Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 97-98 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652691-2652781--17912-2692003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 97'08 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife SI3 Zionisfcnprcdlgt eines F&n3ÜSters Die neueste, Entwicklung des Zionismus seit dem Krieg:«, di« ihn in die Arena des politischen Weltgeschehens rückte und dadurch mit allem Lärm und mit allen AcußcrlicJikcitcn einer - auf Wirkung nach außen angewiesenen Unternehmung behaftete, hat viele Zionisten mit Unbehagen erfüllt. Denn Ln zionistischen Untcrbcwußtscin schlummert eine Ahnung dessen, welche ungeheure Anspannung geistiger und moralischer Kräitc notwendig ist, um das jüdische Volk zu bcfähigen, den Zionismus zu •verwirklichen; eine solche seelische Hochspannung kann jedoch nur durch innerstes Erleben und innerste Verbundenheit mit der Idee erzeugt werden, keinesvegs durch äußeres Getriebe, das die menschliche und 210־ nistischc Energie letzten Endes schwächen muß, auch wenn cs. die Kriterien scheinbaren Erfolges au sich trägt. Eine Klage und Anklage zugleich ist die ״Zionistenpredigt eines Fanatikers4* von Awraham Schwadron (Berlin 1923, Benjamin Harz Verlag). Schwadron nimmt die Eröffnung der Universität zum Anlaß, um zu zeigen, *1c leicht cs sich die Zionisten in aller Welt machen, sich zionistisch aus/ulcbcn. Man betrachtet den Zionismus als eine Art Lusthaus, wo man Lustgefühle aller Art, vor allem das erhebende Gefühl einer Begeisterung, die nichts kostet, erwerben kann. Die Eröffnung der Universität gab all denen, die nichts dazu beigetragen hatten, Gelegenheit, ihr Herz durch Gratulationen zu erleichtern, von denen manche jüdischpolnischen Zeitungen viele Seiten veröffentlichte. Für diese Leute, so sagt Schwadron, ist die Universität eine erhabene Sache, weil c6 ohne sic keine Eröffnung gäbe. Nicht die Universität kümmert sie, sondern die Eröffnung. Und scharenweise sind sic hingcreist, um dabei zu sein, denn so ein guter Bürger muß ״zwar nichts können, aber alles haben, zumindest also gesehen haben׳*. ln allen möglichen Ah- Wandlungen weiden Phrasen mchgcplappcrt, in denen patlictische Worte ihres Inhalts völlig entäußert werden. Am lautesten sind die Zionisten, die den Zionismus nicht aLs eine Lebenspflicht begreifen. Besonders der Typus des Akademikers ist oft ״der lebenslängliche Rentner seiner zionistisch-ldcalistischcn Jugendverirrung**. Mit unerbittlicher Logik zieht Schwadron gegen diese ״Werkhelligen‘* zu Felde. Seine Kritik richtet sich gegen Tatsachen, die wir alle oft erfahren haben. Aus all den satirischen Bemerkungen Schwadrons, in denen Wahrheiten manchmal überraschend scharf und glücklich formuliert werden, spricht tiefes Leiden darüber, daß der Zionismus aus der Sphäre der ״heiligen Stille‘* hinausgezerrt wurde auf den Markt und zu einem ״Parasitentum des Herzens“ wurde. Den Kern seiner Ausführungen scheint uns der Abschnitt zu bilden, in welchem er den Grund dieser Verflachung darin findet, daß der Zionismus einen optimistischen Ausblick für die Grundbedingung des propagandistischcn Erfolges hält. In Wahrheit ist cs nur der Pessimis- »ins, der wirklich tiefes Verantwortungsgefühl erzeugt. : Schwadrons Worte und das ganze gedankenreiche kleine : Schriftchcn, das wir ernsten Zionisten wärmstens empfehlen, enthalten viel Beherzigenswertes. Besonders unsere Jugend, die heute oft so überaus praktisch ist, könnte von Schwadron 1lernen. Er spricht wieder aus, daß ״nur ein rechter Mensch! •in