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Neue jüdische Presse · 1904-01-08 · Heft 1 (8.1.1904) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 1 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Fhnniegesetzen, uitö fie etfeimen ihn doch. Also -istJ-fie-Jdoch^wm: - die alte-Sage,-daß einer der ' Ihren aus edlem Stamme' am KönkgZhofe weilt/ daß von ihm das Heil 'kommen werde für die Bedrückten. So erfährt denn der Jüngling von dein einen Dieses, von dem anderen Jenes und weiß nun aus einmal, was ihn so lange gedrückt, was ihn nicht heimisch werden ließ im strahlenden Königshause. Er war doch ein Fremder geblieben unter Fremden. Was Egypten ihm bieten konnte, der äußere Glanz weltlicher Herrlichkeit, erkauft mit dem Todcsschweiße von Millionen, das konnte wohl seinem Ehrgeize genügen, egyptische Weltweisheit und Ileberlieferung, die konnten wohl seinen Verstand befriedigen. Aber in alledem konnte sein wahres Glück nicht liegen. Es lebte etwas in ihm warm und teilnahnisvolk, Liebe heischend und Liebe spendend. Er hatte es gefunden in demselben Augenblicke, wo er seine Brüder gefunden hatte, sein großes jüdisches Herz. Das sagt uns die Schrift in den kurzen Worten: „Und als Moses herangewachsen ivar, da ging er hinaus zu seinen Brüdern." j. 1. (Nachdruck verboten.) Beim Wnnderrabvi. Skizze von P. Jacob K o h n. Als ich vor mehreren Jahren in der Jeschibah zu Huszt (Ungarn) dem Talmudstudium oblai, lebte in dem eine Bahnstation entfernten Orte Bustyalü a ein berühmter Chassidimrabbi, Namens Rabbi Mordechai. Was diesen Rabbi von den anderen Kollegen unterschied, war, daß seine Chassidim keine stabile warenH, seine Anhänger setzten sich vielmehr aus den Chassidim der verschiedensten Rabbiner zusammen. In jener Gegend war er allgemein als ein Bal-ruach-hakodesch (ein init der Prophetie ausgezeichneter Mann) bekannt, und die verschiedensten Wundertaten waren von ihm im Umlauf. Unter den mancherlei Eigentüinlichkeiten, die ihm eigen waren, fiel 'besonders seine Verlegung der Gebetszeiten auf. Das Niorgen- (Schacharis)- Gebet, das der extremste Chassid nicht später als um zehn Uhr Vormittags verrichtet, betete R. Mordcchai erst um 'zwei oder drei Uhr Nachmittags; das Minchah kam erst in später Nachtstunde an die Reihe, während das Maariw-Gcbet nicht selten erst gegen Morgen verrichtet wurde. Da sich nur wenige fanden, die Tag für Tag bis Nachmittags fasten wollten-), so war sein Minjan — passive Zuhörer duldete er nämlich nicht — nur sehr schwach besucht.' Manche wollten gerade in diesem Umstand den Grund gefunden haben, daß er keine bestinimtcn Chassidim hatte. Die Chassidim, die für Alles, was sie bei ihren Führern sehen oder hören, eine Erklärung haben, hatten auch hierfür ihre Begründung. Auf ineine Frage, warum der Rabbi so spät bete, da es doch der Vorschrift des Schulchau-Aruch?) widerspreche, gab mir ein Chassid Antwort. Das sei eine Kcloloh (Fluch), sagte er, die R. Mordechai einst vom alten Belzer Rabbi erhielt. Als nämlich Rabbi Maier Przemyslauer, der Onkel und Lehrer des R. Mordechai gestorben war, wollte sich dieser einen neuen Lehrer suchen und beschloß zum R. Mendl, nach Belz zu fahren. Er war vor dem jüdischen Neujahrsfest dorthin gekommen und bis nach dem Hüttcnfeste