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Jüdische Rundschau · 1925-12-11 · Heft 97-98 (11.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 97-98 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 807 :1 ■ s : j(Jr 07 98 U- ----!- ״ | Brie! aus Palästina , jdtischc und ländliche Entwicklung — In Erwartung ''■:x Krkc * Die Rumpf-Exekutive — Neue Projekte ine; | fVon unserem Korrespondenten.) ] A. G. Jerusalem, den 2. Dezember 1923. 1;(! Man war nn vergangenen Jahr daran gewö’nt, die Fort- V‘C. ’ :ritte der Alijali und den Aufstieg des Landes in erster :“1U‘;,ic an der kraftvollen Ausbreitung der Stadt T c 1 - A w i w .. messen, deren bedeutendste Nahrungsqucllc in der Bauib- : .;*keit lag. Das war kein Zufall, da diese jüdische Stadt, ein• •:c erste“, wie man sic nannte, einen ungewöhnlich großen be. ■;.venlsatz der Einwanderung und ihrer ökonomischen Kräfte c.׳m ■1 sich z0£• Alles, was außerhalb dieser Stadt geschah, die crr1 open nationalen und privaten Land kaufe, die Pflanzung 1,^;. -fassender Areale mit Orangen, das bedeutende, im Ver- ■;:inis zu Tcl-Awiw freilich langsamere Wachstum Haifas, lCn ‘; Entstehen von A f u 1 c — alle diese Anzeichen kraft- | 1׳er Entwicklung betrachtete man gewissermaßen erst in Leiter Linie. Heute, wo in Tcl-Awiw die Bautätigkeit zu ] *Un begonnen hat, treten die anderen Punkte der Koloni- : ::onsarbeit klarer in Erscheinung. Mit dem Moment, wo :: allzu grelle Beleuchtung eines Punktes im Gesamtbilde! die י ■nimmt, treten die anderen Teile, die bisher im Schatten r,cn- 1;cn, klarer hervor. tincr j Eine Betrachtung der mannigfaltigen Arbeiten, die heute :cd-!: Lande ausgeführt, angefangen und geplant werden, er*;nc:1!.eckt den Eindruck einer vielfältigen Bewegung. Um einen v; 1i' priff davon zu geben, genügt cs, auf ein paar Tatsachen och 1 >Stit־Bpr°l>c11 hin/uweisen. Haifa ist in einer stetigen Ent- ״r'! .’;klung begriffen. Noch haben sich die Perspektiven auf j;n Bau des Hafens nicht völlig geklärt, und der beispiellose ^r'!.::fstieg, den man sich für die Stadt vom Ausbau des ul‘e< י piks versprach, ist noch immer eine Zukunftshoffnung. Ab- | xr die jüdische Einwanderung, die sich jetzt in bedeutendem :he:; 3.׳יßc der Hafenstadt zuwendet, stärkt die jüdischen Positionen, i'i'cit!;:״rößert die Bautätigkeit und gibt Anlaß zu einer Zahl eh:;rn größeren und kleineren Gründungen. Der Name Haifa Cr!f■! rinnt sich heute bereits mit weiteren Assoziationen /u;;ןג ' :hinden. Nicht umsonst spielt in den Ueherlegungeu und ' pürlcrungcn der Handelskammer, der Eiscnhalmuirektion und ‘.י Industrickrcisc das Wort ״Hinterland‘׳ eine so große .;Ile. Haifa bedeutet heute nicht mehr allein die Carmcl- :,‘c:!•:dt, sondern bereits die Gegend bis nach Jadjur und auf ן; י anderen Seite bis jenseits von Akko. Noch steckt die מ;n:\vicklung Afulcs so sehr in den Anfängen, daß Haifa liC-re das Emck heute noch alle die Funktionen hat, die die Dr. י':::tralstadt des Emck erfüllen soll. Das jüdische Viertel;;eh: ji.iJar-Hacarmcl besitzt nun, wo die Ruthenbergstation in j;.:ifa ihre Arbeit aufgenommen hat, elektrisches Lieht. Die .,r j'.mcntfabrik ״Ncschcr“ hat bereits ihre ersten Produkte |.;f den Markt gebracht. Die kleineren Fabriken bei Akko j ::״cn vor der Vollendung, eine hat bereits zu arbeiten bc- 0ff*!:״inen. All das sind nur Vorboten der bcdcu- IV1:;I1 ] f ה d c r c n kommenden Entwicklung, und somit <kז 'eint cs, als ob die schwere Zeit, die jetzt die Wirtschaft;per. ..istinas bedroht, und auch für Haifa Erschütterungen bringt, :kc- ' ״irdierend in eine Bewegung cingrcifcn wird, die noch ן ־ . . ':t in', vollen Schwung gekommen ist. Mau kann hoffen,!:״.