Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 19 (13.3.1903)
- Date
- 1903-03-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19. Seite 4. rascht wurde, sondern ein Riese (keine Riesenschlange, sondern ein ausdrücklicher Riese) und er läßt nicht undeutlich burchblicken, daß Eva ihrem Gemahl eine präparierte Frucht reichte, um ihn zu betäuben und der Erinnerung an das Geschehene zu berauben. Zum Glücke hält sich der Verfasser im weiteren Verlaufe seiner Erörterungen an unbezweifelbare und leicht nachweisbare Thatsachen, wie zum Beispiel, daß Dia eine SzßLerin war. Eva hieß nämlich in hebräischer Sprache Ehavva, was .Pferd bedeutet. Evä'mußte somit'einer Reiternation angehören. Diese Nation war nun keine andere, als die Lu-can-usa, deutlicher L6-Kun-Nation, unsere heutigen „ftö-ksjS" (pfstdeköpfigen) SzMer^ - . Aus dieser Auseinandersetzung läßt sich übrigens unschwer auch die historische Abstammung des jetzigen Jäß-Kuner Komitats konstruieren. Julius Adam de Bas war, wie nachgewiesen, im Jäßer Kvmitat geboren; seine Gattin Eva eine Kunerin; wie dies nun in adeligen Familien oft vorkam, wurden die Wappen der Leiden Ehegatten, das Jäßer und Kuner, vereinigt. Das ist das Gemze. Wie man sieht, verschmäht es der Autor, Indizienbeweise zu konstruieren und Hypothesen, aufzustülen. Er begnügt sich damit, trockene Thatsachen zu registrieren. Eine der interessantesten ist die Konstatierung dessen, daß das Hebräische eine Korrumpierung des Magyarischen ist. Die Juden, welche die Bibel schrieben, gebrauchten nämlich mit Vorliebe den Doppelkonsonanten „ch", der eigentlich gar nicht existiert. So verunstalteten sie Äom (Traum) auf «LLIom, dataS (fortschreiten) auf chalad, haläl (Tod) auf chaläl, liatär (Grenze) auf cbätdr und so fort und so fort. Der Autor verspricht in seinen nächsten Publikationen den magyarischen Ursprung Kain's und Abel's, Noah's, Abraham's, Jsaak's und Jakob's, sowie der übrigen biblischen Magnaten nachzuweisen, und wir gestehen gerne. Laß wir den in Aussicht gestellten Mitteilungen mit gespanntem Interesse entgegensichen. Die Broschüre ist in Budapest erschienen; der Autor hat sie keinem Verleger gegönnt, sondern auf seine eigenen Kosten herausgegeben und er ist bereit, um Len Preis von 80 Hellern sie Jedem zur Berfligung zu.stellen.. '■"'m (Nachdmck verboten.) Ei« Sabbat-Engel in Uniform. Als vor einigen Jahren eben die Sonntags-Ruhe enigeführt werden sollte, saßm zu Wiesbaden im Hotel Hiqchberger mach beendeter Ppblo ä'dsto drei Herren in ein Gespräch vertieft, dys die Folgen zum Gegenstände hatte, welche diese Neuerung für diejenigen jüdischen Geschäfte haben werde, die den Sabbat strenge feiern. Der öftere der Herren, ein geistreicher .Graukopf, dessen tiefgefurchter Stirn man die Arbeft und Aufregung Änes aus Leinen Anfängen erblühten großen Handelshauses ansah. war Chef der im Elsaß hochangesehenen Firmd: Gebrüder Kurz. Ihm gegenüber saß Herr Stadler, ein Rentier aus Norddeutschland, und der dritte war ich selber. aE mehr passiver Zeuge der erregten, interessanten Unterhaltung. ' »Ich gebe alleJhre Bedenken zu," entgegnete Herr Kurz auf die stärk pessimistisch gefärbten Aeußerungen des Herrn Stadler, »aber es sind doch im Grunde genommen dieselben Einwände, die man von jeher gegen die Möglichkeit, den Sabbat gewissenhaft zu halten, geltend macht nur in noch etwas verstärktem Maße, wie es die neue Einrichtung mit sich bringt. Leicht war es nie, den Sabbat richtig zu haften, und leicht wird es auch in Zukunft nicht sein. Aber ich meine, in einer Zeft, wo selbst der Staat auf einen Ruhetag mft solchem .Nachdruck drängt, wäre es doppelt Unrecht von nns Juden, dieses äfteste Heiligtum der Menschheit aus bloßen Geschäftsrücksichten