Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 100-101 (23.12.1925)
- Date
- 1925-12-23
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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. ו! Jene freit Jen; ,ung irLc-i 281; port *ab! füg׳; c -, ßh«• äing *scxl 1Uc.lt Einlind, rend dem Port- Ileriucn i IMj idm j >ter nten! aus jjr. 100/101 I « A IU ii ii DIE SCHOEPFUNG In diesen T.igon ftrsclioint bei Lambert Schneider in P»erhn ״Die Schrift, 7.u verdeutschen unternommen um Marlin liuher. gemeinsam mit Franz Rosenzweig I)j.j fanf!,.lieber der Weisung. Kotes Huch: Im Anfang“. Es ist dies der erslo Versuch, wie das Wortgefügo so auch die rhythmische Gestalt des Urtextes in einer anderen Sprache nachzubildcn. Die .Übertragung greift auf das im vorzeitlichen. Spreeligesang vorgetragene Eaiitg.-bildo zurüek, das im Duell nur verwahrt ist, aber sich durch die das ganze durrhspinnenden NVglnot anMgt und in «1er «bbatliclien Lesung sviivlerklingt. Um dieses Gebilde dnrzustrllen, haut sieh die Übertragung in Sinnzeilei! (Knien) auf, von denen jede zugleich «,ino rlnlhmische Kinlicit darstellt. Man nmlS dicao deutsch«! Ril**l laut lesen, um ihren Sinn zu erfassen und zu erfüllen. Auf unsere Dille stellt uns Herr Dr. Buber den nachstillenden Abschnitt zum Vorabdruck zur Verfügung. Wir werden nach Erscheinen des wichtigen Werkos noch seiner Bedeutung gemäß darauf zurückkommcn. Red. , Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. i'nd die Erde war Wirrnis und Wüste. Finsternis allübcr Abgrund. )raus Gottes brütend allübcr dort Wassern. agC». titia clcr• alicli' fung;dlcr :!um; der ■Ot. Und 5,1s' :uer. ׳ die 'CSt• öckein :hui •end ■der Iren teilt nlos sich eine Hardc, icru Der :hen der ot’g /er- Den. den :ren Ifcn des incr :int, ied-?er. Die i:1a, ßes, 'erb IgS־ üert der tiort gen; dert;iich UcB Der tckt. und Tilisch: :her ־£ ver* Scre ,den Da sprach Gott: Licht werde! Und Licht ward, ml Goll sah das Licht, daß es gut war. סר schied Gott zwischen dem Licht und der Finsternis. Dom Licht rief Gott: Tag! und der Finsternis rief er: Nacht! ihend ward und Morgen ward: Ein Tag. Gott sprach: Imwölb werdo inmitten der Wasser und sei Scheide von Wasser und Wasser! So machte Gott das GcwÖlb und schied zwischen dem Wasser ringsunter dem Gcwölb und dem W asser ringsüber dem Gcwölb. Und cs ward. Dem Gcwölb rief Gott: Himmel! \bcnd ward und Morgen ward: zweiter Tag. ־ ' ' ’י ״ '. ' '!Gott sprach: Das Wasser unterm Himmel sammle sich an einen Ort, und das Trockne erscheine 1 Und cs ward. Dom Trocknen rief Gott: Erde! und der Sammlung der Wasser rief er: Meere! Und Gott sah, daß cs gut war. י Gott sprach: Sprießen lasse die Erde Gcsproß, Kraut, das Samen samt, Fruchtbaum, der nach seiner Art Frucht trägt, darin sein Same ist, auf der Erde! Und es ward. Die Erde trieb Gcsproß, Kraut, das nach seiner .Art Samen samt, Baum, der nach seiner Art Frucht trägt, darin sein Same ist. Und Gott sah, daß es gut war. Abend ward und Morgen ward: dritter Tag. Gott sprach: Leuchten seien am Gcwölb des Himmels, zwischen Tag und Nacht zu schcidon, daß sie werden zu Malen, so für Gezeiten so für Tage und Jahre, und seien Leuchten am Gcwölb des Himmels, über die Erde zu scheinen! Und es ward. So maclito Gott die zwei großen Leuchten, die größre Leuchte zur Herrschaft des Tags und die klcinrc Leuchte zur Herrschaft der Nacht, aid die Sterne. IGolt setzto sic ans Gcwölb des Himmels, über die Erde zu scheinen, Tag und Nacht zu bchorrj sehen, zu scheiden zwischen dem Licht und der j Finsternis. j Und Gott sah, daß cs gut war. j Abend ward und