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Jüdische Rundschau · 1925-12-23 · Heft 100-101 (23.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 100-101 (23.12.1925)
Date
1925-12-23
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Nr 100'101 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seife 833 ' f ■ in(׳ ir.i rif: Pf .. r Bücher zur zionistischen Ideologie Von Hans K 011 n. I.. Es gibt keine einheitliche zionistische Ideologie. Der Zionismus ist daher auch keine Weltanschauung. Nicht nur Ausblick, Methode und Weg trennen mich und die, die ähnlich denken, von anderen Gruppen innerhalb des Zionismus, sondern auch die Zielsetzung ist jeweils eine verschiedene. Diese Erkenntnis wird wiederum bestätigt durch zwei neue Bücher n:r zionistischen Ideologie, mit denen die folgenden Betrach- *'■ jtungcu sich auseinander zusct/cn versuchen. Das erste Buch; ]hat zu Verfassern Max Brod und Felix Wcltsch und!trägt den Titel ״Zionismus als Weltanschauung׳‘ (Verlags- ’hnchhandlung R. Färber in Mährisch-Ostrau). Das andere Puch ist das unter der Redaktion von Wladimir Jabotinsky in Berlin erschienene deutsche lieft des Raßwjet. Beide Proschüren erschienen in den Tagen des letzten Wiener Zionistischen Kongresses. Zwei llauptströmungcn lassen sich in der Zielsetzung des Zionismus verfolgen. Die eine Strömung hat ihren Vorläufer j:n Moses Heß, der die Regeneration des Judentums im ((!,';Rahmen der allgemeinen Erlösung der Menschheit und um Sir, ihretwillen anstrebte, und in Perez Smolcnsky, dessen na •Hauptwerk (״Am Hoalam“, das Ewige Volk) in dem Satze |ca ];ipfclt: Wir sind ״Am Haruach“, ein Volk des Geistes, der Idee, des Innenlebens, die anderen Völker sind ״Avnci Hamaasse“, Völker der Tat, der Praxis, des Außcnlcbcns. Die Präponderanz des Innenlebens hält Smolcnsky für unser nationales Charakteristikum und zugleich für den zureichenden ürund unserer nationalen Erhaltung mitten in den geschiehtliehen großen Umwälzungen. Da der Geist unverwüstlich ist, bleiben wir auch ein Volk, wenn wir auch äußerer Merkcrmale entbehren, deren andere Völker zu ihrer Erhaltung 'uf,| bedürfen. (Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf die außerordentlich verdienstvollen Aufsätze des eben versiorbenen Salomon Schiller über Smolcnsky und Achad Haam und über Achad Hnam als Historisoph in der ״Welt“ vom 27. September, IS. und 2*3. Oktober und S. November 1901, die zu den ersten Schriften gehören, die dem wesijüdisehen Publikum ein tieferes Verständnis der zionistischen Problematik vermittelt haben.) Achad Haam erweiterte Smo-!cnskys Gedankengang: zur Erhaltung und zur schöpferischen Bereicherung des jüdischen Geistes bedarf cs seiner Sammlung in Palästina, seiner Berührung mit dem Erdreiche (siehe meinen Beitrag ״Bleibende Werte k Achad Haams Lehre“ im Jüdisehen Almanach •auf das Jahr 56S6, Wien 1025). Für diese Strömung ist der Zionismus eine Bewegung der Wiedergeburt des Judentums und seines Trägers des jüdischen Volkes. Diese Wiedergeburt muß die wesentlichen schöpferischen Kräfte, die in der jüdischen Vergangenheit tätig waren, zu neuem Leben erwecken. Hierzu bedarf cs einer kulturell und wirtschaftlich wie auch in den Verwaltungsformcn möglichst unabhängigen Existenz des Volkes, wie sic nur in Palästina möglich ist. Das Wesentliche aber ist die darüber hinausi gehende, moralisch geistige Existenz. Nicht die jüdäschc pfrdlung ist das Wesentliche, nicht sic ist das Ziel, sondern /sie