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Neue jüdische Presse · 1904-04-22 · Heft 15 (22.4.1904) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 15 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15._ der Prüfung des Ostafrikaprojektes eine Gefährdung des Zionismus und faßte Maßnahmen, den gefaßten Kongreßbeschluß mit allen Mitteln zu Hintertreiben. Und so war eine Situation enstanden, die im zionistischen Lager ernste Befürchtungen und auf Seiten der Gegner Hoffnungen erweckte. Nun, die einen wie die anderen haben sich getäuscht: Die Konferenz des großen Aktionskomitees hat bewiesen, daß die z i o n i st i s ch e Organisation in sich gefestet da steht. Am dritten Verhandlungstage wurde folgende Resolution gefaßt: „Das große Aktionskomitee nimmt mit Befriedigung Kenntnis von den fortwährenden Bemühungen des engeren Aktionskomitees für Palästina. Das große Aktionskomitee setzt voraus, daß das Aktionskomitee im Sinne des Kongresses für die Absendung der Afrika-Expedition Sorge tragen wird. Da jedoch über die Frage der Kolonisation Ostafrikas an sich erst auf dem 7. Kongresse zu entscheiden sein wird, so bleibt die Diskussion über diese 'Frage, wie über alle schwebenden Fragen überhaupt, gemäß den bisherigen Gepstogenheitcn frei. Weiters hat das große Aktionskomitee nach gründlicher Aussprache die Mißverständnisse geklärt und beigelegt, welche infolge einer von allen Seiten zu heftig geführten Polemik in den letzten Monaten entstanden sind und die Arbeit in unserer Bewegung gestört haben. Die nicht'das Ostafrika-Projekt berührenden Anregungen russischer Aktionskomitee-Mitglieder werden dem engeren Aktionskomitee zur Erwägung und Berichterstattung an das große Aktionskoinitee überwiesen." Wien. Ein Meisterschwiniiiier. Leopold Mayer, Mitglied des Wiener Amateur- Schwimmklub, hat, obwohl noch das Gymnasium besuchend, spielend fast alle Meisterschaften des vergangenen Jahres errungen. Er gewann die Meisterschaft von Oesterreich über 100, über 200, über 500 und über 1600 Meter, ferner in Abbazia die 1000 Meter Salzwassermeisterschaft, die Europameisterschaft über 1600 Meter, den Ehrenpreis Se. Majestät des Kaisers Franz Josef I., die Donannieisterschaft von Oesterreich, den Ehrenpreis des Erzherzogs Ferdinand Karl, er hatte ferner einen wichtigen Anteil an dem Siege der Mannschaft W.-A.-S.-Klub in der Polo-Meisterschaft von Oesterreich. Budapest. (Wohltätigkeit). Herr Sigmund L. Meitner, der vor Kurzem von Sr. Majestät mit dem Offizierskreuz des Franz-Josef-Ordcns ausgezeichnet wurde, und alis diesem Anlasse auch vou Seiten der Altofner israelitischen Kultiisgemeinde und Chewra Kadischa beglückwünscht wurde, gedachte in höchst munifizenter Weise der Armen und Notdürftigen seines Geburtsortes. Er sandte nämlich ans erwähntem Anlasse 550 Kronen zu Händen der Altofner Kultusgemeinde mit der Bestimmung, daß 300 Kronen inr Wege der israelitischen Knltusgemeinde und 200 Kr. im Wege der Chewra Kadischa unter die Arinen der Genieinde verteilt, 50 Kronen aber dem „Bachurim Bikur Cholim"-Vereine zngeführt werden sollen. England. London. Streikende Ausländer in London. Am Sonntag, den 10. April, begann im Ostende Londons ein Streik, der unvorsichtigerweise gerade von dem Teile der.Bevölkerung ansgeht, dem die englische Regierung den Aufenthalt in London zu erschweren beabsichtigt. Ob der Streik auf das Fremdengesetz von Einfluß sein wird, läßt sich vorläufig noch nicht erkennen, doch ist dies keineswegs ausgeschlossen. Er geht aus 'von den jüdischen Bäckern, die