Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 42 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42. leben, das Klima u. a. Eine Reihe von Einzelmitteilungen aus und über Griechenland veröffentlichte Philippson noch im Verläufe seiner großen Studienreisen. Den Hauptertrag seiner Forschungen legte er in dem Werke „Der Peloponnes" (1891/92) nieder, womit er sich eine angesehene Stellung in der Wissenschaft errang. Er lieferte die erste, umfassende und eindringliche Bearbeitung des Gegenstandes, die zudem reich an neuen Feststellungen nutz. eigenartigen Beobachtungen ist. Die Anerkennung bezieht sich auch auf den gesamten Ausbau des Werkes. Zu diesem Hauptwerke Philippsons stehen von seinen späteren Veröffentlichungen diejenigen, die sich auf den griechischen Kulturkreis beziehen, in engem Zusammenhänge. — Die akademische Lehrtätigkeit übte Philippson seit 1892 als Privatdozent an der Universität Bonn aus. 1899 wurde er durch den Prosessortitel ausgezeichnet. Stadtoldendorf. Fabrikant M. Levi ist zum Stadtrat gewählt worden. Wien, 28. Oktober. Der Konzipist bei der Abteilung für gerichtliche Preßpolizei Emil Spitzer wurde znm P o l i z e i k o m m i s s ä r ernannt. Prag. Der außerordentliche Professor der historischen Hilfswissenschaften an der Universität in Prag Dr. Samuel Stein herz wurde vom Ministerium im Lehranit bestätigt. Budapest. Der Ministerialsekretär im ungarischen Ministerium für Kultus und Unterricht D r. M o r i z G ö n c z i erhielt den Titel und Charakter eines Sektionsrates. Er steht seit 15 Jahren im Staatsdienst und ist Ehrenmitglied der Gesellschaft ungarischer Komponisten. Budapest, 27. Oktober. Das ungarische Amtsblatt veröffentlicht heute die Verleihung des erblichen ungarischen Adels mit dem Prädikate v. Bagujhely an die Chess der ungarischen Speditionsfirma S. u. W. H o f s m a n n, die Herren Samuel und Wilhelm H o f s in a n n, in Anerkennung ihrer Verdienste auf volkswirtschaftlichem Gebiete. —e— Budapest, 28. Oktober. Der Präsident der israelitisch-orthodoxen Durchsührungskommissiou Leopold Lipsiz starb am 25. d. Ai. Lipsiz war ein hervorragender Talmudgelehrter und ersreute sich in jüdischen Kreisen großer Popularität und hohen Ansehens. Jahrzehnte lang war er Obcrrabbiner in A b a n j - S z n n t o. Nach dem Ableben des srüheren Präsidenten Reich wurde Lipsicz zum Präsidenten der israelitisch-orthodoxen Durchführungskommission gewählt., Als solcher diente er in eifriger und vornehmer und deshalb desto erfolgreicheren Weise den Interessen der orthodoxen Judenschast. Sein Leichenbegängnis fand gestern statt. Zur Leichenfeier hatte sich eine große Trauergemeinde cingcfundcu. Es waren unter Anderen auch die Präsidenten und Rabbiner zahlreicher Provinzgcmeinden anwesend. Im Namen der Familie verabschiedete sich vom Verblichenen Rabbiner Moses Schiss. Hierauf wurde der Sarg in den Hof hinabgetragen, wo an der Bahre der Rabbiner der Budapester orthodoxen Gemeinde Koppel Reich das Ableben des großen Talmlidisten beklagte. Es sprachen dann noch zwei Rabbiner, Rabbi A b r a h a m ,B l u m und Rabbi S i l b er - st e i ii. Hierauf wurde der Leichnam nach dem Budapester Ostbahnhos überführt. Heute fand die Beisetzung in A b a n j - S z ä ii t ö statt. Petersburg. Herr I. B. L e w n e r ist zum zweite» Redakteur der Zeitung „Hasman", die von Petersburg nach Wilna verlegt wird, bestimmt worden. Konstantinopel. Der Cheftedakteur des „Journal de Salonique, Samuel Levy Effendi erhielt .vom Sultan die Erlaubnis, die ihm von der französischen Regierung verliehenen „akademischen Palmen" anzunehineu. Aus oen Beremen. Frankfurt a. M. Am Mittwoch, 26. Okt. und 2. November beganil Herr Tr. Jakob