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Neue jüdische Presse · 1903-12-04 · Heft 56 (4.12.1903) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 56 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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I Nr. 56. K- Seite 2. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Aus alter Welt. Deutschland. m. Rcichensachfeu, 29. November. Vorgestern wurde die hiesige neuerbaute Synagoge durch eine erhebende Feier eingeweiht. Herr Architekt August totzapfel aus Eschwege, der Erbauer des neuen otteshauses. übergab, nachdem der Festzug mit der vom Herrn Gemeindeällesten gestifteten neuen und sehr wertvollen Thorarolle an der neuen Synagoge angekommen war, mit passender Ansprache den Schlüssel dem Gemeindcültesten, Herrn Selig, der. ihn dem Landesrabbiner Dr. Prager aus Kassel überreichte. Hierauf betrat Dr. Prager das Podium, hielt eine Ansprache an die Versammlung und öffnete die Synagoge. Das Gebäude macht von aussen sowohl wie von innen einen überaus prächtigen Eindruck. Herr Dr. Prager hielt in der Synagoge eine Ansprache, worauf die Thorarollen ausgehoben und unter Gesängen mehrere Male in feierlichem Umzuge durch die Synagoge getragen wurden. Herr Kreisrabbiner Dr. Cohn - Eschwege hielt die . Festpredigt. Nachmittags und Abends beschlossen Konzert, Festessen und Ball in dem Döhn'schen Saale den Festakt. Das Kaiserhoch brachte Herr Dr. Prager aus. Stuttgart. Dcnr Neuen Tagblatt und General- Allzeiger für Stuttgart' und Württemberg wird geschrieben: Ueber die Juden in Jerusalem kommen mer.würdige Nachrichten, zugleich mit der Kunde, daß der Handel, besonders der Landhandel, der in den 80er Jahren flott gegangen war, fast vollstäniig stockt. Hierzu trägt in er,.er Linie der Umstand bei, daß sich die Juden Jerusalems? trotz der zionistischen Bcw gung, nicht mehr durch Zuzug ans dem Au.land vermehren, sondern vielmehr durch Wegzug an andere Orte vermindern. D:gegen dehnen sie m anderen Gegenden des Landes, besonders ander Küstenebene im Westen,- ihren Landbes.tz durch neue Ankäufe aus und legen ihn im allgemeinen landwirtschaftlich rationell und schön an. Im Lause des vergangenen Sommers hörte man, daß sie ihre Hauptcrwerbung auf ägyp.ischem.Gebiet bei Eltrisch, der Grenzfestung nahe an der palästinensischen Grenze, gemacht haben. Dort soll die englische Regierung ihren Wünschen bereitwilligst cntgegen'ekomm.n sein und ihnen ein sehr großes Land stück abgegeben Hab n. Dieses Landstück wird freilich mitten in der Wüste auch danach sein, so daß diese ackerbautreibenden Juden nicht weniger Schweiß und Fleiß wie die schwäbischen Kolonisten in Palästina aufzuwenden haben werden, bis der Boden ertragsfähig wird. Immerhin dehnt sich der jüdische Besitz , im Heiligen Lande, wenn auch langsam, so doch stetig aus; ein Beweis, wieviel Interesse doch das jüdi.che Volk noch für sein ehemaliges Heimatland hat. Uebrigens wollen die Jerusalemer Juden die hebräische Ssrache wieder zur lebenden Sprache machen; darum wird in Jerusalem viel Hebräisches gedruckt und g lesen. Diesem Zweck dient auch eine hebräische Wochenschrift, die im Schnellerschen Waisenhause zwar nicht gesetzt, aber gedruckt wird. Sie heißt Haschkawa, hat eine Auflage von 500—860 Exemplaren und möchte nicht nur in Jerusalem Leser finden, sondern auch auswärts zu Interessenten wandern. Lboruik. (Don der jüdischen Gemeinde. Stadtverordnetcnsitzungj. Kaum hat die jüdische Gemeinde,den Neubau ihres Gotteshauses mit einem Kostenaufwand von 14000 Mark bewerkstelligt, da harrten ihrer sibon wieder neue kostspielige Aufgaben. Seit einigen Jahren macht sich das Bedürfnis geltend, den Friedhof zu ordnen und zu «weitem, und schon sind wiederholt