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Neue jüdische Presse · 1904-01-15 · Heft 2 (15.1.1904) · page 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 2 (15.1.1904)
Date
1904-01-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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... ^WWeUh^-mich -eS '^geTirn^’Wenn '—- xs leider in - unserer Zeit häufig vorkommt he Kruder, ja selbst Erwachsene, sich bei Dcjtmtg des den jübischen Hausierer bedeckende» zierenden Käppchens eines kränkende» Lächelns .spottender Bemerkungen nicht erwehren können. Mn diese Zeilen — mag sein, daß der Kern Ausführungen schon früher dargctan wurde |ßgeit sic ihrerseits zur Beseitigung dieser Unnis einen bescheidenen Beitrag liefern. U;tmb,;feibeä. zp£Üi.toei* leinen? ist «in Ziel,Wr..daS-As lsiAilötznt; Mne -ganze"volle-Kraft -einzusehen. '-- Frau R. M., Frankfurt a. M. Feuilleton. 0 Bildung und Erziehung der i-raueu im 11. Jahrhundert. re „Geschichte der deutschen Juden" von Dr. enthält für unsere Frauenwelt so manches kcssarüe, das vielleicht nicht allgemein bekannt fo daß es sich lohnen dürfte, einmal in dieser > einen Auszug aus dem schönen Werke zu Deutlichen, der einen Einblick in das Leben kreiben der damaligen Zeit gestattet und die ilg der silbischen Frau kennzeichnet. »örtlich heißt es: „Merkwürdigerweise ivurde rziehung und Bildung der Frau im Vergleich derjenigen des Mannes etwas vernachlässigt, Zissensschatz des Weibes befand sich auf einem gen Niveau." 8ährend cs im Mittelalter bereits andere hochdete Frauen gab, gehörte eine jüdische ’ Frau, lesen und schreiben konnte zu den Ausnahmen, ^brachte den Mädchen nur die wichtigsten Glauslehren und die Kenntnis der rituellen Vorschriften Here« .Wahrnehmung wesentlich den Frauen ob- >wiffepschaftliche Ausbildung hielt man nicht nur stnfiötigj/ sondern sogar für schädlich, nach dem MLspruche eines Lehrers: „Gelehrte Bild- (bringtdie Frau aus'Abwege." Dafür wurde »mehr Wert aus die Eigenschaften des Hcr- und des Gemütes gelegt, auch Wohltätigkeit .zeMegt und der reine Familiensinn und die Züchtitzkyt der Jüdinnen als die Grundlage des inlsnitzSt Famiiieulebens sogar von judenseindlichcn Mchchftstellern «nkrkännt. "lißao heißt es von der jüdischen Frau, daß sie ^treueste Freundin und Genossin des Mannes in Lebenslagen war. An innigem begeisterten Gottrauen übcrtraf sic oft den Mann; wie sie seine den teilte, so ermutigte und stärkte sie ihn hweren Zeiten und ihr anmutiges freundliches verschönte sein Heim. In diesem treuen anlenhalten von Mann und Frau, in der 'der Ehe und des Familienlebens liegt Seheimnis der Lebenskraft und der zähen Ausdes jüdischen Volkes. Von unglücklichen Ehen, Mißhandlungen der Frau seitens des Manwird selbst aus den niedrigsten Ständen nichts htet, sondern sogar ausdrücklich von einem Geen hervorgchobcn: „Es ist bei den Angehörigen res Glaubens nicht üblich, daß sie. ihre Frauen gen, wie Lei airderen Völkern zu geschehen ^Bei der damals herrschenden Tittenlosigkeit bete die Reinheit des jüdischen Familienlebens -so angenehmer und ivclch' eine hohe Stellung jüdische Frau, trotz ihrer mangelhaften Bildeinnahm, geht aus verschiedenen, wohl allin bekannten Aussprüchen der Weisen hervor, heißt es, für alles gäbe eS einen Ersatz, nur für die Gattin der