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Neue jüdische Presse · 1904-02-26 · Heft 8 (26.2.1904) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 8 (26.2.1904)
Date
1904-02-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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€etfe 2. Frarksurter Israelitisches Fämilienblatt. Nr. S. Heft Largepellt und je nach ihrer Verwendbarkeit für die Zeitideen und Zeitbestrebungen gelobt oder getadelt, nach diesem Maßstabe allein 'ihr Wirken be-' und verurteilt. Diesem Mangel an einem objektiven, der geschichtlichen Wahrheit allein Rechnung tragenden Geschichtswerke abzuhelfen, hat der durch das Erscheinen eines Teiles feines Werkes ..vorot Uorisobooim" schon rühmlichst bekannte Jsak Halewy unternommen. Worin Halewys Bedeutung liegt und worin er sich von den anderen jüdischen Historikern unterscheidet, ist der Umstand, daß er für die jüdische Geschichte ganz neue Ouellengebiete erschlossen, die bis nun nicht geahnt, oder nur gestreift worden sind und daß er dieses Quellenmaterial nicht nur beherrscht, sondern auch gewissenhaft verarbeitet. Diese neuen Quellen sind Talmud, Midrasch und die nachtalmu- Llsche Literatur. Um aber die Bedeutung der Erschließung des Talmud Babli und Jeruschalmi für . die jüdische- Geschichte zu erkennen und nach Gebühr würdigen zu können, muß in Betracht gezogen werden, daß gerade jene Epoche, in welcher die Niederlegung der mündlichen lieberlieferung erfolgte, bis nun historisch so schwer zu beleuchten war. Die unaufhörlichen Verfolgungen seitens der Römer und die hierdurch verursachte Zerstreuung der Juden Palästinas nach allen Richtungen der Windrose, die eigentlich die Aufzeichzeichnung des mündlichen Gesetzes nötig machten, haben auch keine jüdische Geschichtschreibung auskommen lassen. Diese Verfolgungen, wie auch die traurige Lage der Juden Babyloniens, sie richteten das Augenmerk der Schulhäupter, der Patriarchen*) und der Exilarchen**) nur dahin, das Gottesgesetz in Sicherheit zu bringen und ließen keine Muße zur Festhaltung der zeitgenössischen jüdischen Geschichte. Und so konnte sich die jüdische Geschichtschreibung dieses hochwichtigen Zeitpunktes bemächtigen, um auf Grund von Kombinationen und Hypothesen ihre Ansichten als richtig hinzustellen. Bon diesen Kombinationen ausgehend, -wurden Angriffe gegen Mischna und Gemoroh gerichtet und das Gebäude zu erschüttern gesucht, das, auf'Grund der finaitischen Gesetzgebung errichtet, das jüdische Volk für alle Zeiten in' sich vereinigen soll. (Schluß folgt.) Aus aller Welt. Dentschla«-. Fulda, den 22. Februar. Im Anschluß an den Minchah - Gottesdienst hielt unser allvcrehrter Herr Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn eine Gedächtnisfeier Mr den der Erdenwelt so früh entrückten Herrn Samuel Strauß, Karlsruhe, ab, die auf die zahlreichen Anwesenden einen überwältigenden Eindruck hervorbrachte. Ausgehend von dem Worte unserer Weisen, daß der Mensch verpflichtet sei, auch Gott zu danken, wenn ein schweres Geschick ihn niedcrbeuge, zeichnete der Herr Redner unter Zugrundelegung der Bibelstelle: „Und per . Knabe Samuel wurde immer größer und wohlgefälliger sowohl bei Gott, wie bei den Menschen," ein Lebensbild des -Entschlafenen so klar und wahr, daß auch derjenige, der ben großen Toten nicht kannte, schmerz- - bewegt ausrufen müßte: „Wehe, daß dieser Fromme von uns genommen, wehe, daß der Tod eine solche Lücke gerissen." Wir hoffen und wünschen aufrichtig, daß die herrliche Rebe dem Drucke übergeben werde. -0- Diez