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Jüdische Rundschau · 1925-12-11 · Heft 97-98 (11.12.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 97-98 (11.12.1925)
Date
1925-12-11
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 806 JUEDISCHE RUNDSCHAU auch anläßlich des Waffcnstillstandstagcs konnte man leider ein derartiges Schauspiel nicht unterlassen. Statt unsere Politik darauf anzulegcii, das Vertrauen der sich immer mehr organisierenden arabischen Welt zu gewinnen, provozieren wir ganz unnötigerweise die Gefühle der Araber, die uns mit denselben Augen anschcn müssen wie überall in der Welt Landesbewohner ein Volk bctrachten, das auf ihrem Boden militärische Paraden abhält. Aber an dieser Stelle, wo sonst hinreichend von diesen politischen Problemen die Rede ist, soll diesmal nicht von Politik gesprochen werden; was viel.schlimmer für uns ist, ist die Befürchtung, daß unser eigener Nationalismus imbemerkt und unkontrolliert hinübergleitet in die leere und prahlerische Tlieatralik, die wir bei anderen Völkern kennen lernten. Wft wollen den politischen Verstand der Veranstalter dieses Umzuges nicht so tief cinschiitzcn, um anzunehmen, daß sie damit wirklich die Bevölkerung Jerusalems ciuschüchtern wollen; wir glauben viel eher, daß das Bedürfnis nach Schaustellungen, nach Sclbstbcrauschung, das ausschlaggebende Motiv der Veranstaltung ist Dies ist aber gefährlich, weil es den Sinn des Volkes verdirbt, seine wahren Sorgen verschleiert, sein Verantwortungsgefühl von den wirklichen Problemen ablcnkt. Ueberall in der Welt werden derartige .Mittel verwandt, um das Volk zu verdummen. Wer von uns hat noch nicht schmerzlich gelacht über die beschränkte und aufgeblasene Spießbürgerlichkeit der Kriegervcrcine der ganzen Welt! Wer von uns hat noch nicht empfunden, wie alle Nationen ihre schlechten Instinkte bei solchen Anlässen entladen, wie sie ihre menschlichen Schwächen mit militärischen Feiern bemänteln 1 Und mm sollten wir nicht innchaltcu, wenn wir sehen, daß wir selbst auf eine ähnliche abschüssigc Bahn geraten, daß unser Nationalismus in seinem ursprünglichen heiligen Wesenskem verfälscht wird? Wir erheben Einspruch gegen diese Art einer Chanukkahfeier in Jerusalem, wir sehen darin ein Ab- Irren von der Idee der Makkabäer. Wir haben unseren Tempel noch nicht gereinigt und haben noch keinen Anlaß, Siegesfeste zu feiern. * Der jüdische Nationalismus ist eine Revolution der jüdischen Seele. Die einmal erlebte Erkenntnis der Zugehörigkeit zu unserm Volk und der damit verbundenen sittlichen Verpflichtung kann nicht mehr schwinden. Der Zionismus ist aber nicht nur eine Erkenntnis, sondern vor allem ein Wille; der Wille zum Aufbau einer besseren Wirklichkeit. So ist unsere zionistische Gesinnung auf das engste verknüpft mit dem Werke, das sich in unseren Tagen in dem Lande der Makkabäer vollzieht. Unser Ideal ist groß, aber wir dürfen uns nicht verhehlen, daß unsere Mittel klein sind, daß die Wirklichkeit hart ist, daß wir selbst nur;Menschen sind, mit aßen. Schwächen und Unzulänglichkeiten menschlicher Wesen. Was den Zionismus charakterisiert, sind nicht die empirischen Tatsachen, sondern das ideale Streben. Das Streben muß groß und stark und ungebrochen sein; die Tatsachen wechseln, und in dem ständigen aufreibenden Alltagskampf mit den unzähligen Schwierigkeiten gerät unser Werk bald besser, bald schlechter, es geht vorwärts, aber es kann zum Ziele nur gelangen, wenn wir seelisch genügend stark bleiben, um stets den Maßstab unerbittlicher Kritik anzulcgcn. ־ Ohne Uebcrtrelbung können wir behaupten, daß in Palästina im Prozeß der Eroberung des Landes durch Arbeit Großes geleistet wurde, daß sich im jüdischen