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Neue jüdische Presse · 1903-04-24 · Heft 25 (24.4.1903) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 25 (24.4.1903)
Date
1903-04-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter. Israelitisches Familienblatt.. No. 25. i . % H- KD ttt ein malerisches Bild, die schönen Römerinnen, sowohl die der Aristokratie als die bescheidenen Bauern- «ädchen aus dem Volke und aus. der Campagna in ihrer kleidsamen Tracht mit ihren Palmensträutzchen in der Hand oder vor. den Busen gesteckt, die Rresentreppe des Petersdoms auf- und abtrippeln zu sehen. Der Palmenverkäufer auf dem gewal- . tigen Petersplatze, die ihre Ware laut und aufdringlich schreiend und gestikulierend an den Mann zu bringen suchen, ist Legion. Was da für Palmzweige, von der Prachtpalme des Kardinals bis zum bescheidenen Sträußchen des armen Römermädchens herab, ausgegeben wird, ist enorm. Gänze Eisenbahnladungen mit Palmen werden von der Mviera, besonders von Bordighera, diesem Haupthandelsplatze des orientalischen Prachtbaums, aus expediert. Zn der Thai gedeihen nirgends an der Riviera die Dattelpalmen besser als in Bordighera. An der Ostseitc des Cap d'Ampeglio sind wahre Palmenwäldchen zu sehen. Diese östliche Bucht ist nämlich ganz besonders gegen schädliche Nordwestwürde geschützt. Zwischen den Mauern palmenreicher Gärten, über welche schlanke Stämme ihre Kronen neigen, empfangen wir ganz exotische Eindrücke und können leicht vergessen, daß uns die volle.Breite des Mittelmeers von den Stätten der Oasen und der Bibel trennt. Pietätvoll wandern deutsche Touristen zu jener malerischen Palmcngruppe hi», die in einer halben Stünde Entfernung östlich von Bordighera zur Madonna della Rüota hin den Meeresstrand schmückt. Das sind die Palmen, die Scheffel in seinem Liede „Dem Tode nah'" besang und unter welchen er sich ein Poetengrab träumte. Jur Alten Testament werden die Dattelpalmen mit stolzen Königstöchtern verglichen. Statt frei in den Lüften ihre Wedel zu schaukeln, müssen di: meiste» /Palme« im Herbste es sich o.ef^ten lassen, d::ß ihre Krone im Innern pferdeschweifariig zusam-nengebunden wird. Diese Behandlung bezweckt eine bestimmte Ausbildung der neu hervorwachjenden Wedel. Nicht alle Palmstämme sind für solche Behandlung gleich geeignet, und unter den geeignetsten werden noch solche unterschieden, die mehr für den katholischen und mehr für den jüdischen Ritus geeignet sind. Denn auch die Juden brauchen bekanntlich Palmenwedel für ihr Laubhüttensest. Deshalb bezeichnen die Einwohner Pordigheras kurzweg die eine Dattelpalme als .,6attollllL" ilnd die" andere ' als „Ebrea". Die Blätter jener sind schlanker, die dieser kürzer ■ mb gedrungener. An der katholischen Palme bindet lan die mittleren Wedel fest zusammen, damit die euen Wedel bei thunlichstem Lichtabschlutz sich ent- ‘ ickeln. und so möglichst farblos,, als Symbol himmher Reinheit,-bleiben. Im Dunkeln werden solche *men auch schlank und lang,, laufen spitz an ihren 'n aus und bleiben'biegsam und weich, so daß 'cht in beliebige Formen geflochten werden kön- An den jüdischen Palmen dagegen werden die weniger stark verbunden, das Licht ist somit iüngern Blättern nicht ganz ausgeschlossen. Bl sie Sfcv neu. \ BLttvc >on den. n daher auch ergrünen, bleiben zugleich i. ktzmm 'ßen mit stumpfer «pitze ab und werden die,. - diesen Palmenwedeln verbinden die Ju- Iürzer, üttenseste die Myrte und die Bachweide, härter. - ganz bestimmte Gestalt besitzen müsden am -w dlichern Ländern nimmt es die kathowelche eben). >,i Palmen nicht so genau; oft muß H n, ja selbst der Kätzchen tragende lrfche Kirche i Palme des Südens ersetzen, hier der Buchs.. v Wesdenzweig die . ites Grab befindet sich „ . . _ + ' r p t risch-jüdischen Friedhof an ',-® u Hort. l0le.' von der nach der Regu- Ef i!?