Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 37 (17.7.1903)
- Date
- 1903-07-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 37. Sollten Sie -Hierzu nicht in der Lage sein, so gestatte ich mir die Anfrage, ob Ihnen bekannt ist, vorrwem ich hierüber näheren Aufschluß erhalten könnte. .Einem baldgefälligem Bescheide entgegensehend, verharret im voraus bestens dankend ganz ehrerbietigst _ Otto Lange. Der Magistrat Freiburg (Unstrut), 20. April 1903. Auf das Schreiben vom 16. März 1903. Das vollstümliche Wetturnen, das hier am II. August 1901 und am 10. August von uns veranstaltet worden ist, ist auch Turnern, die nicht der Deutschen Turnerschäft angehören, zugänglich gewesen. Wir haben angenommen, daß die Gegensätze unter den TurnverLänden Deutschlands nicht so groß sind, daß nicht ein einmal jährlich stattfindendes Zusammenturnen sich ermöglichen ließe. Das von unserer Stadt, der Jahnstadt, veranstaltete Wetturnen stellt sich dar als eine Ehrung Jahnls, der nicht nur der Vater des Deutschen Turnens ist, sondern auch ein - leuchtendes Beispiel vaterländischer Gesinnung Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung darf daher wohlwE ausgeschlossen gelten. Turnernmosaischen Glaubensbekenntnisses die Teilnahme am Wetturnen zu verwehren, liegt ein Grund nicht vor. Wir halten es vielmehr erfreulich, daß unsere jüdischen Mitbürger ihre Sonderstellung mehr und mehr aufgebend, auch an den turnerischen Bestrebungen Deutschlands teilnehmen. Ob und wann in diesem Jahre ein volkstümliches Wetturnen hier stattfindet, stcht.wegen der in diesem Jahre erfolgenden Einweihung des Jahnmuseums noch nicht fest. Wir werden jedoch nicht verfehlen. Ihnen weitere Nachricht Zukommen zu lassen, gez. Ehlert. Plauen i.B., den 26. Mai 1903. An den Magistrat zu Freiburg a. d. U. Das gefällige Schreiben vom 20. April d. I. habe ich in der letzten Versammlung des hiesigen Deutsch- Böllischen Turnvereins zur Kenntnis der Mitglieder - gebracht. Mich eingehender ausführlicher Aussprache gelangte man zu folgender Ansicht. Der in Ihrem gefälligen Schreiben enthaltene Satz, „daß Jahn nicht nur der Bater des Deutschen Turnens ist, sondern auch ein leuchtendes Beispiel vaterländischer Gesinnung", ist uns allen aus der Seele Sesorochen. Jahn's Deutschheit offenbart sich am hönsten in feinem Buche „Deutsches Volkstum", welches für uns der Jungbrunnen echt jahndeutschen Turnergeistes ist und bleibt. Jcchn hat das Wort „Volkstum" geschaffen, dessen Bedeutung klargelegt, und—vor nahezu 100 Jahren! — den Wert der Rassenreinheit für die Völlerzucht begeistert gepriesen. Er kommt zu dem Satze: „Je reiner ein Voll, um so besser, je vermischter, um so bandenmäßiger", und nennt die Juden in einen: Atem mit den weltflüchtigen Zigeunem. „Den Deutschen kann nur durch Deutsche geholfen werden." Wenn nun für den Magistrat der Stadt Freiburg ein Grund nicht vorliegt, Turnern mosaischen Glaubensbekenntnisses .(-also jüdischer Rasse!) die Teilnahme am Wetturnen zu verwehren, so ist das für uns Grund genug, auf die Teilnahme an derartigen Wetturnen ' zu verzichten. Wenn es der Magistrat der Stadt Freiburg für erfreulich hält, daß unsere jüdischen Mitbürger ihre Sonderstellung mehr und mehr aufgeben, so verbietet uns sowohl die Liebe zu unserm Volkstume wie auch die Hochachtung für unseren.Turnvater Jahn, die , Juden als unsere Mitbürger zu betrachten. An den turnerischen Bestrebungen Deutschlands können dieselben im Sinne Jahn's niemals Anteil nehmen, da sie durch ihr Bollstum von uns geschieden sind und nach Palästina oder sonst wohin gehören, nicht aber nach Deutschland. „Durch Reinheit zur Einheit!" „Hell Germanentum!" Mll größter Hochachtung ergebenst Otto