a. Ö. Lahn. Das Purimfest naht heran, das Fest der.Freude und der Spenden. Da möchte es wähl angezeigt sein, die Aufmerksamkeit unserer jüdischen Männer und Frauen aus 'das hier befindliche „Deutsch israelitische Kinderheim" zu lenken, das eine freundliche und gesunde Heimstätte verwaisten Kindern aus dem ganzen deutschen Reiche, und auch solchen Kindern, deren Erzichung, blieben sie im Elternhause, gefährdet wäre, bietet.. Auf luftiger Höhe, in unmittelbarer Nähe des Waldes, empfangen an 40 Knaben hier eine in körperlicher, sittlicher und geistiger Beziehung ausgezeichnete Erziehung; hier dürfen in ihren fielen Stmrden die Kinder sich fiöhlich tummeln, dem Elend des elterlichen Hauses entrückt, dürfen sie sich freuen, wie andere Kinder. Hier wird ihnen der Grund für eine einstige,-sichere und ehrbare Existenz gelegt; wie viele von denen, welche die Anstalt schon ins Leben entlassen, die jetzt ehrbar sich ihr Brot verdienen, wären verkommen, wenn sie nicht das Glück gehabt hätten, hier zu braven Menschen erzogen zu werden. Diese Anstalt zu unterstützen, ist gewiß edel und liebreich handeln; möge darum niemand, ergeht eine Bitte an ihn, am Feste der Freude mit einer Gabe zurückhalten, die, auch noch so klein, dankbar wird angenommen werden. Fürth, den IS. Febr. Der Magistrat Sckweinfurt warnt vor einem angeblichen Rabbiner Salomo» Amdur, welcher 'für das israelitische Waisenhaus in Jerusalem Sammlungen ohne polizeiliche Erlaubnis vornimmt. Berlin. Der Kaiser als Erbe der Baronin Cohn-Oppen hei in. Bekanntlich siet dem Kaiser vor etwa Jahresfrist ein Vermächtnis der in Dessau verstorbenen Frau Baronin Cohn-Oppenheim in Höhe von zwei Millionen Mark zu, über dessen Verwendung der Kaiser bisher noch nicht verfügt hat. Voraussichtlich werden aus dieser Erbschaft aber die weniger reich ausgestattetcn Ossizierkorps mit reichlichen Zuwendungen versehen werden, wobei namentlich die Provinzialinsantene berücksichtigt werden wirb. Tübingen. Die hiesige Studentenschaft hat am Samstag in einer Vertreterversammlung sämtlicher Sati.'faktion gebenden Korporationen den Beschluß gefaßt, keinem Angehörigen einer jüdisch enBewegung mehr Satisfaktion zu geben. Leipzig, 16. Februar. Das Reichsgericht verwarf heute die. Revision des Grasen Walter Pückler-Kleiiitschirn e, der am 6. Oltober 1903 vom Landgericht II Berlin wegen Beleidigung der jüdischen Einwohner von Glogau, bedangen durch eine in Berlin gehaltene Rede, zu einer Geldstrafe verurteilt worben war. Verworfen wurde auch die Revision der Nebenkläger gegen dasselbe Urteil, soweit durch dieses die Angeklagten Graf Pückler und Stenograph Schimmels), ennig der Beleidigung der Glogauer jüdischen Einwohner durch den Vorwurf eines am Grafen Pückler begangenen Giftmord- Versuches für nichtschuldig befunden wurden. Dresden. Die sächsische. Regierung hat dem Landtage einen Gesctzcnlwurf vorgetegt, der den Zweck hat, den Rechlsverhätinissen der sächsischen israelitischen Retigionsgemeinde eine festere Giundlage zu geben. Ihre Bcrhättnifle wurden durch Geietz vom 18. Mai 1887 geregelt, seltdem haben sich die Zustände jedoch derart geändert, daß diese Borschniren nicht mehr ausreichend sind. In Anlehnung an die Besliinmungen für die politischen Gemeinden, soll nach dem Gesetzentwurf die Mitgliedschaft bei einer isiaeii ischen Religionsgemeinde ohne ausdrückliche Willenserklärung des Einzelnen schon durch Wohnsitz, Aufenthalt, Besitz eines Grundstücks oder Betrieb eines selbständigen Gewerbes ei worben werden.: Das Land soll in Religionsgemeincen