Horovitz im Montefiore-Berein den angekündigten Vortrags- Zyklus : Aus der Zeit des israelitischeu P r o p h e t i s m u s. Er führte aus: Tie Haftara führt uns ein ergreifendes Bild vor die Seele. Tie Frau eines Prophetenjüngers wendet sich an Elisa: „Mein Mann ist tot, und Dü weißt, daß er Gott fürchtete, aber der Gläubiger ist gekommen und nahm meine zwei Kinder sich zu Knechten." — Ter eine Satz schon läßt uns den Geist der ganzen Zeit erkennen. So weit ist es in Israel gekommen, daß hartherzige Grausamkeit auch keinen Halt macht vor einer Witwe und in die heiligsten Rechte der Familie eingreift. Auch die Hinterbliebenen der edelsten Repräsentanten Israels, die Prophetenjünger, finden keine Milde. Einer abxr ist in dieser entarteten Zeit der Beschützer der Hilflosen: der Prophet. Seit Samuels Tagen ist er der eigentliche, der geistige Führer bis zum Wschluß der biblischen Zeit. „Die Aeltesten überlieferten die Lehre den Propheten und die Propheten den Männern der großen Versammlung." Schon Abraham wird ein Nowi' genannt. Moses ist der größte aller Propheten, aber erst im Zeitalter Samuels, des „Sehers" lesen wir von einer „Genossenschaft der Propheten" und sehen Jünger um den Meister geschart. Die Gabe der Propheten ist von Gott verliehen, aber in den Prophetenschülen wird sie ge¬ Frankfurter Israelitisches Familienblatt. weckt und gefördert: durch eindringende Beschäftigung mit dem Gotteswort, in der Einsamkeit der Natur und durch die zarten Weisen der Harfe und der Zither. Redner legte nun eingehend den Entwicklungsgang und das Wesen dieser Prophetenschulen dar. Im Zeitalter Elias erhalte» sie einen neuen Ausschwung, am Schlüsse seines Lebens hat dieser gewaltige, einsame Vater der Propheten zahlreiche „Söhne". Wie war das gekommen? Ohne Elia ist weder Elisa noch der ganze nachfolgende Prophetismus zu verstehen. Im Rahmen eines kurzen Referats ist es unmöglich, auch nur die Gesichtspunkte anzudeuten, von denen aus Herr Dr. Horovitz in eingehender Begründung ein Bild entwarf von den Absichten und Erfolgen des großen Gottcsmannes. Ausführliche Charakteristiken von Ahab und Jsebel Obadjah und den Propheten des Baal und der Astarte gaben den Hintergrund zu dem Gemälde, Michejah und die falschen Propheten boten das Gegenbild, das der zweite Bortrag entrollte. Wie wir hören, beabsichtigt der Vortragende, seine Ausführungen noch einmal im Laufe dieses Winters in anderem Zusammenhänge einem größeren Kreise vorzutragen und dann dem Druck zu übergeben. Heute sei nur benierkt, daß er sich in vielen Einzelheiten, aber namentlich in der Gcsamtaussasjung gegen die üblichen Darstellungen von ch r i stl i ch e r Seite, namentlich auch gegen die Vorträge Prof. Cornills über den israelitischen P r o p h c t i s m u s wandte, die trotz ihrer enthusiastischen Begeisterung für den Prophetismus überhaupt, dennoch in mehr als einer Hinsicht Verwirrung hcrvorzurusen und ein schieses Bild zu geben geeignet sind. Der zweite Bortrag kam zum Schluß auf Elisa zurück. Das Wort, das er bei dem ersten Wunder nach dem Tode seines Meisters ausrufe: „Wo ist der Gott Elijahns" sei gewissermaßen das Motto seiner ganzen Tätigkeit, Allerdings prophezeien auch nicht zwei Propheten in genau derselben Weise. Aber sehr mit Unrecht wolle man den erkorenen Nachfolger in einen künstlichen Gegensatz bringen zn seinem Vorgänger. . Der dritte und letzte Vortrag, welcher am nächst e n M i t t w o ch stattfindet, wird sich mit Ainos und .Hosea, den letzten Propheten des Reiches Israel beschäftigen. Frankfurt a. M. Alm 1. Dezember blickt der V cbräische Sprachverein ans eine einjährige Tätigkeit zurück. In einem wöchentlich zweistündigen Kursus wurden in