Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXX (1925)
- Issue
- Heft 94 (1.12.1925)
- Date
- 1925-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 7S7 Die [)mstiirztage io Posen Buch von Dr. M. K o 11 e n s c h c r. v׳c..ir j pjC bewegten Tage der Revolution, des Zusammenbruchs .,Mittelmächte im Jahre 1018, waren auch reich an jüdischen r V;;! ^cluiisscn, die auf Lage und Schicksal der Juden mehr ’ 0 •1יי 'vrr*cי• ״^ v‘c'° Jahre ruhigen Dahinlebens. Heute! 1;וכווון fich hercits di»• Wirklingen jener Zeit wieder /u <!'״'!irisch‘•'», die Erinnerung verblaßt, man beginnt wieder 502:■ : oin/uglicdcro in die Umwelt und in das normale Leben. 1•:!• •*’-nntnisse, die in jenen erregten Tagen blitzartig auf- 1;c׳' ' ,^scn. beginnen wieder von der Trägheit des Alltags iUr'■ räuchert zu werden. Darum ist es außerordentlich zu ‘.1,1j.’11 •riißcn, daß einer der an ffihrcndcr jüdischer Stelle auf ^‘;!',,.^nicrtesteui Posten tätigen Männer seine Erinnerungen '(jener Zeit der OeftYntliclikcit in Buchform vorlcgt. Dr. :j ilii.!’•.* K o 11 e n s c 11 c r hat unter den! Titel ״Jüdisches der deutsch-polnischen Ucbcrgangszcit, L!a!׳iGacn 101S--1020“ im Verlag der Ewer-Buchhandlung, Ber-!.liehen eine Darstellung dieser Zeit gegeben, der im!..־;mg sämtliche für die Beurteilung dieses Ocschichts- '] ..:hnittes wichtigen Dokumente angefugt sind. Während 1 Revolution in Deutschland im allgemeinen emen sozialen t politischen Charakter hatte, war sic in dem Grcn/land -.cn mehr nationaler Art. ln Posen verhielt es sich ähnlich f:^cr‘i . in den meisten Ländern der österreichischen Monarchie. a‘‘f־"*; bis /um Umsturz unterdrückte Mehrheitsnation des Landes ־!•;nuhni einfach die Herrschaft, oiine daß cs zu schweren 3ur-i;!pfi'11 und größerem Blutvergießen gekommen wäre. Für \: Juden jedoch bestand dabei eine besonders schwierige f, נ!:;ntion. In einem früheren Zeitabschnitt hatten die Juden f;;> die Politik verfolgt, sich dem herrschenden Volke anzui‘!jeßen: sic ־waren dazu genötigt durch ihre Schwäche, die stets bei den Mächtigsten Schutz suchen ließ. Dies führte; | vifellos oft zu Entartungen, indem die Juden irt ihrem :,1 ל :;:nschc. cs ihren Schutzhcrrcu Recht zu tun, in der Ver• ׳" | Mag der nationalen Interessen des herrschenden Volkes ui'it gingen. Es ist bekannt, um nur ein Beispiel zu “X j :!nen, wie chauvinistisch ungarische Juden gerade in den |;.iiischt-nationalcu Randgebieten den magyarischen Standtr;j ’;:,kt vertraten. Achnlich verhielten sich die deutschen Juden יי j Böhmen. Es ist nun klar, daß für diese Juden in dem 1{j.?.genblick, wo die Herrschaft auf ein anderes Volk übergeht, iV1י .1׳ ■ tage äußerst schwierig wird. Allerdings geht die assi- ,ןד; jtorisehc Prinzipienlosigkeit manchmal soweit, daß inan ׳;• : ."נledenklich sich sofort zu der neuen herleitenden Natio- .\r. ' .:!tat bekennt. Es gibt in der Slowakai /. B. Juden, die früher U״■״ .;;״'■arisch-, jetzt slowakisch-national sind. Jedem denkenden :c;1 Väschen, der ein Gefühl tue Würde hat, muß die Erbarm- .j. hkejt einer solchen Politik klar werden. Darum verstehen :;;c];; solchen Zeiten des Ueberganges auch Juden, die cs vorher •du begreifen wollten, daß nur das Bekenntnis zur jü-;י־ .!sehen Nationalität den Juden Würde und Halt gibt. Vj: Zionisten haben diesen Standpunkt immer vertreten und :׳: זנ;י habet; auch der Umwelt und dem Staate gegenüber :ren? ־cts betont, daß eine solche Beziehung auch im Interesse ■ :« Staates weit vorzuzichen ist einer schrankenlosen Auf- ■irci •::erung der jüdischen Eigenart, die dann in kritischer Zeit •cid :!