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Jüdische Rundschau · 1925-12-30 · Heft 102-103 (30.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 102-103 (30.12.1925)
Date
1925-12-30
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 840 JUEPISCHE RUNPSCHXU Nr. 102/103 Stadien (und diese stehen zweifellos iin Zusammenhang mit \dcn Bodenpreisen, ebenso, wie sie im Zusammenhang mit diesen Preisen allüberall, nicht nur in den großen Städten, stehen), sondern auch eine sinnlose Vergeudung jüdischen Privatkapitals, wovon wir ohnehin nicht zu viel im Lande haben, nach sich ziehen und könnte auch letzten Endes eine Weitercutwicklung der Städte unmöglich machen. Bei aller Ancrkcnnung der unbedingten Priorität der landwirtschaftlichen Arbeit darf man doch die Probleme der städtischen Boden- Politik, die das tagtägliche Lehen mit sich gebracht hat, nicht beiseite lassen. Mehr als auf irgendwelchem anderen Gebiete kann sich hier jedwede Einseitigkeit bitter rächen. Doch kommen wir zu Wilkanskys Gedanken zurück. Das unendlich schwere Problem der Rentabilität unserer landwirtschaftlichcn Betriebe beeinflußt natürlich unsere Tätigkeit im Lande auf Schritt und Tritt. Der Mangel an Rentabilität bringt cs mit sich, daß wir auf keinen Zufluß des Privatkapitals zur palästinensischen Landwirtschaft rechnen können. Eine Hypotheken- oder Sicdlmigfbank, die auf geschäftlicher Basis arbeiten soll, ist mir dort möglich, wo der Boden Reinertrag bringt, denn nur dort hat die Belastung des Bodens bis zu־ ffnero bestimmten Prozentsatz seines Wertes einen Sinn, und nur dann besteht die Gewißheit, daß der Boden im schlimmsten Fall im Wege der Zwangsversteigerung leicht verkauft werden kann. Daher finden auch von solchen Banken ausgcgcbcnc Obligationen zumeist raschen und lcichtrn Absatz. Bei uns ist dies nicht der Fall, weil wir noch keinen nennenswerten Reinertrag hcraus/uwirtschaftcn vermögen. Wir sind und werden wohl noch auf lange Jahre hinaus lediglich auf nationale Fonds angewiesen sein. Doch ist die Frage der Rentabilität keineswegs mit der Frage der Siedlungs f o r m verbunden. Wiewohl Wilkanskv selbst Anhänger der Einzel bcwirtschaftung ist, die er ln vielen Hinsichten für geeigneter hält, so betont er doch ausdrücklich, daß cs sich dabei eigentlich mehr um eine ״Stilfrage“ handle, wo die Ansichten natürlich die verschiedensten sein können und wo außer wirtschaftlichen Momenten noch viele andere von Bedeutung sein können. Die Frage der Rentabilität hängt, abgesehen von der Zusammenset/ung der Wirtschaftszweige, wovon schon die Rede war, von der genügenden Erforschung des palästinensischen landwirtschaftlichen Bodens und von der genügenden Ausbildung unserer Siedler ab. In dieser Beziehung müssen wir es den am meisten fortgeschrittenen Ländern, insbesondere den Vereinigten Staaten, naelimachcn: Versuchs• Stationen müssen auf verschiedenen Punkten des Landes gegründet und in Zusammenhang zwischen ihnen und dein Landwirt geschaffen werden. Wanderlehrer und Instruktorcu müssen engagiert, die Jugend dazu• erzogen werden, die größtmöglichste Rentabilität des Betriebes a n z 11 s t r c b c n und auch zu wissen, wie sic erreicht werden kann. Der Schilderung der diesbezüglichen amerikanischen Einrichtungen widmet Wilkansky viel Raum. Bei uns liegen allerdings die Verhältnisse noch \icl komplizierter. Wir müssen unsere Siedler oft erst zur Arbeit überhaupt erziehen,• müssen ihnen die landwirtschaftlichen Handgriffe beibringen, müssen s'־״ mit den einzelnen Wirtschaftszweigen und dem landwirtschaftlichen Helrieb als solchen erst bekannt