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Jüdische Rundschau · 1925-12-18 · Heft 99 (18.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 99 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite S2I Kr flf Jelioschiia Hankin Zu seinem 00. Geburtstage. Von Dr. Arthur Ru pp in. Jehoschua 1 lankin wird Iicut 0!) Jahre alt. Nocli ist ־es;ht an der Zeit, die Lcbcnsgeschichte dieses Mannes 211 1! ו!!reiben, deuu glücklicherweise ist er nocli voll von Taten- . 1 uiff» steht noch mitten in der Arbeit und wird hoffentlich . >h viele Jahre imstande sein, an dem Bau unseres natio- . I;1cn Heims in Palästina mit/uarbeiten. Aber doch bilden . h Jahre im Leben eines Menschen einen gewissen Abschnitt. j.sbalb möchte ich mit wenigen Worten versuchen, ein;; :!J von detu Wirken dieses Mannes zu geben, dessen Arbeit;׳ den neuen Jisebub so wichtig und fruchtbar war. j Jehoschua llankin kam v!r •10 Jahren als Jüngling nach jilästina und ward hier Zcifge des herpischen Ringens der ,j;זז/ vorher gegründeten ersten jüdischen Kolonien um ihre •;isieiU. Er erlebte das erste Eingreifen des Barons Roth- ׳ v!!J und die Rettung der Kolonien vom Untergange. Schon Vfl.11s keimte in seinem Kopfe die Erkenntnis, die das Leitu luiv seines Lebens wurde, daß die Gründung einer neuen . Uischcn Gemeinschaft in Palästina nur auf der Landjirtschafl als wirtschaftlicher Grundlage erfolgen' könne .'j daß der Erfolg der landwirtschaftlichen Kolonisation .! hohem Maße von einer richtigen Bodenpolitik abhüugc. . ^׳erbet mit/uhclfcn, den jüdischen Bodenbesitz in Palästina h schnell wie möglich zu vermehren und den Kauf von! ■!;den nicht dem Zufall zu überlassen, sondern nach systema- Lhen Gesichtspunkten zu leiten, ward von mm an seine; ■:;bensaufgabc. t :1 Jehoschua Hankin macht äußerlich den Eindruck der Ruhe,; ־> Hmfruck, der noch dadurch verstärkt wird, daß er sehr; j.nig spricht. Ein Zug des Geheimnisvollen umgibt ihn.; ■jic er durch seine nie von einer Schere berührten Haare t; die alten Ncsiräer erinnert, so ähnelt er ihnen auch sonst r [seiner Neigung zur Askese, zur Abkehr von allen Genüssen; scr Welt. Aber diese anscheinende Ruhe und Wcltabkehr ]:nur die äußere Schale, die einen Kern von feuriger Unruhe, 11 jfißter Energie und höchster Klugheit verbirgt. Durch jene . f •rgheit in Worten und durch den Verzicht auf alles, waV nicht 1 h seiner Lebensarbeit gehört, erreicht Hankin jene Kon- '/int rat Ion auf diese Arbeit, jene 100 prozentige Aus- _j;:/ung all seiner Kräfte und l-'äJiigkciteu für diesen scineil Ligen Zweck. Unter den vielen Menschen, mit denen mich ". L Leben in Palästina zusainniengebracht hat, kenne ich J;:ht einen, bei dem diese Kunst der Konzentration auf einen Ligen Zweck bis zu diesem Grade ausgebildet ist wie bei ...;•iikiii. Er wird Wochen und Monate geduldig Warten, ' |:nu dieses Warten ilun zur Durchführung eines Bodenkaufs;wendig erscheint, und wird nicht mit einer Miene seine jere Unruhe verraten; aber er wird ungeduldig und erregt i :1 über eine Viertelstunde, die er für eine Sache aufwendeu c:' Lß, die nicht mit einem solchen Zwecke zusammenhängt. I llankin verabscheut die Langsamkeit, bei ihm ist alles, ׳!.:> mit seiner Arbeit Zusammenhänge im höchsten Maße ‘ hig. Er ist ein unerreichter Meister in der Kunst schnellen snis, manchmal scheint cs, daß er das Wunder vollbringt,; mehreren Orten gleichzeitig zu sein. Diese Eile ist die L ge davon, daß er cs lieht, alle Dinge selbst zu tun oder;igstens selbst ׳zu kontrollieren, aber auch die Folge davon, Ler glaubt, in Bodcnküufcu sei jede Minute kostbar. Er II als der erste vorau.sgeschrn, daß das kleine Palästina, ' j > bereits eine halbe Million arabischer Landwarte hat, der!■j.'.ischen Kolonisation nur beschränkte Flächen zur Verfügung *!len kann und daß der Erwerb dieser Flächen um so '.;';wicrigcr werden wird, je stärker die jüdische Einwanderung!]•setzt. Deshalb hat er überall den Gedanken vertreten, daß |4'n gekauft werden muß, so viel und so schnell es nur ’ ] glich ist. Dieser Gedanke ist heute Gemeingut geworden. ' | rr man darf nicht vergessen, daß er vor wenigen Jahren 1: Lu viele Gegner gehabt hat, die behaupteten, für den :!■dnihauf habe man immer nocli Zeit. . | Wir wollen hier nicht im einzelnen die Bodenkäufc auf- .!'׳■pui, die durch Hankin durchgefühlt wurden. Von dem r!] uf von Rechobotli angefangen über den Kauf von Chedcra irt eine ununterbrochene Kette bis zu seinen letzten Käufen | Haifa, im Emck Jcsreel und i;1 der Akko-Ebenc. Nur ein : |Eiet sei hier hervorgehoben, weil Hankins Herz mit ihm ■’׳]'Widers eng verbunden ist: Emck Jcsreel. : ] Dieses Gebiet, die größte und fruchtbarste Ebene Pa- ' ‘ ]•tiuas, zog Hankins Aufmerksamkeit vom ersten Tage auf j i). Schon im Jahre IS1)() gelang es ihm, einige Gruppen von ן;־ ■Mwlien Juden für dieses Gebiet zu interessieren und für ' 120060 Dunam (zum Preise von 20 Francs pro Dunam) ■ ntraktlich zu sichern. Aber unglücklicherweise \ erbot kurz!-auf die türkisclic Regierung die Einwandening von Juden 4 Palästina, die russischen Gruppen konnten daher ihre *iraktlichcn Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen und der ■;׳:;/c Vertrag wurde zunichte. 'Hankins Ilerz blutete, aber : v verzagte nicht, und sein Blick blieb unverwandt weiter ־ l: dieses Gebiet gerichtet. 20 Jahre mußte er vergeblich r; ■nai. Dann ergab sich im Jahre 1010 die Gelegenheit,; •/״» Dunam in Eule, dem heutigen Mcrchawjn, zu kaufen.!. V^in, der damals für die J. C. A. arbeitete, griff zu und - י äie den Boden, aber die J. C. A. lehnte cs ab, den Kauf 1 "U ratifizieren. Damals kam er zu der P. L. D. C., bot dieser : ' Boden an. Sie war für solche Angebote <cs handelte sich ׳ ' zirka •100 000 Francs) nicht vorbereitet, aber sic sah auf j ■ersten Blick ein, wie wichtig cs sei, im Emck Jcsreel!' ersten Stützpunkt zu erwerben, 1md cs gelang ihr mit ן! iihcrmcnschÜchen Anstrengungen, die notwendigen Geld- :! ::ige auf/.ubringen. Aber noch galt cs, den Widerstand I ’ türkischen Behörden zu überwunden. L)er zuständige L^kam in Nazareth erklärte, er werde den Kauf niemals > 15Sen und setzte sich über alle rechtlichen Vorschriften L über Befehle seiner Vorgesetzten hinweg. Der Mutcssarif ׳!! Akko konnte oder wollte gegen den 'widerspenstigen , nicht vorgehen, cs blieb nichts übrig, als sidi an . | י Vali in Beirut zu wenden. Ich erinnere mich deutlich, , i' Hankin und ich eines Tages von Haifa nach Beirut < : brachen und während einer kalten, finsteren Wintcraacht <; ״ach Saida ritten, um den ׳ Vali, der am nächsten Tage iו Beirut abreisen sollte, noch zu erreichen. Siebzehn lange schwere Tage saßen wir in Beirut, und cs war erst . ״ Intervention des Ministers in Konstantiinopcl notwendig, ’ .! den Kauf schließlich durchzuführen. Aber die erste jüdi-!!* Position im Emck Jcsrccl war erobert. Seit diesem ersten 'ist Hankin in Diensten der P. L. D. C. gcbHcbeii, die . 1ב)ו Wert damals sofort erkannte, \ l i I l \ $ \ r i I 'Soeben * erscheint: SONDERHEFT?(n'rijemiriömut? tmfc 1ubifci)e3 IPolfetuiii INHALT:?foiotö 5t»cig / Der Jude in der deutschen Gegenwart Hermann 0tcl>r / Bemerkungen zum Antivsemitismus (Duo 5laFc / Antisemitismus und Zukunft (D0car לt. 0d)mit$ / Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden IDoIfgana Gcbumann / Deutsche und jüdische ״Schuld44 und Aufgabe TDü(>cIm UTicf)cl / Deutsche und Juden (£>ufrar> 2\rojanFcr / Der Weg zum Deutschtum 3ttfon* •paquet / Die Völker und die Juden nT<xrgarcrc Susman / Die Briickc ^arob UtatTcrmann / Der Jude der Bestimmung ücoii ^5lum (pario) / Jude und Franzose Vernarb 01><1 / י11ג. Ollencr Brief an Henry Bernstein, 2. Nachwort »pcm־״trf> UTamt / Das auferstehende Land (5o01ar / Der moderne Jude und der Staat Xubolf (פ. -öinbinq / Zwei jüdische Offiziere im großen Kriege •JofepI)<Entmpclbor / Port Arthur uiulGallipoli (Au:: (V.n 'rageblicbern) ITTartin ^ötibcr / ״Pharisäertum“ B E M E R E U X G E N: £ub1t»ig / Die ,Sendung des Juden Clluibbc / Entschuldbarer und unentschuldbarer Antisemitismus ^a!16 3\01)» / La nuit curdc!Dorm <D01b|Fcün / Leisten, nicht grübeln! Preis: ‘J.KOMnk Jüdischer Verlag, Berlin NIV 7, Dorotheensl>\ 35 Nicht weniger dramatisch war der zweite Kauf im Emck Im Jahre 1020, der den Erwerb von zirka 60 000 Dmiani in Nuris mul Nahalai betraf. Ab!־:• dies!' f rci^niss!' mul di<* .sj:ätcren grüßen Käufe im Emck Jcsreel, die Hankin für den J. N. F. und di•: P. L. F/. C. aiisführtc, sind nocli so frisch im Gedächtnis, daß <:s mir überflüssig erscheint, hier darauf emzugehen. Wenn heute im Emck Jcsreel und in der Akko- Ebene 300 000 Dunam in jüdischem Besitze sind, wenn man voll Stolz heute dieses schöne Gebiet als jüdisch und als den Kern des neuen jüdischen Palästinas bezeichnen kann, so ist dies alles ohne 1 Innkins Initiative und Mitarbeit undenkbar. Der Emck Jcsrccl wird immer mit seinem Namen verbunden sein. Wir wünschen dem Sech/igjälirigeii aus vollem Herzen, daß er uns noch viele Jahre im Vollbesitz seiner Kräfte erhalten bleiben möge. Jerusalem, 2. Dezember 1025. Die tinwsedereng im Oktober J e r 11 s a I c m , '). 1 kvember. (P. C.) Die Angaben der Immigratmnsabfoiliiiig der Zionistischen Exekutive im Oktober zeigten die ungewöhnlich hohe Ziffer von 6556 U. Diese Erhöhung ist hauptsächlich auf das sehr starke Anwachsen der A r b e i t e r -1 m m i g r a t i o n zuriickzufiihren, wogegen die sogenannte M i 11 e 1 k 1 a s s c 11 - E i 11 w a 11 d c r u 11 g seit einiger Zeit iftelit unerheblich z 11 r ii c k g e g a n g e 11 ist. I>ie Gcsamteiiiwandcrmig von Arbeitern vom Oktober!621 bis Ende* September 1625 betrug Touu; dazu kommen ihre Angehörigen mit 3767 Seelen, was zusammen die Ziffer von 11 ־IS1) ergibt. J c ru s a 1 eim, 9. De/tmbcr. (P. G.) Die o f t i /.iel 1 c 11 E i 11 w a iid e r u 11 g s z i f f o r 11 des Oktober;׳,eben an, daß insgesamt 560 bemittelte Personen, die sieb dauernd In Pa- Iästiua niederlassen wollen, ein wandert en (205 :Männer, 183 Frauen, 202 Kinder); 1793 Personen mit Aussicht auf Arbeit bei bestimmten Arbeitgebern (H04 Männer, 3£Q Frauen) und S91 Ehefrauen, Kinder und sonstige Begleitpersonen; 536 Ehefrauen, Kinder und sonstige Personen, die von in Palästina Ansässigen abhängig sind; 28 Personen mit religiösen Berufen, die über Unterhaltungsmittcl verfügen. Das ergibt eine Gesamtsumme von 3838. In dieser Zahl sind enthalten: 61 Juden, 37 Christen und 7 Mohammedaner, die als Reisende ins Land kamen, und später die Erlaubnis zu dauerndem Aufenthalt erhielten. 