Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 45 (25.11.1904)
- Date
- 1904-11-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Frankfurter Israelitisches Familienblatt, Seite 4._ folen anläßlich -er hohen Feiertage und Pesäch obligatorisch beurlaubt.- Kr«mkf«rt a. M. Als erster mit einem Chanuka-Feier-Prögramm tritt der rührige Verein Montefiore auf den Plan. Am Sonntag, den 4. Dezember, abends 9 Uhr beginnend, wird er in der Frankfurt-Loge eine Feier veranstalten, die, was die Reichhaltigkeit des Programmes und den künstlerischen Wert der, Darbietungen betrifft, eine glänzende zu werden verspricht. Wir heben aus demselben die Aufführung eines Schauspieles — „Das. Puch Hiob" 'nach- Hölty von Leop. Adlergedichtet —' und eines allegorischen Festspieles mit Reigenhervor, auch weisen wir-besonders auf Programm-Nummer 6: Dialekt- , . Dichtungen vorgetragen von Alfred Auerbach, Mitglied: des hiesigen Schauspielhauses, hin. - vt; Alsfeld. Am hiesigen Platze wurde ein jüb. Verein gegründet, der den Ndmen „Jüd. Ber- ' e-rü ig u n-g Geselligkeit" führt. Ter Verein -' bezweckt de» Zusammenschluß der Mitglieder, sowie LiEch Vorträge, Leseabende und Vergnügungen die geistigen-Interessen der Mitglieder zu fördern. In den Vorstand sind gewählt: Vorsitzender: S i e g s r. Wert- Heim, Kassierer: Md i e r L e v y, Schriftführer: Dr. Leop. Rothschild, Beisitzer: I. Lehmann und H. Rosen stock.,Dem Verein traten sogleich 44 /Mitglieder; bei. 7- - - / - : Braunschweiq. Am Dienstag, den 15. November fand hier im Schraderschen Hotel eine Propagandaversammlung für den „Hilf sverelnderDeüt- . scheu Juden" statt. .Dieselbe war von Braunschweig sowohl, wie von den Landgemeinden, insbesondere von Wolsenbüttel Lberdus zahlreich besucht. Den einleitenden Vorträg über-die Geschichte und -7 Entwicklung des HilssvereinS hielt der Präsident desselben, Herr James.Simon aus Berlin, während der^zweite Vorsitzende des HLssvercins, Herr Dr. Paul-Nathan-Berlin über -Bestrebungen unn Ausgaben des „Hilfsvereins der, Deutschen Juden" eineingehendes -Referat erstattetes Tie Bersamnilung war mit den 'Ausführungen der Redner durchaus einverstanden und bewies ihre. . Sympathien für die gemeinnützigen-Bestrebungen des - Vereins durch zahlreiche Beitrittserklärungen nebst - Zeichnungen, deren Resultat als ein -glänzendes bezeichnet; werden' kann. - Behufs: weiterer Propaganda wurde,; ein Braunschweigisches Lanbeskomitee mit dem Mecht der Kooptation gebildet, deni vorläufig die. Herren -Felix Herz selb, Meyers selb, B. .Mielziuer, Landrabbiner Dr. Rülf, Dr. I. ■i: L a u bauet, Justizrat D r. Magnus, F. : Siiirnier-Herford in .Braunschweig und die - /Herren Prof. T ach au und Oberlehrer Ar ätz in Wolsenbüttel angehören. - Wie«.; Konstituierung des jüdischen Kvlvnisatiousveretncs in Wien. Nach, .7 dem dieim Mai d. I. ausgearbeiteten Sitzungen '7 . des Jüd. Kvlonisationsvereines von den zuständigen ■ Behörden einspruchslos zur Kenntnis genommen worden waren und bereits am 17. Oktober eine Vorbesprechung der Proponenten stattgesunden hatte, er- ------ folgteam 14. November die formelle Konstituierung ---, des Vereines im großen Sitzüngssaale der jüdischen .:; Knltusgemeinde in Wien. ---- '- Die zahlreich besuchte Versammlung, welcher die Vertreter sämtlicher Vereine, der Wiener Kultus-;: .gemeinde beiwohnten, .eröffiiete Präsident Dr. Alfred 7','-'Stern. Hierailf.-erstattete Dr. Alfr.ed Nossig das ' .Referat über die'ini Statut präzisierte Bestimmung .