dieser Zeit an der Hand von Anschauungsbildcrn. Schreiben an die Tasel, Fragen und Antworten und kleinen Aussätzen durchgcnoniinen: die Jahreszeiten, das Hans, die Wohnung und ihre Einrichtung, der Mensch, die tägliche Beschäftigung des Menschen, die Schule usw. Außerdem wurden verschiedene Themas biblischen Stoffes behandelt. In - der am 8». Oktober abgehaltenen Generalversammlung wurden die Herren I a c o b B e st hoff, Sali, Geis, I. L. G o i t e i n, Dr. S. 2 ch w a r zschild und Fritz So n d h c i m e r in den Vorstand wiedcrgcwählt und eine Erweiterung der VereinStätigkcit durch Einrichtung von K n r s e n f ü r s ch n l p f l i ch t i g e K n a b e n u n d 41k ä d ch c n jeden Alters beschlossen. Zu diesem Kurse liegen bereits 80 Anmeldungen vor. Es ist ein Kursus aus Sonntag und Mittwoch Nachmittag von 5—6 Uhr und — falls notwendig — ein weiterer auf Sonntag und Mittwoch Nachmittag von 4—5 Uhr in der Aula der Israel. Religionsschnle, .Hermesweg, geplant. 4t ä ch st e n Sonntag von 5—6 Uhr findet im Untcrrichtslokale die A u'f n a h in e p r ii f u n g st a t t; au ch werden gleichzeitig weitere Anmeldungen angenommen. Um eine recht zahlreiche.Beteiligung zu ermöglichen, ist als U n t e r r i ch t s p r e i s für daspesamte Wintersemester M k. 3.— bestimmt worden. Der Unterrichtsplan für Erwachsene lautet für das Wintersemester: Sonntag Morgen 8Ve—9 Uhr Grammatik, 9—10 Uhr Konversation. Auch für diesen Kursus sind Anmeldungen erwünscht. Frankfurt a. M. Vielfachen Anregungen aus den Kreisen seiner Mitglieder Folge gebend, veranstaltet der Verein für j ii d i s ch e 6) e s ch i ch t e und .Literatur neben Einzeloorträgen zwei Vortragszyklen. Ten ersten hat das Vorstandsmitglied Herr D r. H e i n e m a n n übernommen, und zwar soll in drei Vorträgen das Thema behandelt werden: „Ueberblick über die innere und äußere Geschichte Israels in der Zeit vom Bau des zweiten Tempels bis zum Abschluß des Talmuds." Tie Borträge finden Montag, den 7. und 21. November und den 5. Tezember, Abends 8Y» Uhr, im rückwärtigen Saale des Kaiserhofes. (Goetheplatz 5 pt.j statt. 8. Sulz «. Wald (Elsaß). Hier hat fich ein Verein gebildet, dessen Tendenzen zur Nachahmung aneifern sollten. Die jungen Damen unserer Gemeinde haben sich zu einem Handarbeitsverein zusammengeschlossen, um während der Wintermonate einmal wöchentlich, die Abende bei gemeinsamer Arbeit zu verbringen. Jede Tame sucht sich die ihr zusagende Arbeit aus, muß aber das Material selbst stellen. Die fertiggestellten Arbeiten sind dann Eigentum des Vereins. Am Ende Seite 11. der Saison werden sämtliche Arbeiten ausgestellt und zu Gunsten der a n s d e in Oste» Europas auswandernden Juden.verkauft. Ta die jungen, mit so schönem Wohltätigkeitssinn ausgestatteten Damen in den Arbeiten dieser Art schon größere Hebung besitzen, kann man sich einen schönen Erfolg versprechen. Weitzensee bei Berlin. Bericht des „Verein jüdische Arbeiterkolonie und Asyl". Am 1. Januar betrug die Besetzung der Kolonie 71 Mann, bis zum 30. September wurden 252 Mann aufgenomnien und 246 Mann entlassen, mithin verblieb am 1. Oktober ein Bestand von 77 Mann. Von den Entlassenen wurden 87 Mann durch die Kolonie selbst in Stellungen untergebracht, der Rest vermochte sich selbst oder durch die Hilfe von Angehörigen im Auslände einen Beruf zu schaffen, in dem er die in der Anstatt erworbenen Fähigkeiten verwende» kann. Besonders in der Gürtlerei ausgebildete Leute finden bei Berliner Firmen gute Stellung: manche früheren Kolonisten beziehen bereits einen Wochenverdienst von 45 Jk Aber auch die in den übrigen Branchen wie Rohrslechterei, Stock- und der jüngst hinzugekommeiien Bürstenfabrikation ausgebildeten