Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1925-12-11 · Heft 97-98 (11.12.1925) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 97-98 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2651273-2652691-2652781--17909-2692000
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 810. JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 07/0$ 1א £88f Jerusalemer Musibbriel 1925 Von Walter Roth, Jerusalem. Der Hunger nacli Musik bei den Juden Palästinas und besonders bei denen, die noch nicht lange im Lande sind und die Befriedigung der ihnen in den Hauptstädten Europas liebgewordenen Bedürfnisse hier ungern vermissen würden, ist sehr stark. Wohl jeder, der nach Ercz-Isracl übersicdeltc, war sich darüber klar, daß er gegen das beglückende Bewußtsein, irgendwie am Aufbau der Zukunft des Landes beteiligt zu sein, mancherlei Entbehrungen, besonders ln bezug auf die sogenannte ״europäische Kultur“ würde auf sich nehmen müssen; um so größer die Ucbcrraschung, daß auf musikalischcm Gebiete im Lande, und nicht nur in den Städten, ein sehr reges Leben herrscht, überall, wenn auch oft mit bcschränktesten Mitteln eine fruchtbare Initiative am Werke ist, Entwicklungen sich anbahnen und nicht unbeträchtliche Ausblicke in die Zukunft sichtbar werden. Es wird manchem in musikalischen Dingen verwöhnten europäischen Juden merkwürdig klingen, zu hören, daß man hier Musik so intensiv genießen kann wie in Berlin, Wien oder Paris. Ja, man steht der musikalischen Schöpfung näher, man erlebt sie unmittelbarer, nicht zuletzt aus dem Grunde, daß viele der Imponderabilien, die im Musikbetriebe der europäischen Großstädte den feiner Empfindenden stören, in Palästina Wegfällen und hoffentlich auch in Zukunft fehlen werden. Man vermißt hier wirklich nicht die Riesensäle der Hauptstädte mit ihrem Publikum, dem die großen Konzerte vielfach mehr gesellschaftliches als seelisches Bedürfnis sind. Es fehlt auch vorläufig erfreulicherweise der ganze Geschäfts- und Rcklamcbctrich im Musikleben, cs fehlt noch das ״Startutn“. Der Rahmen des musikalischen Lebens im Lande ist kleiner, aber die Wirkungen sind tiefere, weil unmittelbarere. Allerdings, cs fehlen hier die großen Orchcstcrkonzcrtc. Das bisher einzige, das Opcrnorchcstcr, ist durch seine speziellen Aufgaben so in Anspruch genommen, daß ihm die Möglichkeit zur Betätigung auf symphonischem Gebiete zur Zelt noch nicht gegeben ist. Verschiedene Versuche in Tel- Awiw ein Symphonicorchester zusammcnzustellcn, sind bisher gescheitert, vielleicht zum Teil deshalb, weil diejenigen, die die Initiative dazu ergriffen, ihre Ziele zu hoch steckten und heute noch nicht den Apparat Zusammenstößen konnten, der diesen genügte. Aber auch ohne das Symphonicorchester helfen sich die Freunde der symphonischen Literatur: durch Insichaufnehmcn der ihnen bekannten Werke vermittels des Flügels. In vielen Häusern werden, und vielfach sehr gut, auf dem Klavier vierhändig die symphonischen Werke der Klassiker bis zu Strauß, Mahler und Schocnbcrg reproduziert. Und der Erfolg zeigt, daß das Fehlen des großen Orchesterapparates nicht so tragisch empfunden wird, als mau meinen könnte. Die Menschen, die hier musikalisch interessiert sind, beherrschen im allgemeinen einen großen Teil unserer Literatur und hören durch die harten Tasten des BKithncrflügcls bindurch Streicher, Holz