ist nur ein Mittel für die moralisch geistige Steigerung ’indischen Lebens. (Der Ausführung dieser Grundsätze galten die meisten Kapitel meines Buches ״Nationalismus“, R. Löwit Verlag, Wien 1022). Nicht auf die Erlangung äußerer Macht kommt es hier an, sondern auf die Erkenntnis, Wahrung und Mehrung jüdischer Art Die andere Strömung knüpft an Pinsker und Hcrzl an. Ihr ist das jüdische Volk nicht unterschieden von den anderen Völkern. Sic bricht mit der jüdischen Vergangenheit, ric stellt sich völlig auf den Boclcn der europäischen G״gc!1wart. Sic leidet rieht an den ewigen jüdischen Fragen, sondern an der Judennot. Sic will sic lösen durch Schaffung eines j Judenstaates. Die Errichtung eines unabhängigen, mächtigen Cb? üdischen Gemeinwesens in Palästina ist ihr das Ziel. Dort an bann ein neues, ungebrochenes, schönes und künftiges Ge- •st!schlecht aufwachsen und in Sicherheit seinen kulturellen uid wirtschaftlichen Aufgaben nachgehen. Dieses Ziel muß mit <h־n ihm gemäßen Mitteln im Rahmen der heutigen politischen Urdt angestrebt und erreicht werden. Der jüdische Staat in Palästina kann die Judennot lösen, aber auch nur der Juden- Staat kann sic lösen, die Massenbcsiedlung Palästinas und der Eintritt des jüdischen Volkes in die Reihe der wehrfähigen, machtausübenden Völker. Die zionistische Bewegung seit dem IX. Kongreß stellt nicht so sehr eine Synthese, als eine unklare Vermischung dieser beiden llauptströmungcn dar. Wir müssen daher für Bücher dankbar sein, die aus Liebe zur thcoretis״hcn Besinnung und aus Mut zu konsequentem Denken die Grundlagen der verschiedenen zionistischen Ideologien hcrauszuarboi'.cn suchen. Dies gilt sowohl von dem Buche Jnbotinskys wie von dem Buche von Broci und Wcltsch. Vielleicht daß an Geschlossen- Beit und Schärfe Jabotinskys Heft der Vorrang gebührt, an philosophischer Durchdenkung dagegen der anderen Schrift ״Zionismus als Weltanschauung“ stellt ebenso wie das toßwjct-Iicft dnc Sammlung bereits erschienener Zcitungs- «rtikcl dar. Wir freuen uns bei diesen Artikeln ebenso wie bi denen Jabotinskys und seiner Mitarbeiter, daß sic aus 5er Zerstreuung und Unzugänglichkeit zu einem, wenn auch; ":gmcntarlschcn Ganzen empor gehoben wurden. Sic geben; in geschlossenes System, aber sic schließen sich doch zur jinheit zusammen. Dies ist um so erfreulicher, als die Artikel /-beiden Büchern zum großen Teil nichts an ihrer Aktualität *>c ( ^gebüßt haben, da sic von der Oberfläche der Ereignisse zur rc i-esinnung auf Prinzipien Vordringen, und mögen wir manche ' p'Cser Prinzipien auch uneingeschränkt und mit aller Schärfe n. '■ :-׳lehnen, so sind wir doch dankbar dafür, daß hier wenigstens :ft i :וי Versuch zu prinzipieller Klarheit und theoretischer Be- ׳t.;! Innung vorlicgt, der sonst in der zionistischen Journalistik tc; jit zu fehlen scheint. n-; J Felix Wcltsch (denn ihm gebührt der Hauptanteil an וה::^; ז von ihm gemeinsam mit Max Brod hcrausgcgcbcncn cn;buche) widmet mit Recht die wichtigsten seiner Unter- Mi '';"-riiungen dem Problem des Nationalismus und der Stellung : ,'es Einzelnen zu seinem Judentum. Ich habe vor fünf Jahren ' i jkbon darauf hingewiesen, daß eine Klärung des Problems des Nationalismus für uns lebensnotwendiger ist als selbst die er D dringende Lösung der Fragen der Kolonisationsmcthodcn; 50 ,;c seither verflossene Zelt hat diese Ueberzeugung bctn i;?