Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 25 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'M. 25. Franksurler Israelitisches FamilrendlaU. Sette S. sah da Wunder stber Wunder und war ganz bestrickt -von den Reizen seiner kleinen Cousine. Motel verfolgte das Kind^ in seinem ganzen Entwicklungsgänge und Rahel erwiderte in ihrer Art ,die Liebe vollständig. Von ihm allein ließ sie sich umhertragen, er konnte sie allein mitten im größten . Zetergeschrei beruhigen und er war der einzige, dem sie,-wenn sie krank war, Medizin abnahm. Mit zwei Jahren durfte sich mit ihr neben den Eltern - keiner sonst befassen, als Motele. Von ihm bekam sie auch später, sobald es einigermaßen möglich war, die Anfangsgründe ihrer Gelehrsamkeit. (Fortsetzung folgt.) Aus unfern Tagen von Friedrich Rott. (Fortsetzung) Die Thür ward dennoch geöffnet, diejenige, die jetzt all' sein Sinnen und all sein Denken in Anspruch nahm, war eingetreten. „Verzeihung, wenn ich störe —" Er war aufgesprungen und rieb sich wie schlaftrunken die Augen. ' „Ach!" rief sie lachend, „ich habe Dich Morpheus Armen entrissen. Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich nicht herein gekommen." „Nein, ich habe nicht geschlafen," versicherte er eifrig, „ganz gewiß nicht." „Nun, nun, ereifere Dich nicht, es wäre doch kein Unrecht gewesen, wenn Du geschlafen hättest. Wer schläft, sündigt nicht." „Meinst Du? — und wenn ich nun einmal in der Schule statt zu unterrichten, schlafen würde?" „Das wäre ein Gaudium für die ganze Schule," versetzte sie lachend, „da hättest Du gewiß nicht gesündigt." „Du scheinst keinen übergroßen Wert aus meinen Unterricht zu legen," erwiderte er, ein Lächeln erzwingend, aber an dem leisen Beben seiner Stimme erkannte sie doch seine Erregung, nur deutete sie sie falsch. „Verzeihe Arnold, ich wollte Dich nicht verletzen und-es ist mir gar nicht in den Sinn gekommen, an dem Wert Deines Unterrichtes za zweifeln." „Und wenn Du daran gezweiselt hättest, hättest Du's mir nicht gesagt—" „Was hast Du denn heute? willst Du Dich quälen oder mich?" „Weder Dich, noch mich," entgegnete er gezwungen lachend. „Es ist nur die Abschiedsstimmung, die mich übermannt hat, so daß mir vorhin beim Packen ganz katzenjämmerlich zu Mute geworden ist. — Aber was hast Du da? Das soll ich doch nicht auch noch einpacken?" , „Gewiß mußt Du das einpacken, das schickt Dir die Tante, damit Du nicht an uns vergissest." „Aber rinpacken kann ich doch das alles unmöglich, Koffer und Reisetasche, alles ist bereits überfüllt —" „Ach, Unsinn, Du verstehst nicht zu packen. Laß' mich hin —" Und ohne seine Gegenrede zu achten, leerte sie seinen Koffer und die Reisetasche wieder aus und schlichtete mit zierlicher. Gewandheit seine Effekten und die ihm von Frau von Stein übersandten Packete und Schachteln in die vorhandenen Behälter. „Nun, siehst Du, wie alles hineingegangen ist?" sagte sie triumphierend, „das Packen verstehe ich doch besser als Du." - „Freilich verstehst Du das," erwiderte er und sein -heißer Blick,' der ihren anmutigen Bewegungen unablässig folgte, gab seinen Worten eine doppelte Bedeutung. „Es ist Unrecht, Laß Ihr im Seminar das Packen nicht gelernt habt," scherzte sie, „das ist . für, den Geistlichen doch mit Hauptsache. Aber nun , komm' hinüber, die Tante wartet mit dem Abendbrot auf uns." - Noch einige Stunden verbrachte er in angenehmster Unterhaltung mit den ihm so teuren Verwandten, dann wollte er gleichzeitig mit