und Blech und was dazu gehört. Wir haben in Jerusalem solche regelmäßigen ״Symphonie- •bende“. Das Publikum ist bunt, Smoking und Arbcitcrbluse sind vertreten. Häufiger Gast ist Norman Bcntwich, der Staatssekretär für Justiz, selbst ein ausgezeichneter Geiger und Bratschist, neben ihm Poalim, die aus der Kwuzah ein paar Tage nach der Hauptstadt gekommen sind, um auszuspannen und Freunde wiederzusehen, Intellektuelle, die eben Ins Land cingcwandcrt sind, noch von der Welt Europas erfüllt, und die an diesen Abenden so etwas wie die Synthese linden können zwischen dem bisher Gewohnten und dem neuen Leben in Ercz-Isracl. Diese Abende, und wie in Jerusalcm so ist es auch in TcJ-Awiw und Haifa, sind völlig zwanglos, Menschen kommen und gehen, aber ihre innere Gemeinsamkeit und Hingabe an das, was sic hören, ist sehr groß. Line besondere Stellung, scheint mir, nimmt hier Gustav Mahler ein. Dieser getaufte Jude ist für jeden, der hören kann, eine eminent jüdische Erscheinung. Wie kaum ein anderer gibt dieser ewig suchende Künstler das Bild des Golusmcnschcn am Anfänge unseres Jahrhunderts. Ein umfassender Könner und Gestalter, ohne ein produktives, im letzten Sinne ursprüngliches Genie sein zu können. Liner, der Europa in sich aufgenommen hat in seiner ganzen Vielfältigkcit, ein unerhört komplizierter und innerlich zerrissener Geist und gleichzeitig einer mit der Sehnsucht nach letzter Harmonie und Einfachheit Man denke nur an seine Vertonungen aus ״Des Knaben Wunderhorn“ oder an das Finale seiner ״Vierten Symphonie“, in dem er cs wagt, als Schluß* satz. eines großen symphonischen Werkes ein einfaches, fast kindlich-frommes Lied zu setzen. Und daneben stelle man etwa den dritten Satz seiner ״Ersten Symphonie“, in dessen ״feierlich und gemessen“ er groteske Parodien unvermittelt hincinplatzen läßt, die einer Sclbstironie verzweifelt ähnlich sehen, als ob cs ihm selbst unmöglich wäre, an seine Berufung zu glauben. Es taucht die Frage auf: Welche Wege wäre dieser wahrhaft große Mensch in seiner künstlerischen Produktion gegangen, wenn er bewußt als Jude empfunden hätte? Es gibt in Jerusalem eine ״Agudath meuagnei Ercz- JisracI“, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, nur Werke aus allerletzter Zeit aufzuführen. Ihre musikalische Welt bcginnt etwa bei Mahler, um über Schocnbcrg, Ravel Krcnck bis zu den Schöpfungen unserer Tage hinzuführen. Eigentümlich, daß in Jerusalem sich ein Kreis von Menschen bilden konnte, die Zusammenhang gerade mit dieser Musik brauchen, paradox fast in dieser ewigen Stadt, durch deren Gasser. man nicht gehen kann, ohne den Hauch von Jahrtausenden bei jedem Schritt zu empfinden, die auf kleinen Raum zusammengedrängte Geschichte unseres und anderer Völker. Eine besondere Pflege erlebt hier Kammermusik. Es liegt In der Natur der Sache, daß das Fehlen eines großen Symphonieapparates gerade zu diesem Teil der Musikpflege hinlcnkt. Die ״Chewrah hajeruschahnith Tneginah“ die eine Anzahl Konzerte in jedem Winter gibt, cröffnctc diese Saison mit einem Strcichquartcttabcnd, Beethoven, Dvorak, Mozart Der Saal war überfüllt; auch hier ein buntes Publikum, in dem Eord und Lady Plumcr nicht fehlten. Regelmäßiger Besucher dieser Konzerte ist auch Sir Ronald Storrs, der Gouverneur des Jerusalem-Distrikts, der bekanntlich großo. künstlerische ,mtcrcsscn, nicht nur