Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kraitkfrtrker ' AedaLtto« Und Hefchäftsstetts Zrsnkfurr a. M„ < - Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In- und Auslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise siehe Schluß des redaktionellen Teiles). ' ——--- Leiligkreuzgaße 52, Lcke Liaxperfeldstraße (gegenüber der Venen Zeit). --5-2&-I'- > Herausgeber: Kalg cheis. ■ Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile. 25 Pfg. Tie Reklamezeile. 100 „ Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 „ Beilagen: Das Tausend Mk. 5.— bis Mk. 8- 2. Jahrgang. Freitag, den 10. ^äsrAOOl (26. Februar 1901). Ro. 8. Zum Pnrimfeste. Heil Juda Dir, der Herr erbarmt' sich Dein, Und wandte ab, was Menschenhaß ersonnen. Aus Nacht ward Licht, und Freude kehrte ein Anstatt des Unheils,- das der Feind gesponnen. Welch' herben Schmerz in' der gequälten Brust Hast Du, mein armes Volk, zur Zeit empfunden, Ms der Tyrann mit grauser . Mordeslust Dir kündet, daß Dein Leben zählt nach Stunden. Nacht ward's um Dich, von keinem Stern erhellt. Und jeder Hoffnungsschimmer schien geschwunden. Doch der, auf dessen Wort entstand die Welt, Hat für sein Volt den Nettungsweg gefunden. Dein Fleh'n, es drang empor zu Gottes Thron, Und Dein Dertrau'n auf Ihn ward nicht zu schänden. Den Schmerzensschrei, der wunden Brust entfloh'n Hört Gott und rettet Dich von Todesbanden. T'rüm hoff' mein Volk: Wie vor viel 1000 Jahren Gott mit Dir war in schwerer Leidenszeit, Ist Er Dir nah. in jeglichen Gefahren, Vertrau' aus Ihn in alle Ewigkeit. -Sorg' nur, wie sich Dein Schicksal mag gestalten, Daß selbst Du bleibest frei der Schuld, des Fehls, Nicht fürchten brauchst Du feindliche Gewalten, Er schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels. Mag blinder Wahn viel Uebles auch ersinne» Und Glaubenshaß Dich heute noch bedroh'n. Wie einstmals folgt dem feindlichen Beginne» Zu rechter Zeit der wohlverdiente Lohn. Ist auch die Zukunft dunkel Dir verhüllet. Glaub', daß ein Sonnenstrahl durch Wolken bricht. Was einst auf 'Sein Geheiß sich hat erfüllet. Noch einmal spricht's der Herr: „Es werde Licht!" R o f a M e y e r, Frankfurt a. M. Jahrbuch der Jüdisch - Literarischen Gesellschaft (Sitz Frankfurt a. M.j 1303 — 5664. . Bon Dr. Ph. Frankl. Zn den bestgepslegten Disziplinen unserer Zeit gehört ^unstreitig die Geschichtswissenschaft. Diese Rührigkeit aus historisch-wissenschaftlichem Gebiete macht sich in erster Reihe in dem. Bestreben geltend, durch Gesamtdarstellungen und Einzelforschungen immer neue und unbearbeitete Gebiete des Geschehens vergangener Zeiten. für die Gegenwart und Zukunft zu erschließen. Wir sagen, für die Gegenwart und Zukunft. Denn nicht alt diese Arbeiten haben die historische Wahrheit zu ihrem alleinigen Endzweck. Es werden vielmehr sehr häufig — auch dort, wo sich der betreffende Verfasser gegen den Verdacht der Subjektivität ausdrücklich verwahrt — in die Vergangenheit Ideen und Anschauungen hineingetragen, die, wie der Verfasser, der Gegenwart angehören. Und dies geschieht aus mehrfachen Gründen. Erstens, und dies bekannte auch der Mmeister der Geschichtschreibung, Leopold v. Ranke, geht es nicht gut an, daß sich der Historiker seiner Persönlichteit und seines eigenen Jch's entkleiden soll und man wird in seiner Arbeit den Verfasser, auch gegen seinen Willen, erkennen müssen. Andererseits wird mit einem bestimmten Grundprinzip an die Geschichte herangegangen und nach diesem Grundprinzip das ganze Weltgeschehen aneinander gereiht und erklärt. Unwillkürlich oder mit Absicht sucht man für die Probleme der Gegenwart nach Analogien in der Vergangenheit und je nach seiner Stellung zu diesen Problemen nimmt der Geschichtschreiber entsprechende Analogien der Vergangenheit für seine Meinung in Anspruch. Gilt dies von der Geschichtschreibung im Mlgemeinen, kann daher auf 'diesem Gebiete von Objektivität schlechthin keine Rede sein, so ist bei der jüdischen Geschichtschreibung, bei der Darstellung jüdischer Vergangenheit schon wegen ihrer Vielseitigkeit der diesbezügliche Skeptizismus nur umso berechtigter. Denn erstens leben die Juden eine doppelte Geschichte; die Geschichte der Völker, unter denen sie leben und ihre eigene. Hierzu kommt noch bas religiöse Moment, das hier umsomehr berücksichtigt werden mutz, als es in erster Reihe die jüdische Geschichte beeinflußte und jüdische Geschichte machte. Dieses letztere Moment, der enge Zusammenhang jüdischer Geschichte mit 'der Religion, hat der jüdischen Geschichtschreibung des 19. Jahrhunderts dasselbe Gepräge verliehen. Und dasselbe Moment, das hier eine objektive Darstellung umso notwendiger erscheinen ließ, verdrängte durch seinen Einfluß jede Objektivität. Und so hat denn die jüdische Geschichtschreibung des vorigen Jahrhunderts das Gepräge der Reformbestrebun^en, de) Zersetzungsprozesses . auf religiösem Gebiete erhalten. Tie jüdische Geschichte war das Arsenal, aus dem man sich die Waffen zur Bekäinpsung des traditionellen Judentums holen zu können vermeinte; in der jüdischen Geschichte suchte man nach Analogien für die Reformbestrebungen der Zeit und wo das nicht anging, nach Berechtigung sür dieselbe». Diese) gewaltsame Hineinprosizieren eigener Ideen und Anschauungen in eine Zeit, die mit diesen nichts zu tun hatte. mußte dazu führen, daß wir keine objektive Darstellung der jüdischen Vergangenheit bekommen haben. Diese Eeschichtswerke haben, statt ein nach allen Seiten hin llare) Bild der jüdischen Geschichte zu gewähren, höchstens die eine sichere Auskunft gegeben, welcher Parteischattierung und religiösen Richtung im Judentum ihre Verfasser angehören. Tie religiösen und vielmehr unreligiösen Anschauungen dieser Historiker sind das Leitmotiv in der Darstellung der jüdischen Geschichte gewesen und haben wir daher ihre Werke im Lichte dieser Tendenziösität zu betrachten. Unter diesem Gesicht.punkte werden die leitenden Persönlichkeiten der jüdischen Vergangen- Shnagoge in Marokko. 'iP