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Neue jüdische Presse · 1904-01-08 · Heft 1 (8.1.1904) · p. [Seite]

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 1 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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giner Samson Raphael Hirsch" zeugen von einem Verständnis Des Judentums und von einer |tt Belesenheit in den Schriften seines Vaters, gelichtet sind die Reihen, die uns an unseren pt Erzieher erinnern, und da haben wir nur einen Trost, daß Gott uns noch nie verlassen ad deshalb auch weiter nicht verlassen wird. Zerr Rabbiner Dr. Breuer schloß seine Rede, er dem Verstorbenen den Morenutitel W. Aerr Julius Hirsch ries'dem cntschläseneu Bruder ech lescholaum zu, Herr Stadtrat Tr. Flcsch De dem Verstorbenen für die großen Verdienste, ' sich als langjähriger Armenvorsteher um die Inpflege der Stadt Frankfurt a. Ni. erworben und E Wilhelm Hackcnbroch dankte im Aufträge des andcs unserer Synagogenzcmeinde für die Vcr- Ze, die sich der „Benjamin" unter den Söhnen ßiner Samson RaphaelHirsch's um die Gemeinde Wben.! roß - Umstad t. Am ersten Tage Chanukah unter großer Teilnahme Frau Bulle Kahn, des Herrn Moses Kahn, zur ewigen Ruhestätte acht. Die Verewigte, die ein Mer von 72 Jahren Ihte, war von Jugend auf fromm und gottcspig und erzog mit ihrem Gatten ihre Kinder und zu braven, frommen Jehudim. Den Armen Mie eine edle Freundin und übte Zedoko und Gc- Chasodim in des Wortes schönster Bedeutung, tünchen. (kV.) Einer unserer hervorragendsten hen Mitbürger, der Kgl. sächs. Generalconsul, bahr, und Kgl. sächs. Geheime Kommerlrat Max Ritter von Wilmersdors- AChef der Bankfirma I. W. Obcrndoerfscr, ist am Sabbatausgang ün patriarchalischen Mer von zu 80 Jahren nach 12tägigem Krankenlager vcr- <n. lm Jahre 1824 in Bai)rcuth geboren/ trat Wil- Moerffer in jungen Jahren in das alte Bankhaus *-'T Onkels I. W. Oberndoerfscr in München ein, dessen Tochter er im Jahre 1819 den Bund fürs gt schloß. Er übernahm die Firmaalsdann mit Schwager, dem berühmten jüdischen Gelchr- _ itb Mäcen Abraham Mer bacher, und führte sie K dessen Ausscheiden Jahrzehnte bis zu seinem 1 in der altüberlieferten Weise fort, indem er die am Sabbat weiter streng geschlossen vielt, dem Verblichenen ist ein Mann dahingegin, der durch seine musterhafte Lcbenssührun ‘ gemciiinütziges Wirken und wahrhafte Vornehm- Juden und Judentum mit Ueberzeugung und auch in . hohen Kreisen'repräsentierte und zu brachte. Hochsinniges Streben und gediegene sbildung zeichneten ihn aus und seine genaue ßnis der klassischen Literatur, insbesondere auch Mrs und Goethes befähigten ihn vermöge seines en Gedächtnisses, den Inhalt ihrer Werke fast ruswendig wicderzugeben. kluch an allen anderen Kultur- und Bildungs- Jungen, inlbesonderc auf wi semcha t'ichem und arischem Gebiete zeigte Max von Wilmersdocrfser Interesse, u. a. hatte er an der Errichtung des Duals für den edlen Bayernkönig Maximilian II. ‘ ragenden Anteil ebenso wi.kte er an der Crweibpon Kunstwerken für Münchener Sammlungen s mit, berufen durch das Vertrauen des bayr. Zshauses zu seinem Kunstverständnis, das schon «r letzten bayr. Kursürfiin Anerkennung gefunden D^ein Bürgersinn und seine Vaterlandsliebe sanier der Teilnahme an allen Humanitären