Lange, Kanzleivorsteher, Schriftwart des Deutsch-Völkischen Turnvereins zu Plauen i. V. Aus after WeLt. Deutschland. Aus der Prov. Starkcnburg. Die israelllische Gemeinde Heusenstamm besitzt noch einen uralten israel. Friedhof, der bestimmt über 300 Jahre zählt. Derselbe, ein Waldes-Komplex von 3669 gm umfassend, wurde einstens der Gemeinde vom Grafen v. Schönborn als Geschenk vermacht. Alte Leichensteine wird man hier vergebens suchen, in geordneter Reihenfolge -wurden hier die Toten bestattet. Erst im Jahre 1857 ward die große Umfassungsmauer fertiggestellt und im genannten Jahre auch durch Herrn Rabbiner vr. Formstecher eingeweiht. Das Zustandekommen dieser Mauer ist den Benuihungen des Herrn Mayer Schwarzfchild zuzuschreiben, der durch ftei- V willige Sammlungen unter Freunden und Gönnern 'die nötige Guldenjumme aufbrachte. Nachdem später -die Mauer großer Reparatur bedürftig, stellte sich f»err S. Levh aus Frankfurt a. M. an die Spitze urw „ all» war es auch ihm gelungen, im Vereine mit edeldenkenden Israeliten eine große Summe Geldes aufzutreiben,;um dieselbe von Grund auf« wiederlfrisch herzustellen. In dem der.Gemeinde eigentümlich angehörenden Memoröuch, worin sehr interessante Eintragungen, finden wir einen gewissen Rabbi Moses ben Gerschon als einen der ersten mit dem festen Datum. 12. Abar 5431, verzeichnet. . Karlsruhe. Zur Errichtung einer Lungenheiltätte für Israeliten in Adelsyeim hat Freifrau Adelheid v. Rothschild, die in Paris verheiratete Tochter des vor zwei Jahren in Frankfurt am Main vertorbenen Baron Wilhelm v. Rothschild, eine halbe Million Mark gespendet. Die Stiftung erhielt den Namen .M. A. v. Rothschild'sche Lungenheilanstalt" zum Andenken an den Gründer' des Hauses M. A. v. Rothschild. Den: hochherzigen Unternehmen ist bereits die Staatsgenehmigung erteilt Wörden Der Großherzogliche Verwaltungshof hat die Verwaltung der Stiftung einem Berwaltungsrat übertragen, der wie folgt zusammengesetzt ist: Bezirksrabbiner Dr. Leopold Löwenstein-Mosbach (Vorsitzender), David Wcrtheimer-Adclshein: (Vorsteher), Rechtsanwalt Dr. Max Friedberg-Karlsruhe, Kaufmann Julius Ettlinger- Mannheim, Kaufmann Eduard Bauer-Mannheim, Börsenmakler Michael Moses Mainz-Frankfurt a. Main, Arzt Dr. Gustav - Stiebel-Frankfurt am Main und Daniel August Worn:s-Frankfurt am Main (Sekretär) Der Verwaltungsrat wird die notwendigen Vorarbeiten für die Herstellung der erforderlichen Baulichkeiten in tunlicher Bälde in die Wege leiten. Krefeld, 8. Juli. (Synagoge eingeweiht.) Heute wurde hier die wiedererössnete, umgebaute und erweiterte Synagoge eingeweiht. Neben der . zahlreich erschienenen jüdischen Gemeinde hatten sich viele Personen anderen Glaubens eingefünden. Die städtische Behörde war vertreten durch den Oberbürgermeister vr. Hammerschmidt und den Beigeordneten vr. Bergmann. Oberrabbiner vr. Horowitz hielt die Festrede und nahm die Einweihung vor. Die bisherige Synagoge war gerade heute vor 50 Jahren, am 8. Juli 1853 eingeweiht worden. Das neue Gebäude ist im Stil der modernen Gotik errichtet. Lublinitz. sFünf. und zwanzigjähriges Amtsjubiläum-j Sonntag feierte in Lublinitz der Rabbiner Dr. Friedmann sein 25jähriges Amtsjubiläum. Nachdem am Vormittag seitens, des Vorstandes und des Repräsentanten - Kollegiums sowie der übrigen jüdischen Vereine, der Schuljugend und durch Deputattonen dem Jubilar unter Ueberreichung von wertvollen Geschenken die Glückwünsche dargebracht worden waren, fand am Nachmittage ein Festgottesdienst in der Synagoge statt, bei welchen Rabbiner Dr. Kopfstein aus Beüthen die Festtede hielt. Die Feier beschloß ein Festessen im Hotel Siedner, an dem sich auch mehrere Andersgläubige beteiligten. Schweiz. Basel. Schweiz. israelitisches-Waisenhaus