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Neue jüdische Presse · 1904-01-08 · Heft 1 (8.1.1904) · p. [Seite]

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 1 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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«ur^eMiir^>MMgM>aß-die hen Steuerzahler, Juden und Christen, den Anspruch aus ein Land erheben, für welches große Opfer an Blut und Geld gebracht haben, en das erste Anrecht auf diese Strecken, die ei von Eingeborenen, hoch gelegen, gesund, Quellen und Waldungen sind, zum Teil bereits englischen Gesellschaften zugesichert fn. t es aber außer diesem Teile noch andere riche, die ehrlicher Weise zu einer Ansiedelung |<mdj nur 100000 Juden angebotcn werden i? Gilt dies namentlich von den in Aussicht limenen Strecken, welche, wie er erfahren habe, bestens 300 Meilen von der Eisenbahn entmüßtcn? Daraus müsse er mit einem entenen. „Nein " antworten. Kn solchen Fragen, wo ks sich um das Wohl und von Tausenden handle, dürfe man weder noch herzlos sein. Es wäre ein Himmelschrei- Unrecht, Juden aus Rußland, Rumänien, reich bloß der Form halber, um einen Staat den, in eine wasscrlose Wüste, in eine Gegend fiebererzeugendeu Sümpfen oder in solche riche zu bringen, die von Negern bewohnt sind, unter keiner Bedingung in ihrem Eigentum rächtigt werden könnten oder dürften, die ihnen auch von der englischen Regierung verbrieft zugesichcrt seien. Man dürfe nicht vergessen, ^Mritisch-Ostafrika ein „Protektorat" ist, d. h. guter englischer Schutzherrschaft stehendes Land, absolutes Eigentum der englischen Regiesei, über welches sie nach freiem Gutdünken gen könnte. Ein Versuch, diese Negerstämme aus Besitz gewaltsam zu verdrängen, würde einen ren, ungerechten und blutigen Krieg nach sich den die englische Regierung gewiß nicht hmen würde. Gegen die dort wohnenden krichen Stämme der Galla und Somali habe Eng- Misher auch nicht viel ausrichten können. Venn die gesamte JUdenheit ungeheure Opfer und Menschen bringen wolle, könnte sie ht eine Siedelung von wenigen Glaubcnsgcdort durchsetzen, aber dann frage es sich, Erfolg diese Mühe wert sei? 8äre er (Redner) ein Jude, so würde er sich aus ientalen sowohl, als auch aus praktischen Grüneiner Siedelung in Ostasrika mit aller Macht Hetzen. Wäre er ein Jude, so würde >Iz sein, einem Volke mit einer so fartigen Vergangenheit und einer Eigenartigen Geschichte anzugeen, und diese seine Anhänglichkeit Jpr jüdischen Geschichte und an ihrer Wangenheit würde ihn dazn bestim- E Zeit und Geld einzig und allein ius zu verwenden, einen Staat in istina und Syrien Wiedererstehen essen. weit er sehen könne, stehe Nichts im Wege, der Sultan seine suzeränen Rechte in einem ^-palästinensischen Gemeinwesen bewahre. Wenn! die Zeit der Auflösung des türkischen Reiches aen sei, dann werde Europa bestrebt sein, ategrität, Unabhängigkeit und Neutralität von zu garantieren. England würde unzweifcl- :/^die Schaffung eines unabhängigen jüdischen ■fä auf dem Wege zwischen Egypten und Indien Wympathie begrüßen. ^ier könnte heute Vorhersagen, welche Folgen ückkehr der Juden nach dem Lande, das sie ausenden von Jahren so berühmt gemacht hat, sich ziehen können? „Man lasse den Juden Jerusalem zurückkehren, und er gewinnt seine ängigkeit, seinen Mut, seinen Stolz und seine ächtung wieder und wird unzweifelhaft einen gen Einfluß auf die Zivilisation der Menschsüben." haben zu dieser Rede zu bemerken, Sir on's Worte machen seiner edlen Denkweise alle sdoch befindet er sich mit seinen Anschauungen das Ostafrika-Projekt izn Widerspruche zu Anzahl anerkannterSachvcrstän- -, so z. B. des Bischofs von Uganda. ts aller Welt. Deutsch!