^ches Vereines. Nach einer Tiskusslou-schritt man zur Konstituierung des Vereines und zur Wähl des leiten- ' den. Misjchusses, der sich ans folgenden Herren zu- - fammensetzt: - ' ' Präsident Dr. Alfred Ster», Dr. Rudolf Anspitz, ' David R. v. Guttniann, Prof. Dr. (Sjrmaiut, Emil . Horner, Mris. Rat Sachs Rabb. Tr. Schmiedt, Vau- . . rat. Wilh. Stiaßny, Tr.; F. Weisl> -Oscar Marmorek, Dr. I. Bloch Dr. Zins, Ignaz Schiff, Dr. PaPpenheich Der Mtsschuß trat sofort zusammen. Wie«.. Verein zur Förderung des .... Handwerkes unter deit- -inländischen ' . Israeliten. Der enorme Andrang von Knaben, welche sich aus allen Ländern -der .Monarchie um ' . Ausnahme an. d'en; Verein wandten und hie be» - deutenden Auslagen,-welche.'die Bekleidung und Versorgung des dermaligen Standes von mehr als VÜ6 Zöglingen erfordern, haben den Vorstand des genannten Vereins zu dem Beschluß - genötigt, vorläufig die Ausnahme hon Knaben zuMieren. . Pretzburg (Ungarn). Der VereinChowewei- - .Sefas-Ewer, Hesse» Tendenz und Wirken allseitig Lob erfährt, hat nunmehr auch die. Pflege jüdischer Geschichte in sein Programm, ausgenommen; es wurden, schon einige Vorlesungen aus Jawitz's hebräisch geschriebener Geschichte der Jude» . abgchalten. Auch konstituierte sich zu Beginn lieses Semesters eine Vereinigung von solchen Hörern der Jeschiwoh, welche zu Preßburg ständig wohnhaft sind, unter dem Namen „Agudas Reim", wodurch einem lang ge- , fühlten Bedürfnisse entsprochen wurde. Ans bewegter Zeit. ~ Erzählung aus der Zeit der französischen Revolution Bon R. (Fortsetzung.) Die ganze Familie sah abwechselnd' mich. und meine Tracht mit größter Neugier an, worauf sich die Frau in die Küche entfernte und ich, , nachdem'ich mit's ein wenig bequem gemacht hätte, mich an den Tisch begab. -Mein erstes- Anliegen, das ich .an den Hausherrn hatte, war, ob er . mir nicht ein Wachskerzchen zum Anzünden überlassen, könnte. Er willigte mit Freuden ein,- , klebte ein neues Lichtchen neben den anderen bereits brennenden an, worauf ich, umstanden von der neugierigen Hausgenossenschast, laut, feierlich und mit innigster Bewegtheit die Segensformel sprach. Die Frau hatte ebenfalls bei Beginn meines Spruches ihren Kops neugierig durch das in's Zimmer gehende offene Küchenfcnsterchen gesteckt und mir mit Wohlbehagen zugehört. Inzwischen hatte sich auch - die Türe geöffnet und ein ehrwürdiger Greis trat ein, welcher, hingerissen von der allgemeinen Neugier, ebenfalls stehen blieb und mir zuhörte. Ms ich fertig war, gaben mir Alle stillschweigend ihr Wohlbehagen zu erkennen, und der Mte kam mir freundlich entgegen und. drückte mir die Hand mit den herzlichen. Worten: „Friede über Euch; von wannen seid Ihr?" „Ich bin Oberst im französischen Heer und komme aus der Schlacht an der Beresina," erwiderte ich. „So mögen alle unsere Feinde vergehen! ich hoffe. Euer Kaiser wird von jetzt an schon die Welt in Ruhe lassen," entgegnete der Alte; „aber," fuhr er fort, „wenn dein Feind fällt, freue dich, nicht," sagt die heilige Schrift; Sie sind Notleidender, noch dazu unser Glaubensgenosse; seien Sie in unserer Mitte herzlich willkommen." Darauf wandte er sich an den Hausherrn mit der Frage: „Nün,'machen wir zu Ehren Chanuka's .einen Franzefuß."