nachstehende Bedingungen stellen: Minimallohn von 26 Sh. pro Woche; 12stündiger Arbeitstag; Anbringung einer tradeunionistischen Marke auf jedem Brote; ein Ruhetag im Zeitraum von 7 Tagen. Der Streik nahm feinen Anfang mit großen Umzügen durch die fast nur von Ausländern bewohnten Straßen. Bei diesen Umzügen fiel besonders eine große Schar jüdischer Schneiderinnen auf, die ein mit hebräischer Inschrift versehenes Banner mit sich trugen. An der Spitze des Zuges marschierte ein nur aus Juden zusammengesetztes Musikkorps in roten Röcken, das ununterbrochen die Marseillaise spielte. Hinter ihm wurde eine Tafel finit russischer Inschrift getragen. Am Nachmittage versammelte sich eine aus allen Nationen der Welt gemischte Volksmenge um zwei Rednertribünen ans einem offenen Platze in Whitechapel. Es wurden hebräische Flugblätter verteilt, und die Redner sprachen in Deutsch und in Jiddisch. Die Hauptbeschwerde war die, daß englische Arbeiter weit höhere Löhne und lveit kürzere Arbeitsstunden hätten, als die Ausländer. Die Bäckerläden waren durch Polizisten besetzt, denen es gelang, die stellenweise einen erregten Eindruck machende Volksmenge zu zerteilen. (Die Forderungen der jüdischen Bäcker sind im Vergleich zu dem, was andere Arbeiter, in London verdienen, auch bei 26 Sh. pro Woche nur bescheiden. . Anm. d. Redaktion.) Amerika. Newyork, 13. Älpril. Eine jüdische Kolonie wird jetzt in Alabama in dem an der Südbahn Frankfurter Israelitischer Faimlienblatt. unweit Mobile gelegenen Ort Creole errichtet, in Welchem einstweilen 300 Israeliten, die zumeist aus großen Städten dieses Landes kommen, als Farmer untergebracht lverden. Eine große Anzahl russischer Israeliten wird in Bälde nach der Kolonie gebracht werden. Personalien. München. Am Sonntag Bormittag wurde im israelitischen Friedhofe, an der Seite seiner Gattin, einer geborueu Kaula, der im Alter von 71 Jahren verstorbene H ofratundprakti sch eArzt Herr D r. 2L Wertheiinber zur Erde bestattet. Zur Erweisung der letzte» Ehre hatte sich eine stattliche Trauerversammlung eingesunden. Rabbiner Dr. Werner widniete dem Verstorbenen einen tief empfundenen, hoch ehrenden Nachruf. Er schilderte ihn als das Musterbild eines edlen Menschen und tüchtigen Arztes, als einen vornehmen, charakterfesten, zugleich bescheidenen und zartsinnigen Mann, wie als einen für seinen Beruf besonders prädestinierten Arzt, der in einer ausgedehnten, bis in die höchsten Kreise sich erstreckenden Praxis mit hingebender Opferwilligkeit unermüdliche Geduld, namentlich in seiner Eigenschaft als Kinderarzt, vereinigte. Besondere Würdigung fand die segensvolle Tätigkeit, die der Dahingcschiedene zur Zeit der großen Typhusepidemie entfaltete, wie auch sein rastloser Forschereifer, der in wissenschaftlichen Vorträgen und Fachschriften zunr Ausdrucke kam. München. Anläßlich seines 70. Geburtstages wurde Herrn Kommerzienrat Kirchdörfer, der mehr als 25 Jahre imunterbrochen in der Verwaltung und Borstandschaft der israelitischen Kultusgemeinde und der israelitischen Waisenstiftung tätig ist, seitens der Verwaltung eine künstlerisch ausgeführte Äldresse mit entsprechender Widmung durch die Borstanbschaft überreicht; ebenso beglückwünschten die israelitischen Wohltätigkeitsvereine, denen er angehört, ihr verdientes Vorstandsmitglied. München. Im Alter von 52 Jahren starb in Meran Herr Bankier Sieginund Klopfer. Derselbe war hier sehr angesehen und hatte stets für die Armen eine offene Hand. » Schönlanke» 10. April. Abschiedskommers. Zu Ehren des nach Berlin