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Neue jüdische Presse · 1904-01-22 · Heft 3 (22.1.1904) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 3 (22.1.1904)
Date
1904-01-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3. _- _ bei warb erst währenb bei Eisenbahnfahrt entbeckt. Der Betrüger, welcher deutsch unb russisch sprach, wirb geschildert als 20 bis 25 Jahre a't. von untersetzter Gestalt, mit blassem, bartlosem G.sicht. Memel. (Ein blutiger Vorfall.) Vor wenigen Tagen versuchten in der Nacht ca. 30 Mann russische Auswanderer zwischen Ba-ohreii und Thalen die grüne Grenze zu passieren. Der Führer hatte in der Dunkelheit den Weg verfehlt und stieß daher mit den Auswanderern unvermutet auf einen Grenzposten, der sofort aus den Haufen mehrere Schüsse abgab, wobei ein Auswanderer sofort getötet und zwei schwer verwundet wurden. Außerdem waren einem anderen vier Geschosse durch die Kleider gegangen, ohne ihn weiter zu verletzen. Sämtliche Auswanderer wurden daraus festgenommen und nach den russischen Polizeiamte zu Krotingen gebracht. Nachdem sie dort eine größere Summe Geldes bezahlt hatten, wurden die Leute nach 24stündiger Hast wieder entlassen und sind dann in der Nacht von Sonntag zu Montag glücklich über die Grenze nach Bajohren gekomnien. Ter Erschossene, ein Jude, war 25'Jahre alt und hinterläßt eine Frau mit fiutj kleinen Kindern. Könitz, 18. Januar. Das Schwurgericht verhandelte gegen den Schlossermtister Hahn und den Nachtwächter Vers in, die der vorsätzlichen Körperverletzung mit tötlichem Au:gange an einem jüdischen Schriftsetzer aus dem Tor e Cte ers angekla t sind. Hahn wurde unter Zubilligung mi dernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, Vergin frcigesprochen. ° Obornik. Tie Vertretung der hiesigen jüdischen Gemeinde hat beschlossen, die Gemeinde an das Rabbinat des Rabbiners Tr. Wreschner in Samter.unzuschließen. Mit Rücksicht auf die schwie.i se pekuni. re Lage der Gemeinde sind für den Anschluß nur 200 Mark jährlich ausgeworfen. Tr. Wreschner wird jährlich hier vier religiöse Vorträge halten und die religiösen Jnsti utionen der Gemeinde revidieren uttd überwachen. Oesterreich-Ungarn. Arad. Städtische Subv entio ii zum Synagogcnbau. Tie Generalversammlung der Stadt Arad hat gelegentlich der Beratung über die R:- gulierung und Verschönerung der Stadt der dortigen israelitischen Gemeinde zu Teinfe bauzwecken einen entsprechenden Grund unentgeltich überlassen. Schweiz. Basel. Der 7. internationale Kongreß für allgemeine Religionsgeschichte Wied vom 30..August bis 2. September in Basel tagen. Gleich dem Pariser Kongreß vom September 1900 während der Weltausstellung und dem Stockholmer Kongreß vom Jahre 1837 soll auch der Ba ler Kongreß einen durchaus wissenschaftlichen Charakter tr.vei und der rein historischen Erforschung der Rel'gion dienen, und zwar un er grundsätzlichem Ausschluß aller konfessionellen Polemik: Rußland. Petersburg. In der Synagoge in Bobinok brach während eines Trauergottesdienstes der Fußboden ein. Mehrere hundert Personen stürzten in den Keller. Mehr als 20 Personen sind den Verletzungen erlegen. Personalien. Hemsbacha. d. Bergstr. Donnerstag, 12. Tcbeth, verschied Herr Joseph Pfäl er L von hier im Alter von 80 Jahren. Ter Verewigte zählte zu den guteu'Jehudim, die es ernst mit der Emunoh meinen. Er zeichnete sich durch wahre, aufrichtige Frömmigkeit, durch