*) „Habe nichts dagegen," antwortete der Hausherr und begab sich zur Kiste, um die Karten herauszuholen. „Ta Du schon an der Kiste bist, hol' auch die Würfel heraus; wir wollen auch Chanuka halten," bemerkte einer der Knaben. „Großvater, gib uns etwas Chanukageld, wir wollen uns Nüsse zum Spielen kaufen," riefen die Knaben insgesamt, indem sie den Wien umstellten und ihn teils bei der Hand, teils am Rockzipfel, die Verwegensten sogar am Bart faßten. Ter Alte gab jedem lächelnd eine Kupfermünze, worauf Mle jubelnd zur Tür hinansstnrmten, um Nüsse zu holen. Ter Hausherr und der Alte setzten sich nun, einer dem andern gerade gegenüber, an den Tisch; Erstcrer mischte die Karten, worauf er diese Letzterem zum Abhebcn gab. Ich setzte mich neben den Alten, welcher während des Spieles mit mir ein lebhaftes Gespräch anknüpste, dennoch aber keinen Vorteil fahren ließ; es war eine fortwährende Unterhaltung, bald mit mir, bald mit dem Hausherrn. „Also sind Sie Oberst," begann der Alte sich zu mir wendend, nachdem er seine Karten aufgehoben und der Farbe nach zusannnengestellt hatte; „kani, bei Euch ein Jude Oberst werden?" Darauf, ohne die Antwort abzuwartcn, wandte' er sich an den Hausherrn mit den Worten: „Eine Tadde."-) „Wie heißt sie?" fragte der Hausherr. „Sieben, acht, neun." „Nichts wert, meine geht bis zum Unter."* * 3 * 5) „Also ein Fünfzig."^) . „Auch nichts wert; meiner ist von Trumpf." . „Also ein Fuß?) — Wie lange dienen Sie schon beim Heer?" . „Wie weit geht er?" „Bis zum Ober?) — Verstehen Sie etwas von diesem Spiel?" „So ziemlich; ich lernte es schon frühzeitig kennen," erwiderte ich. „Ganz recht; jeder vernünftige Mensch soll's auch kennen. Es schärst den Verstand und das . Gedächtnis. Wenn ich mich überzeugen will, ob Einer ein Stückchen gesunden Menschenverstand hat, spiele ich mit ihm einen Franzefnß. — Kann ich ausschreiben?" wandte er sich wieder an den Hausherrn, sndem er die Kreide zur Hand nahm. „Ich muß Sie wieder um Verzeihung, bitten; ich habe einen gleichen und zwar .von Trumpf." „Was benötigt es einer Verzeihung? beim Spiel gibt es keine Freundschaft und keine Verwandtschaft; Vater und Sohn, die .mit einander spiele», sind während des Spiels Gegner." „Ta Sie es so gleichgiltig nehmen, zeige ich Ihnen an, daß ich einen siebenten Fuß habe," . Darauf zeigte der Hausherr offen die Karten, und der Alte legte die seinigen. nieder, als Beweis, daß er bas Spiel für verloren gebe. So eben schickte sich der Hausherr zum. Mischen und zur abermaligen Austeilung der Karten an, als die Türe sich öffnete und die Kinder geräuschvoll, mit den vollgepfropften Säcke» klappernd, ein- Rr. 45. traten; hinter ihnen blt Hausfrau mit einem Tisch, tuch und Eßzeug; bann eine Magd mit einem Teller dampfender Suppe und einem LaibSchwarzbrot», welche mir vorgelegt würden. Ich erhob mich ehrerbietigst vom Platz und ersuchte um die Erlaubnis zum Waschen. „Seht mir da einen Zaddtk an", fiel, - der -Alte spötttsch ein, „hat wohl noch nie . in seinem -Leben mit ungewaschenen Händen gegessen!" - 7-.. „So oft es mir möglich war, mit gewaschenen zu essen, noch nie!" erwiderte ich mit bestimmtem, etwas gereiztem Tone, ,-mein ehrwürdiger Rabbi/'gab mir vor meiner Abreise die goldene Lehre: „Halte/-was zu halten ist, und däs Unmögliche last fahren!" und diese war die Richtschnur meines religiösen.Lebens Mährend meiner ganzen kriegerischenLaüfbähn." „Sind Sie gar, am Talmud' vorüber'gegängen?