preiszugeben.' Der alte Gott, der den Sabbat geheiligt hat, hat chn auch mit seinem Segen.ausgestattet. Deshalb bleibt die Entweihung des Sabbats auch unter den neuen Derbältnisscn eine Gottesleugnung, wie sie es immer war. Vielleicht hat Gott diese Erschwerung nur zugelassen, um uns nuf die Probe zu stellen, wie ernst wir es noch mft seinem Zeichen nehmen, durch das er fepstellt, ob wir noch ganz zu den Seinen zählen oder nicht."" - »Sie haben gut reden/ meinte darauf Herr Stadler, »als Chef eines großen, seit vielen Jahren nt eingeführten Geschäfts, mögen. Sie den Ausfall ieses Tages auch unter den erschwerten gegenwärtigen Umständen leichter verwinden. Aber Kausteute, die es noch nicht so wett gebracht haben, die sich selbst in sechs Tagen der scharfen Konkurrenz nur schwer erwehren können, und die bilden doch die Mehrzahl, werden über die Sonntagsruhe wohl etwas' anders denken." »Das mag sein; aber ich war auch nicht immer Chef eines großen Hauses," entgegnete gedankenvoll Herr Kurz. »Es ist währ, daß für eine größere Firnia nach mancher Seite hin die Heilighaltung des Sabbat leichter ist, aber es fehlt doch auch wahrlich nicht an Momenten, die gerade einem größeren Geschäft, die strftte Beobachtung des Sabbat erschweren, Wie dem frankfurter Israelitisches Familienblatt. aber auch sei, die Größe oder Kleinheit meines Ge-, schäfts würde meinen Sabbat in keiner Weise beeinttächttgen." »Daran zweifelt ja Niemand." entgegnete Herr Stadler. »Die Frage ist mrr, ob Sie diese Ihre Ansicht auch kleineren Geschäftsleuten gegenüber so gut wie mir gegenüber vertreten könnten, wenn diese Ihnen die Unmöglichkeit, den Sabbat heute gewissenhaft zu haften, in allen Farben schildern." »Mit Watten," entgegnete Herr Kurz, »wird man da wenig erreichen, auch wenn man das Blau vom Himmel holen könnte. Wer rein bleiben und rein werden will, dem hilft Gott dazu, wer es nicht will, dem ist nicht zu raten und . nicht zu Helsen." Es folgte diesen Ausführungen eine kleine Pause, und wie zur Bekräftigung seiner Ausführungen richtete Herr Kurz dann plötzlich an uns die Frage: . »Haben Sie schon einmal von Rabbi Schelomo Wolf Klein, Grand-Rabbin in Kolmar gehött?" »Gewiß!"' erwiderten wir beide, »wenn er.uns auch nicht persönlich bekannt war." »Nun, mir war er persönlich bekannt," entgegnete Hen Kurz. »Er war einer von den Räbbinen alten Schlags, der große Thorakenntniß und eine bedeutende, klassische Bildung besaß: Aber mehr als diese Vorzüge zeichneten ihn sein heiteres, leutseliges Gemüt und seine tiefe, aufrichtige Frömmigkeit aus, verbunden mit eineni hüllen, scharfen Geist, der immer das rechte Wott zur rechten Zeit bereit hatte. Ich würde mich an seinem Andenken zu versündigen fürchten, wenn ich an Zügen seines Lebens erst Nachweisen wollte, wie hoch ihm speciell die Heiligkeit des Sabbat stand. Ich erwähne nur das eine, das mir glaubwürdige Zeugen erzählten, daß er einmal am Sabbatirrtümlich seine Uhr nachgetragen hatte und daß er, als er es gewahtte, stundenlang bis nach Ausgang des Sabbat sich nicht von der Stelle rührte, um das Verbot des Tragens am Sabbat nicht ferner zu übertteten. Zu Rabbi Schelomo Wolf Klein s. A., kam einmal ein reicher Großindustrieller von Kolmar, um folgende religiöse Frage, an denselben zu richten. In Kolmar wohnte damals eine arme Witwe mit sieben Kindern, deren ältester Knabe eben die Schule verlassen hatte. Der Großindustrielle wollte den intelligenten Knaben in sein am Sabbat geöffnetes Geschäft nehmen, der Mutter dafür eine monatliche Vergütung zahlen,, welche zur Linderung der äußersten Not gereicht hätte. Ein anderer Ausweg, die hungernde Familie zu versorgen, war nicht vorhanden; aus der Sabbatentweihung des Sohnes wären acht Seelen vor Verkümmerung