Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1904)
- Date
- 1904-01-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4,_ liebe getragene Predigt machten, wie bereits eingangs bemerkt, die Feier zu einer sehr erhebenden. Rußland. Petersburg, 23. Jan. Die Gesetzsammlung veröffentlicht einen Beschluß des Ministerkomitees, daß den Juden in ihrem Ansiedelungsrahon in weiteren 57 Ortschaften das Wohnrecht auf Vorschlag des Ministers' des Innern zusteht. Petersburg. Bezüglich der Berechtigung von Jüdinnen und ihrer Kinder aus EH enmitauslä irdische »Untertanen zu in Ein trittinden russischen Untertanenderband ist — wie die „Pet. Ztg." mitteilt —■ vom Dirigierenden Senat erläutert worden, daß nach dem Gesetz Kinder der Jüdinnen russischer Untertanschaft, die mit ausländischen Untertanen eine Ehe eingegangen und die sodann nach dem Tode ihrer Männer oder der Scheidung von diesen in den russischen Untcrtanenverband zurückgekehrt sind, die Berechtigung besitzen, nach Erreichung ihrer Volljährigkeit in den russischen Untertanenverband zu treten. Bezüglich der Berechtigung aus die russische Untertanschaft der Kinder ausländischer Jüdinnen nicht russischer Herkunft, aber die nach dem Aufhörcn ihres Chebnndes mit Personen ausländischer Untertanschaft mit russischen Untertanen eine Ehe eingegangen, sind im Gesetze keine Hinweise enthalten, infolge hiervon und in Anbetracht dessen, daß das Gesetz als allgemeine Regel den ausländischen Juden verbietet, in die russische Untertanschaft zu treten, ist somit dahin zu erkennen, daß auch die Kinder der vorerwähnten Ehe nicht bie Berechtigung znm Eintritt in die russische Untertanschaft'-besitzen. England. London» 23. Jan. Nach einem Telegramm der „Times" aus Tanger sind in Casablanca 1200 jüdische Flüchtlinge eingetroffen, die durch die Plünderungen seitens der Stämme des umliegenden Gebietes alles verloren haben. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Der Verein Askor-Odajim hielt vergangenen Sonntag seine 29. Generalversammlung ab. Dem von dem Vorsitzenden, Herrn Marcus Hirsch, verlesenen Berichte entnehmen wir das Folgende: Die Zahl der Mitglieder hat sich von 234 auf 242 vermehrt. An Vermögen besitzt der Verein am Ende des Jahres in Wertpapieren und baar Mk. 4280. Das Jahresbudget schließt erfreulicher Weise mit einem Ueberschuß von Mk. 208,49 ab. Was die Lodiurim anbetrifft, so konnte der Lehrplan ziemlich regelmäßig eingehalten werden. Der ü-morod-Lodiur des Herrn Rabbiners Affeffor Posen verdient der besonderen Erwähnung, weil derselbe die Freude hatte, eine Llasecdts zu beschließen und eine neue zu beginnen. Die Lijam-Feier, die am ersten Tage Chanuka stattfand, nahm einen ebenso würdigen als angeregten Verlauf. Bezüglich der Llikrod-Lodiurim ersucht der Vorstand die Mitglieder, von einer persönlichen Mitwirkung dieser beliebten und sehr gut besuchten Lodiurim doch nicht allzu ängstlich zurückstehen zu wollen. Es sind fast alle Mitglieder in der Lage, bei einiger Vorbereitung die Raaodi zur karscdo vorzutragen. Wage nur Jeder den Versuch; er wird sich immer leichter und immer belehrender, kür den Vortragenden besonders, gestalten. Vielfachen Wünschen Rechnung tragend, sind in den Leseplan Homim ausgenommen worden. Herr Julius Hirsch trägt seit diesem Winter an Stelle von Dodillim nunmehr ckesajad vor. Die zahlreichen Zuhörer sind der Beweis, daß der Vorstand sich auf das Gefühl seiner Mitglieder, verstanden hat und ebenso, daß der verehrte Herr Dozent das alte Prophetenwort, das viele an die trauten Stunden in der Schule gemahnt, aktuell zu gestalten versteht.. Dasselbe gilt von dem neu eingeführten ^osua Lodiur, den Herr Oberlehrer Weyl freundlicher Weise übernommen hat. Auch der Anfänger-Kursus erfreut sich weiteren