Volk Kräfte entfaltet haben, die man vorher nicht kannte und ohne deren Eingriff die Resultate nicht hätten erreicht werden können. Das besagt aber nicht, daß nun schon alles gut ist und daß jeder Beschauer der palästinensischen Wirklichkeit von der Richtigkeit des Zionismus überzeugt werden muß. Die Richtigkeit oder Unrichtigkeit unserer Sache läßt sich nicht danach beurteilen, ob in diesem oder jenem Moment in Palästina unsere Versuche gelingcn. Unsere Propaganda kann nicht darauf aufgebaut sein, der Welt gegenüber unseren eigenen Ruhm zu künden und Palästina als Land der reinsten Tugend und der größten Leistung hinzustcllen. Auch in Palästina ist vieles verbesserungsbedürftig, vieles Schlechte, das wir gern fcrngchaltcn hätten, hat sich ciugcschlichen, weil keine menschliche Gemeinschaft ohne das Böse besteht. Wir wissen und jeder denkende Mensch muß wissen, daß cs nicht anders sei» kann, und wenn ein Gegner etwa dies als Argument im politischen Kampf gegen uns benützt, so beweist er, daß er nicht ehrlich überlegt, sondern nur Mittel zur Herabsetzung einer großen Sache überall nimmt, wo er Sie findet. Aber wir selbst dürfen uns davon nicht verleiten lassen, nun unsererseits Schlechtes zu beschönigen oder abzulcugnen. Wer würde sich vermessen, solch ei» Werk zu tun, ohne daß sich Schlechtes einschleicht? Der Versuchcr ist doch zu stark, warum sollte er uns gerade nichts anhaben können? Das Schlechte ist uns ungefährlich, solange wir es nicht bejahen. Darum bedeutet Zionismus, wacher Nationalismus, dauernde Selbstkontrollc. Wir sind Diener eines großen Werkes, aber wir müssen immer auf der Hut sein, daß nicht die Maschinc unseres Werkes uns besiegt. Viele Zionisten sind äußerst empfindlich gegen eine Kritik der Verhältnisse in Palästina und betrachten eine Schilderung vou Ucbelständcn und Gefahren als einen Angriff gegen den Zionismus, indes cs in Wahrheit der größte Dienst ist, der uns geleistet werden kann. In dieser Hinsicht ist z, B. sehr interessant, welche Aufregung der letzte Aufsatz von Holitschcr in der ״Neue» Rundschau“ bei manchen Zionisten hervorgerufen hat. Sie betrachten ihn als eine Schädigung des Zionismus. Nun ist der Aufsatz von .Holitschcr, wie in diesem Blatic bereits angeführt wurde, allerdings in vielen Punkten anfechtbar, enthält viele einseitig und viele oberflächlich gesehene Eindrücke, er ist in manchen Punkten ungerecht und gellt an großen Problan-Komplcxcn, die gerade im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen, achtlos vorüber. Aber er enthält auch viele Wahrheiten, Wahrheiten, die unangenehm sind, die aber auch in der ״Jüdischen Rundschau“ wiederholt in dieser oder jener Form gestanden haben. Sic zu hören und ihnen standzuhaltcn, nicht sie zu leugnen, ist Zionismus. Nur wenn wir uns stets die Tatsachen Vorhalten, wie sic wirklich sind, werden wir auch in aller Schärfe unsere Aufgabe erkennen. Als Zionisten, als echte Nationalisten, müssen wir Sciuncichcicicn, die uns ciuschliifcru und in Sicherheit wiegen, verwerfen, und dne Kritik, die aus Liebe zu unserer Idee eines neue» Lebens die Diskrepanz zwischen Idee und heutiger Realität aufzeigt, begrüßen. In diesem Sinne sind auch Holitschers Bemerkungen, die einen Eindruck von der ungeheuren Energie und Schöpfungskonzentration im jüdischen Palästina geben, positiv za werten. Die Heuchelei von Gegnern, die selbst alles eher als Kommunisten sind, aber die Sorge eines Kommunisteu um die dem Arbeiterwerk drohenden Gefahren als Argument im Kampfe gegen uns verwerten, sollte uns wahrhaftig nicht schrecken. Vieles von dem, was ihnen nun Anlaß zur Anklage gibt, hätte gemildert werden können, wenn das jüdische Volk rechtzeitig auf der Wacht