geblieben. Ms die Feiertage vorüber waren, verabschiedete er sich vom Rabbi und fuhr heimwärts. Er hatte kaum die Grenze der St^t verlassen, als er wieder umkchrte und sich zum Rabbi begab. Ueberrascht über diese plötzliche Rückkehr, fragte R. Mendel um den Grund derselben und erhielt die aufrichtige Antwort: „Mein Onkel R. Maier hat mir gesagt, daß man zu einem Rabbi, den man als Lehrer annehmen will, mindestens zweimal fahren solle. Einmal war ich nun schon bei Euch, für das zweite Mal wollte ich jedoch nicht mehr so viel Zeit verwenden, und bin deshalb gleich, nachdem ich die Stadt verlassen hatte, zurückgekehrt." Ter Belzer, durch diese Offenheit gekränkt, soll 'ihm darauf geantwortet haben: „Zwischen Tag und Nacht sollst Du so zu unterscheiden wissen, wie Du einen Unterschied weißt zwischen mir und Deinen: Onkel R. Maier." Gewöhnlich erkennen die Chassidim nur einen oder höchstens zwei Rabbis als Oberhaupt an. Sie suchen ihre Führer einmal im Jahre auf —7 viele tun es öfter — und bringen eine kürzere oder längere Frist bei ihnen zu. a) Vor dem Morgengebet darf man bekanntnW^gemeßem. ---Mual-CodeK fgy ,; Scharenweise pilgertendie Bachurim nuferer Jeschibah zu diesem Rabbi.; WiS sie so zu ihm hinzog, war nicht allein'-die' Nähe/- ÄS^ vielmehr-den stand, daß sic bei ihm keinen Pidjon^) zu geben brauchten. Von den Bachurinr, deren ärmliche Verhältnisse ihm genau bekannt waren, nahm er ein Quittel, auch wenn es ihm ohne Pidjon gereicht wurde. Fast jede Nacht — seine Empsangsstnnde siel in die Mitternachtszeit —. fuhren einige Bachuriin' zu ihn: und auf einiges Zureden meines Freundes, schloß ich mich ihm an, nin den Rabbi aufznsuchen. Um acht Uhr abends fuhren wir von Huszt ab und hatten in einer Viertelstunde die Station Bustyahäza erreicht. Der Bahnhof liegt, eine gute halbe Stunde vom Orte entfernt, auf freiem Felde. Wir mußten den Weg in das Torf zu Fuße gehen, was bei der schrecklichen Kalte, die wir bei unserer mangelhaften Wiuterkleidung doppelt fühlten, dnrchans nicht angenehm war. Ter Wind pfiff über die kahlen Felder und hemmte unsere Schritte, so daß es fast eine ganze Stunde währte, ehe wir beim Rabbi anlangten. Ein großer Hof, in dem einige hell erleuchtete Gebäude standen, zeigte uns an, daß wir an Ort und Stelle waren. Wir traten in das erste Haus ein, und befanden uns in der Wohnung des Gabbai-). Der Hausherr saß gerade beim Nachtessen. Um ihn herum saßen oder standen mehrere Chassidim, die sich gegenseitig unterhielten. Wir beide, mein Kollege und ich, stellten.uns an den warmen Ofen und erwärmten unsere steifen Glieder. Nachdem der Gabbai fein Mahl beendet hatte, setzte er sich an ein Schreibpult und begann mit dein Ouittelschreibeu. Nun kamen die Chassidim herbeigeströmt und cs entstand ein Gedränge, ein Stoßen und Schiebe», wie man es sich kaum vvrstellcu kann. Jeder wollte der Erste sei» und ans dem Geschrei, das nun entstand, verstand der Gabbai kein einziges Wort und war zur Untätigkeit gezwungen. Erft nachdem er die ärgsten Schreier mit der Drohung, ihnen überhaupt kein Quittel zu schreiben, eingeschüchtcrt hatte, trat einigermaßen Ruhe ein und der Gabbai begann sein Werk. Leise slüstertcn ihm die Chassidim ihre verschiedenen Wünsche und Bitten in's Ohr, die