Zuspruches und hat dem Verein bei den Eltern der jungen. Hörer öfteren Dank eingetragen. Die Sektion Nachlass Zwi ist in den Händen des Vorsitzenden derselben, Herrn Jacob Rosenheim, aufs Beste versorgt und gebührt Herrn Rosenheim herzlichster Dank für die -Umsicht und echt pädagogische Feinheit, mit.der er das Lehrprogramm dieses Wintersemesters zusämmengestellt und erweitert hat.. Außerordentliche Vorträge hielten im letzten Jahre die Herren: Rabbiner Dr. Bamberger, Hanau über „Rabbi Meier aus Rothenburg", Herr Rabbiner Dr^ Bluingrund, Karlsruhe üöer „Megillath Ttmnith“ und Herr Lehrer Einstälter, Frankfurt über „Jüdisches Erziehungs- und. Unterrichtswefen im Mittelalter." ' Der Bericht erwähnt ferner noch, daß Herr Carl Güggenheim vor einigen Monaten, seinen 80. Geburtstag zu begehen, das Glück hatte. Herr Güggenheim war der erste Lliseduad-Lehrer des Vereines, er har ihm von der Gründung an fast 15 Jahre hindurch in selbstloser-Weise als allseitig verehrter Lehrer gedient. Die Ehrung, die der Vorstand anläßlich dieses Tages Herrn' Güggenheim bereitete, galt einem Manne, der im. Getriebe-des Geschästslebens stehend, dennoch Zeit fand, sein jüdisches Wiffen lehrend zur Verfügung Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Anderer zu stellen und der grade in dieser Hinsicht den Mitgliedern des Vereines, die zumeist dem kaufmännischen Berufe angehören, vorbildlich sein darf. - Der Verein besteht nunmehr 30 Jahre, ein Lebensalter. das nach dem Worte unserer Weisen der Entwicklung der Kraft gehört. Möchte sich dieses Wort am Verein Llskör Odajim bewahrheiten, damit er kraftvoll weiter gedeihe und sich als ein echter Quell des Lebens erweise alle denen, die aus ihm den Trunk der Labung und Heiligung schöpfen wollen. Ludwigshafen a. Rh.. 22. Januar. Der hieige Synagogen-Chor bereitete seinen Mitgliedern am Mittwoch im großen Saale des „Pfälzer Hofes" durch Veranstaltung - eines Künstlerabends viel Vergnügen. Das klassische Programm wurde ausgeführt unter Mitwirkung von Frl. Dina van der Vijoer, Hofopernsängerin, Frau Lina Wctzler, Herrn .Hofopernsänger Hugo Boisin und Herrn Willy Pohl aus Mannheim. Nürnberg. Am 12. d. Mts. fand in Nürnberg die erste Generalversammlung des Vereins „Israelitische Kinderheil st ätte in Bad Kissinge n" statt. Herr Dr. P. Münz, Badearzt in Bad Kissingen, erteilte einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung und den Fortschritt des Vereins: es gelangte auch durch ihn die Mitteilung zur Kenntnis, daß der Baubeginn für den 7. März 1904 festgesetzt sei. Herr Bankier Ottensooser in Nürnberg gab sodann einen detaillierten Rechenschaftsbericht, aus dem hervorgeht, daß das Bereinsrermögen inkl. der beiden Kurbetten, von .Herrn A. Schwarz-Nürnberg, und Frau Al. A. Northmann-Nürnberg gestiftet, sich aus 60 000 JL bar beläuft: außerdem stehen ihm jetzt 1200 JL an jährliche» Beiträgen zur Verfügung. An Ausgaben für Erwerbung des Bauplatzes, für Anlage der Kanalisation daselbst u. s. w. sind fast 16 000 JL gemacht worden. Zu dem Vcreinsvermögen kommt jetzt noch die Spende von 5000 JL hinzu, welche der edle Förderer der Anstalt und erster Vorsitzender des Vereins, Herr S. Bergmann in Fürth, der bereits früher zu dem Werk 10000 Ul. hinzugesteucrt, am Schluß der General-Versaminlung in seiner bekannten Großnrut gemacht hat. Das Statut des Vereins fand in der General-Versammlung eine vollständige Aenderung; ebenso fand eine Erweiterung der Borstandschaft statt, die sich nunmehr aus 15 Mitgliedern zusammensetzt. Möge die segensreiche Anstalt, welche armen und kranken Kindern aus allen Landesteilen ihre Pforten öffnet, auch fernerhin viele edle Gönner und Freunde finden! Berlin. Der .Israelitische Frauen- U n t e r st ü tz u n g s v e r e i n, der größte