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Jüdische Rundschau · 1925-12-18 · Heft 99 (18.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 99 (18.12.1925)
Date
1925-12-18
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 810 M Kr. 09 ל\ Wahltag In Jerusalem ic Wahlen zur ,Assefalh Haniweharim‘ - Alie und neue tricicn — Die Gegenagliailon der Aguda — Wahlbilder Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A.G. Jerusalem, den 9. 12. 1925. xrxh in der letzten Woche vor den Wahlen zur jü.Iischcn MionalvcrtrclunK, zur ״Assefath Ilaniwch'rim", war eine irchgrcifcndc Bewegung in der Öffentlichkeit kaum zu;de;: l־ären. Nur die Kreise, die ohnedies an politische Arbeit i :\vvhnt waren, zeigten ungewohnte Aktivität. Die große :c:;".3>sc der Nichtorganisierten zu erfassen schien schwer. Die ■ Ghibewegung war in ihrem Elan dadurch bchin!ert worden, .v 1!3נ man bereits vor dem Kongreß einen Ansatz gemacht 1;V;■:;:e. der durch die Forderung des Referendums abgebrochen;1,i ״orJen war und der jetzt von neuem begonnen werden rußte. So war es kein einmaliger Ansturm, aber auch keine u1l! langer fland vorbereitete Aktion, denn dazu waren die '»■Schonzeiten zu kurz gewesen. ln den letzten drei Tagen begann die Welle des Interesses •׳ steigen. Eine Flut von Versammlungen staute sich in •::.ucn und Kolonien. Je näher der Wahltag hcranrückte, *~יז nrensrver wurde das Arbeitstempo und desto größer -jrdc die Zahl der eingcreicntcn Listen, die schließlich auf s:r zwanzig stieg. Die sachliche Auseinandersetzung fischen den Strömungen war im Grunde recht dürftig. Ein oßer Prozentsatz des Jischuw, eben die Gegner der Wah'cn £ solche, die Orthodoxie., trat wohl in Anschlägen, Be- »•hlOssen von Rabbinrrvcrsainmlungcn an die Öffentlichkeit, זג jedoch i!n cigcnt’ichcn Wahlkampf nur dadurch zu spüren, 5ן man von allen Listen aus gegen sic in absentia wetterte, •tan disputierte also mit einem unsichtbaren Gegner. Die idenbildung des übrigen Teiles des Jischuw ist nicht nacli;f.dimmten, sei cs ökonomischen, sei cs politischen Gesichts- ־.niucn zusammenzufassen. Das wäre nur mög'ich bei den •;öfteren Parteien, also dem Zentrum (Merkas), in dem li.h unter der Führung Dizengoff-Supraski die ׳rc h l s h ü r g c r 1 i c h c n Elemente zusammcngcschlosseu ■•:icn, dem Misrachi. den Arbeiterparteien, den Revisionisten, je ebenfalls in wirtschaftlicher Beziehung einen stark verrechten Eindaick machen, und schließlich den ״Demo- .raten". Diese demokratische Vereinigung, die anläßlich _ Vr Wahlen zusammcngctrelen war, entstand aus dem Bel‘“' I■örfnis heraus, sich gegen den rechtsbürgcriichcn Block, der ’;:11 als Gegner der Organisierung der Arbeiterschaft ausrrjpruciifn hatte, abzugrenzen und den ״a 11 g (* m c i n c n j.’io nisten" einmal aus der Verschwommenheit der An- ^öi .htcn heraus/uhelfcn. Den Gründern dieser Vereinigung 'c:l :.:iilcr anderen Glücksohn und Mossinsohn) schwebte cs \״or, ' :1c Vermittlung zwischen Arbeiterschaft und Bürgerluni zu so etwas wie eine linksdcmokratischc Partei Europas. ו einem Sinne ist das gelungen. Es wurde eine Mittellinie :chaffen, wo man mit rechts nicht brach und cs mit links :;nt verdarb. Und diese Linie cn‘sp־ach zweifellos einem '״Jürfnis, weil