וד.־ haltlosen Hin- und Herschwanken führt. m j ■ Es war daher ,eine natürliche Sache, da13 in Posen in den י ־ז־.:i:ischc»1 Tagen unter zionistischer Führung ein Jüdischer 50 Ration a Ir at gebildet wurde, der die Interessen\der jü- | ■eiten Bürger vertrat. In dem .Moment des staatlichen Aus- •״ [ *''׳.tiulcrfalls, wo an Stelle des Staates national organisierte;.'׳׳Iker traten, wurde t־s klar, daß die Juden sich selbst schützen ״ { ■•::'S0n. Kollcnschcr erzählt die Entstehungsgeschichte inc >; c>cs Nationales, die Bildung der jüdischen Bürgerwehr, “ i ' Verhandlungen mit den Behörden, soweit cs solche gab, ־ ::d mit den Nationalrätcn der anderen Völker, er berichtet;;jch über die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des jü- 1!•sehen Lagers, und gibt sodann eine Darstellung der jü- :;;1 •':‘־hcn Polilik nach Ucbcrnahinc der Herrschaft durch die i.:t Polen. Kollenschers Darstellung ist überaus fesselnd ge- ׳;!< ״״.ruhen und liefert das Material zu einem der interessantesten 1 ritel der Geschichte des jüdischen Mindcrhcitcnrcchtcs. ר!hei selten wir, wie die jüdischen Politiker sielt stets l מ״ Grunds.it/n1 der Objektivität und nüchterner Abwägung j ■r Sachlage leiten lassen. In ihrem Kampf tun das Minderheits- "•;׳'du waren die Juden führend und beispielgebend auch j ז׳ dir: Deutschen, mit denen sic unter der polnischen Herr- ״Juden und Judentum vou Reute‘4;;Ein Handbuch von $30 Seiten, Amalthea-Vcrlag, Wien.: נ! Die heute in Wissenschaft und Leben sich äußernde Ten- '• j ■ n/. ״ach allgemeinen Uebcrblicken über die Qcsamtlieit des ■»! •,י Riesenhafte anwachsenden Wissensstoffes, hat tür das :1 ׳׳ ־riivt des Judentums ein Werk zur Veröffentlichung gebracht,!:: \ ,י■״ dem auch in jüdischen Kreisen empfundenen Bedürfnis ׳;.! 'i:‘1 enzyklopädischer Uebersicht über die Fülle der söge- ..! Mauten ״Judenfrage‘‘ im besten .Maße entgegenkommt. C | Unter dem Titel ״Juden und Judentum von j Ment c“ hat Regierung-rat I. Keppel im Amalthca* * j gering (Wien) ein Werk herausgegeben, das in der Tat ein f : ‘•״(ihuclt in gutem Sinne genannt werden kann. Es wird ־“; Mm! <|t־r erste’ größere Versuch unternommen, die Probleme ״ i '1' Judentums der Gegenwart in allen seinen Lebettsäußei ״iiten in einer auf objektivem Material beruhenden, über- : "'l'tlicltcn Weise ilar/iistcllen. j Nur wer die Schwierigkeit des jüdischen Problems au sielt י; | י: seiner wirren Vcrschlungcnhcit mit unzählig. vielen Fak- ' j Jen, in seiner bunten Vielseitigkeit kennt, Wird ermessen . .{'Muten, wie schwierig dies Unternehmen sein muß, das , i Aufgabe lösen will: ein alle Lcbcnsgebictc umfassendes! :״l de.־, zeitgenössischen Judentums zu geben. Mit Objek* | 1'*tir und Verständnis hat der Verfasser sich in den! ,,Urwald! 