Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 19 (13.3.1903)
- Date
- 1903-03-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. iS. Frankfurter Israelitisches Familimblatk. Seite 3. Mainz. Der Vorstand des „Israel. Hospitalvererris" besHästigt stch^mit der Errichtung eines Krankenhauses iiiib eines Pfrün.dnerhauses:- er hat für diesen Zweck bereits elfi Grundstück erworben.. ÜK das edle Werk vollenden zu können, sind noch größere Geldrnlttel nötig und wird deshalb recht dritigcnd um Beitritt zu dem Verein 'und um Spenden ersucht. BsittntserjlistjiiPtlt und Spenden nehmen entgegen die Vorstandsmitglieder und zwar die Herren: Eduard Simon. Vürsitzender, Rabbiner Ar. Bondi, Siegmund Cahn. Zsäac Joseph Fulda, Dr. B. Hesdörffer, Dr. M. Loeb, Justizrat Dr. Ferd. Phil. Mäher, Hermann Reiling, Rabbiner Dr. Salfelb, Ab. Schott, 8. Weinschenk. Stuttgart. Jubiläum. Äm Samstag beging der Israelitische KrankenvetsicherUNgs- B er ein sein Svjähriges Jubiläum. Aus Anlaß oes- ' selben fand vormittags in der hiesigen Synagoge ein Festgotteshienst statt, welchem der Vorsitzende der K. Israel. Oberkirchenbehörde, Regierungsdirektor von Habermaas, sowie die KicheNborsteher und eine stattliche Anzahl GemeindeMitglkeder aNwohNten. Kirchenrat Dr. Kroncr wies in seiner Festpredigt aüs die Tugend der Nächstenliebe und die damit im Zusammenhang stehende Fürsorge sür Kraüke und Leidende hin, welche seit zwei Jahrtausenden von deN Belevnem der mosaischen Religion in umfassendem Maße geübt werde. Der Redner hob hervor, wie der Verein, der heute sein Jubiläum begehe, den an ihn gestellten Forderungcn allezeit in segensreicher Weise gerecht, geworden sei. Abends fand im großctt Saale des Königsbaüs eine Feier statt, bei welcher ein von Professor Dr. Gerstmann für den Verein verfaßtes allegorisches Festspiel zur Aufführung gelangte, das eitle Mächtige Wirkung auf das zahlreich erschienene Publikum ausübte. Bor und nach dem Festspiel ttug der verstärkte Shnagogenchor, welcher schon den Festgottesdienst durch seinen erhebenden Gesang verschönert hatte, unter Leitung seines Dirigenten Kantür Tennenbaum verschiedene wirkungsvolle Chöre vor. Den Aufführungen schloß sich ein Bankett an. . Oesterreich-Ungarn. Wien. Die.Eheirrung" im Hause Wolf. Zum Ehescheidungsprozeß, den die Gattin des alldeutschen Abgeordneten und Antisemitenführers Wolf gegen diesen angesttengt hat. wird noch mitgeteilt, daß die Klage wegen thätlicher Mißhandlung und fortgesetzter roher Beschimpfung erhoben wurde. Gleichzeitig wird, ein neuer Fall sittlicher Verfehlung Wolfs angegeben. Frau Wolf siedelt zu ihren Eltern nach Steiermark über. . Wien. Eröffnung einer jüdischen Altersversicherungs-Anstalt. Sonntag den l. März, 11 Uhr vormittags, wurde hier in überaus feierlicher Weise die von dem verewigten Ehepaare Max und Johanna Rosenthal mit dem Auswande von 50,000 Gulden gestiftete Versorgungsanstalt für alte erwerbsunfähige Glaubensgenossen eingeweiht. Rntzland. Petersburg. Der Senat verhandelte vor wenigen Tagen über die Beschwerde der Judenschaft der Stadt Berditschew gegen die seiner Zeit erfolgte Verfügung des General-Gouverneurs von Kiew, 16 jüdische Gebethäuser in Berditschew zu schließen. Der Senat hob die Verfügung nur in Bezug auf vier Synagogen auf, jenen Teil der Verfügung aber, welcher die übrigen 12 Synagogen bettaf, lieg er zu Recht bestehen. Jekaterinoslaw. In der Zeitschrift „WjcsMik Inga" berichtet ein hervorragender Kenner der Lage des Bergwesens itt Südrußland über die Ursachen, welche es den jüdischen Arbeitern unmöglich machen, in den Bergwerken und in den Kohlenschächten Arbeit zu finden. Der Ursachen gibt es nur zwei: der Haß der höheren und der niederen Beamten gegen die Juden und die Maigesetze von 1883, wonach den