gemcin- «->en Veranstaltungen und Bestrebungen Münsowic durch Unterstützung der Krieger anno /71 und der damaligen Organisierung von Hilfs- Men besonders tätigen Ausdruck. "Bei all dieser Vielseitigkeit und der mannigfachen und Standespslichten des Verstorbenen lebte Wstihlte er als echter Jude, der die Pflichten eines mit Gewissenhaftigkeit und Neberzeugungssein Judentum niemals um seiner Hchast.icheu Position prcisgab, wie dies leider fo oft geschieht. bekundete stets lebhaftes und warmes Jnter- Mir alles Jüdische, besonders für jüdisch-wissen- Hche Bestrebungen, deren eifriger, wenn auch j Förderer er mit seinem vorerwähnten Schwa- Ilbr. Merzbacher sel. And. gewesen ist. Wo es "sh erschien, leistete er der jüdischen Wi sinschast xrtvolle Dienste, indem er seine weitreichenden Hunden und seinen Einfluß bei der Diplomatie verwandte, jüdischen Gelehrten das unbehinderte in den großen Staatsarchiven, Bibliotheken ammlungen des In- und Auslandes, auch des zur Erreichung jüdisch-wissenschaftlicher zu ermöglichen; so hatte ihm in dieser Hinsicht Erstorbene Gelehrte Rabbi R. Rabinowitz sehr - verdanken, der durch seinen Einfluß beim verstell Reichskanzler Fürst v. Hohenlohe, mehrere in der Bibliothek des Vatikans arbeiten UNbedeurendvnfPiiöaibibstiÄh'ek-^inWNr>MDkstzM?E-- -- dachtsbücher, der er besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmete und die alle Epochen des religiösen LcbcnS der Juden seit dem Exil umfaßt. Seitdem ihm vor nicht langer Zeit der Tod seine treue Lebensgefährtin, mit der er noch die goldene Hochzeit feiern konnte, entriß, entsagte er der Wirksamkeit im öffentlichen Leben. Die Anerkennung, Ehre und Dankbarkeit, die er sich als edler Mensch und guter Jude in verdient reichem Maße erworben hat, werden auch außerhalb der engeren Heimat aufrichtige Trauer um seinen Heimgang erwecken und ihm über das Grab hinaus ein gesegnetes Andenken sichern. . Bemerken möchte ich zur Charakteristik des Entschlafenen, daß Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu jeden Nachmittag bei demselben gelernt hat. München. (kV.) Am 11. Tebes, Nachmittags 3 Uhr fand unter außergewöhnlich zahlreicher Beteiligung die Beerdigung des^sel. Herrn M. von Wilmersdoerffer statt. Es waren anwesend Staatsminister Graf Crailsheim, v. Frauendorfer, der Vertreter des Staatsm. des königl. Hauses, Mtter v. Geitb» General der Artillerie v. Sauer, Ministerialrat v. Pröbst, Geheimer Rat v. Klug, 1. Bürgermeister Dr. v. Porscht mit nicyreren Mitgliedern der st> dt. Collegien, zahlreiche Mitglieder der numismatifchen und städtischen Gartenbaugesellschaft, der Kultusverwaltung nfw. usw. In der überfüllte» Leichenhalle hielt Herr Rabb. Dr. Werner dem Verstorbenen einen sehr eindrucksvollen warmen Nachruf. Nach Schluß di:ser Rede sprach Minister v. Crailsheim unter warmem Händedruck Herrn Dr. Werner seine volle Anerkennung aus. Am Grabe sprachen außerdem der erste Vorstand der isr. ÄultuSgemeinde, Justizrat -Ofarr, im Namen des Verwaltungsausschusses, dem der Verstorbene seit vielen Jahren angehörte, Generalkonsul von Oldenburg und Universitätsprofessor Dr. Rigeuncr. M ü n ch e n. E r n c n n u n g c n. Zu Kommerzienräten wurden ernannt die Herren Fabrikant Wassermann, Großhändler Freundlich und Großhändler Rciuemann. — In