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Neue jüdische Presse · 1904-05-19 · Heft 19 (19.5.1904) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 19 (19.5.1904)
Date
1904-05-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. 19 frankfurter JtraelMfcdes familiendlan. Lene s im Kurswert von 5050 JL der Synagogengemeinde in Breslau schenkungsweise gemacht hat, die Genehmigung erteilt worden. Bunzlau. De-r Labbat vor Gericht. Der Missionsarbeiter Karl Tschierschky war zn 5 JL Geldstrafe wegen Schulversäumni's seiner Tochter Erika von dem Schöffengericht daselbst verurteilt worden. Tsch-, der zur Sette der Adventisten gehört, hält den dem alten Bunde gebotenen siebenten Tag, de» Sabbat, heilig und nur an diesem Tage hält er seine Tochter von der Schule fern. Als Grund dieser Zurückhaltung gab er an, daß er aus religiösen Bedenken an Samstagen seine Tochter nicht in die Schule schicke. Der Samstag sei der einzige von Gott eingesetzte Ruhetag und er würde sündhaft handeln, wenn er diesem Gebote Gottes zuwiderhandle. Das Schöffengericht in Bunzlau hatte den Angeklagten wegen Uebertretung der Regierungs-Verordnung vom 9. Dezember 1899 wiederholt zu der zulässig höchsten Strafe von 5 JL verurteilt und ausgeführt, daß der Gerichtshof sich nicht mit der Auslegung von Bibelstellen zu beschäftigen, sondern aus die Befolgung weltlicher Gesetze und Verordnungen zu achten habe; Gewissensbedenken könnten nicht als Entschuldigungsgrund angesehen werden. Darauf legte T. Berufung ein und hattesich deshalb vor der Strafkammer in Liegnitz zu verantworten. Zur Rechtfertigung seiner 'Berufung gegen dieses Urteil machte jetzt der Angeklagte persönlich vor der Strafkammer geltend, Gott habe den Sabbat, den Samstag, als Ruhetag eingesetzt, der Staat aber den Sonntag. Man müsse Gott mehr gehorchen, als den Menschen, und um sich nicht gegen Gott zu versündigen, müsse er seine Gebote halten. Das Gericht möge darauf Rücksicht nehmen, und ihm dazu behilflich sein, wie er Gott gerecht werden könne. Das Gericht wolle nicht urteilen, weil die Maschine so geht, sondern seine religiösen Gefühle achten. Der Gerichtshof erkannte auf Verwerfung der Berufung, indem er ausführte, der Staatsbürger habe in erster Linie die staatsbürgerlichen Gesetze zu befolgen; dadurch aber würden die religiösen Gefühle nicht verletzt. Grätz» 6. Mai. Einbruch in die Synagoge. Diebe drangen Nachts in die Synagoge ein, erbrachen den Opferkasten und raubten das darin befindliche Geld. Der Betrag ist nicht hoch, da erst im April Line Leerung stattgefunden hat. Wie dreist die Verbrecher zu Werke ginge», erhellt daraus, daß sie zu ihrer Tätigkeit Licht anzündeten. Oesterreich-Ungarn. Budapest. Im Spital der Pester israel. G e m e i n d e, in welchem drei Primarärzte, vier ordinirende, fünf Assistenzärzte, ein Arzt als Leiter des Röntgen-Laboratoriums, zwei besoldete und mehrere unbesoldete Praktikanten den Dienst versehen, wurden im Jahre 1903 2081 bettliegcnde Kranke verpflegt, und zwar: an inneren Krankheiten Leidende 1167, chiurgische 603, Augenkranke 311. Die 2081 bettliegenden Kranken, darunter 319 Christen, nahmen 45 830 Verpflegungstage in .Anspruch. Die durchschnittliche Verpflegszeit eines Kranken betrug 22 Tage. . Die Zahl der Ambulanten war 24 509 mit 117 835 Ordinationen. Dabei ergab die Ambulanz der einzelnen Spezialitäten folgende Zahlen: an inneren Krankheiten Leidende 6837, chirurgische 4048, Augenkranke 8281, Kehlkopf-, Nasen- und Rachenkranke 1076, Ohrenkranke 1432, an Frauenkrankheiten Leidende 1293, Hauttranke 1542. Unter den Ambulanten, die sämtlich gratis behandelt wurden, waren 14 950 oder 61 Prozent christlicher Konfession. Die