Morgen ward: vierter Tag. ]Gott sprach: )Das Wasser wimmle, ein Wimmeln lebenden Wesens,! und Gevögel fliege über der Erdo vor dein Gcwölb des | Himmels! ־ So schuf Gott die großen Wale *und alle lebenden regen Wesen, welcho das Wasser her- | vorwimmclte, nach ihren Arten, I and alle beschwingten Vögel nach ihrer Art.; Und Gott sah. daß cs gut wac JUEDISCHE RUNDSCHAU e ff■ © u im f IS Gott segnete sic und sprach: Fruchtet und mehrt euch und füllt das Wasser in den Meeren, und das Gevögel mehre sich über der Erde! Abend ward und Morgen ward: fünfter Tag. Gott sprach: Die Erde treibe lebendes Wesen nach seiner Art, Vieh, Gewürm und das Getier des Feldes nach seiner Art! Und es ward. So mnelile Gott das Gelier des Feldes nach seiner Art und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Ackers nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war. Goll sprach: Machen wir Menschen in unserem Bild nach unserem Gleichnis! Sie sollen wallen unter den Fischen des Meers, den Vögeln iles Himmels, allem Getier der Erdo und allem Gewürm, das auf Erden sich regt. So schuf Gott den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf e.r ihn, männlich, weiblich schuf er sie. Gott segnete sie. und Gott sprach zu ihnen: Fruchtet und mehrt, euch und füllet die Erde und werdet ihrer mächtig! Maltet unter den Fischen des Meeres, den Vögeln des Himmels und allem Gelier, das auf Erden sich regt! Und Gott sprach: Hier gehe ich euch alles Kraut, das Samen sät, auf der ganzen Erde und jeglichen Baum mit samensäonder Baumfruchl, euch sei es zur Speise, und allen Tieren des Felds, allen Vögeln des Himmels, allem was auf Erden sich regt, darin lebendes Wesen ist, alles Grün der Kräuter zur Speise. Und es ward. Da sah Gott alles, was er gemacht hatte: ja, es war sehr gut. Abend ward und Morgen ward: der sechste Tag. Vollendet waren der Himmel und die Erde, mit ihrem ganzen Heer. Da vollendete Goll im .siebenten Tag die getane Arbeit und feierte am siebenten Tag von aller getanen Arbeit. So segnet(; Gott den siebenten Tag und heiligte ihn, denn an ihm feierte er von all seiner Arbeit, Gottes schaffender Tat. Dies sind die Zeugungen des Himmels und der Erde: ihr Krschaffenscin. Ferdinand Lasallcs Ende Betrachtungen über das Buch ״Ferdinand Lassallcs letzte Tage‘“׳). Von Sch. G o r 0 I i k. Sechsuwklroißig Tage nur d.ujertc dieser traurigste aller Romane, dieser titanische Kampf, den Lassalle geführt hat. Am 27. Juli ISO! meldete er der Gräfin Hatzfeld, daß Helene von Dünniges ihn auf dem Rigi unerwartet besucht hat, und am 3». Angast beweinte ihn diese seltenste der Freut:- dinnen, die es auf der Welt gegeben hat, wie eine Mutter: ״Dieser kühnl*, gewaltige Geist, er war dahin! Der so beredte Mund, er war stumm! Die starke Harnt, die für jeden zur Hilfe bereit war, sie war nun machtlos! Das grolle warme Her/, cs halte aufgehürt zu schlagen.“ Sechsunddreißig Tage, von welchen nur sieben glücklich waren, denn er besaß Briefe von Helene, die von grenzenloser Liebe sprachen: ״mein liebes Herz, mein schöner, herrlicher Aar“ und wieder: ״mein Herr, mein Gebieter“, dann folgte der Verrat und stürzte Lassalle in grenzenlose Rein, brachte ihm den Tod. Liest man aber die P,riefe aus dieser Zeit, dann ist cs schwer zu glauben, daß dies alles während nur einiger Wochen geschehen konnte. Welchen Orkan •von Leidenschaften, welch eine Energie wird da entfaltet für den Kampf um ein geliebtes Mädchen, das nicht verdiente, geliebt zu werden, für den Kampf gegen einen arroganten Baron, der sich crdrcistctc, einen Lassalle nicht empfangen zu wollen, ihn, den Bismarck so gern zum Gutsnachbar haben wollte. Eine Welt setzte er in Bewegung, schrie, flehte nach Hilfe, so lange er im Glauben war, daß Helene Gefangene itn Hause ihrer rigorosen Eltern sei, und «laß sie ilm nur unter Zwang aufgab. Hnd mir dann, als kein /.weife! mehr hestehen konnte, daß alles freiwillig geschah, und daß die Haupt* schuldige Helene ist, schrieb er, von gewaltigem Zorn gepackt, jene zwei beleidigenden Briefe an den Vater und den früheren Bräutigam Hclcncns, die zum Duell führten und zum Tode Lass alles, der noch nicht ganz vierzig Jahre alt war. ״) Hccaasgegebcn von Ina B r i t s c h g i - S c h i m m c 1, Axel Junciccr Vcr.’ag, Berlin. Seite 831 Während die treue Freundin den toten Körper Lassnlles durch deutsche Städte führt, und große Massen trauernder Arbeiter ihre L.icbc und Verehrung zum unvergeßlichen Führer bekunden, sind schon viele von den Genossen und künftigen Biographen verlegen, enttäuscht. In La.ss.illc wollten sic nur große Taten und große Werke sehen, und dadurch, daß er aii einer unglücklichen,, seiner so unwürdigen Liehe zu Grunde ging, sahen sich diese Biographen, diese Sozialisten betrogen. Die Menschheit fühlt sich immer sozusagen betrogen, wenn ein Großer, ein Bedeutender, an Unbedeutendem scheiterte. Die Menschheit ist in solchem!‘alle nicht ganz auf ihre Kosten gekommen und sie ist unzufrieden mit einem Ferdinand Lassalle, der sich derart von Leidenschaften leiten ließ. Fr, Lassalle, hatte nämlich allen Grund, siebzig, vielleicht noch mehr Jahre zu leben und Taten auf Taten zu häufen. Weiche Parlamentssiegc, welche Rednertrimnpfc standen ihm bevor! Und zu welchem Gclchrtenruhm wäre er noch gelangt, er, der als junger Mann schon über Hcraklit ein Buch ge* schrieben hat. Und war früher Tod. sein Schicksal, so mußte er wenigstens mit einem Weltcreignis, mit einer Weitidee verbunden sein, dann wäre das ein würdiger, harmonischer Abschluß eines heldenhaften Lebens, eines Lebens, «las Weltcrcignissen, Weltideen gewidmet war. Aber erschossen zu werden in ei nein Duell, durch einen Wallachen Jank״ Pakov.it/a wegen eines Weil)•־!.! Viele der Ikwiiiulmr und An* Inniger Lassalles sahen, von diesem geseüsdialtiieheu Lgoismus ausgehend, in seiner letzten großen Leidenschaft eine Verleugnung seiner Ideale. Und als sie gar die Briefe lasen, in denen Lassalle vom hundertfachen Tod itn Herzen spricht, Briefe, die er in einem halb sinnlosen Zustande schreibt, und in denen sich Stellen finden wie: ״Ohne Dich ist :mr der Tod meine Zuflucht“, ״ich habe mir selbst darauf mein feierliches Wort )gegeben־‘ (in dem Brief an Helene) oder ״O, Freund, wenn Sie nur zu mir kommen könnten! Ich sterlie, sterbe! Ich leide namenlos“ (in dem Biicf an Holthof), ja, als nach seinem Tode sie gar diese Briefe zu losen bekamen, da wurden sie eifersüchtig auf ihre gemeinsamen Ideal«'. Nicht die wirklich nahen Freunde, die statt zu rüsonieren hei. ihm waren und ihm im Kampf für sein Rech: halfen, waren eifersüchtig, nicht die unvergeßliche Gräfin Sophie Hatzfeld, nicht der brave, herzensgute und rührend sympathische Oberst Rüstow sondern di«• Parteifreunde, die Anhänger. Mächtig eifersüchtig waren sie, und ein Schmollen, ein Kopfseliiiltrlu folgte den Frinnenmgen an den großen Tribunen Lassalle. Mau möchte, wäre cs nur möglich, lieber die ganze Ducllgeschiehtc aus vier Welt schaffen. Und die Briefe müßten natürlich gekürzt werden. Die Welt soll nicht erfahren, zu welchen Pnroxismcn der Leidenschaft diese Uebe den Arbeiterführer gebracht hat. Und Marx schreibt an Engels: ״Was .seinen Todesvorwand angeht, so hast Du ganz recht. Fs ist eine der vielen Taktlosigkeiten, die er in seinem Lehen begangen hat.“ Nun hat man aber diese Briefe vor sielt, die ungekürzt Fi einem Band ״Die letzten Tage von Ferdinand Mssnlie“ gesammelt sind, und als ungeheuerliches Unrecht, als größte Taktlosigkeit des Herzens, muß man dieses Urteil von Marx empfinden. Denn diese Briefe Lassallcs waren Ausbrüche eines namenlosen Schmerzes: ״Ich heule, — schreibt er an Holthof — nach Helene wie eine Löwin, der man ihr Junges gerauht hat. Ich wüte gegen mich selbst. Ich fühle mich vernichtet, zu Grunde gerichtet, wie dreimal gerädert. Ich hin gebrochen, gebrochen.“ Unglücklicher! Fr glaubt noch immer nicht, daß Helene ihn freiwillig :niigegcbcn hat. Zwar üherkommt ihn manchmal ein Zweifel, und dann schreibt er: ״Helene, wenn I)1t wirklich mir treulos sein könntest -- uueingedenk Deiner Schwüre mir entsagen könntest, Du wü.• •st nicht wert sein, was ich für Dich leide. Aber ich würde mich dennoch töten, denn cs gibt fortan kein Lehen ohne Dich, Hclcnc.“ So sah die Liehe Lassallcs, so sah nach Marx ״eine der Taktlosigkeiten seines Lehens“ in der Wirklichkeit ans, die die Biographen als ein Scheitern an einer Bagatelle neunen. Dort ist keine Bagatelle, wo ein Lassalle so unendlich leidet. Und mau soll doch endlich lassen von den Hinweisen auf einen Widerspruch mit seinem Lehen. Lassalle war kein abgeklärter Philosoph, und ein Widerspruch wäre es, hätte er nach der erlittenen Schmach einen Traktat über die l.eiileuseliaften mul menschlichen Affekte geschrieben. Ein Lassalle kam auch nicht, nachdem er so viel vom Tode gesprochen!tat, ruhig zu Arhcitervcrsammlnngen gehen, nachdem er die Gewißheit erlangte, wie cs mit Helene von Dünniges in Wirklichkeit bestellt war. Fs mußte mit einer Katastrophe enden. Und übrigens soll inan einem Lassalle überlasse:!, wie lange er cs noch in dieser Welt aushalten konnte. Trotz der sechzig Jahre, die uns von Lassallcs T«nie trennen, sind alle Einzelheiten, — von früher bekannte oder erst jetzt bekannt gewordene — die von seinem tr.vzuc'mo Ende erzählen, noch imstande, ־ uns auf das tief-te zu hewegen ml•! zu erschüttern. Und ghich/eiiic 1 *.: 1 ׳ ׳ ז:! ר ן I e ו \\:r dabei «las Unrecht, das mau Lassalle tut. indem man ver* sticht, das letzte Kapitel seines Lebens zu verkleinern, lhdmn wir, daß «1er künftige Biograph 1 assalles, gestutzt aut dm neue Material, dar, sich in seinem Nachlaß heimlet, me große Leidenschaft Lassallcs anders würdigen wird. Man hat viel über Lassallcs unvergleichlichen Mut, geniales Temperament, über seinen Ehrgeiz und seine große Gelehrsamkeit, über jene Eigenschaften, die Brandes mit dem Wort ״(Um/pali־‘ bezeichnet, geschrieben, aber niemals über seine Leiden, über seine Qual ur.d über die Tränen, die er vergoß. Und da cs nicht Träne» eines sentimentalen Dichterlings waren, sondern die des gewaltigen Kämpfers Lassalle, so wird «!.!durch seine Liehe groß, wenn es auch die Liehe zu einer Unwürdigen war. Der N a c h 1 a ß von Ferdinand Lassalle :>1 in 6 Bänden, die nun abgeschlossen vorliegcn. von Gustav M cycr in der Deutschen V e r I a g s a n s 1, n i t Stuttgart hor.'.usgegeheti worden. Diese Bande, die vor allem auch «1«ך־ gesamten Briefwechsel Lassallcs enthalten, sind ein imvcrglciclüiclies Dokument und ״eben tiefen Finblwk m die Seele und historische Größe einer der bedeutendsten Ge* staltcn des PL ׳Jahrhunderts, die das Jmkinmu der Weit geschenkt hat. Von Siegfried Beruf cid erschien .,.SKypims oder über die Grenzen der Erziehung“. Internationaler Mvch; analytischer Verlag, Wicu. (5 M.)