® L.S, veit ördlich angelegten Einder NW „Jett;c Äiche des Ende des lrerung der V gt d» Hamburger Bankiers Bähungen zu Bibel und Babel. Mit dem Jahresbericht des Königlichen Gymnasiums zu Beuthen OS. ist als wissenschaftliche Beilage eine Schrift über. ^Bibel und Babel" von Professor Dr. theol. Karl'Floeckner. Fürstbischöflicher Geistlicher Rat, erschienen.. Ter Verfasser, ein Theologe und Orientalist von Ruf, bezeichnet seine Schrift als eine populär-wissenschaftliche apologetische Studie. Der Schrift ist eine Vorbemerkung vorangestellt, in der es u. a. heißt: Selbstverständlich habe ich nicht die Absicht, einen so hervorragenden Gelehrten, wie F.iedrich Delitzsch auf dessen eigenstem Gebiete zu schulmeistern, sondern nur das Bestreben, die gegen die religiöse und geschichtliche Glaubwürdigkeit der Bibel in oft sehr anfechtbarer Weise gerichteten Schlüsse abzuwehren und die Lücken, Bedenken und Schwierigkeiten darzulegen, mit denen die meisten, -übrigens zum überwiegenden Teile keineswegs neuen Aufstellungen von Delitzsch behaftet erscheinen. Eine nüchterne, besonnene Abwägung und Nachprüfung jener Schlüsse thut um so mehr not, je wärmer, vornehmer und beredter die Telitz'sche Schrift geschrieben ist, und je mehr sie ' sich' dadurch als geeignet erweist, zu . gewinnen, Zustimmung zu finden und Beifall zu erwecken. „Der beste und' geborgenste Ruheort" — so schließt der Verfasser — „besteht in der gläubigen Ueberzeugung, daß die göttlich geoffenbarte Wahrheit des Alten Testaments einer geistigen Sonne gleicht bis zu welcher die Pfeile. subjektivistischer Wissenschaft nicht hinaufreichen, und daß die geschichtliche Wahrheit desselben, durch das aus dem Orient kommende Licht, durch den fortschreitenden Nachweis des kulturellen Zusammenhangs zwischen Israel und den Euvhratvölkern nur gewinnen tri: . Möge der Kchn Assyriologie in diesem Fahrwasser'gesteuert werden und glücklich in den Hafen der Versöhnung von Glauben und IS-ften einlaufen! Wenn Delitzsch, richtig verstanden, Babel »uials „Jnteroreten und Illustrator" der Bibel gelten lassen will, nicht mehr als originaler Lehrmeister und Vorlagenzeichner, so ist schon hiermit für eine Verständigung die Thüre weit geöffnet." von . - - (Nachdruck verboten.) Eheiderkirrder. Novelle aus dem Emigrantenleben S ch a ch n o w i tz, . Emdingen (Schweiz). sL/'d«,.»» s;» mpJSlS*: Te Transparent an .^eiü ® enthieltlebt., das in Latein d.e Jnschrrst enchtelt.^ ^cklst-. V Papst Clemens der Zehnte^ . Zlls dem ■&0fäxt#a,, ftürnitc cs dre Wohnung -iex ein Hrnterging der sie bedrohenden Ges°hr^ durchs pjörtchen- Noch ^Ebeder^Ueincu Michaelislirche Vorstand »fl Qcltcr hat eine neue Statistik der gart, Direktor 5?. d«1«- n,cn ®rbe au§gNirbeitet. .Religionsbekenner mrs dm g^ »;,ie Summe aller Erd- Nach fernen «chatznngenv^mg . n ,mb bewohner rund^l P44 a hj wu Israeliten. ,. 534 940 000 -/unb 823420 000 Heiden : 175 290000 M°h°mmed°mrmnd,8^ ^nsutse-Aniunter letzteren über . anen I2l Millionen . Hänger, ^r^ronen Menschen kommen nach Buddhisten). .Aui ie lOOO tic 114 Mo- Lellers Matrstrk 84ECHmstm^ Heiden bildest. kerung- (Fortsetzung.) «Sie hieß Rahel Biarkstein und er sagte, er hieße heute Scholem Schulmaw, weil sein Reisepaß, mit deM er bis hierher gefahren, es so haben will ... Sie fragte nicht, wie er' früher geheißen, wie und wo er früher gelebt; sie ließen sich überhaupt nicht-auf Einzelheiten ihrer Vergangenheit ein. Aber instinktiv fanden'.sie cs alle beide heraus, daß sic die gleiche Erziehung