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Neue jüdische Presse · 1903-04-08 · Heft 23-24 (8.4.1903) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 23-24 (8.4.1903)
Date
1903-04-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28/24. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. „Wa» «einen Me, Fräulein?" Sie sah ihn betroffen an. Er hatte sie indes verstanden, und takt- und rücksichtsvoll, wie er war, fragte er nichts weiter. Er setzte ihr aber, immer noch als ob seine Person allein dabei in Betracht käme, alle Einzelheiten der Reise und der Grenzüberfahrt auseinander. Der Dampfer beschleunigte seinen Kurs. Das Geräusch der Maschine wurde immer stärker und das Geplätscher der Räder immer mächtiger. Die neuen Bekannten mußten sich enger zusammensetzen, um sich im leisen Tone verständlich machen zu können. Es war ihnen, als hörten sie in diesem ohrenbetäubenden Chaos die mächtige Stimme des Schicksals, das sie zusammengeführt und sie jetzt beisammen hielt.... Ms nach etwa drei Stunden der Dampfer die Fahrt verlangsamte und dem Sandufer von G. mühsam zusteüerte, kannten sich die jungen Leute und wußten gegenseitig von ihrer Geschichte soviel, als für die erste Bekanntschaft nötig war. . (Fortsetzung folgt.) Aus unser« Tagen von Friedrich Rott. (Fortsetzung) „Wer nein, nein, das ist es ja nicht! — es liegt mir ja nichts an dem Gelbe — ich gönne es ihr in Wirklichkeit von Herzen — sie.ist ja sy gut und so lieb — und mir liegt faktisch nichts an Geld — nein, nein, das ist es nicht — ich kann Euch das. nicht so sagen — aber Ihr dürft nicht so schlecht von mir denken —" Seine Stimme 'bebte abermals imb in seinem Gesichte zuckte es so heftig, -Ernst befürchtete einen abermaligen Weinkrampf. . . „Sei unbesorgt, wir denken nichts Schlechtes von Dir, im Gegenteil — wenn Du willst, sage ich Dir, wie ich mir Deine heftige Erregung erkläre. — Soll ich?" „Ihr dürft mich nicht für einen Geldmenschen halten." „So nimm doch Vernunft an, wir glauben Dir aufs Wort, daß Dir gar nichts daran liegt, daß Deiner Cousine der größte Teil der Hinterlassenschaft Deines 'Onkels zufällt, aber ich glaube, daß es Dich schmerzt und Dich im höchsten Grad aufregt, daß daraus hervorzugehen scheint, daß sie ihm, der durch seinen Stand zum Cölibat verpflichtet war, näher steht, als seines Bruders Sohn. Das wurmt Dich, das kannst Du nicht so rasch verwinden, namentlich da Du Dich demselben Stande zu widmen beabsichtigst." Arnold ergriff die Hand des Freundes und drückte sie mit einer Heftigkeit, daß Ernst sie lachend zurückzog. „Entschuldige mein Lieber, ich gebrauche meine Hand, muß noch heute Briefe schreiben." „Ich habe Dir wehe gethan, verzeihe — aber ich fühle mich Dir so sehr verpflichtet, weil Du mich verstehst. — Ich habe mich nicht halten können, es war mir unmöglich — und dann die Angst, daß Ihr mich einer so niedrigen Gesinnung fähig halten könntet —" „Herr Gott, da sängt er von vorn an! — Nein, das geht über die Grenzen des Erlaubten! Komm' Ernst, wir räumen das Feld. Wenn die Audienz, die Du Deinen Gefühlen erteilst, zu Ende ist, dann kannst Du uns .Nachkommen, Arnold." Aber sie waren bei diesen Worten alle drei aufgestanden. „Wenn Du Dich auch noch so sehr verstellen willst, ich kenne Dich doch," sagte Arnold, „darum nehme . ich Dir nichts übet." s ,„Na, das klingt doch wieder vernünftiger, dann wollen