1;01^ Fragen, Strömungen und Erscheinungen politischer, kttl-;; ׳Miller und sozialer Natur“ einen Weg gebahnt, den zu bc- 11'" ׳'eiten für jeden Leser eine große Bereicherung bedeuten 1*; ׳rd und der mitunter in neue bisher unbekannte Gefilde 1 : fischen Lebens einen informierenden Einbjiek vermittelt. , l)h der Verfasser die Bevölkerungsbewegung, .Gesundheits-; /'1‘hältnissc, Taufen, Numerus clausus, Antisemitismus, \virt-;■bftlicii-charitative Organisationen, Emigration, Palästina, :;11׳ndat, Nafionalfonds, Reform, Ortliodoxie, Partcibildung,; It:rnei11de, Erzieliungswcsen, Presse, hebräische Literatur, jüdi- 'c'1׳׳ Kunst, Sekten — tun nur einige Kapitelüberschriften nennen — bchanddi, stets verfolgt er das Ziel, ohne Apolo- | j'JÜk als saclilich-atifklärender Führer, für Freund und Feind, vr Politiker, Schriftsteller, Juden und Nichtjuden in das . n:1nomon des jüdischen Lebens einzuführen. . . < Gerade heute in einer Zeit, in der die sogenannte ״Judenra£c“ wieder ins Rollen gekommen ist, wo alles, was luden Schaft zusammenarbeiteten. Der jüdische Nationalst konnte allerdings nur eine bescheidene Tätigkeit entfalten, da er nach kurzer Zeit infolge der Abwanderung von Juden in eine schwere Lage geriet. Die Auswanderungen nahmen allmählich einen solchen Umfang an, daß die jüdische Minderheit /tisammcnr.chmolz und die begonnene Politik liquidiert werden mußte. Dr. Kollcuschcr erhebt einen gewissen Vorwurf gegen die Juden, die ohne Rücksicht atif das gcsntntjüdische Interesse des Landes abwanderten und eine, seit Jahrlmnderten gehaltene jüdische Position aufgaben. Dr. Kollenschers Buch wird für alle Po$cncr Juden, die jene Zeiten mitcrlcbt haben, eine wertvolle Gabe sein, gleichz.citig aber für die jüdische Ocffcntlichkeit ein Buch der Aufklärung und der lehrreichen Erfahrungen. Nicht unerwähnt bleibe die gute technische Ausführung durch den Ewer-Verlag. D2s 'inbiedt Skrzyns£ci und die Jaden Warschau, 21. November. (J.T.A.) Nach der Programnierklärting der neuen Regierung durch den Premier Skrzynski verlas der Präsident des Jüdischen Parlaments* klubs Dr. Leon Reich folgende Deklaration: ״Wir sind uns klar über die schwere Lage des Staates, die eine Ursache war zur Bildung der Koalitionsregierung. So katastrophal die allgemeine Wirtschaftslage in Polen ist, die Lage der j ü d i s c h c 11 B c v ö I k c r 1111 g in diese ni Land ist noch katastrophaler. Die ständig wachsende Zahl der Selbstmorde unter der jüdischen Kaufmannschait ist eine deutliche. Illustration hierzu. Die jüdisehen Handwerkerstätten sind verödet, die Schornsteine der jüdischen Fabriken rauchen nicht, große Massen der jüdischen Arbeiterschaft und der Intelligenz sind arbeitslos und in unsagbarer Not. Der Mangel an Kredit macht jede Wirtschaftliehe Tätigkeit unmöglich; die ungeheuren Steuerlasten untergraben den Rest der jüdischen Existenz. Dazu kommen die U n g c r c c h t i g k e i t c!1 gegen da;, jüdische Element auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet. Der jüdischen Jugend ist der Zu ga u g zu <1 cu Hochschulen zu einem großen Teil verwehrt. Eine Zeitlang schien es, daß die frühere Regierung Grabski für das tragische Los der drei Millionen Juden in Polen einiges Verständnis aufbringt. Zum Bedauern bat diese Regierung die gegenüber d c m J ii d i .< c 11 c n K I u b übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllt; die Praxis des Numerus clau.sus wurde sogar verstärkt; die Hoffnungen der jüdischen Bevölkerung wurden schmählich getäuscht, so daß sich ihrer Resignation und Hoffmmg׳l־osigkeit bemächtigt haben. Die neue politische Konstellation gibt uns Hoffnung, daß die jüdischen Fragen endlich loyal erörtert werden und daß die Ungerechtigkeiten gegen die jüdische Bevölkerung, so insbesondere der Numerus clausus, die Zwangssonntagsruhe, die übrigen konstitutionellen Beschränkungen der Juden, aufhören werden. Leider war die Stelle betreffend die Judenfrage im Expose des Premiers nicht klar genug, daß wir die Gedanken der Regierung nach dieser Richtung bcurteilen köimcn. Wir haben deshalb nicht die Möglichkeit, uns schon jetzt darüber zu entscheiden, ob wir die Regierung unterstützen sollen. In Anbetracht der politischen Position des Premiers als bisheriger Außenminister erwarten wir, daß in kurzem seine Taten beweisen werden, daß er die Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetze wahren wird. Wir warten auf seine Taten mit Vertrauen, aber auch mit Unruhe; diese Taten werden uns belehren, daß wir von unserer jetzigen Stellung freundlichen Ausharrens zu einer positiven Stellung übergehen werden. Warschau, 21. November. (J.T.A.) Das Expose des Ministerpräsidenten Skrzynski wurde vom Sejm mit großer Mehrheit gebilligt. Gegen das Expose stimmten die radikalen!lauern, die Ukrainer und Weißrussen. I>ie Deutschen und die Juden enthielten sich der Stimmabgabe. In der vorausgegangenen Sitzung des Jüdischen Parlamentsklubs spracli sich Dcp. Par bst ein gegen das Kabinett Skr/vnski aus und bemerkte, die paar Worte, die der Premier den Juden in seinem Expose gewidmet hat. seien absolut keine Garantie dafür, daß die Regierung wirklich die jüdischen 1 orderungrn erfüllen wolle. In dem gleichen Sinne sprachen die 1 litachduih-Dcputjerten S i 1 b e r st 0 i 11 und Heller sowie Kirsch braun (Agttdah). Fs wurde dann beschlossen,‘eine ab warte 1tdc Stellung cinzunehmcn und sich vorläufig der Abstimmung zu enthalten. Warschau, 25. November. (J.T.A.) Ministerpräsident Skrzynski hielt heute vor dem Sejm seine Programmrede,' in der er sich zu einer Politik des Friedens nach außen und der wirtschaftlichen Konsolidierung nach innen bekannte. Auch bezüglich der nationalen Minderheiten im Lande wolle die Regierung eine weitherzige liberale Politik treiben und iiishrsoiidere den vum früheren Kabinett Grab:.kl beschrittenen Weg der Verständigung mit der jüdischen Minderheit fortsetzen. Tags vorher empfing Skrzynski den Dcp. Dr. Leon Reich und informierte ihn über die Richtlinien seines für den Sejm vorbereitete» Exposes. In dem Expose, sagte der Minister, werde er auf die vollzogene jüdisch-polnische Verständigung Hinweisen, zu welcher er, Skrzynski, die Initiative gegeben hat.. Darüber hinaus wende sich die nette Regierttng bemühen, die gerechten jüdischen Postulat« zu erfüllen. Dr. Reich erklärte, der jüdische Klub werde nach der Regierungserklärung sich über seine Stellung zur Regierung schlüssig werden. Dir lksctilüssc des zieniMiseheu übtrralts ia Poirn Warschau, 24. November. (J.T.A.) Am 24. November wurden die Beratungen des Zionistischen Oberrates in Polen, über welche wir in der vorigen Nummer berichtet haben, hingesetzt. Dr. Reich erwiderte aut die Angriffe Grünbaums und begründete die Notwendigkeit, die Politik in der bish c r i g c u Rieht u tt g weiter /11 führ c n. Dr. S c h nt o - r a k erklärte, die J tt d c n!1 0 i t O s t g a 1 i z i c n s billige das Abkommen. Es wurde beschlossen, eine Kommis-ron cin/iiset/cn, in der beide Richtungen vertreten sein sollen, und die die Richtlinien zwecks Erhaltung der Geschlossenheit des jüdischen Klubs auszuarbeiten haben wird. In das Komitee wurden gewählt