Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 4 (21.11.1902)
- Date
- 1902-11-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit» 3... fljefit ftineij; iilpelitifchM Standpunkt! jj.em ^qu% -ffsM D W' Stadlvessordis?ke,nwah!,en HWüsig,; zW.M" Matwin Sknne -^' «flen söÜen wir nichs w'ähkön^.. ,r ".^ D, Mir Israeliten hgbeii : ein yoch'.,tzö^res Jnterefsej,-alsdie. andere, anständige' WrgftWKsk har»»; daß d-e-Ratsflnbe frei hieibt von, solchen Gkeyienten,- die diMbe-zu >Änderü>ü«ffellf-wüß? ^aucke»-Mllen^ . Hie StadtverWung-sihaj.'in, Grpße» und: Ganzen nur, einend rein wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Wirkungskreis; ie hät?:Mw einen; engbejchränktey Einfluß. auf die yziale und. rechtliche,,Stellung der Staatsbürger, odaß die ^einzelnen Stadtverordnetm ini Rä'tzaus »en parteipolltifchen Standpunkt bei Seite lassen ollten. - Die Ratsstube ist nichts anderes als das Eeschästskomor oder Verwaltungsburean de, Stadt, und so wie der eifrigste Parieipolitiker in seinem eigenen Gefchäftskvntor die Politik gerne draußen läßt, so sollte jeder Stadtverordneter im Rathause der Stadt dieselbe Rücksicht -nehnien. Am allerwenigsten aber ist Klassenöder Ständepolitik, im Rathause am Platze. Der Magistrat und die Stadtverordneten find Vertreter nicht einzelner Stände oder Klassen, sondern der 'Gesamtbürgerschaft als Ganzes. Wer für öder gegen einzelne Stände oder K.assen rednerisch wirken will, sür den ist gerade die Ratsstube d.r unpassendste Ort; die Ratsstube darf niemals der Sammelplatz, für eine Anzahl Männer sein, deren jeder gewisse. Sondcrintercfsen vertritt, die Naturgemäß mit den Interessen der Anderen kollidieren müssen. Nur wenn die Stadtvertretung die Interessen der Gesamtbüi ge, schüft vertritt, ist sie imstande allen Interessen gerecht zu werden. Jede Sonderbevorzugung irgend eines Standes, sei es derjen ge der Hausherren oder der von Proletariern, ist sür die Allgemeinheit vom Uebel. „Gleiche Fürsorge für Alle und gleiche Gerechtigkeit gegen Alle" das ist unsere Meinung. > ' Gefährlich aber für die gedeihliche Entwicklung dir Stadt ist es, wenn Männer in die beratende Versammlung kommen, die die Ratsstube dazu 'mißbrauchen wollen, die eigene Person parteipolitisch popolär zu machen; schon ein einziger solcher Mandateur, der in seinem Privatleben ein ganz anständiger Mensch sein lairn, ist im Stande, den Berwaltungsbetrüb der Stadt zu schädigen, indem et technische Verwaltungsfragen zum Ausgangspunkt parteipolitischer Reden nimmt, deren e gentkichcr Sinn gar mchts mit dem städtisch n Ver- Waltungsapparat zu thun hat und dadurch die eigentlichen, sachgemäßen Arbeiten des Sladtver- Waltungsapparats bei Seite drängt und auf diese Weise Magistrat und Stadtverordnete an der Aus- Lbung ihres Betätigungswerkes hindert. Noch größer aber ist der Unfug, wenn man itn Rathause „volkstümlich" sein sollende Reden ^ält, die nur zum Fenster hinaus wirken sollen, wenn sie nichts anders sind, als Popularitätshascherei, in denen man es mit Vergnügen liest öder hört, wenn vornehme Menschen wörtlich oder thätlich angerempelt werden,' oder wenn ein Rcdper den niedrigen Trieben der Volksseele zu Gefallen sein Mandat mißbraucht. . Wir Israeliten haben ein doppeltes Internste daran, daß Ordnung und gute Sitte im Rathause erhalten bleibt, denn alles Gemeine fehlt, sich zuerst gegen uns; und daher haben wir ZUch