sie für so manchen Unentschiedenen eine ',־ung bedeutete. Andr.rcrs:its war die ״demokratpehe Verügung" auch wiederum der Grund zu einer Stimmenzer- ־i.Irrung, da sie verschiedenen Kreisen, vor allem d.T 111״- ü'gcnz“, die theoretisch der Arbeiterschaft nahestcht, die Dg'ichkcit gab, einen Mittelweg zu gehen. Das Programm Irr neuen Partei, sichtlich zu den Wahlen ad hoc geschaffen, ׳rrheint auejt ungenau und wie in Andeutungen. So fehlt ״r a'lcm eine klare Stellungnahme zu wirtschaftlichen Fragen. Pie Menge der übrigen Listen war teils aus momcnlaicn j'.'nlwendigkci'cn und Kon'tellati*nen der Wahlen cn s'atulm, i's wurden Kreise /iK.miinnigcfnßf, die nicht durch politische ”•',ivr, sondern in einer Lebevsgemeinsch.Vt g׳*hunden sin־!. gi't in erster Linie für die Sepharden, die Jemeniten 11 sw. .! r i־.t dieser Weg auch am ehesten verstand ich. Es handelt ::h um geschlossene Gemeinschaften mit spezifischen Si t cn, Icwonnhciten und Auffassungen, in die unsere gewohnten ,oVfschcn Parteiunterschiede noch wenig dngedrungen sind. Di: j:•'!:sanier berührt eine solche Zusammenfassung bei einer "iuo wie ״die polnischen Einwanderer", die neben ähnlichen 'nippen auftrat. Da wird cs schon recht unklar, w׳!s der '1־luNcho Einwanderer als solcher innerhalb dos palä-.tincnl'rli-jüdischen Parlaments für spezifische Interessen zu ver- 1ז0!ד hat, und wenn man wollte, könnte man auch in dieser Ein Sammelbuch zu Ehren Nathan Birnbaums IPrausgcgcbcn von A. E. Kaplan und Max Landau. 5AS5/1025. Hermon-Verl.ag, Frankfurt. Sage mir, mit wem du umgehst, und ich werde dir sagen, *er du bist. Wenn einer wissen will — was wir armen vc׳' ״kiv-.chcn so wissen nennen — wer er eigentlich ist, di ser ־ ־,rrkwürdige Mann, der sich Mathias Achcr nannte und Nathan i:ncn irnh.aum hieß, so braucht er nur die Re he der Menschen «cn־ er?!eh vorüberzichen zu lassen, die ilrn als ״Schüler, :;sc^ 1 “tcundc und achtende Gegner“ zum 60. Geburtstage dieses "g.1‘״ ־־!;mciimch gewidmet haben. Da sind Namen aus dem alten ׳' אlei der strengsten Observanz: Munk, Carlcbach, Jacob .׳‘1' ’:ךscnhcim. Da sind Zionisten, die d:tn früheren Vorkämpfer ■׳ Bewegung mit Bewunderung und mit einiger Resignation ‘^igen: Fciwel, Mcisl, Herrmann. Und da erscheinen, am ' i' iitsamstcn vielleicht, Männer vom ״neuen Jischuw", der sc::; i'-tigcu Heimkehr der jüdischen Seele: Franz Rosenzweig, wjs;r^t Simon, Max Brod.;IjH .,Vom Sinne des Judentums" nannten diese Männer das iy! :׳'h. Vom Sinne und der Sinncswandlung eines Juden Ü'c'j•: es zunächst heißen. Denn das höchst merkwürdige liker i ־ rbcn dieses Mannes ist unserer Zeit fast zum Symbol ״ i'rworden. Der Weg mm offiziellen Zbtiismus, Zionismus;■-׳'i‘1* Schekels, der Aktien usw. — dessen Vorkämpfer und teil ■,׳־ffrfreudtger Wanderprediger er war — zu den ewigen ^■׳‘ i,holen und Werten des Judentums. Anschaulich schildert;;'׳•fisl die Zeit, da Nathan Birnbaum Pionier der zionutischen!3ך ] Regung war, Gründer der Kadimah, Herausgeber der JHj[ j>lhM-Eman.