Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 45 (25.11.1904)
- Date
- 1904-11-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692358-2692403--01249-2695740- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 45. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. tzorim, sogenanntek" „Winkelschnteü" vtzrlangt-wirb, - erschallt im orthodoxen Lager ein lautes WehgeschreÜ Man sieht das Judentum durch die voraussichtliche - Annahme dieses Gesetzes von schweren Gefahren bedroht, doch man bedenkt nicht, haß die Chedorim in ihrer gegenwärtigen Gestaltung he- --bäuerlicher Weise selbst ein Krebsschaden sind. Ter ' <Abfall voll der Orthodoxie nimmt trotz aller Chedorim von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erschreckend' zu; —' und es ist nur dann an eine Gesundung zu .denken, wenn wir selber unbarmherzig das Sezier- ' messer andie Wunde legen. Das soll mit diesen Zeilen, um deren' Veröffentlichung ich die geehrte . Redaktion - bittegeschehen! Eine allgemein bekannte Tatsache im Lager der ungarischen Orthodoxie ist, daß ein überaus hoher 'Prozentsatz ihrer.'Führer und Anhänger weit,unter dem Niveau der Neologen stehen, nicht nur an 'materiellen Gütern, sondern und speziell an profanwissenschastlicher Bildung. Auch steht fest, daß ihnen ein objektives Urteil infolge ihrer Lebensfremdheit häusis abgeht. 'Wie selbstverständlich dies,ist, geht am besten aus der Methode der Jugenderziehung hervor. Kaum, daß der Knabe das zehnte Lebensjahr erreicht, wird er von seinen Eltern in das viele Meilen entfernte Cheder geschickt, und der liebe .Vater verabschiedet .'sich von ihm mit den Worten: „Sei brav und lerne ' fleißig." Sein zukünftiger Erzieher ist nun ein junger Mann, der selbst nie., einen angenehmen Tag gehabt Und meint, .daß die Kinder durch Prügel und Strafen glücklich gemacht werde». Tie Erziehung selbst bezweckt nichts anderes, als das Bollpfropseu des Kindes mit silbischen-Kenntnissen ohne Rücksicht ans die Frage seiner späteren Lehensexistenz. In der Gegenwart.lebt der Knabe größtenteils vom Bettel. Ter Anfang.wird gemacht mit dein Verlangen nach Kosttagcin Ein Schüler, der alle Kosttage beseht hat, darf sich füglich glücklich schätzen. Tie meisten haben, kaum eine halbe Woche zu beißen; sie bekommen für die fehlenden Kosttage von dem jeden Freitag für die Schüler gesaminelten Gelde 5—10 Kreuzer, die vom Lehrer verteilt werden. Für - Miete und Unterrichtsgeld muß der Schüler zahlen. Infolge seiner drückenden Notlage muß er das hierfür notwendige Geld auf Bettlerart aufbringen. Es gibt injedem Cheder sozusagen sanktionierte Tage, die für den Bettel bestimmt sind, so die Freitag . und Neumondstage. Sein Bett muß er getvöhnlich mit noch einem, manchmal auch, zwei Kollegen teilen. Im Winter leidet er unter der Kälte, in» Sommer unter drückender. Hitze. Das Beismumenschlafen begünstigt hie Unsittlichkeit ungemein und es sindmir - grauenerregende Fälle bekannt, die natürlich ver-; tuscht werden. Halbjährlich ist die Zeit der großen Wander- ' schaft, so um Pesach und die Jomim Nauroim. Ta durchfluten Tausende ungarischer Cheder-Knabeu und Jeschiwoh-Bachurim die gesegneten Fluten Ungarns, und nächtlicherweile findet man die zukünftigen Führer und Mitglieder der Orthodoxie in eineni Kuh- resp. Pferdestall eines