er dann anf ein Stück Papier schrieb, wofür er eine Taxe, nicht unter zwanzig Kreuzer, erhob. Immer neue Chassidim kamen herbei, darunter auch viele Frauen, die den größten Spektakel machten. Nachdem auch wir uns unsere Quittel verschafft hatten, gingen wir in das Bcth-Hamidrasch. Es lag in der Mitte des Hofes und bestand aus einem großen Zimmer, das den linken Flügel vom Hause des Rabbi bildete. Bevor man in das Beth-Hamidrasch selbst gelangte, trat man in eine große Bauernküchc. In einem großen Herde, der ungefähr wie ein Backofen aussah, brannte ein großes Feuer, das den dunklen Raum erhellte und erwärmte. Tie Frauen, ettva zehn, die dort") waren, unterhielten sich in einer so lärmenden Weise, daß wir eilig in's Beth-Hamidrasch eintraten. Wir waren jedoch vom Regen in die Traufe gekouime». Es Ivar ein kleiner, schmutziger Raum, der so dicht mit Leuten gefüllt war, daß wir Mühe hatten, Vordringen zu können. Auf den Bänken und Stühlen, selbst anf dem Boden lagen die Chassidim herum, die in allen Tönen schnarchte». Tabei herrschte, in dem nur matt erleuchteten Raum, ein Tust, der für Manchen eine Ohnmacht im Gefolge haben könnte. Wir konnten nicht eilig genug den Rückzug antreten und waren froh, als wir wieder die frische Lust cinatnieu konnten. Ganz hinten im Hofe stand die MikwnhH, die die ganze Nacht hindurch geheizt wurde. Dorthin begaben wir uns, da wir in der freien Luft froren. Als wir nach einer Stunde wieder in das Beth- Hamidrasch zurückkehrten, kam eben ein Gabbai an, der zur großen Freude der Chassidim die Verteilung des Essens ankündigte. Bei der frohen Botschaft kam plötzlich Leben in die Schläfer, und der Anblick, der sich mir darbot, gemahnte mich lebhaft an den drelzehiitcn Glaubensartikel, wo von der Belebung der Toten die Rede ist. So lingefähr stelle ich mir das T'chijas hameisim vor. Kurze Zeit darauf erschienen die beiden Gabboim, der eine mit einem großen Sack voll Gerstenbrot beladen/ der andere mit einerFlafcheSchn undceinigen Gkäsettz im denHän8em,3 , sstg«n)RahrnttK^we^ldchCH«Mijmi>MÄ eigentlich suchen, scheinen sie nuch die gewöhnk nicht zu verschmähen. Das Gedränge, das bei * Brotverteilung entstand, ließ eher auf das Gegen schließen und wir hatten Mühe, ein Gläschen Braß wein, der übrigens sehr gut war und bei der gr migen Kälte doppelt gut schineckte, zu erlangen. Es dauerte noch ziemlich lange, el.e man Rabbi Einlaß bekam. Als der Gabbai endlich Bereitschaft des Rabbi, zu empfangen, verkünd nahm das Stoßen und Trängen die größten Dich fionen an. So wie beim Quittelfchreiben' und bei.1 Brotverteilung, wollte auch hier jeder der fein und nur deinseiiigen,' der den Gabbai, der.) der Türe stand, durch k.ingende Münze überzeig konnte, daß er der Würdigste fei, gelang es. Erster beim Rabbi einlreten zu kömien. Ta inst nur eine Person beim Rabbi vorgelassen wurde^ zog sich dieses Geschäft sehr lange hin. Ter Gabi der in uns Bachiiriili erkannt hatte, ließ uns ganz spät ei». Ich hatte jchon früher viel von der primitif Einrichtung des Gemaches, in dem der Rabbi weh erzählen gehört, und es ivar allgemein belaß daß R. Mordechai die Einfachheit liebte und die Dü tigkeit dem Reichtum vvrzog. „Joeh anij« l'jiffroel"/) pflegte mein Vetter Maierl-') oft zu sag und daran