Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1904)
- Date
- 1904-01-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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' •v ' '■* J'4 Me L «^7^,—^zchWzo«N:W>xdeihbit .übtp qbsoM? nichts NDLMenbeS ergah.-r)., . .' y ./*'; -'?; K-MLL An demstlben Wend, etwas spättr, 'bemerkte aud) ber Kunstakademikcr Johann Jagielski mir der Heimkehr von Podgorze, daß in der Krakauerstraße mehrere Juden, welche mit Fingern nach ihm zeigten, ihm immer näher an den Leib rückten. Er bestieg eine Droschke, um sich der Verfolgung zu entziehen. Der Wagen wurde aber umgeworsen, dem bestürzten Jagielsü wurde der Hut vom Kopf geschlendert, und er selbst wurde mit Fäusten, Stöcken und Schirmen bearbeitet. Auch Jagielski gelangte erst nach geraumer Zeit, in Begleitung eines Poli'ciwachmannrs, zur Polizeiinspektion, wo er freigelassen wurde. Ber dem Zusammenlaufe wurden auch andere Personen niedergeworfen, gestoßen und geschlagen. Ryfke Stier und sechzehn Genossen, größtenteils Handwerksgesellen, hatten sich infolge dieser Vorfälle vor dem Strafgerichte in Krakau wegen öffentlicher Gewalttätigkeit und drei wegen Verbreitung falscher Gerüchte zu verantworten. Ryfke Stier wurde nur wegen Vergehens nach Paragr. 308 Str.-G.-B. zu vierzehn Tagen strengen Arrest, acht Angeklagte jedoch wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit zu schweren Kerkerstrasen von zwei bis vier Monaten verurteilt. ' Acht Angeklagte wurden freigesprochen. Rußland. Petersburg. Die Regierung bcrufung eines Rabbinerkongresses, tawaer Rabbiner beabsichtigt hatte. hat die Ein» den der Pulnicht erlaubt. Egypten. Kairo. Einer Blättcrmeldung zufolge haben zwei jüdische Firmen, Ernst Eassel und Suarez, die bisher.unbebaute, aber der Bewässerung unschwer zugängliche Ebene von Kom Ombo käuflich erworben, um sie in eine Zionisten kolo nie umzuwandetn. 30 000 Feddau (1 Feddau — 0,6 Hektar), wurden zum Preise t>on je 6 'Piastern (= 1,20 Jt.) erworben. ' Falls das Land im Laufe von zwei Jahren in befriedigender Weise urbar gemacht wird, hat sich die Regierung verpflichtet, das ganze übrige Gebiet, etwa 100000 Feddau zu demselben niedrigen Preise abzugeben. Es sind bereits Vorbereitungen getroffen zur Errichtung von Pumpwerken behufs vorläufiger Bewässerung von 20000 Feddau. Für die Bewässerung erhebt die Regierung für jedes Feddau im ersten Jahre 2 , tt, im zweiten 4 ,1t., im dritten 5 Jt, im vierten 6 Jt, dafür bleibt das Land diese vier Jahre steuerfrei: erst danach erfolgt die Erhebung einer geringen Steuer. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Am Sonntag Abend feierte der Verein „Montefiore" die Einwei hung seiner neuen Vereinslokalitäten. Ans diesem Anlaß hatte sich eine stattliche Anzahl der Freunde und Gönner des Vereins in dem großen Festsaale der Loge „Wler" cingefunden. Die Feier wurde mit dem von der „Freien Chorvereinigung" schwunghaft vorgetrazenen „S Schutzgeist alles Schönen" eröffnet. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. M. Horovitz die Festreden Ausgehend von den ergreifenden Worten unseres Stammvaters Jakob, mit denen er den Segen für die Kinder seines Lieblingssohnes eröffnet: „Der Gott, vor dem meine Väter gewandelt, .... er segne die Jünglinge", zeigie ■ ocr ehrwürdige Herr Redner, wie das neue Heim dem Vereine „Montefiore" sein eigentliches Ziel bedeute, wie diese Heimstätte besonders für die hier fremd weilenden Jünglinge ein kleiner Ersatz für das Elternhaus, ein Bindeglied zwischen Heimat und Fremde sein, eine Stätte, die sie immer