rechter Zionist sein kann“; und die Aufgabe des Zionis- (raus ist Erziehung und• Verinnerlichung, vor־allem strenge j innere ' "Wahrhaftigkeit/ uud ' nicht Berauschen an schönen -j Reden, deren Inhalt im Gegensatz zum eigenen Leben steht. | Seine erwähnte zionistische Grundauffassung charakterisiert | er selbst folgendermaßen: | ״Im Gegensatz zu Achad Haam, der die Zukunfts h o f f * 3 ר u n g als Grundlage unserer Rcnaissanccbcwegung ansiebt, | Melle ich mir immer einen Zionismus als Ideal vor, bei dem J d a s Moment der Hoffnung kein wesentliches )i't. Nur bei einer solchen Einstellung, die nicht auf dem oci uns allein herrschenden rosenroten Optimismus gegründet :j i f, sondern auch bei tiefem Pessimismus die opferreichsten Anstrengungen riskieren läßt, kann den Gefahren der De- ■ Pression vorgebeugt werden, die immer nach ciucm Hochgang j 1!es Erfolges und der Konjunktur cintrctcn muß und auch : jetzt cintrctcn wird. Lediglich bei einer derartigen Ideen-; Propagierung würde cs zum allgemeinen Bewußtsein kommen, 1 floß die Fragen der zionistischen Innen- und Außenpolitik, i der Politik Englands und des High Commissioncrs, Probleme, ''•eiche, weil kostenlos, die zionistischen Gemüter in Stanislau, ■ ^ri% Bukarest, Hamburg, Mährisch-Trübau, Wien und; h/ernowitz ganz besonders bewegen, weit mehr •'du alle; 'Murfiiissc ihrer cchlumpig geführten örtlichen nationalen; Arbeit, daß diese Fragen, wie groß auch und bedeutend sie unbestritten sein mögen, doch klein und sekundär sind im * Vergleich mit unserer letzten Endes allein entscheidenden j frage der Fragen: du Jedermann in UcberalL der du dich 1 Zionist, der du dich Chaluz, Schomcr nennst, bist du cs?; fühlst du die Pflicht, die Schlußfolgerungen aus diesem 1 ״fkenntnis zu ziehen? Nur bei einer solchen Volkspropädcutik \ '*■'Junen sich die Juden dessen inuc werden, daß der Schwer- \ Punkt des Palästinaproblems nicht irgendwo draußen^ mehr J [der weniger weit, in London oder Genf oder Jerusalem 1 :i(־gc, nicht auf dem jetzt in aller Mund gekommenen Scopus- יל*(;, nicht in der dort bereits cröffnctcn aber erst zu er- I nriitcndcn Universität, sondern just in Taruow und Graz! und Detroit und München und Liverpool und Saloniki, d. i. in ״ Leistung und im Opfer jedes Juden; daß die Geschicke; Zionismus nicht auf dem Parteirat, auf der Landesugd; •5hrcokonfcrcnz, nicht auf dem Kongresse oder bet Wahlen Repräsentationskörpern entschieden werden, sondern einzig 1ך| ן Herzen und Charakter folglich zu gutem Teil auch prosaisch in der Tasche — eines jeden Zionisten; daß also nicht nur Aktions-Comitü für die Verwirklichung unseres Ideals /*antwortlich ist, sondern /, B. jeder, der zur Andacht gei *0romen Ist — ״anläßlich der Eröffnung“. Ich würde dem- 1hch all die gratis Andächtigen gerade nur zusammenrufen, . kibald ein ungünstiges Ereignis cingctrctcn ist. Da buchen wir sic, um ihnen zu sagen: ״Seht, so habt ihr : i /Jrc Pflicht erfüllt, dies ist das Resultat eurer Opferscheu 1“! fos für eine Notwendigkeit aber ist es, die großen Scharen a ]!;r Indolenten zusammen zu haben, wenn unsere Sache durch Opfer und Mühe oder die Klugheit anderer günstig steht?“ i - 5׳ 1. Das von der französischen Deputierteukammer vor kurzem;; j?n6Cnommenc Naturalisationsgcsetz fand auch eine Mehrheit -ב',/'• ה Senat Durch das neue Gesetz wird für etwa 100000 Aus- «k 1/.^dsjuden die Möglichkeit geschaffen,, französische .'