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Neue jüdische Presse · 1902-11-21 · Heft 4 (21.11.1902) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 4 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. 9fr. 4. hat. Die einzelnen Exemplare werden den Mitgliedern dieses Zweigunternehmens zu ganz geringen Preisen überlassen. Der jährliche Mitgliedsbeitrag ist auf 3 M. festgesetzt. Anmeldungen nimmt der Kassierer Herr W. Keller, Hmnburg» Brandswiete 21, entgegen. Hamburg. Die Einweihungsfcier der beiden neu «rbamen Pavillons des Krankenhauses der Deutsch- Israelitischen Gemeinde fand an, Sonntag Mittag statt. Die ganzen Mittel für den Bau und die innere Einrichtung wurden von den Herren Julius Lewisohn in London. Adolph Lewisohn und dem im vorigen Jahre verstorbenen Herni Leonard Lewisohn in Newhork zum Andcirkcn an ihre in Hamburg verstorbenen Eltern gespendet. Köln a. Rh. Der .Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands" hatte diesen Mittwoch feine erste Gencralvcrsamnilung. oie von 59 Mitgliedern aus allen Teilen der Rhcinprovinz und einer größeren Anzahl von Freunden und Freundinnen seiner Bestrebungen besucht war, und in der der Verein sich nunmehr offiziell konstituierte Die Festrede — kraftvoll und hervorsprudelnd aus der Tiefe begeisterter Ueberzcugung — hielt Herr Provinzialrabbiucr Dr. Cahn, Fulda Ihm schloß sich in einigen keniigcn und warutcn Worten Herr Srovinzialrabbincr Dr Munk. Marburg an. der den iclen des Vereins sein Interesse und seine Mitarbeit zusagte. Hierauf erstattete Herr Rabbiner Dr. B. Wolf, Köln den Bciicht. Diesem Berichte entnehmen wir. daß der Verein am 19. Januar ds Js. mit 100 Mitgliedern gegründet und inzwischen auf 4>>0 Mitglieder angewachjen ist. Die Einnahmen beziffern sich auf Mk. 23 Ü, der Kasscnbestand auf Mk. 18o0. Nun wurde in dreistündiger lebhafter Diskussion der Slatutcncntivurf durchbrratcn und mit verschiedenen Abänderungen genehniigt. Nach den Statuten ist der Zweck des Veieins die Förderung aller Zweige de§ religiösen Lebens in denjenigen Gemeinden und Korporationen der Rlicinprovinz. welche sich dem Verein anschlicßcn. Insbesondere sucht der Verein seine Ausgabe durch die Anstellung eines gesetzestreucn Rabbiners zu lösen Es wurde im Laufe der Versammlung verschiedentlich beiont, daß der Verein seine Thätigkcit innerhalb seines Wirkungskreises sucht und den unreligiösen Parteien gegenüber möglichst Zuiückhaltung beobachten wird. In dieseni Sinne will er ein Fricocnsvcrein sein, und sollte ihn deshalb unseres Erachtens nach jeder ehrliche, denkende Jude — auch wenn er nicht die Gesetze des Judentums ausübt — Nach Kräften unterstützen. Ein Jeder, der noch etwas jüdisch fühlt, muß uns darin zustimnicn, daß die Rabbiner, Lehrer und Vorstände überall bewußte, fute Juden sein niüffen. denn nur so ist es möglich, en> Jndiffercntismus und denl Abfall vom Judentum ein Gegengewicht zu schaffen. Wir begreifen es,, wenn der Einzelne im Kampfe umS tägliche Brot glaubt, den Sabbath nicht halten zu können; wir begreifen es, wenn der Reisende aus Sorge sür seine Gesundheit draußen unerlaubte Speisen genießt; wir haben es jedoch noch nie verslandc». warum denn Synagoge und Schule unjüdisch sein tnüffen. Wir Menschen verlieren so wie so schon genug Ideale im Leben; wie traurig ist es da, wenn wir überhaupt keine zu verlieren haben und wahrlich — in ihrem Verhältnisse zum Glauben der Väter haben leider die meisten von uns keine Ideale cinzubüßen, denn das Judentum ist den meisten stets Hckuba gebllcüen. ' Man glaube doch nicht, daß die paar ethischen?