Jugend: wenn einem »ne die erste Frau gestorben sei, so sei es, >ob ihm der Tempel, darin sie als Priestcrin ^ltet, zerstört worden wäre. Ls würde zu viel 'Raum erfordern, alle die Lhre der Frau angeführten Aussprüche wiebernur einen möchte ich noch ansühren und rn Töchtern zur Beherzigung empfehlen, vielleicht sie in dem goldenen Worte: „Anmut ist 1), Schönheit ist vergänglich, ein gottessürch- Scib allein ist rühmenswert" einen Wegweiser ihren Lcbensvfad finden.;:> xJn weiteren Schilderungen finden wir den Derber Frau gerühmt, und wie schon erwähnt, -cs auch bau:als Ausnahmen, welche höherer zustrebten, sogar der Dichtkunst sich zu» dien. Im 17. Jahrhundert entwickelten bejüdisch - deutsche Schriftstellerinnen eine hrrirgende literarische Tätigkeit, ohne jedoch dafür allgemeine Anerkennung zu sindcn, wie man heute der Geistesarbeit zollt; edle Charakterhschaftcn und weibliche Vorzüge ivuüien höher Begräbnis. Großstadtskizzc von H c n n y R o s e n b a u m . (Henry Ettc.). Das Trauergcsolgc ist nicht groß, das vor dem giftigen, nassen Novembersturin Zuflucht in der hohen kahlen Wartehalle des Friedhofs sucht. Leidtragend, traucrgebeugt sehen nur die vier alten Geschwister der Verstorbenen aus, die Andern, meist entfernte Verwandte, geben sich kaum Mühe, Beileid zu heucheln. Mit jener liebenswürdigen Rohheit, die sich dessen gar nicht bewußt ist, versichert jeder von ihnen den trauernden Zurückgebliebenen: „Der Tod war doch ein Glück für Anna. Was hatte sie denn noch vom Leben?" — das klingt ungefähr so wie: „Legt Ihr Euch doch auch gleich in's Grab. Ihr habt ja nicht mehr davon". Einer oder der Andere fragt auch nach den letzten Stunden der Toten. ,Sie ist ganz einsam gestorben. Die Kranken, die mit ihr im Saal lagen, schlicscn. Die fromme Schwester war gerade einen Augenblick hinausgegangen.. Als sie wiederkam, war Anna schon tot", erzählt dann die älteste der Schwestern in fassungslosem Schluchzen, das wohl weniger der Toten als der lebenden Furcht vor vielleicht gleich einsamen Tode gilt. In ihrer Jugend war dies fassungslose, zerbrochene Geschöpf ein reizvolles Mädchen. Bis das Leben, das seinen Fluch aus all diese Geschwister geworfen hat, es zur exaltierten verfallenen Ruine machte. Vetter August Löwy, jetzt ivvhlbestallter Besitzer einer großen Speditionsfirma, dessen Mutter früher von den Eltern der Toten lange und reichlich unterstützt worden war, schlägt den Nerzvelz fester über dem Schmerbauch zusammen und sagt vorwurfsvoll; „Wie konntet Ihr Anna aber auch ins Krankenhaus geben!" Der Bruder der Verstorbenen, der sich für die Schwestern geopfert hat, zuckt wie unter einem Hieb zusammen. Er bleibt die Antwort schuldig. „Es ging doch nicht anders", antwortet statt dessen eine der Schwestern. „Wir konnten sic doch zu Haus so nicht pflegen". „Mein Gott, Ihr tut, als ließe man Euch verhungern. Wir haben doch alle gegeben", sagt Frau Doktor Crohn. Die schwarzen, traucrudc» Gestalten scheinen von den taktlosen Worten kaum berührt. Ihre müden, zcrmergelten Leiber leben noch. Stolz, Grist, Charakter ist in ihnen längst tot. Aufgebraucht im Lebenskampf. „Nee, und daß Anna gerade nebbich an de Schwindsucht gestorben ist. So was giebt's doch sonst in unsere Familie nich. Wir sind doch alle stark uf de Brust", macht Jsaac Heiiuaini einen unfeinen Versuch zu scherzen. Mau hatte ihn früher in der Familie wenig beachtet, weil er immer derb und ordinär war. Aber der Erfolg hatte ihm recht gegeben. Er war ein wohlhabender Mann geworden und bekleidete ein öffentliches Ehrenamt. Man konnte ihn nicht mehr ignorieren.