ür(׳e2 •׳a werden. Die neuen Satzungen gelten auch für viele ׳ Inende russische Juden, die erst in der Zeit nach der!Evolution nach Frankreich gekommen waren. Zfo&Isssos cad Pscado-fMo:ä2IiS1nns Von Dr. Martha Hof manu, Wien. Der nachfolgende Beitrag zu zionistischer Selbstkrilik und Selbsterkenntnis ist, wie die Verfasserin uns mitleiit, mit besonderer Berücksichtigung osterrcichischcr Verhältnisse geschrieben. Red. Die Ideologie des Zionismus hat mit seiner tatsächlichen Entwicklung nicht Schritt gehalten: während wir in der Arbeit der zionistischen Leitung im letzten Jahrzehnt eine reale Synthese Iicrzlscher Politik mit Achad Ifaamschcr Zionslicbe erkennen dürfen — am reinsten verkörpert in Weizmann selbst als dem Urheber der Balfour-Deklaration und des Universit.ilsgedankens — stehen einander innerhalb der zionistischen Massen Mitteleuropas noch immer zwei Lager verständnislos gegenüber, ohne daß von irgendeiner Seite der Versuch gemacht würde, eine einheitliche ״Lehre“ als einigende Grundlage, als feste geistige Basis zu erschaffen, auf Grund deren eine ideelle Tradition erwachsen und die Massen erzieherisch beeinflussen könnte. Gemeint ist die bürgerliche Mitte und diejenigen, die dem arbeitenden Palästina angehören oder ideell nachstreben. Eine kurze Zeitlang hatte es den Anschein, «als ob durch Martin Huber, den postulierenden l'thikcr, einerscils — durch A. D. Gordon, das in Sclbstbcschränkung vollendete Vorbild andererseits, eine Ideologie zum Siege gelangen sollte, deren Essenz durch die zwei Schlagworte ״Umkehr“ und ״Chaluziuth** vielleicht augedeutet werden kann. Ja, cs schien tatsächlich, als ob die Auffassung des Zionismus als persönliche Erneuerung, als Dienst und Hingäbe, auch in den Kreisen der zionistischen Mitte Wurzel fassen, aLs ob das vielfach in den Tagen allgemeinen Um- Sturzes, allgemeiner Neuorientierung jäh abgelegte nationale Bekenntnis nunmehr vertieft, vielmehr erst recht begründet werden sollte. Die über Europa hiufltilcudc revolutionäre Welle hatte überall auch die stagnierenden Geister für kurze Zeit bewegt, hatte sic — /uniimlest dem Anscheine nach — aufgelan zu innerer Bereitschaft der Selbstbesinnung und Selbstcrzichung. Dem Anscheine nach. Doch nach Verebben dieser Welle schlossen sich die erregten Gemüter wieder zu stagnierender Ruhe. Wir sehen, daß nur die obersten Flächen sich leicht gekräuselt, die Tiefen sich nicht eröffnet haben. Das nationale Bekenntnis ist an der Oberfläche geblieben — mit erschrecktem Staunen erkennen wir es immer wieder — ist nicht als verwandelnde Kraft in die Tiefen der Seelen cingcdrungcn; es ist — ohne liebertreibung gesprochen — in den meisten Fällen nicht mrlir als ein ״Lippenbekenntnis“ geblieben, da cs an den Menschen selbst kein Anrecht hat, keine weiter reieilenden Forderungen an ihn zu stellen vermag. Ein Kleid ohne besonderen Schnitt, blau-weiß gefärbt, statt etwa schwarz-wciß-rot — nicht mehr. Schckclverkauf und ein wenig Keren Majessod, Wahlen und ״Tischgesellschaft“, ah und zu ein Vortrag oder Palästinafilm — das neißt Zionismus! Der bürgerliche. Durchschniftszior.ist, von dem hier die Rede ist, hat kaum irgendwelchen geistigen Anteil an der kulturellen Renaissance des Volkes, zu dem er sich bekennt. In dm Rfltenstni Fällen ist er vertraut mit Sprache, Geschichte, Literatur des ncubcleMeu Volkes, die großen geistigen Führer sind ihm nur ausnahmsweise mehr als dem Namen nach bekannt. Noch ist Zionismus ihm niciit die Nötigung, in ernsthafter Selbstbesinnung uni die Psyche des ihm verloren gegangenen Volkstums zu ringen, sic zu begreifen, sich ihr zu vermählen. Noch weniger ist ihm sein Eintritt in die zionistische Bewegung gleichbedeutend mit grundsätz־ lieber Revision seiner bisherigen Lebensformen, mit verant- '■Wörtlicher 'Einordnung seines Selbst in die Bahn des angcstrebten Volksideals, wie eine strejiger gefaßte Ideologie dies verlangen müßte. Sein Nationalismus i־.t denn auch in den weitaus meisten Fallern 01 me eigentlichen, organisch-nationalen Kern; so ergibt sich nur zu leicht das paradoxe Schauspiel eines ״bewußten Judentums“, das sich bei näherer Betrachtung als mehr-minder unbewußte Assimilation au extrem nationalistische . Tendenzen fremder Nationen enthüllt — als solche häufig einseitig machtpolitisch, antisozl altstisch orientiert (was keineswegs im Wesen einer wahrhaft n.ationaljüdischen Bewegung gelegen wäre, sondern deutlich faszistischc Charakterzüge nufwci.st) nationalistische Tendenzen, sage ich, nur ohne deren elementare Verbundenheit, mit nationalcr Sprache, Geschichte, Kultur -־ und daher leerer, geistloser, unwahrer als jene. Wir alle wissen, daß die jüdischnationalc Idee im Westen einmal als bewußte Abkehr vom dcutschnationalcn Mitläufertum angefangen hat; daß sic mehr ein Entschluß war als ein Besitz, mehr Reaktion als Aktion, mehr!•'lucht «als Wegbereitung. Aber der Zionismus ist seither über diese halbkindlichon Anfänge weit hiiiausgcwachscn. Die ursprünglich polaren Endpunkte seiner• Diametrale •— der politische Pscudo-N.itlonalismus de:. Westens und die religiös-nationale, elementare Zionslicbe des Ostens (übrigens jederzeit in den tiefsten jüdischen Geistern auch des Westens lebendig) haben sielt mehr und mehr einander zugcncigt, der Kreis ist in Ercz- Israel nahezu geschlossen. Er ist es nicht in der Galutli, ist cs nicht in der Ideologie der bürgerlichen Massen. Hier klafft eine erschreckende, kaum überbrückbarc Kluft zwischen dem noch immer im seichten Pseudo-Nationalismus Befange.- neu, dessen Zionismus sielt in matten Symbolhandlungen und Windmühlcnkämpfcn mit den Assimilanten erschöpft (die er nicht so zu fürchten hätte, wenn er selbst seines Volkstums vollwertig sicher wäre) — um! dem von der ״Cltnlitziuth“ mit dynamischer Gewalt Ergriffenen, fiir den Zionisntus tatsächlich innere Wandlung, Loslüsung vom Gnluthlebcn, Opfer und Dienst am Volksganzcn bedeutet. So tief ist diese Kluft, daß der eine den anderen oft nicht mehr bcgreift. Nicht begreift, wie cs Glieder einer Körperschaft geben kann — berufen, den Judenstaat in der Galuth zu antizipieren, staats- und volksbildend zu wirken, d. h. also alle Teile des Volksganzen zusammenzufassen — die gerade die Träger der Chaiuziulh — des tiefsten Nationalgcfühles und der cigcntliehen Nationalarbcit — am liebsten außerhalb der Bewegung sähen, sic bei jeder Gelegenheit beiseite zu schieben, ja gelegentüch sogar zu hekämpfai vermögen -- nur deshalb, weil diese zu den Wur/ehi ihres Volkstums hinabgefunden haben, das glühend ist und gläubig, kampfbereit und opferwillig, revolutionär und demütig, sozial und religiös. Die Fahne des jüdlsttan Regtecak kommt eseb Jerusalem Jerusalem, 2.12.1925. (P.C.) Die Fahne des 40. (palästinensischen)■ Bataillons der Kgl. Füsiliere soll am Donnerstag, den 17. Dezember, dem 6. Tage von Chauukkah, in die Churwa-Synagogo. in Jerusalem überführt werden. l>tc Fahne, welche bis jetzt in der Großen Synagoge in London untergebracht war, wurde mit der Einwilligung des Königs, der Chef des Regiments ist, in das Büro der Zionistischen Organisation in London und von dort zur zionistischen Exekutive iu Jerusalem transportiert, und soft von dort aus mit entsprechender militärischer Feierlichkeit in die Churwa- Synagoge gebracht und dort aufbewahrt werden. (Zu dieser offiziellen Meldung äußern wir .uns an anderer Stelle. Red.)! Pre;cc:cL'2a Die ״T e x t i I- Z c i t u n g“ (Berlin) veröffentlicht in ihrer Nummer vom 1. Dezember einen sehr interessanten und instruktiven Artikel von Ernst G. Davis über die Textilindustrie in Palästina. Davis schildert die Bedeutung der palästinensischen Wirtschaflscntwicklung für die Industrialisicrung des Mittleren Ostens und geht sodann ru Einzclangaben über, woraus wir folgenden Absatz zitieren: ״lin Jahre 1923 zählte das Handels- und Indnstricdcpartement der zionistischen Exekutive in Jerusalem insgesamt 12 Textilbetriebe mit einem Gcsamtkapital von über 26 000 Pfund, dabei war vermutlich die Kapitalziffcr noch zu hoch gegriffen. Im Juli 1923 zählte dasselbe!)(partement 2'}׳ Bctriebe mit einem Kapital von etwa 100 000 PJund. Konfektion und I lutfabrjkation sind iu beiden Zahlen nicht inbegriffen. Die letzte Ziffer ist dabei schon wieder veraltet, weil inzwischen teils neue Betriebe entstanden sind, teils alte ihr Kapital verstärken konnten. Von dem Gcsamtkapital entfallen über 37000 Pfund auf die Webereien und von diesem Betrage kommen wiederum 30 000 auf die Tä- Awiwer Seidenweberei des Wiener Industriellen Max Delfincr. Dieses Unternehmen ist erst Ende Februar in Betrieb genommen worden. Es verfügt über 21 vierschiffigo Wechselstiihlc Schweizer Konstruktion mit der nötiges! Vorbercitung und beschäftigt etwa 30 Arbeiter. Da seine Appreturanstalt noch nicht eingerichtet war, konnte cs bisher nur Waschseide hcrstellcn, hatte damit aber vollen Erfolg. Der Binnenmarkt wurde in Konkurrenz mit der französischen Ware fast ganz erobert und darüber hinaus etwa 50 v. H. der Produktion im Auslände hauptsächlich in Syrien und dem Irak (Bagdad) gut verkauft.“ Die Wiesbadener pazifistische Wochenschrift ״Die Menschheit“ veröffentlicht in ihrer Nummer vom 4. Dez. die Rede, die Dr. Robinson als Vertreter der jüdischen Minorität in Litauen auf dem Minderheitenkongreß in Genf gehalten hat. Das Blatt bemerkt dazu, daß diese Rede das Problem Zentralismus oder Föderalismus ausgezeichnet beleuchtet. Das Boleltvesca la Palästina Herr Joseph Hirsch (Halbcrstadt) schreibt uns: Aut Grund eines vicrwöchcntlichcn Aufenthaltes in Palästiiu bin ich 711 der Dcherzeugung gekommen, daß das jüdische Hotclwcscn in Palästina einer dringenden Reform und Verbesserung bedarf. Es handelt sich hei dieser Fordcrimg nicht dämm, nun dem europäischen Touristen in Palästina jeglichen Komfort zu verschaffen, den er in Europa gewohnt ist, aber die Verbesserung des jüdischen Hotclwcscns hat eine in zionistischer Beziehung eminente Bedeutung. Ein gutes jüdisches Hotclwcscn in Palästina lockt jüdische Touristen zum Besuch des Landes an. Eine verstärkte Touristik bedeutet verstärkte Propaganda, und verstärkte Propaganda bedeutet verstärkte Geldmengen. Es ist klar, daß die beste Propaganda für Palästina der Besuch des Landes ist, und so niaiichcr zionistisch nicht interessierte jüdische Tourist, der das Lind und die jüdische Arbeit gesehen hat, wird doch im Laufe der Zeit dazu kommen, dem Aufbau des Landes Geldmittel zuzuführen. Worin besteht nun die Minderwertigkeit bzw. die Verbcsscrungsbcdürftigkcit der jüdischen Hotels im Lande? Hierbei ist zu bemerken, daß vielfach die Hotels vorzüglich ein- ״crichtct sind, vorzügliche Zimmer haben, mit elektrischem Lieht, mit Wasserleitung versorgt sind, somit anscheinend jeden Komfort bieten, jedoch in einem wesentlichen Punkt, der in einem Hotel verlangt werden muß, versagen, und zwar in der notwendigen Sauberkeit. Der jüdische Hotelier glaubt, ein gut eingerichtetes Zimmer genüge, und cs rein zu halten sei von untergeordneter Bedeutung. Davon abgesehen, liefert er im allgemeinen ein zwar schmackhaftes, jedoch für den Touristen, der sich an das Klima zu gewöhnen hat, unzuträglichcs Essen. Anstatt dem Touristen Gemüse, Eier, Obst usw. zuzuführen, gibt er ihm Fleisch, u. z. zu jeder Mahlzeit zwei Fleischgerichte. Man sieht im Lande, daß große Hotel-Pläne vorhanden sind, in Jerusalem, Tcl-Awiw und Haifa, auch in Migdal; aber ich kann mich der Befürchtung nicht entziehen, daß diese Hotels zwar bezüglich Komfort aui der Höhe sein werden, jedoch nicht in der sachgemäßen und notwendigen Weise geführt werden, so daß der Tourist auch in diesen großen Hotels dauernd in bczu״ aut Sauberkeit zu klagen haben wird. Der Jude hat in Pnlastin.1 Erstaunliches an Ucrufsumstcllung geleistet, der Beruf des jüdischen Bauern, der Beruf des jüdischen Bauarbeiters ist im wesentlichen ein Beruf, der nicht in besseren Händen liegen kann aLs er liegt, nur der jüdische Hotelier ist noch der gleiche, der er nt Europa gewesen ist, und cs scheint mir ratsam und erforderlich, genau so wie man von öffentlicher Seite anderen jüdischen Berufen des Lindes eine Förderung zuteil werden läßt, so auch dem jüdischen Hotelgewerbe einmal Anregung zu geben, bzw. cs gründlich zu reformieren und zu verbessern. Mit die besten Hotclbctricbc sind bekanntermaßen in Deutschland und in der Schweiz, wo der Hotelier sein Gewerbe von der Pike auf lernt, d. h. als Kellner oder Portier beginnt, bis er sclilicßlich zum Hotclwirt heransteigt. Es ist nach meinem Dafürhalten notwendig, jüdische Menschen direkt für Palästina in diesem Gewerbe hcranzubiklcn und mehr als das. evtl. Instruktoren nach Palästina kommen zu lassen, die das dortige jüdische Hotclwcscn reorganisieren und den Hotclwirtcn praktische Winke für die Wetterführung ihrer Betriebe geben. Ich weiß, daß von der Idee bis zur Ausführung hierbei ein weiter Weg ist und unterlasse cs auch, konkrete Vorscbläge zu machen, halte cs jedoch für angezcigt, meine Erfahrungen der zionistischen Öffentlichkeit bekannt zu geben. Vielleicht entwickelt sich doch eine Diskussion und hieraus resultierend ein Plan, der der Reform der geschilderten Mißstände dient. Eise große Rhzzoihlabrlk ii PslSaiiaa Der Bau der Mazzothfahrik bei der großen Muhle in Haifa geht seinem Ende entgegen. Anfang Dezember soll die Ma/zothproduUtion aufgenommen werden. Das Zentralkomitcc der Gesellschaft To/crctli Haarez hat iu einem Rundschreiben die palästinensischen Kaufieute aufgefordert, dieses Jahr keine Mazzoth aus dem Auslände zu beziehen, da außer den bereits seit Jahren bestehenden Bäckereien für Mazzoth in Tcl-Awiw, Jerusalem und Haifa die Grands Moulins de Palcstinc in Haifa dieses Jahr erstklassige Mazzoth hcrstellcn werden, so daß jeder Grund für lnporticriing aus dem Auslände entfällt. (Ziko.) 75. Geburtstag Derobsrd BarcE» London, 6. Dez. (J.T.A.) Mr. Bernhard Baron, de! Begründer und Geschäftsführer der großen Tabakfirm5 Carrcras, beging am 5. Dezember seinen 75. Geburtstag. Bei dieser Gclcgcnhrit spendete er 50 000 Pfund Sterling für Krankenhäuser und andere Wohlfahrtsinstitutionen. Mr. Baron hat ira letzten Jahre ungefähr 82000 Pfund für öffentliche Zwecke gespendet, darunter 11000 Pfund für den Bau der Liberalen Synagoge und je 10000 Pfund für die Hebräischc Universität in Jerusalem und das Londoner jüdische Spital,