Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1904-01-08 · Heft 1 (8.1.1904) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 1 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692358-2692359--00671-2695081
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Er'Kieycr 'ia.qc' bom Komitee gc'ajj’t wor- Jhr seid blind, mit sehenden Augen, möchte, man >er Tat diesen Herren zurufen. Die eben erst rgenc Freiheit ist noch viel zn neuer Zeitrechnung, atz die jüdischen Gemeinden sich abermals unter ein neues Joch der Zentralisation beugen :n. Und anders ist es in der Tat doch nichts dieser Synode. Von bindenden, selbst nur. für ~ ajorität bindenden Beschlüssen kann ohnedies die Rede sein, noch weniger von Zwang, es »ieser nun materieller oder auch nur moralischer Wir brauchen, wir wollen keine Synode, Gensfreiheit für jeden, Zusammentritt der. Gleichntcn, ohne Beeinträchtigung »er Ander-denken- . Unser göttliches Judentum wird dabei wahrlich gefährdet werden. Sprechsaal. iOhne Verantwortlichkeit der Redaktion). Sehr geehrte Redaktion! gestatten Sie auch, mir einige Worte zu dem gesandt des Herrn P. A. Ich fasse mich kurz, lasse Inrichtigkeiten, die Herr P. A. sich gegenüber der des Herrn Dr. Friedmann hat zu Schulden neu lassen, unbeachtet und trete gleich in media in. Herr P. A. schreibt: .Ein Scheitern und Zerschellen fürchtet )rthodoxie nicht, das existiert nur in der ntasie des Herrn Dr. Friedemann und [offen* — Wissen Sie. HerrP A.. was eigent- Herrn Dr. Friedemann und Genossen zu Zionisten icht? Eben dieser unerschütterliche Glaube, daß jüdische Schiff nicht scheitern und nicht zerkann, hat Dr. Friedemann und Genossen zu isten gemocht; dieser neuerwachte Glaube an die mft Israels auf seinem eigenen Boden, hat verdorrten Knochen auf dem weiten Friedhofe : zu einem menschlichen Gebilde zusammengerafft, sie mit Fleisch und Haut umkleidet und hat ihnen Odem des LÄens, des frischen jüdischen Lebens, haucht. Und da stehen die Totengräber und irern und zetern, daß man die Toten aus ihrem sie weckt!! .Die Zionisten mögen nur immer an Gefühl und eid appellieren. Es gab schon schlimmere Zeiten, ven das jüdische Schiff näher als heute daran zu scheitern.' doch Gott hat es sicher um alle gen herumgeführt. Mögen die Zionisten doch in : Errettung aus allen Gefahren, die andere Völker . aufgerieben hätten., die Hand Gottes erblicken "nicht glauben das Ruder ergreifen zu müssen, das Schiff sicher ans Land zu bringen!!* welches Religionsbekenntnis würde eine Lehre eilen, daß eine Bewegung, die an Gefühl und eid appelliert. Gott nicht wohlgefällig sei? Gefühl Mitleid! Das ist doch die schönste Zierde des hm Volles seit Ewigkeit! Wo Gefühl und Mitdort auch Friede, und wo Friede, dort ist Gott! dem orthodoxen P. A., dem kommen solche agm des einigmden Friedens spanisch vor. .Und nicht glauben das Ruder ergreifen zu um das Schiff sicher ans Land zu bringen!! Listen Sie nicht, Herr P. A, daß Gott sich stets Durchführung seines Willens der Naturkräste und Menschen bedient. „Ausse malochpw ruchaas, pfaorsow esch lauet“. Wenn Gott die Winde und; verzehrende Feuer zu seinen Boten auserkoren ssollte er sich nicht des Menschen, jedes Menschen, -Gipfels der Schöpfung, bedienen? Ich kenne Stelle in der Thauroh. ich möchte sagm, nur 1 wo Gott das Voll Israel sich passiv verhalten | und selbst in den Kampf tritt Das ist die ftung des roten Meeres. Da spricht Mosche zum dr .Gott wird für Euch kämpfen, ihr aber bleibet Aber auch hier muß zuerst die ganze Nacht arch ein heftiger Ostwind brausen, der d>e Wellen "schleudert, und auch sagt Gott zu Mosche: .Und rhebe deinm Stab und schwinge deine Hand Meer und spalte es.