־ der Rückschlag deshalb nur gering sein wird, um so r1!׳r, als sich um Haifa die bestfundierten Iiulustricuntrr-!■•Innen konzentrieren. | Die Siedlungen, die heute in Palästina entstehen, werden ... pmer mannigfaltiger in ihrer Eigenart An die ״allen Kolo-;:ה“ und die k'wuzoth und Moschawim schlossen sich in ,““‘י :;huda die orthodoxen Siedlungen M a gd i c 1 und Bnc Kr [ב:׳k. Dann kamen die Chassidimdörfer in der Ebene j srecl, und heute stellt bereits eine Reihe von Baracken 1;נ'• j: M a c 1111 c h J i s r a 0 1, wo die A g 11 d a 11 nach den Plänen re:; j,n Dawis Tri cts eh eine Kolonie errichtet. Bei Sichrem .•;rd, j'cob, auf dem Boden der Kabarah, den man von der Ica 1׳:eiltet, plant S o s k i u die Ausführung einer Kleinsiedlung rCr 1 :eh den Prinzipien intensiver Wirtschaft. Noch immer werden V' j teufende Bodenfiächcn den alten Kolonien angcgüedcrt und j־it Orangen bepflanzt. . ] Man könnte die Aufzählung der kolonisatorischen Werke, ־.;c heute in Palästina unternommen werden, noch be- :,;hl-; utaid verlängern. Und doch erkennt man in der Landes- ו wc diese Neugründungen nur aus einfachen Notizen und ■ :richten. Die Aufmerksamkeit wendet sich anderen Dingen ^c:•.;;,a:nmengcbracht, durch deren Verleih am Purim soviel '״•; rdient werde, daß man imstande ist, jahraus, jahrein wie 1^t-g J-.dere Juden einen ordentlichen Pcßach zu veranstalten. Wenn v0:" j a diese gedrängte Biographie des verehrten Herrn Bernhard ivr.c ■: runtcrzulcicrn begann, dann pflegte dieser zunächst den ׳r:■׳' , pf zu senken, dann an seiner Mütze zu rücken, dann sich ' B räuspern und dann hochrot zu werden. Sch'icßlich aber ' 0 er die rechte Hand und sagte mit vor Wut erstickter 1:::r׳׳ , imnic: ״Sara, wenn du redtst, red du!“ Sagte das, wandte tat!" ph um und verließ eiligst das Gemach . . . ,f1‘ ] Ließ cs Herr Bernhard gegenüber seiner übrigens umvc; ״:;jg im Hause waltenden Gattin an Standhaftigkeit und -•“crlichcm Mut fehlen, so bekundete er diese zierenden ,-nnertugenden sehr stark gegenüber seinen drei Sproß- •'■\:1, von denen zwei Verkäufer in Kramläden und der an. ־ r.ttc Friseurgehilfe war. Namentlich der dritte Sohn gab!!vcj ץ.; i-'amiiic viel zu schaffen. Erstens trieb er einen außer- ׳■•יvöhnliclicn Luxus und trug steife Iicmdkragen und Manwr . ] äcttcu, zweitens aber hatte er Beziehungen zu einem F räulein Jo1ך.[)0:::; -!״ mjt dgm cr zweimal in der Woche in der Tanzschule 0ך" •iinmcnkam. Herr Bernhard ermangelte nicht, seinem Sohne!,u :crni che Vorhaltungen oh» seines sündhaften Lebenswandels ׳ r! lachen, der ihm erschwerte, rechtzeitig aufzustehen und •^t'jch um 8 Uhr im Friscurladcn zu erscheinen. Um J LJhr früh begann iin Hause Sara Bernhards die ״Weckerei“. ^‘r .:׳*rr Bernhard lief aufgeregt von Schlafstatt zu Schlafstatt c:;“dem Ruf: ״Auf, auf, das Wasser brennt. Höchste Zeit :jend .:.ה־ Aufstchcn!