äf1igL Es ist unsere Stellung zum Nationalismus, die unsere P׳־ : Heilung innerhalb des Zionismus entscheidet Der Nationalis- : -us hat seine Berechtigung für Felix Wcltsch darin, daß er ’;1“illc zum Wert ist (Auch der Jude Welniagcr hat an Jtc. nd aß liß 5t, pt .Is r- 1d h* :11 :rt 1d :11 :c, Stelle de:; Nict/-־.chca11i:.chen Willen:; zur Macht den Willen zum Wert gesetzt.) Der nationale Jude sucht den Wert des Judescins zu erhöhen. ״Er sucht die objektiven Werte des Judentums zu erkennen und zu gestalten. Er lernt das Juden• tum kennen, um cs zu beurteilen. Und er gestaltet cs, indem er das Gegebene zu höherem Wert umscliafft.“ Die Judenfrage lautet für Wcltsch: ״Wie ist der ungeheure geistige und Lebensfonds des Judentums, der heute am Zerfallen ist, zu retten und für die Menschheit und ihre Aufgaben zu verwerten .... Der Zionismus sei uns eine Kampfstlittc um Sinn 1md־ Wert des menschlichen Daseins “ Es ist jetzt schon klar, welcher der beiden Strömungen des Zionismus Felix Wcltsch sich nähert. Für die eine Strömung, die von Pinsker und Hcrzl ausgeht. ist der Nat onalismus und der Nationalstaat eine festgegehene und aus der europäischen Ideologie des neunzehnten Jahrhundert; ohne weiteres übernommene Wcrtgrößc. Der anderen Strömung, die den Nationalismus an den Normen des Judentums und des Scinsollemlen mißt, entspricht die Formulierung, die Felix Wcltsch dem zionistischen Programm gibt: ״Um- Schaffung der jüdischen Vergangenheit zu einer jüd'scheti Zukunft, welche eine Erfüllung sein soll aller natürlich״», geistigen und historischen Gcgrbcnh iten der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Dann erscheint di Regeneration des jüdischen Volkes nur als ein großes Mittel herzu und als eines der wesentlichsten Mittel zu dieser wieder der Aufbau Palästinas.“ In einem schönen Bild weiß Max Brod der oft geäußerten Ansicht entgegenzutreten, als sei jüdisches Schaffen in der Diaspora etwas Küustl:ches, Gemachtes ird Unlebcndigcs. Wäre es richtig, das, was in der Gahth zur Vermehrung des jüdischen BewußV ins g ■schobt al; Kunst- Produkt ab/ukhnen, so müßte man auch Kohle als Kunstprodukt bezeichnen. Denn auch Kohle wird mr durch Arbeit gewonnen, und mühevolle Kunstbauten, Schächte und Bo!:- rungen sind nötig, um das natürlich Gewachsene ans Tageslieht zu fördern. Andere Völker gewinnen ihre Kulturwcrtc im Tagbau, ohne all diese Apparate und Arbeit. W:r aber müssen Steilen bauen, um zu den verschüttet־׳!! Kostbarkeiten unserer Seele zu gelangen. Aber diese sind unser gewesen, wie wohl wir sie mit Mühe erringen müssen. Wir mii־»s״n erst lernen, was wir sind, aber nicht durch Lernen werden wir, was wir sind, sondern wt s:nd es von Natur aus. Und ein anderes schönes Wort Max Brods gilt der Kunst der Politik. ״Nicht das ist also der Fehler der Pol tikcr, daß sie Kompromisse schließen sondern daß sie Kornnromis■* nirht zu schließen wissen. Es ist j.1 so leicht, so ciirchim-ichrtnd, immer bis ans Aeußerr.tc zu gehen. Jeder Dummkopf, j des Haßhcrz kam! das. Höre inan doch cn Teil auf. Unl)g׳.iingtiu־'t in diesem Sinne als etwas Schönes, Wünschenswertes darzustellcn. Nachgiebigkeit vielmehr soll man loben. Nur an Nachgiebigkeit wird die Welt gesunden, nicht an starrem Festhalten des vermeintlichen Rechts.