halte ich fest", diese Worte wiedeeho er sehr häufig. I Trotzdem war ich auf's höchste erstaunt, als;' bei ihm eintrat. Ein Kleiner, kahler Raum, des! ganze Eiurichtuug in einem alten, zerbrochenen chen und einem Bett bestand, das dem Rabbi j gleich als Stuhl diente. Ti: weißgetüncht.'n Wän' die bereits mehr schwarz als weiß und voll Spinngeweben waren, ließen in mir die Vermut^ austauchen, daß der Rabbi seine Umgebung eist Kerker ähnlich zu mnchcii bestrebt war, n»i ein Gefangener, der nach Freiheit schmachtet, skl nach dem jenseitigen Leben auszilblicke». Ter Ra selbst war eine yöchft imponierende Gestalt, langem, auf die Brust herabwalleudeu Bart. R> dem er mir die Hand gereicht, die ich ehrsurs voll küßte, »ahm er mir das Quittel ab, da:-- aufmerksain durchlas, woraus er mir seinen Sej erteilte und »lich entließ.; Mit dem nächsten Zug fuhr ich wieder hei Ans der Lehrerwett. Breslau. Todesfall. Am 24. Dezeml verschied infolge einer Lungenentzündung der Ol kantor der hiestgen alten Synagoge Herr A. 33. S p i in seinem 70. Lebensjahre. Er wirkte seit mehr als 32 Jahren in sein Amte, in das er infolge seines ihm bis hierher vor gegangenen Rufes als ungewöhnlich stimmbegak Sänger und gelehrter Hebräer aus Rußland brru. worden war. Diese doppelten Vorzüge machten f zu einem jener nur noch ganz seltenen Vertreter seih Beriifcs, die Meister im Vortrage alt-tradilionei Synagogenliturgien sind. Auch als Komponist erfo reich tätig, erwarb er sich die Anerkennung des 1 maligen Kronprinzenpaales durch einige Psalmen,i er anläßlich der Silberhochzeit gewidmet hatte, f Mensch war er bescheiden und ivohltätig und von cd Religiösität. Posen. Israelitische W a i s e n k ü a b 1 Anstalt Posen. Mittelschullehrer Uhlseldj Hamburg wurde z n in I n s p e k t 0 r der hiefij israelitischen Waisenknaben-Anstalt gewählt. Tu den Weggang des Inspektors Katzenstein von hier » Berlin war die Stelle von Juli d. Js. ab nur pr« sorisch besetzt. Der Gewählte wird in kürzester das Amt hier antreten. Die Waisen-Anstalt wurde 1836 gegründet. Anregung und das Grundkapital hat Baron v. wilz. evangelischer Christ, gegeben. Gegenwärtig jl die Anstalt 21 Zöglinge, die meistens aus der S> Posen sind. Die Verwaltungsbehörde besteht ausss Direktion, lü Herren und 9 Damen, und einem i Hutsausschuß von 5 Gemeindeinitgliedern. Vorsitz der ist Rabbiner Dr. Bloch. Hatten (Elsaß.) Ani 24. dss. Mts. wurdeß 65jährige israelitische Lehrer M. S i l b e r b e r g l unter Begleitung von ca. 30 Lehrern des Kanv Sulz u. W. zu Grabe getragen. l) Tie Chassidim, wenn sie beim Rabbi sind, geben ihm ein „Quittel", d. i. ein Zettel, auf dem ihre Bitten verzeichnet stehen. Zn diesem Quiltet wird stets noch ein kleinerer oder größerer Betrag, Pidjon genannt, beigefügt. 5) Heißt eigentlich Vorsteher, wird aber hier in der Bedeutung von Tiener gebraucht. Frauen dürfen sich nämlich nicht ^M^raß^Malten,. Bunte Chronik. Tie Ausgrabungen in, heilic Lande. In geistvoller Weise inachte der Halls Theologe Professor Tr. Kautzsch, der Herausgß der wissenschaftlichen llebersetzung des Allen Ttz ments und der Apokryphen, auf der 5. ordentliß iw Beiys) Ein Ausspruch des Talmuds, steht Israel gut an. P.: Tie .'Irl

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