Auf musikalischem Gebiete, hat. * Nicht vergessen sei das Konzert von Frau Y״ einer ganz ausgezeichneten Cellistin, in deren Programm neben Werken von Bach und Haydn auch ctu Italiener jüngster Schule, Pizetti, vertreten war. Unsere Oper cröffnctc die Saison mit einer ״Carmen“- Aufführung. Es fehlt ihr hier und in Tcl-Awiw noch das eigene Haus, und vorläufig muß sie mit dem nicht gerade stimniungsvollen Saal des großen Kiuothcatcrs vorlicb nehmen. Die wirklich festlich bewegte Menge lenkt aber den Betrachter sofort von dem unschönen Aeußeren ab. Der Raum faßt über tausend Menschen. Beim Erscheinen des High Commissionars spielt das Orchester die englische Nationalhymne und die Iiatikvvah. Die palästinensische Oper ist das Werk der unerhörten Initiative eines Mannes, des Herrn M. Go linkin, der in ganz kurzer Zeit ein Ensemble und ein Orchester geschaffen hat, das, wenn wir den kritischen Maßstab anlcgcn, sich etwa mit dem einer gut geleiteten Opernbühne in einer deutschen Mittelstadt vergleichen läßt. Wenn wir aber die riesenhaften Schwierigkeiten jeder Art in Rochnnng stellen, die hier zu überwinden waren, so stehen wir vor einer ganz großen Leistung. Unnötig zu sagen, daß noch nicht alles ideal ist. IJic dem Opernbesucher in Europa selbstverständlich richtige Proportion zwischen S'.reichern und Blech ist hier noch nicht erreicht. Das Blech und das Schlagzeug iiberdrühnt den .Streichkörper. Aber dies, ein dauernd detonierender Don Jos<5 und andere Klcingkcitcn können nicht den großen Eindruck verwischen, den unsere Oper im ganzen macht. Von Aufführung zu Aufführung kann man den Fortschritt feststcllen. Auch äußerlich Ist das bisher recht bescheidene Orchester gegen voriges Jahr gewachsen. Wir haben schon zwei Celli statt eines, und das Klavier hat nicht mehr nötig, eine Reihe Instrumente, für die cs bisher keine Vertreter im Lande gab, zu ersetzen. Ganz besonders erfreulich ist die Entwicklung des Chores, der z. B. auf dcutsehen Bühnen immer ein Schmerzenskind ist, und der szenisehen Gestaltung der Bühne. Während wir im vorigen Jahre noch Aufführungen erlebten, in denen die Mimik der Spieler und des Chores hin und wieder fast komisch wirkten, ist heute das Spiel lebendig durchgcstaltct, die Szene voll innerer Bewegtheit. Manche deutsche Provinzbühnc könnte davon lernen. Uebrigens klingt die hebräische Sprache zur Musik, und besonders zur dramatischen Musik, ausgezeichnet. Man wird vielfach an das Italienische erinnert. — Nach dem dritten, besonders gut gelungenen Akte wurde der Dirigent gerufen und stürmisch gefeiert. Das Programm der Oper für den Winter 1925/26 stellt unter anderem Werke von Verdi, Puccini, Gounod, Halcvi und Rubinstein in Aussicht. Warum man gerade Rubinstein, der mit Recht in Vergessenheit gesunken ist, wieder hervorholt, ist nicht ganz ersichtlich, wir wollen nicht hoffen, daß man die Werke von unwesentlichen künstlerischen Erscheinungen nur deshalb aufführt, weil ihre Schöpfer zufällig Juden sind. Die Frage, oh wir bereits eine originale musikalische) Produktion in Palästina haben, läßt sich bisher gewiß nicht bejahen. Kürzlich wurde in Jerusalem Professor Sc hör (Moskau), ein in Rußland sehr bekannter Musiker, von den Musikfreunden im Hause des Professors Schatz von! ״Bczalcl“ offiziell begrüßt und bei dieser Gelegenheit konnten die Redner nicht umhin, viel