“ Nur an einer Stelle weiche ich von der von Fel;x Weib eh entwickelten Ansicht scharf ab, das ist in seiner Auffassung des jüdischen nationalen Heims in Palästina. Hier scheint mir die in dem Buche vorgetragene Anschauung nicht mit aller Konsequenz zu Ende gedacht Zweck des Palästinamandats ist nach Wcltsch die Errichtung einer jü Ischen Heimstätte in Palästina, nicht aber einer arabischen. Dies ist unzweifelhaft richtig, aber aus dem einfachen Grunde, well in Palästina bereits eine nat'onalc Heimstätte für die in Palästina lebenden Araber besteht. Die palästinensischen Araber haben ihr Nationalhcim in Palästina, nicht In Syrien oder Mesopotamien, ebenso wie die deutschen Schweizer das ihre in der Schweiz und die französischen Kanadier das ihre in Kanada haben. Der Unterschied besteht darin, daß all: Juden, auch die mchtpalästincnsischcn, ihr kulturelles Zentrum In Palästina haben werden als Juden (denn wir dürfen uns nicht verhehlen, daß sie je nach ihrem Wohnsitz auch dort ihr kulturelles Zentrum haben werden), während die sy beben oder mcsopotnmischcn Araber nic^ t nach Palasfnn als ihrem kulturellen Heimkind blicken werden. Schön Ist die Definit on, die Felix Wcltsch dem neuen volkcrrcchtFchcn Begriff des Nationalheims gibt. ״Es ist ein weit sittlicherer Begriff als der Begriff des Eigentums oder des eigenen Landes, weit sentimentaler als der Begriff des eigenen Staates und weit menschlicher als der Begriff der Souveränität. Die natona'c Heimstätte ist jener einzige Ort auf Erden, wo sich ei:! Volk zu Hause fühlt. Es ist jener Ort, wo man ganz zu Hause u d nicht zu Gaste ist, wo inan nie geduldet, sondern immer rechtens ist.“ Aber gerade dies besagt, daß auch die pnläslinensischen Araber dort ihr Nationalhcim Irben s־׳rcn. wenn auch keinen eigenen Staat, denn sie sollen s:ch dort zu Hause fühlen und nie geduldet, sondern immer rechtens sein. Wir wollen, daß Palästina die nationale Heimstätte der Juden und der dort lebenden Araber sei, daß cs dort kein herrschendes Staatsvolk gebe und keine irgendwie zurückgesetzte Minderheit, und wird man uns sagen, daß cs d es nirgendwo auf Erden gibt und 11 iß die Verwirkl:!i.ing ein Wunder wäre, so antworten wir, daß dies ebenso für unsere ganze Geschiente und für unsere zionistische Hoffnung gilt. Wir begrüßen ״Zionismus als Weltanschauung“, dem der Gefahr, die uns heute immer öfter im Zionismus und in d r zionistischen Jugend gegenübertritt, den Wertak/ent von wesentlichen auf unwesentliche Dinge zu vcrseh'cbcn, tritt es entgegen. Im neunzehnten Jahrhundert war im jüd's.hcn Volke, in der Assimilation ebenso wie im Z'onismus, die Tendenz einer Bekämpfung des Primats des Gc'stcs leben ’ig. In einer Reaktion gegen die ausschließliche Geistigkeit des Ghettos glaubte man, daß die Abkehr vom Geist nötig sei und genüge, um tatfrohe Menschen zu schaffen. Davor warnt Wcltsch mit Recht. ״Körperlich technische Ausbildung, Um- Schichtung zur physische!! Arbeit tut dem jüd'srhen Vojke not. Aber geistige Ausbildung war stets der Kern jüdischer Er- Ziehung. Und so wird auch unser großer Versuch der Regeneration des jüdischen Volkes davon abhängen, ob cs uns gelingen wird, auch als physisch Arbeitende das Volk des Geistes zu bleiben.“ Sport und Körperkultur, tatfrohe Tüchtigkeit und körperlicher Mut sind unzweifelhaft in sehr vielem nützlich und förderlich. Den Wertakzent aber auf s'c zu legen, erscheint uns als die gefährliche Untergrabung des Judentums, als die gefährlichste Assimilation, als jene Assimilation, die ihre Werturteile kritiklos von den anderen übernimmt. II. Diese Wcrtassimüation erscheint uns als das Eigentumliehe der von Jabotinsky und seinem Kreise verfochtenen Anschauung. Es handelt sich bei der Auseinandersetzung mit