Leute jinden Anstellung oder Gelegenheit zum selbständige» Erwerb. Ta verschiedene Betriebe noch Leute verwenden können, wurde beschlossen, die Frequenz der Kolonie auf 86 Mann zu erhöhen. Damit wird die bei den jetzigen Raiimverhältnisse» mögliche Maxiinalbesetziing erreicht sein. Tie durchschnittlichen Bcrpflegiiiigskosten pro Mann und Tag schwanken in den verschiedenen Monaten von 46,6 Psg. im Februar bis zum Maximum 53,6 Psg. int Mai. Tas Guthaben der Kolonisten aus dem Ertrage ihrer ileberverdienste belief sich am 30. September aus 1073,58 Ik . Ter Zuschuß der Jüdischen Gemeinde zn Berlin ist von 600 .Ik auf 1000 .Ik erhöht worden. Besonderen Wohlwollens hat sich die Kolonie seitens der U. O. B. B. Logen zu erfreuen, die verschiedentlich größere oder kleinere Zuwendungen gemacht haben. Während die eininalige» Beiträge und Zuwendungen von 16 Personen aus Berlin 5753 und von 42 Personen bezw. Vereinen von auswärts 1971,1k betrugen, ist die Zunahme der persönlichen Mitglieder ' im letzten Jahre unbeträchtlich. Zur Erhöhung der noch immer unzulänglichen Mittel der Ltiftung wurde beschlossen, die geeigneten Kreise darauf hiuznweisen, daß durch den regelmäßig in der Anstaltssynagoge abgehaltenen Gottesdienst Gelegenheit zur Begründung von Jahrzeitstistiingen gegeben sei. Auch' aus den Mangel an warmen Kleidungsstücke» und Fnßzeng für die Kolonisten seien Gönner der Anstalt eindringlich hingewiesen. Pieschen iPosen). Rechtsanwalt Blau- Frankfurt a. M. hat dem hiesigen israelitischen Kran kenpflegeii ii d L e i ch e n b e st a t t ii n g s v e r e i n als Zuschlag zu dein Fonds, der dazu dient, armen Gewerbetreibenden zinslose Tarlehne zu gewähren, 500 .Ik gespendet. H. Z. Königsberg i. Pr. Der Verein für jüdische ttz e schichte und Literatur zu K ö ii i g s b e r g i. P r. veranstaltete zur nachträglichen .Feier des 100. (Geburtstage S von M a - t_() i a s Jakob Schleiden (geb. 5. April 1804 zu Frankfurt a. 41k.) eine Borlesniig aus den beiden Schriften, die dem großen Botaniker einen Ehrenplatz unter den edlen und bedeutenden christlichen Verteidigern des I ii d e n t ii m s sichern: „Tie Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im 41k i t te l a tte r". Rabbiner Dr. Perles gab vorher eine» kurzen Lebensabritz des gefeierten Naturforschers. Bücherschau. Meyers Großes Ko nv e r sa t i o n s-Lex it o n. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und verniehrte Auflage. 41kehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und auf über 1400 JllustratioiiStaseln (darunter etwa 190 Zarbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilageu. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts i» Leipzig und Wien.) Als ein stattliches Werk ist soeben der siebente Band von Meyers Großem Konversations-Lexikon der Oefsentlichkeit überwiesen worden. Textlich ein wahrer Wissensschatz und mit 10 Farbentafeln, Karten und Plänen, 38 schwarzen Tafeln und Hunderten von Textholzschnikten prachtvoll ausgestattet, reiht er sich würdig au seine Vorgänger an. Allen Gebieten de» allgemeinen Wissens trägt das Werk gleichmäßig Rechnung und ist tatsächlich ein unentbehrlicher Berater in jeder Lebenslage. Mögen wir uns orientieren über die aktuell sozialen Fragen des „Genossenschaftswesens", die „Gesellenunü Gewerkvereine", der erst vor kurzem durch, den Berliner Kongreß hervorgetretenen „.Frauenfrage", über die „gewerblich« Statistik", über die Bedeutung der „Getreidezölte" einerseits ynd des „Freihandel" anderseits, überall wird uns gleich ausführlich in mustergültigen Spezialartikeln Belehrung zuteil. Bon großem Interesse ist in Rücksicht auf den russischjapanischen Krieg der Artikel „Genfer Konvention".