Dep. Grün bäum, Dcp. Hartglas, Leon Le vite, Dr. Göttlich, Dr. Schreiber, Ing. Landau, Dr. Hin des und Dcp. Dr. Wygodski. Die Kommission nahm sofort ihre Arbeit aut. Die Kommission konnte jedoch ebenfalls nicht zu c i n 11 e i t 1 i c h c 11 Beschlüssen gelangen. Die vn־• schiedenUicheu Resolutionen werden zur Ahdimmnug vor das Plenum kommen. Die Kommission bestimmte aber, daß innerhalb zwei Monate eine Konferenz zionistischer Vertrclcr ganz Polens statt/ufimlcn habe, die über die /ionistische Landespolitik endgültig entscheiden soll. Die Kommission beschloß ferne׳•, daß Dep. J. G r ii ת b a u m wieder in den Klub c i n 7 111 r c t c n und seine Tätigkeit als ßejmabgeordnetcr fortzusetzen 11 a b c. D: p. Öninbäum erklärte, er werde sich sö lange diesem Beschlüsse ni c 111 unterwerfen, als das gegenwärtige Klubpräs i d i u in an der Spitze bleibt. Die Gruppe Griinbaum erklärte ferner, wenn nicht binnen zwei Monaten die Vertrctcrkonfcrcnz Zusammentritt, werden ihre Abgeordneten aus dem Klub nustreten, und sollte die kommende Konferenz sich gegen ihre Politik entscheiden, so werden sic ihre Sejm* man dato überhaupt nieder Je gen. Der Oberrat beschäftigte sich mit der Wirtschaftslage der jüdischen Bevölkerung Polens und beschloß, dieser Angclcgcnhcit eine Sondertagnng zu widmen. An Stelle der aus dem Oberratspräsidium ausgetretenen Mitglieder Dr. K l u m c t und Senator Körner wurden Dr. Schreiber und Dr. Roscnblatt - Lodz gewählt. Der Tod der englischen Küaigia-McRer Kondolenz Weizntanns. London, 26. Nov. (J.T.A.) Dr. Cliaim Weizmann sandte an den König von England das folgende Kondolenzschreiben: ״Im Namen des jüdischen N a t i o 11 a lh e i in s in Palästina tmd der Zionisten der ganzen Welt bittet die Zionistische Organisation Ihre Majestät, die tiefsten Sympathien und das wärmste Mitgefühl für Ihren schmerzliehen Verlust entgegenzunehmen.“ Dr. Wcizmnnn erhielt folgendes Antwortschreiben vom Obersthofmeister Lord Stamfordham: ״Seine Majestät hat mich beauftragt, Ihnen und allen jenen, die sich der in Ihrem freundlichen Schreiben ausgedrückten Sympathie mit dein König und der Königin und dem Mitgefühl in ihrem Leide angcschlosscu haben. Dank 7u sagen.“ Jerusalem 27. November. (J.T.A.) Obeirahbiner Kuk sandte an den König;׳,o n England ein Schreiben, in welchem er ihm im Namen der Juden Paki-tinas die Trauer über das Ableben der Königin-Mutter Alexandra ausdrückte. Der König ersuchte telegraphisch, den Juden Pa• iästinas seinen Dank a 11 s z u s p r c c he 11. und Juden־.;: . betrifft, sich in einer Gärung befindet, wo Ansätzc zu neuen Lebensformen ebenso sichtbar sind wie Keime des Untergangs, kurz in einer Z.eit, die nur einen Eindruck von .Bestimmtheit dem objektiven Beschauer hinterläßt: nämlich den der Problematik, des Uebergangs, der Wende — da ist eine Bestandsaufnahme des Juden prob 1 c m s , ein geistiges, ökonomisches, |M)!i;isd1cs luve ח t a r - Verzeichnis von allergiößter Bedeutung. Es wäre falsch, zu glauben, daß hier mir ein Moment• bild des jüdischen Status gegeben wird. Der Verfasser, zwar nur auf das ״Hier und Jetzt“ eingestellt, reiht doch stets die gegenwärtigen Zustände in seinen jeweiligen historischen Zusammenhang ei!