“ Diese Rufe unterstützte cr durch Händelf[;:;clu־n, und schließlich lüfictc cr die Bettdecken und kitzelte '“,ar Söhne an den Fußsohlen, bis sic sich schlaftrunken ^räkelten und zum Aufstchcn anschickten. Herr Bernhard “L erzielte jedoch durch seinen energischen Ton gegen- ,'1j‘ז' ־ seinen Söhnen doch nicht die beherrschende allgewaltige ß:1' •lung des Familienoberhauptes. Wenn die Söhne auch "י ד '^als י» Worten gegen ihren Erzeuger aufbegehrten, so :ה^ ihre Taten doch nicht erkennen, daß sic in ihm ihren erblicktes. Als solchen erkannten sic nur ihre Mutter zu. Man sorgt sich um das Heute und fürchtet für das Morgen. Und das nicht olme Grund. Diese Aktionen, die vor einem Jahre für Palästina einen wesentlichen Aufschwung dargcstcllt hätten, genügen heule nicht. Man hat gelernt, mit ganz anderen Zahlen zu rechnen, ganz anderen Anforderangen gerecht zu werden, ganz andere Ansprüche an das Tempo der Kolonisation zu stellen. Und man weiß, daß das Wort ״Arbeitslosigkeit“ heute weit mehr bedeutet, als bei der letzten ״Krise“ vor zwei Jahren. Damals handelte cs sich um Hunderte, heute kann cs sich vielleicht um Tausende handeln. Damals war der Jischuw klein, aber sehr viel geschlossener, gestählter, erzogener als heute. Und daher bereitet mar! sich in den denkenden Kreisen auf einen ernsten Kampf vor. Wir haben heute im Lande bereits eine Zahl von Arbeitslosen zu verzeichnen, die den üblichen Stand des letzten Halbjahrs übersteigt. Es ist heute schwierig, Kredite zu erhalten. Die Stadtverwaltung Tel- A wiw, die in ihrem Budget mit der beträchtlichen Summe von £ 120 000 rechnet, macht ernsthafte Anstrengungen, zu sparen. Sic weiß recht gut, daß sie für die kommende Saison mit großen öffentlichen Arbeiten wird rechnen müssen, um der Arbeitslosigkeit einen Damm entgegeuzuset/en. Denn die Bautätigkeit in Tcl-Awiw hat sehr stark nachgelassen, und diese Stadt beherbergt heute den bedeutenderen Prozentsatz der Arbeitslosen. Man geht ernsthaft daran, den Bau des ״Nordvicrtcls“ (Schclumat Hazafon) in kürzester Zeit einzulcitcn. Wegebau, Wasserversorgung, Kanalisation und Häuserbau bilden bei dieser Arbeit eine bedeutende Bcscliüftigungsquclle. Eine der wesentlichsten Voraussetzungen für eine rationclle Durchführung der kommenden Arbeiten ist ein fester Plan und eine starke zionistische Leitung, die fähig ist, ihn d u r c 11 z u f ii h r c n. Augenblicklich kann man jedoch von einer Palästinaexeki'tivc in ihrer vollen Kraft kaum sprechen. Dr. R u p p i 11 scheint seine Demission aufrechtzuerhalten, so daß das Kolonisationsdcpartcmcnt als solches unbesetzt bleibt, ebenso wird berichtet, daß Van Vriesland auf seiner Erklärung, die er in der Aktionskomitccsitzung abgab, besteht, und nicht geneigt ist, an einer Exekutive teilzunehmen, die der vorigen, wiedergewählten nicht wirklich entspricht. Somit besitzen wir heute de facto einen Leiter des Alijalulepartemcnts, des Arbeitsdepartements und iin Koloiiisationsdeparteinent einen Vertreter des Finanz- und Wirtschaftsrales. Erziehung, Kolonisation und F i n a n z c u sind u n besetzt! Unter den heutigen Umständen, wo man die zionistische Leitung nur als einen Torso betrachten kann, wird viel, wenn nicht alles, von der Stärke und Initiative des Jischuw abhängen. Oie kommenden sechs Monate werden eine I^iitung dar.stcllcn. Bisher haben wir in Palästina die