Gemeindenvertreter beim Besitzer des am jüdischen Friedhof grenzenden Landes mit Anlagen und Angeboten vorstellig geworden, jedoch ohne irgend welchen Erfolg zu erzielen. Das in Frage kommende, an sich geringwertige Land, ist für die Erweitemng des Friedhofes außerordentlich nötig, lvährend der Besitzer, Mühlengutsbcsitzer Dahlmann in Slonawy-Mühle, es leicht entbehren kann; deshalb hat die jüdische Gemeindevertretung beschlossen, diesem binnen acht Tagen entschiedene Vorstellungen zu machen und ihn um Ueberlassung einer Parzelle gegen einen angemessenen Preis anzugehen, wobei die Gemeinde in mehreren Punkten entgegenkommen will. Von der gerade in jüdischen Kreisen anerkannten ' Toleranz des Heim Dahlmann darf man erwarten, daß diese Angelegenheit zur allseitigen Zufriedenheit gefördert werden wird. Oesterreich-Uugaru. Wien, 24. Nov. In feierlicher Weise wurde heute Vormittag; in Gegenwart eines zahlreichen Pubtjlums in der.Kluckxgasse im 20. Bezirk eine von Dr. Arnold Hildesheimer gestiftete und vom israelitischen Volksküchen-Vercin errichtete neue Volksiüchr eröffnet. Die Erbauung der- Volksküche war durch eine Stiftung .von 60000 Kronen der -seither verstorbenen Frau Rosa Hildesheimer und durch die weiteren Beiträge des Sohnes der Verblichenen,' Dr. Arnold Hildesheimer, in der Höhe von 50 000 Kronen ermöglicht worden. Nach, der Eröffnung wurden ans Kosten der Familie' Hildetheimer-600 Personen ohne Unterschied der Konfession ausgespeist. Deutschkreuz. (Eine erbrochene Synagoge.) Hier wurde die Synagoge erbrochen und von den Einbrechemalles Wertbare gestohlen. Budapest. (S a b b a t r u h c d e r j ü d i scheu Klcintrafikanten.) Bis. vor kurzem war es dm Tabak-Kleinverschlcißem mosaischen Bekenntnisses gestattet, ihr Berkaufslokal am Samstag und an den jüdischen Feiertagen zu sperren,' wenn sie vorgesorgt hatten, daß in einem besonderen Lokale desselben Hauses Tabakfabrikatc, respektive Stempel feilgebotm wurden. Durch diese Verfügung waren sowohl das Interesse des Finanzärars, als auch die religiösen Gefühle der Bcrschleißorgane gewahrt. In jüngster Zell wurde jedoch diese seit der Einfühmng des Tabakmonopols in Ungarn bestandene Bestimmung der Tabakmonopols-Borschrist dahin geändert, daß die Kleintrofikanten, ohne Rücksicht aus ihre religiöse Ueberzmgung am Samstag ihren Verkaufsladen offen halten müssen. Diese Verfügung rief in den Reihen der konservativen jüdischm Tabakverschleißer große Bestürzung hervor. Es wurden Landeskonferenzen gehaltenem welchen beschlossen wurde, bei der Regiemng die Zurückziehung, respektive Modifizierung der neueren Verordnung zu erbitten. Am jüngsten Sonntag sprach nun der Verböer Oberrabbiner Reich beim Finanzminister Ladislaus Lukäcs vor. Der Finanzminister erklärte, daß er, falls die Interessen des Aerars durch die Zurückziehung der Verordnung keinen Abbruch erleiden, an derselben Nicht festhalten Werde; er werde eine Enquete einbemfen, in welcher sowohl die Interessen des Fiskus, als auch die Wünsche der Trafikanten mosaischen Bekenntnisses einer eingehenden Beratung unterzogen werden sollm. Szatmar. Die Wahltumulte hatten hier einen antisemitischen Anstrich, da die Juden den Ausschlag zu Eunstm Hieronymi's gegeben hatten. Mehrere Läden jüdischer Kanslmte würden geplündert und mn jüdischen Tempel wurden die Fenster eingeworfen.' , Schweiz. Basel. 