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Neue jüdische Presse · 1904-05-19 · Heft 19 (19.5.1904) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 19 (19.5.1904)
Date
1904-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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^tan&futUx i, » Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In- und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise stehe Schluß des redaktionellen Teiles). ' - ■ - > KedaKttoil mrd HefchLftssterle: Srankfurt a. m., Leiliglreuzgaffe 52, Ecke Llapxerfeldstraße (gegenüber der Neuen Jeil). -H&-:- Herausgeber: Saig Heis. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile.25 Pfg. Die Reklamezeile.100 „ Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 „ Beilagen: Das Tausend Mk. 5.— bis Mk. 8.—. 2. Jahrgang. Donnerstag, den 5. Siwan 5664 (11). Mai 1904). Ro. 19. Zum Fest der Gesetzgebung. Nun rüstet Herz und Haus zur Festesfreud In der Erinnerung an jene Stunde, Da Gott auf Sinai Sein Volk geweiht Zum Priesterreich, zu einem heil'gen Bunde. Dort gab der Herr durch Seines Dieners Hand Zum Eigentum für alle künftigen Zeiten, Die Gotteslehr' als teures Unterpfand Um ew'ges Heil dem Volke zu bereiten. Und Israel, des hohen Wert's bewußt, Will freudig die Lehre empfangen. Doch, daß sie erhalten werde mit Luft Wollt Gott eine Bürgschaft verlangen. Der Väter Bürgschaft, sie reichte nicht aus, Nicht frei waren jene von Sünden, Doch die schuldlosen Kinder, die wählet Er aus In ihnen die Bürgen zu finden. Auch heute vertrau'n wir das heilige Gut, Das Jahrtausende treu wir geheget, Den Kindern, zu schützen mit Gut und Blut Was einst uns're Ahnen gepfleget. Und daß sie erfassen, was ihnen vertraut, Das mögen die Eltern sie lehren. Dann Israels Zukunft ist sicher erbaut, Wenn sich Kinder als Bürgen bewähren. Rosa Meyer. Die Lehre des Lebens. Zum Schewuoth - Feste. Bon S. B. „Die Sphären bewegten sich nicht; das Meer regte sich nicht; der Wind blies nicht; -die Bögel flogen nicht; ~ , die Fische schwammen nicht; die ganze Natur lauschte, als Gott die Worte sprach: ich bin der Ewige dein Gott." (Midrasch.) Israel zählt die Tage, die zwischen dem Feste der Befreiung aus egyptischer Sklaverei und dem der Offenbarung der heiligen Lehre liegen. So bildet das „Sefiro"-Gebot — dessen tiefer Sinn der Ausdruck für die Sehnsucht der Befreiten, nach höherer Gotteserkenntnis sein soll*) — schon äußerlich das Bindeglied, das diese zwei einzig dastehenden Ereignisse der Menschengeschichte den Zwischenraum überbrückend vereint. Diese zwei wichtigsten Begebenheiten der Geschichte Israels und mittelbar des gesamten Menschengeschlechtes sind auch von einander nicht zu trennen; denn ie sind mit einander eng verknüpft, ja, sie bedingen und ergänzen einander. Denn die Erlösung aus .Unechtschaft und Erniedrigung mußte der - Thoragebung vorausgehen, um sie erst möglich zu machen, weil nur ein freies, über sein Schicksal selbst verfügendes Volk fähig ist, die von unserer heiligen Thora auferlegten höheren Pflichten und Ausgaben zu übernehmen und zu vollbringen. Nur ein Volk, dessen Hände nicht gebunden, an dessen Füßen nicht „die Kette» klirren", konnte in freier Tat die erhabenen Worte sprechen: „Alles, was Gott sprach, wolle» wir tun und hören!" Diese erhebenden, von wahrem Gottvertrauen getragenen Worte sprach, als ihm die Sonne der Freiheit aufging, dasselbe Volk, das während der schmachvollen Zeit seiner Bedrückung und Knechtung in den Schlamm egyptischer Sünden zu versinken drohte, sodaß nach der Ansicht unserer Weisen die Erlösung, damit sie überhaupt möglich war, und nicht zu spät eintrat, vor der vorher bestimmten Zeit hatte stattfinden müssen. Wenn nun die Befreiung als die unerläßliche Bedingung der göttlichen Offenbarung erscheint, so ist wiederum die Letztere die Ergänzung, ja Vollendung der Erster». Nicht dadurch wurde Israel frei, daß die Feinde im Meere versanken; denn dem Sklaven nützt es nichts, daß die Möglichkeit zur Erringung wahrer Menschenrechte und echter Menschenwürde gegeben ist, wenn der Wille dazu fehlt, wenn dem Sklavengehirne das Verständnis dafür fehlt! Also nicht am roten Meer ward die Erlösung unseres Volkes zur unumstößlichen