>hrascn, die unseren Kindern als jüdische Brocken ingcworfen werden, auch nur den allergeringsten Werl besitzen. Mit diesen allgemeinen, ethischen Grundsätzen kann mau ein prächtiger, sreireligiöser Mensch sein; aber niemals ein Jude. Wozu brauchen wir >ür unser Geld jüdische Lehrer, wo die allgemeine Moral in der Schule gelehrt wird. Welchen Zweck kann es unter solchen Umständen haben, Hundertrauscnde in prächtige Synagogen hineiiizustccken und Rabbiner mit hohen Jahresgchältern anzusiellen. deren Lehren jeder erfahrene, ehrenhaft denkende Mensch bei einiger Redncrbcgabung grade so gut seiner Mitwelt mitteilen kann? Also das Judentum gelehrt, das Judentum vertreten von Männern. denen die jüdische Religion das Ideal ihres Lebens ist.' Aus diesen Gründen heraus begrüßen wir es. daß der Vorstand des Vereines für die jüdischen Interessen Rheinlands nur aus gesetzestreucn Juden bestehen darf. Wir hoffen, daß die Leiter des Vereines von dem . Bewußtsein getragen werden, daß denr Judentum eine Zukunft blüht. Möge sie der feste Willen beseelen, die Ideale des Judentunis mit ehrlicher Kraft zu verwirklichen, dann wird ihr Wirken fruchtbringend und gesegnet sein. G. . ., Frankfurt a. Ai. London, 18. Nov. Das Reutersche Bureau meldet aus Jerusalem von gestern, daß dort am 16. Novenrber ein Cholerafall festgestellt worden ist In Jaffa verbreitet sich die Cholera-Epidemie immer mehr.. In dm letzten drei Tagen sind 15 Personen gestorben: In vielm Dörfern wütet die Cholera Kl Gaza und Lydda, wo ein großer Teil der Bevölkerung durch die Krankheit hingerafft wurde, ist die Epidemie erloschen. Er herrscht großes Elmd. Ueberall ist Hilfe erforderlich. lFrkf. Ztg.) Petersburg. Das Ministerium des Innern beabsichtigt, wie die „Nowosti" berichten, allmählich eine Revision der gegenwärtig bestehenden Gcsetzbestimmungen über die Juden vorzuuehnien. Zur Zeit ist ein Gesetz in Vorbereitung, nach welchem Juden der Landerwerb in sämtlichen Gegenden Rußlands gestattet werden soll, mit der Beschränkung indessen, daß das zu erwerbende Landstück gewisse kleine Nornrcn nicht überschreite und daß der Ankauf in jedem einzelnen Falle die behördliche Genehmigung erhalte. Der Ankauf von Landstücken bis zu 30 Dessjatin soll der Bestätigung des örtlichen Gouverneurs und bis zu 50 Dessjatin der des Ministers des Innern unterliegen.. Der Erwerb von mehr als 50 Deffjatin ist nur 'mit besonderer Genehmigung des Zarm gestattet. Es ist selbstverständlich, daß die erwähnte Maßnahme im Falle ihrer Verwirklichung von weientlichcn Erleichterungen für die Juden bezüglich ihrer Wohnbercchtigung begleitet sein wird. Wie«. Daß der große Polendichter Adam Mickiewicz. mit dem die eigentliche große Epoche der polnischen Poesie anhebt, der Schöpfer des einzig in seiner Art dastehenden polnischen Nationalcpos.. Herr Thaddäus", der glühendepolnischc Pattlot. nach Sprache. Gesinnung und Kulrur ein Pole gewesen ist, unkerliegi natürlich keinem