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Neue jüdische Presse · 1904-11-04 · Heft 42 (4.11.1904) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 42 (4.11.1904)
Date
1904-11-04
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Seite 10 Frankfurter Israelitisches Famiilienblatt. Nr. 42. liegen 17 Zeitungen bezw- Zeitschriften aus und 200 Bücher stehen für den Ausleihedienst zur Verfügung. Oeffentliche Versammlungen hatten wir im abgelaufenen Jahr 4, die sämtlich sehr besucht waren, außerdem eine M a k k a b a c r- und H e r z l - Feier. Die Zahl der Mitglieder wuchsvo» 40 a u f 70. Die diesjährige Wintersaison wurde am 24. Oktober mit einem Vortrag des HerrnDr. Sonderling -<B e r l i n, eröffnet. 350 Männer und Frauen hatten sich eingefunden, und folgten mit gespanntem Interesse den Ausführungen des Redners über „Zionismus und kulturelle Problem c". Das zionistische Ideal, meinte der Redner, erschöpfe sich nicht in der politischen Mission, der Wiedergewinnung der alten Heimat, sondern umfasse auch alle Fragen der inneren Wiedergeburt des Judentums: Rückkehr zum Indentum vor der Heimkehr ins I u d e n l a n d — so habe Herzl es formuliert. Vor allem gelte es, das Judentuni wieder in die richtige Beziehung zu den nationalen Probleme n zu setzen, den Irrtum zu beseitigen, daß das Judentum nur eine Religion, nicht auch eine Nation sei. Das physische und geistige Sein der jüdischen Gemeinschaft habe niemals aufgehört in seiner Besonderheit zu existieren, wurzle tief in ihrer tausendjährigen Geschichte, und wo diese nationale Zusammengehörigkeit vergessen worden sei, würden sie immer von neuem durch das Verhalten der andern Völker gegen die Juden in Erinnerung gebracht. In einer Zeit, da alle sich konsolidierten und in i hr er Ei gen ar t sich ab schlössen, müßten auch die Juden zu ihrem Volke und dessen kulturellen Besitztümern zurückkchrcn. Die jüdische Kulturkraft dürfe nicht weiter an freindc Nationen verschleudert, müsse vielmehr der Belebung und Erhebung des eigenen Volkes zugewandt werden. Wenn z. B. Lei der Lösung sozialer Probleme die Juden bisher nur für andere gearbeitet, anderen die Märtyrer gestellt haben, so müssen sie jetzt einmal an sich selbst, an das besonders drückende soziale Elend, namentlich der östlichen Juden, und seine radikale Beseitigung denken. Der national-wirtschaftliche Zionismus strebe nach Rückkehr zu uralten Besitzformen, die schon in der Bibel klar gezeichnet, heute in der Bodenreform wieder aufleben. In den Fragen der Volkserziehung dringe der Zionismus zunächst auf grundlegende Reformen im Schulwesen des östlichen Judentums, um aus weltfremden Grüblern moderne Menschen zu machen. Doch verzichten die Zionisten grundsätzlich auf eine 'Einflußnahme in religiösen Fragen; die Dinge werden erst auf dem materiellen und ideellen Boden altnationaler Traditionen einer gedeihlichen Lösung entgegengchen können. — Schweiz. In der Züricher zionistischen Ortsgruppe fand vorige Woche die Generalversammlung statt und bei dieser wurden die Neuwahlen des Vorstandes vorgenommcn. Das Mitglied des großen A.