machen. Dies sind überaus schwere Aufgaben, aber ohne deren Lösung und ohne Verwirklichung der vollen modernen Ausbildung kommen wir nicht weiter. Für die jüdische Landwirtschaft in Palästina Ut dies eine Existenzfrage. So sucht denn das Werk Wilkanskys eine Antwort auf alle bedeutenderen Fragen unserer Kolnnisationsarbcit zu geben, harte entschlossene Antworten, so hart, wie das palästinensische Leben der Gegenwart ist und so unerbittlich, wie sic eben dieses Leben diktiert. Mit Einzelnem mag man gewiß hie und da nicht einverstanden sein, das Ganze stellt aber doch eine einzigartige geschlossene Anschauung dar, wo sich ein Gedanke fest und logisch an den anderen reiht und alle zusammen eine Kette ergeben, die mit der Landwirtschaft beginnt und in die Landwirtschaft mündet. Darin liegt die Bedeutung dieses Gedankensystems. Die Schöpfer des jüdischen Sicdlungswerks im Lande werden viele Anregungen aus diesem Werk des unerschrockenen Vorkämpfers der jiidisehen Landwirtschaft schöpfen können. Doch auch für den einfachen Zionisten, der indirekt über die Fragen des Aufbaues mitcntsclTcidet, ist die Kenntnis dieser Probleme von großer Wichtigkeit. Presseschau In der ״Frankfurter Z tg.“ (vom 2Ü. d. M.) schileiert der bekannte Dichter Theodor Dä übler die Eindrücke eines 7w ciwöcheiitlichen Aufenthaltes in Palästina, vorwiegend Jerusalem (Heilige Stätten, auch Klagemaucr usw.). Darin findet sich folgender Abschnitt über Zionismus: ״Der Aufschwung des Zionismus ist unerhört. Nur wenig läßt sich in diesem Rahmen äußern: diejenigen, die Palästina sich wieder urbar machen, geschähe cs nun aus religiöser Begeisterung oder bloß in nationaler Hingcrisscuhcit, beides ist ja hier eigentlich untrennbar — sind wackre Menschen, die eine Idee hergebracht und auf der neuen Krume größtenteils festhalten wird. Lob oder Kritik abzugeben, könnte wohl bloß berechtigt sein, wer mit diesen jungen, sehr oft akademisch gebildeten Leuten im Laufe der letzten Jahre Fieberstriche entsumpft hätte; stellen wir also bloß fest: ein schwerstes Stück Arbeit ist gelungen. Dabei sei hervorgehoben, daß ich selten so frohgesinnte Gesichter gesehen habe: Jünglinge und Mädchen haben an der Mühe selbst ihre Freude gefunden. Sic fürchten sich vor Krankheit und einer oder der anderen Mißernte infolge atisgcblicbencr Regen nicht. Ein andermal möchte ich eingehender über dieses Thema sprechen: ich habe den ,Eiudruck, daß man in Palästina auch einen freundlichen Wink nicht übclnimmt. Freilich sollte man ja, um dazu berechtigt zu sein, länger, als ich es vermochte, das Land bereist haben.“ Der 70. Geburtstag des bekannten Dozenten der Talmud-Wissenschaft an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums iti Berlin, Prot. Dr. Eduard Baueth, wurde am 22. d. M. durch eine solenne Feier begangen. An der Feier nahm eine große Anzahl von Freunden und Verchrcrn des Jubilars teil. Von Umversitätsprofessoren waren die Herren Gotthold Weil und Eugen Mittwoch anwesend. Das Kuratorium der Lehranstalt vertrat Justizrat Lilicnthal, der auch den Jubilar begrüßte. Für die Berliner jüdische Qcmeindc war Rechtsanwalt Dr. Klee anwesend, bas Dozentenkollegium der Hochschule war vollzählig vertreten, für dasselbe sprachen die Herren Prof. Out mann und Prof. Torczyncr. Im Namen der ehemaligen Hörer begrüßte Dr. Spanier den Jubilar Die Herren Dr. Dörfler und Dr. Jacobus toastierten m hebräischer Sprache. ' * Die Touristik in PsISifina Von W a 11 e r T u r 11 0 w 8 k y, Jerusalem. Einer der alle wichtigsten Faktoren der Wirtschaft Palästinas ist die Touristik. Wenn diese Erkenntnis auch