“ setzte er im vorigen Tone fort, ohne von den Kurten wegzublicken. . ,; „Nicht nur vorübergegangen, sondern lange darin verweilt. Ich habe zwar schon in; zwanzig Jahren nichts gelernt, lasse mich aber noch nicht verkaufen." Nachdem ich. nun meine Hände gewaschen und den Segen gesprochen hätte, fing ich gemütlich,; Mein Mahl zu nehmen an, als.uns aus der Nachbarschaft ein heftiger Wortwechsel entgegentönte,, wobei ich einige echtfranzösische Flüche hörte; wir sprängen alle erschrocken von unser» Sitzen auf, als ein schönes, junges Mädchen mit erschrockener Miene'und zerstreuten Haaren eintrat: „Geschwind zur Hülfe, Einer von den Zarfes will die Großmutter" erstechen!" „Wird nicht geschehen," beruhigte ich sie, „bleiben Sie nur ruhig, meine Herren,- ich übernehme es allein, die Sache in Ordnung zu bringen," Ich begab mich in das bezeichnet« Haus und sah daselbst einen unserer Soldaten mit - gezücktem Schwert vor einer alten Frau stehen, welche,- in Todesschweiß gebadet, in einer Mauerecke stand und zitterte. Der Soldat überfuhr oft hastig mit seiner Handfläche die Schärfen des-Schwertes und bestrebte sich, der armen Frau etwas begreiflich zu machen, die gute Alte aber verstand ihn nicht und suchte sich bor' ihm zu flüchten; je mehr sie ihm aber ausweichen wollte, desto näher ging er ihr an den Leib. Als ich ihn bei meinem Eintrittfragte, was da vorgehe, erwiderte er mir ganz naiv, erhabe sie gefragt, .ob nicht ein Schleifer im Orte wohne, oder ob sich kein guter Schleifstein im Hause befinde, indem die Spitze, seines Bayonettes abgebrochen war; da sie seine Worte nicht verstand, suchte er es ihr durch Geberden begreiflich zu machen. Ich erklärte nun der zitternden Wen den ganzen Vorgang; und kehrte ruhig wieder zur Mahlzeit zurück. - Es sollte mir aber ' durchaus nicht vergönnt sein, meine Suppe ruhig zu verzehre». Kaum hatte ich den Löffel wieder zur Hand genommen, als ich von der Lärmtrommel hinausgeschreckt wurde. Ein ansehnliches russisches Heer hatte sich nämlich gegen »nfern Aufenthaltsort Studianka' in Bewegung gesetzt, um uns daselbst einzuschließen. Ünserm Kaiser Napoleon war-es-höchst dringend, den Rückweg nach Paris sortzusetzen; in eine Schlacht uns-einzulassen/ waren-wir teils zu gering an Zahl, teils zu sehr von der.letzten Schlacht ermüdet. Es galt nun für's Erste, unserm Kaiser einen freien Durchweg durchs feindliche Heer zu verschaffen, dann uns selber dürchzuarbeitem Guter Rat war nun teuer. Ich kehrte nun schnell in meine Wohnung wieder zurück, fand aber diese ganz leer, indem sich deren Bewohner alle zerstreut hatten, um 'nach der Bedeutung des Lärmens zu fragen. Schnell war mein Entschluß gefaßt; ich raffte die 'zwei langen polnisch-jüdischen Talare und die hohen Schubezen^) des Hausherrn und des Wen, welche an der Tür aufgehängt waren, zusammen, legte auf den Tisch zwei Napoleond'ors nieder, und schrieb eilends mit der Kreide auf den Tisch einige Zeilen, worin ich den Hausleüten meinen innigsten Tank für ihre gastfrenildliche Aufnahme aussprach und meinen Diebstahl als ein Erfordernis der dringendsten Not darstellte. Mit dem gestohlenen Gut unter dem Mantel begab ich mich -zum Kaiser und bewog ihn, sich in-diese Verkleidung zu stecken, da nur diese ihn'schützen köiinte. Halb lächelnd und halb mit Widerwillen fügte er sich darein, worauf ich den ander»; Anzug anlegte und bei einem Bauer eilends einen Schlitten besorgte.; - (Schluß folgt.) Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.)..' Geehrte R-eda.kti-ou!;- ' Seitdem in jüngster Zeit dem ungarischen Wgeordnetenhause eine Vorlage. des Kultusministers vorgelegt worden ist, in der die Schließung aller Chei) Ein Kartenspiel. -) Drei aufeinaitderfolgende Figuren derselben Farbe. 3) Auch Untermann, sogenannter -Bub'. *) Vier aufeinanderfolgende Figuren derselben Farbe. 5) Dergleichen fünf. ' ' . a) Auch Obermann, sogenannter Ritter. -) Polnische Pelznrützeu. . . --