Jabotinsky nicht darum, auf offensichtliche Ucbcrtrcibuugen, oder falsche Beurteilungen und Voraussagen hin/mvcisc», die merkwürdigerweise auch in der Buchausgabe st her! geblieben sind. So z. U. heißt cs: ״inzwischen hat sich das Land ir. ein Rüubcrlagcr verwandelt, wo Banden von Landstreichern und Mördern frei umhergehen und sogar die Transporte des Herrn Oberkommissärs selbst überfallen. Es ist, als ob die ganze administrative Politik der englischen Behörden darauf ausginge, den gegenwärtigen barbarischen Zustand des Landes zu konservieren und mit nichtcn seine kulturelle (!) Entw.cklung nach europäischem oder amerikanischem (!) Muster zu fördern.“ Jeder vorurteilsfreie Beobachter wird zug.ben müssen, daß trotz der großen Schwierigkeit, die Sir Herbert Samuel infolge der Balfour-Dcklaration gerade in Palästna vorfand, cs seiner außerordentlichen Staatsmann Beben Kunst gelang, in Palästina weit mehr Sicherheit und admin'st־a iv::n Fortschritt herbeizuführen als den Franzosen in Syrien oder den Engländern in Mesopotamien. In fast allen Beziehungen kann heute Palästina unter den vorderasiatischen Mandatgebieten als Mustcrland gelten. Worum es aber geht, ist, siel! mit Jabotinskys Grundanschauuugcn auscinanderzusctzcii, einem außcrordenfich beachtenswerten, in sich geschlossenen System, das den Mut hat, nicht bei Halbheiten stehen zu bleiben, das eine, und noch dazu derzeit in ganz Europa populäre Weltanschauung zum Traggerüst hat und nicht aus Flicken und Kompromissen besteht Was uns von jabotinsky trennt, ist nicht die Mc'nimg, daß er ein richtiges Ziel mit falschen Methoden vc fo’gt, denn wir glauben, daß sein Ziel nur mit seinen Methoden verwirklicht werden kann, obwohl wir cs auch dann tür um erwirklichbar halten. And! wir wollen wie er die Erhaliw-g des Judentums und die Besiedlung Palästinas 1n:t ׳ud 11־, ab r aus anderen Motiven, ans einer anderen prinzipiellen Eia- Stellung heraus und zu einem verschiedenen Ziel. Und daher müssen und können auch unsere Methoden andere sein als die seinen. Jabotinsky ist in allen entscheidenden Punkten seiner Theorie ein Schüler Uerzks aus der Zeit der Abfassung des Judenstaates. Dies *sei ausdrücklich hinzugefügt, denn d r spätere Hcrzl, der Altnculand schrieb, war b reib ein anderer, und Hcr/.ls Persönlichkeit hatte Führcrqualitätcn, deren Lin- Schätzung von der Anerkennung oder Nichtancrkenuug seines theoretischen Programms unabhängig ist. Auch Jabo‘insky geht ausschließlich von der Judennot aus, der Not der jüdischen Massen in den östlichen Ländern, denen die Auswanderung nach dem Westen versperrt ist und die durch ihre Massen- Siedlung in Osteuropa nach Ansicht der dortigen Staatsv.H'.er eine Gefährdung der staatliehen Grundlagen jener Staaten bilden. Diese Judennot kam! nur gelöst werden, wenn die Juden ein Einwandcrungsl.and besitzen, w > sic selber die Mehrluit und das Staatsvolk werden. Die Juden muss:11 daher ein Land kolonisieren und in Besitz nehmen, und da dies unmöglich mit Zustimmung der das Land derzeit Bewohnenden geschehen kann, ja von seiten dieser Menschen ein erbitterter Widerstand vorauszusehen ist, müssen die Juden bei ihrer Kolonisation die Staatsgewalt und die militärische Macht auf ihrer Seite haben. Politische Klugheit wie Moral gebieten, daß cs jüdisches Leben und Blut sei. das die Durch- Setzung und Verteidigung der jüdischen Kolonisation übernehme. Die Voraussetzungen von Jabolinskys Gcdank'ngang sind also Linderung der