gestanden und nicht leichtfertig die Pioniere im Stich gelassen hätte. Unsere Sache als Zionisten ist, alles zu tun, uni die Schwere der Lage zu mildern. Wir haben noch lange nicht alles getan. Aber auch im günstigsten Falle muß es immer Krisen und Erschüttcrungen geben. Wenn die Zeichen uicht trügen, so stehen wir eben heute vor einer Krise in Palästina, die früher oder später der naturgemäße Rückschlag auf die allzu stürmisch vorwärtsgetriebene Entwicklung des ictzten Jahres sein muß. Wenn wir uns von solchen Erscheinungen oder von der Kritik, die sich an sic Nr 67/98 knüpfet! dürfte, entmutigen lassen, dann haben wir Wesen des Zionismus noch nicht begriffen. Gewiß cs schwere Zeiten, gewiß werden auch Menschen dab.•■■*,.- leiden und mancher schöne Traum wird zerrinnen, a^.f jef nur Kinder und Narren können sich die Vollendung cipf I säkularen Werkes von so außergewöhnlichen Di^.r sionen anders vorgcstcllt haben. Der Zionismus nicht davon abhängig, ob heute dies oder morgen jc׳;;c in Palästina gelingt Er ist der Kampf um die Wahr’r.ci iin Judentum, der Kampf um die Idee, die eitut <£,' Makkabäern vorangclcuchtet hat. Wenn unsere M;1U; bäer-Fcstc dazu führen, uns in Spiel und Tanz cir zulullcii und eine unverdiente Wcihcstimmuug scheren, dann sind sic ein nationales Ucbcl. Wtr;. sic aber so wie einstmals unsere Seele zu revolutioniert, vermögen, daß wir uns selbst den Spiegel der Wahrlie׳;• Vorhalten und unserer nationalen Pflichten eingcdcnl werden, dann werden sie wahrhafte Etappen auf den, Wege unserer nationalen Befreiung sein. Man;:!ritte י inic an׳ , mess< iic crS* /;orents .1 sieb :0T.cn t ״iMscx) Nach der Konferenz von Baltimore '.r Lillfc;:[er £ ״*■fiter rocken ׳ .;nonsat New York, 5. Dezember. (J. T. A.) Obwohl d; | Zionistenkonferenz in Baltimore, auf der die 5-Millioncr,§ Dollar-Kampagne beschlossen worden ist, das Bild eine■ freundschaftlichen Verständigung zwischen den amerj. konischen Zionisten und der von Marshall geführte- Gruppe gegeben hat, ist die Zu s am ni c n a rbc i t zwi. sehen den beiden Lagern in Zukunft noe'r un ge wi ß, da cs a!1 einer ganz bestimmten Abmacln;:, fehlt. Die jüdische Presse begrüßt den Ton der Vc; ständigung, der auf der Baltimore-Konferenz herrsch;:׳ und fordert, daß endlich ein endgültiges Abi kommen zustande gebracht werde. In zionistisch•; Kreisen gibt man der Ansicht Ausdruck, daß der Wt! der friedlichen Verständigung vorläufig!»ich! Überschätzt werden möge, da noch mauchulr, Hindernisse einer Zusammenarbeit zu beseitigen sind Die Zionisten wünschen greifbare Verpflichtungen finar, zicllcr Art als Voraussetzung einer Zusammenarbeit tr.;; der Marshali-Gruppc in der Palästinakanrpagne. IM: der breiteren Masse der Zionisten herrscht eine Ah ncigung gegen de» Plan der Krim-Kolonisation. Dir>:! Abneigung wurde durch Sokolows Rede in Baltimo:; noch verstärkt. Auch die Kontroverse zwischen Dr Stephen S. Wisc und Louis Mars hall hat nic'r, dazu beigetragen, die Lage zu befestigen. Seit der Konferenz sind aber weitere Verhandlung(:: im Gange, die darauf hinziclcn, die Zusammciurbei: zwischen Zionisten und Nichtzionisten in beiden Drives und in der Emgc der Erweiterung der JewK Agency effektiv wcrdcu zu lassen, und zwar auf d־:־ Basis, daß die amerikanischen nichtzionistischcn Gruppe: neben der moralischen Unterstützung des Palästinawerke auch eine bestimmte finanzielle Vera nt wortung auf sich nehmen. c alba:■ immt:׳A gen, k Ein!;3 D*n< -eckt d י :;griff s Stieb!: n|״!