Zweifel War er cs aber auch der Ab iammung nach? In seinen späteren Jahren stöberte Adam Mickiewicz in alten Familienpap,ercn und kam zu dem Schluß, daß seine Mutter einer zum Christentum übergettclcncn Judcnfamilie.entstammte. Diese Entdeckung soll auf den Dichter, der damals stark zu Mystik hinncigte, einen großen Eindruck gemacht haben. Er war nicht wenig stolz auf seine allerdings ziemlich weitläufige Verwandschaft mit dem Propheten Jcrcniias, degen Schicksal dem scinigen so auffallend ähnlich war; auf Grund dieser seiner legendären Abstammung erklärte Mickiewicz zurückgreiscnd seine Vorliebe sür alt testamentarische Bilder und Metaphern, von denen seine Dichtungen durchdrängt sind, wie auch die warme Zuneigung für die Juden seines Vaterlandes, der er in der prachtvollen Figur des jüdischen Znnbcispielcrs Jonkes Ausdruck gegeben hat. dessen „Konzert" zuni Schlüge des „Herr Thaddäus" eines der schönsten Stücke der polnischen Poesie bildet. (Jüd. Volksbl) Würzburg. Herr Dr. Banibcrgcr, früher Rabbiner in Schildberg und jetzt Lehrer am hiesigen Israelitischen Lehrerseminar, wurde zum Rabbiner in Rvgascn gewählt. AuMton (Nachdruck verboten). Aus unfern Tagen von Friedrich Rott. (Fortsetzung) Ernst Vogel atmete schwer auf. „Wenn es so ist, dann kann man es Dir eigentlich nicht übel nehmen. Aber ich glaube, Du hast auch leine Ahnung von dem, was Du aufgebcn würdest, wenn Du Deine Absicht ausfühien würdest." „Was ich aufgcben würde? — ich verstehe Dich nicht." ..Nu» ich meine, daß Du die jüdische Religion, die Du autgeben möchtest, gar nicht kennst!" „Freilich kenne ich sie nicht. Woher sollte ich sie fcnmii? und wozu? „Wozu Du di: Religion kennen solltest, in der Du geboren bist uub die Du leichten Herzens hingeben niöchtcst für — für —" Die Sprache versagte dem Erregten und schweigend schritten beide einige Minuten weiter, dann aber begann Ernst von Neuem: „Wenn Du nur eine Ahnung hättest von der Erhabenheit unserer heiligen Religion, von der hehren Weisheit ihrer Lehren, von der unvergleichlichen Sittlichkeit ihrer Vorschriften — ach, mir fehlen die Worte, um Dir in der Kürze einen Begriff davon zu geben. — Aber ich weiß mit vollster Bestimmtheit, wenn Du die jüdische Religion kennen würdest, so würdest Du lieber Dein Leben hingeben, wüidcst lieber freudigen Herzens Schimpf und Hohn und den Spott der ganzen Welt ertragen, ehe Du daran denken würdest — ach. ich kann's nicht wiederholen, was Du gesagt hast." ..Wie Du Dich. ereiferst". bemerkte Felix lächelnd. „Deine Worte haben mir wehe gethan, ich kann Dir nickt sagen, wie wehe." „Das ist seltsam, aber dann wollen wir nicht wieder davon sprechen — und übrigens weißt Dü doch, die Sache liegt noch in weiter Ferne." ' v ■: „Die Zeit vergeht rasch", versetzte Ernst gepreßt. „Nicht immer — wenigstens mir nicht aber ich will Dir einen Vorschlag machen. Da es Dich so bekümmert, daß ich die jüdische Religion nicht kenne, so lehre Du sie mich kennen, unterrichte mich." „O, wie gerne!" jubelte der Andere „aber ist es Dir denn wirklich Ernst? Willst Du unsere Religion keimen lernen?" „Daß mir gar so sehr viel daran liegt, sie können zu lernen, das will ich grade nicht behaupten. Aber Tu warst so furchtbar erschüttert, als ich davon sprach — nun, ich will