«»». :ankfurt a. M. WarnuNZ. Tie Allianz ie Universelle in Paris ersucht uns um Aufder folgenden Zeilen: KmK^«Mich!t-nUh8PenchiMMni^WsagepWseKi,ÄP Südafrika zu erkundigen, da diese Gesellschaft beabsichtige, in diesem Jahre ca. 10 000 r u s s i s ch c Juden nach Südafrika zu schicke». Ter Allianz ist dieser H. Levinsohn völlig unbekannt und sie hat sich nie'mit diesem Entwürfe befaßt. Frankfurt a. M. G e n e r a l v e r s a in m - lung der Synagogen-GemeindeJsraclitische Religio ns gesellscha ft. Selbst Gegner müssen das ungemein rege Interesse, welches die Mitglieder der Retigionsgcsel.schaft in allen ihr Gemeinwesen bewegenden Fragen betätigen, rühmend anerkennen. Auch die gestrige Generalversammlung war ein beredtes Zeugnis für diesen überaus lebendigen Gemeinsinn, denn 321 Mitglieder — ein überaus hoher Prozentsatz — waren erschienen und folgten mit gespanntester Aufmerksamkeit den Verhandlungen, die von dem Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Wilhelm Hackenbroch, geleitet wurden. D-er Jahresbericht pro 1902/03 erwähnt des Heimgegangenen Herrn Jacques Snatich, der der Gemeinde für "ihre Unterrichtsanstalt 10000 JL und noch für die ihrem Patronat unterstehende Volksschule 20000 JL testamentarisch vermacht hatte, sowie des verewigten Herrn Justizrat Dr. Naftali Hirsch und brachte die Mitteilung, daß der Vorstand die Grundstücke Friedbergcr Anlage ö und 6 für den Preis von 380 000 JL angetanst habe, um an deren Stelle den Synagogen-Neubau zu errichten. Die neue Synagoge wirü 1000 Herren- und 600 Damen-Sitze — gegen 585 bezw. 370 bisher — fassen, also der gegenwärtigen Gesamtmitgliederzahl im vollsten Maße genügen. Der Verlesung des Berichtes schloß sich eine rege Diskussion über von Seiten mehrerer Mitglieder an den Vorstand schriftlich eingereichten Anfragen an. — Es folgte dann die> Wahl, in der Herr Louis Feist fast einstimmig in den Vorstand und Herr Emil Isaak mit 227 und Herr Dr. Israel Roos mit 207 Stimmen in den Ausschuß delegiert wurden. o. Aus dem Rodgau- Alts dieser Gegend gelangt nur selten eine Notiz in das Familien-Blatt. Es kann nämlich daselbst nur wenig jüdisches Leben pulsieren, da der Rodgau von Juden schwach bewohnt ist. So wohnen in Obcrroden, Jügesheim, Hainhausen etwa je 1 bezw. 2 Familien. In dieser Gegend ernährt man sich zumeist vom Vieh- und Hausierhandel. In Weiskirchen befindet sich eine Leine niedliche Synagoge, worin allsabbatlich durch einen Privatmann Gottesdienst abg:halten wird. Man huldigt im allgemeinen in dieser Gegend noch einem strenggläubigen frommen Sinn, und sieht man an Sabbat- und Festtagen die Israeliten bei Hitze und Külte aus den Filialen zur Synagoge pilgern. Wie oft auch schleppt sich der inüde Handelsmann am Taanis fastend und kasteiend von Haus zu Haus seine Ware anbietend. Hier und da ist denn auch ein kleiner Zuwachs durch Zuzug, durch Heirat, durch ein sonstiges frohes Ereignis in den Gemeinden zu verzeichnen und bei diesen Gelegenheiten sieht