biederen Charakter und durch leutseligen Umgang aus. Ein Freund von Diwrei Tauroh, hörte und beschäftigte er sich gern mit derselben. Er zählte ferner zu den Mascbkimim. und versäumte selten den Gottesdienst. Selbst im leidenden Zustand, unter großer Anstrengung ließ er sich vom Besuche des öeitb hakneseth nicht zurückhalten. Im Leben war er der bescheidene^ Mann, der beflissene Familienvater und freundlich zuvorkommend und hilfsbereit gegen Jedermann. Die große Teilnahme bei der Beerdigung, wie sie kaum jemals hier gesehen wurde, legte Zeugnis davon ab,-wie geehrt und geachtet der Entschlafene bei allen Kreisen der Bevölkerung gewesen ist. Auf .dem- Friedhöfe widmete Herr Lehrer Dokow von hier dem Verstorbenen einen warmen Nachruf, Un er Zugrundelegung der Anfangsverse der Hartorath Parscbo Waj* chi schilderte er sein Leben und Wirken und sein glückliches Alter, insbesondere die hingebungsvolle Liebe und zärtliche Fürsorge, die der Verewigte im Kreise der Seinigen genossen. Herr Lehrer Rothschild aus Breiten, ein Verwandter d:s Entschlafenen, heb UNterHinweis auf den Midrasch laakauwowinu lau meith die aufrichtige Frömmigkeit, Enthaltsamkeit und die wahre Gottesfurcht-des Verewigten hervor. Im. Namen derChewra Kadischa rief ein Mitglied desselben dem Scheidenden ein liech bescholaum zu. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 3. m. Dillich, Bez. Cassel, 17. Jan. Am 22. Jan. d. I. begeht der älteste Bürger des hiesigen Ortes, Herr Josef Katz, die äußerst seltene Feier seines 93. Geburt.-tages. Eine selten hohe Gnade, die nicht allen Sterblichen zu erleben vergönnt ist. Geboren am 22. Januar 1811 zu Tillich, hat er sich ans kleinen Verhältnissen emporgearbeitet, so daß er heute mit großer Befriedigung aus seine zurückgelegte Leben! brhn zurückblicken darf. Infolge seines stets recht chaffenen Wesens und seines lauteren, biederen Chara.ters erfreut er sich allgemeiner hoher Achtung, auch besonders in christlichen Kreisen. Lange Jahre bekleidete er das Amt eines Vorbeters, Rechtschaffenheit und Frömmigkeit waren die Leitsterne seines L.bens. Noch heute verrichtet er tagtäglich seine Gebete und hat auch noch jeden Fasttag voll gefastet. Seine Körper- und Geistesfrische ist noch nicht wie die eines 93jährigen. Im Jahre 1886 war es ihm vergönnt, an der Seite seiner ihm am 11. Januar 1832 im Tode vorangegangenen Gattin Hannchen, geb. Rose: ga:t n, die 76 Jahre alt geworden, die goldene Hochzeitsseier zu begehen. 5 Kinder — samt.ich in achtbaren Stellungen — 27 Enkelchen und 14 Urenke.'chen — umgeben ihn heute au seinem Wiegenfefte. Mögen ihm noch viele Jahre der Freude und des G.ückes beschieden sein. M ü n ch e n. Se. Kgl. Hoheit Prinz-Regent Luitpold lud kürzlich den israelitischen Ehrenbürger der Stadt Nürnberg, Kommerzienrat Ludwig Ritter von Gerngros zur Hoftafel und zog ihn mehrmals huldvoll ins Gespräch. Berlin. Der Chefredakteur des „Konfektionär", S. Karo, hat den russischen Stanislausorden III. Kl. erhalten. — Justizrat Julius Rosenberg in Charlottenburg, Justizrat Salz in Posen, Geh. Justizrat Freund in Breslau (zum 19. mal und einstimmigwurden zu Stadtverordnetenvor st ehern g.w hlt. Dresden. Ter Vorsteher der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde, Herr Adolph Salzburg, gehört der Vertretung dieser Gemeinde sei. 25 Jahren an. Die Gemeinde hat ihm, in Anerkennung seines verdienstlichen Wirkens am 