es nicht wiederholen. Aber darum würde es mich intereisiren, zu wissen, was eigentlich daran ist. Und überdies, lehe ich ein. daß Du in gewisser Beziehung nicht so unrecht hast. Bei jedem Kauf und bei jedem Tausch muß ich nicht nur wissen, was ich einnehme,' sondern auch, was ich ausgcbe." „Sehr richtig. Und vor allem muß man sich hüten, nicht die herrlichste Frucht auszugcben und dasür eine von zweifelhafter Güte eiuzutauschen. — Aber siehe, da sind wir ja schon zu Hause- Komm herein, was die Kleine für eine Freude haben wird!" Er führte ihn zum Wohnzimmer, öffnete leise die Thür und beide traten ein. I, der Mitte des überaus einfach möblirten aber säubern und wohldurchwärmten Z-mmers saß aus einem Fußschemel ein kleines rosiges Mädchen mit ihrer Strickarbeit eifrig beschäftigt. „Fanni!" rief ihr Bruder. Sie sprang auf und lief auf ihn zu. „Kommt er?" „Er ist schon hier", erwiderte er auf Felix zeigend, der lächelnd neben ihm stand. Das liebliche Gesicht des Kindes war im Moment wie mit Purpur übergossen, zutraulich und doch mit einer gewissen Schüchternheit blickte sie zu ihm empor. „Tu bist der gute Knabe, der mir geholfen hat als der böse Hund mich beißen wollte?" „Kennst Du mich nicht mehr?" fragte er, die runden Wangen ihr streichelnd. „Nein", versetzte sie kopischüttelnd, ich habe mich so gefürchtet, daß ich Dich gar nicht angcsehen habe." „Aber Fanni!" mahnte ihr Bruder. „Du wolltest doch danken." „Ja", sagte sie. indem sie ihre Hand in seine herabhüngeiide Rechte legte, ich danke Dir viel, guter Knabe, ganz ganz viel, und ick habe Dich sehr lieb und wenn ich groß bin, werde ich Dir vi l schöne Sachen machen, aber jetzt kann ich noch nichts anders als stricken, darum stricke ich Strumpfbänder für Dich, wirst Du sie tragen, wenn sie fertig sind?" „Gewiß", betheuerte er, „und ich werde mich sehr damit freuen." „Das ist schön- Da werde ick sehr fleißig sein und werde heute den ganzen Abend stricken, damit ich sie Dir bald geben kann." «Fortsetzung folgt.) Briefkasten. 8. Deutschland zählt 586000 Juden unter ca. 57 Millionen Einwohnern. Frau M. Z. Ein rosenrot Billet lag auf dem Zcitungstisch Und drinnen stand die Frag': „Wie kocht man braune Fisch?" Daneben schrieb der Schalk, der 's hingcscndet hat: „Ihr Blatt, Sie nennen cs ja ein Familicnblatt. Sie machten sich verdient sehr um's Familicnwohl, Wenn drüber nächste Woch' ich Rats mir erhol." Ich nun, Frau Ipsilon, bin indiskret gewesen Und habe diesen Brief — ganz unter uns — gelesen. Und da mein. Eheherr an jedem Freitag Abend Mein braunes Fischgericht bezeichnet als höchst labend Und uns're liebenKinder, die finden es nicht minder,— Hoff ich. daß Frau M. Z. der große Wurf gelingt Und mein Rezept auch ihr. den gleichen Beifall bringt. Weil nun aber eine so höchst prosaische Mitteilung auch nur die einfachste Prosa bedingt, anbei in ungebundener ungeschmückter Rede also folgendes: Ich setze das Wasser mit einer in Scheiben geschnittenen Zwiebel, etwas gestoßenem' Ingwer, 3-4 ganzen Nelken, in Scheiben geschnittener Selleriewurzel, einigen Pfefferkörnern, «was abgeriebener Zitronenschale, Aepfelscheibcn. ganz dunklem Köchzucker, Fischlebküchen und großen.Rosinen auf und lasse diese Brühe

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