jüdischen Gutsbesitzers. Auch die Getreibegarben auf offenem Felde sind ihnen nicht unbekannt. Dieser Lebenswandel regt die Eltern der Unglücklichen nicht sonderlich auf: „Ter Fromme muß auf dieser Welt darben." Bo» den Rabbinern jedoch ist das Vorschub leisten resp. Erhalte» solcher Schulen einfach gewissenlos. Kinder werden Leute. Tein Cheder folgt die Jeschiwoh, hier ist. der Rabbiner der spezielle und unmittelbare Lehrer und Erzieher. Mit der Zeit jedoch beginnt es in den Köpfen zu dämmern. Ter Fleiß laßt nach, an Stelle der tierischen Ergebenheit tritt der Gedanke an die Selbstbestimmung, an die Freiheit. Alle rütteln an den Fesseln. Manche sehen jeden Ausweg verschlossen, manche beugen sich dein entschlossenen Willen der Eltern, den Verwünschungen und Drohungen der Rabbiner. Ein anderer Teil wendet dem Lande den Rücken, flieht und meidet die Nähe jener Leute. - - Tiesist also die Methode der Jugenderziehung der Orthodoxie Ungarns. Tas körperliche und geistige Wohlergehens sowie die Zukunft der Jugend wird imbeachtet gelassen, und nachher wundert man sich, daß die Lehren des Judentums keine Wurzeln schlagen. — Und das bei der rapiden kulturellen Entwicklung des ungarischen Volkes, wo eine solche Methode der Jugenderziehung — die bei allein Thoralernen wahrlich nicht im Geiste des Judentnms ist - - erst recht Selbstmord verüben, sich den Todesstoß mit eigener Hand versetzen heißt! Tas Verbot des Kultusministers - - das gewiß auss Konto der ncologcn Rabbiner zu setzen ist - schiebt »nn einen Riegel vor gegen die Willkür und den Fanatismus der Eltern und Rabbiner. Wie sehr auch was Studium der hebräischen Sprache und der talinudischen Wissenschaft vorläufig darunter leidet; immerhin ist nun zu hoffen, daß die ungarische Orthodoxie nun "endlich einmal zur Selbsterkenntnis kommen wird.*) J. Cr. *) Ter geschätzte Einsender schüttet das uind mit dem Bade aus. — ES scheint auch »ns, daß seitens der ungarischen -Orthodoxie speziell ans dem Gebiete des Schulwesens manches vernachlässigt worden ist. Recht bezeichnend in dieser Hinsicht auch für den in die ungarischen Verhältnisse Uneingeweihten ist z. B. die Tatsache, daß die ungarische Orthodoxie seit ihrer 34jährigen Separation nicht einmal ein Lehrerseminar geschaffen und daß so die meisten diplomierten Lehrer der jüdischen Gemeinden aus dem neologcn Seminar hervorgehen. Aber alle dem Cheder anhaftende» Mängel dürsten nicht de», S y st e >» der Chedorim zuzuschreiben sein, denn das Jdeal-Cheder, das von dem Grundsatz ausgeht, jüdischen Kindern erst jüdisches Wissen und jüdisches Tenkeu zu geben, bevor sie init den allgemeinen Wissenschaften bekannt gemacht werden, dieses Jdeal- Cheder bedeutet für uns die Erhaltung des Judentnms. Es ist heiligste Pflicht der Orthodoxie Ungarns, für die Erhaltung des Cheder ihre Krast einznsetzen und dann — wenn ihre Bemühungen geglückt sind — sofort die Chedorim zu reorganisieren. Anm. d. Red. Verein zur Wege jriütscherr Wissens (Tiferes Bachurim). Sonntag, den 27. November 1004, abends 831 Uhr, im Bereinslokate Hermesweg 25/27. Vortrag des Herrn Israel W a l l a ch: „H i l l e l Und 3 ch n m in n i". Gäste sind willkommen. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barnlizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos.) Eugen Neuberger, Sohn des Herrn M. Reuberger. Kleine Obermainstratze 17, Karl Weil. Sohn von Frau Jda Weil Wwe., ged. Merzbnch. Baumweg 40. Max Lmdenbaum, Sohn des Herrn Lindenbaum. Königswarterstraße 4, in der Synagoge der Israel. Religionsgesellschnfk. Schützenstraße. Familieuuachrichteu. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn, Herrn jiarl Marxsohn, Frankfurt am Alain, Pstngstweidstr. 10. Eine Tochter, Herrn Mar Bauer, Frankfurt «. M., Escheiiheinieranlagc 30. Verlobte. Gnsti Schweizer, Ingolstadt, mit Arthur Loeb, Bern. Claire Heß, Franksurt a. M., Aittelsbacher Allee 0, mit Ludwig .Baer, Frankfurt a. M., Langestr. 10. Eheschlietzuugeu. Karl Mürez, Horacdowitz (Böhmen!, init Ella Bondy, Horowitz. SterbefSlle. Inda Zadok Lorsch, 73 Jahre alt, Frankfurt am Main, Fürstenbergerstr. 225. Manasse Neustadt, 62 Jahre atk, Frankfurt a. M., Ketteiihosweg 107. Marcus Cah», 5!> Jahre atk, Frankfurt a. M., Sternstr. 28. / L. D. Katzenberger, Mosbach. Clara Nenbergcr, 28 Jahre alt, Frankfurt a. M., Bockenheimerlandstraße 68. Samuel Klauben, 60 Jahre alt, Prag. Juhu— nun ist mir wieder wohl! ♦ ♦ ♦ Den Husten, die Atembeschwrrden, den Brechreiz und das miserable Sodbrennen — alles bin ich los — und noch dazu für billiges Geld. Ganze zwciSchachtelnSodenerMineral-Pastillen — allerdings die ächten von Fay — haben das Wunderwerk getan. Zum Preise von 8» Psg. per Schachtel in allen Apotheken, Drogerien u. Mineralwasser-Handlungen zu haben. Ich "-verlege mit Anfang nächsten Jahres meine Lokalitäten von Sphillerstrasse 20 nach Schillerstrasse 7 und unterstelle deshalb meine Vorräte einem Ausverkauf* mit namhaftem Babatt. Ich biete damit eine selten günstige Gelegenheit zum Einkauf silberner Gebrauchs- und Luxusgegenstände aller Art. Felix Horovitz Telefon 8851. Scliillerstrasse 20. Telefon 3851. Als passendes Geschenk für Jung und Alt empfehle 8 Bibel- und Talmudschatz o von J. H. Kolm Q 8te Auflage, neubearbeitet von Rabb. Dr. S. Bamberger, ged. Q sieg. Lwd. Mark 5.—, Prachtband, echt Goldpressnng Mark 5.50. MV Grössere Posten für Schulprämien nach Vereinbarung. "WG 2f q George Kramer, Hamburg1 q O" ... Hebräische Exportbnchhandlnng. Q T. H, Voigt X£o^p2xotogrxai?33. S. &£- des JESalaers i3.a.d. ISöalg* Melier für künstlerische Photographien. Telephon 4981. Kaiserstrasse 6, I. Etage. Geöffnet: Werktags.9—7 Uhr. - Sonntags 10—4 Uhr. Bamberger & .Hertz , Zeit 54 (neben d. Hauptpost), nur erste Etage.' Grosses Spezialgeschäft für Herren- und Knaben-Gärderobe. Sporto. Lolieil-SeMiliM. Livreen. Rituelle Maassanfertigung. Spezialität: Kleidung für corpulente Herren. Man verlange Cataloge. Wäscheu. Leinen-Hans, Max Qettinger ■ Hanauerlandstr» 27, Ecke Hölderlinstr. offeriert als prelswürdlje Geschenke: Damenhemdeu ä 90 Pfg.. 1.25, 1.65, 2. per Stück und höher. Damenhosen ä Mk. 1.—, 1.20, 1.50, 1.75 per Stück und höher. Xachtjaken i» Mk. 1. — I,is 3.— per Stück und höher. Tischtücher ä 90 Pfg.. 1.25. 1.70, 2.25 per Stück und höher. Jacquard-Handtücher von Mk. 2.25 bis 5.— per '/» Dtzd. und höhe». Kaffeedecken von 90 Pfg. an biä Mk. 6.— per Stück und höher. © o o o Anglist Birkenholz, —sa. Spengler* und Installationsgeschäft -^t-= Hclllgkrenzgasscö empfiehlt sich zur Anfertigung aller vorkommenden Spanglsr- Und Installatlonsarbeitan unter billigster Bedienung.