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Neue jüdische Presse · 1903-12-04 · Heft 56 (4.12.1903) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 56 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 56.. Frankfurter JsraeMsches Familienblatt. Seite 3. Glaubens ist, daß er ihn zur EinführungSseier nicht zulassen könne. Cohn mußte unter Protest gegen diese verletzende Zurückweisung Zurückbleiben. Cohn hat die Entscheidung -des Regierungspräsidenten angerufen, weil die Amtseinführung kein kirchlicher Akt. ist. Feuilleton. G Ein Schüler Spinozas. Erzählung aus dem Amsterdamer Ghetto. Bon HennyRosenbaum. -- (Fortsetzung.) Aber da bäumte sich Gertas Stolz wieder auf. „Ich nehme keine Almosen, Mary." Gegen diese brüske Erklärung half keine Widerrede. Endlich kam die kluge Mary aus einen Gedanken. Sie ging an Gertas zufällig offenstehenden Schmuckkasten und wog prüfend einige Stücke in der Hand. „Deine Juwelen repräsentieren einen ganz netten Wert," meinte sie wie absichtslos. „Wo hast Du die vielen Sachen her?" „Es sind meist Erbstücke von meiner Mutter." antwortete Gerta unbefangen. Und dann sagte sie plötzlich freudig: „Ach, wenn ich die verkaufe, habe ich ja Geld. Dann kann ich ja Krankenpflegerin werden." „Gewiß," nickte Mary. „Ilebrigens, Gerta, ich bin doch auch leidend. Willst Du mich nicht pflegen? Mama wollte dazu schon oft Jemand ins Haus nehmen. Aber ich habe ja eine Scheu gegen fremde Menschen, wie Du weißt. Wie ist es, willst Du zu mir kommen. Kleines?" Gerta bejahte erregt. Sie sah nicht das Lächeln klüger Schelmerei, das Marys unschönes Gesicht für Sekunden seltsam verschönte. . „Dann mache schnell, Gerta. Am liebsten nehine ich Dich gleich mit mir." „Ich muß doch erst mit Mevrauw ter Borg sprechen und Du mit Deinen Eltern. Wenn es denen recht ist, komme ich morgen." — — — , Frau Rate war fast wieder lebhaft geworden, als ihr Gerta ihren Plan mitteilte. „Gehe, ja, ja, gehe. Es ist richtig so," nickte sie erregt. ' . Mynheer ter Borg sagte nur ernst: „Tue, was Du willst, mein Kind." Die Bedingungen unter denen sic ging, verschwieg sie Jans Eltern. Die Mitteilung dieser Demütigung, die vielleicht wie ein Börwurf ausgesehen hätte gegen den Toten, welcher ihr vollständig fern lag, ersparte sie ihnen. XIX. . Mary Pater hatte die Ihren doch nicht so bereit zu Gertas Aufnahme gefunden, wie sie erhofft hatte. Ihr Vater hatte bedenklich gemeint: „Der Row is schnell ein- und - schwer wieder abgeladen." Und die Mutter hatte/mit einem angstvollen Seitenblick aus den heißblütigen Sohn hinzugesetzt: „Nachher verliebt sich nebbich gar noch Der Junge in die powere Person." Dieses Bedenken hatte Charlie aber lachend widerlegt. „Den Hos mache ich der hübschen, ' blonden Kröte vielleicht. Aber das weiß ich, Mütterchen, zum Heiraten gehört — Pinke, Pinke — aus beiden Seiten." Schließlich war aber Marys Wunsch maßgebend gewesen. .Das kränkliche Djng begann sich über den , Widerspruch ernstlich aüszuregcn, und das wollten die zärtlichen Eltern doch vermeiden. So fand denn Gerta überall freundliche Gesichter, als sie zu den Paters kam. Sie fühlte sich bald heimisch bei ihnen. Mary verzog und bewunderte sie. nach wie vor und drängte die schöne Freundin allmählich in die Rolle ihres Pfleglings. Aber sie fühlte sich so froh bei ihrem Liebeswerk, daß sich ihr bleiches, herbes Gesicht vor innerer Befriedigung mitunter leicht zu röten begann. Diesen Einfluß auf ihres leidenden Kindes sonst unfrohes Wesen dankten die Eltern Gerta durch liebenswürdiges Entgegenkommen. Und Charlie