51 Einwanderer, welche die Einwamlcningsbestiminungcn nicht erfüllten, wurden bei der Ankunft z 11 rü c k g c w i es c 11. Von den Emigranten, die im Oktober Palästina wieder für dauernd verließen, .waren 3<>9 Juden, ISO Christen und *14 Mohammedaner; von diese״ kehrten 305 Juden, 1 Christ und 1 Mohammedaner in ihr Ursprungsland ’zurück. Arabischer Protest gegen die Fahnenfeier Jerusalem, 15. Dezember. (J. T. A.) Die palästiiiensisch-arabische Exekutive sandte ein Memorandum an Lord P1 u ni c r mit der Forderung, öffentliche jüdische Kundgebungen am 17. Dezember in Verbindung mit der feierlichen Ucbergabe der Fahnen des 10׳. (.jüdischen) Bataillons an die Jerusalemer Große Synagoge zu verhindern. BieStaafssQbveitiioß für die Gemeinden .Der Preußische Landtag hat am 15. Dezember in dritter Lesung die beiden Positionen für die preußischen Synagogen- Gemeinden gemäß der vom Unterausschuß gebilligten Vorläge In der Gesamthöhe von 450 000 Mark mit großer Mehrheit angenommen. Für die Vorlage stimmten geschlossen Sozialdemokraten, Zentrum, Deutsche Volkspartei, Danokraten und Wirtschaftspartei, ferner einige Deutschnationalc. Danach sind in den ordentlichen Staatshaushalt zwei Positionen für die Syiiagogengemcindcii eingestellt worden und zwar: a) in Kapitel US der dauernden Ausgaben ein neuer Titel •17a zu ״Beihilfen1׳: au leistungsschwache Synagogoligcniciiiden behufs Erfüllung ihrer Verpflichtung zur Sorge für den Religionsunterricht 230000 KM.; b) ein neues Kapitel 123a: widerrufliche Bedürfnis-Zuschüsse an Svingogengcmeinden zur Besoldung ihrer Rabbiner mul zur Versorgung ihrer Ruhestandsrabbiner und der Hinterbliebenen ihrer Rabbiner 200 000 RM. Diese Beschlüsse stellen insofern eine nicht unwesentliehe Verbesserung der für die zweite Lesung gestellte und bekanntlich damals abgelehnten Anträge dar, als dort für den Religionsunterricht lediglich eine entsprechende Erhöhung des allgemeinen Dispositionsfonds in Kapitel US Titel •17, der die Bezeichnung trägt ״Zur Verfügung für das Volksschulwesen4׳, vorgesehen war, während jetzt eine zweite besonderc Position für den jüdischen Religionsunterricht geüchaffen ist. Der Wahllcrror In der Tschechoslowakei Die jüdische Partei geht in die Opposition. Der jüdische Nationalrat für die tschechoslowakische Republik hat am 8. Dezember eine sehr stark besuchte Plonar- Versammlung abgehalicn. Nach dem Referat Dr. Singer» über den Verlauf der letzten Wahlen wurde eine längere Debatte abgeführt, die völlige Einheitlichkeit der Meinung ergab. Es wurde eine von Dr. Emil Margulies vorgeschJagcne Resolution angenommen, worin cs heißt:. ״Die Jüdische Partei ist in den Wahlkampf cingetreten, weil sie in der .Erringung einer Parlamentarischen Vertretung des jüdischen Volkes die Verwirklichung der wahren Gleichbcrechtigung in diesem Staate erblickte und weit ein Vcrzieht auf die Wahl ein Verzieht auf das Recht gewesen wäre. Iu ihrem Bestreben, dem jüdischen Volke dieses Ziel 7ü erringen, ist sie zwecks 1 Icrbeifülirung־ einer jüdischen Einheitsliste bis an die alleräußerste Grenze des Möglichen, ja des Zulässigen gegangen. Diese Einigung ist trotz des auch deutlich bekundeten Volkswillens zerschlagen worden: weil eine herrschsiichtigc, mir um ihre eigene Macht und ihren eigenen Vorteil besorgte, käuflich <* u 11 d gekaufte klerikale Gruppe, die eine parlamentarische Vertrrtung überhaupt nicht wollte, die sielt vielmehr i m Dienste u n d a 11 f B e 1 e 11 1 der Feinde d e s j ii d i - scheu Volkes die Zerstörung der jxditischen Sellvu.iiuligkeit des jüdischen Volkes /tim Ziel gesetzt hat, diese