genossen, denselben Verhältnissen entsprungen und daß das gemeinsame Schicksal, das sie jetzt zusammen brachte, fast mehr als ein äußerlicher Zufall bedeute. . . . . Rahel war die Tochter eines Melamed in N., einer' kleinen Stadt in Lithauen. Ihre Erziehung, hatte zwar im Großen und Ganzen von der der anderen Mädchen der «tadt nicht viel vcraus. Aber die Verhältnisse und Umstande, die bei derselben mitwirkten, gaben'ihrer Kindheit ein etwas originelles Gepräge, von welchem ein Teil an ihrem Wesen und Charakter für immer Hasten blieb. , Nvchum, der Melamed, gehörte zu den besten der besseren im Städtchen. Er zählte zu den Maskilim ^Aufgeklärte) .älteren Schlages, die in/Bibel und Talmud bewandert, treu zur Religion und Tradition hielten, andererseits.aber sich auch den modernen Wissenschaften nicht' ganz' verschlossen. Die Urquelle seiner Bildung lag natürlich in der hebräischen Sprache und Literatur, aber er war keineswegs mit den unerfteulichen Erscheinungen, wie sie in den letzten Jahren im-Ghetto äuftauchten,. zu verwechseln. Dieser' neue Typus von'einem Maskil, der halb Jeschiwohbochur, halb Philosoph und gayz Atheist, 'ialb bei der Gemoroh, halb bei der hebräischen Zeing, aber im ganzen unwissend ist, der seine ganze aus der hebräischen Tagespreise oder einer lmkerw» Literatur, geschöpft, und als Produkt der konfusen Verhältnisse, der materiellen und psychischen Mißständ>e sein-Unwesen treibt, dieser war ihm ftcmd aeblieben. Er gehörte, wie gesagt, zu den fympatischen MaZkilim der älteren Schule. Nochum wohnte in einem Hause, das mehr den dkamen Hütte verdiente. .Ein einziges Zimmer bildete die ganze Wohnung, in der er mit seinen Kenntnissen und -Idealen, mit seinem Wissen und Weltschmerze., mit seinen Tageslastc» und seiner aauzen Ideenwelt, mit seinen -schulcrn und Büchern, mit seiner weniger denkenden, aber desto mehr zankenden und schimpfenden Frau, mit seinen sechs Kindern, mit drei Hühnern und einer Ziege hauste. Durch zwei. kleine, kaum durchsichtige Fenster warf die Sonne, auch an Tage» ihrer glänzendsten väuüe -nur spärliche Strahlen- .herein. Ein langer, balbzerbrochener Tisch diente als Schulbank für die l Schüler und als Kutheder für den Lehrer, als Schultafel und als Studienpult. - Er war auch zugleich die Speisetafel und die- Bibliothek, die die.vielen Bücher beherbergte. An Wochentagen benutzten ihn noch,die Kinder als Experimentmaterial für ihre Schnitzereiarbeiten und am Schabbos bekam er durch die weiße Decke und durch die lernbegierigen Haskolohjünger aus den Beishamedrosch, die sich um ihn sammelten,' einen akademischen Charakter. Ein Bett, das die ganze Nordwand einnahm, und eine alte Kommode bildeten das ganze Mobiliar. Der Ofen, s der von cher Ostwand ausging und sich bis in die Mitte der Wohnung erstreckte, teilte das Zimmer und - bildete einen natürlichen , Neben«. rauin, der als Küche, als Schlafstelle-für die . Kinder und als Aufenthaltsort der Ziege und der Hühner diente.. . In diesem Raume hat auch-Rahel das Licht der Welt erblickt. Am Tage ihrer Geburt freuten, sich achtzehn Kinder, die den Tag durch Chederfteiheit feiern durften. Seitdem teilte sie alle Freuden und Leiben des Chederlebens. Da die Mutter fast den ganzen Tag außer dem Hause, dem Verdienste: nachgehen mußte, so wurde Rahel mitten im Cheder zumeist von Lehrer und Schülern aufgezogen. , Wenn Nochum singend die Gemoroh erklärte und dabei die Wiege schaukelte, so sang-das kleine Geschöpf in seiner Art lustig mit. Wenn er am Donnerstag ärgerlich und ungeduldig mit seiner Schülerschaar bas Wochenpensum wiederholte und mit Schimpfen und Puffen ihrem Gedächtnis nachzuhelfen suchte, so schrie die