Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 57 (11.12.1903)
- Date
- 1903-12-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. schule berücksichtigt werden, die sich aus dem Klavier oder einem anderen Instrument ausbilden. Die. Auszahlung des Stipendiums erfolgt am ö. Mai 1904. Bewerbungsgesuchc sind bis zum 15. März 1904 an den Unterzeichneten Senat, Berlin W. 35, Potsdamer Straße 120, cinzurcichcn. Ten Gesuchen sind beizufügen: 1. ein ausführlicher Lebenslauf, aus dem insbesondere der Gang der. künstlerischen Ausbildung ersichtlich ist; 2. ein Nachweis der Religion; 3. ein amtliches Bcdürftigkeitsattest; 4. von Schülerinnen der Hochschule für Musik «in Zeugnis dieser Anstalt darüber, daß die Bewerberin dem Studium der Gesangskunst bezw. der Jnstrumentalkunsr an der Hochschule obliegt. Berlin, den 2. Dezember 1903. Der Senat der Königlichen Mademic der Künste, Sektion für Musik. R a d e ck c. Berlin. Tie Tätigkeit des Deutsch-Israelitischen Eemeindebundes für die Erziehung jüdischer Fürsorge- Zöglinge erfreut sich immer größerer Anerkennung von seiten der Staatsbehörden. Das Preußische Ministerium des Innern hat, wie schon früher dieKnaben-Erziehungsanstalt zu Repzin, so auch jetzt die Fürsorgc-Erziehungs- Anstalt für Mädchen in Plötzensee bei Berlin den Oberpräsidentcn und Communalverbänden für die Unterbringung entsprechender Zöglinge bekannt gegeben Ebenso hat das Grobherzoglich HessischeMinisterium des Innern den Ausschuß des Gemeindebundes als Behörde für die Unterbringung jüdischer Fürsorge- Zöglinge den ihm untergebenen Instanzen bezeichnet. Berlin, 30. November. Am gestrigen Tage fand hier eine Sitzung des engeren Ausschusses für die Gesamtorganisation der Israeliten Deutschlands statt, die von einigen dreißig Mitgliedern aus den meisten Gegenden des Reiches besucht war. Diese Sitzung führte zu einem entscheidenden Ergebnis. Fünfstündige Debatten, an denen sich auch Landtagsabgeordneter Zustizrät Eaflel beteiligte, überzeugten die Anwesenden von der Notwendigkeit fgr unsere Elaubensgenosien, ihre Sache nicht ausschließlich bestimmte^ politischen Parteien anzuvertrauen, sondern selber tn die Hand zu nehme», sowie den Grundsatz der Ocffcntlichkcit zu accepticren, schon damit jeder Verdacht geheimer ' Verhandlungen, Pläne und Uintriebe vermieden werde. Die von dem engeren Ausschüße vorgelegtcn Satzungen für die Eesaintorganisation wurden mit einigen unwichtigen Abänderungen angenommen und der engere Ausschuß mit der cndgiltigen Fasiung der Satzungen beauftragt. In einem der ersten Monate des kommenden Tages wird die konstituierende Delcgiertenversammlung der Israeliten Deutschlands einbcrufen werden. (Dieser Bericht klingt zicrnlich orakelhaft. Wir sind sehr neugierig, etwas Bcstiuimtcs über das entscheidende Ergebnis zu hören. Anm. d. 3ld.) w. Fritzlar, 8. Dezbr. Der israelitische Frauenverciii begeht nächsten Sonntag, den 13. d. Mts., das 60jährige Bestehen des Vereins. Aus diesem Anlaß finden neben einem Festessen, Theateraussührungen mit nachfolgendem Tanzvergnügen im Saale des Frankfurter Hofes dahier statt. Die ganze israelitische Gemeinde wird sich vollzählig an der Festlichkeit beteiligen. Leipzig. Die Israelitische Vereinigung Talmudthoraverein hat sich in der Keilstraße einen Betsaal eingerichtet, welcher demnächst in Benutzung genommen werden wird. Der Saal nimmt die Höhe des'Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses ein, während -darüber eine Schule - des Vereins eingerichtet werden soll. Hamburg. Das Schwurgericht verurteilte den früheren Oberarzt des israelitischen Krankenhauses, den Millionär Doktor Hagcnow, wegen wissentlichen Meineides zu 18 Monaten Zuchthaus und drei Jcchren Ehrverlust. Der Angeklagte hatte mit seinem Dienstmädchen