Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 48 (16.12.1904)
- Date
- 1904-12-16
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Frankfurter Israelitisches Fainitienblatt. Nr. 48. Rede, daß der Vater des Mädchens „ein durchaus angesehener und ehrenwerter Mann", ist. Trotzdem ist es dem Herrn von Hammerstein ganz gleichgültig, daß er den Namen dieses angesehenen Mannes vor Millionen von Atenschen bloßstellt. Wir gestehen, Laß wir uns da nicht zurecht zu finden vermögen und wir bedauern, daß im Hause sich nicht ein einziger Wgeordneter gefunden hat, 1)er gegen dieses Betragen Einspruch erhob. Berlin. Das Endresultat der Wahlen - zum Direktorin ni der Akademischen Lesehalle. Die Wahlen sind Montag Abend 6>/s Uhr nach viertägiger Dauer geschlossen worden. Es sind im ganzen abgegeben worden 1461 Stimmen; davon haben erhalten die nationale Partei 837 Stimmen, die katholischen Korporationen 212 Stimmen, die Ar eie Wissenschaftliche Vereinigung 207 Stimmen, der Verein jüdischer Studenten 205 Stimmen. Es sind mithin gewählt 8 Vertreter der nationalen Partei: Lorentzen (B. T. St.), Hennig (Akad. Verein für Mathematik und Physik), Lcbede (Nat. Zinke), Schafsert (Mad. Ruderbund), Güntzel (SB. D. St.), Immer (D. V.), Pietsch (Evang. Bund), Pirsche! (Rat. Zinke), 2 Vertreter der katho- - fischen Korporationen: Heidemann (Askania), Tombrowski (Suevia), 2 Vertreter der FrcienWissenschaftlichen Vereinigung: Simon, Kraus, 2 Vertreter des Vereins jüdisch e r S t u d e n t e n. Die Wahl hat auch diesmal mit dem Siege der politisch rechtsstehenden Parteien (nationale Partei und Katholiken) geendet, sie werden im Präsidimn 10 Mitglieder stark sein gegen 4 Mitglieder der beiden linksstehenden Parteien. Im vorigen Jahre wurden 8 Vertreter der nationalen Partei, 2 der katholischen Korporationen, 2 der F. W. V., 2 des Vereins jnd. Studenten gewählt. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt «. M. Mitteilungen der Nationalfondkommission der Zionistischen Vereinigung Frankfurt a. M. An der von uns vorgcschlagencn monatlichen Selb st b e st e u e r u n g zu Gunsten des jüdischen R a t i o n al f o n d s haben sich mit dem Einheitssätze von 30 Pfg. für den Monat November beteiligt die Herren: I'. L. Goitcin, H. Friesländer, I. Feingold, Tr. med. I. Mayer, A. Reinhardt, I. Oppenheimer, L. Oppenheimer, Saly Geis, Selmar Geis, W. David, James Lewy, H. Kolliner, I. Gans, jS. Mederhofheim, B. Lamm, B. Wolpc, I. Hirsch, H. 'van der Walde aus Frankfurt a. M., Frl. Katz, K. Rosenheimer, N. Liebes, Jos. Oppenheimer II., Josef den Schimon, N. Fleischmann, N. Koschland, sämtlich Frankfurt a. M. Für September haben uachtr äglich beigesteuert: N. Liebes, K. Rosenheimer, Frankfurt a. M. Für Oktober: N. Liebes, G. Stern, Frankfurt a. M., Frl. G. Stcigerwald, Frl. H. Reinhardt, K. Rosenheimer. Ta die Selbstbesteuerungsgelbcr im Monat Dezember ebenso langsam einlaufen, wie-im vorhergehenden Monat, werden die säumigen Steuerzahler daran erinnert, ihre Steuerbeiträge pünktlich ein- _ zuzahlen, damit die Kommission die Gelder regelmäßig obführen kann.. Für die O e l b a u m s p c n d c sind eingegangcn Mk. 18 imd zwar: von Ä. 8.für Frau Tr Franzl Feu'chtwanger ' 1 Baum „ Eduard Nosenheim aus seinen Namen 1 „ „ Frl. Rosa Rosenheim für Tr. Hirsch, Auerbach 1 », zusammen 3 Bäume Für Telegramme