erfreuliche Erfahrung gemacht, daß unsere Kräfte in der Not stark gewachsen sind. Aus Not sind neue Pläne entstanden, aus Not hat man unerhörte Anstrengungen gemacht und neue Werke geschaffen. Und man spürt auch heute vor allem unter der Arbeiterschaft, daß neue Gedanken diskutiert werden, Pläne entstehen, Projekte gemacht werden. Es scheint, daß auch diesmal, wie zur Zeit vor der Tabakperiode, ein Abfluß der Arbeiter aus der Stadt in die Kolonien stattfinden wird. Man geht mit neuem Nachdruck an• den Bau der Schein: na th Owdiin. Man spricht von Chausseebauten und anderen NoLdandsarbcitcii. Ein neues AufJeben der ׳schlummernden Kräfte, eine stärkere Atmosphäre macht siel! bemerkbar. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, daß wir es dieses Mal mit einer Masse zu tun haben, die anders aussieht, als die vor zwei Jahren. Wir haben viele neue Einwanacrcr, die an die Verhältnisse nicht gewöhnt sind, die ökonomische Struktur der vierten Alijah verlangt eine ganz andere soziale Obsorge als die der zweiten und dritte 11. Dieses Mal wird es nicht genügen, daß der Arbeiter sich mit zwei oder drei Arbeitstagen in der Woche begnügt, und für einen lächerlichen Lohn in die Kolonien geht. Es gibt Hunderte, die aus objektiven Gründen heute dazu nicht imstande sind. Wir brauchen im kommenden Halbjahr bedeutende Mittel, eine energische und vernünftige Leitung der Geschäfte und das Verständnis des Jischuw für die Notwendigkeiten der Kolonisation. Es heißt nicht aus der Not eine Tugend machen, wenn man zu sagen wagt, daß die kommenden Monate für Palästina auch zu einem Sege!. werden können. Gerade die besten Elemente im Lande waren Sara au. Immerhin muß man feslstelien, daß alle drei Söhne zur Erhaltung des Haushaltes beitrugen und Herrn Bernhard Lustig im Laufe der Zeiten ermöglichten, im Sinne von Saras Forderungen vorzusorgen: allmählich legte Herr Bernhard Lustig verschiedene von ihm erhandelte Kleidungsstücke, die cr sonst an Großtrödler weiter/uverkaufen pflegte, zurück, und eines schönen Tages hieß cs ganz, bestimmt, daß mit Einbruch des Winters Herr Bernhard Lustig sich um die Lizenz für einen eigenen Trödlcrstand auf dem Wochcmnarkt hewerben werde. So geschah es auch. Es war knapp vor Chanukkah, da erzählte uns Herr Bernhard Lustig, daß cr bereits am nächsten Montag, dem Markttage unserer Stadt, auf dem Mchlphtz als selbständiger Standinhaber Auftreten werde. An jenem Montag war ich in der Schule sehr unaufmerksam. Mit Ungeduld erwartete ich den Unterrichtsschluß, und ohne erst den Biichcrpack nach Hause zu tragen, stürmte ich aus der Schule auf den Mchlphtz, um Augenzeuge des großen F.rcignisses zu sein. Tatsächlich sahen meine Augen hinter einem Stand, der aus einem roll, gezimmerten Tisch und einer auf zwei Hoizgabcln befestigten Stange bestand, Sara und Bernhard glückstrahlend stehen. Sara hatte zur Feier des Tages eine schwarze Mantillc umgehängt und ein gehäkeltes Wolltuch auf ihren Scheitel gelegt. Auf dem Tische stand der traditionelle Kohlcntopf der Marktlcutc, nn welchem Sara und Bernhard ihre Hände wärmten. Auf der Stange hingen einige Röcke, einige Paar Stiefel, einsame Pantalons und verschiedene Kopfbedeckungen. Sara begrüßte mich freudestrahlend. Sic stieß mich in die Seite und sagte stolz: ״Nu, was sagst du zu dieser Ware! Nicht wahr, genau wie bei allen anderen Leuten.