loieder heranziehen und sie dem Gotte erhalten solle, vor dem ihre Väter, ihre Ahnen wandelten. — Als Aufgabe der Jugend bezeichnete Herr Dr. H. die Beherzigung des alten Weisenwortes, nach dem Schönheit mit Kraft, Reichtum mit Ehre und Alter mit Jugend gepaart sein müssen, um der Welt zur Zierde zu gereichen. Der Herr Redner ermahnte seine jungen Freunde — Herr Rabbiner Dr. Horovitz ist Ehrenpräsident des Vereins — zur Kräftigung ihres Körpers, dessen prächtigste Schönheit aber mit sittlicher Stärkung verbunden sein müsse, mit sittlicher Kraft gegen alle Verführungen und Verlockungen der Großstadt. Alle Wohlhabenheit, zu der ja jeder Mensch gern gereiche, müsse erlangt tverden nur auf dem Wege makelloser Ehrenhaftigkeit. Moderne Bildung sich zu erwerben, sei gewiß Pflicht eines jeden jungen Mannes, aber er dürfe dabei nicht den Boden des alten, überlieferten Judentums verlassen — so sei die Jugend mit dem Alter verbunden und so werde sich am besten das Sc'genswort Jakobs erfüllen. Mit dessen Ausruf: Heohs'fu — sammelt Euch! und einem Segenswunsche für de» Verein und sein ferneres Wirken an der neuen Stätte schloß Herr Dr. H. seine Rede. Nach einem stimmungsvollen Schlußgcsang lud sodann Herr S. Singer, der Präsident des Vereins, die Anwesenden zur Besichtigung der in: Erdgeschoß des Logenhauscs, Seilerstraßc 22, belegenen Vereinslokalitäten ein. Dieselben bestehen aus einem großen Unterhaltungs- und Restaurationszimmer, in dem -.Mpmj^uud- ' ... zwang'—.auei»«n?Lesezimmer> mit einer großen Zahl von TageSzeitungen und Zeitschriften unb einer höffentlichimmermehr-wachsendenHaudbibliothek ausgerüstet, und aus einem kleineren Schreibzimmer. Alle" Räume sind hell und luftig und aufs wohnlichste ausgestattet. Wir trennten uns von dem schönen „Montefiore- Heim" mit dem Wunsche, daß es dem wackeren Vorstand gelingen möge, sein bedeutungsvolles Werk in vollstem Maße Zu erreichen. Frankfurt a. M. Am Sonntag, den 3. Jan. beging der S'ynagogen-Chor der Israelitischen R e l i g i o n s g e s e l l s ch a f t eine Feier im Hörsaalc der Israelitischen Religionsgesellschaft, in dem eine Bühne und ein Flügel ausgestellt worden waren. Das umkränzte Bild des ersten Dirigenten, I. M. Japhet s. A., zierte die eine Wand des Saales. Die Feier wurde nur 6 Uhr mit dem durch Oberkantor Pessachowitsch würdig vorgetragenen Maariw-Gebete eröffnet, dem sich ein Willkommengesang des Chores anschloß. Alsdann begann das Festessen unter Teilnahme sämtlicher Mitglieder des Synagogen-Chores, des Vorsitzenden des Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschast, einer Deputation des Synagogcn-Komitecs und der Gemeinde-Beamten. Während der Tafel begrüßte der Präses des Synagogen-Chores die Gäste, gab einen kurzen Rückblick über die 50jährige Tätigkeit des Chores und schloß mit einem Hoch auf die Verwaltung und den Synagogen-Chor. Es folgten dann noch einige kurze Toaste. Nach Beendigung des Festessens um halb 10 Uhr, trat eine Pause ein, und der Saal füllte sich nunmehr mit ca. 350 zu den Ausführungen geladenen Gästen. Ein außerordentlich reichhaltiges, musikalischgesangliches Programm, unterbrochen von mehreren humoristischen Couplets und einem Einakter unterhielt das Publikum auss Best?. Besonders di? vom Dirigenten, Herrn Papperle, eingeübten, mitunter recht schwierigen Chöre, wurden unter nicht endenwollendem Beifall aufgesührt; es zeigte sich hierbei, welch' gute Wahl die Gemeinde mit dem jungen Dirigenten getroffen hatte. Um 2 Uhr morgens war das Fest zu Ende und verließen sämtliche Anwesenden mit großer