man auch jüdisches Leben sich entfalten. Aus der Pfalz. Unterschlagung. Ter 31 Jahre alte, aus Wcstheim gebürtige Bezirksamtsoffistant Karl Eßwein in Pirmasens hat sich, laut „Pirmas. Ztg.", seit einigen Tagen entfernt. Er soll die Kasse der israelitischen Kultusgemeinde durch Unterschlagungen im Betrage von über 1100 JL geschädigt haben. Berlin. Die „Mitteilungen" .des Deutsch-Israelitischen Gemeindebund e §', Heft Nr. 61, bringen folgende interessante Tatsachen: Das preußische Ministerium des Innern empfiehlt amllich die Fürsorge-Erziehungs- Anstalt des genannten Bundes in Plötzensee für israelUische Mädchen den Provinzial- und Kommunalbehörden behuss Unterbringung entsprechender Fürsorge ^Zöglinge. Damit hat auch die zw.ite der von dem Gemeindebunde ressortierenden Anstalten den Rang einer von der höchsten preußischen Verwaltungsbehörde anerkannten Zentralstelle erlangt, was wohl von-keiner anderen jüdischen Anstalt gelten dürfte. Ja, noch mehr, auch die Kgl. Württembergischen und Großhcrzoglich Hessischen Ministerien des Innern sind hierin dem Beispiele des preußischen Ministeriums gefolgt. Tatsächlich haben die Anstalten in Repzin und Plötzensee — wenigstens bei einem Teile ihrer Zöglinge gute Ergebnisse aufzuweisen: einige Knaben konnten in Lehrstellen bei'Handwerkern, einige Mädchen im häuslichen Dienst untergcbracht werden. Allerdings stößt das Kuratorium bei Unterbringung von Knaben auf große Schwierigkeiten. Es wäre zfl wünschen, daß es hierbei bei dem jüdischen Handwerkerstande und den silbischen Gutsbesitzern größeres Entgegenkommen fände. Die jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee hat sich in erfreulicher Weise weiter entwickelt; die Frequenz ist auf 80 Mann gestiegendie in ausreichender und gewinnbringender Weise beschäftigt werden. Die hohen -Staatsbehörden haben, MK ... i.r*. süfb W?Y Tr. Zivier und der Großlogc des U. O. B. B. für Teutschland hat der Ausschuß die Begründung eines allgemeinen A r ch i v s d e r d c u t s ch c n I u d e n in Aussicht genommen. Ein erfreuliches Zeichen des Vertrauens, das der Bund genießt, ist die Tatsache, daß Herr Stadt- und Bezirksrabbincr Tr. itzt ich a e l Silbe r st e i n in Wiesbaden u n d s e i n c Fr ä » Gemahlin ihm ein Kapital von 30000 Mk. für eine milde Stiftung zu Gebote gestellt haben, die in ihrem Hauptbestandteil als Stipendienfonds für Studierende bestimmt ist, während mit dem Rest allgemeine wissenschaflliche und kulturelle Zwecke gefördert werden sollen. Um Jrrtiimer zu' vermeiden, müssen wir nachdrücklich hervorheben, daß die Stiftung erst nach dem Ableben des verehrten Tonatorenpaares in Kraft treten wird. Adels hei in, 3. Jan. Dem Bürgerausschuß wurde mitgeteilt, daß die Rothschildsche Stiftung in Frankfurt von der Erbauung einer Lungenheilanstalt am hiesigen Platze absehen wolle, wenn die Stadt 38000 JL Entschädigung für aufgewandte Arbeiten usw. bezahle. Ter Bürgerausschuß lehnte dieses Ansinnen ab. Mülhausen. Die st ä d t i s ch e Gehaltszulage des Rabbiners. Tie Regierung hat verfügt, das; die Gehälter der katholischen Vikare sowie die Gehaltszulagen der Pastoren und des Rabbiners, die unser sozialistischer Gemeinderat bekanntlich gestrichen hatte, auszuzahlen und die betreffenden Ausgabeposten in das Budget der Pflichtausgaben einzusetzen sind. Schwerin