sind dingegangen: Zur Verlobung Wolpe-Seligmann, Frankfurt a. M., von S. H. Goldmann und Frau 30 Pfg. , von H. Kolliner 30 „ Zur Verlobung des Tr. Hugo Benedikt, Wien, H. Kolliner 50 „ zusammen 1,10 Mk. An gewöhnlichen Spenden sind eingelausen: Lehrer I. Mprowitsch u. E. Werblowski, beide in Heßloch i. d. Pf. L 1 Mk., zus. 2 Mk. Sämtliche eingegaugenen Gelder werden in No. 51 der „Jüdischen Runds ch a u" zu Berlin vom 23. Dezember ansgewiesen erscheinen. i Briefmarken spendeten: S. Rosenthal (800), Schüler Leo Lion, Josef Oppenheimer, Geschäftsstelle des Frankfurter Israelitischen Familienblatts. Zigarrenspitzen spendete ein Kistchcn voll Herr Wilhelm Nemeti. Staniolkapseln rin Kilo Herr S. Nieder- ‘ hofheim. Stuttgart. Die zionistische Vereinigung der: anstaltete am 8. Tez. im Europ. Hof eine Makka- . b äe r fei er, die von etwa 200 Personen besucht war und einen glänzenden. Verlauf nahm. Herr Julius Simon-Mannheim sprach unter großem Beifall, ebenso hatten seine Rezitationen Herzl'scher Werke warme Anerkennung gefunden. Ter Zionismus bringt doch etwas jüdisches Leben in die erstarrten Gebeine. Neuanmcldungen zur Ortsgruppe fandenstatt. Für den Nationalfond kam ein Betrag zusammen. Königsberg i. Pr. Die Feier des Makkabäer f e st e s beging am Sonntag Abend in der Bürgerressource die Zionistische Vereinigung, Nach einem Konzertstück der Pionierkapelle begrüßte der Vorsitzende der Vereinigung, Dr. med. Hoppe, die Erschienenen, und dann hielt Rabbiner Dr. Joseph aus Stolp die Zestrede, in der er eine Parallele zog zwischen den einstigen Kämpfen in den Tagen der Makkabäer und der Jetztzeit. Damals galt es nichts anderes als einen Kampf des jüdischen Volkes um seine Selbsterhaltung, denn das- Eindringen der hochentwickelten griechischen Kultur bedeutete die innere Zersetzung, die allmähliche Auflösung des jüdischen Volkes unter den übrigen Völkern. Und jetzt gelte es wiederum 'einen Kampf tun die jüdische Selbstbehauptung, nur daß er ungleich schwieriger sei und ganz andere Anforderungen an die jüdische Lebenskraft stelle. Ten» das Eindringen der modernen europäischen Kultur in die jüdische habe das jüdische. Volk durch die seit Moses Mendelssohn beginnende Aufklärung einerseits und die veränderten politischen Verhältnisse andererseits aus seinem Milieu herausgerissen. Ganz abgesehen von seiner verzweifelten nioralischen Lage im Westen, sei der Riß unheilbar, wenn nicht auf nationalem Boden der Einigungspunkt gefunden w e r d c, der unleugbar auf religiösem Boden verloren gegangen sei. Eine Selbstkultur, eine Selbstcntfaltung sei nur möglich in einem neuen jüdischen Volksleben auf eigenem Boden, und zwar nur auf dem heiligen Boden der Väter. London, den 9. Dezember. Der Ausschuß zur Besichtigung des von der Regierung den Zionisten zur Verfügung gestellten Gebietestn Ostafrika wird noch in diesem Monat abreisen und am 10. Januar in Ostafrika cintrcffen. Er besteht aus Major G i b l o n s, Professor Kaiser und Tr. V i l b u s ch. Professor Kaiser ist der wissenschaftliche Berater der Nord-Kamerun-Gcsellschaft, Tr. Vilbusch ist Ingenieur. —ne— Niederlande. Am 30. November hielt in Haarlem die dortige zionistische Ortsgruppe eine Generalversammlung ab, in der Herr A. Vecht zum Vorsitzenden gewählt wurde. Vecht ist ein orthodoxer Jude und kam auf seinen Reisen durch alle