Summe der liegenden und ambulanten Kranken betrug insgesamt 26 590, die größte Zahl, die seit dem Bestände des Spitals erreicht wurde. Die für austvärtige Kranke bestellten Armenärzte behandelten 6597 Patienten, und zwar 1654 Hauskranke und 4943 Ambulante. Spital und Armenärzte zusammen ergaben eine Summe von 33187 behandelten Kranken. Die Gesamtkosten des Spitals betrugen 158500 Kronen. Mit Einrechnung sämtlicher Kosten betrug ein Berpflegstag 4.45 Krone»; die rein den Kranken betreffenden Kosten, Berpslegung Medikamente, Verbandstoffe betrugen pro Tag 1.71 Kronen, die Verpflegung allein 92,6 Heller. Die Kosten des armenärztlichen Instituts beliefen sich auf 15 621 Kronen. Amerika. New-Bork. Auf Anregung der Professoren 2ldler und Schechter beschloß eine ansehnliche Versammlung, in Newyork eine jüdische Universität zu begründen. Personalien. Beuthen <Ober-Schlefien). Hier starb vor Kurzem im 79. Lebensjahre der Schneidermeister Abraham St last uy, der vor mehr als 50 Fahren aus 'aufrichtiger Ueberzeugung das Judentum angenommen, sein ganzes Leben einen streng jüdischen Lebenswandel geführt und seine zahlreichen Kinder nicht nur zu braven Menschen, sondern auch in strenger Religiösität erzogen hat. Als Mitglied der Chewra Kadischah gehörte der Verstorbene zu den eifrigsten Misastim, wie er denn überhaupt an allen Gemeindebestrebungen regen Anteil nahm. Soborten lBöhmen), 1. Mai. Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der Frau Mina K u s i n a als Prä sidentindesi fr. Frauenvereines wurde ihr heute in Würdigung ihres ersprießlichen Wirkens und des Gedeihens dieser Humanitären Institution ein kunstvoll ausgesührtes Ehren-Diplom überreicht. Aus der Lehrerwett. Hannover. Versammlung jüdischer Lehrer der Provinz Hannover. Für die 40. Verämmlung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover, die ani 23. und 24. ds. Mts. hier stattinden wird, sind folgende Referate festgesetzt wollen: 1. „Das Ehrgefühl im ^Dienste der Erziehung, eine zeitgemäße pädagogische Betrachtung," Res. Lehrer Selig-Emden; 2. „Einrichtung von Fortbildungskursen," Res. Landrabbiner Dr. Gronemann-Hannover; 3. „Ausarbeitung eines Lehrplanes mit Pensenverteilnng für den Religionsunterricht," Referent Lehrer Spanier-Stolzenau. Hünfeld. Die israelitische Schule zu E r d m a n n s r o d e ist mit der Versetzung des seitherigen Lehrers wegen allzu geringer Frequenz von der Königl. Regierung zu Kassel aufgelöst worden. Dieser Beschluß wurde vom Minister genehmigt. Hagenau. Rabbiner Emil Levy. Sohn des hiesigen Rabbiners M. Levy, hat, wie die „Hag. Ztg." mitteilt, cum laude in der philosophischen Fakultät der Universität Berlin promoviert. Posen. Der Verein jüdischer Lehrer der O st p r o v i n z e n hält am 22. d. M., Nachmittags 3 Uhr, im Keilerschen Saale zu Posen seine 16. Jahresversammlung ab. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Gesang „Brüder reicht die Hand zum Bunde", 2. Begrüßung und geschäftliche Mitteilungen, 3. Rechnungslegung, 4. Borträge: a) „Welche Gebiete der nachbiblischen Geschichte sind in unseren Schulen zu behandeln?" (Res. Schweitzer-Glogau und Cohn- Lissa), h) „Unser Schul-Lesebuch" (Ref. Kadisch-Gollub), o) „Unsere Jugendschriften" (Res. Flanter-Berlin), 5. Antrag Roßtämm-Becker, 6. Einträge von Mitgliedern, 7. Anmeldung von Vorträgen für die nächste Versammlung, 8. Tag und Ort der nächsten Versammlung. Bücherschau. Geschichte der Juden von der b a b y l o - n i s ch e n G e f a n g e n s ch a f t b i s z u r G e g e n - wart für Schujle und Haus bearbeitet von Dr. L. Loewenstcin, Bezirksrabbiner in Mosbach. Verlag: Joh. Wirth's Hofdruckerei A.