geschützt; darf der Sohn den Sabbat entweihen, um das Leben von acht teueren Seelen zu erhalten? Für ihn, den Fragesteller,-sei dies gar keine Frage, da ja bei Lebensgefahr der Sabbat zurückttitt, aber die anne Frau willigt nur ein. wenn der Rabbiner die Sabbatentweihung unter diesen ungewöhnlichen Umständen gut heißt, wie entscheiden Sie Herr Grand Rabbin? »Bevor ich Ihnen antworte," entgegnete der Geftägte, »muß ich Ihr Urteil einmal in einer ähnlichen Frage hören, die schon vor mehreren Jahren an mich gerichtet wurde. Hier wohnte, damals ein Mann, der in seiner Jugend die Schlosserei erlernt hatte/ aber schon längst sein Gewerbe wegen Kränklichkeit aufgeben mußte. Er litt mit seiner zahlreichen Familie tatsächlich Hunger und die Armut der ehrbaren Leute war mn so größer, als ihr Ehrgefühl sie zurückhielt, ihre ttaurige Lage jemandem anzuvertrauen. Dieser richtete eines Tages folgende Anfrage an mich: Ich wohne in der ... Straße hart neben Banquier N. im zweiten Stock. Von dem.Geldschrank des Herrn N. ttennt mich nur eine dünne Wand; nähme ich einen Stein aus derselben, so stoße ich auf die Rückseite des Kassenschranks. Es wäre..für. mich ein leichtes aus dieser Rückseite ein Stück herauszufeilen und es wieder einzusetzen, darf ich das thun. und mir aus diesem Schranke eine oder zwei Hündertftancs-Noten holen, die der reiche Mann kaum vermißt, und die ich wieder an ihren Platt zurücklegen will, sobald sich meine Lage etwas gebessert hat?" „Was hätten Sie diesem Mann geantwortet?" ftagte der Rabbiner den Großindustriellen. „Was ich ihm geantwortet hätte? Das ist doch einfach, der Mann ist ja ein ttchliger Dieb I" „Ein Dieb?" ftagte der Rabbiner, „und wenn er das wäre, ist denn das so schlimm?" „Sie fragen noch? Steht, denn nicht mehr in den zehn Geboten: Du sollst nicht stehlen?" „Gewiß." entgegnete Rabbi Wolf Klein, ich habe auch demgemäß entschieden und fteue mich,. daß meine Entscheidung Ihren Beifall gefunden hat. Aber, wenn die zehn Gebote für uns maßgebend sind, dann ist auch Ihre Frage entschieden, denn darin steht auch, daß wir am Sabbat keine Arbeft thun . dürfen." .»Gegen diese Selbstverurteilung gab es keine Appellation und der Fragesteller wußte nun ganz genau, daß sein Rabbiner nicht für die. Sache zu gewinnen war. Glauben Sie aber, daß der Mann infolge dessen seine Fabrik von nun ab am Sabbat geschloffen hat? Ich glaube es nicht, weil der Krämer-Gesinnung, die den Sabbat preisgiebt. durch bloße Worte und Beweise eben nicht beizukommen ist." „Wie wäre ihr aber denn beizükominen?" ftagte Herr Stadler.' . „Für Leute," entgegnete Herr Kurz, „die den Bruch mit Gott und seinen! Gesetz durch Entweihung des Sabbat bereits vollzogen haben, dürste es wohl kaum ein menschliches Mittel geben, das. hier Wandel schaffte. Da gelingt es meistnpr durch direftes göttliches Eingreifen, durch Krankheit, Todesfälle, Verarmung und wie die Mittel alle heißen, die Gottes" Allmacht anwendet, um Irrende wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Und auch da hilft es nicht immer." „Das liegt aber, darin, daß so diele das Bewußtem von Gott im allgemeinen und vom' Segen des Sabbat insbesondere verloren haben," bemertte Herr Stadler. *' „Das stimmt," bemerkte bestätigend Hen Kurz. »Wenn man das einem in die Seele hineinreden könnte, o wäre ihm geholfen. Bei Halben, Schwankenden, )ie noch den Sabbat heilig halten, wäre die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, sie durch einen solchen Hinweis von dem jähen Bruch zurückzuhalten. Wenn sie davon überzeugt wären, daß der alte Gott noch lebt und mit seinem Segen „ohne Grenzest" allen, die den Sabbat ehren, noch heute so nähe ist,!vie in alter Zeit, so würden sie ganz wie wir von dem Verbrecherischen und