von Zron zu reden, von dem ״die Lehre wieder aus gehen wird“. Solche Reden sind billig und bringen uns der Lösung unserer Fragen gewiß nicht näher. Eine starke musikalische Produktion im Lande ist für uns heute nicht mehr als eine Hoffnung. Ein gewisser Kreis von Komponisten, die aus Rußland hierher kamen, dürfte uns der Verwirklichung nicht näher bringen, denn es scheint, daß sic im wesentlichen in ausgetretenen Pfaden wandeln. Aber cs gibt hier eine Erscheinung, die vielleicht einmal den Anfangspunkt einer Entwicklung jüdischer Musik auf jüdischem Boden bilden wird. Dr. S., ciu beschäftigter Arzt, hat seinen Beruf an den Nagel gellängt, um sich ganz seiner musikalischen Produktion zu widmest. In der ״Agudath Menagnei Ercz- Jisrael“ wurde seine Vertonung von Versen aus dem ״Kohclcth“ aufgeführt, in kleinerem Kreise hörte man auf dem Klavier die Ouvertüre einer Oper und Teile aus kamnicrmusikalischen Werken. Die Linie seiner musikalischen Schöpfung scheint das fortzusetzen, was Schocnbcrg vor 30 Jahren begonnen hat. Uebrigens schreibt S. seine Noten von rechts nach links, was auf den ersten Blick etwas grotesk erscheint; aber Sinn erhält, sobald mau den hebräischen Text unterlegt. Was man bis heute von S.s Werken hörte, genügt wohl nicht, um ein Urleil über diese eigenartige und eigenwillige Erscheinung zu gestatten. Ich muß gestehen, daß das bisher Gehörte mir und nicht nur mir, sehr schwer verständlich ist und in seiner Atonalität das Ohr eines in klassischer Musik aufgewachsencn ״Normahncnsc.hcn“ nicht immer angenehm berührt. Aber was kann das bedeuten? Vor kaum 80 Jahren stand Publikum und Krilik den ersten Aufführungen von Wagners ״Tnnnhäuscr“ völlig verständnislos gegenüber, einer Musik, die heute schon tausendfach überwunden ist; vor 20 Jahren war manches an Richard Strauß״ Werk vielen an Beethoven und Schubert geschulten Ohren ein unerträgliches Greuel. Und heute stellt die Entwicklung bereits wieder an einem ganz anderen Punkt. Wir erlebten gerade in den letzten Jahren, wenigstens in Deutschland einen großen Aufschwung im Verständnis von Mahlers und SchocnbcrgK Werk, aber wer weiß, wie lange es dauern wird, bis auch sic einer neuen Jugend werden Platz machen müssen. Man kann heute keine Prognose stelle״, welches Schicksal die Werke des Jerusalemer Komponisten haben werden, aber man sollte sein Werk mit vervielfachter Aufmerksamkeit hören, weil cs ganz uns gehört. Was heute schon letzte Bewunderung abnötigt, unabhängig von seinem Wert oder Unwert, den erst die’ Geschichte wird feststcllen können, ist der unentwegte Idealismus dieses Manucs. Er erzählt, daß ein bekanntes Wiener Streichquartett eines seiner Quartette aufführen wollte. Er hätte cs abgefeimt, weil er die Uraufführung seiner Werke nur in Palästina erleben möchte. Die Entwicklung geht in Palästina sehr rasch. Was gestern unmöglich erschien, ist morgen überholt. Mau darf gespannt sein, wohin sic uns auf dem Gebiete der musikalisehen Produktion führen wird. Eil offenes Wort (Zum Juwal-Konzcrt im Scharwenka-SaaL) Es sei mir gestattet, hier die ungeschminkte Wahrheit? sagen. Fast alle sogenannten ״Konzerte jüdischer Musik“, .die hier in Berlin in jeder Saison veranstaltet werden, v?