dem, Gutenächtwunsch sich von ihnen verabschieden. Davon aber-wollten beide nichts hören, sie woUten ihn am folgenden Tage bei seiner Abreise zum Bahnhof begleiten. Und trotz der überaus frühen Morgenstunde, hatten beide noch früher als er, ihre Toilette beendet. und Thekla pochte mit dem Griff ihres Sonnenschirms an feine Zimmerthür und rief ihm zu, er möge, sich sputen, um noch in Gemeinschaft mit ihnen eine Tasse Kaffee trinken zu können. Dazu lieh er sich auch nicht zweimal auffordern und bald saß er an dem , runden . Frühstückstisch, seiner reizenden Cousine gegenüber, und wie trunken hing sein Blick an dem geradezu berückend schönen Mädchen. Hätte Frau von Stein nicht an den Aufbruch gemahnt, er hätte sicher den. Zug versäumt. So aber kam er noch zu rechter Zeit, allerdings war es schon hohe Zeit. Eiligst mußte er Billet nehmen und konnte nur in flüchtigen Worten den Damen nochmals danken, für die Liebe und Güte, die sie chm erwiesen. Dann umarmte er seine ältere Verwandte, reichte der jünger» seine eis-- kalte Hand zum Abschied und brachte kein Wort mehr hervor. Hastig - wandte er sich um und stieg jn's Coupee. Gleich darauf setzte sich der Zug in Bewegung. „Was hat nur Arnold?" sagte Thekla, während sie an der Seite ihrer Tante ihrer Wohnung zuschritt, „gestern und heute war er geradezu wie verwandelt, ist Dir das nicht auch ausgefallen?" „Daß er gestern und heute anders als bisher gewesen wäre, das ist mir nicht so vorgekommen, aber schon während der ganzen Zeit seines Hierseins habe ich ihn. verändert gefunden —" „Wirklich? — und was hältst Du für die Ursache dieser Veränderung? — Hast Du ihn nicht danach gefragt?" „Nein, und zwar absichtlich nicht. Mir erscheint es nämlich sehr natürlich und ich möchte beinahe vermuten, daß bei jedem Geistlichen früher oder später ein Zeitpunkt eintritt, an dem er seine isolierte Stellung wie einen Schmerz empfindet. Den kann er nur ^allein bekämpfen, und ich glaube, man würde diesen «chmerz nur vergrößern, wenn man dem Betreffenden seine Teilnahme darüber aussprechen wollte." „Glaubst Du?" „Ich bin davon überzeugt und ich würde Dir sehr widerraten, je mit ihm darüber zu sprechen, nicht einmal, wenir er davon anfangen würde, geschweige daß Du davon anfängst." — Inzwischen lehnte der junge Geistliche in die Ecke des Coupees und bemühte sich, die allzufrüh unterbrochene Nachtruhe durch einen Morgenschlummer zu ersetzen. — Er hatte die Augen geschlossen, aber zu schlafen vermochte er dennoch nicht. Im Geiste durchlebte er die so reizvoll verbrachten Wochen im Hause seiner Verwandten noch einmal, und dann schweifte sein Blick voraus in sein ödes einsames Heim und wie ein 'schauer überlief es ihn. — Tann aber ermannte er sich. Er blickte um sich, er war allein 'im. Coupee und mit lauter Stimme wiederholte er sich die Gelübde, die er abgelegt. Er richtete sich stramm auf, er war ein Mann, er tvar ein Priester, er durste und wollte sich nicht schwachherzig zeigen. Er stand auf und lehnte sich in das geöffnete Fenster und sein Blick schweifte hinüber über die lachenden Fluren, die das Dampfroß wie im Fluge durcheilte, und das Atmen ward ihm wieder leichter. Während er so sinnend da stand, erinnerte er sich, daß der Zug um drei Uhr Nachmittags seine Vaterstadt passieren werde. Einem momentanen Einfall folgend, riß er ein Blatt aus seinem Portefeuilles und entwarf eine Depesche an seinen Jugendfreund Felix Kohn. „Bin um drei Uhr dort, falls Tu daheim bist, würde ich dort