Wahrheit und zur vollendeten Tatsache, sondern dort in der Sinaiwüste, damals ain Tage, als Gott der Herr erschien, um die Grundprinzipien des Rechtes und der Gerechtigkeit seinem Volke mrd durch es der gesamten Menschheit zu verkünden. Damals am Tage des Herrn, da die Unveräußerlichkeit des Menschenrechtes und der Menschenwürde gelehrt ward, da erst wurde Israel in Wirklichkeit frei. „Mir seien die Kinder Israels Knechte," aber nicht Knechte — der Knechte, erklären unsere Weisen. Die äußere Freiheit allein ist nutzlos, wenn sich ihr nicht die innere Befreiung zugestellt, um aus der Möglichkeit Wirklichkeit zu machen. Darum heißt es von dem Tage der Offenbarung — wenn auch vor der Befreiung von dem „Volke der Kinder Israel" wiederholt Äie Rede ist — „heute bist Du zum Volke geworden." : Die heilige Lehre aber, die uns die edelsten Tugenden zur Pflicht macht, die „Lehre des Lebens" — weil nur durch sie das Leben Inhalt und Sinn hat — ist „das Erbe der Gemeinde Jakobs", und der Gesamtheit des jüdischen Volkes ward sie erteilt. Der Einzelne ist ihr durch seine unwiderrufliche Zugehörigkeit zum jüdischen Volke verpflichtet. Diejenigen also, die die Existenz des jüdischen Volkes leugnen, negieren damit auch ihre Zugehörigkeit zu seinem größten Gute, zur Thora1 Das jüdische Volk ist nicht gestorben, nur diejenigen, in deren Busen das jüd. Herz tot ist, vermögen derartiges zu behaupte», damit nur ihr eigenes Todesurteil aussprechend» und ihre Nichtachtung vor dem klaren Wortlaut der Thora, der Propheten und unserer Weisen, die an unzähligen Stellen vom jüdischen Volke in seiner Zerstreuung und der erhofsten Sammlung des „zerstreuten Volkes" reden. Die „Thora" ist die „Lehre des Lebens", und kann nur von einem lebendigen Volke beobachtet werden, denn sie ward uns erteilt, damit wir in ihren Geboten — leben . . . „Ein Baum des Lebens ist sie allen, die an ihr festhalten!" Wie ein Baum, der im Erdboden eine Stütze sucht, dessen Aeste aber gegen Himmel ragen. Die Thora verläßt niemals die Erde in ihren Anforderungen an den Staubgeborenen, sie verlangt niemals vom Menschen, daß er schon auf Erden ein Engel werde — die Thora ist nicht den Engeln erteilt, sagen unsere Weisen — denn die Thora soll eben kein Ideal bleibe», dein man nachstrebt mit dem Bewußtsein, es niemals erreichen zu können, sondern sie ist auch in diesein Sinne „die Lehre des Lebens", daß nach ihr gelebt werden soll, und nicht bloß schöne, rührselige Redensarten gemacht werden sollen! Die lebendige Tat ist es, was die Thora von uns fordert: „Denn dies Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht verborgen und ist nicht fern. Es ist nicht im Himmel, da du sagest: wer steigt für uns in den Himmel hinauf und holt es uns, und macht es uns kund, daß wir es tun. Und es ist nicht jei^eits des Meeres, daß du sagest: wer reist für uns jenseits des Meeres hin und holt es uns, und macht es uns kund, daß wir es tun. Sondern sehr nahe ist dir die Sache, in deinem Munde und in deinem H erzen,eszu tun. (Deut. 30, 11—14.) Diese heilige Lebenslehre des „lebendigen Gottes" nun ist offenbart worden — in der Wüste, dort wo alles Leben abgestorben zu sein scheint; dort wo keine lebendige Seele den verschmachtenden Wanderer labt, wo kein Grashalm grünet, auf dem die von der Glut der Wüstensonne versengten Augen ruhen könnten, dort wo kein Schatten den müden Gliedern Ruhe bieten kann, gerade diese Stätte des Todes und des Schreckens ward dazu ausersehen, in seinem Banne die Lehre des Lebens zu verkünden! Es sollte das Sinnbild des Geschickes derer sein, die auf das Gotteswort lauschend, den „Sinai" umstanden. Sie sollten lernen, inmitten aller Schrecken der Natur auf das Wort Gottes zu hören. Sie sollten dessen inne iverden, daß sie auch dort, wo wirtliche Gefahren drohen, sich ohne Zagen zu Gott, seiner Lehre und seinem Volke zu bekennen die Pflicht übernehmen. Wenn Israel dieser Lehre eingedenk bleibt, so führt sein Weg, wenn es auch durch die Gefahren der Wüste geht, nach dem Lande der Väter, nach dem Lande, auf das die Augen Gottes gerichtet sind vonr Anfang des Jahres bis an seinem Ende." *) Siehe Baal-Akeide zur Stelle.

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