Einigung zu vereiteln wußte; und weil seitens der be h ö r d I i c h e n Organe in der Podkaqiat.ska Uns in dem Wahlkampf .offen und aktiv gegen die jiidtseln: Partei eiiigegril'fen wurde, mit Mitteln psychischen und physischen Druckes, durch Verführung und Drohung, durch Methoden, welche den seinerzeit in Oesterreich wohlbekannten und für das alte Oesterreich ebenso wie für unsere europäische Republik beschämenden Begriff der gnli/ischcii Wahlen berüchtigt gemacht haben. I>ie Jüdische. Partei ist unterlegen wie demokratische P.1rteit'11 anderer Völker in diesem Wahlkampfe. Aber sie ist nicht besiegt worden. Ihr unveräußerliches Programm ist die unablässige Fortsetzung des Kampfes um das politische Grundrecht des jüdischen Volkes. In diesem ‘Kampfe stellt sie in unerbittlicher Gegnerschaff gegen diejenigen, welche die tiefe Religiosität der jüdischen Massen, welche das ihnen als religiöse Führer von diesen entgegengebrachte Vertrauen und die Mittel der Religion mißbrauchen, und!las Volk an seine Feinde verschachern. Die Jüdische Partei wird daher eine Politik der Gegnerscliatt gegen R c g i e r u 11 g s in e t h o d e u und R e g i c r;1 n g s ־ Prinzipien führen, deren Anwendung sic diesmal unterlegen ist und die das Antlitz der Republik, wie alle wahren Freunde des Staates es sehen wollen, entstellen, die die Wege zu einer wahren und europäischen freiheitlichen RepubCk in diesem Staate verlegen und das |>oiifisehe Lcivn vergiften; sic wird eine Politik der Solidarität mit der wall re 11 Demokratie und eine nach fixier Richtung unabhängige und freiheitliche Politik führen.** Die Prager ״Sclbstwchr“ veröffentlicht die Eingabe, die die Jüdische Partei an den Wa 111 g c r i c 111 s 11 of überreicht hat. In dieser Beschwerde werden unter Anführung von Beweisen haarsträubende Einzelheiten über die unbefugte Einmischung von Beamten und Regierungsorganen, die sich der orthodoxen Partei zur Verhinderung eines j!idisehen Mandates bedienten, mitgeteilt. Diese Veröffentlichung von Tafsachen wird zweifellos auch auf den anständigen Teil der tschechische״ Oeffentlichkeit ihre Wirkung nicht verfehlen. Das Ende der indischen Sdbstverwaiiiing in LUscen -y. Kowno, 9. Dezember 1023. Die allgemeine jüdische Konferenz, die sich am 6. und 7. d. M. in Kowno mit dem Gesetz über die j ü - diiscbeii Volksfjemciiidcn beschäftigte, faßte fo!- gcmle Resolution: Iu Anbetracht dessen, daß das Gesetz da•- l'rm/ip der einheitlichen Gemeindeverwaltung abschafit, die Kornpetenz der Gemeindeverwaltung stark schmälert, di־* Verbiiullichkeit der Steuerzahlung abschafft mul die Gemeinde- Verwaltung dem Selbstverwaliungsdcnaitciiunt und den Polizeiorganen unterstellt, sind diese Bestimmungen für die jüdische Bevölkerung Litauens u n a n n c h m b a r und von dem echten Inhalt, der Form und dem Charakter der Volksgenicimlcverwahung weit entfernt. Behörden, die nur t.fti. ieli den Namen der jüdischen Volksgcinciudc führen werden, würden zu einer Spaltung der jüdischen Bevölkerung, einer Falsifikatioit der nationalen Autonomie führen ur.d Zwecken dienen, die den Interessen der jüdischen Bevölkerung widersprechen. Die Versammlung beschließt daher im Interesse des litauischen Judentums, von der Schaffung der sogenannten jüdischen Volksgemcindcu Abstand nt• nehmen und sich an den Wahlen nicht zu beteiligen. Die jüdische Scjmfraktion wurde beauftragt, in kitrzestor Zeit die Form der praktischen Organisation der sozialcn Hilfe auszuarbcitca.

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