wir Dich meinethalben mitnehmen." Arm in Arm schritten sie dahin in den schattigen Alleen und es gelang den Freunden auch, den Leidtragenden allmählich in eine ruhige Unterhaltung zu ziehen. ' ■ Das Begräbnis war vorüber. Frau von Klein und ihre Nichte beabsichtigten gleich darauf abzureisen. Arnold begleitete sie zum Bahnhof, alle waren in Trauergewändern; die Damen von langen dichten Schleiern umhüllt. Auf dem Perron jedoch schlug Frau von Klein den Schleier zurück, um sich mit dem neben ihr einherschreitenden jungen Manne leichter. zu unterhalten. Sie hatte, ihn schätzen ge-, lernt während ihres mehrtägigen Zusammenseins, dankte ihm für die ihnen erwiesene Aufmerksamkeit und forderte ihn auf, . seine nächsten Ferien in ihrem..Hause in K. zu verbringen. Dann umarmte sie ihn, küßte ihn aus die «tirn und stieg ein. Thekla.folgte ihr, nachdem sie dem Vetter gleichfalls die, Hand gereicht und' ihm gedankt hatte. Gleich darauf setzte der Zug sich in Bewegung. Zweiter Teil. Eine Reihe von Jahren war verstrichen. Das nicht unbeträchtliche- Erbe des. Seminardirektors hatte seiner jugendlichen Verwandten wenig Glück gebracht. Ihre Verlobung mit demjenigen, dem sie ihr Herz geschenkt, hatte zwar stattgesunden, aber derselbe hatte bald darauf um Vorauszahlung der ihm zugesagten Mitgift gebeten. Als jedoch die Damen außerstande waren, diesem Verlangen zu entsprechen, weil Thekla Minderjährig mt&: daher über ihr Vermögen »och nicht verfügen konnte, war ihr Verlobter eines schönen Tages verschwunden mit Zurücklassung einer kolossalen Schuldenmasse. Das war ein furchtbarer Schlag für das unglückliche Mädchen. Sie verfiel in ein hitziges Fieber, viele Wochen schwebte sie zwischen Leben und Tod, dann endlich siegte ihre Jugendkraft. Mer sie erholte sich äußerst langsam, ihr Lebensmut schien für immer gebrochen; und es vergingen mehrere Jahre, bis Arnold Wiesner, der inzwischen Katechet geworden war und seine Ferien regelmäßig bei seinen Verwandten in Karlsruhe verbrachte, die Freude hatte, wahrzunehmen, daß seine Cousine sich wieder mehr und mehr dem Leben zuwandte, daß sie wieder heiter und lebensftoh ward. Als Arnold sie zuletzt gesehen, da fühlte er sich wie geblendet von dem Liebreiz, den sie unbewußt ausstrahlte. Zum ersten Mal fühlte er die ganze Schwere seines Priestergelübdes. Wie mit Zaubermacht zog es ihn zu ihr hin, er ward nicht müde, ie zu betrachten, er berauschte sich an dem Ton ihrer Stimme, an ihrem silberhellen Lachen, das sein Herz rascher pochen machte. Lächelnd gewahrte Frau von Klein den Eindruck des schönen Mädchens auf den jungen Geistlichen, ohne jedoch die Tiefe seiner Empfindung zu ahnen. „Nicht wahr, sie hat sich sehr zu ihrem Vorteil verändert?"! „Wunderbar, daß sie je so werden könnte, das hätte ich nie für möglich gehalten." „Ich auch nicht. Aber ich. bin jetzt doppelt glücklich, daß ich sie, ich könnte beinahe sagen mit Gewalt zurückgehalten habe, den Schleier zu nehmen. Was mich das gekostet hat, davon hast Du keinen Begriff." ( - „Das wäre in der That ein Sacrilegium gewesen," entgegnete er mit verhaltenem Seufzer. „Es freut mich, daß Du das auch findest, offen gestanden, ich hätte es Dir kaum zugetraut." „Weshalb nicht? weil ich selbst das Ordensgelübde abgelegt habe? — aber ehen deshalb kann ich es um so besser beurteilen und weiß, daß wer sich nicht in Wirklichkeit dazu berufen fühlt, sich