Juden der Aufenthalt auf dem flachen Lande und in den Marktflecken sttenge untersagt ist. Amerika. New-Uork. Die amerikanischeMusik und die Juden. Der in New Jork erscheinende „Musical Courier" bezeichnet als einen der Hauptzüge des dortigen Musiklebens die Thatsache. daß die Musik die größte-Förderung durch die Juden finde. Sie bilden die größte Anzahl der Subskribenten der Philharmonischen und der Bostoner Synrphonie-Konzerte. Ebenso bilden sie das Hauptpublikum der Oper. Sie befinden sich nicht unter deren Aktionären, aber unter den Logenzeichnern bilden sie die Mehrzahl. Viele von ihnen haben geschlossene Abteilungen, die von ihrer Familie gefüllt sind. Bei allen Borttägcn sind sie in großer Zahl zu sehen, es ist bekannt, daß die New Iorker Juden die Muflk weit mehr unterstützen, als es im Verhältnis zu ihrem Reichtum steht, denn der Großgeldbesitz New Jorks befindet sich nicht in den Händen der Juden, es giebt keine Milliardäre unter ihnen und dennoch sind die Juden die treibende Kraft sür alle -musikalischen Unternehmungen. Die Leiter der dramatischen Unternehmungen sind meistens Juden, das Syndikat, besteht,ganz aüs Juden;- von den Leitern solcher Unternehmungen nennen wir nur die Herren Moritz Grau. Hermann Wetzler, Walter Damrosch und David Mannes, ferner Frank Damrosch und Alfred Hertz. Der Vater der Damroschs, Br. Leopold Damrosch, hatte großen Anhang unter den Juden und seine Person würde identifiziert mit allen Bewegungen der Juden, die besonders die mufikalische Abteilung der Ethischen Gesellschaft bettafen, die durch einen gerauften jüdischen Rabbiner gegründet worden ist. Sein Sohn Walter Damrosch folgte darin seinen Fußstapfen. Später indeffen haben eine große Anzahl von Juden, die sich mit musikalischen.Unternehmungen befassen, Anstrengungen gemacht, den Eindruck ihrer semitischen Abkunft zu verwischen und das mußte einige Wirkung auf ihre Erfolge ausüben, da New Jork mit einer jüdischen Bevölkerung von 800000 bis 700000 Köpfen beinahe eine jüdische Stadt ist, und zwar eine größere jüdische Stadt, als Jerusalem jemals war in Bezug auf die Einwohnerzahl. Es dürste wohl heutzutage auf der ganzen Erde keine Stadt geben, in der so viel Juden wie in New Jork leben. Unter diesen Umstünden kann ein Jude, wenn es bekannt ist, daß er Jude ist, seinem Erfolge sehr viel schaden, wenn er seine jüdische Abkunft verleugnet. Ueberdies besteht in einer Stadt wie New Jork, wo der Reichwm sich nicht in den Händen der Juden, sondern in denen der Großmillionäre Vanderbilt, Astor, Gould. Herkes, Clark, Carnegie, Ryan, Morton, Baker, Rockefeller, Whitney, Flagler, Srillman :c. konzenttiert, gegen deren Besitz der Reichtum der Juden als unbeträchtlich erscheint, kein Vorurteil gegen die letzteren. Ein solches Vorurteil bildet sich bloß da. wo ihr Vermögen außer Verhältnis zu ihrer Anzahl und größer ist, als dasjenige der anderen Bewohner eines bestimmten Kreises, was zu der Annahme führt, daß die Juden nur da reich werden, wo sie in geringer Zahl unter der übrigen Bevölkenmg wohnen. Es liegt also in New Jork für die Juden keinerlei Grund vor, etwas anderes sein zu wollen, als sie sind. Frankofurtia. „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kuitftdenkniäler." In der Generalversammlung, die unter dem Vorsitze von Ch Hallgarten stattsand. erstattete Direktor Frauberger-Düssetdorf den Geschäftsbericht. Die Schwierigkeiten, die sich der vor einigen Jahren gegründeten Gesellschaft in den Weg stellten, waren groß, da brauchbare Photographien alter Synagogen und Kultusgeräte nicht vorhanden waren, bei der Aufnahme der oft versteckt liegenden Synagogen sich allerhand Unzuträglichkeiten ergaben, Frauberger des Hebräischen nicht kundig ist und mir in seinen freien Stunden sich mit der Sache beschäftigen konnte. Trotzdem ist mit den bescheidenen zur Verfügung stehenden Mitteln Außerordentliches geschehen. Frauberger besuchte die jüdischen Ausstellungen in Londons Paris und Wien, die altertümlichen Synagogen m Worms und Prag, besichtigte Fürth und Amsterdam: bereiste dann auf Kosten des Herrn Hallgarten in Begleitung eines Künstlers und stellenweise eines, Antiquitätenhändlers ganz Italien, wo aber nur Gegenstände aus dem späten Mittelalter und der Renaissance gefunden wurden. In der Zeit ihres Bestehens hat die Gesellschaft Mk. 29,750 ausgegeben, u. A. für Restaurierung des Bades in Friedberg 1500 Mark. Frauberger hielt 15 Vorträge in verschiedenen Städten Deutschlands. Von Publikationen erschienen zwei Hefte und ein Notizblatt; Heft 3. Notizblatt 2 und 3, möglicherweise auch 4, werden im Laufe des Jahres erscheinen. Delitzsch übertrumpft. (Etwas zu Purim.) Herr Professor Delitzsch hat den Nachweis geführt. daß wir Juden eigentlich nicht die Juden, d. h.. daß wir nicht das Gottesvolk sind, als, welches wir seit einigen tausend Jährchen geachtet und gehaßt wurden. Er will seine Bildung, seine Kultur, sein Bewußtsein von Gott durch einige andere Sächelchen den alten Babyloniern zuerkennen; jedenfalls nicht den Juden. „Lieber babylonisch als jüdisch" ist die Devise, mit welcher er auf den Plan tritt. Ob die Juden überhaupt Menschen waren? Ja, ob die Menschen, Menschen waren, das sind Fragen, die bei dieser radikalen Umgestaltung und dieser lustigen Aufdenkopfstellung alles Bestehenden, heute einen akuten Charakter erlangt haben, den sie zu keiner Zeit vorher besaßen. Sie machen sich um die Purim zeit, in der alles verstellt und vermummt auftritt, ganz besonders geltend und, verlangen dringend unsere Stellungnahme dazu.. Wir denken hier nicht an den Darwinismus und seine Affentheorie. Denn man braucht an Purim nur ein Glas über den Durst getrunken zu haben, um das Lächerliche derselben aus allen Fugen und Kanten leuchten zu. sehen. Jeder Mensch kann in diesem Zustand einen Affen haben, aber man hat noch nie gehört, daß man von einem betrunkenen Affen sagt, er habe einen Menschen. Affen können somit unsere Urahnen nicht gewesen sein, aber daß sie Ungarn waren, bas nachgewiesen zu haben, ist das. Verdienst einer soeben erschienenen Broschüre, auf welche wir noch rechtzeitig zu Purim die Aufmerksamkeit unserer Äser lenken möchten. Das wissenschaftliche Resmne dieser Schrift giebt der „Pester Lloyh" unter dem Titel: Urvater Julius Adam de Vas iu so köstlicher Weise wieder, daß wir uns nicht versagen können, das wesentlichste daraus hier folge» zu lassen. Der erste Mensch, in der Bibel nur kurz A d a m genannt, hieß mit vollem Rainen Julius Adam de Bas. Der Nationalität nach war er ein Ungar, sein Geburtsort A d o n Y; seiner Stellung nach Juaex cunae. Seine zweite Gemahlin Eva (seine erste Frau hieß bekanntlich Lillith) war eine Szekler Maid. Dies Mles wird mit einem stupenden Aufwand von Gelehrsamkeit, einer Fülle von Daten und mit so unumstößlichen und dabei einfach-klaren Beweisen erhärtet, daß man sich förmlich schämt, nicht von selber darauf gekommen zu sein. Die heute uns zugekommene Broschüre „Tanulmanyok a'iagyarok eredete- 63 östörtenetöröl, irta II. Oberon" (Studien über die Ursprungs- und Urgeschichte der Ungarn, von Oberon II) führt mit solchem Scharfsinn und man muß sagen, mit so viel Erfolg den Nachweis, daß das Urvolk. welches den Lenden Julius A d a m' s de Bas entstammte, thatsächlich Magyaren waren, daß man nur zu bedauern vermag, daß der Autor sich in den Mantel der Pseudonymität hüllte und uns nicht das Vergnügen seiner persönlichen Bekanntschaft vermittelte. Bevor wir auf Grund der Forschungen Oberon's den Stammbaum Derer von Adam entwickeln, müssen wir zunächst den