilten, wie selbstverständlich, den Standpunkt des Referenten, daß die Feuerbestattung durchaus unstatthast sei und daß ihrer Anwendung durch den Hinweis auf die mannigfachen Folgen (hinsichtlich der späteren Bestattung der Zlschcnreste, der Beteiligung der Chcwra-Kadischah usw.) möglichst tntgcgenzutreten sei. Für die vorliegende Einzelfrage, über welche die Meinungen geteilt waren, sollte innerhalb der Versammlung nicht.' entschieden werden, und so wurde das Referat sowie die Ansichten, die die 'Diskussion zu Tage gefördert, der halachischen Kommission als Material überwiesen. Alsdann wurde die am Vortage unterbrochene Debatte über die von Auerbach -Halberstadt gegebene Anregung zu einer Z u s a m m e n.s ch.l i e ßu n g a l l e r G e s c tz c s t r e u e ii fortgesetzt. Nach einer sehr lebhaften Diskussion wurde folgende Resolution Auerbach (Halberstadt) - Munk (Berlin) . angenommen : „Die Versammlung wünscht im Sinne der Tendenz der „Vereinigung" wie zum Schutz und zur Förderung der religiösen Institutionen innerhalb der Gemeinden, daß eine Gcsamtvereinigung aller traditionell-gesetzestreuen Juden ins Leben trete und beauftragt den Vorstand zur Erlangung dieses Zieles mit bereits bestehenden Korporationen verwandter Tendenz Fühlung zu nehmen." Zum Schluß erstattet Herr Distrikts-Rabbiner Dr. K o h n - Ansbach sein - Referat über: „Das Verhalten der Schächter gegenüber den aus der Veterinärkunde sich ergebenden Maßnahme n". Redner kam zu dem Resultat, daß in Bezug auf die Schlachtvieh- Beschau die Maßnahmen auch von den rituellen Vorschriften gefordert werden (abgesehen von der Untersuchung auf den Ernährungszustand). In Bezug auf die Fl e i s ch - Beschau könnte die Berücksichtigung der nicht ausdrücklich in den Ritual-kodices behandelten Veterinärmaßnahmen seitens des Schochet auf Grund des Satzes Chamiro sakanto gefordert werden. Im klebrigen wies der Redner auf die Thesen hin, die Herr Rabbiner Auerbach -Halberstadt im Jahre 1898 als das Ergebnis eines analogen Referats aufgestellt hatte. Im Anschluß an das Referat teilte Herr Rabbiner Dr. Horovitz-Frankfurt a. M. eine Reihe von Spezialsällen ans seiner eigenen Praxis mit. Eine Diskussion konnte sich leider an die aktuellen und interessanten Anregungen des Referenten nicht anschliehen, da es mittlerweile 8 Uhr abends geworden war und die Verhandlungen seit 9 Uhr morgens gewährt hatten. Ter Vorsitzende Dr. Ko h n gab sodann in kurzer Darlegung eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der beiden Verhandlungstage und wies dann tief ergriffen auf die rege Anteilnahme, hin undsdie begeisterte Hingebung, deren sich die diesjährige Generalversammlung erfreut hatte. Solch Liebe und Treue müsse und werde ihren Lohn im gottgesegneten Wirken und Schassen finden. Nachdem sodann Herr Dozent Dr. Wohlgemuth-Berlin dem Vorsitzenden für die Unparteilichkeit und Gewandtheit gedankt hatte, mit der er diese schier zwölsstündige 'Dauersitzung geleitet, wurde die Generalversammlung geschlossen. Enorme Auswahl Fächer — jeder Art zu billigen Freisen bei fflook & Scliöndnbe, Stein weg No. 7. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Frankfurt n. M. Zeitgemäße Annonce. 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