nicht ungestraft diesem Berufe widmen würde." Seine Stimme hatte einen eigentümlichen Klang, unwillkürlich blickte sie ihm in's Angesicht, das jedoch keine Spur von Erregung verriet. „Du aber fühlst Dich glücklich in Deinem Berufe?" Er atmete tief auf, dann jedoch sagte er mit fester Stimme: „Dem Herrn sei Tank!" „Das freut mich, freut mich aufrichtig. Obgleich ich Dir. nicht verhehlen will, wenn ich geahnt hätte, daß Thekla so werden würde, hätte ich alles Mögliche aufgeboten. Dich Deinem Vorsatz, in den geistlichen Stand zu treten, abwendig zu machen. Wie wäre das jetzt so schön gewesen, wenn Ihr beide ein Paar hättet werden können. „Es wär' zu schön gewesen, es hat nicht sollen sein," versetzte er lächelnd, ohne jedoch ein leises Zucken seiner Lippen vollständig unterdrücken zu können. > „Freilich hat es nicht sein sollen," erwiderte sie, „sonst wäre es doch geworden." „Gewiß ist es so recht und Ihnen, liebe Tante, wird es sicherlich in nicht all zu ferner Zeit gelingen, meine liebenswürdige Cousine Ihren beiderseitigen Wünschen entsprechend glücklich zu verheiraten." Was es ihn kostete, diese Worte hervorzubringen, davon hatte sie sicher keine Ahnung und was ihn dazu veranlaßte, darüber war er sich selbst nicht klar. Jhnr war, als fasse eine eisig kalte Hand sein wild pochendes Herz und wolle es zum Stillstand zwingen, wenn er sich seine Cousine an der Seite eines Andern vorstellte, hätte er laut anfschreien mögen, in namenloser Qual. Aber sie, um die er jetzt unsäglich litt, hatte keine Ahnung von seinen Gefühlen ihr gegenüber. Unbefangen heiter verkehrte sie mit ihm, lachend und scherzend. Und er fühlte sich glücklich, unsäglich glücklich, wenn sie ihn zuweilen zur Zielscheibe ihrer harmlosen Neckereien machte, was hätte er darum gegeben, wenn es immer nur so hätte bleiben können. Aber die Ferien verstrichen allzu rasch, ihm war» als wäre er erst gestern angekommcn, und schon mußte er wieder daran denken, seinen Ranzen zu schnüren, um morgen mit dem Frühesten die Heimreise anzutreten, zurück-, zukehren in sein Heim, sein ödes freudloses Heim. — Warum erschien ihm nur sein Heim mit einem Mal so öde und so freudlos? — Bisher tjattc er sich doch immer ganz behaglich daheim gefühlt. Er wußte sich geachtet von allen seinen Bekannten und verehrt und geliebt von allen seinen Schülern und fühlte sich glücklich in dem Bewußtsein, die Seelen der ihm anvertrauten Jugend dem Höchsten zuzuwenden. Und das Alles hatte urplötzlich seinen Wert für ihn verloren? Mitten im Ordnen seiner Effekten hatte er sich, auf das Kanapee geworfen und den Kopf der Wand zugewandt, als könnte er dadurch alles Unangenehme abwenden. Ein leichtes Klopfen an seiner Zimmerthür hatte er zwar nicht überhört, aber in dem Unmut, der ihn momentan überkommen, hatte er das übliche „Herein" nicht über seine Lippen gebracht. (Fortsetzung folgt.) Erew-Pefach am Sabbach. Erew-Pefach am Sabbath zeitigt Bestimmungen, die an einem gewöhnlichen Erew-Pefach nicht in Frage kommen. <• y Wir hatten bereits in der vorigen Nummer dmauf ,. hingewiesen, daß die Erstgeborenen dieses Mal am -!', Donnerstag fasten und dag Bedikath Chomez bereits ' Donnerstag Abend vorzunehmen ist; auf vielseitigen .7-, Wunsch lassen wir. nun heute noch die wetteren', Be-- Stimmungen folgen: v .