7. d. M., a s dem Jubiläum! tage, durch Veransta tung einer Festfeier un:er ehrenden Ansprachen und Ücbrrreichung einer künstlerisch ausgcstatteten Adresse ihren Tank und ihre Anerkennung ausgedrückt. Breslau. Ter Vater des bekannten Schriftstellers und Dramatikers Heinrich Lee, Herr Konkursverwalter Fer in nd La dsber er, i t v rchieden. Ter Verstorbene zeichnete sich durch außerordentliche Humanität und großen Wohltätigkeitssinn aus. Weimar. Ter verstorbene Komponist E Lasfens, de'sen Besetzung unter Teilnahme des großherzyglichen Hofes, der Universität Jena, der Akademie der Tonkunst in München und anderer Jnsti.ute stattfand, war Jude. H alb er stad t. Seitens der Synagogengemeinde Halberstadt sind die Kaufleute Siegen und Redelmeyer und Louis H. Meyer zu Vo-standsmitgliedern auf die 6 Jahre 1904 bis Ende 1909 gewählt und in dieser Eigenschaft von dem Regierungspräsidenten bestätigt worden. - Krone a. Br., 8. Januar. Herr Beigeordneter und Stadtältester Alexander Cohn, beging gestern sein 2Ljähriges Jubiläum als Ma.'istratsmitglied. Der Magistrat ehrte den Jubilar durch UeberreichuNg eines kostbaren Blumenarrangements. Zabrze, 10. Januar. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Kaufmann Max Böhm ist plötzlich im 69. Jahre seines Lebens von binnen geschieden. Mit ihm ist eine markinte Persönlichkeit dahingegangen, die in ihrer Kr a't und in ihrer arbeits'reudi en Vie's i^gkeit unend ich Segensreiches gewirkt hat. Der Verstorbene war Mitglied des Kreistages. Vorsitzender des Repräsentant'n-Kolleaiums der Synagogen-Gemeinde und gehörte seit Einführung der Kreisordnung — eine kurze Unterbrechung abgerechnet^ — dem Amtsausschuß des Amtsberirks Zaborze an. ferner war der Verstorbene Vorsitzender des Verbandsausschusses des Gesamtarmen- Verbandes Zaborze, Mitbegründer der Gasanstält- Aktienaesellschast, Mitglied des Gymnasial-Kuratvriums Zabrze. London. Der jüngst in der jüdischen Heimstätte für unhei bare Kranke gestorbene Rabbiner I. Kohn-Zedek zählt unter seinen Tor a ren Gelehrte und Rabbiner von großer Berühmtheit. Geboren 1827 in Lemberg, widmete er sich von seiner Kindheit an ernsten Studien urd erhielt mit vierund-wan'iz Jahren einen Ehrenpreis vom Kaiser von Oesterreich. Er war der erste Herausgeber einer deutsch-hebräischen Zeitung und besaß ein ausgedehntes Wissen in der jüdischen Ge'chichte. Vor einem Vierteljahrhundert etwa kam er nach England und arbeitete als Prediger unter seinen Glaubensgenossen im -Ostende Londons, an den hohen Festtagen pflegte er regelmäßig zu preti. en. Im Juli v. I. traf ihn der Schlag auf der Straße, auf dem Weg zum b.irischen Museum, dessen re.,elmäß ger Besucher er war. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Der Synagogen- ChorderneuenGemeinde-synagoge am Börneplatz feierte Sonntag, den 17. d. Mts. das Fe st seines 25jährigen Bestehens im Saale der Frankfurt-Loge unter Teilnahme der jetzigen und früheren Chormitglieder, der Gemeind beamten, der Synagogen-Jns! ektoren u w. Herr Siegfried Herzfeld hielt die Te zrüß mgkans. rech: bei Beginn des Festessens und betonte darin be,on.ers die Harmonie, die nicht nur im Gesansondern auch im Verkehr zwischen dem Chor einerseits und Gemeindeoorstand und den Besuchern anderseits herr.ch:; ihm schlossen sich während des Feste sens noch mehrere Redner an, u. a. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. M. -Horovitz und Herr Rabbiner Tr. I. Horovitz. Das Fest, welches alle Teilnehmer in höchstem Maße befrie.igte, fand, g wür-t von Chorliedern und Gesangsvorträgen, einen würdigen Abschluß. Frankfurt a. M. Tem kurzen Bericht über den Gedächtni Vortrag im Nachlas Zw:°Vereine zum Jahrzeit tage Samson Raphael Hirsch's s A. möch-!e» wir noch ergänzend hinzu üg:n, daß der R'dncr au „alle Jünger Hirsch'schen Geistes und Hir'ch'fcher Lehre" einen warmen Appell richtete, einmal a n d i e Sammlung allerin der ganzen Weltzerstreuten unzähligen Tschuwaus, Broschüren, Predigten usw. heranzugehen. Jedes einzelne Schri'tstück, das jetzt ir e dwo unb'achtel im Winkel verstaub:, dürste von un'chätzbrrem Werte -um Verständnis des Lebens und Wirkens des Meisters werden. Je länger diese Sammelarbeit verschoben wird, desto geringer dürfte ihr Erträgnis werden, da sicher nicht jeder Besitzer eines solchen Dokuments dessen Wert zu schätzen versteht und es desha.b vor Vernichtung schützen wird.*) K o s ch m i n. In der Generalversammlung des israelitischen Krankenpflege- und Bestattungs-Vereins süsrt: R.bbiner Dr. He, pner den Vorsitz. Herr Meyer Fuchs wurde zum Vorsitzenden und Herr Adolf Kastellan zum Vorstandsmitgli de gewählt. Kassenrendant A. Matthias berichtete über den Stand der Kasse. Danach schloß di: Jahresrcchnung mit einer Einnahme von 2514,42 Mk., mit einer Au.gabe von 441,29 Mk. und einem Bestände von 2073,13 Mk. _ l Bortrage. Nordhausen. JmJsraelitischenWohltätigkeits-Verein hielt gestern Abend vor einer lauschenden Zuhörerschaft der als glänzender geistvoller Redner bekannte Schriftsteller Herr Dr Adolf Ko Hut- Berlin einen unterhaltenden und doch auch belehrende» Bortrag über »Die namhaftesten jüdischen Humoristen deutscher Zunge in der Gegenwart." Der Herr Vortragende erläuterte zunächst den Begriff des Humors als Kunstgattung und die Stellung des Humors in der Kunst, würdigte seine ästhetischphilosophische Bedeutung und ließ dann die Humoristen .ersten und zweiten Grades" der Weltliteratur Revue passieren. Die Juden waren zu allen Zeiten Pioniere des unter Tränen lachenden Humors. Frohe Laune, Frohsinn und Mutterwitz im Verein mit talmudischer Schärfe zeichneten sie von jeher aus. Die namhaftesten Bertteter des Humors in der Gegenwart gehören auch zumeist dem jüdischen Volke an. Herr Dr. Kohut feierte sodann von den norddeutschen. süddeutschen und österreichischen Humoristen der Gegenwart Julius Stettenheim (W'ppchen, Kriegsberichterstatter aus Bernau, moderne Knigge), Blumenthal, Fulda. Mehring,Schuhmann, Wilhelm Wolters, Landesberg. Bauer,. Weiß. Schwarzkopf. Kronbach u. s f. in eingehender liebevoller Weise, seine lebhaft interessierenden Ausführungen, durch geeignet ausgewähtte Deklamationen aus den besten Werken der betreffenden Schriftsteller in fesselnder Weise ergänzend. © Feuilleton. 0 Erzählung von Jacob Leoy. ' I. „. . . . und so erteile ich dem Herrn Dottor Berg zu seinem Bortrage „Neues über die zehn Stämme" das Wort." Ter verehrte und al be irbte Vorsitzende des Vereins für jüdische Geschichte in Neustadt, Rabbiner Tr. Leeser, setzte sich und Doktor Berg, ein junger Mann mit schneidigem Auftreten, ging schnellen Schrittes zum Rednerpult. *) Tie Literarische Gesellschaft würde sich ein bleibendes Verdienst erwerben, wenn sie die vorstehende Anregung in die Hand nehmen würde. Anm. d. Red.

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