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Neue jüdische Presse · 1904-01-08 · Heft 1 (8.1.1904) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 1 (8.1.1904)
Date
1904-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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j *r >** . *"*?’■’ „<-*„ /Ttöv '.'. -*-aÜifcv» st--^ -C.1 **f 7^,^-gr. *frii-Wtzix'istst-stst Wir--? Diese Zeitung erscheint jeden Freitag. Sämtliche Postanstalten des In-undAuslandes, sowie die Geschäftsstelle des Frankfurter Israel. Familienblattes in Frankfurt a. M. nehmen Abonnements- Bestellungen schriftlich und mündlich entgegen. (Abonnementspreise siehe Schluß des.redaktionellen Teiles). MedaKtion imd GeschäftsDette: Srankfurt a. m„ lKergerftraße 25, parterre. -S-äS-J.— GeraftKgeSep: Kalg Geis. Jnsertionspreise: Die viergespaltene Petitzeile.25 Pst Die Reklamezeile.100 Stellen-Angebote und -Gesuche die Silbe 2 Beilagen: Das Tausend Mk. 5.— bis Mk. 8.—. Ro. 1. 2. Jahrgang. Freitag, den 20. Veves 5664 (8. Januar 1904). Ro. Londoner Brief. London, den 4. Januar. Die Hazefiru in Warschau hatte die Nachricht gebracht, - die englische Regierung habe ihr Anerbieten eines Territoriums in Uganda wegen der heftigen Opposition der russischen Zionisten zurückgezogen. Indessen ist im hiesigen auswärtigen Amt nichts davon bekannt, Nach Erkundigungen, -die der Fewish Chronicle dort eingezogen hat, steht die Sache noch so, wie -sie nach . den Verhandlungen des letzten Sommers gestanden hat. Die britische Regierung erwarte die Antwort der Zionisten auf ihr Anerbieten. Sehr ermutigend sind die Ausführungen einer ostafrikanischen Zeitung, des East Africa and Uganda Mail. Dieselbe hofft, daß die Mitglieder der modernen Zionistenkommission, aus lauter Kalebs und Josuas bestehen würde, die ihren leidenden Brüdern die Botschaft heimbringen würden, das Land, das sie durchzogen hätten, sei ein gutes Land, fließend an Milch und Honig und wenn der Herr es wolle, wird er sie dort hinbringen und ihnen das Land geben. Und in der Tat, die schlimmen Nachrichten, von neuen bevorstehenden Exzessen in Kischinew nötigen uns Juden, auch nach einem Strohhalm zu greisen, der uns vielleicht vor dem.Ertrinken rettet. Man hält diese Befürchtungen hier nicht für unbegründet. Ein gemeinsames Komitee der großen hiesigen ösfen lichen Bereinigungen, welche sich das Wohl ihrer Glaubensgenossen in und außerhalb des Landes angelegen sein lassen, bas Board of Deputies und die Anglo- Jewish'Association ist zusammengetreten. Man will versuchen, durch Vermittelung des auswärtigen Amtes Und der englischen Konsuln, Schritte für die bedrohten Glaubensgenossen zu tun. Ein gleiches Vorgehen ist schon von den einflußreichen Juden Amerikas geplant. England und Amerika sollen gemeinsam der Anwalt für die Unglücklichen sein. Ob die Regierungen sich dazu verstehen werden und wenn wirllich, ob sie einen Erfolg erzielen, scheint sehr zweifelhaft. Mer vielleicht trägt die Publizität, welche die geplanten Greuel hierdurch erlangen, dazu bei, das Unheil noch einmal zu verhüten. In meinetn vorigen Briefe erwähnte ich die Suppenanstalt, dazu bestimmt, dem schlimmsten Elende im East End zu steuern. — Ein Institut ganz anderer Art, welches einen freudigeren Aus- , blick in die Zukunft eröffnet, ist die sogenannte Ghettobank, eine Zweiganstalt der International Bank os England, welche direkt für die im