die erhöhte Pflicht, uns lebhaft an der Aus- Mung unseres Wahlrechts zu beteiligen. .Wenn Mr nämlich die Wahl eines richtigen Mannes durchsetzen, verhindern wir dadurch gleichzeitig das Hindringen anderer Elemente ins Rathaus. ,h i Wir haben erhöhtes Interesse daran, daß in die Ratsstube-nur solche Männer kommen, die jstne Urbanität im Umgang, mit Menschen zu eigen haben, die notwendig ist. um im Kreise gebildeter Menschen mit Worten überzeugend zu Wirken. Es ist Thorheit, zu glauben, daß man einem -gebildeten Menschen oder eine intelligente Körperschaft zu einer gewissen Aäficht-überzeugenkann, wenn man dieselben vorher brüskirt. Und ^ie^Zuhö.er' zu überzeugen, soll doch wohl-Zweck jedor Rede' sein.f 7 ,J i - ME digerWAW märt zum erstenmalein 'Franktut^cr. M."eintn offtziellrn Antisemiten als KafldidötEaUfgeßellt7und wenn' auch.die paar hüiidersHtnstmen,' .die der Wirt zum Kölner Hoi auf sich' vereniig'e/'bei' den - äbgegcbenen ^2.000 Mrflviens'tmm^hKe.utm/ - so stehen doch dirsmak eine'AiMhk-Pvn^Kändidatenzur Stichwahl, die für ihre. Person ganz gewiß mit Herrn Laaß nichts zu thun haben, die aber, wenn sie im Rathaus säßen, cs nicht gerade als ein großes Unglück beirachten würden, wenn auch Leut solcher Anschanungsweise ein wenig „Abwechslung" in'die Ratsstube brächten. .. . l ' Wir wiederholen daher nochmals, daß wir Israeliten ein erhöhtes Interesse daran haben, der Rathaueversammlung jene vornehme, achtunggeb,etende Repräsentation zu erhalt n. die notivendig ist, wenn die Gewählten der Bürgerschaft über den Parteim stehen sollen, und um diesen Zustand zu erhalten, müssen wir energisch und nur für solche Kandida en cintreten, die in ihrer Person eine Gewähr dafür bieten, daß sie gegebenenfalls früher cder später ihren ganzen Einst!ß aufbietcn würden. um es zu verhindern, daß gewisse Elemente im Hause Limpurg jemals ihr Unwesen treiben. Wir sollen unter keinen Umständen einem Kandidaten unsere Stimmen geben, der dem „sittlichen Pöbel" auch nur indirekt irgendwelch Konzessionen macht. Wir warnen auch vor denen, die nrit ein paar Schlagworten die Welt zu erretten vermeinen; das sind in der Regel fanatische Vicrtelsgebildete, die auf ihren alten Tagen irgendwo eine alte Binsenweisheit neu erfinden und in dieses ihr vermeintlich eigenes Geistcskind so versessen werden, daß sie sich sür die geistig Größten ihrer Zeitgenossen halten. Das Wohl der Gesamtbürgerschaft. das Wohl der Stadt ist auch das Wohl der Jsrae liten; dagegen haben die Israeliten, wenn einmal das Wehe an Stadt und Bürgerschaft herantiitt. mehr als die anderen zu leiden; und darum haben wir Israeliten ein erhöhtes Interesse daran, daß cs dem Gemeinwesen, dem wir angehören, wvhlrrgehe, und in diesem Sinne ist es sür uns Israeliten erhöhte Pflicht, durch rege Beteiligung an den Wahlen für das Wohl der Vaterstadt zu wirken, damit im Ehrensaal der Stadt, dem Rathaussaal, nur solche Männer Sitz und Stimme erhallen, die auch würdig sind, ein solch ansehnliches Gemeinwesen, wie es die Stadt Frankfurt repräsentiert, in sich zu verkörpern. Korrespondenzen. Frankfurt a. M. Am 9. November d. I. fand die Generalversammlung der Jüdisch-nationale Frauenvcreinigung Frankfurt a. M. statt, die von etwa 20 Damen besucht war Die Schriftführerin Frl. Grünbiatt. verlas den Jahresbericht, nach welchem im vorigen Winter 10 Bersammiungen stattsanden. in welchen die