- In der frostigen Halte haben sich überall kleine Gruppen gebildet. Ml diese verschiedenen Menschen, in deren Adern doch mehr oder minder stark das gleiche Blut stoß, die das Großstadtgetriebe aber auseinander schleiwerte, sehen sich teilweis seit Jahren zum ersten Mal wieder. „Wir sind eben alle schimmelig geworden", versichert leicht lachend ein schlanker, granbärtiger Herr seiner elegant gekleideten Ucberkusinc, die ihn garnicht wiedercrkannt hatte. „Nun ist bald die Reihe an uns.-Ist Dein Mann auch hier?" „Nein, nur meine Tochter Käte". Die Augen der wohlgenährten Dame leuchten ans in triumphierendem Müttcrstolz. „Da, das ist sie". „Allewetter, ein schönes Mädel".-Ein Gedanke blitzt plötzlich in ihm auf.-„Darf ich Dir nun mal meinen Jungen vorstellen. Ist eben Assessor geworden". „Hast Du ihn hier?" „Ja, er steht dort drüben mit da. Du erlaubst, daß ich ihn hole?" Er geht zu seinem Sohn und flüstert ihm ein paar Worte zu. Der Assessor wendet interessiert den Kopf nach dem schönen Mädchen, das mit fremden, kühlen Blicken die Trauergesellfchast taxiert. — „Sehr gut situiert, Hans", sagt der Vater noch, ehe er mit bem Sohn zu seiner Kusine tritt. „Gnädigste Tante, ich bin ungemein erfreut. Papa sprach mir schon ost von seiner blonden Kusine". — Er küßt die fette Hand der Dame. Nun wird auch das Töchlerchen gerufen. — Es bleibt den Annäherungsversuchen der beiden Herren schaft nicht": Dann und wann kommt noch ein' verspäteter Leidtragender. Eben hat sich die Tür hinter einem jüngeren, eleganten Mann geschlossen. Die Nichte der Toten stößt ihre blasse Mutter an: „Mama, Doktor Friedheim! Wie nett, daß er gekorpmen ist." Ein unterdrückter Jubel ist in ihrer Stimme. Tausend Hofsnungen knüpft ihr junges Herz an das Ersch:inen des Arztes, mit dem sie öster am Krankenbett der Toten zusammengetrosfen war und -dessen gleichgültige Freundlichkeit das reizlose Mädchen für Liebe nahm. Ob die Witwe die Träume ihres Kindes nicht zerstören will, ob sie selbst für das hart um ihr Brod ringende Mädchen auf ein unmögliches G'ück hofft? Sie nickt der Tochter mit einem schattenhaften Lächeln ermutigt zu. Der junge Mensch selbst reicht den trauernden Verwandten nur flüchtig die Hand und gesellt sich dann zu der schönen Käte, die auf dem Hausball bei Professor Herz seine vielumschwärmte Tischdame war. — Ihre klugen, kalten, grauen Augen blitzen ihn mit leichtem Hohn entgegen. „Ja, ja, Herr Doktor, Sie stehen hier-wieder bewundernd vor einem Ihrer Werke", neckt sie ihn. „Im Vertrauen, Sie holde Spötterin", repliziert er. „Der Tod ist stärker als Aeskulav". „Ganz recht, Doktor! Will ich sterben, komme ich zu einem Jünger Aeskulaps wie Sie". „Reizende Spottdrossel", flüstert er entzückt. Sein Blick gleitet flammend über die elegante nonchalante Mädchengestalt. Und im leichten Flirt vergessen beide Ort und Zweck des Beisammenseins. In einer andern Gruppe sehen ein paar lebhaft gestikulierende Herren von Zeit zu Zeit nervös nach ihren Uhren. Dann und wann unterbrechen