-.ickl ijen Bau Aufstieg ׳ 'joift'S Aber di! Maße d< ,;rgröflt 1 f!r£‘יי; pmnt; va binde :röricru;er lnd Rolle, j .:adt, si!er and ntwick Ar dasj Zentral^ :i3d.1r*t :laifa il Ziincntl uif den | »־״!d Minen;,;: :r u d c,! :heint; plustiu '■:iardio eilt',' ־ iiR d<* .Mehr, I ehmnü Die Wahlen in die Assdatb Haniwcharlm Di« Am 6. Dezember fanden in ganz Palästina die Wahle: für die Assefath Haniweharim statt Am Wahl tage machte sich eine lebhafte Agitation bemerkbar Zwölf Parteien bewarben sich um Mandate und d;• Land erlebte eine noch nie dagcwcscnc Flut von Wa!!' nufrufen. Alle jüdischen Institutionen wäre wegen der Wahlen geschlossen. Das Resultat wird da die Auszahlung infolge der vielen sich bewerbender. Parteien mühselig ist, erst in einigen Tagen bekannt sei: ln mehreren Orten verlief der Wahlgang stürmisch; kam es in der Nähe der Wahllokale zu Zusammenstößen. L>, Agudas Jisrocl betrieb eine energische Propaganda gegen d;. Teilnahme an den Wahlen, weil trotz des ״Issur“ (rcbgc.se:■ Verbots) des Rahbinerrates der Agudah die Frauen das VM■! recht erhielten. In vielen Synagogen wurden die Wähler den־!־; Plakate aufgefordert, sich der Stimmabgabe zu enthalte:! ז erה:ה: en“ i;■־ , 'chucia rak.■*׳’: el,i־»r<׳b > 1 M n n D*<״■ j:cc1h, ','achtet dg היסב■־ :■cdcntc it Oj<,״ -ic he Luunc ‘resse crichtj׳, Chanukkah bei Sara Bernhard Von Moses Waldmann. Als ich unser heimatliches Dorf und das Elternhaus verlassen mußte, um in der Stadt das Gymnasium zu besuchen, wurde ich zu einem Gcrichtssehrcibcr in Kost und Quartier gegeben. Mein Kostgeber war der Schwiegersohn des gewesenen Flickschneiders und damaligen Trödlers und Purim- Maskenverleihe« Bernhard Lustig, dessen Gattin Sara hieß ’und die in demselben Hause wohnten wie ihr Schwiegersohn, mein Nährvater. Die Schwiegereltern meines Quartiergebe« wurden im ganzen Hause und von den Nachbrrn kurzvvegs ״Sara Bernhard“ genannt, indem inan den Namen £cr Gattin voransetzte, weil sic im Hause das Regiment führte u^d sozusagen die Hosen anhattc. Bei diesen ehrbaren Uuten verbrachte ich gemeinsam mit der Familie meines Gastgebers in meinem zwölften Jahre das Chanukkahfest und ^arum ist der Titel meiner Geschichte in keiner Weise eine F alscbmcldung. Erwähnter Bernhard Lustig war in der ganzen Stadt bekannt und genoß in weiten Kreisen großes Ansehen. Das darin zum Ausdruck, daß er, obwohl er seit vielen Jahren ן äcknadel und Schere beiseite gelegt hatte, noch immer Gabbe lc der Schneidcrschul war und überdies vom Gerichte als j^ideter Sachverständiger für Trödlcrwaren“ bestellt wurde. t׳ieser Bestallung gingen lange Verhandlungen und emsiges Studium voraus. Manche werden wohl den Kopf verwundert darüber schütteln, daß man zur Erlangung einer Bestellung als •.gerichtlich beeideter Sachverständiger für Trödlcrwaren“ ein Radium absolvieren müsse. Und doch war es so. Herr Bernhard Lustig konnte nämlich nur Zahlen mangelhaft jiddisch ünd nicht deutsch schreiben. Vor Gericht war er jedoch ver- Richtet, ein abgegebenes Gutachten höchst eigenhändig zu stigen, und so entschloß er sich, Im Alter von sechzig Jahren nicht etwa Schreiben im allgemeinen zu lernen, sonden! bloß sich die Kenntnis seiner Unterschrift auzudgncxu ™ wurde mit der Aufgabe betrau^ Herrn Bernhard Lustig diese Kenntnis des Untcrschrcibcns bci/.ubriugcn. Zu bcmerken ist, daß Herr Lustig in seiner Jugend eine Haarkrankheit hatte, weswegen auf seinem Schädel große Glalzstellen von einzelnen wolligen, weißen Büscheln .!!)gelöst waren. Ucbcrdics war Herr Bernhard Lustig ein leidenschaftlichcr Tabakschnupfer und außerdem äußerst schwachsichtig. Sommer und Winter trug er eine schwarze Schirmmützc, bekanntlich eine furchtbare jüdische Waffe bei der Abwehr bellender Hunde und anderer feindlicher Angriffe. Auf seiner Nase thronte eine eiserne Brille, deren Halter mit schwarzem Zwirn umwickelt waren, so daß hinter den Ohren Zwirnfransen hcmicdcrhingcn. Herr