Judennot durch Auswanderung und Staatsbildung, sein Ziel die Bildung eines jüd sehen Staats in Palästina, seine Mittel poltischc Gewalt durch Militär gestützt. Dabei ist er, in ital'cnischcn und französischen politischen Gedankengängen erzogen, ein Anhänger klarer und entschiedener Maßnahmen, der Situation nette, und widerstrebt dem organischen Wachstum aus anscheinendem Chaos, dem langsamen, instinktsicheren Vorwärtssclircitcn, wie cs englischer Art entspricht und wie es Wei/manns Politik auszeichnct. Daher auch Jabotinskys Unverständnis der detnokratischcn Politik Herbert Samuels, die wie jede demokratbche Politik von dem steten Versuch zu Verständigung und Ver- Handlungen ausging, nicht sich aut die Dikta‘ur der Gewalt stützte. Daher die falschen Voraussagen Jabotinskys, daß Samuels Politik ״zum Chaos im Lande, zum Sinken des Immlgrationscnthusiasimis, zur Flucht Hunderter aus Palästina“ führen müsse. Gerade das Gegeilt il ist ringetrolfen. E* gelang, die Garnison in Palästina auf ein Min'mum zu reduzieren, während im benachbarten Syrien, wo es keinen Z oni>- mus gibt, die Franzosen mit der von Jabotinsky empfohlenen Politik der Gewalt cs zu beständiger Revolution der Araber gebracht und bewiesen haben, daß auch eine starke Armee, viel stärker als je eine jüdische Legion sein könnte, nicht vor Unruhen und Empörung schützt, wenn die Völker gerade durch diese Armee provoziert werden. Jabotinskys Weltanschauung liegt in der Linie jenes innchipolitischen Nationalismus und Konservativ! mms, der in diesen Tagen gerade über große Teile der Jugend h It.aUm, Deutschland und Frankreich Macht gewonnen hat. Wa;;!!!er seinem Konservativismus fehlt, tun ihn zu der liulic und geistigen Haltung des Konservativismus etwa von Charles Maurras zu erheben, ist seine mangelnde Verbindung mit :dien Dingen des Geistes u:1d sein Verzieht auf alle Anknüpfung an eine zu bereichernde jüdische Tradition. Für ihn falle der Zionismus nut der Verwirklichungsmöglichkeit der jüdisehen Majorität als herrschender Staatsn.ation. .,Die Mehrheit wird liier wie in jedem .anderen Lande die Mög!i;hk<־it!1 abcu, die Minderheiten zu unterdrücken, zu bedrängen und gar /u verdrängen,“ so heißt cs von der machtpolitischen M^j־rität eines Landes, die derzeit •arabisch ist und morgen jüdi eh sein soll. Diese jüdische Mehrheit kann begreiflicherweise in diesem Sinne nur gegen den Willen der im Lande sitzenden Araber verwirklicht werden. ,,Diese Opposition kann nicht beseitigt werden. Deshalb ist unsere Kolonisation nur unter der Voraussetzung eines aktiven bewaffneten Sehnt .1׳•■; möglich. Es muß daher die Garnison aus Juden bestellen oder der Zionismus ist unausführbar.“ Für Jabotinsky ist Zionismus mit Judenstaat identisch, auf der m a c!11 0 ק i i t i - sehen Majorität liegt sein Wertakzent. Für uns ist die Majorität nichts Essentielles, sondern eine Akzidenz, der Wertakzent liegt auf der kulturellen Regeneration des jüdischen Volkes, nicht auf machtpolitisch n Ausv.ukungen. Daher, und nicht weil wir uns nur etwas in der Methode von Jabotinsky unterscheiden, Ist für uns der Zionismus auch ohne jüdische Legion, ja gerade ohne jüdische Legion verwirklichbar. Entsprechend seiner ganzen Einstellung will Jabotinsky aus den Juden ein körperlich starkes, mutiges Volk machen, er will ihm den Sportgeist der heutigen curopäisch-amcrikanischen. Unkultur cinflößcn. ״Militärischer Sport muß eine

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