־) mögen, mit einigen Ausnahmen, kein Bild zu geben von <0 Renaissance unserer nationalen Kunst. j Selbstverständlich besitzt der zarte und junge Organist-■•’ unserer modernen jüdischen Musik schon genügend WidV. Standsfähigkeit, um auch den schlechten Eindrude dieser -j). mißglückten Berliner Konzerte zu überwinden. Es muß a׳>. ein für allemal die klare Frage an unsere Kunstarrangeur gerichtet werden: Wie lange noch werden sic uns vor dem europäische• Konzertpublikum blamieren? Warum machen sic uns änne• und künstlerisch unfähiger als wir sind? Seit etwa 25 Jahren wächst im Schoße unserer Natx eine eigenartige, kernhafte, saftige, vielfarbige musikalisch Kunst. Während dieses Viertel janrhunderts ist eine Reihe ausgezeichneter jüdischer Komponisten hcrangercitt, a״ die wir vor aller Welt stolz sein können. Komponisten wV G n c s s i n, talentvoll in seinem bilblischcn Pathos, wie <j,. bezaubernd farbige K r c j n , wie der bewundernswerte Meist(• Achron, der volkstümlich geniale Mi liier, der kistisch“ begeisterte Engel, wie Rosowsky, s’s minsky und die jüngeren: Levin, Gl ad stein, S t u tschcwsky und andere mehr. In den letzten Jahren sb moderne, echt jüdische Kompositionen aller Art entstände- Symphonien (Krcjns ״Kadiscii“ und ״Sakmica“, Ssaminskv* Ballet ״Raliel“, Milners, Achrons u. a.>, Opern (GnesM:, ״Abrahams Oencration“, Milners ״Die Himmel brennen“, rJ sowskys ״Ammon und Tamar“), vokale und instrumental»! Werke von wirklichem Kunstwert. Und doch, als jetzt der einzige jüdische Musikverlal von Bedeutung, ״Jnwal“, der zweifelsohne viel Verdien■,:{ volles geleistet hat. ein jüdisches Konzert in Berlin veranstalte?,I weiß er nichts Besseres zu bieten, als den banalen ״kJ Kschimcho“, des unbekannten Goldberg oder etwa Lewa״•* dowskys ״Kol Nid re“, das wir lieber im Tempel hörten. Und diese Stücke werden neben dem meisterhaften ״Seher׳ von Achron vorgetragen, das eine so wunderbar harmonisch׳ und scharf rhythmisierte Klavierbegleitung besitzt, und nebcil jenem anderen glänzenden Violinwerk, aas eines der besten} Muster unserer jüdischen Violintradition ist! Ist das Ur.-( biklung oder nur Nachlässigkeit? Und dann die Wiedergabe! Jede junge künstlerische Strömung findet früher od׳ später treue Anhänger, die sich mit ganzer Seele der Durch• Setzung der neuen künstlerischen Richtung widmen. Die rr.o-j derne jüdische Musik hat auch schon ihre auscnvähltcn Inter•] nreten. Sic sind noch gering an Zahl, aber sic opfern in: künstlerisches Leben unserer nationalen Musik. Alle Hochachtung vor den verehrten Herren Manfredj Lewandowsky und Alfred Wittenberg. Der erste, einer der besten Kantoren Deutschlands, hrsit: eine klangvolle Stimme und eine feine künstlerische Serif. Wittenberg ist ein Geiger von hohem Rang und großer Kultur, Technik und von Geschmack. Aber im Tempel unserer] Musik stehen sic wie Fremde. Und cs genügt ja von lcwandowsky Engels elegisch traurige ״Senabath neu Hasch• maschoth“ oder von Wittenberg Achrons ״Seher“ zu hören,] um zu begreifen, daß ihre ganze künstlerische Haltung sehr, sehr weit entfernt ist von moderner jüdischer Musik. Bei aller Hochachtung vor der Leistung dieser beiden Künstler muß ich gestehen, daß nur der Begleiter Dr. Günther mir wahrhaft Freude gemacht hat. Was für cir feiner und verständnisvoller Gestalter! Aber die Begleitung ist doch schließlich nicht der Zweck einer derartigen Veranstaltung! Liebe Freunde, mehr Verantwortlichkeit und weniger.. solche Konzerte. Hermann Swet. Uederabeid