schon seit langem in den für die Wirtschaftspolitik verantwortliehen Kreisen herrscht, so haben dennoch die damit 7.11sammenhängenden Fragen in der Diskussion über die Wirt- Schaftspolitik Palästinas bisher eine kleine Rolle gespielt. Die i.agc Palästinas, seine landschaftlichen Reize, die heiligen Stätten und das Interesse, das in der ganzen Welt durch die zionistische Propaganda für dieses Land entstanden ist, prädestinieren Palästina zu einem Touristcnlandc ersten Ranges. Aegypten ist seit Jahren der Mittelpunkt der Touristik im Mittclinccr. Die Gründe hierfür sind vor allem die Denkmäler seiner Jahrtausende alten Kultur, der Fortschritt und Reichtum des Landes unter der englischen Verwaltung und nicht zuletzt die Verbesserung der Verkehrsmittel, an der die englische Verwaltung zusammen mit den einheimischen Rcgicrniigsorgaiie״ seit Jahren gearbeitet hat. Während die türkische Herrschaft in den übrigen Teilen des östlichen Miltelineercs jeden Fortschritt verhinderte■, entwickelte sich in Aegypten Hand in Hand mit der allgemeinen Erschließung des Landes, ein modernes Hotelwcscn, ein Netz von l.iiMishaliiKii und anderen Verkehrswegen. Kein Wunder, daß die großen Toiiristengcsellschaften Amerikas und Englands den Schwerpunkt ihrer Mittclmecrrciscn nach Aegypten verlegten. Eigene Schiffahrtsgesellschaften wurden von ihnen auf dem Nil gegründet. Die Touristengcsellschaften erwarben Aktien der großen Hotels; so entwickelte sich eine mustergültige Fremdenverkehrs-Organisation. Die Regierung förderte alle Bestrebungen zur Hebung des Fremdenverkehrs und eine großzügige Propaganda in Europa und Amerika sorgte dafür, daß das Interesse an Aegypten nicht einschlief. Nur ein kleiner Teil des Touristenstromes, der nach Aegvten kam. reiste für einige Tage nah Palästina und Serien. Während Aegypten alle Annehmlichkeiten einer modernen Kciscorgaiiisntion hot, waren die Verhältnisse in Palästina diametral entgegengesetzt. Die Reisegesellschaften, die in Aegypten ihr Zentrum hatten, waren an einer Entwickhing einer’wirklichen Touristik in Palästina und Syrien gar nicht interessiert. Ihre ungeheuren Investitionen konnten sich nur rentieren, wenn Aegypten das Zentrum des Miltelmceres wurde und kleine Ausflüge nach den heiligen Stätten Pnlästinas und nach der orientalischen Welt Syriens den Aufenthalt in Aegypten reizvoller erscheinen ließen. So bestand der Fremdenverkehr Palästinas vor dem Kriege im wesentliehen aus Pilgern, die in großen Mengen kamen, ln Ilospi/en beherbergt wurden und nicht als eigentliche Touristen hetrachtet werden konnten. Ein weiterer Faktor des Tonristenvcrkclus in Palästina waren und sind die Mitteimeer- Kreuzfahrten der verschiedenen großen Reisegesellschaften, die, während sie aus den oben erwähnten Gründen längere Zeit in Aegypten anlegten, einen kurzen Aufenthalt in Palästina machten, um ihren Reisenden die heiligen Stätten zu zeigen. Der Weltkrieg und die damit verbundene Neuregelung des Besitzverhältnisses in Palästina veränderten auch den Umfang und das Aussehen des Touristenstromes, der nach Palästina kam. Während in den Vorkriegsjahren, wie schon oben erwähnt, der größte Prozentsatz des Fremdenverkehrs von Pilgerfahrten bestritten wurde, so gingen diese mit dem Zusammenbruch Osteuropas und den Veränderungen ln Mittelcuropa stark zurück. Auf der anderen Seite kam in Massen der kleine jüdische Baal-hajith ins Land, um Existenzmög* lichkcitcn zu suchen. Er reiste infolge der Verordnungen der Regierung mit einem Touristenvisum und wurde dementsprechend statistisch erfaßt. Im Zusammenhang mit dem wachsenden