-G., Mainz. Seiten 271. Oktav. Ist es jchwierig, die Oieschichte eines Volkes in gedrängter Kürze ziisainmenzufassen, ohne daß der klare Ueberblick dabei zu Schaden kommt; so ist dies ganz besonders bei der jüdischen Geschichte der Fall. Sind doch hier so viele Momente zu berücksichtigen, die bei der Oieschichte anderer Völker wegfallen. Einmal ist es das religiöse Moment, das hier in Betracht kommen muß; andererseits haben wir es hier mit einer Geschichte zu tun, die beinahe die ganze bekannte Welt zum Schauplatz hat. Es ist deshalb fast unmöglich, die jüdische Geschichte in kurzen Abrissen darzustellen, und gleichzeitig die genaue Kenntnis der jüdischen Vergangenheit zu vermitteln. Die meisten dieser Darstellungen müssen halbe Arbeit bleiben und werden, je nach ihrem wissenschaftlichen Werte mehr oder weniger verläßliche Repetitorien sür Solche bleiben, die sich ihre diesbezüglichen Kentnisse aus ausführlicheren Werken geholt haben. ' Der Verfasser der uns vorliegenden Arbeit hat seiner Aufgabe, die Geschichte des jüdischen Volkes während eines Zeitraumes von mehr als 2500 Jahren auf 250 Seiten darzustellen, auf möglichst bester Art entsprochen. In einfacher, schlichter, aber doch lichtvoller Sprache werden da die wichtigsten. Phasen der Geschichte unseres Volkes beleuchtet. Besonders mag hier der erste Abschnitt hervorgehoben werden, in welchem die sturm- und wechselvolle Zeit des zweiten, durch Esra mit persischer Hilfe restaurierten jüdischen Staates bis auf dessen Zertrümmerung durch Titus in gut übersichtlicher Wepr geschildert wird. Gut abgefaßt und recht zweckmäßig ist auch der zweite Abschnitt, der uns die geistige Arbeit der Tanaim und Amoraiin, die erst niüudliche, dann schriftliche Zusammenfassung der sinaitischen Tradition, die Entstehung von Mischna und Talmud vorführt. Was die weiteren, die nachtalmudische Zeit behandelnde» Abschnitte betrifft, so ist in ihnen von der eigentlichen Geschichte des jüdischen Volkes zu wenig die Rede, als daß sie einen Ileberblick über das wechselvolle Geschick der Juden seit Verlust ihrer Bodenbeständigkeit gewähren könnten. Daß der Verfasser hierfür eine ausführlichere Geschichte der jüdischen Literatur und ihrer Träger in gut geordneter und gefälliger Form bietet, macht das Werk den Kennern dieser Literatur wohl zu einem bequemen Handbuche, bringt es aber feiner Bestimmung „Für Schule und Haus" nicht näher. Die Pflege der jüdischen Literatur und der übrigen jüdischen Disziplinen in den Schulen ist leider nicht o weit gediehen, als daß da Leben und Wirken )er Tossasisten und der jüdischen Religionsphiloophen, der Sprachforscher, Decisoren und der Talmuerklärer verständnisvolles Interesse fänden. Will man das Interesse weiterer Kreise für unsere Oieschichte und Literatur wachrufen, so muß auf die Volksgeschichte mehr Rücksicht genommen werde». Es müssen unserer Jugend Leben und Leiden der Juden, ihre Geschicke und ihre, allen Foltern und Scheiterhaufen Kotzende Standhaftigkeit im Glauben vor Augen geführt werden; erst mit der Kenntnis der Vergangenheid ihres Volkes kann und wird auch ihr Interesse und Verständnis für seine Geistes- und Glaubensheroen zunehmen. Zum Schlüsse sei noch, die Ausführungen des Verfassers betreffend, auf einige Einzelheiten hingewiesen. In Paragr. 