Ostend wohnende fremdbürtige Bevölkerung eingerichtet worden ist Hier kommt man den Bedürfnissen der nur den sogenannten Jargon sprechenden Juden in jeder Weise entgegen. Hier werden die kleinsten Summen als Sparguthaben angenommen. Kinder bringen ihre ersparten Penikies, Erwachsene ihre im Schweiße ihres Angesichtes erworbenen Schillinge. Me.Bank vermittelt die Sendungen an die Angehörigen in der allen Heimat. Rührend ist es, oft zu sehen, wie oft Männer, deren Gesichter die stumme Sprache des Hungers und der Entbehrung reden, den ersten sauer erworbenen Arbeitslohn schon zum großen Teil heimsenden, um'die noch daheim zurückgelassene Familie vor größerem Elende zu bewahren. . Die Bank besorgt auch Uebersahrtsbillets für durchwandernde Emigranten und hat schon viele vor der Ausbeutung durch, gewissenlose Agenten geschützt. den Wohltätigkeitsgesellschasteu für Versammlungen und Sitzungen zur Verfügung. Wer damit der geehrte Leser nicht ineine, die gesamte öffentliche Tätigkeit gehe hier zu Lande auf in der Sorge für das unglückliche Ostend, will ich noch von einem sehr beachtenswerten und auch für Deutschland nachahmenswerten Unternehmen berichten. Es gibt hier eine Jüdisch-Historische Gesellschaft, welche gemeinsam mit einem ähnlichen amßrikanischen Verein eine Reihe von Biographien der großen Männer der jüdischen Bcrgangeiih.it herausgibt. Eine solche des MoimonideS ist schon erschienen, weitere Arbeiten Josephus, Raschi, Juda Hatevi behandelnd, sind im Druck begriffen. Sie sollen dazu dienen, das Interesse für unsere erhabene Vergangenheit in den Kreisen der vielfach dem Judentum entfremdeten gebildeten, nur englisch sprechenden Juden von neuem zu erwecken. Eine offizielle Enquete über die Lage der russischen Juden. Wie bekannt, forderte der russische Minister des Innern behufs Vereinfachung der vielgestaltigen und buntscheckigen Gesetze, welche die Verhältnisse der Juden in den verschiedenen Gouvernements regelten^von den 15 Gouverneuren der von unseren Glaubensgenossen bewohnten Provinzen, ausführliche Berichte ein, über ihre äußeren und inneren Verhältnisse. lieber die Ergebnisse dieser Ermittelungen können wir folgende interessante Einzelheiten Mitteilen : Der Gouverneur von Wilna erörtert in einer großen Denkschrift die Mißstände, welche durch das zusammengedrängte Wohnen der Juden und durch ihre Armut zu Tage treten. Durch den Ausschluß der Juden von den Universitäten und Gymnasien werde die Erbitterung gegen die bestehende Regierung vermehrt. Ter Gegensatz werde noch vertieft, durch diejenigen, welche sich auswärts die ihnen in der Heimat versagte Bildung erwerben. Ter Gouverneur bedauert es, daß man den Juden nicht gestatte, eigene Schulen zu begründen und beklagt die mangelnde Ausbildung der Rabbiner auf welttichem Gebiete. Den vom Staate angestellten, sogenannten Kronrabbinern, fehle wiederum die rechte theologische Ausbildung, und sie hätten deshalb nicht den geringsten Einfluß beim Volke. Die nicht offiziell anerkannten Rabbiner dürften nicht öffentlich fungieren und hätten keinerlei Gelegenheit, ihre Erziehung zu vervollkommnen. Der Gouverneur tritt dafür ein, daß man den Juden die 'Bildungsmöglichkeiten nicht länger verkümmere und daß man theologische Anstalten gründe, in denen modern gebildete Rabbiner für die Zukunft herangebildet werden könnten. Außerordentlich lehrreich ist ferner, was der Gouverneur