Lächerlichen des Gedankens überzeugt sein, durch Entweihung des Sabbat den Segen in seinen Kreis zu ziehen. Aber wie gesagt, mit bloßen Worten. erreicht man nichts/ man muß auf feste, thatsächliche Vorkommnisse verweisen können. Unsere heiligen Schriften erzählen ja viele solcher Thatsachen, aber das glauben unsere Gebildeten ja nicht; davon muß man daher leider absehen. Aber mir ist in meinem vielbewegten Leben selber so manches vorgekommen, was mich auf den sichtlichen Beistand Gottes gerade bei der Heilighaltung des Sabbat hinwies, daß ich es auch anderen erzählen zu sollen glaubte und ich darf wohl sagen, daß es nie seinen Eindruck verfehlt hat."' „Dürften wir nicht auch' um diese Erzählung bitten?" fragten wir beide den biederen Greis. „Warum denn nicht? Wenn es Ihnen Vergnügen macht recht gerne. Habe ich doch in Ihnen zwei Zuhörer, bei welchen ich alles Beiwerk bei Seite lassen und mich nur auf die Thasache beschränken kann, wie sie sich thatsächlich mir ereignet hat. (Schluß folgt.) Ans ««fern Tagen von Friedrich Rott. (Fortsetzung) - Ernst betrachtete die Freunde mit einem, eigen-, tümlichen Blick. „Ich kann zwar nicht in Abrede stellen, daß die Großartigkeit der uns hier umgebenden Natur überwältigend auf den Menschen Wirten kann, namentlich, da ich sehe, daß Ihr überwä tigt seit. Aber osfen gestanden, ich begreife Eueren Gedankengang nicht, durch den Ihr den Schöpfer eher zu erkennen glaubt als daheim,, wo,, doch auch, der Himmel sich über der Erde wölbt, wo auch die Sonne an jedem Morgen ausgeht und 'Abends'wieder untergeht um am —" . . . „Aber Du hast Dir Deine Bemerkung doch gleich selbst beantwortet," sagte Arnold lächelnd, „indem Du anerkennst, daß der großartige Anb.ick der uns hier umgebenden Natur uns überwältigt hat — Wo man von überwältigen spricht, denkt'man. an Gewalt und Gewa't bedingt, wie ich glaube, den k'aren Gedänkengang keineswegs, wenn sie ihn nicht g adezu ausschließt. Ich wenigstens, wenn ich überwältigt werde, so fühle ich mehr als ich denke." „Ja. so. Tu meinst—" „Ich meine," fiel Felix ein, „daß Ihr Euch Eeure philosophischen Betrachtungen für da.eim äusbewahren solltet, hier ist es wirllich' zu schön dazu. Hier lasset uns genießen und nur genießen, und zwar jeden Augenblick, denn er..kehrt bekanntlich nicht zurück." ' ... „Nun, für's Genießen ist gesorgt," scherzte Arnold, „namentlich da Dü unser maitre de plaisir bist." . „Ja," rief Felix lachend, „Ihr könnt zustieden mit mir sein, aber ich bin auch mit Euch zustieden und so sind wir eigentlich die verkörperte Dreieinigkeit." ,Felix!" ■ 1 „Pardon, ehrwürdiger Herr ln spe! aber ich habe wahrhaftig nichts dabei gedacht — das wirst Du mir doch glauben —" „Aber gewiß glaube ich Dir das, ich weiß. Du wolltest mich nicht kränken." ' . „Dich kränken? welche Idee!" Dabei, schlang er gleichzeitig beide Arme um die beiden andern. - „Arm in Arm mit Euch so fordere ich mein Jahrhundert in die «schranken!" deklamierte er pathetisch.' „Glückliches Jahrhundert!" spöttelte Ernst. „Weshalb nennst Du es glücklich? meinst Du, es hätte nichts von uns zu fürchten?" . „Das eben meine ich." > „Aber Deine Meinung ist falsch, ich erblicke in uns die Vertreter her geistigen Großmächte Westeuropas. Du, als jüdischer Geistlicher in spe bist Vertreter des Judaismus; Arnold als katholischer " Priester in spe ist Vertreter des Katholizismus und ich bin Protestant, denn ich protestiere gegen -Euch beide oder vielmehr gegen dasjenige, was Ihr . vertretet." „Das kannst Du nicht," entgegnete Ernst, „denn Du hast weder von dem Einen noch von dem Andern einen Laren Begriff." „Deshalb kann ich doch dagegen protestieren, zum Protestieren gebraucht man nur eine gute Lunge und die habe ich-Gottlob! Aber ich vergehe schon.