intimen Verkehr gepflogen und dieses/ als es die - versprochene Geldsumme forderte, wegen Erpressung denunziert. Hamburg. Ein Teil der wertvollen Rothschildschen hebräischen Bibliothek Frankfurt a. M. ist nach Hamburg gekommen. Frau Baronin Wilhelm v. Rothschild - hat aus dem Nachlasse ihres verstorbenen Gatten, des Herrn Baron Wilhelm v. Rothschild, dem hiesigen Klausinstitut (in der Petcrstraßc) 120 Bände äußerst seltener hebräischer Schriften gespendet, ©e Bibliothek hat in einem besonders hierzu angefertigten Schranke im Lchrsaale des Instituts Ausstellung gesunden. Die Verwaltung hat ferner beschlossen, daß der Name des Spenders sowie sein Sterbetag im Memorial des Instituts zum ewigen Gedächtnis eingetragen werden. Stratzburg, Das Wahlresultat der israelitischen Konsistorialwahlen für den Bezirk Unterelsaß für 3 Mitglieder ist folgendes: Es sind gewählt: 1. Dr: Gustav Levy mit-1707 -Stimmen; 2. Jules Klein, mit 1679 Stimmen; 3. Mathieu Bloch mit 1148 Stimmen, also die bisherigen Mitglieder. Es hat ferner erhalten Aron Durlach 632 Stimmen und zersplittert waren 34 Stimmen. ■ Stargardi.Pommern. Der antisemitische R e i ch s t a g s a b g e o r d n c t e Pastor a/ D. Kr ö s e ll hat den' Rittergutsbesitzer von' Derenthall w^ek einer.blM'Liebesleben des Göhftsmännes 6e>j Whrenden' ÄchrßeruNg verklagt. Bot ^dem'tschöffen^ Prkcht beaüträM Krösell'db'ft "AnUschlüH T» er Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Oefsentlichkeit, weil alle seine Prozesse für die Judcnpresse wahre Orgien seien und die Berichte dieser Presse über seinen Prozeß zu einer Verwüstung des Volksbewußtseins führen müßten. Kroscll selbst gab in dem Prozeß den intimen Verkehr mit seiner Wirtschafterin zu. Er habe sich, sagte Herr Krösell, in dieser Person leider getäuscht und nicht gewußt, daß er cs mit einer geschiedenen Frau zu tun habe. Dann habe er gehandelt, wie es einem Pastor zukomme, und sie aus dem Hanse gewiesen. 4!ach einer eingehenden Rücksprache mit einem über ihm stehenden Amtsbruder habe er das heilige Abeudmahi empfangen, und damit sich dieser Sünde ledig gefühlt. Sein Pfarramt habe er freiwillig nicdergelegt, und als er aus dem Dienst geschieden sei und sich bei seinen Vorgesetzten Pötter und Richter verabschiedet habe, habe der eine geweint und der andre ihn umarmt. Pastor Krpsell hat sich mit seinen Worten die beste Charakteristik gegeben. Oesterreich-Ungarn. Wien. Das Olmützer tschechische Blatt „Pozor" berichtet einen eigenartigen Vorfall, der sich dieser .rage in Göding ereignet hat. Ein Dragoner des dort garnisonierenden Regimentes war schwer erkrankt und starb, nachdem er die letzte Oelung empfangen hatte. Der Verstorbene wurde beerdigt, noch ehe man dessen Eltern von dem Hinschciden ihres Sohnes benachrichtigen tonnte. Ms dieselben erschienen, wurde festgcstellt, daß dieselben Juden seien-und daß deren Sohn durch einen Irrtum die letzte Oelung erhalten hatte und nach tatholischem Ritus begraben worden war. Tie eingcleitete lintersuchung ergab, daß der verstorbene Dragoner beim Ncgiment irrtümlich als Christ geführt worden >var. Der an diesem Irrtum schnldtragende Wachtmeister wurde mit vierzehntägigem Arrest bestraft. Schweiz. Basel. Im hiesigen Zionistenvcreine „Misrachi" hielt am Sonntag, den 6. ds., Herr S. Schachnöwitz aus Endingen einen Bortrag über das Thema: „Unser Zionismns". Vom religiösen, humanitären und politischen Zionismus ausgehend erläuterte er das Programm des Misrachi, das, wie der Redner betonte, kein eignes Programm einer Sondcrpartei ist, sondern die. eigne jüdischtraditionelle Auffassung des Basler Programmcs ist. Die interessanten Ausführungen wurden von der Versammlung sehr beifällig ausgenommen. Frankreich. Paris. Die abermalige Revisiondcs Dreyfus-Prozesses