Rshel Kanlmssn Aus Breslau wird uns berichtet: In diesen Blättern bedarf cs keiner ausführlichen Bf ] Handlung der Probleme des Vortrags ostjiidischrr Lieder vor einem westjüdischen Publikum. Kein Geringerer war es als Fritz Mordcchai Kaufmann selbst, der sich ml: ihm oft beschäftigt hat1׳). War er ciu feuriger Vorkampto ] für das jüdische Volkslied und die jiddische Sprache, die ihr als die ״gemeißelte Form des zentralen Judentums und seiner Menschen'״ erschien, so ist Rahcl Kaufmann die starke Intcrprctiu seines Willens. Ohne dem Geschmack des Pub'.]־ kums cntgcgnizukomnicn, singt sie ״echte“ Volkslieder nri! reinen, nur künstlerischen Mitteln. Also gibt sic keine süßen Zuckcrplätzchcn, keine Ausdrucksmätzchen, Mimik nr Zwecke der Verdeutlichung des Inhalts, verbessertes Jiddisch Deutsch mm besseren Verständnis der Sprache — man’s leider oft hört —, sondern sie gibt nur von inner, heraus, nur jenes Maß zurückhaltender Geste, die aus dem Erleben des Vorgetragenen entspringt. Und das ist die stärkste Seite des Künstlertums von Rahcl Kaufmann. intensives Mitcrlcbcn, Sichhingcbcn, Einswerden mit dem gesungenen Wort. Und wie sic singt! Rahcl Kaufmann hatte in Breslau eben einen großen Liederabend iin Lcssiugsaal. Die Kritik lohte ihr angenehme*• leicht ansprechendes Organ und die künstlerische fclmlnng Wir hatten eine Sängerin von ernstem Rang und hervor־ ragender Gediegenheit vor uns, deren Stimme einer größeren Umfang verrät als sie in ihrem sich von jeder Effekthascherei frrnhaltcndcn Programm hören lassen konnte An! stärksten gefielen aus dem ersten Teile ״Ihid.ile“!!ne das märchcnhatt schön gesungene Miirchcnlicd ״Es kim' gvllolgcn di giUIenc pawe“, hn zweiten Teile die Wiege:)• iieder und ״wo/c geben dir mau teicr Kind‘*. Fragt man nach dem Erfolg des Breslauer AbenG so muß man sagen, daß er großen Beifall fand, und Zgaben (wie immer) erzwungen wurden, ein nachhaltig Erfolg blieb bei denen, die Verständnis für die vornehme kunstlicdartigc Vortragsweise eines Liedes, auch eines VoIks־ liedes haben. Viele andere wollten gern die cinschmcichej״' den, oft gehörten ״Schlager“ hören. Die gab cs nicht. ^1: wollen der Künstlerin wünschen, daß sic imstande sei, i”‘'lj Mission treu zu bleiben. Tut sic das und arbeitet sie treu ur£ ehrlich wie bisher an ihrer Stimme weiter, so wird sie ha* eine kleine Gemeinde gewonnen und eine weitere hoffentJo• erzogen haben, die zu ihr hält und init ihr dafür kämpiv daß das von ihr verbreitete schlichte jüdische Volkslied fc gehört und so gesungen werde, wie cs ihm im Sinne rruz Mordcchais auch gebührt. J. B.ä. < wohl immc >מבוזז jn de mit ■ jüdis Jude Seite Jude; tigen wanc der 1 tu ms wen! sich mit י jener bcm< tauft sich; GetX bewt Dorn Ahrfl allein! Bede! Herd ז imm< hau di k!el vart i dcl i StdlC ' seine StärW 1 sich;; gemä vird, nicht sein . und \ : Ercui sich ■i 1 : und i ׳ neu i Vans• l’ntc 11a bei schli lcg(׳| immc, radiä! der f muß * : \ RueV zeige und; :nute: an se: neu <3 Ls jy wer )־ dis enki Rultij ,ehe; nach{ volke Karnj. t gibt; Gebe sich, Sterb wird. .ד di s‘o־b war Elter זו". Scho: vicls; ־:1:״. k •) Vgl. GcKummcltc Schriften, Berlin 1923, Laubjehe Ver׳ Iagsbuchhandlung, Seite 218. Wie Gesc' las i< hatte blind im c hege! rrwa. der ( iufre Vätci ist d! *eni! Wsef die C Üev

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.