überbot sich in Aufmerksamkeiten für die schöne, blonde Hausgenossin. Dadurch begann Gertas Erregung allmählich abzuebben. . Es hatte zwar noch einmal einen heftigen Sturm gegeben. Dr. Seelig, »er bei. den ter Borgs ihren Weggang erfahren, hatte sie sofort im Pater'schen Hause ausgesucht, und sie. tiefernst gebeten, ihn zum Mindesten von ihren spontanen Entschlüssen zu benachrichtigen, denn nun, wo sie nicht mehr im Hause ihrer Schwiegereltern weilte, übernehme er sein Bornrundschaftsrecht über sie wieder mit vollster Verantwortung. Gerta hatte ihm darauf zögernd die Gründe angedeutet, die sie bewogen hatten, Jans Eltern zu verlassen. Sie war arm jetzt, wollte und mußte sich unter Fremden ihr Brot verdienen, fügte sie hinzu. 2ldam hatte ihre Hand genommen und siefest in der seinen haltend warm gesagt: „Sie liebe, kleine Thörin. Wissen Sie wirklich nicht, wohin Sie gehören, wo man glücklich sein wird, wenn Sie kommen?" Das blonde Mädchen hatte leise schluchzend den Kops geschüttelt. Dr. Seelig mußte an sich halten, um sie nicht in seine Arme zu reißen und ihr zuzurufen: „Komme zu mir, mein süßer Liebling." Er zwang sich zur Ruhe. „Augenblicklich war es ja das Richtigste, daß Sie zu Ihrer Freundin gingen. Wer glauben Sie, Klartje läßt Sie hier, wenn sie zurückkommt? Nein, Gerta, jetzt gehören Sie uns wieder und wir sind sehr glücklich darüber." Er küßte ihre weichen Hände. (Fortsetzung folgt.) Aus den Ltteralurvereinen. Zürich (Schweiz). Sonntag, dyn 29. November, hielt in unserem Literaturverein „Talmudthora" Herr S. Schachnowitz aus Endingen einen Bortrag über „Wesen und Entwicklung der jüdischen Wohltat-g'eit". Der unserem Vereine aus seinen früheren Vorträgen löblich bekannte Redner löste auch dieses Mal seine Aufgabe in glänzender Weise. Von den philanthropischen Bestrebungen der ersten Kulturmen chen ausgehend, bezeichnete er das Wesen der jüdisch en Wohltätigkeit, die auf dem durch den Monotheismus bedingten Prin'ipe der Brüderlichkeit beruhend durch die Bestimmungen der Thora zu einer radikalen Lösung des sozialen Problems führte. Das Altertum und die verschiedenen Epochen des Mittela'ters mit ihren Organisationen und Wohlfahrtrinstitutiönen ließ nun der Vortragende in lebenden Bildern an uns vorüberziehcn, um dann den Stand der Wohltätigkeit in der Gegenwart zu beleuchten. Er verbreitete sich über die heutigen philanthropischen Großunternehmungeii wie Allianze, Jca und Zionismus und die Notwendigkeit ihrer gemeinsamen Arbeit, durch die allein die von jeder ersehnte intensive Rettungsaktion für das jüdische Volk herbeim ühren ist. Einen Anstoß und göttlichen Fingerzeig für d'ese Notwendigkeit erb'ickt der Redner in den blutigen Ereignissen von Kischinew und ein deutliches Zeichen für die Zeit der Annäherung im lejten Kongresse mit seinen Bestrebungen für praktische Gegenwartsarbeit. Stürmischer Beifall der Versammlung, sowie kernige Dankesworte des Herrn Präsidenten lohnten den Redner für seine schönen und hochinteressanten Ausführungen. —m. Vakanzen. Friedeberg N.