* — Also auch hier jte die Thal durch Mosche, durch den »scheu vollbracht werden! ach der vorangehende Satz ist sehr bemerkens- Da heißt es: Und da sprach Gott zu Mosche: trum schreist du zu mir auf? Sage den fern Israel, daß sie vorwärts ziehen!* Nicht fest vor jeder Gefahr zurückschrecken, nicht tatenlos ßor seinem Gotte Hinwersen und zu Ihm um flehen, ohne aber selbst mit einem Finger zu um die ihm von Gott zu seiner Selbsthilfe hme Kraft auszunutzm, sondern mutig zugreifen lim besim Vertrauen auf dm Beistand Gottes lärts strebm! Ja. Herr P. A.. hättm Sie »ehr Verständnis die Thauroh gelesen, hätten verstanden, Ihren Kompaß richtig abzulesm, hättm dm Zionismus mit anderen Augen beite Sie dazu gekommm sind, Herr P. A, die des Haasina für sich sprechen zu laffm, ist mir frecht klar. Sie . scheinen nicht zu wissen, daß . . _ _ _ zu^Wnnen-7 denn sonst hätten Sie sich nicht erlaubt, uns zuzurufen: und ist hier nicht jedes eigenmächtige Eingreifen in Gottes Waltung, als zwecklos, ja als Sünde (?) bezeichnet!* Saßen Sie schon einmal im Rate Gottes, Herr P. A.. daß Sie genau wissen, welches Eingreifen eigenmächtig und welches nicht eigenmächtig ist? „Nach dieser Richtung können und dürfen wir zu unserer Rettung nichts tun. dies allein wäre schon eine Utopie.* Wenn ein Dmtscher vor dem deutschen Volke jemals solche Reden geführt hätte, man würde ihn sofort ins Irrenhaus gebracht haben; bei uns Juden findet man so etwas normal und muß damit rechnen. Aber Herr P. A.. haben Sie für die Rettung Ihres Volkes schon etwas zu tun versucht, daß Sie zum Endresultate gelangt sind, daß Sie nichts tun können Ueber das Dürfen und Nichtdürfen könnte in solchm Fragen höchstens ein Synedrion entscheiden, nicht aber eine einzeln^ Person. Betreffs Ihrer Uebersetzung der Parschss Haasinu möchte ich Ihnen. Herr P. A., noch bemerken, daß Sie den letztm Vers falsch betont haben. Auch wollen'Sie gefälligst das Original aufschlagen und noch weitere zwei Verse übersetzen, da wird Ihnen der ganze Inhalt eine andere Beleuchtung bekommen. Und nun das Gebet, diese einzige Waffe des jüdischen Volles. Warum. Herr P. A., verlassen Sie sich nicht auf das Gebet in Ihren privaten Jntereffen, in.Jhrmr eigenen Geschäfte, bei dem es sich doch sicher nur .um irdische Güter und um sein Leben handelt?* Warum greifen Sie hierbei „eigenmächtig* ein? Ich ftage Sie ferner, Herr P. A.. warum schickte Mosche Jhoschua-bin-Nun in den Kampf gegen Amaleek. warum zog er selbst ins Feld gegen den Emauri und nahm nicht seine Zuflucht zum Gebet? Galt doch nur .die Errettung der irdischen Güter und des Leibes* seines Volkes. Warum mußte Israel Kanaan erst im Kampfe erobern, warum mußte Jehuda Makkabi zum Schwerte greifen, hat er doch als Cohen das - Gebet sicher verstanden? Wenn das Gebet allein eine wirksame Waffe ist in den Kampfe um irdische Güter, um so mehr müßte es siegreich sein in dem Kampfe um geistige Güter. Selbst der große König David, dieser ftomme Psalmensänger, hat neben denr Gebete es vortrefflich verstanden, auch die Waffe zu führen. Vielleicht aber können Sie nur. Herr P. A. zwischen Gebet und Schwert wählen und da das Gebet eine ziemlich ungefährliche, harmwse Waffe ist, so ist Ihnen natürlich die Auswahl nicht schwer gefallen. Doch. Herr P. A., es gießt noch eine andere, wirksamere Auswahl und das ist — der Kampf im Frieden. Wir Zionisten führen auch Waffen, Sie