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Jüdische Rundschau · 1925-12-30 · Heft 102-103 (30.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 102-103 (30.12.1925)
Date
1925-12-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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103 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite S41 102103 Palästina und Syrien foi, .Berichte aus Syrien — Die Stimmung in Haifa und .rgaliläa — Die Stellung der Araber und Juden Von unserem Korrespondenten. A.G. Jerusalem, den 14. 12. 1025, 1$ scheint nicht viel zu besagen, daß man nahe an der -t sitzt. Der Zcitungslcser in London und Paris erfährt lf ebenso schnell und vielleicht gründlicher, was in Syrien ■d.,y I au ebe attc!. " sc: -r.t sitzt. Der Zcitungslcser in London und Paris erfährt fFSי ׳ lf ebenso schnell und vielleicht gründlicher, was in Syrien ouv '•:rht, als jemand, der nur 150 oder 203 km vom Schauplatz tj,/?•׳Unruhen entfernt ist. Man kann heute z. R. in irgendeiner vf; 1 stincnsischcn Stadt \icl über die Kämpfe im nachbarlichen sch.; lim hören. Aber cs heißt, sehr gründlich Spreu vom Weizen! K׳! ji-rir, wenn man sich wirklich aus den Gerüchten, aus den 'rkdoten und Erzählungen ein Bild von dem machen will, 1 \!;< jenseits der Grenzen vorgeht. Auch die Berichte, die die t'i-nincnsischc Presse füllen, kommen zum guten Teil aus tnun •! ■וזר,״ und Paris, z. T. sogar aus dem Unterhaus. Freilich H yt der ,.Brief aus Mctullah“ (der Nordgrenzkolonic) schon rinz;'!•!.: eine stehende Rubrik. Aber da findet man nur — oft!ehe!:i [xssantc -י Einzelheiten, und nicht selten wird die oder Le wichtige Nachricht dann später dementiert. Auch mit . 1• Spezialheriehterstattcrn ist es so eine eigene Sache. Man ” j; von ihnen, wenn sie zurückkommcn, mündlich oder Pre-j riftlich so manche Eindrücke, so manches Stimmungsbild, s ck/.-r im Grunde läßt sich das ebenso gut im Manchester inien.fjrdian oder in den Mitteilungen der Telegraphcnagenturcn sde* ■•;hlcscn. Es laßt sich bezweifeln, ob der durchschnittliche ur.cj ׳.;stinenscr über die Vorgänge in Syrien besser orientiert riiscn f; 31s der durchschnittliche Engländer, obwohl er dem Lande >en<vj. viel näher ist und obwohl das, was sich dort abspielt, in ג, z!/i!r als einer Hinsicht auf Palästina cinwirkcn kann. Aber fc<j; Berichterstattung ist --- wie immer in der modernen öc!. — stark gefärbt, von verschiedenen Seiten beeinflußt, ב ichji verschiedenen Interessen diktiert. .tateß| p>jc jüdische Oeffcntlichkcit im Lande hat bisher kein ra/p gewöhnliches Interesse au den syrischen Ereignissen an . ^.;ו Tag gelegt. Sic war zu sehr mit ihren eigenen Fragen j »rhäftigt. Die Geldknappheit, die Verkleinerung und c״|h!icßu11g von Firmen, die beginnende Arbeitslosigkeit ge• Tn vollkommen, um den Jiscimw 7u beschäftigen. Freilich *A nu״ orientiert, aber das syrische Problem steht nicht direkt Zentrum des Interesses. Der Teil der jüdischen Bevölkerung, ^aV';rim nördlichen Palästina sit/t, wird stärker auf die Unruhen;1:.;;M:gelenkt. Schon in Haifa fühlt man den Zusammenhang mit *C*c! ];niaskus. Die Eisenbahnverbindung mit der Hauptstadt des ’ ׳ זז chbarlandes ist häufin־, oft für Taere. unterbrochen, der phbarlandcs ist häufig, oft für Tage, unterbrochen, der ... Mg aus Damaskus enthält manchmal gar keine Passagiere, 1״ '^jirr nur ganz wenige und ist bewaffnet. Die Automobilver- “!;:düng nach Beirut und 113011 Bagdad ist sehr schwach :j worden und teilweise ganz unterbrochen. Einige von den I uscr, die mit ihren Gewehren die Grenze im Norden überischi i ':,reiten mußten, und wegen Waffentragens zu Gefängnis .']itär-j;rurteilt wurden, büßen ihre Strafe in Akko ab. Aber trotz ,henf etn ist Haifa gewissermaßen noch ״weit vom Schuß“. ^err\ In Obcrgaliläa spürt man schon mehr von dem, was 0' :'^כits der Grenze vorgeht. Und für Obcrgaliläa hat die; ־;lende Gefahr schon so manche wichtige Neuerung gebracht. Ugab Tage, wo man dort oben, in jenem Zipfel, der sich .j.