Kleine im Takte mit dem aufgeregten Meister und heulte bitterlich mit den geschlagenen. Schülern. Hatte jedoch Nochum Grund, mit seinen Jungens zufrieden zu sein, was die h ö ch st e F r e u d e seines Lebens bedeutete, so lachte auch Rahel laut und munter und machte die drolligsten Spässe zum höchsten Ergötzen ihrer ganzen Umgebung. Mit drei Jahren spielt sie mit den Kindern und der Ziege auf dem Platze vor dem Cheder. Mit fünf Jahren konnte sie fließend aus der Tcfiloh lesen und mit zehn Jahren beherrschte siedie ganze Bibel im Urtexte, so. wie die besten Knaben und war sogar mit dem Mgun der Gemoroh vertraut. . Denn Rahel lernte bewußt und unbewußt.alles mit und ihr Geist warein offener und empfänglicher. „Schade, daß es. kein Bub ist," seufzte Nochum, obzwar er bereits 4 Söhne unter seine» 6 Kindern zählte. „Es wäre jedoch auch schade, wenn es kein Mädchen wäre," aber dies sagte keiner. Daß überhaupt Rahel neben den. geistigen auch physische Vorzüge besaß, beachtete kein Mensch. Die Wangen wurden trotz schlechter Luft und mangelhafter Kost immer röter und blühender — es sah es keiner. Unter der alten und verwaschenen Bekleidung gelangten die edlen Formen zur Fülle und herrlichen - Entfaltung — es merkte es kein Mensch. In den Holzpantöfselchen wurden die Füßchen fast nie größer, aber mit dem Aufblühen des .Körpers immer zierlicher — es achtete keiner daraus. In den Augen, die früher zwischen- Grän und Gelb schwebten,. schiminerte jetzt ein treues Blau, das den klugen Blicken auch bestrickende Energie. verlieh — aber es sah niemand hinein. Keiner inerkte es recht» wie geheimnisvoll sich aus der vollen Knospe die prächtige. Vlüte entwickelte. Mit sechzehn Jahren war Rahel eine vollendete Schönheit, aber ihre nächste Umgebung wußte fast nichts davon. Ihr Horizont war bis zu diesem'Alter ein beschränkter und beengter geblieben. In der Bude, in der sie geboren- und aufgezogen und in der sie jetzt den ganzen Haushalt besorgte, sah sie immer noch ihre ganze innere Welt. Und ihre weitere Außenwelt bestand aus dem schmutzigen Vorplätze, den unzähligen Pfützen, der langen Gasse, mit den unendlichen Kramläden und Schenken, und. dem schlammigen Marktplatze, mit den ungeheuerlichen-Seitengäßchen. ... Und doch hatte sie. mit dem. 16.. Jahre ihrys so eingeschränkten. Lebens schon einen Keinen, in ihrer Art erlebten Roman hinter.sich. Das Wort-Roman hatte sie damals noch nie gehört,- aber - dieser unklare, träumerische. Begriff hieß bei ihr „Motel". Motel war ein sechsjähriger Knirps, als seine Cousine Rahel zur Welt kam und Schüler bei', ihrem Vater, der mütterlicherseits sein Onkel war. Äls er sie in ihrer Wickelschnur zum -ersten Mal sah, überkam ihn eine Angst. -Es graute, ihn förmlich vor dein furchtbar kleinen.und. hilflosen. Geschöpf. Als er sie zum ersten Male.wiegen soUte,/schien es ihm, als-müsse das armselige Ding bei-jedem Atemzuge sein Seelchen, aushauchen -und lief ängstlich davou. Bald aber bekam er.das kleine Wesen lieb und fanddas.Schaukeln der Wiege interessant.. Er trug es auch, so oft es..anging, auf.den Arme» umher und das Cheder des Onkels war ihm . plötzlich zur Stätte der Wonne, zur Quelle des höchsten.Glückes geworden. . . ' Er hatte auch das liebe.Ding verkannt, dies sah er doch bald und noch rechtzeitig ein, und mußte das in Gedanken, an ihm begangene Unrecht wieder gut machen. So . schön und so .klug.hat er noch kein Wesen auf -Erden gesehen.'r Wie sie schon lachen kan».. Wie sie Augen macht und die. kleinem Händchen nach ihm streckt.'- Motel,, der als einziges Kind armer Eltern noch nie ein, derartiges. Kind' ßefehen,'

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