-K., Herr Dr. Färb sie in, der bisher 1. Vorsitzender war, lehnte eine Wiederwahl ab. An seine Stelle gelangte Herr I. Hör n. England. Der Londoner Hajehndi meldet, daß FsraelZangwillin Begleitung seiner Frau eine Reise nach den Vereinigten Staaten von Äünerika unternommen habe. Der Hauptzweck dieser Agitationsreise soll darin bestehen, die einflußreichen, amerikanischen Juden für die Durchführung des Uganda-Projektes zu interessieren. r. Italien. Am 10. Oktober wurde zu F l o r e n z im Hause des Privatdozenten an der römischen Universität Gino Arias eine zionistische Ortsgruppe Florenz gegründet. Vorsitzender: Dozent Arias. — In Neapel wurde am Fomkippur eine Haskoro für Herzl abgehalten. -o- Frankreich. lM o n a t s b e r i ch t.) In der „Union äss Damss sionistes" zu Paris hielt am 15. Okt. M. Stourdze, ein Seminarist, einen Bortrag über eine Patriotische jüdische Marannin, Donna Gracia Mendesia, die am Ende des 16. Jahrhunderts, nur dem Interesse ihrer Stammesbrüder lebend, eine Liga gegen Papst Paul IV. zu gründen versuchte. Er stellte das Mädchen als leuchtendes Vorbild für alle zionistischen Frauen hin. Das Komitee der zionistischen Vereinigung von Frankreich hat in seiner letzten Sitzung über die Mittel beraten um die zionistische Propaganda in Frankreich und in Nordafrika vorwärts zu bringen. Mehrere Beschlüsse wurden gefaßt und zwar betreffend eine prccktische Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen Pariser zionistischen Vereinen. Damit geschah der erste Schritt zu einer ernsth asten Org anisation. Der Verein jüdischer Studenten zu Paris (Association des Etudiants sionistes) veranstaltete am 23. Oktober eine Herzlfeier. Die jüdische Volks-Universität in der Lao Tarante zu Paris hatte am 1. Oktober die jüdischen Eltern eingeladen, die ihren Kindem eine jüdischnationale Erziehung geben wollen. Dr. A. Marmore!, M- N. Slouschz und M. Pines sprachen über die Notwendigkeit den jüdischen Kindern einen spezifisch jüdischen Unterricht zu geben. Die erste Sorge müsse sein, ihnendie Hebräische Sprache und zwar als lebende Sprache beizubringen. Lehrer des Sebräischen an der U. P. J. (Jüd. Volks-Univ.) ist err Dimantc. _ Aus aller Welt. Deutsches Reich. Berlin. Der Hilfsverein der deutschen Juden beruft eine internationale Konferenz zur Regelung der A n s w a n d e r u n g a u s den östlichen Länder» auf Anfang Dezember nach Frankfurt a ln M a i n. Dieser Konferenz ist durchaus nicht die Aufgabe gestellt, die Ausivanderung mit Geldmitteln zu unterstützen und damit die Auswanderung in unübersehbarer Weise zu steigern; cs soll vielmehr eine Organisation geschaffen werden, um solche Personen Osteuropas, die ihr Vaterland verlassen wollen, unentgeltlich darüber aufzuklären, unter welchen Bedingungen eine Auswanderung überhaupt nur vorteilhaft erscheine» kann, welche Reiserouten die billigsten sind, und um aldann durch Neberwachungskomitees längs der Reiseroute die Auswandcrnden vor Ausbeutung und Ucbcrvorteilung zu schützen. Unseres Erachtens fehlt in diesem Plane die Hauptsache: die Schaffung von Arbeitsgele g e n h e i t i n d e n L K n d e r n, io o h i n s i ch de r A u s w a n d c r e r st r o m ergießt. Es muß festgehalten werden, daß der russische Jude nur ans äußerster Not sich von seinem Familienkreise und von seiner Heimat trennt und daß er in der Regel die ehrliche Absicht und den festen Entschluß hat, jede Arbeit zu ergreifen, die sich ihm bietet und sei sie ihm noch so ungewohnt und noch so schwer. Wir betonen nochmals, es ist die Ausgabe einer wirklichen Hilfsaktion, eine ganze Hilfe zu gewähren; eine halbe Hilfe ist häusig noch schlimmer als gar keine. Berlin» 1. November. (2)er Dreschgraf.) Wegen der Flugblätter des Grafen P ü ck l e r ist nun, wie die „Voss. Ztg." meldet, von der Staatsanwaltschaft am Landgericht l das Sträsversahrcn gegen den Grafen Pückler eingeleitet worden. Oesterreich-Ungarn. K. Wien, 31. Oktober. Beim Novemberavancement in der t. k. La n d wehr wurden folgende Juden befördert: zu Oberstleutnants: die Majore Ignaz L c y r e r des L.-J.-R. Czernowitz Brr. 22 und Moritz Mayer des L.- J.