׳h Syrien hinntisschichf, sehr besorgt war, weil sich die;״ic;i j impfe immer mehr nach Süden über Sidon hinauszogen und 1Tun7hn von dem Lärm der Schüsse und Fliegerbomben wach- (jen! 4־־halten wurde. Flüchtlinge sammelten sich in der Umgegend scha, ה׳ Mctullah und Safcd, und mau tat alles, um sich gegen!aficü-vorhcrgcschene Zwischenfälle zu schützen. Die Sorgentage :crcn ]erden dann plötzlich durch hoffnungsvolle Ausblicke unter- 1 ruj־echcn, als die Meldung von der Erweiterung der Grenze der'י [־ hinauf um Litani und der Rnthenbergkonzession zur Auschcr:j-zung der Wasserkraft dieses Bergflusscs durch die Presse '! ir! 11ח י• Dann wurde cs wieder still. 'Ilten j Es ist nicht nur die Erwartung des Kommenden, was die ricd-'j.cmüicr im Norden in Atem hält. Die Sicherung vor den ider• jv.hrndcn Gefahren hat für Obcrgaliläa Neuerungen gebracht, :eiere j:f die cs unter normalen Umständen vermutlich noch lange ern ste warten müssen. Der Bau einer Straße von Rosch-Pinah | ־h Mctulbh, und die Anlage eines Telephondrahtcs sind Par• j ־iuig für diesen entlegenen Landcstcil. Es ist wohl bccha•; kniend, daß unter friedlichen Umständen keine solchen nberj.Malten getroffen worden wären. Ist ja auch ein Teil der arte-]Üstincnsischcn Eisenbahnen zu militärischen Zwecken und ein• rit militärischen Mitteln gebaut worden. Die bessere Verbinhien ] ng der entfernt liegenden galiläischcn Kolonien ist für uns inen ]י großer Schritt vorwärts, ln der Regenzeit war cs bei den!4ו1י>ד-־. ungcpflastcrtcn Pfaden manchmal wochenlang unmögjj da hinauf zu kommen, die Post kam dann nicht bis zur 3Freigrenze, und die Siedlungen waren wie abgeschnitten von ]Vl.1‘•׳ Dmwelt. Auch iin Sommer war eine Fahrt nach Mctullah a״c. j״ den Chauffeur wie für den Reisenden trotz der schönen here U־“dschaft eine erhebliche Strapaze. Schon vor einem halben kull'är wurde cs besser, als man gelegentlich der Abschicdsfahrt _oh j-nncls durch Palästina die. größten und gefährlichsten Steine färe.,j.; dem Wege räumte. Und jetzt haben, wir endlich eine!crc. von Rosch-Pinah bis zur Grenze. Ihre Führung entvor- '• :‘cht nicht unscrcn Wünschen. Anstatt Ajeteth Haschachar : durchqueren, läuft sic seitwärts daran vorbei, und Jessod ־'; יaalah in seiner Niederung atn Meromsec wird überhaupt jt berührt. Aber sic verbindet uns enger mit den Nordaj0r < Fnien und kann in gewissem Sinne für die Erschließung irn - ' Chulc-Sumpfcs wichtig werden. Von ähnlicher Bedeutung ater;?der Telcpbonstrang nach Mctullah, und die neue Luftschiff jibt. j'ition bei Machnajim erweckt — wie man sich erzählt, Inders unter den Arabern der Umgebung — reges Intcre-.sc. c Zusammenzichung der Elitcgcndarmcric im Norden verf 51 ז י /-hrt Leben und Bewegung.; j Von der Arbeit, die der Bau der Straße und des Telephons ' .1•1 ׳eil, haben wir sehr wenig gehabt. Diese Arbeit, die gegen . .i’"0 Leute beschäftigte — für Palästina eine ungeheure!Sfl jih| ־־־. hat kaum Juden beschäftigt. Und