der Generaldirektion der Kgl. bayer. Staatsciscnbatzn wurde der Adjunkt Herr Karl Eundlfinger zum Expeditor befördert. — Tic Herren Tr. Frankenburger, Dr. Wassermann, Frust, Tri Harbnrger und Tr. Obermeyer wurden zu Justizräten ernannt. Herrn Dr. Werner in Bamberg wurde der Titel als Justizrat verliehen. N ü r n b c r g. E r n e u n u n g c n. Tiefer Tage wurde Herrn Landmann, hier, der Titel eines Justizrats und dem Großhändler Herrn Hops 'der eines Kommerzienrats verliehen. Nürnberg, 2. Januar. Todesfall. Unter äußerst zahlreicher Beteiligung fand gestern auf dem israelitischen Friedhose die Beerdigung des Kau - manns und Handelsrichters Martin Fechheiiner statt Blankenburg a. H. Jüdischer L a n d - tagsabgeordneter. Unser ehemaliger Stadtrat Herr Glaser ist trotz starker antisemitifcher Gerenagitction mit großer Majorität zum Abgeordneten des Braunschweigischen Landtages gewählt worden. Herr Glaser ist der erste jüdische Abgeordnete des Herzogtums. Geisa (Großhcrzogtnm Weimar). I u b i l ä u m. Am Samstag, den 2. Januar, beging die hiesige israelitische Gemeinde das 2öjäh'1ie Jubiläum ihres Kultusvorstandes Herrn M. H. Bettmann durch einen in den Frühgottesdienst eingeschobenen weihevollen Festakt und einen harmonisch gestalteten abendlichen Festkommcrs. Mülhausen, 1. Jan. Tas Ergebnis der i sraelitischen. Konsistorialerneuerungswahlen im Oberelsaß vom.27. Dezember 1901 ist folgendes: Eingeschriebene Wähler 2052, abgegebene Stiminen 848; gewählt und ernannt N. Lazarc Lantz mit.837 Stimmen; Dr. Hirtz mit 804 Stimmen; Lucien Manheimer mit 789 Stimmen. . Thorn, 28. Dezember. Der Rechtsanwalt Jakob ist gestern beim Besuch der jüdischen Loge plötzlich am Herzschlag gestorben. Insterburg. Isaak Eich c lb a um-'J Ilster b u r g, der langjährige Vorsitzende des Ostvrcußischen, Synagogengemcindeverbandes, ist am Morgen des zweiten Weihnachtstages in Berlin an den Folgen einer Operation g e st o r b e n. Dreizehn Jahre lang hat er des verantwortlichen Amtes mit unermüdlichir Hingebung und Treue gewaltet, für das er durch s in tiefgehendes Interesse, seine Sachkenntnis und innige Religiosität recht prädestiniert war. Auch als Vorsitzender bezw. als Mitglied der Rcpräscntautenvcrsammlung und des Kreis-Synagogenverbandes in Insterburg sowie zahlreicher Vereine und Stiftungen hat sich der Verstorbene um die jüdischen Mitbürger seiner engeren Heimat ein großes Verdienst erworben. Czarnikau. tHundertzähriger Geburtstag. Am 29. . Dezember feierte Frau Paiiline Rosenbaum, bei ihrem Sohne, Herrn Jacob Rosenbaum wohnhaft, ihren hundertsten Geburt.tag. Rom. Amtsantritt. Der gewesene Rabbiner von Triest, Professor Viktor Mtter von Castiglioni, ist vor einigen Tagen hier eingetrosfen, und hat seinen neuen Posten als -Oberrabbiner von Rom angetreten. O Feuilleton. 