sprechen ja auch von Waffengektirr, aber das sind Waffen, die nur die moderne Kultur verleiht, geistige Massen, die den Kampf um die Errettung unseres Volles sehr ermöglichen, Herr P. A. Das Gebet ist heilig, es ist notwendig für die Erhebung des menschlichen Geistes für die Stärkung seines Mutes, seiner Tatkraft und seines Vertrauens zu seinem Gotte. Aber wenn dem Gebete keine Taten folgen, wenn das Gebet um seine Erlösung, um das Land seiner Väter das Herz des Juden nicht dermaßen ergreift, daß er auffchreit: .Wenn ich dein vergesse Jerusalem, verdorre meine Rechtei* dann zerfällt es in nichts. Hätten Sie wenigstens einmal so gebetet. Sie wären längst der eiftigste Zionist. Einmal hat das Gebet an und für sich einen Sinn, und das ist am Sterbebett des Liebsten, wo man nur noch im Gebet Trost sucht und — noch einmal als Dankopfer. Zu einem Gebete im ersten Sinne wollen wir es nicht kommen laffen Das ist das Gebet von Kischinew und von unseren Kiuauss! Wir wollen nicht wanen, bis „jede Macht geschwunden ist* und solange wir noch auf nnserem Schiffe junge, mutvolle und nicht schlafende Mannschaft haben, werden wir es nicht zum Scheitern kommen lassen. Wir wollen kämpfen, bis wir wieder im Tempel Gottes zu Jerusalem das Gebet im letzten Sinne, ein Dankopfer unserem Gotte und dem Gotte unserer Väter vor aller Wett darbringen können, uwo lezijon gauel weneemar omen! J. F. Geehrter Herr Redakteur! Veranlaßt durch die Mitteilung in Ihrem geschätzten Blatte über die notwendig gewordene Einrichtung eines weiteren Kursus im hiesigen Hebräischen Sprachverein, gestatte ich mir, als Mllglied desselben, um- Aufnahme folgender Zeilen zu bitten: . Wir haben hier mannigfaltige jüdische Vereine, und ein jeder derselben ist in seinem Streben anerkennenswert; zu den wertvollsten aber nach Ausgabe und Ziel gehört der Hebr. Sprachverein, der das Studium unserer heiligen Sprache — die Sprache, in der unser ganzes Schrifttum abgefaßt ist — bezweckt. Es ist wahrlich beschämend, zu sehen, wie grade dieser Zweig jüdischen Wissens vernachlässigt wird und wie so das große Gebiet der hebräischen ein durch die Erweiterung der hebräischen Sprachkenntnissc bewirktes, größeres Verständnis unserer Gebete haben würde, und man tvird den Wert des hebräischen Sprachunterrichtes zu würdigen wissen. Für die Poesie aller Sprachen, aller Völker vermögen sich unsere jungen Leute zu begeistern, nur nicht für die poetischen Erzeugnisse unseres eigenen Volkes, und doch stammen die meisien dieser Stücke von 'Männern - her, die man mit Recht zu den größten in Israel zählt Unsere Piutini, unsere S'lichoth, die herrlichsten Gedichte eines Jehuda Halevi, würden dann »nehr als seither die Lektüre und das Studium jüdischer junger Leute bilden — und man könnte es vielleicht schließlich dahin bringe,«, daß die Kinaus am Tischoh be'av in etwas weniger haarsträubender Weise von den Privaten vorgetragen würden, als man das von jeher gewöhnt ist: ganz abgesehen davon, daß durch den vermehrten Wortschatz «uch das Studium des Thüiach die für manchen bittere Schale der Schwierigkeit des Uebersetzens verlieren würde und der süße Kern, die erhabeneren Ideen unserer Newiim und Kesuwim leichter zu erreichen wäre. Außerdem würde die sich von Tag zu Tag vermehrende, heute schon ganz bedeutende neuhebräische Literatur mit ihrem unermeßlichen Schatz von wahrhaft guten Werken weiten Kreisen zugänglich und man würde in der Hand so inanchen jungen Mannes, statt eines fragwürdigen Romanes über den grausamen Nero, ein Lebensbild