wir hätten sehr , . : 1'׳bei dem jetzigen Stand der Arbeitslosigkeit im Lande einige J . ■i "btandsarbeiten der Regierung brauchen können. Aber der und *n überwältigendem Maße von Arabern, darunter 7L; 5 :iuc« und Kindern, durebgeführt, in fieberhafter Eile, die •]3^. זך Kilometer tun den anderen überwindet. In vierzehn Bl' .J2cn soll alles beendet sein. j-tC | Es wäre interessant, heute unter den Juden Palästina י eine; i 1״frage zu veranstalten, wie sic zu dem Aufstand in Syrien GgW Die Meinungen würden _ sich teilen. — und was das j 1״‘fallendste ist — ein .Teil würde überhaupt nicht wissen.;j Die näcfcsio Ngg?.r1cr der ״Jädisclzca Rund« scliau“ erscheint Dienstag;, den 5״ Januar 1926« was er zu antworten hätte, weil ihn die Frage bisher nicht eng berührt hat. Es ist hier ebenso wie mit der Stellung zu den Arabern im Lande. Viele sehen das Problem gar nicht, und wenn sie cs zu verstehen anfangen, türmt cs sich so sehr in seiner Komplikation, die keine glatten Lösungen zuläßt, daß viel Denken, Kenntnisse und guter Wille zu seiner Bewältigung gehört. Und die Drusenfrage rührt zu eng an die allgemeinarabische, als daß sie sieh davon nhtrenncu ließe. Daß ihr Widerhall zur Zeit sowohl im arabischen als auch im jüdischen Palästina nicht alles andere iibertönt, läßt so manchen Schluß auf die palästinensisch-arabische Bewegung ־zu. Man soll hier sehr vorsichtig. Vorgehen, wenn man mit den Trägern dieser Bewegung nicht in dauerndem Kontakte ist. Denn ihre Presse bringt nur einen Teil dessen zum Ausdruck, was vorgeht, und diese Presse selbst ist nur wenigen zugänglich. So kann man ־— mit allem Vorbehalt — sagen, daß die svrisclic Bewegung nur bestimmte Kreise zu einer klaren Haltung bewogen hat. Es gibt einige Beispiele für Hilfsaktionen und Untcrs\üt71u1gsvers11che moralischer und materieller Art. Bestimmte Schritte der ״arabischen Exekutive“, eine GeUlsammlung hei einer Klubeinweihung in Jaffa, Aufrufe zur Hilfe für die syrischen Brüder am Tage der Balfour-Deklaration. De facto hat Palästina wenig Geld und kaum Menschen für Syrien gestellt. Und die Ruhe, die im Lande herrscht, ist nicht nur eine Folge des Respektes vor den Engländern, die nach wie vor wenig sichtbar werden, sondern cs fehlt wohl auch der starke Wille breiterer Kreise, Aktionen cinzuleiteu. Es scheint ähniieh zu sein, wie bei der antiziouistisehen Bcwegung, die auch nur in bestimmten umgrenzten Kreisen ihre Stützpunkte hat und nur von liier aus verbreitet wird. Trotz allem ist es sicher, daß ein gewisser Zündstoff auch bei uns in der Luft liegt, wenn man ihn auch nicht überschätzen soll. Im Augenblick haben die Wahlen zum ״Mos- Ionischen Rat“, die an vielen Stellen zu Zusammenstößen zwischen den Arabern untereinander geführt haben, die Gemütcr erregt. Und was die Juden betrifft, so zeigt gerade die Beier der Fahnenüberführung nach Jerusalem, wie wenig sie sich einer besonderen Empfindlichkeit des Momentes bewußt sind. Es handelt sich hier vielleicht um eine Frage des Taktes; vielleicht auch um die Frage, ob dieses Fest uns soviel gibt wie cs — auf lange Sicht — gefährden kann. oriell 2us Li bä«! Aus Libau (Letviand) wird uns geschrieben: Libau ist eine alte und gut organisierte jüdische Gemeinde. Sie hat eine gute Zionistische Organisation, die sieb durch ihre Einigkeit und Arbeitsfreudigkeit aus/.eichnet. Ti'ir den Keren Hajessod hat Libau immer verhältnismäßig viel beigesteuert. Man hatte allen Grund, zu erwarten, daß auch die diesjährige Aktion unter der Leitung von L. Jaft'c Erfolg haben wird — obwohl die ökonomische Lage der Stadt eine trostlose ist, der Handel stockt und der Li bauer Hafen jetzt mit bitterem Spott ״ein Freihafen, frei von Dampfern.