anfgeieilt werden und diese sollen den Charakter öffentlich rechtlicher Korporationen haben. Stach der lehren Zählung lSvO gibt es in Sachsen 12,416 Israeliten und sieben israelitische Rcligionsgemeinden. und zwar in Dresden. Leipzig, Chemnitz, Plauen- Annaverg, Bautzen und Zittau. Dresden, 18. Februar. Die Erste Kammer beschäftigte sich gestern mit dem Gesetze über die israelitischen Religionsgemeinden. Nach einer Darlegung des Gemeinde.irchenrats Dc. Pank wird das G.setz folgende Kon,equ.nzen: haben: 1. Bisher konnte unrec de» mang^lnoen ge,etzlichen Bestimmungen ein Israelit auch' unter 21 Jahren in die christliche Konfession ausgenommen werden. Das ist in. Zukunft aasgeschloßen. 2. Während bisher der zum Christentum übe.t.etende Israelit sich nur beim christlichen Pfarrer, zu melden brauchte, so hat er in Zukunst vorher seinen Religionsbeamten anfzusuchen undihm seinen Abfall vom Judentum anzuzeiz'en. 3. Konnte bisher eine *) Oberhaupt der palästinensischen Juden. **) Weltliches Oberhaupt der babylonischen Juden. jüdische Witwe, welche Christin ward, ihre Kinder ohne weiteres mit. zum Christentum hinübernehmen, so wird ihr dies fortan verwehrt sein, wenn'nicht der verstorbene Vater ausdrückliche Bestimmungen in dieser Richtung - getroffen hat. Auf den Antrag des eben genannten Mitgliedes der Ersten Kammer wurde der Gesetzentwurf zu nochmaliger Beratung an die Deputation zurückverwiesen. Diese Erschwerung der Taufe — auch. Rußland hat kürzlich die Taufe bedeutend erschwert — ist ein Symptom, das unsere Assimilationsjuden, soweit sie nicht gedanken- oder charakterlos. sind, stutzig machen sollte. Wer klare» Blickes den Geist unserer Zeit zu beurteilen weiß, der sieht, daß die Christen in dem Juden nur den „Juden" sehen wollen und eine Vermischung mit dem jüdischen Elemente zurückweisen. . ■ Dortmund. Das folgende zeitgemäße Inserat veröffentlicht, die hiesige, Synago-fen gemeinde: Äirchen-Orgel.mit 4 Registern, zum Gebrauche für eine lleine Kirche sehr geeignet, wird, sehr-preiswert abgegeben. V' Der Vorstand der Synagoqen-Gemeinde^Dortmundi - Ad. Elias. Pose«. Die Stelle eines Assistenzarztes im hiesigen jüdischen Krankenyause wird am I. April d. I. fiel. Das Gehalt beträgt bei vollständigfreier Station 900 -tL jährlich. Meldungen, sind bis . zum 1. März 1904 unter Beifügung bon Zeugnissen an den Vorstand der ' Synagogengemeinde zu richten. Borgezogen werden Bewerber, welche die mikroskopischen Nnterfuchungsmethoden beherrschen und schon in anderen Krankenhäusern tätig gewesen sind. Oesterreich-Ungarn. Wie«. Jüdisches Studentenelend'. Bor einigen Tagen stand in udapest der Hörer am dortigen Polytechnikum, Max B., wegen Diebstahls angellagt, vor dem Strafsenat. Mer ilur scheinbar war der lleine, schwächliche, in der Untersuchungshaft plötzlich ergraute jüdische Student der Angcllagtc. - Wer die Anllageschrift des Staatsanwaltes und die Verteidigungsrede des Verteidigers liest, hät das Gefühl, daß nicht der forinell Angeklagte, sondern die ganze moderne Gesellschaft, und vor allem die Juden in Budapest in Ailllagezustand versetzt würden. Max B. war, wie aus der Anklage hervorgeht, anfangs September vorigen Jahres aller Mittel entblößt. Mle seine Bemühungen, sich das- Schulgrld zu verschaffen, schlugen fehl. In seiner Verzweiflung entwendete er aus dem Laboratorium des Polytechnikums eine Platina-Schale im Werte von 700 Kronen, die er durch einen Dienstmann um den Betrag von 300 Kronen verpfänden ließ. Von dem Erlöse erlegte er zunächst das Schulgeld, dann