-jjM.t;ot1<‘. Später, so klingt’s aus allen den Ea־,ii i *äßen seiner einstigen Mitkämpfer, haben sich seine Wege Ent• den Zionisten getrennt; ״zum Schaden für ihn und zum Han j ''Haden für den Zionismus".?!?; j Wirklich zutn Schaden? — Es ist fast verwegen, so s'* i':Htint cs mir, bei der Schicksalhaftigkcit einer Inneren Wandwie sic uns offenbar hier vorli egt, von Nutzen oder j.;Hadcn zu reden. Zu verstehen gilt cs h'cr. Zwischen 1 äflfzlg und sechzig Jahren, wo die Seele der meisten Menschen ]*יי wenig müde, eia wenig behaglich geworden, gewohnte Infolge der chmtlichen Feiertage kann die ״Jüdische Rundschau“ aa 25• Dezember und 1. Januar nicht erscheinen• Sie wird daher in den kommenden zwei Wochen nur einmal wöchentlich, 11. z. am 23. Dezember und am 30• Dezember in vor» stärkten! Umfang herauskommen. Art von Zusammenfassung eine latente Gefahr der Separierung sehen. Eine besondere Stellung und Bedeutung nimmt dieses Mal die Liste der weiblichen Kandidaten ein. Die Frauen- Organisationen waren sieh ihrer Verantwortung für den Ausgang der Wahlen wohl bewußt, da gerade das Fraucnstimmrecht das punctun7 saldens in den Kämpfen der letzten Jnlre um die ״Assefath Hnniweharim" gewesen war. Eine sehr gründliche, durchgreifende Org.anisationsarbcit verband sich mit der eigentlichen Wahlagitation. Wie schwer und unter wie ungewöhnlichen Verhältnissen diese Arbeit geleistet wurde, wird nur der verstehen, der die Frauen des alten und des orientalischen Jischuw und der neuen, von schweren wirtschädlichen Sorgen gedrückten Alijah kennt. Und man braucht vielleicht nicht einmal so weit zu gehen, weil so manche der sogenannten ״emanzipierten" berufstätigen Frauen ihre Betci’igung an der Wal 11 mit der Bemerkung abgclehnt haben, ״sic verständen nun einmal nichts von Politik". Trotz aller Schwierigkeiten scheint es bereits heute, wo noch nicht die gesamten Resultate vorlicgcn, als sei die energische ausdauernde Arbeit der Frauen mit Erfolg gekrönt worden und afs würde die kommende Assefath Haniweharim eine bcträchtlichc Anzahl weiblicher Abgeordneter in ihrer Mitte sehen. Trotz der gefürchteten Gleichgültigkeit brachte der Wahltag schon vom frühen Morgen an Bewegung fn die Straßen, die im Laufe des Tages austieg und gegen Abend die Wahllokale gedrängt füllte. Der Kamf.f auf den Straßen ging nicht so sehr darum, was man wählen, sondern daß man wählen sollte. Und es kam ja auch in erster Linie darauf an. Denn eine geringe Beteiligung hä'te bei den Sabotagcbcstrebungen der Agudah der Assefath Haniweharim schweren Abbruch getan. So war es denn kein Wunder, daß, besonders in Jerusalem, dem Ilnuptsiützpunkt des alten orthodoxen lisdiuw, sich schon am Morgen um jeden Einzelnen, der zur Urne wollte, ein Kampf entspann. Posten der Agudah. mit grünen Zetteln bewaffnet, auf denen das Verbot, z׳t wählen gedruckt stand, kamen bei ihren Versuchen, die Wähicr an der Urne zurückzuhn’tc.n, immer wieder in Konflikt mit der Gegenseite, so daß bald die Urnen in dm! Vierteln des alten Jischuw von Gendarmen zu Fuß und zu Pferd flankiert waren. Um die Mittagszeit wurde das Wahlficbcr deutscher. F.in Plakat löste das andere ab, das Auto der zentralen Wahlkommission kontrollierte in immer kürzeren Zwischenräumen die Wahllokale. Viel Aufsehen erregte ln Jerusalem ein B ici eines Minsker Rabbiners, der mit Hilfe einer Photognphic bewies, daß die und die Rabbiner der Agudah sich zusammen mit Frauen an dem und dem Ausschuß bclci'igt