jüdische Frauenverein Berlins, will das Gebiet seiner sozialen Hilsstätigkeit um ein weiteres Feld vergrößern. In seiner letzten Vorstandssihung wurden zwei Beschlüsse gefaßt, durch deren Aussührung die Armenpflege planmäßiger organisiert wird. Der Verein, dessen Aufgabe es ist, jüdischen Mädchen, Frauen und Kindern helfend zur Seite zu stehen, ergänzt die schon bestehende Hauspslege aufs glücklichste durch Einstellung einer geprüften Krankenschwester, die die Aufgabe hat, den Kranken, bei denen eine dauernde Pflegerin nicht nötig ist. krankenpflegerische Hilfe angedeihen zu lassen: sie geht tagsüber von Familie zu Familie, hier einem kranken Kinde einen Umschlag zu machen, dort eine ständig Sieche umzubettcn oder einer sonst normalen Wöchnerin beizustehen, in alle Häuser hygienische Gedanken und praksische Anweisungen zur Ailssührung tragend und zugleich als Bindeglied zwischen den Armen und ihren Wohltätern heilsam wirkend. Gleichzeitig wurde mit Aerzten in allen Stadtteilen ein Mkommen getroffen, nach welchem sie Familien, die keine ärztliche Behandlung sich zu leisten imstande sind und städtische ärztliche Hilfe nicht in Anspruch nehmen, auf Kosten des Vereins behandeln. Berlin. In der Wohnung des Herrn Konsuls Friedemann fand am 11. d. Mts. eine Sitzung des „E s r a", Verein zur Kolonisation von Syrien und Palästina, statt, der als Gäste die Herren Dr. Soskin und Assessor Dr. Friedemann beiwohnten. Zu Beginn derselben wird eine Depesche und ein auf diese bezugnehinendes Schreiben des zur Zeit in Jerusalenr weilenden Herrn Bambus verlesen, in welchem dieser uni die Bewilligung eines Darlehens von 3000 Fr. für die Kolonie Castinje bittet, da die Kolonisteil 14 000 Fr. zum Ankauf von Vieh brauchen. Es wurde beschlossen, den erbetenen Betrag unter strenger Betonung des Charakters eines Darlehens zu bewilligen und in diesem Sinne an Herrn Bambus zu depeschieren. Ferner werden auf Antrag des Herrn Bambus einem Kolonisten in„Esra" bei Rochowoth 500 Fr. zur Reparatur seines Hauses bewilligt. Herr Turoff'berichtet über die Ergebnisse seiner Reise'nach Sachsen,' deren Nettoertrag er auf 400 JL veranschlagt, und beantragt für eine zweite dreißigtägige Agitationsreise die Kosten von 8 JL pro Tag zu bewilligen. Der Antrag wird genehmigt. Ebenso wird demselben sein Gehalt bis April bewilligt. Endlich wird beschlossen, für die Drucklegung und den Versand einer aus der Feder des Herrn Professor Marburg herrührenden Agitationsschrift 100 JL zu bewilligen. Tie Schrift soll dem Jahresbericht beigelegt werden. Doch soll in dieser Angelegenheit vorerst noch die Ansicht der Herren Bambus und Tr. Hildesheimer gehört werden. Seite 3. Kolberg. Das hiesige .Jüdische Kurhospit a l" erstattet soeben seinen neunundzwanzigsten Jahresbericht. Derselbe hebt als besonders günstig das Ergebnis der im Berichtsjahre erfolgten Kapital- Zuwendungen in Höhe von 9304 „fk hervor. Die Anstalt war im Berichtsjahr vom 25. Mai bis zum 28. Leptcmber im Betrieb. Um Aufnahme in die Anstalt haben 983 Personen nachgesucht, 457 wurden -berücksichtigt, aber nur 405 Pfleglinge sind wirklich eingetreten. In Freistellen sind 270 Personen ganz unentgeltlich verpflegt worden; 131 haben einen geringeren Teil der Selbstkosten und nur 4 Personen die vollen Selbstkosten gezahlt. Damit ist die Anzahl der Personen, die in der Anstalt in vier Monaten verpflegt werden können, zum ersten mal nicht bloß erreicht, sondern sogar überschritten worden. Die vornehmsten Kurmittel des Hospitals sind außer Luft, Sonne und kräftiger Nahrung Sool- und Seebäder. In der Badeanstalt des Hauses wurden im Berichtsjahr 666b Soolbäder und in den städtischen Anstalten 1883 Seebäder, zu denen die Stadt Kolberg in liberalster Weise Freikarten zur Verfügung