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Jüdische Rundschau · 1925-11-27 · Heft 93 (27.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 93 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU. Seite 77Ö 123c Sonntag [,,ns 0er fcstver.: An;:c. Wille fr. 93 dc.'ii.;!.; den ij;-; Fr*. Die neue Türkei und die Juden!׳neue Nationalismus und die Folgen - Die Lage der jderheiten — Das Ende der jüdischen Autonomie — \t Höhung der Notabein — Französisch oder türkisch Von unseren! Korrespondenten W. S. Konstantinopel. Anfang November 1025. Die Säkularisation der Türkei, eine Tatsache, die ihren 3boli?chcn Ausdruck in dem Verschwinden des Fes ge* , ,:den 1st ft~1r ״»s Juden in mehr als einer Hinsicht t!i£a.1־.,f :3״ mmer- Vergegenwärtigen wir uns, daß hier ein orientalisches seit langer Zeit in enger Berührung mit Europa, curopä- 11!״ st; :her Zivilisation und Kultur, ganz bewußt und entschlossen, i:r״ Ai.i-'.li von der religiös-nationalen Grundlage seiner früheren 1v.־rtt::1;•jonalcn Existenz abkehrt und den europäischen Nationalis- 1!:s und Modernismus als das erstrebenswerte Ziel und die Gc51^•! .^•rmliprc Gnindlagc der Renaissance der Nation hinstellt, jj Das Reich des Sultans war seiner ganzen Konstruktion;;!J rin religiöses Iirobererreich, das bei aller Beherrschung bic’ile: f •; Fremdvölker, den nicht muselmanischen Nationalitäten 1-11 eine relativ große nationale Autonomie gewährte. Mil : 0b׳;.j , dauernden Schwächung der Türkei und der Einmischung europäischen Nationen, speziell für Griechen und Armenier, ^c״^ ״*crtancn der Großmächte ganz zu schweigen, ״rtfc die Stellung der nationalen Minderheiten immer stärker. 1 s:t.׳c,'l:s Schulbeispiel stellten die Griechen dar. Die alte Türkei hatte ihrem ganzen Charakter nach nicht die uns aus i J.ropa bekannten nationalen Aspirationen des Mehrheits* c rc;hi.|!kcs. die Minderheiten zu türkifi/ieren. So entwickelte Jede 1 *ict! ■:!orität eine weitgehende Autonomie, erhielt ihre eigenen j.'jtutioncn, ein umfassendes Schulwesen. Die Steuerhoheit Minderheiten war gesichert, dadurch, daß die türkLehat ז!;tirden bei allgemeinen Angelegenheiten des öffentlichen!!:•-;htes zunächst das Piacot der obersten nationalen Behörde 1-H b י : Minderheit, der der Betreffende angehörtc, verlangten,;r;ו zum Beispiel des armenischen oder griechischen Patri- oder des jüdischen Groürabbinats. Im alten türkischen!:;ן•:!,* waren die Vertreter der Minderheiten, mit denen die j ^;.H•l!'<cI1c Regierung verhandelte, für die Griechen und Ar-! :!icr die Patriarchate, für die Juden das Oroßrabbinat. Es Ine•־■' dabei zu bemerken, daß wenn auch ״gewählte“ Ver-!!,.!;!gen vorhanden waren, doch alle Macht der Vertretung j־;em'ibcr der Regierung in den Händen einer Person, des fro/c ,'.:הרrohen bzw. des Großrabbiners lag. Diese Bemerkungen über die Lage der Minderheiten waren;! ‘wendig, um die Ausführungen des zweiten Teiles der : 31;״. HbC, der Stellung der Minderheiten und speziell der Juden .;re ü;.ר neuen Staate, verständlicher zu machen. Zunächst aber :0! 1!: ■; י einige Bemerkungen über die Frage, wie und warum die 11:1 1. Fische Nation die Säkularisierung durchführt. Die Führer der neuen Türkei hielten ihr Volk nach dem jL3־mmcnbruch des Jahres 1913 ohne eine radikale Neu- - .:atienmg für verloren. Schüler der europäischen Zivilisation, •'•״ptierten sie entschlossen und bewußt den europäischen •‘io'ialbegriff und organisierten unter der Fahne der natio- .