seines jüdischen Zeitgenossen R. Jochanan den Sakkai, statt einer schön erfundenen Reisebcschreibung in das Innere von Afrika die Reise der 3 jüdischen Gelehrten nach Rom in hebräischer Sprache vorfindcn. Sehr oft hört "man sagen: Ja, daß ich französische und englische Stunden nehme, hat seinen Grund darin,- daß ich diese Sprache int geschäftjlichen Leben Verwenden kau»; — als ob nicht jeder in seiner freien Zeit noch diese und jene Beschäftigung hätte, die das Ideelle seiner Persönlichkeit fördern soll! Das Judentum hat der Menschheit Gott, Moral- und Sittlichkeit gegeben und nirgends kann deshalb der Jude sich eine reinere Leb ens an sch auun g erwerben, als im hebräischen Schrifttum, das ihm durch das Studium der hebräischen Sprache erschlossen wird. Da nun in der Regel einem Jeden die jüdische Schule schon ein gut- Stück Vorarbeit geleistet hat für seine Kenntnisse im Hebräischen, da also bei einem Jeden schon ein nicht unbedeutender Wortschatz als verborgenes Gut in seinem Gedächtnisse ruht: bedarf es nur der kundigen Hand, diese Schätze ■ an das Tageslicht zu ziehen, sie zu erweitern und zu vertiefen. Eine solche tüchttge Kraft hat unser Sprachverein in der Person unseres verehrten Dozenten, Herrn S. H. Goldmann gefunden und die zunehmende Frequenz unserer Lehrstunde, Sonntag morgens von 9—10 Uhr, zeigt deutlich, wie sich der neue Verein bereits in weiten Kreisen einer nicht zu verkennenden Beliebtheit erfreut. Die geschickte Art und Weise, wie uns Herr Goldmann lehrt, nach der Methode Berlitz — durch Anschauungsunterricht — die Gegenstände um uns herum in hebräischer Sprache bezeichnen zu lernen, feuert die Mitglieder zu reger Teilnahme der nur in hebräischer Sprache geführten Konversation an und cs ist gewiß ein schönes Zeichen und ein Beweis, daß es nicht allzu schwer ist, sich aus diesem Gebiete einzuarbeiten, wenn nach kaum einem Monat des Bestehens die Unterhaltung in der hebräischen Sprache schon als eine sehr fließende bezeichnet werden kann. Auch ausgewählte Stücke aus dem Chumesch dienen zum Unlerhaltungsstoss,' und cs steht zu erwarten, daß in nicht allzu ferner Zeit auch Mitglieder wohl in der Lage sein werden, kleinere Briese und Aufsätze selbstständig zu verfassen. Unser Dozent geht bei der Lehre der Grammatik da in der altbewährten Weise vor, indem er einen langsamen gründlichen Unterricht dein oberflächlichen, wenn auch mehr Stoff 'bewältigenden, vorzieht. Wenn auch, wie gesagt, schon eine stattliche Anzahl von Damen und Herren sich bei unserer Lehrstunde einsinden, steht diese Anzahl jedoch noch in keinem Verhälttiis zu dem wirklich vorhandenen Material an jungen Leuten, bei denen man Interesse für diese Seite jüdischen Wissens voraussetzen dürfte. Und speziell jüdische junge Leute, denen.die Pflege von Talmud, Thorah am Herzen liegt, sollten sich.neben den für .^Lernen'/ angcsetzten Stunden noch die eine frei machen, nm sich in der Kenntnis der heiligen Sprache auszubilden. Es kann dann sehr bald der beabsichtigte zweite Kursus eingerichtet werden. — Wie bei Gründung des Vereins bekannt gegeben wurde, ist ia die geschätzte Redaktion des Blattes gerne bereit, Anmeldungen eittgcgenzunehmen und ist unser Vereinslvkal, die Aula der Religionsschule, Hermesweg 25/27, geräumig genug, noch eine große Zahl von Interessenten zu fassen. . Unterrichtsstunde: Sonntag früh von 9—10 Uhr oder Montag abends von 9—10 Uhr (letztere Stunde, bei genügender weiterer Beteiligung). Mehrere Mitgkioder.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.