stellte, an die Pfleglinge verabreicht. Jnowrazlaw. Jüdischer Verein zur Förderung der Bodenkultur. Dem 5. Jahresbericht des Vereinfür 1902/03 entnehmen wir folgende Daten: Der Verein zählt jetzt 1623 Mitglieder (gegen 1400 im Vorjahre). Die Jahresbeiträge belaufen sich aus rund 8000 JL Ter Verein war in der Lage, 2 Anteile der Bodenknlturgesellschaft in Höhe von 1000 JL zu zeichnen und so die Subvention zur Ausbildung von Zöglingen in Höhe von 3000 JL für das Jahr 1902/03 auszuzahlen ebenso die halbe Subvention für 1903/04 vorzustrecken. In der Generalversammlung vom November v. Js. ijt das Stammkapital der Bodenkulturs gesellschast von 20 000 JL auf 40 000 JL erhöht worden. Trotz der geringen Geldmittel ist mit Erfolg an der Hebung des Knlturzustandes des Gutes Neuhof bei Posen gearbeitet worden. Ein zweckmäßiger gesunder Bau ist für die Zöglinge errichtet. Acker- und Biehwirtschaft, so wie der gärtnerische Betrieb sind völlig für Lehrzwecke eingerichtet worden. b 'Eleven waren am Schlüsse des Geschäftsjahres in Neuhof tätig. Budapest. Die Ungarisch-Israelitische Literarische Gesellschaft hielt im Prachtsaale der Pester israelitischen Religionsgemcinde unter dem Präsidium Professor Josef Banoczy's eine zahlreich besuchte Bortragssitzung. Professor Dr. Gavro Schwarz (Zagrab) hielt einen Bortrag, in welchem er darlegte, daß die jetzt üblichen Trauergesänge und Trauerreden auf das biblische Zeitalter zurückzuführen sind, wie dies auch die Totenklage Davids über Saul» die Trauerrede Rabbi Mba's über seinen Sohn und die Klagelieder Jeremias' beweisen. Hierauf brachte Eugen Feher einige gelungene Gedichte zum Bortrage. Heinrich Lenkei las eine meisterhafte llebersetzung des Betty Paolischen Gedichtes vom „Hohen Rabbi Löw" aus der Feder Tr. Alexander Feleki's vor. Den Schluß bildete die Novelle Andor Roboz', „Samuka". Die Borträge ernteten, lebhaften Applaus. Personalien. Alsfeld. Am 13. d. Mts. verschied nach kurzem, schweren, aber mit Geduld ertragenem Leiden Herr Jsda^k Lö'b Rothschild (Firma: D. H. Rothschild «ohn) hier im Alter von 45 Jahren. Der Verewigte war ein guter Jehudi im wahren Sinne des Wortes. Wegen seines bescheidenen Wesens, seines streng rechtlichen und offenen Charakters wurde er in allen Kreisen der Bevölkerung geschätzt und geachtet. Er war einer der Wenigen, die mit Begeisterung und tiefer Ueberzeugung an dem überlieferten Judentum festhalten. Von Jugend an war der nun Verblichene bestrebt, Thauroh zu lernen und so fand er trotz der Anstrengung in seinem Berufe noch spät Abends Zeit dazu. Am Sabbat gab er sich gerne die Mühe, auch andere in unserer heiligen Lehre zu unterweisen. Ein inniges Familienglück ist durch den Heimgang dieses trefflichen Mannes erschüttert, und mit der Familie, deren Stolz der Verstorbene gewesen, bellagt die hiesige Gemeinde den Verlust eines ihrer besten Mitglieder. Sein Andenken wird bei all denen, die ihn kannten, ein gefegnetes bleiben. Karlsruhe. Eine schwere dumpfe Kunde kam uns heute. Herr Samuel Strauß ist in der Nacht vom 7. auf den 8. Schwat einem plötzlichen Schlagansall 'erlegen. Der gerechte Richter der Menschen hat wieder aus unserer Mitte einen jener Menschen gerufen, wie sie so selten sind zu allen Zeiten, am seltensten aber in der unsrigen. Was wir, was die Judenheit an Samuel Strauß verloren, wir könnens nicht in knappe Worte fassen. Geht hin ins große Zarenreich, geht hin ins heilige Land, und wo ihr Hungrige gespeist. Nackte bekleidet. Dürftige der Not entzogen, Thoragelehrte frei von der Sorge um's tägliche Brot sehet, da werdet ihr auch aus dankerfülltem Munde den Namen Samuel Strauß nennen hören. Es ist wahrlich keine Phrase, wenn wir behaupten, daß kein Trostsuchender zu ihm kam, der »„getröstet von ihm ging; und, waS