Anregung des Zionismus bezweckt wurde. Der Verein zählt jetzt 30 Mitglieder und es ist zu hoffen, daß die Thätigkeit desselben eine immer größere wird. In den Vorstand wurden die Damen Frl. A. Grünblatt. Frau Goldmann. Frl. M. Katz. Frau Cohn. Frl. G. Wölpe, Frl. Rom. Frl. Scheuer gewählt. Frankfurt a. M. Der Verein zur Beschaffung von Suppen für israelitische Arme hielt in seinem Hause. Theobaldstraße 5. am Donnerstag die Generalversammlung. Die verteilten Portionen im vorigen Geschäftsjahr beziffern sich wie folgt: An Kinder wurden 23,578 Portionen abgegeben, an Erwachsene 13,750. an Durchreisende 7441. an zahlende Personen 2252, an Kranke 2931, an Wöchnerinnen 9819. Bei den Pesachfeiertaaen wurden noch weitere 2450 Portionen verabfolgt, so daß es insgesamt 62.221 Portionen waren, die man hergab. Es sind dies zirka 1900 Portionen mehr als im Vorjahre: Die Einnahmen stellen sich folgendermaßen: Jahresbeiträge Jt 69«9, Geschenke Jt 8573, aus Mieten und Zinsen Jt 9437. Die Ausgaben betrugen Jt 25,500, so daß ein Defizit von Jt 500 entstand. Die Wahl des Vorstandes ergab die Herren: M. Oppenheim. S. Herzfeld. Isaak Jgersheimer, L. Klau, M. Mainz, Dr. E. Rosenbaum, PH. Schiff. Frauksttrt a. M. Die größte jüdische Gemeinde der Welt hat nach der „All. Eb.-Lth. K-Ztg ", Nordamerika:die Stadt New-Iork zählt 400.000 Juden. Mr Weiter Stille steht Rußland : Warschau mit 250>000> Juden. Dann folgt Oesterreich-Ungarn: Budapest mit 170.000 und- Wien mit-140,000. Juden. Mit Wie» an gleicher Größe ist .wiedäm» eure Judengemeittd« Rußlands: Odessa. Dann erst folgt London-mit 120,009 und Vetlin mit 106,000. undden Beschluß der größte»!Jüdengei»einde -der Welt -macht.wiederum: Amerika» Philadelphia -mit 4üO-,009Mitgliedern. Ppn deuzwülk Judengemeinde» mit je 50.»M Mitgliedern entfallen über, die Hälfte, nämlich sieben, ' auf Rußlands Bev» ditschew. Kowno> Lodz. 'Minsk!7 Shitomir, Mlna Witebsk, während von den übrigen fünf; Städten diese? Klasse nur auf die: Türkei, noch Mei entfallen:. Jen salem und Saloniki; aus Oesterreich-Ungarn. Frankteil und Holland je eine; Leniberg. Paris, und Amsterdä« Berlin, lieber die Zahl der jüdischen Obe^ lehrer in Preußen ist nach Kunzes SchulkalendeS folgendes rnitzutruen: Die Gesamtzahl, der jüdische«» Oberlehrer beträgt 83, von denen . 18 an. den beide» jüdischen höheren Lehranstalten in Frankfurt a. M angestcllt sind- Tie Zahl der an - staatlichen Anstalten angestellren Oberlehrer beträgt jetzt 11, und zwar 1 in Ostpreußen. 3 in Westpreußerr» 5 in Posen (das nur staatliche höhere Lehranstalten besitzt). und 2 in Brandenburg «davon 1 in Berlin)., An städtischen Anstalten sind augenblicklich 54 jüdische Oberlehrer vorhanden, und zwar 1 in Westpreußen sDanzig), 8 irt Schlesien lund zwar 6 in Breslau. 1 in KMtowitz) I in Myslowitz). I in Sachsen tAiagdeburg) und 4 in Heffen-Nassau lFranksurt a. M.); die übrigen. 