■״' H ■:;:n Entwicklung, wie in Europa, die Nation. Das hat -ל■ den Verzicht auf wesentliche Bestandteile des alten Türken-;.־■־.<; zur Folge, die die alten, sagen wir einmal orientalischen, cr״rt■•־‘:.; :tianalistcn des Türkentums als integrierende Bestand tiilc : r;: : ׳ Sonderlcbcns der türkischen Nation ansahen. Ein Beispiel, \ Symbol ist das Verbot des Fes-Tragens. Die ' ■־ Ükalc Trennung von Staat und Kirche ist der entscheidende jujang, die Schließung der Klöster ein weiterer Schritt auf [ו betretenen Wege. Damit Hand in Hand geht die ■rb.iLi.f j:!anzipation der Frau. Selbstverständlich begleitet Jain־ \ .־;e ganze Revolution europäischer Parlamentarismus und neueste Entwicklung, die Diktatur, wenn auch ver-;ungMnäPiig die Präsidentschaft des Ghasi Mustafa Kcmal j -caa noch nicht diese Form erhalten hat. j Und welchen Finiluß hat nun diese vorbehaltlose und formal jj 5 kündige Annahini־ des europäischen Nationalbegriffs auf ‘ . י türkische Volk gehabt?״ Fs wäre ganz falsch, zu verkennen. H"' ן : sehr unter dem Einfluß der westlichen Zivilisation die : ianak* Zersetzung des Türkentums fortgeschritten war, und ".׳ן,.“• ,?in der Tat berechtigte Zweifel vorhanden gewesen sein y11;.;;cn, ob dieses von jahrzehntelangen Kriegen ermattete : rr: . •'< überhaupt noch geistig und kulturell genügend Widerl'U\; mdskraft aufbringen könnte, sich in seiner orientalischen "׳: ) :נ,n.irt an der Grenze europäischer Zivilisation ihr gegen- •־;׳■ r zu halten. Jedenfalls aber kann ein solch radikder :*ז': : '■ritt der Aufgabe einer jahrhundertealten nationalen Baris •״uiisten einer neuen, unter anderen Bedingungen eutstan- 'הןי, doch nur dann seine Rechtfertigung finden, wenn der 11 i: dieses neuangenommenen Nationalbcgrifls in seinem { •Utehungslande, also Europa, schon erwiesen wäre, oder t •1.5 j'1,י deutlich bei dem türkischen Volke schon manifestierte, d׳:; j!.־ Juden nun wissen, daß״ der europäische Nationalbcgriff i ( י dt keineswegs jene Probe bestanden hat, die es erlaubte, d seine Ewigkeitswirkungen zu glauben. Und das, was j Hetzt in der neuen Türkei vollzieht, ist vorläufig noch nicht M^nct, unseren Glauben an die Kraft und Größe dieses i'_t*׳nomn1cncn Nationalbcgriffs und an seinen Segen fiir die ‘•d ן •'Mschc Nation zu verstärken. Wir, die wir an die Kräfte j r Gewalt nicht glauben, müssen einer Entwicklung sehr "d׳t' :.'■ frisch gegenüber stellen, die nach dem schlechten Muster j. י' europäischen Nationalismus mit der Unterdrückung der ,;‘: ',;:1 ־Hachen, der Minderheiten, Gewaltherrschaft der Mehrheits-;c::; •:i°n an Stelle nationaler Freiheit, beginnt. Wir halten <iö, H Basis der nationalen Existenz einer kleinen, aber auch Uv.■ (;er großen Nation, für zu schmal. Trotzdem ist der Versuch,;יי! ׳׳״״ zweifellos national begeisterte und bedeutende Männer; : Rettung der türkischen Nation unternommen haben, :ה LI i crcs Interesses wert. •״■״יי j'ür das Judentum der Türkei ergeben siel! ira neuen 41 i Häschen Staate schwere, seine nationale Existenz berührende j :°^cmc. ־• Das Judentum der Türkei zählt heute nach dem Verluste ״. "Saloniki, mazedonischer, serbischer Judenheiten, nach dem iiv ■ ";Ustc von Syrien, Palästina und Mesopotamien (Bagdad) s‘V : ״nßefähr 150 000 Seelen, davon 90 000 in Konstantinopel, ycr diesen 150 000 mag cs etwa 10000 Aschkcnasim, davon ’0י־ in Konstantinopcl geben. In den letzten Jahren sind viele , '1‘״iolcn aus Konstantinopcl und auch Adrianopel ausgc- : ־;dcrt, wohlhabendere nach Frankreich, ärmere nach Spanien : j Südamerika, wo ihnen das Fortkommen durch die Ver- '*ndtschaft des Spaniolischcn mit dem Spanischen erleichtert wurde. Der große Strom der jüdischen Flüchtlinge aus Rußland und der Ukraine, besonders auch aus dem Kaukasus, hat Konstantinopel in den Jahren IQ 19 bis 1922 23 erreicht. Aber :!ach einer kurzen Zeit zeigte cs sich, daß sich die russischen Juden in Konstantinopcl nicht akklimatisieren und seßhaft machen konnten. Als l lämilcr waren ihnen die Griechen und Armenier,;ds Handwerker vielfach die Türken überlegen. Flüchtlinge und Emigranten haben Konstantinopcl verlasse!], und von den wenigen hundert Zurüekbloibenden, die infolge der Vertreibung der Armenier um! Griechen vielleicht hier und da eine Existenz finden konnten, sind ein ' großer Teil orientalische Juden aus der Krim, dem Kaukasus und der persischen Grenze. Vor dem Kriege war das Judentum der Türkei wie die anderen Nationen auf nationaler religiöser Grundläge organisiert, wie Armenier und Griechen hatte cs seine Vertretung, den Mcdsehlisch Umumi, eine Körperschaft von F0 Personen, davon 60 weltliche und 2•) Rabbiner, die in indirekten Wahlen von den Gemeinden auf Vorschlag von Notabel:! gewählt wurden. Dieses Mcdsehlisch von S') Personen wählte zwei Körperschaften, eine weltliche, den Medschlisch Djesmani von 9 Personen, und eine geistlich׳.•, den Mcdsehlisch Ruchani von 7 Personen. Diese Körperschaften hießen zusammen das G ro ß rabbi n a t, und der Groß• rabbincr war der einzige bevollmächtigte Vertreter des türkischcn Judentums gegenüber den! Kultusminister, dem die Angelegenheiten nationaler Minderheiten unterstanden. Die Macht des Großrabbinates über die jüdische Bevölkerung war außerordentlich groß. Es wurden selbständig Steuern erhoben, das Schulwesen lag in seiner Hand, und dadurch, daß die Angehörigen der jüdischen Nation 011m: die BiMätigung des Großrabbinates, daß ilite Verpflichtungen gegemiber dem Großrabhinat in Ordnung seien,!;eine aJIgenn Inen Angclegcnhciten mit den türkischen Behörden ordnen konnten, war das Oroßrabbinat in der Lage, jederzeit, falls notwendig, einen Druck zur Be/alilmig von Stenern 11;w. auizufiihrcn. Die Mitglieder des .Mcdsehlisch Uninml waren un-priinglich auf Lebenszeit gewählt, und erst als mit der jungtürkisehcii Bewegung gewisse freiere demokratischere Strömungen in der Türkei im allgemeinen, und auch im türkischen Judentum entstanden, wurde die Wahlperiode auf zehn Jahre heruntergesetzt. Während des Krieges und der Besetzung begannen demokratisch gesinnte Kreise an epic Reform der Ver* fassung des türkischen Judentums zu denken. Bei migcschmälerter Macht der jüdischen Vertretung nach außen sollte im Innern eine Demokratisierung, I>1־z1,ntrn.'lricr11ng vorgenommen werden. Doch diese Pläne kamen nicht zur Ausführung, es wurde zwar noch ein neuer Mcdsehlisch gewählt, aber nachdem 1922 der tüikiscii-griechische Krieg beendigt wurde und die siegreichen Türkcu, erfüllt von den Ideen der nationalen Renaissance, an die Neuordnung ihres Staates gingen, brach auch die alte Organisation des türkischen Judentums faktisch zusammen. Aus dem <.11 ich.mi-Baschi, dem Großrabbincr der Türkei, wurde ein Basrh-ChaiInm. ein OI>er- Rabbiner von Kon.stantinopel: ohne das Großrabhinat direkt auf/ulösni, erklärte das Innenministerium die Zuständigkeit der Valis, Provin/gmiverucure, für die Angelegenheiten der in ihnen befindlichen Gemeinden. Damit war tatsächlich die Gesamtorganisation des türkischen Judentums zerstört. Der