“ Mit diesen Worten quittierte sic die Tatsache, daß ihr Lebenstraum erfüllt war und sie nunmehr eine richtige selbständige Geschäftsfrau genannt werden konnte. Dieses freudige Ereignis der Sclbsfändigkcitswcrdung Herrn Bernhard Lustigs bildete die Veranlassung, daß die Familie Sara Bernhard das Chanukkahfest besonders feierlich nicht zufrieden mit der letzten Entwicklung. Ein starkes Zusammenfassen aller Kräfte kann gerade in schweren Zeiten Schäden beseitigen, und gute Keime für neue Entwicklungen legen. Eine jüdische AbordEuag bei de Josveuel Beiruth, 8. Dezember (J. T. A.) Der neue französische Oberkommissar für Syrien, Jouvcncl, empfing in Beiruth Vertreter der Religionsgemeinschaften und Nationalitäten in Syrien. Auch eine Abordnung der jüdischen Bevölkerung, besichend aus dem Oberrabbiner und dem Vorstand der jüdischen Gemeinde, fand sich beim Obcrkomm'ssar ein. Die jüdische Abordnung gab ihrer Loyalität gegenüber Frankreich Ausdruck und führte Klage darüber, daß auch die Judenschaft von Damaskus, die infolge des Bürgerkrieges materiell 7u* gründe gegangen ist, . verpflichtet worden sei, einen Teil der der Stadt aufcrlegtcn Kontribution zu zahlen. Im Namen der Judenschaft von Damaskus drückte die Abordnung die Unzufriedenheit darüber aus, daß die Juden zur Zahlung einer Kontribution verurteilt wurden, obwohl kein Jude an dem Aufstand aktiven Anteil genommen hat. Jerusalem, 8. Dezember (LT. A.) Am Sonnabend, den 5׳. Dezember, erneuerten die Drusen ihren Angriff auf Damaskus. Vor den Toren der Stadt wurde erbittert gekämpft. Einer Abteilung Drusen gelang cs, in den Südosten von Damaskus cinzudringen. Nach einer vorhergegangenen Warnung an die Bevölkerung bombardierte die französische Artillerie mehrere Stunden diesen Teil der Stadt, um ein weiteres Vorrücken der Rebellen zu verhindern. Am Sonntag war Damaskus von den Aufständischen frei. Unter der Lievölkerung herrscht große Panik. Während des Bombardements drängte sich die Bevölkerung innerhalb der st־j;kcn Mauern der allen Bauten zusammen. ז )io Stadt ist stark bevölkert, da an Stelle der zahlreich geflüchteten Einwohncr unzählige Flüchtüngi: aus der Umgebung, insbesondere aus den Dörfern des Westens, in die Stadt gezogen sind. Infolge der erneuten Drusen-Angriffe auf Damaskus wurde das Eintreffen des neuen Oberkonunissars de Jouvcncl verschoben. Eine P3Iaslina-/\asslellnnq ii tVarschan Warschau, 6. Dezember. (J.T. A.) Am Sonnabend, den >. Dezember, abends, wurde in Warschau die Palästina- Ausstellung feierlich eröffnet. Anwesend waren der polni;ehe 1 Jaudeh;mi:1i:־>tcr O s i c c k I, der polnische Generalkonsul in Jerusalem, Hubicki, der Stadtpräsident von Warschau, Jabionski, Vertreter des Außenministeriums, der englisch cn Gesandtschaft, ferner die jüdischen Deputierten und Senatoren und die führenden jüdischen Personlichkeiten Warschaus. Nach der Eröffnungsrede des Präsideuten der Zionistischen Organisation in Polen, Leon L c v i t c , der die wirtschaftliche Bedeutung Palästinas würdigte, hielt 1 landelsminister Osiecki eine Ansprache, in der cr ausführte: ״Ich hin voller Bewunderung über die großen Leistungen dos jüdischen Volkes in Palästina und über die in so kurzer Zeit erreichten Resultate. Palästina bietet Polen eine neue Handels- Position, ich glaube, daß die gegenseitigen Handelsbeziehungen bei den Ländern großen Nutzen bringen werden.