“ genaniit wird. Doch der Erfolg, den die Kcrcn-Hajcssod-Woehc (<). bis 16. Dc/emher) in Libau erzielt hat, war eine Heberraschung. Herrn Jaffe ist es gelungen, in der Stadt ci״e tiefe und opferfreudige Palästina-Stimmung zu schaffen Die ganze Gemeinde stand im Banne Palästinas. Im Verlauf von sieben Tagen wurden dreizehn Versammlungen abgchalten. Ein feierlicher Empfang zu Ehren L. Jaffcs leitete die Aktion ein. Der Saal war überfüllt. Der engiischc Konsul, Mr. A. Porter, hielt eine begeisterte Ansprache und forderte die Juden Libaus auf, ihre National- Steuer für den Keren Hajessod zu zahlen. Eine große Wirkung übte die Rede von Frau Lewin, Tochter des verstorbenen N. Katznclensohn, ehemaligen Deputierten der ersten russischen Durna und Direktors der Jüdischen kV.onialbnnk, aus. Der Vortrag von L. Jaffe über den Aufbau Palästinas entfesselte eine stürmische Ovation. Es folgten daun ein ,,Gcsellschaftstcc“, der 300 der prominentesten Personen der Stadt vereinigte, zwei Massenversammlungen in den zwei großen Synagogen (jede wurde von etwa 2000 Personen besticht): ״Makkabi“, .,Hakoah“ und ״Haschomer-Hazair“ veranstalteten drei große Versammlungen: in einer großen Versammlung der ״Frauenliga für Palästina“ sprach L. lat'fe über ״Palästina und die jüdische Frau“; die zwei brdeiieiuliii jüdischen Mittelschulen veranstalteten Kinderfeste zu Ehren des Ciastes aus Palästina: zwei SammlcrversnmmUmgcn wurden abgchalten. 31 Paare haben sieb vollständig der Sammlernrbeit gewidmet. Es wurden viele neue Kcren-Hajessod-Znltler gewonnen, die alten verdoppelten, verdreifachten und vervierfachten ihre Beitrage. Es ist anzunchmcn, daß fast a’lc zahlungsfähigen Juden Libaus jetzt für den Keren Hajessodgezeichnet haben. Ueber das Häuflein ״Hartnäckiger“ wird ein (in Lettland sehr übliches) .,gesellschaftliches Gericht“ in der Form einer öffentlichen Diskussion geplant. Man kann mit Sicherheit behaupten, daß Libau, trotz der trostlosen ökonomischen Lage, seinen Beitrag für den Keren Hajessod verdoppeln wird. Ein großer Teil des Geldes ist in bar gesammelt worden, und auf dem Abschicd.stcc wurde Herrn L. Jaffe ein gutes Geschenk auf den Weg gegeben: ein Scheck auf die ersten 530 C für den Keren Hajessod. Die Arbeit ist noch lange nicht zu Ende und wird mit großer Energie weitergeführt Der Wahlterror in der Tschechoslow3!\ei Prag, 20. Dezember. (J.T. A.) Im tschechoslowakischen Parlament erhob der deutsche Abgeordnete Heller scharten Protest gegen den Wahltcrror i1״ Lande, der es verhindert hat, daß die mehr als 100 000 Wähler der jüdischen Partei auch nur ein einziges Mandat errungen hätten, obwohl auf 100 000 Wähicr doch mindestens fünf Mandate, hätten entfallen sollen. Die Regierung, sagte der Abgeordnete, habe zu ganz unglaublichen Mitteln, wie Bestechung usw., gegriffen, um' ein jüdisches Mandat zu verhindern. Ihr williges Werkzeug war der Vizegouverneur von Karpathorußland, Herr Rozsypal, der große Summen a u f w a n 1110 , um die orthodoxen l lemente in ihrer Opposition gegen die Zionisten zu stärken und so die jüdische Front zu zersplittern. Abg. Heller sagte, er sei in der Lage, seine Behauptungen dokumentarisch, so durch Vorlage von Geldquittungen, zu bestätigen Aus Oslo wird