i n Basel. Sonntag Vormittag wurde das ncucrbaute israelitische Waisenhaus an der Gotthelfstraße in schöner und würdiger Weise eingeweiht. Zu dem festlichen Akte hatten sich so viele Besucher eingefunden, daß der geräumige Saal kaum die speziell Geladenen zu fassen vermochte und viele sich in den: anstoßenden Zinnncr und ans den: Korridor aufstellen mußten oder gar nicht Einlaß fanden. Unter den Ehrengästen bemerkten wir als Vertreter der Staatsbehörden Herrn Regiernngsrat Reese. Die Feier wurde vom Synagogenchor Basel cingelettet mit dem Vortrag des Psalms Ma tauvoh und mit einem trefflichen Prolog, gesprochen von Frl. Elsa Bloch und Frl. Helena Wolf . (Caritä und Elementia), der die Nächstenliebe und Mildtätigkeit, deren Werk'das neue Waisenhaus ist, dankbar feierte und in schwungvoller Sprache verherrlichte. Hierauf trat Herr Dreyfus-Neumann, Präsident der Kommission für das Waisenhaus, vor, um die Versamnllung in herzlicher Ansprache zu begrüßen und einen kurzen Jiückblick auf die Gründung des Werkes und die Durchführung desselben zu werfen. Das Fundament zu der Stiftung legte ein Wohltäter mit der Spendung eines Fonds von 10000 Fr. Der Gedanke an die Gründung eines israelitischen Waisenhauses in Basel wurde lebendig, als hier auf einmal 6 Waisen zu versorgen waren und der Genossenschaft keine ihr entsprechende Anstalt zur Unterbringung derselben zur Verfügung stand. Es bildete sich ein Komitee,' das die Sache a,n die Hand nahm und mit der hiesigen bürgerlichen Waisenanstalt in Verbindung trat, um sich über die Einrichtung eines derartigen Institutes belehren zu lassen. In zuvorkommender und verdankenswerter Weise wurde von Seite des Waisenvaters, Herrn Frey, dem Komitee mit Auskunft und Ratschlägen gedient. Das Werk wurde beschlossen, eine Ausschreibung zur Gewinnung von Plänen veranstaltet und Herrn Architekt Sandreuter von Basel auf Grund seines Entwurfes die Ausführung des Baues, der auf 170000 Fr. veranschlagt wurde, übergeben- Das Areal von 1600 mwurde von: Staate der Genossenschaft zu dem mäßigen Preise von 25 Fr. per Quadratmeter überlassen. Aber nun galt es, dem Äründungssonds diejenigen Mittel bcizusteucrn, die zur Ausführung des Werkes notwendig waren. Auch dies ist gelungen, dank der Mildtätigkeit von Israeliten und Christen, die in Basel und andern Orten ihre freiwilligen Gaben für diesen Zweck spendeten.. Die Bauarbeiten wurden sämtlich an hiesige Unternehmer vergeben und alle sind nach den: Zeugnis des Redners gut und zu bester Zufriedenheit der Bauleitung und des Koinitces ausgcführt worden. Die Ausstattung unb Möblierung des Hause-- geschah unter Mitwirkung und Aufsicht eines Damen komitees, das sich in dieser Beziehung um die Anstall hochverdient gemacht hat. Als Waisenvatcr wurde unter 46 Angenreldeten gewählt Herr Haas aus Kembs. Die Zahl der Zöglinge ist selbstverständlich iin Anfang noch eine bescheidene; es'wurden ausgenommen drei Waisenkinder aus Basel und vier voi: auswärts. Mit einem, warmen Worte des Dankes für alle Arbeit und alle Wohltat, die der jungen Anstalt zu Teil geworden, schloß der Redner seine interessanten Mitteilungen. Die eigentliche Weiherede hielt Herr Rabbiner Sri A. Cohn, der seiner Freude über das vollendete schöne Werk und seiner Zuversicht auf Gottes Hilfe und' Liebe Ausdruck gab. Gott ist mein Licht' und meine Hilfe, vor wem sollte ich mich fürchten? Vater und Mutter haben mich verlassen, aber Gott hat mich arifgenommen; das war-der Grundgedanke seiner schöllen und wirkungsvollci: Ansprache. Nach einem Schlußwort, das Herr Dr. Wertyeimer, Großrabbiner aus Genf, an die Versammlung richtete, war die Feier zu Ende. Zur Verschönerung derselben hat außer Herrn Oberkanior