übernachten. Arnold Wiesner." Bei Äer nächsten größer» Station übergab er die Depesche dem Telegraphenamt und wartete nun voll Spannung aus die Ankunft in seinem Heimatorte. Kurz vor drei Uhr legte er seine Effekten zurecht, um, sobald er den Freund erblicken würde, sofort aussteigen zu können. — Jetzt ertönte ein langgedehntes schrilles Pfeifen und gleich darauf rollte der Zug in. die Bahnhofshalle. Arnold neigte sich hinaus aus dem Fenster. Plötzlich hörte er seinen Namen rufen: „Arnold! Arnold!" Das war Felix, kein Zweifel! — Rasch ergriff der junge Geistliche seine Effekten und sprang hinaus aus dem Coupee direkt in die ausgebreiteten Arme des ihm entgegeneilenden Freundes. „Alter Junge! .hochwürdiger Herr! das hast Du gut gemacht!" jauchzte Felix. „Du bist doch noch ganz der Alte," entgegnete Arnold lächelnd. „Du auch, ich habe Dich sofort erkannt, trotz der Tonsur." „Nein, erkannt habe ich Dich im ersten Augenblick nicht. Dein Bart ist stärker geworden und Du siehst überhaupt weit stattlicher aus." „Nun, über große Fülle kann ich mich noch nicht beklagen, darüber klagt nämlich meine Mama noch immer." „Noch immer? — Wie geht es Deinen Eltern?" „Danke sehr, geht beiden gut und beide freuen sich, den hochwürdigen Pater Wiesner bei sich begrüßen zu können. Aber gieb mir doch Deine Sachen, das schickt sich nicht mehr für Dich, sie selbst zu tragen, namentlich wenn ich dabei bin. — M, gieb her, mach' doch keine Umstände. Uebrigens da ist ja schon unser Wagen." ©ie stiegen ein und hatten bald das Kohnsche Wohnhaus erreicht. (Fortsetzung folgt.) Vakanzen. Religionslehrer, Schächter undBorbeter.per l. September in Markt-Bechthofen (Bayern), freie Wohnung und 1700 Mk. Einkommen. Meldungen an S. Bechhold. Religionslehrer, Schächter und Vorbeter per bald in Mingolsheim, Gehalt 850 Mk., freie Wohnung und ca. 400 Mk. Nebeneinnahmen. Meldungen sem. gebildeter Bewerber zu richten an die Bezirkssynagoge in Bruchsal. Lehrer an der Volksschule in Hagen i. W. Anfangsgehalt Mk 1500 und Wohnungsgeld, außerdem noch Nebeneinkommen. Meldungen zu richten an die städt. Schuldeputation. Religionslehrer und Kantor per sofort in Guntersblum. Gehalt Mk. 1000 und freie Wohnung. Offerten sem gebildeter Bewerber zu richten an den Vorsteher, Herrn Otto Mann. Kantor, Schächter und Religionslehrer per sofort in Pleß O.-S., Gehalt 1200 Mk. und 400 Mk. Nebeneinkommen. Meldungen unter Beifügung von Zeugnissen und Lebenslauf, zu richten an den Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Wilhelm Glücklich Gegr. Schiilerstrasse 4,1. Gegr. 1879. Frankfurt a. 91. 1879. Immobilien, Hypotheken. Panther-, Tiger-u. Gritzner-Räder. UNähmasehinenU Gebrauchte Räder von Mk. 40.— an. Zabehörtheile. Reparaturwerkstätte. Filbrich & Mayer Weissfrauenstrasse 20 Telephon 4466. Telephon 4466. Einzelnummern unserer Zeitung sind bei sämtlichen Frankfurter Zeitungs-Kiosken zum preise von 10 Pfennig zu kaufen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. oioioioioloiololo:oioio;oio:o:o:o:o:oio:p:o:o:o!o:o:o'o:o:o:o:o ' 8 PAUL TÜBBEN 8 Silberne Bestecke Für den Inseratenteil, übernehmen wir nur die pretzgesetzliche Verantwortung. OOOOOOOOOOOOOOQOQt___ _ , , , g Älle STllUJr’1—;v-® —-—--—-“ o Q und D»jouter»en Juwelier X Verkant nach Gewicht. von den einfachsten bis zu X _ X § den feinsten. g 2 Goethestrasse 2. © Enorme Auswahl. 0 lOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOQOOOOOOr ete. ete. oToToioioioioioioroioioio 1010:0:0:0;o :o;o io