a. W. (Schächten erlaubt.) Stach der bisherigen Schlachthofordnung war im städtischen Schlachthofe das Schächten verboten. Nunmehr hat die Polizeivcrwaltung eine dahingehende Bestimmung erlassen, daß bei dem nach jüdischen Ritus zu schlachtenden Vieh die Betäubung unterbleiben darf. Königsberg. Ter Vorstand der Synagogengemeindc gibt.bekannt: Aus den Zinsen eines der hiesigen Synagogengcmeinde zur Verwaltung übergebenen Legats des am 14. Februar 1875 Hierselbst verstorbenen Herrn Schirach Sternberg soll im nächsten Jahre eine Verwandte des Herrn Sternberg eine Ausstattungssumme von 600 erhalten. Wir fordern hierdurch berechtigte Verwandte auf, sich bis zum 31. Januar 1904 schriftlich bei uns zu melden und den Nachweis der Verwandtschaft, der Bedürftigkeit und der bereits erfolgten Verlobung beizufügen. Die Auszahlung der Ausstattungssumme erfolgt erst nach beigebrachter Bescheinigung der standesamtlich erfolgten Eheschließung, welche aber spätestens bis zum 31. Dezember 1904 vollzogen sein muß. Falls sich. Verwandte des Herrn Siernberg nicht melden sollten, können auch Verwandte der Frau Adelheid Sternberg, geb. Zacharias, berücksichtigt ' werden. Oesterreich-Ungarn. Brünn. Die Jüd. Volksstimmc beginnt mit einer Aufzählung der in Brünn wohnhaften ge-, -tauften Juden. Die interessante Liste lautet: Hochschulprosessor Tonall;, Hochschulprofessor Hönig, Oberfinanzrat Hatschek, Dr. Moritz Schratter,' Advokat, Landesgerichtsrat Bock, Landtagsabgeordncter Paul Hayek, Doktor Moritz Ehrlich, Advokat. Tcehändler Mandl — Rene Strakosch, verehelichte Freyschlag, Charlotte Tischler, verehelichte Baumeister Jelinek, Dr. Adols Stransky, Advokat, Dr. Ehrenfeld, Chemiker, Dr. Ernst Engl, Advokat, Dr. Kunn, Hochschulddozent, Hugo Herz, Untersuchungsrichter, Landesgerichtsrat Kuhn, Dr. Husserl, Auskultant, Dr. Wolf, Sekretär des Landesausschusjes, Tr. Fritz Eisler, Gerichtssekretär. Krakau. Gerüchtc und ihre Folgen. Unter dem Eindrücke der Kischinewer Greueltaten, verbreitete sich im verflossenen Sommer bei den unteren Schichten der hiesigen jüdischen Bevölkerung das Gerücht, daß an jüdische Kinder vergiftetes Zucker werk vertellt werde. Die Erregung steigerte sich noch, als die geistig nicht ganz normale Trödlerin Ryfke Stier behauptete, daß ihr Kind vergiftetes Znckerwerk in einer Papierhülle gefunden habe. Ms nun am 9. Juli v. I. abends die beiden Maler Konrad Krzyzanowsli und Eduard Trojanowski das Judenvicrtel in Kazimierz passierten und sich in die Josesgasse begaben, um die altertümliche jüdische Synagoge zu besichtigen, stießen sie auf eine Gruppe jüdischer Kinder, denen sie zulächelten, ohne sich jedoch aufzuhalten. Bald darauf vernahmen die Maler Lärm und sahen, daß sie von einer Judenmcnge verfolgt wurden, «ie wurden eingeholt und umringt. Einer der Verfolger stürzte sich auf Trojanowski und versetzte ihm einen wuchtigen Schlag gegen die Brust. Ter Maler wurde an Händen und Füßen gezerrt, geschlagen und zu. Fall gebracht. In der Menge vernahm man Rufe: „Sie haben unsere Kinder vergiften wollen"; erst nach zehn Minuten kamen Polizeiorgane herbei, welche die Ueberfallenen aus den Händen der Menge befreiten. Die .. , .KMaler-tourdenTaufAl ollKWWssMü°ÄeVrÄht,^wo sie/einer -LeibeWI ISS DM! DM tilßl, .teHjfi* ML'- -.HMr

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