verziehenden Repräsentantenvorstehers Jacob Jacobsohn fand gestern Wend ein von der jüdischen Gemeinde recht zahlreich besuchter Abschiedskommers in Tobias Hotel statt. Der Rabbiner Wäldler, Mitglieder des Vorstandes und des Repräsentantenkolleginms hielten Ansprachen, auf die der Scheidende dankend erwiderte. Liegnitz, 12. April. Sein fünfundzwanzigjähriges Am ts j u b il ä u in beging heute der Vorsitzende der hiesigen Synagogen- Gemeinde, Herr Kaufmann und Stadtverordneten- Vorsteher Heinrich Cohn Hierselbst. Um 11V- Uhr erschienen die beiden Körperschaften der Synagogen-Gemeinde in der Wohnung des Jubilars, und es sprach zunächst der stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes, Herr Kaufmann Ludwig Danziger, Namens dieser Körperschaften die herzlichsten Glückwünsche aus, während der Vorsitzende der Repräsentanten-Bersammlung, Herr Kaufmann Jakob Elkusch dein Jubilar eine kunstvoll ausgestattete Ehrenurkunde überreichte, inhaltlich deren die bereits bestehende „Heinrich Cohn-Stistung" um einen namhaften Betrag erhöht wird. Es gratulierten ferner Herr Rabbiner Dr. Peritz von hier, weiter Herr Oberbürgermeister Oertel namens des Magistrats, vom Bureau der Stadtverordneken-Bersammlung die Herren Peikert und Meyenburg namens der Stadtverordneten-Versainmlung; fernerhin gratulierten Frau Auguste Danziger als Vorsitzende des Israelitischen Frauen-Bereins und Herr Kaufmann Deutsch als Vorsitzender der Chebra Kadischa. deren Ehrenmitglied der Jubilar ist. Altona. Sein 70jähriges Jubiläum als Klausrabbiner feierte dieser Tage der in den weitesten Kreisen bekannte, in hohem Ansehen stehende Herr I. M. Cohn Hierselbst, Bäckerstraße. Der ehrwürdige Jubilar ist einer der ältesten Einwohner Altonas; trotzdem er gegenwärtig im 06. Jahre steht, erfreut er sich einer besonderen körperlichen und geistigen Frische. Er weiß noch bis in die kleinsten Details Erlebnisse aus seiner frühesten Jugend, insbesondere aus der Zeit der Belagerung Hamburgs durch die Franzosen und der Befreiung der Stadt von der Fremdherrschaft. Er ist mit einer großen Schar Kinder, Kindeskinder und Urenkel gesegnet; auch seine Frau erfreut sich trotz ihres hohen Alters der besten Gesundheit. Um den hochbetagten Herrn vor jeder Aufregimg zu bewahren, wurde das Jubiläum im engsten Kreise gefeiert. Budapest. Am 14. April ist der Generalsekretär der Nng. Geologischen Gesellschaft, Dr. Moritz Staub, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, im Alter von .62 Jahren gestorben. Paris. Der Oberstleutnant Strauß ist zum Oberst, der Bataitlonschef Bloch zum Oberstleutnant, der Hauptmann Lipniann zum Eskadronchef, der Oberstleutnant Borchard zum Direktor der Artillerieschule ernannt. Seite 3. Aus de« Vereinen. Frankfurt a. M. Der Gesangverein »Irsch u r u n" veranstaltete am Sonntag den 17. 2Hml ds. Js. unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern und Gästen, Damen sowohl wie Herren, seinen ersten Ausflug und zwar nach Cronberg-Königstein-Soden. In Königstein wurde gerastet. — Chöre, Gesang« und Couplet-Vorträge und Tischlieder unterhielten die Teilnehmer aufs Beste. So verlief auch diese gesellige Veranstaltung in schönster Weise. Dem Wunsche aller Beteiligten gemäß, sollen ähnliche Ausflüge im Lause des Sommers noch mehrfach stattfinden. Frankfurt a. M. Die hiesige zionistische Vereinigung veranstaltet Montag, den 25. Avril, abends 83/i Uhr, in der Frankfurt-Loge eine öffentliche Versammlung. Für diesen Abend hat der Vorstand de» in den weitesten Kreisen als hervorragenden Redner bekannten Herrn Dr. Alfred Klee aus Berlin, Mitglied des großen Mions-Komitees, gewonnen, und ist bei dem Ruse, der diesem Herrn vorausgeht, eine sehr zahlreiche Beteiligung (auch seitens der Damen) zu erwarten. 