Be. srledigung das Fcstlokal. W r e s ch e n. Ter hiesige israelitische K r a n k e n v e r e i » hielt heute unter Leitung seines Vorsitzenden, Kaufmann Hermann Ziegel, seine Generalversammlung ab, der ein Vortrag des Rabbiners Dr. Lewin voranging. Die Kasse hatte 234,65 Mk. Einnahme, 38,59 Mk. Bestand und 661 Mk. Sparfonds. Die Ausgaben für Unterstützung hiesiger und auswärtiger Arme, für Brennmaterial an Arme usw. belief sich auf 226,70 Mk., so daß außer dem S:ar° fonds ein Bestand von 46,54 Mk. bleibt. In den Vorstand wurden Hermann Ziegel (Vorsitzender), Sigismund PoUak (stellv. Vorsitzender), Bernhard Engelmann (Krankenvorsteher), Simon Grünwald (stellvertr Krankenvorsteher) und Louis Zlotnitzki (Rendant) wiedergewählt. Marienbad. Vereinsgründung. Am 13. v. Ms. fand hier die Gründung des Zweigvereines des „Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" statt, welcher den Namen „Ortsgruppe Marienbad und Umgebung" führt und die Aufgabe hat. die Zwecke des Hilfsvereines, sowohl den Einheimischen als auch den zahlreichen im Sommer hier anwesenden Fremden näher zu bringen, die Teilnahme für seine Ziele zu wecken und also dieser Bereinigung neue Kräfte zuzufahren. Bekanntlich will der genannte Verein, dessen Zentrale sich in Wien befindet, die materielle Lage der Juden in Galizien verbessern und ihr Kulturniveau nach Möglichkeit heben. Dieses Ziel soll durch Schaffung von Arbeitsgelegenheit, Errichtung von Hausindustrien und gewerblichen Fachschulen, Beschaffung billigen Kredites und Zuführung zur Landwirtschaft erreicht werden. Aus den Litteraturvereinen. Cüstrin. 1. Januar. Hier hat sich ein ,V e re in für jüdische Geschichte und Literatur" gegründet. In den Vorstand wurden gewählt als Vorsitzender Kaufmann I. D. Müller, ferner Kaufmann Siegmund Hartwig, Religionslehrer Haase, Dampfmühlenbesitzer Adolf Herzog und Kaufmann Siegftied Schwarz. Die Ausarbeitung der Bereinsstatuten wurde dem Vorstände übertragen. Prag, lieber ethnische Verschiedenheiten unter den I »den sprach am 22. d. M. Herr Prof. Dr. I. O e st e r r e i ch e r. Lehrer an der dritten deutschen Staatsraelschule in Prag, im Vereine zur Pflege und Verbreitung der jüdischen Wissenschaft. Ausgehend von den biblischen Chitäern und Amoräern. die in engster Berührung mit dem israelitischen Volksstamme standen und durch häufig wiederholte Kreuzungen die Reinheit der jüdischen Rasse beeinttächtigten, führte der Borttagende auch zahlreiche Beispiele aus der biblischen Erzählung an. wo auch Einzelne, wie Moses und Salomo durch eheliche Verbindungen mit Angehörigen anderer Nationen dem HandelSartittl nach Palästina, wo fle dmM tum aufgingen. I» dem Jahrhundert: ' JerusalemS war drr Hmi^ fich mitt L»! Religion auch dem jüdischen Bolksstamme anzusck. namentlich in Rom und zwar in den vorne aristottatischen Kreisen stark ausgeprägt, was d« genösstschen römischen Schriftstellern zu allerlei sath Bemerkungen Anlaß bot. Im achten Jahrh wurde durch die Entstehung des Chazarenreiche einemmale eine ganze Nattonalität fürs Jud gewonnen, wodurch natürlich dieGesamtheit des jü Raffencharakters in starkem Maße eine Beeinstv erhielt. Auch in Ungarn wiederholten sich nanu zur Zeit der ersten Regenten die Fälle gegenf, Verheiratung zwischen Juden und Magyaren in j, Zahl, so daß der ftomme König Ladislaus und ch seiner Nachfolger sich zu sttengen Maßregeln solche Eheschließungen veranlaßt sahen. In Sh und Portugal haben die Zwangstausen und dMn solchen Konvettiten entstandene Marranentune Prozeß der Bluwermischung ganz wesentlich gesör Interessante