-M. (Brandenburg). Vorbeter, Schächter, Religionslehrer per 1. April 1904. Gehalt Mk. 1350 und Rebeneinkoiiimen. Zippnow (Westpreußen). . Vorbeter, Lehrer und Schächter per sofort. Mk. 1100 Einkommen, sowie möblierte Wohnung und Heizung. K o b y l i n (Posen). Vorbeter und Schächter per 1. Slpril 1904. Alk. 1200 Gehalt, Mk. 600 'Rebeneinkommen und freie Wohnung. O b e r - R a m st a d t bei Tarmstadt. Lehrer, Vorbeter, Schächter Per sofort. Einkommen Mk. 1000 bis Mk. 1200 und freie Wohnung. Bncherfcha«. Der Rezensent des Werkes „Jwoh Lemoschaw" bittet um Aufnahme folgender Ergänzung zu seiner Rezension in No. 54 des Franks. Israelit. Familienblattes: Das fragliche von Herrn Dukesz behandelte Dokument, das Gr ätz im Januar 1877 veröffentlichte, trägt, wie ich mich überzeugte, wirklich die bei Grätz erwähnte deutsche und hebräische Unterschrift R.Jecheskel Landaus. Nur sind beide Unterschriften — was Grätz nicht mitteilt — durchstrichen. Selbst wenn diese Unterschriften echt sind, ist es noch immer fraglich, ob dieses Schreiben Landaus wirklich seiner Bestimmung zugeführt wurde, und selbst wenn auch dies erlviesen sein sollte, so ist damit noch gar nicht der Kryptosabbatianismus Eibenschitz» bewiesen, es wäre dann höchstens bewiesen, daß Landau, wieso manche andere, Eibenschitz für einen Sabbathianer hielt und zwar m. E. vollkommen mit Unrecht. Es wird auch schwer fallen, diese Eibenschitz.gegnerische Aeußerung Landaus mit seinem im Luchoth Eduth abgedruckten Plaidoyer für Eibenschitz in Einklang zu bringen. Saronsrosen. Erzählungen und Gedichte für die reifere jüdische Jugend, gesammelt und h:rautgegeben von Robert Hirschfeld, 240 «eiten, Berlin, Verlag von M. Poppelauer. 1903. Preis in elegantem Leinenband Mk. 3.— .Alljährlich zur Zeit, da die Schneeslocken ihr heiteres Spiel treiben und wir mit hochg.'flülrtem Kragen vor den Schaufenstern der Buchhandlungen die Nen-Erschciuungen mustern, mit denen die chcist lichen Schriftsteller die Jugend zu ihrem W.ihnacht:- feste wieder beglückt haben, beschleicht uns ein sti les Weh bei dem Gedanken, daß eine jüdische Jugend- Literatur so gut wie nicht vorhanden ist. Und das Wenige, was wir unser Eigen nennen, stellt sich in der Regel in so schmucklosem Gewände vor, daß unsere jüdische Jugend garnicht dazu gereizt wird, es in die Hand zu nehmen. Eine aufrichtige Freude hat es uns deshalb bereitet, als wir heute die neueste Gabe der rühmlichst bekannteic Poppelauer'schen Buch'andlung für den jüdischen Büchermarkt zugeschickt bekamen und da auch einmal ein Buch für die jüdische Jugend erblickten, wie wir es sonst nach Ausstattung, Fü.le des Gebotenen rnd Preis bei den christlichen Jugendschrificu qi wohnt sind Eine > tüchtige Prüfung läßt uns hoffen, tan auch der Inhalt des Buches ein guter und inteicssanler ist; wir behalten uns eingehende Besprechung in einer der nächsten Nummern vor. Montesiore, Verein zur Pflege der idealen Jnlerefle« jüdischer junger Leute. Mittwoch, den 9. Dezember, abends 9 Uhr im Vereinslokale Theobaldstr 5 (Suppenanstalt): Freie Aussprache über den Vortragszyklus des Herrn Rabbiner Dr. Kottek. jedes Brautpaares ist, sich sein neuen Heim behaglich und schön einzurichten. Zu diesem Zwecke gestatten wir uns, Sie auf unser reichhaltiges Lager in selbstangefertigten Wohnungs-Einrichtungen, von der einfachsten bis zur elegantesten Ausführung, bei fünfjähriger Garantie und staunend billigen Freisen aufmerksam zu machen. . Ein Besuch unserer Mobiliar-Ausstellung ohne Kaufzwang würde sich' für jedes Brautpaar, sowie für jedermann stets lohnen und empfehlen. Philipp Vogel & Cie. IVur 41 Grosse Eschenheimerstr. 41. Brillen und pincenez mit nur prima Glas in allen Preislagen. Bei Verordnung der Gläser Sie gewiffenhafteste Augenunterfuchung kostenlos. Special-Institut für Augengläser Steinweg 3. Alle optisch-mech. Reparaturen werden in eigener Werkstatt billigst ausgeführt. Zeit SO, neben der Hauptpost ■ ■ billigste und reellste Bezugsquelle für i Uhren und Goldwaren eigene Werkstatt.

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