-''V; 7 Wer Chomez besitzt, das er nicht aufzehren.kamr' und es verkaufen will, muß es Freitag vormittag vor / 10 Uhr verkaufen. . _ Man behalte nicht mehr Chomez im Hause, als was man für Freitag und für Freitag abend unkt. * Sabbath morgen nötig hat: * .. Man vergesse nicht, von den Sabbathbroten Challoh abzusondern und zu verbrennen. Sollte man- ' es vergessen haben, so kann es, solange Noch nicht- Schabos ist. nachgeholt werden. Erinnert may sich.-L jedoch erst am Schabos, daß man keine Challoh' ge- -, nommen hat, so ist unvorzüglich eine zu machen.; ■ - ,; ' A Man koche für diesen Sabbath keine Speisen mitzM Mehl oder Chomezspeisen, die an den Töpfen ankleoen am besten ist es, wenn das Essen schon im Pessach^'» L geschirr gekocht wird. _ . - "rf Man darf heiße Chomezspeisen nicht direkt Von-A' Pessachgefäßen in Chomezgefäße leeren! Sind; die - Speisen nicht mehr heiß, dann, dürfen sie umgeleerts) werden, jedoch muß man darauf achtenüaß von dem-), Chomezgeschirr nichts in das Peffachgeschirr zurü^M spritzt. Ratsam ist es. die Speisen in solchen. Töpfen/ warnizuhalten. die man nach Pessach für Chomez ver--:A. wendet, oder sich einige billige neue Teller zu'kmifech)/' die man nach Pessach für Chomez verwendet. Am Sabbath darf nur solches Geschirr, gespült.'-/,, werden, das man an demselben Saübath wieder. ver- > - wenden will. Die Töpfe, in welchen die Speisen lvarnk' -, gehalten wurden, dürfen daher keinesfalls gespült s ) werden. Es schadet durchaus nichts, wenn Speisereste'-, in den Töpfen hängen bleiben, da ja) diese ReM nicht j.- Chomez sind. Man achte darauf, daß beim Wen keine«,) Brotkrumen in die Teller. Tassen u. f. so. saften. ' Ist ')-, dies doch geschehen, so entferne Man-diese Krumentmitz der Hand oder mittelst eines Sttickchen Papiers," das-s man dann wegwerfen kann. Alles andere — auBefe^ den Krumen — lasse man ruhig an.Tellern, Tassen -- u. s. w. hängen und stelle das ganze Chomezgeschirr,^ zu dem schon vor Sabbath weggeräumten übrigen Chomezgeschirr. ___ Bis 9 Uhr am Sabbath vormittag darf-- man' | Chomez essen. Sollte, man nach dieser Zeitnoch; .7 Chomez übrig haben, so verschenke man es,-jedoch bis! spätestens 10 Uhr. _ Nach dem Essen schüttele man das Tischtuch gehörig aus, am besten auf einen Bogen Papier. Da man am Sabbath keine Krume od. dgl. auf die Sttaße werfen, auch keine Tischtücher aus die Sttaße schütteln darf so bleibt nichts anders übrig, als die Krumen v in den Wort zu schütten. Bom Sabbath morgen ‘ 10 Uhr an darf man Chomez weder im Hause noch sonst irgendwo im Besitz haben. -. Nachdem alles Chomez weggeschafft ist — also spätestens 10 Uhr — sagt man das zweite Kol chamiroch.. Srana und das Ei sollen schon Freitag gebraten^ werden; auch bereite man das.Charoses anl Freitags" , Die anderen Vorbereitungen zum Seher haben entweder »- auch am Freitag zu geschehen, oder erst nach Sabbath')-; Ausgang, wenn es schon vollständig Nacht, ist. Keines^--) falls dürfen sie am Sabbath vorgenonnNen' werden. . Es darf — wie immer an Erew-Pefach — den-,) ganzen Tag keine Mazzoch gegessen werden; zur drittens Sabbathmahlzeit also weder Brot noch Mazzoth. T« Wilhelm Glücklich Gegr. SchiUer9trasse 4, I. 1879. Frankfurt a. M. Immobilien, Hypotheken. Einzelnummern 5 ~ unserer Zeitung sind bei sämtlichen^ Frankfurter Zellungs-Siosiiien zum Preise von 10 Pfennig zu kaufen. Frankfurter* Israelitisches Familiervblaift.', ~; >

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