Interesse Europas und Amerikas an dem vorderen Orient, wuchs automatisch auch die Zahl der Drei- bis Vier-Tagc-Touristcn in Palästina. In verhältnismäßig kleinem Umfang nahm aber auch an der Steigerung des Touristenverkehrs eine Gruppe Anteil, die auf Grund der zionistischen Propaganda als wirkliche Touristen nach Palästina kam, um Land und Leute kennen zu lernen. Ganz fehlt jedoch bis heute der Erholungsrciscndc, der ln anderen Ländern das Gros des Verkehrs bildet. Es braucht wohl nicht weiter ausgeführt zu werden, daß das cigcntliehe wirtschaftliche Interesse des Landes sich Im wesentliehen auf diese zwei letzten Gruppen konzentrieren muß, die auf die Dauer einen unvergleichlich wichtigeren Faktor bilden als die ungeheure Zahl von Drei- bis Vier-Tage- Touristen der großen Reisegesellschaften. Wenn heute die Institute des Reiseverkehrs in Palästina einer Kritik unterzogen werden, so fällt sofort eine Tat- Sache auf, die die ganzen Verhältnisse des Landes entscheidend beeinflußt, In anderen Staaten sind alle Fremden* Verkehrsinstitute in irgendeiner Form zu Verbänden zusammen• geschlossen; die Hotels meist in einem besonderen Verband; die Spit/cnorgaiiisation der FromdrnverLehrsinstitute steht im engsten Zusammenhang mit der Regierung, die alles tut, um durch Siihsidieu und staatliche Beihilfe den Fremdenverkehr zu fördern; denn in erster Linie ist die Steigerung des Fremdenverkehrs eine Aufgabe des Staates oder der Gesamtheit, da in einem Touristnilniulo die gesamte Bevölkcrung an einer Steigerung dos Touristenverkehrs profitiert. Nichts von alledem ist in Palästina vorhanden. Bis heute gibt es keine Stelle, die zentral den Verkehr für das Land zu regeln versucht, die eine große ausländische Propaganda betreibt. Der Staat tut nichts von sich aus, uin den Fremdenverkehr zu liehen. So gerät Palästina, wie schon oben weiter ausgeführt wurde, in bezug auf die Touristik in immer größere Abhängigkeit von Aegypten. Als Saison |11 Palästina können durchaus die• Monate Ende Januar Ms |uni und Ende September bis Anfang Dezember angesehen werden. Die Saison in Aegvpteu hingegen ist in ganz anderer Weise verteilt, und so kommt cs, daß der Touristenverkehr in Palästina sein Ende schon im Monat April hat, und fcrst im Winter, gerade iin Beginn der Regenzeit, einsetzt. Dieser relativ kleine Umstand ist aber für die gesamten Verhältnisse in Palästina von entscheidender Bedeutung. f>ie Zusammen- Fällung des Touristenverkehrs in den Monaten Februar, März, April bringt cs mit sich, daß jede normale Hoiclentwicklung unterbunden ist. Der relativ ungeheure Frcnidcnstrom, der sich um diese Zeit in Palästina befindet, führt dazu, daß jeae Unterbringungsmöglichkeit angenommen wird und daß cs letzten Endes gleichgültig Ist, ob du Hotel gut oder schlecht geleitet wird, da iu diesen Monaten gute und schlechte Hotels gleichmäßig besetzt sind. Die kurze Saison bringt auf der anderen Seite mit sich, daß die Hotelbesitzer gezwungen sind, in diesen Monaten ihre gesamten Spesen herauszuwirtschaftcn, was eine Steigerung der Preise init sich bringt, so daß die Preise in Palästina relativ höher sind als in Aegypten. Würde dieselbe Zahl von Touristen anstatt in drei Monaten in sechs Monaten ins Land kommen, so müßten sich diese Bedingungen völlig ändern. Die Hotels wären nicht mehr so {gefüllt; der Reisende wäre Imstande, zwischen guten und schlechten Hotels zu wählen; die großen Hotels könnten ihren Spesenapparat in einem größeren Zeitraum verdienen, was ein Sinken der Preise zur Folge haben würde. Das gleiche gilt von der Führ erfrage. Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß einer der größten Mängel der Touristik in Palästina das Fehlen voii guten Führern ist. Die kurze Saison bringt es mit sich, daß die Führer gezwungen sind, ihren ganzen Lebensunterhalt in drei Monaten zu verdienen und daß daher in dieser Zeit der Konkurrenzkampf Formen annimmt, die nur für sehr robuste Menschen zu ertragen sind. Außerdem wird dadurch die Existenz des Führers so unsicher, daß sich jeder Mensch der über einige Qualitäten verfügt, möglichst beeilt, diesen Beruf wieder zu verlassen. Das gleiche gilt für den Automobil, verkehr, der ebenfalls darauf aufgebaut i>t, in der kurzen Saison seine gesamten Spesen zu verdienen und dal: r das• ganze Jahr auf die kurze Saison schielt. Die kurze Biüt.c die dem Autoverkehr in den drei Monaten bcschicdon Kt’ bringt es mit sich, daß in dieser Zeit neue kleine Gesell•’ schäften entstehen, die, gcbjldct auf der augenblicklichen Konjunktur, nicht lebensfähig sind und die Bedingungen der anderen kleinen Gesellschaften verschlechtern. Nichts wäre daher wichtiger, als der Zusammenschluß all dieser Faktoren zu einem Verband, der vor allem cs sich zur Aufgabe macht, eine großzügige Propaganda im Auslände zu führen sozusagen den Kampf um die Verlängerung der Saison a״f. zunrhmen. Die palästinensische Touristik ist so lange un• organisch und ungesund, solange cs ihr nicht gelingt, sich von Aegypten unabhängig /u machen und eine wirkliche Pa 1 ä s t Mt a - T 0 u r is t i k zu erkämpfen. Die Zionistische Organisation hat mit ihren relativ he• schridcncn Mitteln wiederholt versucht, in den Touristen• verkehr ordnend cinzngrcifcn. Der erste Versuch in dieser Richtung war die Gründung der Palcstinc Express Co., eine von der Zionistischen Organisation kontrollierte Gesellschaft, die der Hebung der Touristik dienen sollte. Ein weiterer Schritt in dieser Richtung war die Gründung■ des Jüdischen Informationsbüros für Touristen, dessen Auf• gäbe es ist, dem Reisenden bei seinem Aufenthalt fro Lawfc behilflich zu sein und. ihm die nötigen Auskünfte unent* geltlich zu geben. Alle diese Versuche scheiterten jedoch daran, daß die vorhandenen Kapitalien zu gering waren, um eine wirkliche Propaganda in Europa und Amerika durch• zuführen und daß keine europäischen und amerikanischen Zweigstellen dieser Institute vorhanden waren, die allein instände gewesen wären, den Touristenverkehr an sich zu ziehen. Die Erkenntnis dieser Tatsache, die Notwendigkeit, ein großes palästinensisches Fremdcnvcrkchrsinstitut zu schaffen, hat schließlich zu der Vereinigung der Palcstinc Express (Jo. mit dem Palcstinc Lloyd geführt, die, wie zu hoffen ist, /.!!mindestens einen Teil der mit der Touristik zusammenhängenden Fragen lösen wird. Der Ausbau dieser Gesellschaft, die unter dein Namen Palcstinc Lloyd arbeiten wird, die Kontrolle derselben durch die Zionistische Organi• sation und durch die zionistische ()Öffentlichkeit kann dazu führen, daß dieses jüdische Reise- und Transportinstitut größten Stils zu dem wirklichen Faktor des Touristenverkehrs in Palästina wird. Gelingt cs dieser Gesellschaft, Palästina als wirkliches Touristcnland populär zu machen, in die Ver• liältnissc der Hotels, der Führerfrage und des Verkehrswesens entscheidend cinz.ugrcifcn, so hat sic eine der wichtigsten Aufgaben gelöst, die heute für die wirtschaftliche Entwick• lung Palästinas von entscheidender Bedeutung sind. Die palüsliaeaiisehen Eiawinderungsbestlminnnfleii Jerusalem,!6. Dezember. (P. C.) Nach sorgsamer Erwägung der in bezug auf die Einwandeningsbestimmungen gemachten Vorstellungen hat das