Details über die Entstehung. Wicklung, wie über den eigenartigen Kultus j Abessinien lebenden Falaschas und ihre Bezii zum Judentume bildeten den letzten Teil des gell Vortrages, dem alle Anwesenden mit gespannter merksamkeit folgten und der am Schluß lebhafte plaudiert wurde. Personalien. Frankfurt a. M. Am 12. Tewes, dem zeitstage seines großen Vaters, ist J.ustizrat7 Naftali Hirsch abgerusen worden. In der ' seiner Jahre hat Gott diesem Besten unter den r diesem Mann, den wir noch Jahrzehnte lang an wohl stillen, aber im Dienste der höchsten Meusck ideale tättgen Arbett zu sehen hofften, das Ziel setzt. Er ist ein wahrhaft großer Mensch gewefe denn ihm waren alle Voraussetzungen eine Entfaltung von Glanz und Prunk gewährt^ doch verharrte er in seiner sich stets gleichbleib Bescheidenheit; es verkörperte sich in seiner Pe letten erreia)ier Reinyeit oas Wesen eines Juden, eines Juden, der die Ausübung des in jedem Augenblicke seines Daseins als ein Maßstab seiner Handlungen im Auge hat, in Ideenwelt deshalb kein Raum vorhanden ist f Scheinwelt äußerer Ehren und für das gesahr Streben nach den Genüssen des Reichtums. Am 27. Ellut 5604 (1844) wurde Naftali in Emden geboren; bald darauf wurde sein Vater » Nikolsburg in Mähren berufen, um auch hier nur^N uige Jahre zu wirken; in unserem Frankfurt Boden, auf dem der universelle, geniale Geist son Raphael hirsch's s. A. das gewaltige Geb seiner Pläne ausbauen sollte, und hier lebte auchtß jüngster Sohn Naftali seine Schuljahre. Früh machten sich die bedeutenden Fähigkeiten des Kr bemerkbar. Er zeigte Lust zum Studium, bezog? l Universitäten Würzburg, Heidelberg, Tübingen j Berlin, studierte erst Philosophie, dann Juri: prüdes und promovierte in beiden Di.c'plinen. Rechtsa« geworden, ließ er sich in Frankfurt nieder. Er es nicht leicht, denn ein Rechtsanwalt, der mit Faser seiner Persönlichkeit im überlieferten Juden wurzelt, war damals noch ein ganz unbekanntes' Gerade Naftali Hirsch hat das unsterbliche Verdi« der Welt gezeigt zu haben, daß ein Jude mit 7 ttefer Ueberzeugungstreue in jedem Berufe voll' ganz dem jüdischen Gesetze und sich selbst tteu bb ' kann, wenn ein fester Wille ihn leitet. Eine tende jüdische und allgemeine Bildung, Bescheide nach außen und eine eiserne Festigkeit, verbundewp einer reinen, ungettübten Gesinnung im Innern ten Naftali Hirsch den Stempel einer verehr«) werten Persönlichkeit auf, und stets wird das, w«f beispielgebend gewirkt und in geistiger Arbeit!- schaffen, zum ewigen Andenken seines Namens s:x^ reich fortwirken. F r a n k f u r t a. M. Freitag, den 1. Jan. die irdische Hülle des Justizrats Dr. Hi zur letzten Ruhe gebettet. Herr Rabbiner Tr. Breuer, der Schwager ö vertraute Freund des Heimgegangenen, zeichnetzrli seiner Grabrede, häufig unterbrochen von übet ~ tigendem Schmerzesausbruch, das Charakter- Lebensblld Hirsch's. Anse Mijchpoth, w:au Zedokoh, ein Anwalt des Restes und ein Pr echter Menschenliebe sei der Verewigte gewesen^ wandelte in stillverborgenem Wandel mit se" Gotte, und so kam es, daß die weitere lichkeit kaum eine Ahnung davon hatte, mit unendlicher Weihe alle Prinzipien des Juden diesen Mann bis zur letzteu Wer seines W? erfüllten. Unendlich viel habe er in selbstloser r für die „Israelitische Religionsgesellschajt" (das < setz vom 21. März 1899, das der Religionsgesells^ die Rechte einer preußischen Synazogengemeinder lieh, ist nur seiner rastlosen Tätigkeit zu verdat und für die „Freie Bereinigung für die JnterD des orthodoxen Judentums" (er redigierte die SSf echkE -V.r- ... m . v--: