Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 31 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31._ alles auszubietcn, um die zionistische Gefahr wirlsam abzuwcndeii. Was maiichcr „Allzubeflissene" unter „alles" verstand, schämen ivir uns, zu erzählen. Aber auch „alles" hat nicht genützt, denn die Konferenz wird, so Gott will, in aller Ordnung stattsinden. Das wüste Geschrei hat genau das Entgegengesetzte dessen bewirkt, was damit beabsichtigt war. Die Preßburger haben nicht vergessen, was die Ehre der Tauro von ihnen erheischt und was wahre altjüdische Gastsreundschaft bedeutet. Eine große Anzahl angesehener Preßburgcr Gemeindeinitglieder rüstet sich, die Gäste würdig zu empfangen. Ai ehr als 50 Z i in m e r lvurden bereits dein Vorbereitungs-Komitee von achtbaren Juden unentgeltlich angebote» zur Bewirtung und Beherbergung der Gäste. Man scheint in Prestburg diese gefährlichen „Betrüger" und „Heuchler" gar nicht zu fürchten, deren „Kultur" einzig und allein schuld daran ist, daß es in — Rotterdam und Ai a i n z mit dein Thorastudinln so rapid abwärts geht. — Eine ii „Erfolg" tonnen wir aber dein „Aufrus" des Herrn Rabbiners von Waitzen doch nicht absprechcn; er hat unter den gesetzestreucn Zionisten seine gewisse Berstinnnung und Erbitterung hervorgcrufc», was für die Unterzeichner des Protestes — wir fürchten — sehr unangenehme Folgen haben kan». In „Misrachi"-Kreisen wird nämlich gefordert, cs nicht nngeftrast geschehen zu lassen, daß man mindestens 30 000 Juden, die ihre Gesetzestreue ainter unsäglichen Opfern bewahren, von welchen so ei» wohlbestallter Rabbiner keine Borstellung hat, skrupellos zu „Betrügern und Heuchlern" stemple. Man drängt ungestüm, daß die Leitung des „Misrachi" die Unterzeichner des Protokolls vor ein anerkanntes B e t h - D i n zitieren und gemäß dem D i n - T a u r o h a b u r t e i - len lasse. Man mag darüber denke», wie inan wolle, — cs i[t der gerechte Aufschrei ungerecht verletzter Gemüter. U. Aus aller Welt. Deutschland. Berlin. Der Hilfsverein der deutschen Inden hat für unsere Brüder in Rußland, die von der ökonomischen Krisis i in Zarenreiche besonders hart betrosfen sind, 50000 JL bewilligt und bereits 10000 JL für dringende Bedürfnisse nach Rußland gesandt. Es ist dafür Sorge getragen, daß die Unterftützungsgcldcr in rationeller Weise an die einzelnen Gemeinden verteilt werden. Ferner hat der Hilfsvcrein der deutschen Juden seine Bcivilligung von 500 Rubel für das durch Feuer schwer heinigesuchte. Wilkomir um 250 Rubel — auf 750 Rubel — erhöht, und er hat weitere 1000 JL, die ihm für diesen Zweck vom Hilfskomitee für die russlschen Juden zu.Frankfurt a. M. freundlichst zur Verfügung gestellt worden sind, zur gleichmäßigen Verteilung an die Abgebrannte n von W i l t.o m i r, D o in b r o v i tz a und K o r o st y - s ch e w überwicscii." Detmold» Für die Reichstagsersatzwahl in Schaumburg-Lippe ist, wie der „Freien deutschen Presse" ans Stadthagcn berichtet wird, in einer Bertraneiisiilänncrverfaniiiilung der Konservativen und Antiseniiten in Gegenwart des Landrats von Oheimb und des Mgeordnetcn Graf Reventlow als Kandidat der Rechtsparteien der Amtsgerichtsrat Dr. Brun st c r ui a n n - Stadthagen aufgestellt ivorden, der als Antisemit vom „reinsten" Wasser bekannt ist. Frledland. Daß die Synagoge, ein Bauwerk aus der Glanzzeit Friedlands, demnächst abgebrochen werden soll, haben wir bereits berichtet. lieber ihre Erbauung Ivird dem Cottb. Änz. geschrieben: Die Regierung Kursachscns, zu dem Fricdland gehörte, erlaubte den Juden hier und in Leipzig Friedhöfe anzulegen. Die Folge hiervon ivar, daß sich eine große Anzahl Juden hier ansiedelte. Noch im Jahre 1819 hatte Friedland 100 jüdische Einwohner, deren Beschäftigung Grenzhandel war. Im Jahre 1821, als Friedland vollständig eingcäschert wurde, verbrannte auch der Jndentempcl und mit ihm die Frau und die Tochter des Rabbiners. 1821 ivurde der Teinpcl in seiner jetzigen Gestalt ivicder aufgebaut und war größer als die beiden für die Stadt- resp. Landgemeinden bestinimtcn Kirchen. Es ist anznnehmen, daß damals mehr jüdische wie evangelische Einwohner im Orte ivaren. Im Jahre 1816 wurde um den jüdischen Friedhof eine massive Mauer gezogen, zu deren Erbauung Rothschild 1000 Gulden zahlte. Nach der Vereinigung Kursachsens mit Preußen fiel der Grenzhandel iveg und daher verzogen auch die Juden. So hatten >»ir denn seit mehreren Jahrzehnten eine Synagoge und. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. einen jüdischen Friedhof, aber keinen jüdischen Einivohncr mehr. Kirchhain (Bezirk Kassel). Mittwoch und Donnerstag, den 17. und 18. August finden die Ein weih-' u n g s - F c i e r l i ch k e i t e n für die neue S » n a - g o g e statt. Dieselben nehme» Mittwoch Vormittag 11 Uhr mit einem Abschiedsgottcsdicnst in dein bisherigen Gotteshanse ihren Anfang, cs folgen dann der Festzng und die Feier in der neuen Synagoge, des Nachmittags Konzert und der Abends Fest-Ball in den «äleu des Bahnhofs-Hotels. Mit Gottesdienst, Konzert und Festball am Donnerstag nimmt die Feier, die ihren Vorbereitungen nach zu einer prächtigen zu werden verspricht, ihr Ende. Mommenheim i. Eis. Der Neubau unserer Synagoge, welche nach den Pläne» und »nwr der Leitung der Bauincister Wolf und Falk-Straßburg von dein Bauunternehnicr Rick-Kurzenhansen im November des verflossenen Jahres begonnen ivurde, natu seiner Vollendung. In vierzehn Tagen wird der prächtige Tempel, der ans etwa 15 000 JL zu stehen kommt, feierlich eingeweiht werden. Zu dieser Frier, welche eine großartige zu werde» verspricht, ivird sich der Großrabbiner Frankreichs, ein geborener Mominenheiincr, einfinden. Der Tag der Feier wird später noch bekannt gegeben werden. Nürnberg, 4. Aug. Hiesige Blätter bringen ganz sonderbare Nachrichten über den gegenwärtigen israelitischen Friedhof. Das eine Blatt berichtet. daß der Friedhof schon lange nicht mehr ausreiche» das andere Blatt teilt mit, daß der Friedhof überfüllt sei. Die eine Nachricht ist ebenso unrichtig wie die andere. Der Friedvof zeigt noch lange unbenützte Strecken; jedoch hat die Verwaltung der israelitischen Kultiisgeineiiide cs für praktisch gehalten, schon beizeiten sich die Grundstücke für einen erst nach einer Reihe von Jahren anzulegenden neuen Friedhof zu sichern. Sie hat deshalb, nachdem ein vor inchrereii Jahren augekaiiftes Grundstück sich als ungeeignet für einen Friedhof erwies, »iininehr von der Stadtgemeinde ein Areal beim Zentralsriedhofe angekaust. England. Die Juden in London. Der Magistrat von Groß- London hat soeben den Jahresbericht für das Jahr 1902 veröffentlicht, dein wir nachstehciide, die Juden betreffende Daten entnehmen. J»i Berichtsjahre find 33 060 Fremde in London eingewandert, darunter 21013 Russen und Polen und 1016 Runiänen. Diesen Einwanderer» steht eine große Zahl von jüdischen Auswanderern gegenüber, denn seit 1896 hat sich die Zahl der Fremden in London bloß um 58300 vermehrt, was einer durchschnittlichen Einwanderung von 8326 gleichkoinint. Damit ist die Legende von den „vielen Z e h n t a u - senden" in England e i n w a n dernd en „R u s s c n und Pole n" c u d g i l t i g abgetan. Die Gesamtzunahine der Freindenbevöltcruiig Londons belief sich von 1881—1891 aus 31101, von 1892 bis 1901 auf 10 321. Die Geburtszisferu erreichten in Stepney mit 37.91 pro Tausend gegen nur 17.9 in Westminster den höchste» Promillesatz. Aber auch die Todesziffern waren mit 21.5 gegen den Durchschnitt von 18,1 in gaii^ London sehr groß. Zur Erhöhung der Sterbezifsern in Ostlondon hat die große Kindersterblichkeit sehr wesentlich beigetrage». Unter den Erwachsenen wütet die Schwindsucht, der von 100000 Einwohnern 188 erlagen. Auffallend gering sind dagegen in Stepney die Todesfälle infolge von Krebs. Aus 100 000 Seelen kamen da nur 21 Krebsfälle vor, gegen 71 in der City von London. Fast gleichzeitig mit diesem Jahresberichte ist ein Bericht des Gesundheitsamtes erschiene», in welchem die für Biele überraschende Neuigkeit gemeldet wird, daß in Stepney zahlreiche Ävh » n uge» leer st che n. Damit ist den Antialienisten ein sehr wirkungsvoller Agitatiousstoff entzogen. Rußland. Petersburg. Jüdische vereidigte Rechtsanwälte. Wie die „Birsh. Wed." mitteilen, haben die jüdischen RechtSanwaltsgehülfen M. M. W i naiv e r, M. L. G o l d st e i n , G. B. S l i o s b e r g, I. B. H u r e w i t s ch und P. M. Al i n tz die Würde von vereidigten Rechtsanwälten erhalten. Bekanntlich bedarf die Aufnahme von Nichtchristen in den Stand der vereidigten Rechtsanwälte der vorausgehenden Genehmigung des Justizmiiiisters aus Grund eines Allerhöchsten Befehls voin 8. November 1889. Petersburg, 1. Aug. Der Iusti,minister soll beabsichtigen, einer Anzahl von in der Advokatur tätigen Juden den Titel Rechtsanwalt zu verleihen. Bisher konnten die Inden nur Gehilfen von Rechtsanwälten werden. Portugal. Lissabon. O Judeo Eine eigenartige Gedenkfeier wird nächstes Jahr in der Hauptstadt Portugals begangen werden. In diesem Jahre werden 200 Jahre verflossen sein, als in dieser Stadt ein Jude, namens Antonio Jose, ein bedeutender Schauspieler und Dramatiker, von der Jnguiiition auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Antonio Jose war ein Liebling des Theaterpublikums und wurde allgemein „O Judeo" (Der Jude) genannt. Zum Andenken an dies unschuldige Opfer der Jn- Eeite 3. guisition wird aus Anregung der dortigen Presse an dem Tage, an welchem vor 200 Jahren Jose verbrannt ivurde, in Lissabon eine imposante Gedenkfeier stattsinden, wobei ein Monument zu Ehren dieses Märtyrers errichtet werden wird. Palästina. Jerusalem. Die wirtschaftliche Lage i » P a l ä st i „ a. Mr. D i ck s o » , amerikanischer Konsul in Jerusalem, hat in seinem Berichte über den Zustand des Handels i» Palästina im Jahre 1903 ein sehr günstiges Urteil über den gegenwärtigen Stand und ebenso über die Entwickliiiigsiiiöglichkeiten Palästinas abgegeben. Es erhellt daraus, daß die wirtschaftliche Lage Palästinas sich bedeutend g e b c s s c r t hat. Am meiste» tritt die Besserung in I e r n s a l e >» hervor. I» und um die Stadt Jerusalem wurden neue Gebäude errichtet, eine bessere Verbindung mit de» östlichen Provinzen des Jordangebietes wurde hergestellt. Die Bemühungen, die Damaskus—Mecca- Strecke vorwärts zu bringen, hat bereits auf die Lage der Provinzen in der Nähe der syrischen Wüste eine» günstigen Einsluß ausgeübt. ES ist ebenfalls grplaiitz drei oder vier Danipser auf dem Toten See zu plaziere» »nd sollte dieses Projekt verwirklicht werden, jo könnte Jerusalem bald ein Berteidigungszentrum für Palästina, Südsyrien und 'Nordarabien ivcrden, wie es Aleppo für N'ordsyrien ist. Der Export steigerte »irii irrt Jahre 1903 bedeutend (762 110 Pid. gegen 608 910 Pjd. im Jahre 1902), ebenso der Import (105 550 Psd. gegen 139 775 Pfund ii» Jahre 1902). Der Zustand der A g r i k u l t u r im letzten Jahre war sehr gut. Die Ernte war reichlich, besonders i» den Küste,lebenen. Am beste» gediehen die Orangenpflanzunge» »nd die Weinberge. Es wäre der Ansicht des Konsuls nach sehr gute, neue Oraiigeiipslaiizungen in einer Entfernung von 15 oder 20 Meilen von Jajfa anzulege». Dazu wäre eine tüchtige Berivaltung »nd ein Kapital von 10000 Pjd. nötig. Ein sehr günstiges Urteil fällt der Referent über die j ü d i s ch e ii Kolonie » in Palästina. Er meint, eS sei Aussicht vorhanden, die Pflanzung von Baumwolle in Palästina wieder einzusühren, da Palästina dem Vrcitegrade und der Seehöhe nach für dieses Produkt sich vorzüglich eignet. Mr. D i ck s o n teilt auch verschiedene andere Projekte und Vorschläge init, zum Beispiel die Herstellung einer Eisenbahnverbindung zwischen Jerusalem und Betlehcm, worüber mit der Pforte verhandelt wird. Er rät auch, die Möglichkeit einer Ausfuhr des palästiiieiisischen Weines »ach Amerika zu studieren. Aus -er Lehrerwelt. Augsburg. Herr Ernst Frankel. Lehrer an der hiesige» israelitischen Gemeinde, ist zum Doktor promoviert worden. Hamburg. 5. August. Herr S. Berlin, der langjährige Beamte der deutsch - israelitischen Gemeinde, ist nach schiverem Leiden verschieden. Der Verstorbene, der sich in weiteren Kreisen hoher Achtung erfreute, war mehr denn 30 Jahre im Gemeindesekretariat tätig. Er leitete auch gemeinsam mit Herrn Mark die Religionsschule für die israelitischen Knaben und Mädchen. Göppingen. 3. August. Nach kurzem Krankenlager st a r b gestern Abend im Alter von 89 Jahren der K i r ch e » r a t und Rabbiner a. D. Max Her z. Der Verstorbene stand ein halbes Jahrhundert — von 1815 bis 1895 — dem Rabbinat Jebenhanseii-Gövpiiigcii vor. Bei Gelegenheit seines 50» jährigen Rabbinerjubiläums im Jahre 1891 verlieh ihm der König den Titel eines Kirchenrats: anläßlich seines 70. lyebnrtstages im Jahre 1886 erhielt er de» Friedrichsorde» 2. Klasse. Herz stammte ans Kochendorf, wo er 1810 als Sohn eines Metzgermeisters geboren wurde. Nach absolviertem Studium übernahm er 1810 die Stelle eines Hauslehrers in der bekannte» Hofrat Pseifserschen Familie in Stuttgart: 1815 kam er als Rabbinatsverwefer nach Jebenhausen, welche Stelle ihm 1816 desinitiv übertrage» wurde. Mit der Verlegung des Rabbinats »ach Göppingen siedelte er nach dort über. Herz entfaltete neben seiner beruslichen Wirksamkeit eine reiche literarische Tätigkeit auf dem Gebiete der israelitische» Theologie. Mit ihm ist der älteste inaktive jüdische Geistliche des Landes aus dem Leben geschieden. Breslau. Der frühere Bolksschullehrer Wolf Leder »i a n » ist im hohen Alter von 89 Jahren zur letzten Ruhe getragen worden. In Lissa und Kriewe» hatte er als Volksschullehrer noch als hoher 70er gewirkt, bis er sich vor ll» Jahre» die längst verdiente Ruhe gegönnt hat. Nach Breslau zog es ihn, wo seine Kinder wohnten. Hier hat er sich noch die Liebe und Achtung als srominer, regelmäßiger Synagooenbesuchcr erworben. Vor zwei Jahren noch war er stolz darauf, den längsten Fasttag des Jahres seit seinem 13. Lebensjahre schon 75 mal gehalten z» habe». Dieser eigenartige Jubeltag sollte auch sein letzter Fasttag sei», am Tage darauf wurde er vom Schlage getrosfen, von dem er sich nicht mehr erholen konnte. Die letzten beiden Fahre waren