Kolonialamt beschlossen, daß Personen, welche um eine Einwandcrungscrlaubnis als Immigranten nach Palästina cinkommcn, nicht mehr ihre Pässe cinrcichcn müssen, bevor ihre Eingaben an die Be• hörden in Jerusalem wcitcrgcgcbcn werden. Es wird jedoch verlangt, daß diese Pässe cingercicht werden, ehe das Inuni• grationszertifikat wirklich ausgehändigt wind. — Es wurde ferner beschlossen, daß Personen, welche die Zulassung als bemittelte Einwanderer auf Grund nichtpalästincnsischcn Grundbesitzes beantragen, diesen nicht zu realisieren brauchen, bevor sie eine Entscheidung aus Palästina in bezug auf ihr Gesuch erhalten haben. Die Wirtschaftslage der Jaden 1■ Polei Dr. M. S i 1 b c r f a r b , Vorsitzender der Landesorgam'• sation des ״ORT“-Vcrbatides in Polen, hat während seines Aufenthaltes in Berlin iu einem von der Zentrale des ״ORT“ in Berlin gehaltenen Vortrag sich folgcndcrweisc über die gegenwärtige Wirtschaftslage der Juden in Polen geäußert: Die Verständigung der polnischen Regierung mit dem jüdischen ״Kolo“ hat bis zum heutigen Tage zu keinen greifbaren Ergebnissen geführt, jedenfalls auf dem Wirtschaftliehen Gebiet nicht. Nach wie vor stoßen jüdisches Kapital und jüdische Arbeit auf verschiedenartige Hindernisse, die systematisch und unablässig den Juden bei der Ucbergabc von Lieferungen und Unternehmungen seitens der Regier.!״״ oder der örtlichen Selbstverwaltung in den Weg gestellt werden. Auf diese Weise bleibt die jüdische Bevölkerung iu ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit ausschließlich auf Handel und Handwerk beschränkt. Aber für jedermann, der de;! Verlauf der Wirtschaftskrise in Polen verfolgt, für den ist cs klar, daß der Handel in Polen in eine dermaßen ver• zweifelte Situation geriet, daß selbst die hartnäckigsten Opti• misten keinen Ausweg vor sich sehen, wenn die polnische Regierung keine radikalen Reformen in ihrer ganzen Wirt- Schaftspolitik, und zwar so rasch wie möglich durchfuhrt. Immer breitere Schichten der Bevölkerung werden von der Epidemie der Bankrotte ergriffen. Wir sind vorläufig noch nicht Im Besitze des statistischen Materials, auf Grund dessen wir die Dimensionen bestimmen könnten, die der Ruin jüdischen Handels bereits angenommen hat. Es drangt sich mm die Frage auf: Was soll aus jenen zehntausende!! juui• sehen Händlern werden, die vom Handel verdrängt wurde;! und nicht wieder zu ihm zurückkehren können? Hunderte Personen werden nach anderen Länden! answandern, wenn cs ihnen glückt, die ihnen noch gebliebenen beschränkte!! Lmigratlonsmöglichkciteu auszunüt/cn; fiir die größere Masse jedoch, die nicht auswandern kann und im Lande verbleiben muß, gibt cs nur einen einzigen Ausweg, der Ueberga״^ 7.11 produktiven Beschäftigungen und vor allen Dingen zum Handwerk. Zwar erlebt auch das Handwerk nug cnblicklirh schwere Zeiten, auch hier macht sich eine empfindliche Arbeit*' losigkcit bemerkbar, aber man hält cs allgemein für eine vorübergehende Erscheinung, die mit den! Augenblick ver• schwinden müsse, ln dem die Resultate der schut/zöllnrrischcn, von der polnischen Regierung befolgten Politik zum Vor• schein kommen werden, und iu dem andererseits die jud;• sehen Handwerker mit billigem Kredit versorgt werden, der Ihnen die Möglichkeit verschaffen wird, bessere Maschinen cinzuführcn und Rohstoffe cinzukaufen. Berufliche Ausbildung und billigen Kredit für jüdische Handwerker müssen die Aufgabe bilden, denen die jüdische Oeffentlichkeit >mc Aufmerksamkeit zuwenden muß. Diesem Ziel widmet sicn die Gesellschaft ״ORT“ in Polen.

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