von Ekaterinostaj über die Versuche mit jüdischen Ackerbaukolonien in seinem Gouvernement berichtet. Er übt an dem bisherigen Verfahren eine scharfe Kritik. Tie Versuche seien bisher vielfach daran gescheitert, daß man den Juden nicht genügend Land zugewiesen habe. In den Kolonien, die er besichtigt habe, habe er gesunden, daß die Bebauung so gut war, wie man nur erwarten konnte, und daß \ die Juden alle Arbeit allein besorgten. Deswegeck glaubt er, die Lösung der Judenfrage könne erleichtert werden, wenn das System der Ackerbaukolonien besser organisiert würde und in Ter Gouverneur von Cherson bemerk: Die! hätten anfangs die Ackerbaukolonien gemieden,^ nach Verbesserung der Methoden sei. der Plaitz' ihnen populärer geworden. Im Jahre 1880 H schon 68»o und 1893 gar 75 »o der jüdischen BelD rung seines Gouvernements bloß mit AckerbaDfl schäfttgt gewesen. 19 Proz. verbänden Handelsutz^ mungen mit der Bebauung des Landes, wäh nur in Handwerk und Jndustye beschästtgt ge« seien. Da indessen der Kamps um die Existe« den letzteren Berufen immer schwerer werde, fM bei der jüdischen tvie bei der christlichen Bevölke ' das allgemeine Bestreben erkennbar, zum La« zurückzukehren. Ter Gouverneur von ChersonM keinerlei Zweifel d arüber, daß die Inden füp^, Ackerbau befähigt seien. Er ist der Msinung^ ihre Bemühungen in dieser Richtung ermutigt A den sollten. Dieser letzte Bericht ist umso bemeD werter, als der Gouverneur von Cherson wegen seiner stark anttsemitische» Haltung kannt war. Das 2 ftafrika-Projekt hält noch immer das Interesse der weitesten J scheu Kreise tn Spannung. Es hält schwer, fid den vielen Für und Wider heraus ein Urty bilden, besonders, da man nicht weiß, wo ol tive, sachgemäße Üeberzeugung subjektive Politiktreiberei den Wortjj Richtung gibt. Auf jeden Fall dürste aber einH trag, den Sir Harry H. John-ston, der Here Gouverneur von Ostafrika un Erste, der dieses Land als für Europäer geL bezeichnet und beschrieben hat, aufmerksame Beacl beanspruchen. Die wesenllichen Teile dieses Borttages, 19. Dezember im Great Centtal Hotel zu La vor der Elite der englisch-jüdischen Gesellschaj halten worden ist, lauteten: Die Zeit sei gekommen, wo man die Aus« Englands auf diejenigen beschränken müsse, die ] im Lande ansässig sind. Es sei unmöglich^ Zahl ohne Gefahr zu vermehren. Alle engs Juden, welche über diese Frage reiflich nachg hätten, seien zu der Üeberzeugung gelang nicht daran gedacht werden könne, in, für zwei oder drei Millionen Juden, die Regierungen durch Gewaltmaßregeln unterdr zur Auswanderung gezwungen würden, ein Heh schaffen. Momentan seien nur zwei jüdische Ansiedelungen in Betracht zu ziehen: Ost und Palästina. Als die englische Regierung vor einigen Mo angegangen wurde eine Seßhastmachung von in Ostafrika zu gestatten, gab sie eine vc lierte Zustimmung zu vorläufigen Schritten, ternommen werden sollten, um überhaupt die! einer solchen Siedelung zu prüfen. Alsbald sich eine starke Opposition dagegen geltend, daß i eine bedeutende Strecke Landes in der 91älj Eisenbahn auf jenen prächtigen Plateaus int] von Bictoria-Nyanza — von denen übrigens nur eine höchstens 20000 englische Quadro umfassende gläche auf europäische Kolonisten Anziehung ausüben könnte und auch einige zur Ansiedelung biete, nichtenglische» Kolonisten lassen werde. Es wurde der Wunsch m

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