Mcdsehlisch Umumi existierte noch, er verfiel aber mehr und mehr in Stagnation, insbesondere auch abjy.ciircckt durch die drakonischen Maßregeln der türkischen Regierung, wie Verbannung usw. gegen ihre eigenen Oppositionärc, abgeschreckt auch durch das Schicksal der Griechen, wenn auch diese den Kampf um ihre nationale Existenz in der Türkei mit bewundernswertem Mute führten und führen. Und mm begannen die Angriffe des neuen türkischen National- Staates gegen die Nationalitäten auf kuliuriliem Gebiete. Man hatte zwar ausdrücklich im Lausanner Vertrag di: Rechte der Minoritäten akzeptiert, aber auf administrativem Wege versuchte und versucht man mit allen möglichen Mitteln zu türkifizicren und den Widerstand der Nationalitäten zu brechen. Und die Juden befinden sich dabei in einer besonders scliwicrigen Lage. Denn sie haben keiner lei Rückhalt an einem Mutterland wie etwa die Griechen und Armenier, das für die Interessen seiner Volksgenossen eintreteu kann. Fenier aller ist ihre Situation insofern schwierig, als in der ganzen Welt die kulturelle Differenziertheit des jüdischen Volkes für den Außenstehenden schwer greifbare Probleme .schafft, die bei schlechtem Willen leicht dazu benützt werden können, der national-kulturellen Autonomie tödliche Schläge zu versetzen. Ich kann hier im einzelnen nicht darauf (•ingehen, wie weit verwaltungsmäßig Kompetenzen und Rechte beschränkt wurden, das ist in ganz erheblichem Maße geschehen, aber wie sehr das türkische Judentum in seiner nationalen Existenz bedroht ist. möge das Beispiel der Schule zeigen. Ehemals gab es in der Türkei an jüdischen Schulen, vor allen Dingen die Schulen der Alliance und des Hilfsvcrcines der Deutschen Juden, daneben auch Snaniolische Chedorim, Es gingen aber auch viele jüdische Kinder in die Missionsschulen. Man konnte ähnliche Zustände antreffen wie in Palästina, wo die ganz armen Kinder ln die Schulen gingen, in denen völlig umsonst unterrichtet wurde. Die türkische Regierung begann nun, gemäß dem Minoritäten-Vertrag vorzugclicn. Zunächst einmal legte sic sehr schwere Steuern für׳ Bildungswcsen formell auf die ganze Bevölkerung, praktisch in ganz unverhältnismäßigcr Welse auf die Minoritäten, alsdann wurden die Miiidcrhcitssclmlen verpflichtet, für Türkisch mit großer Stundenzahl türkische Lehrer anzustellen, und für sie erheblich höhere Gehälter zu zahlen, als die Lehrer in den Regicrungsschuleit bekommen, wobei diese Lehrer noch keineswegs etwa für die mehr oder weniger europäisch zugeschnittenen Schulden der Minderheiten in Betracht kommen, endlich machte sie den letzten Schritt und verlangte von den Juden eine Erklärung, in welcher Sprache sie künftig den Schulunterricht führen wollten, ob Hebräisch oder Türkisch. Und dieser kritische Augenblick, »11 den! das Judentum der Türkei zerrissen, geschwächt einem nationalistischen Angriff auf seine Kultur gegenüberstand, fand ein kleines Judentum. Das türkische Judentum hat in diesen! Augenblick nicht die Nationalstärkc und Entschlossenheit bewiesen, die allein hätte die Situation retten können. Wie bisher immer in den schwierigen Augenblicken der jüdischen Geschichte, waren die Massen des Volkes nicht vertreten. Assimilierte Notabcln sprachen in ihren! Namen und auf die Frage, weiches d i e Sprache des jüdischen Volkes sei, gab man nicht die Antwort Spaniolisch oder Hebräisch, sondern -— Fr anzösisch (1). Und auf diese Antwort erklärte nun den jüdischen Vertretern, daß man dann allerdings auf die Türkifizicrung der Schulen bestehen müsse, denn in dem Minoritäten-Vertrage ließe man zwar den Minderheiten das Recht auf ihre eigene Sprache, also auf Hebräisch, das di:: Türken als Nalionaisprachc anerkannten, aber nicht auf Französisch. Die Dinge haben sich vor einigen Monaten abgespielt. I» Meldungen, daß das türkische Judentum auf sriur. Minorität?