hätten. In Tcl-Awiw führten sowohl Gegner wie Verteidiger der Wald den Rabbi Kuk als ihren Gewährsmann an. Und wrklich war er in eine peinliche Situation geraten, weil sein Name als Mitglied gegen die Wahlen unterzeichnet war und man andererseits nach seinen persönlichen Aussprüchen b'haup'ctc, er sei dafür. Wie dem auch sei, ob mit oder ohne den ersten Mann im JcrusaVmcr Rabhinat, gelang es der Agudah fraglos, einen Teil der Bevölkerung einniscluHitcrn. Und es ist auch keine Kleinigkeit für einen alten Ghah1kkahjmlr.il oder einen frommen kleinen Händler, trotz dem Bann fluch, der ihn vom Rabbi droht, zu einer Wahl 7.u gehen, die ihm im Grunde wenig am Herzen liegt. Er verspricht sich wenig von seiner Betci'igimg und fürchtet viel davon. Bei der oricnbi’isch-jüdischcn Bevölkerung Jerusalems mußte man bei der W.ah’agitrdion bei den elementarsten Anfängen beginnen, und vielfach fehlten die ehfachs*׳'!) Begriffe, um überhaupt zu verstehen, 37m was es sieh hamk'P, und da i־t der fromme, kleine Ma'criafwarcnhändlcr, der in einem schw'ren Konflikt stellt, weil er seine aufgeklärten Kunden, die alle wählen, Wege und ausgefahrene Wagenspuren zu lieben beginnt, ist dieser Mann mutig genug, einen neuen Weg cinzuschlagcn. Der Scelcnfänger wird zum Gottsucher. l>cr Chovvew Zion wird zum ,,Aule". Aber nicht nur um den Monotheismus geht er. ihm, und nicht nur 1״n die ״Lehre" in der wiiikürliehen Begrenzung ethischer Grundbegriffe, auf die sich das Judentum des 19. Jahrhunderts so viel zugute tat: hier gebts um die Ganzheit des jüdischen Gesetzes — der ״Pflanzung, die Akib.a verzäunte und Achcr cinriß, Wiege, der Spinoza entsprang, Leiter, darauf Baalschcm aufstieg — des Gesetzes, immer übersteigert, nie erreicht und doch stets fähig zu jüdischem Lehen zu werden tmd zu jüdischen Gesichtern". So hat einer der Mitarbeiter au diesem Buche, Franz Rosenzweig, kürzlich an anderer Stelle das jüdische Gesetz umschrieben. Und so und nicht anders scheint Nathan Birnbaum das jüdische Gesetz zu sehen. In diesem Sinne kann gerade dieser Mathias Achcr höchst wichtig für den Zionismus werden — da wo er stand, aber auch da wo er jetzt steht. ״Vergoßt das Beste nicht!" so scheint er den Zionisten zuzurufen, wie jener Geist i׳n Märchen. Denn er Ist freilich ein Achcr, wie sein selbst gewählter Name cs bezeugt; aber auch ein Matisjahu, wie ihn einer seiner Freunde rennt, der Götzen zertrümmert, Altäre reinigt, — und so können wij■ hinzufügen, neues Licht am alten Lieht entzündet, und damit in einem besonderen Sinne ״unendlich Licht mit seinem Licht verbindet". Bertha Badt-Strauß. In Minsk, der Hauptstadt Weißrußlands, wurden im Archiv der jüdischen Gemeinem Dokumente von großem historischen Wert, die ein Licht aut das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Judenheit in Weißrußland zu Beginn des 19. Jahrhunderts während der Regicrungszcit Alexanders I. und Nikolaus 1. werfen, aufgefunden. Jüdische Historiker erklärten, daß zahlreiche bisher unbekannte Tatsachen in den aufgefundenen Dokumenten ein bisher unbekanntes Kapitel in der Geschichte der russische« Judenheit eröffnen. Die Dokumente werden demnächst in der Zeitschrift für jüdische Wissenschaft veröffentlicht werden. nicht verstimmen will