gemeldet, daß mit Wirkung vom 15. Dezember 1925 die Schechitah in Norwegen verboten ist. Darob hat sich der norwegischen Jtidenheit, die 7um größten Teil noch sehr orthodox i«t, eine große Panik bemächtigt. Wir hoffen, daß es gelingen wird, das gegen die Toleranz verstoßende Verbot rückgängig zu machen. Die Assschreitensea in Lemtog Lemberg, 21. Dezember- (J.T.A.) Die in: Zusammenhang mit der Freisprechung Steigers am IS. Dezember bcgonnenen antijiklischen Ausschreitungen erreichten am 19. Dezember ihren Höhepunkt. Auf dem Platz vor dem Fredro- Denkmal versammelten sich mehr als 5000 Studenten, Sokolni und Angehörige der Rozwoj-Organisalion, alle mit Schlagwnffcu ausgerüstet. Die Polizei bildete einen Kordon um die Versammelten. Mehrere Redner, die auf die Schultern gehoben wurden, riefen zu einem Vcrnichtimg^kampf gegen die Juden und die ״Judenknechte“ auf. Es wurden Rufe ausgertoßen: ״Nieder mit den Juden! Nieder mit den Verteidigern Steigers! Nieder mit den pflicht verg c s :.citnt acht Oese h w 0 r e ״ c n 1“ Als die Reden und die Rufe verklungen waren, durchbrach die Menge den Polizeikordoii, verteilte sich auf die umhegcndri: Gasser», schlug auf die jüdischen Passanten ein und verwundeten mehrere recht erheblich. Die Verwundeten, die .sich nicht selber nach Hause begeben konnten, winden durch die Rettuugsgcsdlschaft in die nädisthcgemku Krankenhäuser gebracht. Vor dem Hanse des Steiger-Verteidigers Dr. Grek wurde eine große Kundgebung veranstaltet und >;im(liohc Fensterscheiben des Hauses angeschlagen. Die Polizeiwache verhinderte die Menge, in das Haus selbst ciuzudringeti. Im Saale der Sokoleil fand am 20. |X-/r!nher eine Ver- Sammlung statt, in der die aus dem Steiger-Prozeß bekannte Balletteuse Pasternak eine jtidrnhetzcrische Rede hielt und davon sprach, daß die ״jüdischen Dollar“ Steiger befreit haben. Sic sagte auch, die acht Geschworenen, die die Schuld frage verneinten, seien ebenso wie die Verteidiger und der Ukrainer Ols/anski von den Juden gekauft worden. Nach Schluß der Versammlung wurde die Pasternak auf den Schultern nach ihrer Wohnung getragen, wobei auf dem ganzen Wege die Rufe erschollen: ״Es lebe unsere Heldin Pasternak, es lebe Witkowski (einer der Geschworene״, der sich für Steigers Verurteilung einset/te). es lebe Lukom-.ki, Tod den Juden!“ In dem Cafe ״Wars/awa“, wo gewöhnlich Juden verkehren, wurden sämtliche Fensterscheiben ringesclilagon. Die Menge drang auch ir; das Innere des Cafes ein, mißhandelte schwer die Gäste und demolierte die Einrichtung. Hierauf zog die;Menge vor die Redaktionen der jüdischen Zeitungen ״CInvila“ und ״Lemberger Togbhtt“. Da ein stärkerer Polizeitrupp die Zugänge zu den Häusern absperrte, zog die *Menge vor die Wohnung der Eitern Steigers. Auch dort verhinderte die Polizei größere Ausschreihingen. Die jüdische Bevölkerung Lcml>crgs ist von Panik brhn;.־.׳ht. Die jüdischen Läden sind geschlossen, man vermeidet, womöglich, das Passieren der Straßen. Zu den Arrangeuren dieser Exzesse gehört der getaufte Jude Tlimnim, Herausgeber der ״Gazeta Codziemu“, der Flugblätter verteilen ließ, in denen jeder, der ״polnisch fühlt“, aufgefordert wird, gegen die ״jüdische Hydra“ zu demonstricrcn. In der ״Roten Gasse“ versuchte die Menge unter den Rufen: ״Nehmt den Juden die Dollar weg!