Weltteile zu der Ansicht, daß der Zionismus nützlich und deshalb nötig ist. Der Vorstand besteht zum größten Teil aus orthodoxen Juden. Zwischen jüdischer Gemeinde und zionistischer Ortsgruppe besteht das beste Einvernehmen; so wurde schon mehrmals die Synagoge der Ortsgruppe für ihre Zwecke zur Verfügung gestellt. Odessa (Rußland). Das Komitee des Chauw e w c Zion, eines seit Jahrzehnten bestehenden Vereines zur Unterstützung der Kolonisten in Palä- 'tina, hat in seiner vorigen Sitzung das Budget ür das nächste Jahr festgelegt. Aus der Rechnung zeht hervor, daß die Einnahmen F r c s. 70 000 ähnlich betragen. Personalien. Rom, 14. Dez. Der Hauptrabiner der jüdischen Gemeinde Roms, der bekannte hebräische Schriftsteller A n g e l o F o r n a r i ist, 78 Jahre alt, gestorben. Frankfurt a. M., 15. Dez. Gestern Abend hatte der „Montefiore"- Ver ein seine Mitglieder zu einer geselligen Ab e n d unter h altun g eingeladen. Sehr zahlreich waren dieselben erschienen und belohnten die ans Vorträgen deklamatorischer und musikalischer Art bestehenden Tarbietungen mit reichem Beifall. Ter nächste Familien-Mend des Vereins findet am 9. Januar,1905 im großen Saale der „Adler"-Logc statt. _ Frankfurt a. M. Dem Reigen der Chanuka- Festlichkeiten schloß sich auch der unter der bewährten Leitung des Fräulein Elbogen stehende „Kindergarten für Israeliten" an. Ter Saal des Kaufmännischen Vereins bot am letzten Sonntag Nachmittag ein ungewohntes Bild. In der Mitte stand ein langgestrecktes Enipore als Tarstellungsort für die Kinder, und das Publikum, aus Geschwistern' und Eltern der Kleinen und Freunden der Jugend bestehend, saß kreisförmig um dasselbe. Herr Dr. med. Mehler begrüßte die Versammlung und gab ein sehr instruktives und anziehendes Bild über die muf den Grundsätzen der modernsten Pädagogik und Hygiene basierende Unterrichts- und Behandlungs- Weise der dem Kindergarten anvertrauten Kleinen. Tie Damen Fr an D r. mc d. H. M a y e r und Frau S. M a y e r - R o s e n f cl d e r erfreuten das Publikum mit einigen Liedern und die lleinen Schüler zeigten dann, was sie unter der liebenden Sorgfalt ihrer Lehrerinnen, der Fräulein Elbogen und Fräulein Landsberg, an Gesang und munteren Spielen gelernt hatten. Die Kerlchen in ihren netten Kostümen machten ihre Sache gut und wurden dafür ani Schluß mit Chokolade und Kuchen bewirtet. Im Anschluß an die Festlichkeit folgte dann am Dienstag, den 13. cr., mittags 4 Uhr im Vereinslokale, Hanauerlandstr. 17, die alljährlich stattfindende Verteilung von Geschenken bestehend aus einer vollständigen Bekleidung, sogar aus Stiefeln, wozu sich ca. 150 Personen eingefunden hatten. 0 Feuilleton. 0 Königshütte (Overschlefien), den 9. Dezember. Sterbe fall. Eine spontanere Kundgebung der Liebe und Verehrung, wie sie dem so jäh aus dieser Zeitlichkeit abberufenen - Herrn Stadtrat Jonas Sternberg erwiesen wurde, hat Königshütte schon sett langem nicht mehr geschaut. — Wer wollte sie wohl zählen, die herbeigekommen waren, um dem teuren Toten die letzte Ehre zu erweisen! Ter Kriegerverein mit umflorter Fahne, eine Abordnung des Männerturnvereins, der freiwilligen Feuerwehr, der beinahe vollzählige Verband ostdeutscher Holzhändler, in dessen Dienste der Verstorbene sein ganzes Können gestellt hatte, der gesamte Magistrat, zahlreiche Vertreter dies Stadtverordnetenkollegiums, eine