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Neue jüdische Presse · 1904-01-08 · Heft 1 (8.1.1904) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 1 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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ESS lieber den merkwürdigen Aberglauben der Juden Palästinas hielt Miß Goodrich-Frccr einen interessanten Vortrag vor der „Folk Lore Society" in London. Während ihres Aufenthalts in Palästina hatte sie reichlich Gelegenheit, die Einheimischen genau zu beobachten. Die Juden, so "führte sie aus, haben verschiedene Methoden, den bösen Mächten auszuweichen. Ein Mann, der das Unglück hatte, nicht weniger als sechs Frauen hintereinander zu verlieren, verfiel auf einen sinnreichen Plan, um dem Todesengel zu entgehen. Ms er zum siebentenmale heiraten wollte, kaufte er eine Kuh, mit der er die Hochzeitszeremonie durchmachte. Der Vertrag wurde in der richtigen Form aufgesetzt und der Ring dem Tier auf das Horn gesetzt. Darauf heiratete er sofort die wirkliche' Braut, während das unglückliche Tier getötet und das Fleisch unter die Armen verteilt wurde. Das Paar lebte nachher auch stets glücklich. Wenn der Würgeengel das Leben eines Juden nimmt, so glaubt man, daß er sein Schwert in dem Wasser von sechs Häusern wäscht; daher muß b.i einem Todesfall jeder Tropfen Wasser in je drei Wohnhäusern rechts und links fortgegossen werden. Das ist eine sehr ernste Sache in einem Lande, wo jeder Liter 'Wasser seinen bestimmten Geldwert hat. Als im vorigen Jahr Wasserniangel Krankheit und Tod im Gefolge hatte, nahm der Brauch die Bedeutung einer wichtigen sozialen Frage an. Die abgeschnittenen Nägel müssen in den Spalten der Wände verborgen oder verbrannt werden; manchmal geben die Jüdinnen ihre abgeschnittenen Nägel oder Haare ihrem Manne in einem Pudding zu essen, damit seine Liebe wächst. Die Nägel müssen auch zu Anfang der Woche abgeschuitten werden, damit sie nicht am Sabbat zu wachsen anfangen. Rührend ist der Brauch, einem verstorbenen Kinde ein Ende Wolle mit den Maßen seiner liebsten Spielgefährten mit in den Sarg zu geben. Dadurch soll vermieden werden, daß das Kind sich einsam fühlt und in die Versuchung gerät, sie zu rufen, damit sie ihm in das Jenseits folgen. "lästiinfch^'^Zv^'sehV äD^dre"Degch,wäEbch7"§;tzäW'' der Macht", damit sie vor dem gefürchteten bösen Mick bewahrt bleiben. Dieses Amulett wird von Frauen, Männern und Kindern getragen und schmückt außerdem die Vorderseite fast jedes jüdischen Hauses. Manchmal erscheint es nur, als ob die Hand eines Menschen in blaue Farbe getaucht und auf dem Oberbalken aufgedrückt worden wäre, während es manchmal auch sehr groß und deutlich sichtbar ist. Die Frauen und Mädchen schmücken sich ausnahmslos mit Arm- und Halsbändern, die ganz aus .Händen bestehen'; dies ist auch die Lieblingsform des jüdischen Trauringes. Wenn möglich, ist die Farbe immer blau. Die Pferde, Kamele und Esel tragen auch blaue Halsbänder, manchmal in Form von Perlen'chnüren, manchmal auch kunswoll gestickte Perlenb"nder oder wenigstens einen großen blauen Zierat, der vom Halse herabhang. Die Kinder tragen aus den Köpfen Amulette aus einem Stückchen Alaun, das in blaues Tuch eingenäht ist. Die Bedeutung des Blau erstreckt sich so weit, daß selbst wenn einige Körbe in dem christlichen Torfe Ramallah geflochten werden sollten, einige blaue Perlen sorgfältig eingesügt wurden. Ein ziemlich „gewichtiger" Aberglauben der jüdischen Hausfrau in Jemen besteht in dem Tragen eines Halsbandes, das ihr den friedlichen Besitz aller ihrer gewöhnlichen Habe sichert. Das Halsband ist eine Sammlung seltsamer Zierate in Form