40 sind in Berlin. Die Zahl der jüdischen Oberlehrer ist also etwas größer, als es dem Verhältnis der jüdische» Bevölkerung zu der christlichen entspricht. Ohne jede» jüdischen Oberlehrer sind zur Zeit die Provinzen Pommern, Schleswig-Holstein, Westfalen. Hessen» Nassau, die Rheinprovinz und Hannover Zwei jüdische Oberlehrer sind auch an höheren Mädchenschulen an» gestellt worden, einer in Berlin, einer in Brombergt Unter den 340 anstellungsfähigeil Candidaten sind 15 Juden, von denen 6 bereits voll beschäftigt sind^ Berlin, lieber das Recht der Komniunen. diy auf ihren Schiachthösen anzuwendenden Schlachy» nietboden selbst zu bestinlmen, hat der Magistrc» von Angerniüiide im Verwaltungswege eine Entscheidung Herbeiführen lassen. Während die für das Schlachihaus am 14. April 1894 gegebene Betriebs» ordnung noch Bestimmungen über die nach jüdischent Ritus vorzunehiiiende» Schächtungen enthielt, wo? durch neuere Bestinimiingen das Schächten später ganz verboten und die Anwendung des Schußapparates und der Schlagbolzen allgemein eingejührt worden. Auf Grund dieser neueren, die frühere Zulassung des rituelle» Schächtcns aushebendeu Betriebsordnung hatte de? Schlachthaus-Inspektor ani 3. Juni v. I. das Schächte» zweier Kälber untersagt. Eine Beschwerde über diese- Verbot bei der Schlachthaus-Deputation dep 'Magistrats wurde abgewiesen, und auch der Bezirksausschuß wies die Klage gegen den Magistrat ab mit der Begründung : Der Schlachthaus-Inspektor habe sich in Aus» führung seiner Diensworschristen weder einer Uebev> tretung, noch eines Vergehens im Anite schuldig ge» macht. Dieser Bescheid deute, so jührte der Bezirksausschuß aus. nach seiner Fassung darauf hin. daß die Beschwerde der Kläger als im Aussichrsweg erhöbe» angesehen worden sei. Hiergegen gebe es keine Klag» Anderenfalls wäre aber die Klage auch sachlich uubegründet. denn infolge der den Gemeinden gesevlim zustehenden komniunalen Autonomie seien diese befug» die in ihren Schlachthäusern anzuwendenden Schlachv» Methoden zu bestimmen und die Anwendung des Schächtschnittes zu verbieten. Das Ober-BerwattungS» ger cht bestätigte die Entscheidung des BezirksauA» >chu„es. Berlin. Eine Parlamentskorrespondenz berichte^ von der letzten namentlichen Abstimmung nach dem alten Modus: Der Zufall hat es nun gefügt, daß der letzte Namensaufruf mit deni Buchstaben „Z" begann; die letzte Stimme war das „Neindes Abg. Wurm. Und als sie verhallt war, erscholl eine Stimme von rechts: „Ende Jud. Alles Jud!" Die Junker sind erfolgreich an der Arbeit, dm österreichischen Parlamentston im deutschen Reichstags einzubürgern. Und das erdreistet sich, von der Herahf setzüng des parlamentarischen Ansehens durch bie Opposition der Linken zu sprechen! Budapest. Der ungarische Ministerpräsident überreichte Mittwoch außer dem neuen Auswauderungs» gesetz auch noch Vorlagen über Paßwesen und über das Wohnrecht der Ausländer in Ungarn. Die letzter« Vorlage, welche die Niederlassung der Ausländer bödeutenü erschwert. Ist speziell gegen die Einwanderung der Juden aus Galizien und Rumänim gerichtet, uim es wird auch mit Hinsicht hierauf eine besondere Grenzx Polizei errichtet werden, deren Sitz, die hauvtsächlichste» Eingangsstationen aus den genannten Ländern fei» werden. - < s Hamburg. Anr Sonnabend, den 8. November 1903, abends 8 Uhr hielt die ^Gesellschaft: sür jüdische BoW» kündeihre VI. . ordentliche Generalversammlung ab. Es wmde dem Vorstand des verflossenen Bereinsjahrtzb Decharge erteilt und ein neuer gewählt, bestehend au» den Herren D.Benezra. M.Deutschländer! 8.Friedenheim, I. Jriedlaender, Dr. M. Grunwald, W- Kelle» S. Leidowitz, Rud. Lewy. Dr. P. Rieger, I Ritt«^ I. Farlau und Dr. Teplitz. Ans dem Berichtüb« das abgeschlossene Bereinsjahr ist hervorzuhtzbe». daß die Gesellschaft mit der Ausnahme denkwürdigeiM««ch mente, jüdischer Bolkstypen u. f. w. erfolgreich begönne»