-R. Graz Nr. 3; zum Haupt ui a n n 2. K l.: der Oberleutnant Marzell Lang des L.-J.-R. Czernowitz Nr. 22, ferner die Frequentanten der Kriegsschule Oberleutnants Emil Perl des L.-J.-R. Ölmütz Nr. 13, Alfred L ö w c » st c i u des L.-J.-R. Jungbunzlau Nr. 10; zum Leutnant: der Kadett- Osfiziersstellvertreter Heinrich Bier des Landw.- Ulanen-Rcg. Nr. 4 und Dagobert Frankl des L.-U.-R. Nr. 5; zuni Oberleutnant im Status der Offiziere in Lokalanstelluug der Leutnant Otto Meyer des L.-J.-R. Lemberg Nr. 10; im nichtaktiven Stand wurde der Oberleutnant. Er n st Pick des L.-J.-R. Pilsen Oft*. 7 zum Hauptmann ernannt. Im militärärztlichen Offizierskorps der k. k. Landwehr wurden zum Oberstabsarzt 2. Klasse ernannt: der Stabsarzt Dr. Arthur Perlsee, Sanitätsreferent des k. k. Landwehrkominaudos in Zara; zum Stabsarzt: der Regimentsarzt 1. Kl. D r. Ignaz SA a x des L.-J.-R.' St. Pölten Nr. 21. Jir der Landlvehrintendantur wurde, ernannt zum L a n d w e h r - E v i d e n z - A s s i st e n t e n der Landwehr-Bezirfsfeldwebel Rudolf Schlesinger des L.-J.-R. Jungbunzlau Nr. 10, beim L.-J.-N. Kremsier 9hr. 25 (zugetcilt der Bezirkshauptmannschaft in Stollcschau). In der k. k. G c n s d a r m e r i e wurde befördert zum Oberleutnant: der Leutnant Jakob Ladcnberger (L.-G.-C. Nr. 5 in Lemberg). K. Wien, 1. November. Beim Novemberavancement des k. u. k. österreichisch-unrischen Heeres wurden folgende Juden befördert: zum Oberstleutnant: der Major Georg Winternitz des Jnf.-Reg. Nr. 40; zu Majoren: die Hauptleute 1. Kl. Rudolf Magh des Jnf.- Reg. Nr. 82, Paul Lessar des Jnf.-Reg. Nr. 98, Heinrich Fischbach des Jnf.-Reg. Nr. 88 beim Jnf.-Reg. 9a. 1 und Karl Krauß, Stationsoffizier in Halicz. Im Offizierskorps der Auditoren wurde befördert zum Oberstauditor:.der Oberstleutnant-Auditor Leopold Feigl, Justizreferent des Hafenadmirales in Pola, zum Hauptmannauditor 1. Kl. der Hauptmann-Äuditor 2. Kl. Josef W o l l m a n n für das Garnisonsgericht in Lemberg. - Im militärärztlichen Offizierskorps wurde ernannt zum Generalstabsarzt: der Oberstabsarzt 1. Kl. Dr. Julius Kepes, Leiter der 5. Abteilung im k. ung. Landesverteidigungsministerium und Chef des k. ung. Landwehrärztlichen Offizierskorps; zum Oberstabsarzt 2. Kl.: die Stabsärzte Dr. Ludwig Klein des Garn.-Spitals Nr. 14, Lemberg; Dr. Leopold Herz, Garnisonschefarzt in Stanislaus; Dr. Alois Pick des Garn.- Spitals Nr: 1, Wien; Dr. Siegmund Dynes des Garn.-Spit. Nr. 5, Brünn; zum Stabsarzt die Regimentsärzte 1. Kl.: Dr. Nikolaus Feldman n des D.-A.-R. 37 bei Ernennung zum Chefarzt der 17. Jnf.-Truppen-Div., D r. Isaak T r i c t s ch des 16. Jnf.-Reg. beim 13. Korps-Komm., Dr. Josef Halphen des Jiif.-3icg. 9ir. 42 bei Ernennung zum Chefarzt der Kav.-Tnippen-Div. zu Krakau, D r. E m a n u e l Roth des Div.-Art.-3ieg. Nr.,.17 beim Garn.-Spital 14, giagnsa; T r. Simon Zeilendorf des Garn.-Spital 21, Temesvür. In der Militärtierärztlichen Beamtenbranche wurde ernannt zum Mil.- Obertierarzt l.'Kl.: der Mil.-Ob.-T.-A. 2. Kl. I u l i u s. N e u b a u e r des Körps-Art.-Reg. Nr. 10. Ernannt wurde zuni Garnisonschefarztin Reicheiiberg der Ob.-St.-A. 2. Kl. D r. Isidor K a st; zum Garnisonschefarzt tu Raab der St.