zweier kleiner Frösche, eines an jedem Ende, zweier kleiner Schuhe, eines Kammes (gewöhnlich aus Holz), eines Kasfeeröstofeus, eines Schlosses, eines Hundes, einer Taube, einer Mörserkeule zum Kassee, eines Hammers, einer Axt, eines Säbels, eines Schlüssels, einer Scheere, eines Hammers für Zeltvsiöcke, einer Spitzhacke zum Ausroden von Banmwurzeln, eines Kamels, einer Pistole, einer Henne und einer Kaffeekanne. Amu'elte werden auch bei Augenkrantheiten getragen, und zwar grüne bei schweren Fällen und braune b'i vorübergehenden Entzündungen. Kinderamnlette bestehen aus Alan in einem zierlichen Netzwerk aus Perlen: sie werden in gleicher Weise von den Moslemin, Christen und Juden Jerusalems getragen. „_MvoWffhendechMittWj» ^ut,'acheir"ecktsbrechen,' bckin NußM n ung der palästinensischen Juden sehr schlimm bestell sein, denn das Judentum verpönt jeglichen Aber glauben. L e ck y u n d d i e I u d e n. Der vor Kurzem ve storbene berühmte englische Historiker'Lecky hat si wiederholt über den Charakter und die Seifhntgei der Juden ausgesprochen. „Der Heroismus der Be' leidiger jedes anderen Glaubens, sagt er, schrumpf zur Bedeutungslosigkeit zusammen vor dem Märtyre Volk, das dreizehn Jahrhunderte hindurch alle Quäle! welche der wildeste Fanatismus hat ersinnen löi neu und die fiirchterlichsten Leiden lieber ertrag! hat, als seinen Glauben aufzugeben. Denn die Jude! waren nicht asketische, für alle Hoffnungen nt Leidenschaften abgestorbene Mönche, sondern Me! scheu, welche die welllichen Güter, die sie au geben mußten, sehr wohl zu schätzen wußten." In seiner „Geschichte des Nationalismus", Ban> II, 2. 282 spricht er in den superlativsten Ausdrücke! von dem ßifer, mit welchem sich die Juden d Gelehrsamkeit widmeten und mit welchem sie ai dem Gebiete des Wissens die Welt bereichert habe! „Zn höchster Höhe schwang sich der Genius dies« wunderbaren Volkes empor, - während die Böll rings herum in Finsternis und blöder Unwissenh dahinkrochen; während Jongleurwunder und falsi Reliquien die.Themata waren, über die säst d ganze Europa sich unterhielt und der Intellekt dl Christenheit, in Bann gehalten durch Aberglauben unzähligen Formen und Gestalten, in eine Art Todesstarre gesunken war, in welcher jeder Fo: schereifer, jedes Suchen nach Wahrheit aufgehöi hatten, verfolgten die Juden die Pfade der Misses schaft, sammelten sie Kenntnisse und spornten sie dl Fortschritt mit derselben unbeugsamen Zähizkeit welche sie in ihrem Glauben entfaltet hatten, waren die geschicktesten Aerzte, die fähigsten Finai ziers und die tiefsten Denker, während sie in d Pflege der Naturwissenschaft nur den Mauren nal standen. Sie waren die Hauptinterpreten arabif Gelehrsamkeit für Westeuropa". vo« Internationales Sanatorium Streng; koscher! Streng koscher! Schweiz. I>«VOS-Dor:f. Cton- Graubünden. 1580 m. ü. M. Das ganze Jahr geöffnet. 1580 m. ü. M. Luftkurort für LungEnhranliB, Asthma- und Herpenleideinle. Haus I. Ranges in wundervoller Lage unter weitester Rücksichtnahme auf Hygiene mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet. Niederdruckdampfheizung, elektr. Beleuchtung, Personenaufzug, grosse Vestibüle u. Gesellsehaftsräume, geräumige, sonnige Terrassen zur Liegekur. Pensionspreis für vollständige~Ve>pflegung, ärztliche Behandlung, Bäder, Douchen, Abreibungen, Licht, Heizung und Bedienung 11 Frcs. pro Tag. Zimmer je nach Lage und Ausstattung 1.50—8.50 Frcs. pro Tag. Dr. med. Leitende Aerzte: P. Humberi, Dr. med. B. TnelilenofT, Privatdozent für physikalische Therapie an der Universität Bern. Direktor: A. Hirsch. Geschultes Pflege-Personal. 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