“ Stadt- Präsident J a b 1 o n s k i führte in seiner Ansprache aus, diese Ausstellung schaffe einen lebendigen Kontakt zwischen Polens Hauptstadt und Palästina, wo so viele Juden aus Polen ihre zweite Heimat gefunden haben. Die Ausstellung beweist, daß die Juden nicht mir eia Handclsvolk sind, sondern ein Volk der Arbeit. Es sprachen noch Herr Feldstein im Namen des Ehrektoriums des Keren Hajessod, Herr Seiden mann im Namen des Keren Kajemeth, Senator Schcrcschcwski im Namen des Verbandes jüdischer Kauflcute u. a. m. Den Einweihungsakt nahm Oberrabbiner Prof. Dr. Sc hör vor. Die Palästina-Ausstellung hat unter der Warschauer Judenschaft und auch unter der allgemeinen werktätigen Bevölkerung großes Interesse gefunden. In dein Hause BLTanska 9 sind in 26 Räumen die Produkte Palästinas, sowie Bilder un<i Diagramme zu sehen. Jerusalem. Unter den im Monat November eingewanderten 3103 Personen befanden sich 1050 Juden aus Polen. Warschau, 8. Dez. (J.T.A.) Professor Albert Einstein wandte sich vor kurzem mit einem Appell an das Joint Distribution Committee, den notleidenden jüdischen Studenten in Polen zu helfen. Dieser Tage sind vom Joint 5000 Dollar eingetroffen, die dem akademischen Hillsverein übergeben wurden. beging und alle Freunde und Bekannten zu einem Fcstschmaus cinlud. Unter den Eingcladencn befanden sich auch alle Pensionäre meines Kostgebers. Da HcYr Bernhard Lustig nicht genügend stimmbegabt war und'auch nicht genügend Kenntnisse der vorgcscluicbencn Segenssprüche und Gebete hatte, wurde die Zeremonie des Lichterzündens von einem gleichfalls eingcladencn Nachbarn, dem Herrn Moses Bickel, vorgenommen. Allerdings besaß die Familie keine Mcnorali. Ihre Stelle vertraten ausgehöhlte Kartoffeln, in die Ocl gegossen war und ein Docht aus Leinenfasern gesteckt wurde. Nach dem Anzünden der improvisierten Lämpchen begann der eigentliche Festakt. Man aß Pirogen (mit Kartoffeln und Kraut gefüllte Taschcrl), trank Tee und spielte ״Drchdel“ und ״Quittlech“ (LottericzcttcP. Bis 12 Uhr nachts blieb man beisammen, und die jüngeren Mitglieder der Gesellschaft bekamen sogar von Herrn Bernhard Chanukkahgeld. Auf diese Weise habe ich in meiner Jugend ein Chanukkahfest bei Sara Bernhard verbracht. Kleine \:chricLk11 Iin Verlag Nauck & Jüngling, Berlin, erschien soeben eine ,.Englische Geschichte, hauptsächlich in neucster Zeit“, von Prof. Dr. Ludwig Rieß (Preis 9.— M.). Das Buch, auf das wir noch zurückkommen werden, führt seine Darstellung bis zum Jahre 1921, so daß auch die jüngste englische Geschichte, die uns als Zionisten besonders interessiert, darin enthalten ist. Am 5. Dezember wurde in C11 ג r k o w das staatliche jiddische Theater in Anwesenheit der Staatsbehörden und Abordnungen jüdischer Kulturfunktionäre feierlich crötfnct. Man gab die Komödie ״Purim-Spieler“. In der nächsten Woche findet die Premiere des revolutionären Dramas ״Im Brennen“ statt. Demnächst erscheint ein Sonderheft der Zeitschrift ״Der Jude“ (Jüdischer Verlag) in verstärktem Umfang, das dem Problem ״Antisemitismus und jüdisches Volkstum“ gewidmet.ist.

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