scheint nun endlich eine beschlosteneTatsache zu sein/nachdem schon seitAionaten die Wahrheit endlich zur Geltung zu kommen versprach. Unerwartet ist das niemand mehr gekommen. In den Sitzungen des Abgeordnetenhauses vom 6. und 7. April d. I. hatten die dem Dreyfusismus treugebliebenen Sozialdemokraten unter Führung ihres parlamentarischen Obmannes Jaurvs an das Ministerium das Ansinnen gestellt, auf Grund verschiedener inzwischen nachweislich gewordener neuer Tatsachen eine Superrevision der 1899er Revision des Drehfus- Prozestes anzuordnen. Aus der Haltung des Kabinetts Combcs ging damals sofort unzweideutig hervor, daß dieses im Grunde die^Ansichten Zaurös' teilte, und das konnte nicht Wunder nehmen. Die Scheidung in Drehfusards und Antidrehfusards hat sich von Anfang an auf politischem, nicht auf juristischem Boden vollzogen. Auf der - einen Seite stehen seit der 1894er Erhebung der Anklage gegen Drehfus: der Antisemitismus, der Klerikalismus, die royalistisch - militaristische Reaktion; steht neben dem Judenhaß der Deutschenhaß, der Haß aus die Fremden und alles Fremde überhaupt, kurz das, was sich heute zusammcngefunden hat in der nationalistischen Parteivereinigung. Aus der anderen Seite stehe», nachdem die Altlibcralen zum Nationalismus und Klerikalismus übergcgangen sind, nur noch die sozialistischen Radikalen, unterstützt von einer kleinen Anzahl geistig sehr hochstehender Männer. General Andrö, als Chef der Armee, hatte in den erwähnten Aprilsitzungen des Abgeordnetenhauses, im 'Namen des Ministeriums unumwunden seine Bereitwilligkeit, ' die Liquidation der Dreyfus-Affäre' im Sinne des sozialistischen Flügels der Regierungsmehrheit vorzunehmen, ausgesprochen. Die Kammer aber, in der Besorgnis, daß doch die politischen Leidenschaften noch einmal erregt werden konnten, war der ministeriellen Austastung nur vorsichtig bcigetreten. Sie hatte sich weder für noch gegen eine äberrpalige Revision des Dreyfushandels ausgesprochen und nur die Bedingung gestellt, daß die Sache sich rein juristisch abspiclen müsse. . - Die Ansichten, was nun geschehen würde/ gingen damals weit auseinander. 'Die-Antidrehfusards vertraten die Austastung, daß die Negierung, die nicht die Macht besitze, ein neuerliches Uebergveisen der Affäre auf die Politik zu verhindern, auch nicht bas Recht habe, den Prozeß von neuem (vor -die Gerichte zu bringen. Die Drehfusards hingegen stellten sich ans den Standpunkt, daß dasKanüsiärPdtnni,trotzseinervori sichtigen' Fo'bm, '/diediLefte, Aufforderung aft die Mgieruüg enthalte/ endlich'bei /Gerechtigkeit , freie Bahn zu'schaffen. ' 1 Nr. 57. Dieser ganze Streit war aber nur theoretischer Natlfr. Die Frage war im Grunde von vornherein doch wieder eine politische. Der ganze Dreyfushandel hat von Anfang bis zu Ende von neuem bewiesen, daß in dem galloromanischen Gemeinwesen trotz der weltbürgerlichen 'Allüren, die es sich zu geben liebt, die „Staatsraison" den Machthabern, auf Kosten der Gerechtigkeit und der Humanität, allmächtig die Gesetze ihres Handelns diktiert. Hätte es in die polilitische Situation nicht hineingepäßt, einen nochmaligen Versuch zur Rehabilitierung des Drehfus zu machen, so hätte sich kein von der Unschuld des Ex-Hauptmanns n'och so fest überzeugter französischer Minister bereitgefunden, dem zweimal Verurteilten zu seinem Rechte zu verhelfen. Wie die Dinge schon im April lagen und noch jetzt liegen, war und ist aber das Gegenteil der Fall: Die politische Konstellation macht es der Regierung wünschenswert, dem Ex-Hauptmann die von ihm und seinen Freunden geforderte Genugtuung zu verschaffen. Die Sozialdemokraten, die sozialistischen Radikalen und auch der größte Teil der Radikalen wollen das, und tvasdiesewollcn, mußdieRegierungtun. Das Revisionsgesuch