-A. Dr. Julius Rotten berg. Richland. Bialystok. Ein hiesiger Jude namens Cahn hatte einen Bruder, der 1887 imAltervon 4 Jahren starb. Jetzt wird nun der Verstorbene zum Militär eiiiberufen, da im Matrikclbuche ein Irrtum unterlauseii ist; bei der Geburt wurde nämlich eingetragen Choiion Chajim Eahu und beim Tode Chono Chajim Cahn. — Das selbstverständliche Ende vom Liede ist, daß der lebende Bruder 300 Rubel Strafe wegen Entziehung von der Militärpflicht seitens seines toten Bruders zahlen muß. Italien. K. Frankfurt a. M. Wie ein Telegramm aus Turin meldet, ist dort der ehemalige K r i c g s mini st e r von Italien, General Ln i g i O ttote n g h i gestorben. Der Verstorbene war militärischer Erzieher des Königs Viktor E m a n u c l gewesen: vor dem Antritt des Postens als Kriegstti i ii i st c r war er Kommandeur des 5. Korps in Palermo gewesen. Zwei Jahre war er Kriegs- Minister; dann trat er infolge politischer Meinungsdifferenzen zurück und nahm den Posten als Kommandeur des 1. Korps in T u r i n an. Er wurde bei seiner Ernennung zum Kricgsminister vom König zum Senator ernannt, trat aber immer nur als militärischer Fa ch nt a n it tut öffentlichen Leben hervor, Nicht vergessen soll ihm werden, daß er sich i in in e r stolz zu seine m Judentum bekannte. So hatte er auch ein warmes Herz für die zionistischen Bestrebungen und bedachte den jüdischen Nationalfond mit einer größeren Gabe. Es zeugt vom liberalen Geiste der Bevölkerung und der Regierung Italiens, einem Lande, wo die Staatsreligion vcrfassungsgesctzlich katholisch ist, daß Juden auf Ministerposten.berufen werden. Jetzt ist L u z z a t i Schatzministcr und Wollenb c r g so viel wie Eiscnbahminister. Freilich ist man in Italien so klug, nicht nach der Religio;», sondern nach der Tüchtigkeit der Menschen zu fragen. Und da hat gerade der nun verstorbene General Ottolenghi den besten Beweis geliefert, daß die Italiener darin das richtige Vorgehen einschlagen. lieber seine Bedeutung sür sein Vaterland, seine Verdienste um dasselbe 'noch ziirückzukommen, behalten wir uns vor. Personalien. Berlin. Dem etatsmäßigen Professor der Tier- Physiologie an der Berliner Landwirtschaftlichen .Hochschule Dr. ined. 9k a t h a n Z n n tz ist der Charakter als Geheimer 31 e g i e r n n g s r a l verliehen wor-' den. Der Gelehrte steht ini 58. Lebensjahre und ist seit drei Jahrzehnten als akademischer Lehrer tätig. Berlin. Geh.Medizinalrar Pros. Dr. Hermann Senator ist neben Kocher (Bern) und' Hermann Weber (Leipzig) zum Ehrenmitglied,! des ärztlichen Vereines 9M ii n ch e n ernannt worden. Königsberg i. Pr., 31. Oktober. Sanitätsr a t D r. L ö w c n t h a l ist znm Vertraue it s - arzt der königlichen Eisciibahndircktioii Königsberg ernannt worden. _ Königsberg i. Pr. ' Der Reichsarizeiger meldet, daß dem Privatdozenten an der philosophischen Fakultät der Universität Königsberg Dr. F e l i x P e i j e r das Prädikat Professor beigclcgt wurde. Bonn. Dr. Alfred Phiiippson in Bonn, der als ordentlicher Professor für Geographie an die Universität Bern berusen worden ist, ist 1864 in Bonn Lcboren, wo sein Vater der bekannte Reformrabbiner und Gelehrte L u d w i g Philippson damals lebte. Auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt vorgebildet, bezog Alfred Philippson 1882 die rheinische Friedrich Wilhelm-Universität, um sich dem Studium der Erdkunde und der Geologie zu widmen. Den größten Teil seiner Studienzeit legte Philippson in Leipzig zurück. 1886 promovierte Philippson in Leipzig zum Doktor der Philosophie. Seine Erstlingsarbeit, die Doktorschrist, bietet Studien über Wasserscheiden dar. Im Jahre nach der Promotion ging Philippson nach Griechenland. Innerhalb drei Jahren durchforschte Philippson aus mehrfachen Reisen die Halbinsel, vor allem den Peloponnes. Sein Hauptziel war die Schaffung einer Landeskunde des Peloponnes, .und zwar auf geologischer Grundlage) Aber er zieht auch vielerlei anderes in den Bereich seines Änbiums, 'so die. Volkskunde, das WirtschaftK-

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