- rechte ״verzichtet“ hätte, sind in Steuer kategorischen Form nicht richtig, aber wenn nicht noch in alleiletzter Stunde das türkische Judentum die Führer und die Hilfe der rationalen Bewegung des jüdischen Volkes findet, die mit größter Aufmerksamkeit die Entwicklung de:־ Türkei zu verfolgen hat, dann wird ein lebendiger Teil des jüdischen Volkes uns er.tfremdet werden, durch eine Assimilation, deren Wert wir bei der geschilderten Lage des türkischen Nationalismus bestreiten müssen. In völliger Verblendung sind Notable bereit, in beispielloser Verkennung der Verhältnisse, um den Türken di: Trennung von weltlicher und geistlicher Macht nachzumachen, dabei die einzige repräsentative Vertretung des Grs'imtjndcntwms der iürkei, die allerdings eine gcistlieli-wcitüche i*t, Hm Grofl• rahbiuat auf/ugeben, ehe :!■Kit an dessen Stolle •111' w< Rliebem Gebiete eine zentrale Vertretung der tiirkisvheu Jedenheit geschaffen wird. Gewiß ist nach Lage der Di 1:;e die Trennung von geistlicher und weltlich ■r Macht .־m;11 bei d־r Organisation der türkischen Judcnheit unabwendbar, und wahrscheinlich sogar zu begrüßen, jedenfalls ist die bisherige mehr autokratische Form nicht zu halten. Es bedeutet ci.־.e völlige Verkennung der Situation, wenn man ghubt. nachdem einmal diese Zentrale zerstört ist, zu irgend׳. i.1<r späteren Zeit!,'icht wieder zu einer Gesamtorganisation kommen zu können. Die Politik der Regierung, gerade au*. Schwächung der Minder• hciteii gerichtet, wird eine solche GesamtorganUntiou. w־׳n* sie nicht organisch aus der alten Org.i1)is«tiw:( gleichzeitig mit deren Zerstörung entsteht, nicht so leicht /uLssen. Und nun zur Frage der Tiirkifizierung und Assimilation, LIk'11 dieselben Notaluln, die bereit sind, die türki«.J1 ־ Schute zu akzeptieren, die bereit sind, auf die Minoritätsreclitc z;1 verzichten, sic wissen sehr wohl, daß sie damit vielleicht eine pnpierne Gleichberechtigung mit dein Türken, aber keine tatsächliche erreichen werden. Verordnungen der türkischen Regierung schreiben Banken, öffentlichen Unternehmung.־!! usw. vor, mindestens zu 7ס0ל ihres Personal•? Türken zu beschäftigen, wir wissen aber tatsächlich, daß das praktisch auf administrativem Wege den Ausschluß aller nicht Muselmaneu, aller nicht Natioual-Tiirken, von diesen 7V > bedeutet. Und ohne den Wert der türkischen Kultur irgendwie herabsetzen zu wollen, müssen wir angesichts dieser Ökonomischen Tatsache sagen, daß auch die Assimilation durch Türkitizierung der Schulen :ins keinerlei Gegenwert für den Verzicht auf unsere Rechte bieten würde. Deshalb schicken eben diese Notabein sehr wohlweislich ihre Kinder beizeiten ins Aus• land bzw. lassen sie in den wenigen noch konzessionierten ausländischen Lyzeen erziehen. Ohm: die schwierige Lage des türkischen Judentums zu verkennen, ist zu fordern, daß seine Vertreter sich des ganzen Ernstes, der ganzen Schwere der Situation, die für die nächsten. Jahrzehnte und für das nationale Schicksal der türkischen Jmienheit entscheidend ist, bewußt sind. Es gibt ohne Zwrilel Mittel und Wege, wenn man den Wißen dam hat, die nationale Bedrohung