3. Berlin. Die Hilfskaffe für israelitische Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschland, hat, um den hundertjährigen Geburtstag Professor Solomon Sulzers zu feiern, beschlossen, am 24. April, Abends 7 Vs Uhr, in der Lützowstraßen-Synagoge ein Konzert zu geben, in dem vorzugsweise Sulzersche Kompositionen zum Bortrag gelangen werden. Hamburg. Der israelitische Mieteverein von 1828 hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Helm. S. Meyer ab. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß der Verein auch im verflossenen Jahre einer größeren Anzahl von bedürftigen Familien eine Unterstützung zur Mietezahlung angedeihen lassen konnte. An Mitgliedsbeiträgen wurden im Jahre 1003 2674 Mark (gegen 3027 M. im Fahre 1002) und an Zinsen 3070 Jt. vereinnahmt. Unter die Mitglieder wurden verlost 65 Portionen ä 60 J& (gegen 68 Portionen im Jahre 1002) und verteilt 40 Portionen a 30 JL Der Vorsitzende wies darauf hin, daß der Verein seit seinem 75jährigen Bestehen über 300 000 Jt. für seine Zwecke verausgabt hat. Außer den statutengemäß stattsinbenden Verlosungen im März und September findet jetzt auch seit einigen Jahren eine Verteilung von Mieteunterstützungen an bedürftige Bereinsmitglieder statt. Der Vorstand hat sich weiter das Ziel gesetzt, sobald der dazu nötige Fond vorhanden ist, ein eigenes Grundstück zu erwerben, um zuerst denjenigen Mitgliedern, die in früheren Jahren eine lebenslängliche Mieteunterstützung gewonnen haben, jetzt keine Geldunterstützung, sondern eine freie Wohnung im eigenen Heim des Vereins zu bieten. Zu diesem Zwecke müssen jedoch dem Verein größere Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt und dem Kassierer Decharge erteilt. Aus der Lehrerwelt. Krefeld. Oberrabbiner Dr. Horowitz wird nach 35jähriger Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde in den Ruhestand treten; er beabsichtigt, im September seinen Wohnsitz nach Düsseldorf zu verlegen. Pose«, 13. April. Im isr. Waisenhause für Knaben fand gestern die Einführung des neuen Inspektors, Herrn Uhlfelder, statt. Der Choral „Lobet den Herrn" leitete die Feier ein, worauf Herr Wolfs, der bisherige Waisenvater, die Begrüßungsrede hielt. Durch den stellvertr. Vorsitzende» Herrn Friedländer wurde Herr Uhlfelder in sein Amt eingeführt und auf die Pflichten seines Berufes aufmerksam gemacht Im Namen der Zöglinge der Anstalt überreichte der älteste Waisenknabe Salz und Brot, sodann dankte Herr Uhlfelder für die dargebrachten Ovationen. Stuttgart. Dienstprüfung für Rabbinatskandidaten. Bei der am 21. bis 23. März d. I. vorgenommenen zweiten Dienstprüfung für Rabbinatskandidaten ist der Rabbinatsverweser D r. Abraham Schweizer in Weikershei.m fiir befähigt zur ständigen Anstellung als Rabbiner erllärt worden. Gr.-Glogau. Zum Kantor und Lehrer der hiesigen Synagogengemeinde wurde Herr Wilhelm Heimann- Bingen gewählt. London. Dr. Sallh Daiches, Schüler des Hilüesheimerschen Rabbiner-Seminar zu Berlin, ist in Hüll zum Rabbiner gewählt worden. © Feuilleton. © Die Karaitm und der Chlw. (Fortsetzung.) Wohl bemerkte sie, als der Leichenzug des Bakers in die Felsen hinunterzog, ihn zu bestatten, vermummte Leute um denselben schleichen; wohl sah sie um ihre Hütte lauernde Männer zerstreut, so

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