Drujai:, der zwei Verse aus Psalm 68 sang, besonders auch der Männerchor Späten beigetragen durch seinen flotten Vortrag der zwei Lieder: „Die ewige Burg" und „Waldmorgen". , Rrttzland. Petersburg. Meldungen aus Kischinew besagen, daß dort der Direktor des Justizministeriums eingetroffen ist und in: Auftrag des Zaren eine sttcnge Untersuchung unternommen hat. Alle bereits aus der Haft entlassenen Personen sind wieder verhaftet worden. Der angebliche Hauptschuldige Piserjewski hat sich der Sttafe durch Selbstmord entzogen. Die moralischen Urheber der Metzeleien werden ebenfalls verhaftet. (Die'Bemühungen der amerikanischen Juden haben also doch genützt.) England. London. Der König von England hat Sir Edward Lawson in London zum Pair ernannt und dem.Sir Richard Salmo.n, Generalanwalt derTransvaal-Berwaltung den Bath-Orden, sowie ferner Herrn S. M. Grünwald den k. Verdienstorden verliehen. Amerika. New-Aork. Richter McMahon nahm gestern in Abt. UI. der Generalasstsen Gelegenheit, gegen die auf der Ostseite üblichen Ehescheidungen durch Rabbiner sehr energisch aufzutteten. Es handelte sich um den Fall des 28 Jahre alten Schneiders Jsaac Mullershvick von 12 Stanton Stt., welcher der Bigamie schuldig befunden worden war und seine Sttafe empfangen sollte. Mullershvick hatte sich im August 1902 mit Renie Fink verheiratet, obgleich Dora Reiß, mit der er sich in: März.1902 verheiratet hatte, noch lebte. Er führte^zu seiner Betteidigung an, daß er von seiner ersten Frau durch den Rabbiner Beßcia in 59 Pitt Stt. geschieden worden sei und dafür Doll. 10 bezahlt habe. Der im Gericht anwesende Rabbiner meinte, er sei berechtigt, Ehescheidungen nach den israelitischen Religiynsgesetzen vorzunehmen. Aber da kan: er schlecht an. .Sie befinden sich im Irrtum," bemerkte Richter McMahon. .Wenn Ihr Rabbiner dies nicht unterlaßt, könnt Ihr in's Gefängnis kommen. Lassen Sie sich dies zur Warnung dienen. Hier können Ehen nur nach den Landesgesetzen geschieden werden." Mullershvick wurde zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Frankofnrtia. Am Montag, den 13. dss., fand in: Cafö Milani die Delegiertenwahl für den VI. Zionisten-Kongreß statt. Herr Fr. Sondheimer eröffnet die Versammlung und stellt die Tagesordnung des Kongresses, soweit sie jetzt schon hat bekannt gegeben werden können, zur Diskussion. Er bittet die Versammlung, ihre Wünsche kundzugeben, damit die Delegierten sie auf dem Kongreß vertteten. 'Zum Punkte „Nationalfond" beanttagt ' Herr Assessor Dr. Friedenrann: Die Versammlung wolle den Delegierten beauftragen, da der Boden in Palästtna, der jetzt noch ziemlich billig zu haben ist, von Tag zu Tag im Preise steigt, das Akttonskomitee aufzufordern, mit dem Gewe des Nationalfonds unverzüglich zum Kaufe von größeren, zusammenhängenden Landesstteckeu zu schreiten; und, insoweit die Mittel des Nattonalfonds hierzu nicht ausreichen, die jüdische Kolonialbank zu ermächtigen, ihm diese Mittel bis, zur Höhe von 3 Millionen Frs. auf hypolhekarische Belehnung vorzustrecken. Denn nur dann, wenn, das Aktionskomitee zur praktischen Arbeit übergeht, werden ihn: genügende Geldmittel zufließen und die Bewegung überhaupt erstarken. Hat sich auch die Zahl der Anhänger der zionistischen Idee in Deutschland seit dem letzten Kongreß verdoppelt, so wären trotzdem sicherlich noch größere Erfolge zu verzeichnen gewesen, wenn die zionistische Partei bereits mehr mit prakttscher Gegenwartsarbeit angefangen haben würde. Aus der Versammlung werden zustimmende Aeußerungen laut, unter andern spricht sich auch Herr Louis Kahn für diesen Antrag entschieden - aus. Herr Goitein macht darauf aufmerksam, daß die zwnistischeWartei noch nicht über solch große Mittel