0 Der jugendliche Moses. In dem tveiten schattigen Garten hinter dem prächtigen Palastc der Königstochter sehen wir einen Jüngling lustwandeln. Sein kostbares Gewand verrät uns, daß er zu den Fürsten des Landes gehört. Es ist der Pflegesohn der Pharaonentochter. Gedankenvoller Ernst lagert aus'seinem edlen Gesichte. Er hat soeben wieder, wie schon seit Monden, den Unterricht des Oberpriesters genossen und ist in tiefes Sinnen versunken über die Fülle alter Weisheit, welche ihm der gelehrte Greis gekündet hat. Der hatte ihm erzählt von der Macht und Pracht der alten Könige des Landes, von seiner blutigen aber glorreichen Geschichte, von den mächtigen Bauwerken, die sie aufgeführt, bestimmt für die Ewigkeit zu dauern, von der einzigartigen Stellung des Herrschers, von der weiten Kluft, die ihn von seinem Volke trennt und ihn in all seiner Herrlichkeit und Größe auf Erden schon als einen Gott dastehen ließ für die niedrig geborenen Sklaven der SchoUe. Süß und einschmeichelnd waren die Worte des klugen Mannes' gewesen, die jugendlichen Sinne bezaubernd und berückend, und geheimnisvoU lockend und verheißend hatte er noch zuletzt tiefere und erhabenere Geheimnisse angedeutet, deren Schleier er jetzt noch nicht lüften dürfe, deren beseligende Kenntnis nur wenigen Eingeweihten zu teil würde. Ter hochgesinnte Geist des Fürstensohnes konnte sich der dämonischen Beredsamkeit des gewandten Priesters nicht ganz entziehen. Und doch 'fühlte er sich nicht ganz befriedigt, und doch schien ihni immer noch etwas zu fehlen, und doch fühlte er in seinem Innern eine Lücke, eine Leere, welche alle Macht und Herrlichkeit der Welt ihm nicht ausfüllen zu können schienen. Während er so sann und sann und doch' keine Ruhe finden konnte, hatte er die Grenzen des Gartens überschritten, und war in die Wüste hineingeraten. Er näherte sich der Stelle, wo das mäch- .ige Pyramidcndenkmat seiner Vollendung entgegenreiftc, welches der gegenwärtige Pharao sich bei Lebzeiten schon errichtete, um es im Tode zu bewohnen.: ' Welch ein Getriebe, welch ein Gewimmel herrschte um ,d°n gewaltigen Bau! Es war ein anderer Menschenschlag als der, den der Jüngling bisher kennen gelernt hatte, der. sich da geschäftig regte, von hellerem Teint und edlerer Miene. Doch horch! welch Wehegeschrei, welch Angstgewiminer. Da stürzt ein roher Frohnvogt einher mit geschwungener Peitsche, eine Horde der armen Arbeitssklaven zu rascherem Werke anseuernd. Hageldicht fallen die Schläge aus die wunden Rücken und geschundenen Glieder von Hunderten. Dort, wo die Sonncnglut am heißesten, da liegen, sie wieder scharenweise ani Boden, zusammengebrochen unter der schweren Last der sclbstgefertigten Ziegel, die sie herbeigeschafft zum Denkmal des harten Tyrannen. „Wasser! Wasser!" laM ein armer Wicht. „Ein wenig Schatten nur!" stöhnt ein anderer, und schon nahen sie wieder, die erbärmlichen Schergen der Gewalt, die in ihrer Herzlosigkeit nicht einmal der Todeskamps ihrer Opfer abschreckt. Starr vor Schrecken und Staunen betrachtet unser Jüngling das ungewohnte Schauspiel. Man hat ihm das Pharaonentum bisher nur in seiner. glänzenden Außenseite gezeigt, jetzt schaute er nun mit eigenen Augen die gräßliche Kehrseite, all das Elend, all den Jammer, all die finstere Nacht und Hölle, die Hunderttausenden bereitet wurden, um das Glück und das Wohlleben eines Einzigen. zu ermöglichen. , Ter Zauberbann ist gebrochen, wie eitler Dunst sind die Worte des Oberpriesters verflogen. Er fühlt nicht mehr die llnzusriedenheit und Leere in seinem Innern, hastig fliegt er hin zu den Arme», teilnamensvoll fragend, zu helfen begehrend. Und seht nur. Wie sie sich um ihn drängen. am,. ^bie.Mhrerkoje; MnenkfiechMF

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