bezahlte er die rückständige Wohnungsmiete und schließlich kaufte er sich die notwendigsten Kleider. Schluchzend gestand der Angeklagte seine schwere Verirrung. Er erzählte — und seine Erzählung erwies sich als wahr — sein Vater, ein armer kränklicher Mann, habe neun Kinder. Im Winter erteile er — der Angeklagte — Privatunterricht, im Sommer, wenn die Parteien aufs Land gehen, sei er genötigt, als Aushilfskellner sein Brod zu verdienen. Im Sommer rorigen Jahres.wurde er auch dieses Erwerbes verlustig, weit man ihn zur Ersatzre,erve einberief. Der Staatsanwalt betonte, daß er wohl die Anklage erheben müsse, doch rufe er im Interesse des jiiugen Menschen, der ein Opfer unserer sozialen Zustände, in äußerster Not schwer gefehlt habe,, das Wohlwollen des Gerichtshofes an. In Berücksichtigung aller mildernden Umstände, wurde der Angellagte zu einer geringen Arreststrafe verurteilt. England. London. Das Andenken der in Südafrika gefallenen jüdischen Soldaten. Der Londoner Verein „Maccabaean" uno die „Gecllschaft für jüdische Geschichte", vereinigten sich zu einem gemeinsamen Komitee, welches, den Zweck hat, das Andenken derjenigen jüdischen Soldaten — 127 an der Zahl — welche in den Reihen Englands kämpfend, im englisch-burischen Kriege ihr Leben ließen, für ewige Zeiten zu sichern. An der Spitze dieser Bewegung steht Colonel Goldjmith als Präsident, der auch einen Ausruf an alle jüdischen Vereine, sowie auch an alle Inden als solche, ohne Unterschied der Partei und des Standes mit der Aussorderung richtete, durch ihr Schä.flein das vorgesteckte Ziel erreichen und zu einer würdigen Dankeskundgebung der Inden Englands gestalten zu helfen. Das Vorhaben findet auch die Unterstützung sämtlicher Rabbiner. Lord Rothschild erscheint als E ster mit einer Zeichnung von hundert Pfund Sterling. Rußland. Petersburg. Die Beschlüsse der Kommission zur Behandlung der Judenfrage in Rußland sind dem „Hazman" zufolge folgende: 1. Der Ansiedlungsrayon der Inden bleiöt auch weiter bestehen. 2. Die polnischen Städte werden in den Rayon einbezogen, den Juden jedoch verboten, daselbst Grundstücke zu erwerben. . - 3. Wenn die Bauern eines Dorfes um die Erlaubnis ansuchen, Juden daselbst anzusiedeln, soll ihnen dieselbe gewährt werden. 4. Den Juden wird gestattet, in den Dörfern auch Bauerngut zu pachten und zu bearbeiten, doch darf nicht mehr als. eine „Desjatina" Land pro jüdische Seele Verpachter werden. Der jüdische Pächter mutz jedoch die schriftliche Erklärung abgeben, daß, sie außer diesem, in einem anderen Orte keinen Boden bearbeiten. Es sollen in de» Rayonsstädten Warschau.und Odesja höhere Bildungsanstalien für Inden errichtet werden, jedoch mitder Bedingung, daß ihre Professoren ausschließlich Christen seren. . - '6. Es wird den. außerhalb des Rayons wohnenden Kaufleüten und Lehrern verboten, jüdische Gehilfen nird Bedienstete anzustellen.- 7. Das Wohnverbot der Inden innerhalb fünfzig Werst von der Grenze wird aufgehoben. Die letzte Bestimmung soll sofort ausgeführt werden,-während die anderen Punkte einem engeren Komitee, welches in. kurzer Zeit znsammentreten wird, überwiesen werben, soll. Petersburg. Der Rücktritt des Unterrichtsministers Geheimrat Sängerwird in jüdischen'Kreisen sehr bedauert.^ Sänger, eine loyal denkende Persönlichkeit, war . nach dem . bekannten Grafen Tolstoi-der erste Unterrichtsminister, ider. den Mut xhatte, ÄeLuMer Alexander: UI. eingeführte fünftwozenfiMLRlmn°Mv der Aufnahme von Juden in LieüLchyWiÄmMS

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