׳, mul ohne allzu ״historisch“ zu sein, erhalten wir einen Gcsnmteiudruck von jeder Sphäre des zeitgcnössisclicn Judentums. Diese Art der Darstellung, die noch durch etwa 200 Porträts führender jüdischer Persönlichkeiten ergänzt wird, erlaubt cs, gewisse L‘.nt\Gckhmgslinicu 1'iir die Zukuntt aus dieser Bilanz zu entnehmen. Es ist festzuslelien, daß die ganz objektiv gehaltenen Ausführungen <locI1 den!״:stimmten Eindruck!unterlassen, daß das ״Judentum von Heute“ ■in geistiger, politischer und kultureller Beziehung für die Zukuuft nur eine Hoffnung kennt, nur einen Lichtstrahl aus dem Chaos erblickt mul auch mir eine Realität besitzt: das ist der Aufbau de* jüdischen Palästina, die Renaissance des jüdischen Volkes in seinem eigenen Lande. Und so ist es auch zu ׳verstehen, wenn der Verfasser sein Werk einem Manne widmet, der auch für den Zionismus größte Bedeutung hat: ,;Edmond de Rothschild, dem Förderer des jüdischen Wiederaufbaues in Palästina.“ «Dr/ Walter F i w e h c 1. Biblische Puppenspiele Vielen unserer Leser werden die ״Biblischen Puppenspiele“ bekannt sein, die Albert und Kate Bacr Im vorigen Jahr zu Chanukka herausgchracht haben. Die lustigen, klingenden Verse und die scharf geschnittenen, charakteristischen Bilder haben sicli gewiß vielen Kindern cingeprägt. Allgemein jedoch war das Bedauern darüber, daß cs keine F i g u r c 11 zur Aufführung, der Spiele gab. Diesem Mangel ist nun •bgeholfen. Auf dem diesjährigen Chanukkatisch können zu dem Text die ganzen fertigen Spiele gelegt werden. Käte Baer hat die Puppen hcrgestcllt; jede einzelne getreu ihrem Urbild, aus bestem Holz geschnitzt, bunt und haiulgandt, geschmackvoll und phantasicrcidi. Kopf und Arme sind au f)r.1hlr:1 beweglich; cs ist erstaunlich, welche Bewegungen di: Figuren auKZulüliren vermögen, wie lebendig sie sich benehmen, wenn kundige Hand sic leitet. So aufgeführt, bereiten «he Spiele wirklich Spaß, sogar für Erwachsene. Die Kinder natürlich jubeln. Es ist ein guter Gedanke liier verwirklicht worden; man kann den Fhippen wünschen, daß viele Bühnen (die jeder /״ Hause aus einer Leinwand herstelU) sich Einen öffnen. Die zwei Spiele ״Josef und seine Brüder“ und ״David und Goliath“ (je vier Figuren) kosten jedes 16 .Mark, ״Salomo und die Königin von Saba“ (fünf Figuren) 20 ״Mark, luteressenten erhalten Auskunft bei Käte Bacr, Halenscc, Albrccht- Aeliillesstr. 5$ (Pfal/burg 2074). Vortrag Lunatscharski. Der Vortrag, der unter dem j Titel ״Die neue Kunst im neuen Rußland“ angekündigt war, mußte die enttäuschen, die erwartet hatan, kirnetgeschichtliche oder ästhetisch prinzipielle Ausführungen zu hören. Der Volkskommissar begnügte sich mit einer bloßen Aufzählung des aut dem Gebiete der Kunst und 1 Iteratur Geleisteten, das er nicht tibertrieb, sondern als Anfänge bczeichnctc, wobei auf allen Gebieten eine orthodox revo- Iutionärc mit einer die überkommenden Werte bejahende:: Richtung kämpft. Für den Politiker iedoch war seine Rede sehr interessant. Sie ließ einen Blick tun in die Geschlossenheit eines Systems, das konsequent und unbeirrt aufbaut, um vom bloßen ״Herrschen“ zum ״guten Herrsehen“ zu gelangen. Dazu bedarf es vor allem des inneren Rückgrats, der gefestigten Theorie und wissenschaftlich unterbauten Weltanschauung; daher ist das wichtigste Gebiet, auf lange Sicht,: die Kulturarbeit im weitesten Sinne. Von der Unncirrthcit des Weges dieser Menschen, die, ein Ziel vor Augen, ihre Völkergemeinschaft erziehen, kann jeder lernen, acr einen Staat auf einer Idee aufbauen will. 1