abzuwenden, oder wenigstens die Gefahren zu vermindern. Wenn der türkische Staat nach dem Vorbildc antisemitischer nationalistischer Regierungen An* griffe gegen die nationalen Rechte des jüdischen Volkes richtet, dann müssen wir uns wehren, wie wir uns in den europäischen Ländern gewehrt haben. Auch die Türkei, wenn sie auch heule noch nicht Mitglied des Völkerbundes ist, ist auf eine europäische öffentliche Meinung angewiesen, auch die Türkei hat einen Kapitalbedarf, und sie hat Minoritäts- Probleme, die für sie weit wichtiger und schwerer sind, als das jüdische Problem. Wir können nicht zulassen, daß die nationale Existenz der türkischen Juden, weil sic am leichtesten angreifbar erscheint, als erstes Opfer der neuen türkischen Staat?raison fällt. Wenige Worte müssen hier noch gesagt werden über die Lage des Zionismus in der Türkei. Die Zionistische Organisation ist heute in der Türkei verböten, und das ist, da das türkische Judentum ein nationale? Judentum i<t. ein schwerer Verlust für uns. Wenn auch bisher irgendwelche Verfolgungen gegen Zionisten nicht suttgefunden haben, so muß doch z. B. berichtet werden, daß die Einfuhr hebräischer Zeitungen von Palästina inhibiert wird. Es scheint mir, daß die zionistische Exekutive Schritte unternehmen muß, um politische und gesetzliche Grundlagen für die Existenz einer Zionistischen Organisation in der Türkei erneut zu schaffen. Pressesebaa Das unter der Leitung von Di־. Viktor Jacobson stehende Genfer Büro der Zionistischen Organisation g b: ein Mitteilungsblatt in französischer Sprache heraus, dessen dritte Nummer uns, soeben /:!geht. Das Blatt enthalt kurze Ucbcrsichtcn über die jüdische Landwirtschaft und Industric in Palästina, Einwaridcrungsstatistik, Presscstimmen usw. Es ist zu begrüßen, daß durch dieses Mitteilungsblatt ein Instmmcnt ständiger Information für die in Genf we'.icnden Politiker geschaffen wurde. In der Zeitschrift des deutschen Palästina- Vereins 1925, Heft 3,־l, gibt der protestantische Theologe Professor Steuernagcl einen kurzen Bericht über die Entwicklung Palästinas unter Benützung der öffentlichen Quellen. Der Verfasser zeigt sich sehr gut informiert. Von Interesse ist seine Beurteilung der politischen Strömungen der Araber. Er sagt, daß der Eindruck bestelle, daß ״die Araber sich immer mehr zu einem Zusammenarbeiten mit den Juden bereit finden und daß der Gegensatz von de«, palästinensisch-arabischen Exekutive und manchen arabNehrn Zeitungen gewaltig aufgebauscht wird“ .... Die Be* mühungen, eine Einigung der arabischen Parteien herbeiruführen, sind erfolglos geblieben.“ Von in unseren Kreisen weniger bekannten Tatsachen erwähnt St., daß die Bank der Templcrgcscllschaft (Jaffa) eine Filiale in Haifa errichtet hat. Eine zweite soll in Icrusalcm bakl erfolgen. Thom. Cook IV Sohn erhielten eine Konzession für eine Bankgründling in Jerusalem. Die American Palestine Insurance Cy begründete eine Zweigniederlassung in Haifa. Zur Förderung des Handels mit Italien ist ein italienisches Handclsbüro in Jerusalem eingerichtet worden. Die Gründung eines tschechoslowakischen Konsulats ist geplant. Die Verwaltung der hcbräisch-mcdeziniscbcn Zeitschrift ״Harcfuah“ teilt uns mit. daß durch die Erkrankung der Herausgebers Prot. Doljanski das Erscheinen der nächsten Hefte eine Verzögerung erfahren muß. Prof. Doljanski hat sich ln Berlin einer Operation unterzogen und befindet sich auf dem Wege der Besserung.

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