des Kapitain Drehfus ist dem Justizministeriunl am 6. November überreicht worden und der Justizminister hat angeordnet, daß die Nevifionskommissivn das Gesuch Prüft./ Rutzland. Warschau. Dem „Marsch. Dnewnik/ zufolge sollen die Bestimmungen hinsichtlich des Reifens ausländischer Inden im Königreich Polen von fetzt ab wesentlich verschärft werden. Jüdische Geschäftsreisende ausländischer Firmen werden auf den Zollkammern Aufenthaltsscheine kaufen müssen, die ihnen gestatten, nur ganz kurze Zeit iin Königreich Polen ihrem Geschäfte nachzugehen. Diejenigen Reisenden, die ihre jüdische Herkunst verbergen und einen solchen Schein nicht erwerben oder welche die in denr Schein vorgeschricbcne Ausenthaltszcit überschreiten, werden unverzüglich über die Grenze geschafft. Schließlich sollen die Konsense zur Erbauung neuer jüdischer Gebetshäuser und Schulen nur noch ganz ausnahmsweise erteilt lverden. Odessa: Bei aller Trostlosigkeit ihrer Lage hat den russischen Juden ein Gedanke Kraft und Hoffnung für eine bessere Zukünft bisher gegeben: nämlich die heutige russtscheiStudcntenschaft, die sich ganz besonders durch ihre liberalen Anschauungen und durch ihr seltenes Bildungsstreben auszeichnet. - ' Doch auch diese Hoffnung scheint eitel Schaum gewesen zu sein. In letzter Zeit ist an verschiedenen russischen Universitäten an die Gründung verkappt antiseniitischcr Siudentenvereine herangetreten worden. Zweck dieser unter dem Namen „Einigung ist Kraft" segelnden Vereine ist „sich geistig und moralisch aus gesetzlichem Boden zu entwickeln". Juden sind von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Afrika. Marokko. Madrid. 25. Nov. Der Rogi, wie der rätselvolle Kronbewerbcr jetzt allgemein wieder genannt wird, rückt laut Telegrammen aus Melitta von Tesa in der Richtung nach der nur von 400 Mann besetzten Burg von Ain-Sidi Mulluck vor, die Dörfer der Stämme, die sich kürzlich dem Sultan unterwarfen, zerstörend. Seine Anhänger, durch seine bevorstehende Ankunft ermutigt, stürmten die Burg, worauf sich die Besatzung über diefranzösische Grenze flüchtete. Die Bewohner des Fleckens erkannten den Kronbewerbcr als ihren Oberherrn an. — Haarsträubende Dinge wissen jüdische Flüchtlinge, etwa 100 an der Zahl, die in Lalla Marnia angekommcn sind, wie dem Heraldo von dort gemeldet wird, über das Treiben der lvilden Soldateska in Tesa zu berichten. Solange die Stadt durch die Parteigänger des Rogi besetzt gehalten wurde, habe die schönste Ordnung geherrscht, so daß alle den gewohnten Beschäftigungen und ihrem Erwerb hätten nachgehen können. Erst mit der' Ankunft der Sultanstrnppcn sei alles drunter und drüber gegangen. Nachdem sic bereits vorher alle Felder und Gärten der Umgebung verwüstet' hätten, seien sie gleich nach ihrem Einzug ins Mcllah (Judenvicrtel) cingedrnngen, hätten dort Frauen und Mädchen vor den Augen der Gatten und-Väter geschändet, die Läden völlig ausgeraubt, große Zerstörungen in den Häusern an Wänden, Decken, Möbeln, Wäsche nsw. angcrichtct, um verborgene Schätzezu suchen, und 13 Juden, die über den Verbleib angeblicher .Reichtünicr keine Auskunft gaben, ermordet. Menebhi. habe,- um' weitere Scheußlichkeiten zu verhindern, Geldbelohnungen für die Auslieferung feder Jüdin versprochen,/Hamit, die Sache aber-nur noch verschlimmert, da nun alle gewaltsama'ns den Häusern fortgeschleppt worden seien. Schließlich hätten, die Inden, die Fluchtdiesem furchtbaren Elend vorgezogen. Die algerischen Juden schicken sich, a,i, ihren unglücklichen Glaubensgenossen, die in wahrhaft kläglichem Zustand in Lalla Marnin angekommen sind. Hülfe zu leisten. Aus den Vereine«. - -Fr an kj nrt a.' M. Ekn zahlreiches,- .gutes Pnvkiftnn hätte sich''MiMMAveİW'g«oM'KaAle der Frankfurt-Loge vereinigt, ''üm' den PegÄstMen