Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 19 (19.5.1904)
- Date
- 1904-05-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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fcntf 2 rftoitfturter Israelitischer Famüiendlatt. SK. 19. Die Jüdische Kolonisation Palästinas.*) Von Professor Dr O. W a r b u r g. (Schluß.) - Die Pferdezucht spielt in Palästina keine solche Nolle, wie man bei der Nähe Arabiens vermuten sollte, und trotz des nicht unbedeutenden Bedarfes der jüdischen Kolonien an Pferden ist von größeren Gestüten daselbst noch nirgends die Rede. Hier dürfte ein gutes Feld für jüdische Intelligenz und Ausdauer gegeben sein. Das Gleiche gilt von den Eseln, während Maultiere im Norden Galiläas vielfach gezüchtet werden, wenn auch — der religiösen Bedenken wegen — nicht von Inden. Schafe gibt es in manchen jüdische» Kolonien schon in bedeutenden Herden, aber die Schafzucht ist noch mehr als die Nindviehzucht von großen Weideflächen abhängig, wie sie sich jenseits des Jordans finden, von wo ja auch größere Quantitäten Wolle und Felle in den Handel gelangen. Infolge der besseren Ausschließung des Transjordangebietes Lurch die Eisenbahnen wird die Schafzucht sich zweifellos noch bedeutend entwickeln. Geflügelzucht wird natürlich in sämtlichen Kolonien getrieben, doch säst ausschließlich, um den eigenen Bedarf zu decken; ein Export Von Eigelb und Eiweiß, wie im nördlichen Syrien, findet bisher nur in geringen Mengen aus Palästina statt, Loch dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, daß auch dieser Exportartikel von Palästina in großen Onantitäten geliefert wird. / HL Schl.ußbetrachtung. Was die Eignung der Juden zum Acker- und Gartenbau in Palästina betrifft, so sind wir jetzt über das Versuchsstadium hinaus. Wie überall, gibt es natürlich gut und schlecht wirtschaftende Bauern, der Jude ist eben auch nur ein Mensch mit menschlichen Fehlern und Schwächen; aber im allgemeinen ist der jüdische Landwirt fleißig, sparsam und nüchtern, und soweit er nicht mehr auf fremde Hilfe bauen kann, auch wirtschaftlich und anspruchslos. Die Schnorrbauern, die in den neunziger Jahren florierten und den Spott der deutschen Kolonisten heraussorderten, stehen ans dem Aussterbeetat, und nainentlich die jüngere, auf dem Lande geborene Generation entwickelt sich zu einem kräftigen und gesunden Stamm eingesessener Bauern. Auch körperlich gedeihen sie gut, die jungen Leute sind größtenteils gesunde und kräftige Gestalten, und es ist eine Freude, wenn man sic'auf ungcfatteltcn Pferden sich tummeln sieht; die Spuren des Ghetto- Judentums früherer Generationen sind bei der in den palästinischen Kolonien ausgewachsenen Jugend verschwunden. In bezug auf die landwirtschaftlichen Kolonien kann man also nur wünschen, daß' sie sich in derselben Richtung wie bisher weiter entwickeln mögen, und sich ihre Zahl in möglichst schnell steigendem Maße vermehrt. Unbedingt nötig ist hierzu, daß an den Landkaus möglichst bald herangetreten wird, bevor die Landpreise allzu sehr steigen. Wenn man bedenkt, daß das Land, das die Deutschen vor einigen Jahren bei El-Tireh nahe bei Haifa für 100 Frcs. pro Morgen gekauft haben, schon jetzt mehr als den doppelten Wert hat, daß in Sarona bei Jaffa der Preis von Terrains, die sich für Orangenkultur eignen, auf das Zwanzigfache gestiegen ist, daß aber auch die fern von den Städten gelegenen Ländereien schon deutlich in einer Wertsteigerung begriffen sind, so wird man die Wichtigkeit des rechtzeftigen Landkauses verstehen. Eine weitere wichtige Forderung ist die Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation nebst detachierten Versuchsfeldern in den einzelnen Kvloniebezirken, sowie einem Netz von meteorologischen Stationen zur Kvmpletierung des vom Deutschen Palästina - Verein schon eingerichteten BeobachtungSnetzes. Die landwirtschaftliche Station hat vor allem die Knltnrmethode» zu verbessern, die austretenden Schädlinge zu bekämpfen, bessere Varietäten cinznsühren (was z. B. bei der Orangen-, Wein- und Mandelkultur sehr nötig *) Aus dem Aprilheft der in Berlin erscheinenden Dtonatsschrist „Altueuland, Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas." zu sein scheint) - sowie neue Kulturen zu erproben. Gerade in letzterer Beziehung kann eine solche Station von der eminentesten Wichtigkeit für das Land werden; es gibt eine überaus große Zahl von Kulturen, die in Palästina sorgfältig erprobt werden oirteit. Eine gründliche, vorurteilslose und durch anfängliche Mißerfolge unbcirrtc jahrelange Prüfung kann man aber von ungebildeten Bauern nicht verlangen, dazu sind wissenschaftlich und technisch geschulte Kräfte nötig. Die Vorarbeiten für Einrichtung' der meteorologischen Station sind schon im Gange, an diejenige der landwirtschaftlichen Station wird demnächst hcrangetreten werden. Eine Einrichtung, die sowohl der städtischen als auch der ländlichen Bevölkerung Palästinas zugute komme» dürfte, ist eine technische Versuchsanstalt; dort würde vor allem die bessere Verwertung der landwirtschaftlichen Prodnfte erstrebt werden müssen, wie die Herstellung reiner Olivenöle, besserer Seifen, Parfünicricn, Konserven usw., dort würden von europäischen Fabrikanten cingesandte landwirtschaftliche Maschinen erprobt resp. dem Lande angepaßt werden, dort könnten chemische Ilntcrsuchungcn von Landesprodukteil angcstellt und auch die Vorarbeiten für neue in Palästina einzuführende Fabrikationszweige gemacht werden. Auch ein hygienisches Laboratorium zur Untersuch»,lg und Bekämpfung der endemischen Krankheiten, besonders der Malaria, und ferner auch zur Ueberwachung von Epidemien und Viehseuchen, Herstellung von Jmpfstofsen usw. dürfte empfehlenswert sein. 1 Diese Institute baldigst zu schassen resp. an ihrer Ausgestaltung durch Rat und Tat mitzulvirken, ist eine Ehrenpflicht, der sich niemand entziehen sollte, der ein Herz hat für die Ivirtschaftliche Entwickelung des Landes unserer Väter. Zum II Juteruationaleil Religionsgeschichtlichen Kongretz in Basel. Unter dieser Uebcrfchrift schreibt Professor Alfred Bert holet inden Basler Nachrichten: Es ist schon früher auch an dieser Stelle daraus hliigewiescn worden, daß sich in den Tagen vom 3 0. August bis 2. September d. I. der zweite Jnternationalc Religionsgeschichtliche Kongreß in Basel versammeln wird. Nachdem' inzwischen die Vorbereitungen weiter^ fortgeschritten sind und der Kongreß selber in greifbarere Nähe gerückt ist, dürfte es angezeigt sein, das Publikum mit einigen Worten über fein Wesen zu orientieren. Es mag zunächst aufs neue mit allein Nachdruck betont werden, daß cs sich nicht um einen Religionslongreß in dem Sinne handelt, daß die Bekenner verschiedener Religionen oder Konfessionen zusammenkämen, um ein jeder als Advokat seiner eigenen auftrctend sür sie Propaganda zu machen; dieser Art war der Kongreß, der sich mit der Weltausstellung in Chicago verband. Ganz im Gegensa dazu bedeutete der erste Internationale Religionsgeschichtliche Kongreß, der in Paris während der Ausstellung 1900 tagte, ein rein wissenschaftliches Unteriiehmen. Und die direkte Fortführung dieses Pariser Kongresses soll der Basler Kongreß bilden. Auch er trägt demnach durchaus wissenschaftlichen Charakter und .hat mit konfessioneller Apologetit oder Polemik überhaupt nichts zu tun. Zur Teilnahme an ihm sind alle berufen, gleichviel welcher Konfession oder Religion sie selber angehören, die sich uin die wissenschaftliche und rein historische Erforschung der Religion bemühen, sei es daß das Christentum, sei es daß eine äußerchristliche Religion bas Spezialgebiet ihrer Studien bilde. . Der Verschiedenheit der Forschungsgebiete entsprechend, wird sich die Arbeit auf eine Mehrzahl von Sektionen verteilen. Eine erste z. B. wird sich mit den Religionen der sogen. Naturvölker mit Einschluß der Peruaner und der Mexikaner befassen. Es steht zu erwarten, daß sie z. T. von wissenschaftlich gebildeten Reisenden beschickt werden wird, die über eigene Beobachtungen Mitteilungen -werden machen können. So sind schon Vorträge über die Religionen primitiver Stämme in Japan und in Indien angemeldet, während andererseits in der gleichen Sektion einer der ersten Kenner der amerikanischen Religionen,. der Professor der Berliner Universität Dr. Ed. Seler, die Grundzüge der mexikaiiischen Religion entwickeln wird, lieber den religionsgeschichtlichen Ertrag neuester eigener Ausgrabungen in Egypten gedenkt in der e g y p t i s ch e n Sektion ein Aegyptöloge vorzutragen. Besonders stark verspricht die semitische Sektion besucht zu werden. Von den für sic in Aussicht stehenden Rednern hebe ich bloß hervor den bekannten Franzosen Theodore Reinach und einen Amerikaner, Professor Samuel Jves Curtiß aus Chicago, dem es auf wiederholten Reisen in Palästina und Syrien wie ivenigcn seiner Vorgänger gelunge» ist, durch geschicktes und unermüdliches Auslagen der Landeseinwohner in das Wesen der zum Teil wohl bis in die alte Zeit zurückreichenden volkstümlichen Knltübung einzudringen. Mehrere Vorträge sind auch schon für die indologische Sektion angeboten, z. B. zwei über den großen Kaiser Atbar (1542—1605), der sich an seinem Hose zu Delhi mit Muhammedanern, Brahmanen, Parsis, Juden, Christen re. umgab und sich ihre heiligen Schriften übersetzen ließ, um sich aus jeder Religion zu nehmen, was ihm darin zusagte. — Natürlich ist eine eigene Sektion der Behandlung der christlichen Religion gewidmet. Das Organisationskomitee ivird es sich besonders angelegen sein lassen, auch hier nur möglichst kompetente Redner zu Worte kommen zu lassen. Von den dazu angemeldeten Vorträgen erwähne ich z. B. den eines bekannten Armeniers, H. Arakelian aus Tiflis, der über die Geschichte der armenischen Kirche zu sprechen wünscht. Außer den Sitzungen der einzelnen Sektionen (es sind neben den genannten noch vorgesehen eine sür Religionen der Chinesen und der Japaner, eine für die der Griechen und der Römer, dine für die der Germanen, der Kelten und der Slaven) sind Generalversammlungen, in denen Vorträge^ von allgemeinerem Interesse (ohne nachfolgende Diskussion) gehalten werden sollen, beabsichtigt. Es sind auch für sie. schon eine Anzahl von Vorträgen in Aussicht gestellt, z. B. über Religion und Sittlichkeit, über Einfluß der bildenden Kunst auf die Religion in Egypten, Assyrien - Babylonien und Hellas, über den Wert der allgemeinen Religionsgeschichte für den christlichen Theologen rc. Wie schon aus den obigen Mitteilungen hervorgeht, ist eine rege Beteiligung von Gelehrten aller Länder zu erwarten. In der Tat sind Anmeldungen schon eingelaufen aus der Schweiz, aus Deutschland, Frankreich, Italien, Oesterreich - Ungarn, Belgien, Holland, England, Schottland, Schweden, Rußland, aus den Vereinigten Staaten, aus China und Jndochina. Und doch bedeuten diese Anmeldungen erst einen Anfang; die große Mehrzahl wird in den nächsten Wochen folgen. In diesen Tagen werden an die auswärtigen Negierungen, sowie an alle bedeutenderen Universitäten der Welt die Einladungen zur Vertretung am Kongresse ergehen. Aus ulken Wett. Deutschland. Hamburg. 27 mittellose Rückwanderer, die per DamPser „Vesta" von London hier ankamen, sind vom israelitischeir Hülfskoinitee einstweilen in einem Logicrhause untergebracht worden. Breslau. Schenkungen. Zur Annahme der Zuwendungen, welche die Rentnerin Mathilde Braun, der Kaufmann Eduard Holländer und der Kaufmann Hermann Hamburger in Breslau mit je 6000 JL, die verw. Rentnerin Charlotte Liebrecht, geb. Ledermann in Breslau mit 12 000 Jt., die Erben des am 1. Februar 1903 in Breslau verstorbenen Kaufmanns Oskar Schlesinger mit 18 000 JL, die Erben der am 9. Mai 1903 in Bteslau verstorbenen Witwe Malwille Cohn, geb. Silbermann init 6000 J{., der Kaufmann Simon Pfeffer in Breslau mit 50000 Ji, der Bankier Adolf Jarislowsky in Berlin mit 6000 M. der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt und Beerdigungs-Gesellschaft in Breslau schenkungsweise gemacht haben, ist die königliche Genehmigung erteilt worden. — Auch ist vom König zur Annahme der Zuwendung, welche der Bankier Max Perls in Breslau mit Wertpapieren im Nennwert von 5000 Ji,