9 des ersten Abschnittes wäre es wohl angebracht gewesen, der Tetrarchie, der Teilung des Reiches durch Herodes unter seine Kinder und Geschwister in die Provinzen Judäa, Galklea, Peräa und Batanäa, Erwähnung zu tun. Seite 71 wird der politischen Bedeutung der von Mohammed vernichteten bis dahin selbständigen jüdischen Oiemeinwesen nicht genügend Rechnung getragen. (Bekanntlich hat ihm die Bezwingung dieser jüdidischen Einzelstaaten keine geringe Schwierigkeiten gemacht.) Seite 72 folgt der Verfasser in Bezug auf die Entstehung des Oiaonats den Ausführungen Graetz' (Bd. 5, Note 13) und läßt den Gaon R. Jizchak von dem Chalifen Ali niit der Gaonswürde (und auch niit dem Titel Gaon) bekleiden. Auf derselben Seite läßt er aber R. Chana.n aus Jschkaja von 589—608 als ersten Gaon fungieren, während der Chalife Ali Joch erst 657 zur Regierung gelangt und erst später nach Babylonien gekommen ist; R. Jizchak daher unmöglich das erste mit der Gaonswürde bekleidete Schiiloberhaupt gewesen sein konnte. Dr. Frankl. A u s g e w ä h l t e Psalmen übersetzt und erklärt von Hermann Gunkel. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht 1904. 270 Seite«. Oktav. Preis 3.20 JL ungebunden; 4 JL gebunden. Vorliegende Ilebersetzung ausgewählter Psalmen ist Wohl wie keine andere geeignet, den des Hebräischen Unkundigen so recht in den Geist der Psalmen einzuführen. Einzelne Psalmen sind geradezu Meisterstücke der Ilebersetzung; Form und Rhytmus sind so glänzend wiedergegeben, daß man fast den Urtext zn lesen meint. Uns Jude» wird die Freude an dem schönen Buche getrübt durch die bedauerlichen Ausfälle, mit welchen der Verfasser wohl de« Nimbus des auserwählten Volkes zu schmälern bezweckt; denn anders sind Aeußerungen nicht zu erklären wie: „Schadenfreude spielt in Israel eine große Rolle" (2. 42), „bei der uns bekannten Brutalität hebräischer Schadenfreude" (2. 50). Unangenehm berührt den Juden auch die Art und Weise, wie der protestantische Gelehrte den vierbuchstabigeu Gottesnamen schreibt, ferner auch seine geringe Scheu vor textlichen Aenderungen. Dagegen ist es nicht hoch genug anzuerkennen, daß sich Gunkel von den beliebten althergebrachten christologischen Deutungen sreizuhalten weiß. Jedenfalls würden wir weitere Arbeiten des gelehrten Verfassers auf diesem Oiebiete freudig begrüßen. 8. H. L. Prag. D ie jüdischen Arbeiter in London von Dr. Georg H a l p e r n. Stuttgart und Berlin. 1903. I. G. Cottasche Buchhandlung Nachfolger. 84 Seiten. Oktav. Preis 1.50 JL An der Hand statistischer Tabellen wird uns eine genaue liebersicht über die sozialen Verhältnisse des jüdischen Proletariats in London gegeben. Dr. Halpern kommt zu dem Schlüsse, daß der jüdische Arbeiter in nur sehr beschränktem Maße in Konkurrenz zu dem Einheimischen tritt und daß die lebhaste Agitation gegen die freniden Judeneinwanderung ihren Grund habe, erstens in der durch die Einwanderer hervorgerufenen Wohnungsnot in einzelnen Stadtteilen, zweitens in deni Mangel an genossenschaftlichem Sinne bei den Einwanderern und ihrem geringe» Sinne für gewerkschaftliche Fragen; da müsse der Hebel angesetzt werden zur Besserung der Lage des jüdischen Proletariats in London, und mit derartigen Bestrebungen werde man mehr Erfolge erzielen, als mit der ganzen Einwanderungsgesetzgebung. d. 4L L. Prag. 2. Juschkewitsch: Die Parias, Erzählung aus dem Leben der russischen Juden. Ans dem Russischen übersetzL Preis 2 JL Verlag von Dr. I. Marchlewsky u. Co., München 1904. 198 Seiten. Oktav. Eugen Tschirikow: Die Juden. Schauspiel in 4 Akten. Aus dem Russischen. Preis 2 JL Verlag von Dr. I. Marchlewsky u. Co., München. 1904. 112 Seiten. Oktav. Juschkewitsch schildert in seiner Erzählung das Leben der jüdischen Proletarier in Rußland, ihr Ringen nach menschenwürdiger Existenz, ihren aussichtslosen Kampf gegen den Judenhaß des fanatisierten Pöbels niit erschütterndem, leider nur allzuwahren Realismus. Er tut aber auch dar, wie weder die ärgste Not, noch das tiefste Elend den russischen Juden den Glauben an die Menschlichkeit,

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