Abteilung von Polizeibeamten und ein nach mehreren Tausenden, aus allen Schichten der Bevölkerung, nicht nur aus Königshütte, sondern dem ganzen Jndustriebezirk und darüber hinaus, sich zusammensetzendes Trauergefolge lunständen in andachtsvollem Schweigen das Trauerhaus. — Um 21/" Uhr öffnete sich der schlichte Leichenwagen zur Aufnahme, der sechs Bretter, die das treusorgendste Vater- und Gattenherz umfassen. Langsam bewegt sich der Zug nach dem Friedhofe, wo nur einen kleinen Teil des Trauergefolges die. Leichenhalle zu fassen vermochte. Herr Rabbiner Dr. Go ld s ch m i d t entwarf in seiner Trauerrede anschließend an Psalm 45, Vers b in meisterhafter Form ein Bild des Verstorbenen als Mensch und Bürger, schilderte wie sich Liebe und Treue in seinem Wesen gepaart, wie Gerechtigkeit und Friedfertigkeit ein inniges Bündnis mit ihm geschlossen hatten, — und dann wurde der Sarg unter dem herzzerreißenden Schluchzen der Leidtragenden der Erde übergeben. Sein Andenken wird ein dauerndes sein! - . Nachdruck verboten. Die beiden Alten. Skizze von B. Leiser. Sie waren aus der Kleinstadt in die Großstadt verpflanzt worden. Zwei alte Bäume, deren Wurzeln im alten Erdreich festhängen, lassen sich schwer verpflanzen, ohne Schaden zu nehmen. Wer es geschah der Kinder wegen. Die Kinder wollten es so gern! Sie wohnten alle hier im Gewühl und Gehastc der Großstadt. Hier waren sie auch zu Reichtum gelangt, und die beiden alten Leutchen sollten sich hier ihrer Kinder und des Wohlergehens derselben erfreuen. Alles war schon vorbereitet. Eine Wohnung zu ebener Erde, denn das Mütterchen vermochte nicht mehr, hoch zu steigen. Ein freundliches Gärtchen, vor dem Hause und ein kleiner Hof hinter dem-' selbe» zur freien Benützung des alten Paares. Eine Konzession hatten die Jungen den Alten allerdings machen müssen. Keine Neuerungen, keine elegante, moderne Ausstattung. Die lieben, alten Möbel, solide Handarbeit noch, wandelten mit in die Großstadt, kein Stück durste Zurückbleiben. Nur einige Kleinigkeiten und warme Teppiche hatten die Kinder ohne Wissen der beiden alten "Leutchen eingeschmuggelt. — Das war ein harter Abschied, im Städtchen, von der ganzen Gemeinde, den Alten und Jungen. Lange Jahre hatte der alte Mann, der jetzt hinauszog in die Ferne und die Heimatstadt schweren Herzens verließ, ' im Vorstande, auf dem ersten Platz in der alten Synagoge gesessen. Der hatte ihm auch gebührt. Seine Redlichkeit und sein echt jüdisches, hilfreiches Herz hatten ihm überall Freunde geschaffen. Es kam eine Abordnung der. Gemeinde mit einer Dankadresse, es kamen die Armen; und die ihnen die Nächsten waren, die noch ansässigen Verwandten, und Salomon Rüben und Jetta Rüben weinten heiße Tränen. Auch der Bürgermeister fuhr vor und machte seinen Mschiedsbesuch, und alle Ehren wurden somit dem ehrwürdigen Greisenpaare erwiesen.' Aber den letzten Tag hatte cs gebeten, für sich behalten zu dürfen, ganz für sich, der gehörte den geliebten Verstorbenen. Und als die beiden alten Leute gegen Abend in etwas trüber Stimmung vom Friedhof kamen,' da vermochten die nun kahlen Wände des alten Hauses es nicht freudiger zu stimmen. Aber auch' das ging vorbei. , : Eines Tages hielt vor einem Häufe der großen Stadt, ihrem neuen Wohnort, eine Droschke. Es war ein sonniger, schöner Frühlingstag, so' recht