“ jüdische Bankhäuscr zu stürmen. Hier stellten sich ihnen die jüdischen Inhaber und deren Angestellte entgegen. Als die Menge Widerstand mciktc, wagte sic keinen Angriff, bis Polizei kam und sie zerstreute. In mehreren von Juden bewohnten Gassen sind fast alle Fensterscheiben cingescinagen. Mehrere jüdische Frauen und Kinder wurden durch Stcinwiirfc verletzt. I.ukomski bleibt im Amt Warschau, 25. Dezember.. (J.T.A.) Der Inspektor des liauptpolizcikominandos, Ludwikowski, der nach Lernborg entsandt worden ist, um die Untersuchung gegen die I.rmbergcr Polizcibeanitcn L u k o m s k i und K a id a n . die der Protokollfälsclumgeii in Sachen des Steiger-Prozesses und anderer Verbrechen bezichtigt werden, zu fuhren, ist nach wenigen Tagen Aufenthalts in Lemberg wieder nach Warschau zurückgc kehrt. Im Zusammenhang damit wird von unterrichteter Stelle mitgctcilt, daß die Untersuchung wahrscheinlich nicht fortgeführt und daß die Diffcrenzeu zwischen der Kriminalpolizei und der politischen Polizei auf gütlichem Wege beigelegt werden würden. Ur- Sache zu dieser neuen Wendung ist der Umstand, daß die gesamte nationaldcmokratisch-antiscmitischc Front sich hinter Lukomski und Kaidan gestellt hat und entschlossen ist, die in der Angelegenheit Steiger kompromittierten Kreise mit allen Mitteln za decken. Die Regierung ist nicht in der Lage, gegen diese geschlossene Front anzugehen. י- In einer halboffi/.iöscn Mitteilung hieß es bekanntlich, daß Lukomski bereits seines Amtes entsetzt worden ist. Eine diesbezügliche Maßnahme war auch schon vorbereitet gewesen, allein die neue Wendung der Dinge hat die maßgebenden Kreise der Regierung veranlaßt, die A ח g c - legen heit auf sich beruhen zu lassen. Steigers Abreise Lemberg, 21. Dezember. (J.T.A.) Da die demonstrierende Menge immer wieder versuchte, vor das Haus der Familie Steiger zu ziehen, haben verantwortliche jüdische Kreise Stanislaw Steiger geraten, für einige Zeit Lemberg zu verlassen. Steiger folgte diesem Rat und ist heute a b - gereist. Senator Ringel, einer der Verteidiger Steigers, Interveniertc bei den zuständigen Behörden und erhielt die Ver- Sicherung, daß keine Exzesse mehr geduldet werden würden. Die Wohnungen der Verteidiger Steigers und der acht Geschworenen, die mit Nein stimmten, werden durch Polizei bewacht. Warschau, 22. Dezember. (J. T. A.) Steiger ist heute m Warschau cingctroffcn. Seine Adresse wird geheim gehalten, damit er nicht auch in Warschau Insulten ausgesetzt sei. Die jüdisch ca Gcmciadcvvahlca ia Liteara —v. Kowno, 17. Dez. 192s. Der litauische. 11menmini>ter erklärte, daß die Wahlen zu den jüdischen Gemeinden überall am 25. und 20. Januar stattzufinden haben. Das Wahlrcglcmcnt i<: noch nicht veröffentlicht worden, doch verlautet, daß sich das Wahlrecht nur auf Personen erstrecken wird, die am betreffenden Orte eine eigene Wohnung, eine feste Stellung oder Bcschäftigung haben. Das passive Wahlrecht beginnt mit dom 21. Lebensjahr. Mit Genehmigung des Innenministers dürfen mehrere Nachbarorte eine Gemeinde wählen. Die gewählten Gemeinde Vorstände bedürfen der behördlichen Bestätignng. Der von der italienischen Regierung zum Professor tür hebräische Literatur an der Universität Florenz ernannte Prof. Umberto Cassuto, wurde vom Rabbinersemmar zu Florenz, an welchen! Prof.' Cassuto 19 Jahre lang doziert hatte, zum Ehren professor ernannt. Diese Auszeichnung verleiht das Rabbinerseminar Florenz nun zum zweiten Male. Der erste Fhrenprofessor der Anstalt ist unser bekannter tig. Pro!. Chaics, früher Lehrer am Seminar, jetzt Oberrabbiner von Wien.

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