'Wie man der „Pol. Korr." aus Genf berichtet, haben die von den Behörden unternommenen Schritte zur Eindämmung des Zuzuges von Studenten ans dem Auslands bereits, einen Erfolg gehabt. Seit dem heurigen Frühjahr waren von-verschiedenen Seiten Beso gni ss wegen de; Anwachs, ns der Zahl der ausländijcyen Studenten und Studentinnen an den Schweizer Hochschulen lebhafter geworden. Man erklärte es als eine Unzukömmlichkcit, daß an den Vorteilen der mit großen Opfern seitens der Schweiz erhaltenen Hochschulen nicht die Schweizer, sondern zumeist die Ausländer partizipieren. Ins-, besondere blldet in Genf das Schweizer Element eine ganz unbedeutende Minderheit an der Universität. Infolgedessen haben die Behörden Maßregeln ergriffen, um das Zuströmen ausländischer Studenten einzuschränkcn. Ms Wirkung derselben zeigt sich nun zum erstenmal, daß sich bei der Einschreibung für das Wintersemester 1903/04 an einigen Fakultäten die Zahl der ausländischen Studen'en sehr vermindert hat. Die Univcrsitätlbehörden haben begonnen, bei der Aufnahme eine strengere Kontrolle zu üb'n, indem sie von den fremden Studenten Zeugnisse übrr Vorstudien verlangten, welche den Schweizer Studienzeugnissen gleichwertig' sein muhten. Nach Genfer Blätlerberichten hat die Zahl der fremden Studenten an der dortigen medizinischen Fakultät um 50 Prozent abgenommen; ebenso hat sich in Lausanne tie Zahl der fremden Studenten sehr verringert. (Diese Maßregeln wenden sich selbstvsrst"ndlich in erster Linie gegen die russischen Juden. Anm. d. Red.) England. London. Oberst Goldsmid, einer der eifrigsten Zionisten, hat um seine Entlassung aus dem britischen Heere gebeten, und der König hat das Gesuch bewilligt. Oberst Goldsmid ist eben drei Tage der Gast des Königs auf Schloß Balm oral gewesen, wo der König ihm zum Abschied den Viktoria-Orden verliehen hat. Oberst Goldsmid ist viele Jahre lang in ersten Armtern in den englischen Kolonien Aftikas gewesen, hat als Generaladjutant der sechsten Division den südafrikanischen Feldzug mit Auszeichnung mitgemacht und hat nach seiner eigenen Angabe den Abschied nur genommen, weil die Beschwerden des Alters, — er ist 56 Jahre alt — ihm bald den Dienst unmöglich machen würden. Er ist Vorstandsmitglied der „Anglo Jewish Association", des „Vereins der Makkabäer" und Kommandant der jüdischen Jugendwehr. Rußland. Petersburg. Die Juden in Rußland. 21 Inden, die unter der Anklage standen, die Plünderung des Arsenals in Somel beabsichtigt zu haben, wurden drei Monate ans der Polizeistation sestgehalten. 24 andere Juden befinden sich immer noch in Haft unter der Anklage der Beteiligung an öffentlichen Unruhen. In der Verhaftung der Juden legt die russische Polizei einen außerordentlichen Eifer an den Tag. Als sich herausstellte, daß die am 14. September versammelten Juden keinen Angriff auf die Christen machten und deshalb nicht bestraft werden konnten, machte man den Versuch, diejenigen Juden zu verhaften, die angeblich an dem vorhergehenden Freitag an dem Tumult teilnahinen: Man suchte eifrigst nach Leisten, die behaupteten von Juden mißhandelt worden, zu sein, konnte aber keine finden. — Wie man den Juden das Leben in Rußland überhaupt erschwert, zeigt nachstehendes Vorkommnis: In dem Gouvernement Minsk waren die Häuser, der ' jüdischen Einwohner von Krasnoje - Selo niedergebrannt und die Juden sahen sich infolgedessen genötigt, in den benachbarten Dörfern Unterkunft zu suchen. Da das Gesetz den Juden verbietet, in, Ackerbaudistrikten zu wohnen, befahl der Gouverneur den obdachlosen Leuten, innerhalb Monatsfrist die Dörfer zu räumen. Vor dem Frühjahr können -sie nicht , daran denken, ihre Heimstätten wieder aufzubauen, und sie wissen tatsächlich nicht, wie sie unter diesen Verhältnissen die Unbilden des Winters -ertragen sollen. Kischinew. Nachklänge vom Judenkrawall. Dieser Tage hatten sich die Hebräer Kleimann und Margulis ans Grund der Art. 38 und' 31 des Strafgesetzbuches vor dem Friedensrichter zu verantworten. Am 20. April er. bemerkte Kleimann auf der Gostinnoja Straße neben seiner Bude ein Frauenzimmer, die