eingewurzelten Irrtum ausrötten, daß die hebräische Sprache eine Ursprache, überhaupt eine selbständige Sprache, ja überhaupt eine Svrache war. Das Hebräische ist nichts Anderes, als die korrumpierte magyarische Sprache. Einige von Oberon II. angezogene Beispiele sollen dies beweisen. Aus dem Zitate aus der Genesis „Er schuf sie zum Manne und zum Weibe und segnete sie und hieß ihren Namen Adam an dem Tage, an welchem er sie erschufte schließt der Verfasser, daß Adam nicht der Name eines einzelnen Mannes, sondern ganz einfach einer Familie war. Nach dem Zeugnisse des von Oberon ll. zitierten arabischen «Schriftstellers Abulfeda besaß Adam einen Sohn, der nach dem Vater (der also logischer Weise denselben Namen führte) Seth benannt wurde. Seth aber hieß auf arabisch „BassnlMerkt man noch nichts? „Prüfen wir nun diesen Namen." schreibt Oberon. „Bnssnla. das ist so viel wie Vn»-ßyula. Das richtige Vas wurde von einzelnen Schriftstellern konsequent . Bas“ geschrieben, bildet habet aucb hier mit den Beweis des von obigem Abulseda erwähnten -Namens Vas“ Die Beweissübrung. daß 3» 1 a mit Gyula identisch ist. gestaltet sich'noch viel einfacher. Jer ungarische Doppelkonsonant Gy existiert in .den meisten Svrachen nicht und wird im Arabischen durch ,.s" oder durch ..j" substituiert. Man möge es nur versuchen ruft der Autor triumphierend aus. — einen Stockberliner aufzufordern, den Namen Gyala nachznsprecben — ob er ihn nickt .kul a aussprechen wird. Daß Adonti der Geburtsort Julius Adam de Bas war, erhellt klärlich aus in der Genesis oftmals vorkommenben Bez-ichnunaen, die wir. weil sie stark ans Götteslästerliche streifen, hier nicht wiedergeben können.. Der Bibel zufolge wurde Adain im Paradiese geboren und der sonst so kaltkritische Autor accevtiert in diesem Falle das Zeugnis der Bibel. Diese Keoend — heißt es in der Broschüre — wurde das Land Partos, altskvtisch „Parad-Jssus" — Pürtos-Jäß genannt. Folglich lag der Geburtsort Adam's im Jüßcr Komitat, welches damals fteilich noch nicht durch das Gebiet von Kun arrondiert war. Zn iener Äit wurden die Taufnamen nicht so nedankenlos erteilt, wie heute, wo der Wunsch eines reichen- Erbonkels genügt, um den Bornamen ans den Säugling zu übertragen; vollends die Adelsnrädikate e>ckiest man nicht nach eigenem Wunsche und Geickmocke anerkannt. Taufname und P-äbikat bildeten die Präzisierung der Stelle, die man bekleidete, des Raumes, den man im öffentlichen Leben ausfüllte. Rach einer Erörterung, die ebenso klar und einfach ist, wie die bisher entwickelte, die leider jedoch zu langwierig ist. um ihr zu folgen, gelang der. Autor zu dem Schlüsse, daß „Vas" Ungar bedeute, was wieder mit „W e i s h e i t" synonym war, während ..Jala“ oder ..Gyula“ der Titel des Landesfürsten-Stellvertreters und Judex cunae war. Da nun Adam als skyttsch-magyarischer schriftgelehrter Weiser somit als „Vas" bekannt war (wie man noch heute von einem tüchtigen Kopf sagt, er ist „Eisen"), so übertrug man ihm die Würde eines Gyula, das ist eines Judex cunae. Julius Adam de Vas bedeutet somit so viel wie Vas, der weise Judex curiae. Was zu beweisen war. Rur.flüchtig wollen wir über die Exegese des Autors^ betreffend die Szene des Apfelbisses im Jaßer Komitat, oder, wie fälschlich gesagt wird» Paradiese hinweggehen, da es uns widerstrebt, die. Ehre einer uns so nahe verwandten Dame, unserer Urmutter Eva, zu verdächtigen, wie dies der Autor thut. Nachweisbar war Eva nur das Opfer der Neugierde, also eines Fehlers, der nicht allzu schwer ins Gewicht fällt, als sie auf Anraten der Schlange in den Avfel biß. Der Autor scheut sich aber nicht, Eva .direkt des Ehebruches zu beschuldigen. Er behauptet geradezu, es sei gar keine Schlange gewesen, mit welcher sie von Julius Adam im töte-ü-tste über-