und doch auch den Befehlen seines Raw nicht zuwidcrhandcln kann. Da hält er denn in großer Verwirrung seine zehn oder zwölf Zettel in der Hand, die man ihm am Morgen in den Laden gebracht hat, sicht verzweifelt zu einem Agitator auf, der ihn bedrängt und sagt schließlich seufzend auf jiddisch; ״Man weiß wirklich nicht mehr, was man tun soll." Seine fünf Kinder freilich gehen schon unbedenklich zur Urne und wählen — noch dazu eine Arbeiterpartei. Gegen Nachmittag wird das Stadtbild noch lebendiger. Die Straßen sind mit Papier überhäuft, der Kampf zwlsrncn Agudah und Aufgeklärten wird heftiger, die Polizei ist auf den Beinen. So mancher Araber, der vorbeigeht, wundert sich, so mancher lächelt. Ein Besuch der wichtigsten Wahllokale bietet bewegte Bilder. Im bucharischen Viertel, wo sich auch viele der Kaukasier und Kurden konzentrieren, herrscht an dem Kindergarten des Erzichungsdcpartcmcnts ein großer Auflauf. Junge Bnrschcn mit Listen in den Händen stehen in großer Aufregung einer Gruppe alter Juden mit Kaftan und Pejoth gegenüber. In der Mitte ein jüdischer Polizeioffizier zu Pferd, von einigen arabischen Gendarmen umgeben. Mit ein paar Drohungen und ein paar Kapriolen des Pferdes wird der Platz geräumt, der sich sofort wieder füllt, nachdem der׳ Reiter in der nächster־ Straße verschwunden ist. Und das Spiel beginnt von neuem. Eine Viertelstunde weiter sind gegenüber dem Wahllokal die kleinen Eisenbalkons der Häuser gedrängt voll. Sic tragen große /Lavr ״Wählen verboten." Unten stehen auf dem einen Bürgersteig zehn oder zwölf ältere Agudisten, die hier den ganzen Tag Wache stehen, und ihnen gegenüber, durch den schmalen Fahrdamm getrennt, junge Burschen mit Listen, die den Eingang zum Lokal hüten. Etwas abseits sitzt ein englischer Offizier, von zwei Polizisten flankiert, ruhig auf einem großen Pferde. Spottreden von beiden Seiten und zwei nichtsahnende alte Frauen, die vermutlich im nächsten Laden für einen Schilling Eier kaufen wollen, geraten plötzlich in ein iürchtcrliebes Kreuzfeuer. Die beiden Chöre übcrschrcicn sich gegenscitig: ״Verboten!" ״Erlaubt!“ (alles im Jiddischen, denn man paßt sich den Verhältnissen des dortigen Publikums an). In Tcl-Awiw gibt cs zur selben Zeit Aufzüge und Musik. Und erst tief in der Nacht wird es still. Die genauen Resultate sind bei Absendung dieses Briefes noch nicht bekannt. Es fehlen noch so wichtige Punkte wie Jerusalem und Haifa. Auch wissen wir noch nicht genau, wie hoch die Wahlbeteiligung war. Man spricht von höchstens 50°,ö. Aber erst beim Zusammentreten der ״Assefath Hannv•- charim", das in einigen Wochen stattfinden wird, werden wir übersehen können, wieviel diese Wahlen für uns auf dem Wege zur Organisierung des Jischuw bedeutet haben. Oie Wahlen zar Assefath Haniweharim Jerusalem, 11. Dezember. (J.T.A.) Soeben sind die Resultate der am letzten Sonntag vorgekammenen Wahlen in die jüdische Nationalversammlung Palästinas (Assefath Haniweharim) für Jerusalem bekannt geworden. Es sind in der Hauptstadt Palästinas 52 Delegierte gewählt worden. Von diesem entfallen auf die Achduth Awodah (Pnalc Zion) 15, auf Hapocl Ifazair (Hitadaduth) 6 Mandate, auf die Liste der Scph.ardim 11 Abgeordnete, auf die Frauen* liste (> Abgeordnete. Die Demokraten eroberten 4, die Zionisten-Revisionisten 2, der Misrachi 2 Sitze. Auf die Liste der Kommunisten entfällt ein Abgeordneter, auf die anderen Listen 5 Abgeordnete. Aus Ober-Galiläa und Emck Jcsrecl liegen endgültige Resultate noch nicht vor. Nach den in Tcl-Awiw und Jaffa abgegebenen Stimmen werden auf diese Städte 75 Mandate entfallen; diese Zahl ist aber noch nicht endgültig. Laut der Verfassung der Nationalversammlung waren 201 Abgeordnete zu wählen, die dann den Waad Leutni (Nationalrat) zu bestimmen haben werden. (Die wichtigsten Resultate brachten wir schon in voriger Nummer. Red.) ArbeilsqesetzQebang ln Palästina Jerusalem, 11. Dezember. (J. T. A.) Der Entwurf eines Arbcilsgcsctzcs für Palästina und den Mittleren Osten ist soeben fcrtiggcstcllt worden. Oberkommi.;■sar Lord Plumcr übermittelte den Entwurf dem Londoner Kolonialamt zwecks Sanktionierung. Ostjüdischc Lieder. Auf dem Chanukkahbail der Gruppe der Zionisten aus dem Osten am Mittwo־h. c;em 16. d. M., boten Frau Rahel Kaufmann und Herr Leo Riasauzeff, die von Frau Marie Zweig וחב Klavier begleitet wurden, durch den Vortrag von ostjiidi dien Liedern einen ungewöhnlichen Kunstgenuß. Namentlich Frau Rahe! Kaufmann bekundete eine Einfühlung in den Geist und die Musikalität der innigen ostjüdischen Volkslied״r, der das Publikum zu aufrichtigem Bcifali hinriß, und die Künstlerin veranlaßte, nach Absolvierung des Programms mit Herrn Riasnnzeff das bekannte Duett ״Was wird sein, wenn Meschiach wird kummen" vorzutragen. In Frau Kaufmann und au11־ in Herrn Riasnnzeff verfügt man über Verständnisvolle Interpreten des ostjüd:schcn Volks’icdcs, die man gern oft hören möchte. Die fcinfüh'igc Begleitung von Frau Marie Zweig unterstrich die Darbietungen der Sänger. Im übrigen nahm der Ball einen schönen Verlauf. Von Arthur Sakheim, dem Verfasser des Bu״i:es ״Das jüdische Element in der Wcltli׳c־atur", erscheinen demnächst drei neue SUi 'kc: ,.Der Z a d d i k", Drama in drei Akten; ferner ״Der Maskenball" Drama in vier Aufziigen nach Lermontoff; und ״Fantasie oder Das München meiner Träume", ein Lirt picl na־h Alfred de Müsset. Ueber den ״Zaddik" schreibt der ״Hamburgis'be Korrespondent": ״Der ,Zaddik* ist eine Erfüllung, Dt das Drama, das unsere Zeit braucht. Aus visionären Traumen entstanden, losgelöst von Traditionen, mit schöpferischem Gels: gc/n1״t, frei von fremden Einf’üsscn . . . Keine Hemmung hinderte ihn, seine Gestalten in mystisch-jüd'sches Milieu zu stellen, das seiner Seele am nächsten steht. Trotzdem ist cs kein jüdisches Drama. Die geschändete Synagoge könnte auch ein Tempel Buddhas sein, der Zaddik ein buddhistischer Priester." Soeben ist der 6. Band des Lexikons (Verlag Langenschcidt, Berlin) des verstorbenen Elieser Ben Yehuda vollendet worden. Es ist der erste, der seit dem Tode des Verfassers und der Gründung des Trust herausgekommen ist. Herr Prof. S0bc r n h c i m-Berlin hatte die re lak;io׳:e!!c Ucbcrwachung für die Herausgabe des Bandes übernommen. Der Band ist dem verstorbenen Jacob Werth ei m gewidmet, der Ben Yehuda bei seiner Arbeit sehr behilflich war und dessen Witwe auch weiter dem Trust ihre Hilfe angedeihen laßt.

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