sie ihr leises, erregtrs Gespräch über das unvermutet rasche Sinken afrikanischer Goldniinenaktieii init einer ärgerlichen Bemerkung darüber, daß sie infolge des Begräbnisses noch die Börsenstunden versäumen würde». Verschiedene ältere Dancen lassen das Leben der Toten und ihrer Geschwister Revue pa'sieren. „Nein, wenn ich denke, was die selige Tante für eine stolze Frau war und dann ihre Kinder mische, was aus denen geworden ist, dann kann mir schon Angst werden vor dem ganzen Leben", seufzt eine weißhaarige Asthmatikerin. „Wirklich, solch ein betrogenes Leben, wie die gehabt haben. Erzogen wie die Prinzessinnen und dann, gerade als sie erwachsen, waren all der Glanz plötzlich vorbei", repliziert eine Andere. „Aber sie waren auch keine Menschen, die ins Leben paßten. Hochmütig blieben sie. Einen Berns ergreifen wollte keine. Unter ihren Stand heiraten auch nicht. Alle klebten sich an den Bruder. Der arme Junge hat auch ein verpfuschtes Leben gehabt"; kritisiert die Dritte. „Mein Gott, gearbeitet haben die Mädel auch, Languetten gestickt bis in die Nacht hinein. Das legte den Keim zu Annas Brustleiden", entschuldigte sympathisch eine vierte Stimme. „Das war es ja eben. Verschämte Arbeit, die nichts einbrachte. Nein, geh' mir weg. Sie haben ja Unglück gehabt, aber sie vaßte» auch nicht in die Welt".- Jetzt geht ein Ruck durch die ganze Versammlung. Alle starren den großen grauhaarigen Herrn an, der hochgehobenen Hauptes eingetreten ist und auf die trauernden Geschwister zupeht. Seine kalten, intelligenten Augen streifen mit festein Blick über die Gaffer. „Er ist doch gckommeil", flüstert man sich erstaunt zu. „Er tritt genau so arrogant aus wie früher". „Na, dazu hat er nun auch gerade kein Recht mehr". „Aber, Kinder, bewiesen ist ihm doch noch nichts. Bis jetzt sind doch alles blos Vermutungen. Der Richter hat das letzte Wort noch nicht gesprochen". „Ach, sein Name ist doch durch die Zeitungen geschleift worden und vorläufig ist er auch vom Amte suspendiert. Ganz ohne, ist sowas immer nicht". ' Der Besprochene geht jetzt grüßend auf einige Bekannte zu. Die Macht seiner Persönlichkeit wirkt wieder. Liebenswürdig empfangen sie den bedeutenden Mann, an dessen amtlicher Tätigkeit zur Zeit ein Teil der öffentlichen Mcinung blutige Kritik übt. — Nur ein geckenhaft gekleideter Jüngling, der vor noch nicht langes Zeit die Protektion des Mächtigen nachgesucht und nicht gefunden hatte, wendet sich mit beleidigender -Ostentation-ab. „Zum Traucrgottesdienst, bitte", ruft in diese Erregung hinein die geschäftsmäßig laute Auktionatorstimme des Friedhossdieners.- Der Zug zum Grabe setzt sich in Bewegung. Die Geschwister, eins stützend an das Andere geklammert, wankten hinter dem Sarge her. Und nun beim langsamen Durchschreiten der Gräberalleen, die trostlos in grauen Nebelhüllen vor ihnen liegen, werden auch die Anderen ernst.' Jeder denkt an seine Lieben, die solch ein kleiner Hügel deckt. Und die Thränen, die das arme alte tote Mädchen für sich nicht lösen konnte,' fließen jetzt für eigenen Schmerz. Endlich steht man am Grab. Der Prediger spricht jb«i«HeHrghnijslen. dritte^,Klasse, immer,.nur^Mnige ^'^Nin»d'efi'eAl;er-dicKöte-böbt,idie einLgnWZlM? v;y;> «' ~s •: r.-S-sssssvsÄ -

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