Maria Telewka, die hebräische Kinder mit Naschwerk traktierte. Da zu jener Zeit das Gerücht zirkulierte, daß unter den hebräischen Kindern vergiftete Bonbons verteilt würden, ersuchten Kleiinann nnd sein Nachbar Margulis, um die sich sofort ein Haufe von Hebräern geschart hatte, den Schutzmann Pogorzelskt die Telewka zu verhaften oder sie zu zwingen, selbst von dem Naschwerk zu essen. Als der Schutzmann Margulis hierauf mit einer Grobheit entgegnete,. bat Margulis per Telefon um Beistand aus dem Polizeibureau, worauf. Pogorzclski sich endlich willig zeigte, die Telewka abzuführen. Im Polizeibureau erklärte der Schutzmann unerwarteter Weise, er habe die Telewka arretieren tvollen,. doch habe ihn Margulis daran zu hindern gesucht nnd ihn dreimal mit seinem Regenschirm ins Gesicht geschlagen. Diese Aussage wurde jedoch von den Zeugen nicht bestätigt. Der Friedensrichter sprach Margulis frei, den Kleimann aber verurteilte er für Verletzung der öffentlichen Ruhe nnd Ordnung zu einer Geldstrafe von 10 Rubel. - , („Nvw. Wr?) Personalien. Aus Hessen. Am 13. ds..feiern die Eheleute Js. Frankfurter und Bertha geb. Nohrheimer das Fest der silbernen Hochzeit. Nicht nur bei der jüdischen, sondern auch bei der christlichen Einwohnerschaft Heusenstamms erfreut sich der Jubilar und die Jubilarin einer allgemeinen Beliebtheit. Schon seit vielen Jahren wird er von den Mitgliedern, des Turnvereins in den Vorstand gewählt und wurde ihm das Kleinod des Vereins, die Fahne, anvertraut, die er auch bei den Turnfesten zu Hamburg' und wiederholt in Nürnberg vorangetragen. Herr Fr., begleitet ferner auch das Amt eines 2. Vorstehers in der Gemeinde, und verstand es, die Interessen der Gemeinde jederzeit aufs beste zu vertreten. Möge dem Jubelpaare einstens die goldene beschieden sein. Duisburg, 28. Nov. In der gestern von deu Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde vorgenommenen Vorstaudswahl wurden die Herren Siegmund Epstein und Julius Kaufmann als Vorstandsmitglieder gewählt bezw. wiedergewählt und Herr Dagobert Wolfs als Stellvertreter. G r u s s e n h e i m i. Oberelsaß. Hier feierten am 25. Novbr. im engeir Familienkreise die Eheleute. Jsaac und Henriette Geismar das Fest der goldnen Hochzeit. Das Jubelpaar, welches noch recht rüstig ist, erfreut sich lallgemeiner Liebe und Achtung und kam dieses so recht an ihrem Ehrentage zum Ausdruck. Prag. VorigeWoche verschied hier Frau Cäcilie Austerlitz geborene Graf, Gattin des allgemein verehrten Stistsrabbincrs ' Herrn Löw Austerlitz. Die Verblichene war eine Wohltäterin im wahrsten Sinne des Wortes. ,Sie war ihrem frommen Gatten eine treue Lebensgefährtin und Helferin, den Bedürftigen eine opferwillige Freundin und Wohlthäterin. Die allgeineine Achtung und Wertschätzung, deren sich sowohl die Verstorbene als auch ihr Gatte erfreuten, dokumentierte sich am deutlichsten in der ganz ungewöhnlichen Teilnahme an ihrem Leichenbegängnisse. Aus der Lehrerwett. Stuttgart. Der Kantor der israelitischen Gemeinde, Herr Emil Gundelfinger. feiert nächsten Monat sein 40jähriges Dienstjubiläum. Aus seinen früheren Schülern und anderen Gemeindemttgliedern hat sich ein Komitee gebildet, um ihm in Anerkennung seiner treuen Dienste zu diesem Tage eine Ehrengabe zu überreichen. Guttstadt, 26. Nov. Am . Samstag sollte in der kath. Volksschule die Lehrerin - Frl. Onanist in ihr 'Amt eingeführt werden, zu welchem Me der Magistratsdirigent die Schuldepütation und die Herren Magistratsmitglieder eingeladen hatte. Ms man nach vorausgegangener Magistratssitzung soeben nach der Schule gehen wollte, erklärte der Bürgermeister dem Magistratsmitgliede I. Cohn, der jüdischen — . . V*

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