Bernhard Lustig pflegte tagsüber in Ausübung 6ciucs Berufes Im Freien zu sein, die Höfe abzusuchen und zu rufen ״Alte Kleider zu kaufen“. Ueber dem Rücken trug er einen Sack zur Aufnahme der etwa erhandelten Kleidungsstücke und seine Hände steckten in Fäustlingen ohne Finger, weswegen die Finger um die kritische Zeit, als ich das Lehramt bei Herrn Lustig übernahm, rot geschwollen und äußerst ungelenk waren. Einen Monat lang mühte ich mich vergeblich, Herrn Bernhard Lustig eine schöne Namensuntcrschrlft anzugewöhnen. Leider brachte 1:11 cs nicht über das B, c, und r. Herr Lustig war über den geringen Fortschritt schwer betrübt, da er schon mehrfach dngdaden war, vor Gericht zu erscheinen, um seine endgültige Bestallung cutgcgcilzunehmcn, und wie die Welt undankbar Ist, kreidete er diesen Mißerfolg nicht etwa sich, sondern mir an. Eines schönen Tages wurde Ich kurzwegs verständigt, daß Herr Bernhard Lustig in die Lehre zum Kalligraphen Margosches gegangen sc!, der die Verpflichtung übernommen hatte, Herrn Lustig gegen Entlohnung von fünf Krona! innerhalb von acht Tagen seine Unterschrift beizubringen. Und wirklich, das Unglaubliche wurde Ereignis. Nach acht Tagen rief mich Herr Bernhard Lustig über den Hof zu sich, hielt mir ein Blatt Papier unter die Nase und sagte: ״Sichst du, das alles hab’ ich geschrieben. Lies!“ Und Ich las: ״Bernhard Lustig“, mit einem kühne« Schnörkel am Schlüsse, Ich traute meinen Augen nicht und wollte gar nicht an das Wunder glauben. ״Wenn Sic das gcschricbc: haben,“ sagte ich, ״dann schreiben Sic cs noch einmal i: meiner Gegenwart, aber ohne Vorlage.“ Herr Bernhard Luft; war dazu bereit. Wir gingen in die Stube, er holte vc: Schranke ein verstaubtes Fläschchen, in dem sielt eine brau;.: Flüssigkeit, gemengt mit FUegen, befand, rückte bCinc Drill׳ zurecht, steckte eine Gänsekidfeder Ins Fläschchen und 6 Zunge heraussteckend, begann er feierlich zu schreiben. I dauerte nicht einmal zehn Minuten, und er war fertig. Triu־,״ phicrcnd hielt er mir das Blatt vor, und richtig, er hat:: anstatt ״Bernhard“, ״Benhard“ Lustig gesebrieD-n, dv ״r“ hatte er vergessen. Geringschätzig schüttelte ich de:• Kopf. So gut wie der kalligraphische Lehrer Margoschf* hätte idi cs auch getroffen. Dieser Zwischenfall verursachte indes keinen Riß in dfr Freundschaft zwischen Herrn Lustig und mir. Das 1וזז!£ besonders hervorgehoben werden, denn trotz meiner Ju;gerd pflegte ich oft in den häuslichen Streitigkeiten zwischen Sara und Bernhard mit Erfolg zu vermitteln. Ein solcher Streit war eine Hörens- und Sehenswürdigkeit. Frau Sara war wohlbeleibt und von sehr kleinem Wuchs. Bei jeder passende; und unpassenden Gelegenheit stemmte sic die Arme in d:c Seiten und warf ihrem Gatten vor, daß ״andere Leute“;ד seinem Alter nach einem arbeitsreichen Leben ein eigene: Geschäft, zumindest aber einen eigenen Stand auf dem Woch«!• markt besäßen, während er nicht einmal ein richtiger Schneid^ hätte werden können, was schon daraus hervorgehr, daß c■׳ immer nur Flickarbeiten gemacht habe, die so wenig lohnend gewesen wären, daß er dann Altklcldcrhändler wurde. Aber auch als Altklcidcrhändlcr pflegen andere, wie z. B. der Nachbar Reb Schmicl oder Chajim in der Fischgass׳ nach kurzer Zeh cs zu etwas zu bringen. Er aber sei noch immer ein arm־ seliger ״Handld“, und wenn er zu Purim Masken '׳er• leihen L*Öm1cx so sei das ihr Verdienst; denn sie habe d*4 unbrauchbaren, nicht wieder verkäuflichen, von ihm IciM fertig cingehandclten Kleider, Uniformen und Livreen Laufe der Jahre gesammelt und so einen Stock von Kostümen ־סה־ף, erdicn.;adere : M di! ״•cruntc Kopf •u r.uu ob er Mme i:h uש Li«

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