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Jüdische Rundschau · 1925-11-27 · Heft 93 (27.11.1925) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXX (1925)
Issue
Heft 93 (27.11.1925)
Date
1925-11-27
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 776* " י jiert“. Allerdings leisten ihnen dabei manche Artikel einzelner Zionisten, die keineswegs der zionistischen öffentlichen Meinung entsprechen {und die der ״Emesf* wörtlich nachdruckt, um. die Zionisten zu ״entlarven“), unfreiwillige’ Dienste. Es ist jedoch charakteristisch, welche Freude diese Kommunisten darüber an den Tag legen, daß die aracrikanisch-jüdischeOroDbourgcoisicdic kommunistische Siedlung Rußlands unterstütze und sich - von Palästina abwende. Auch im Ausland und sogar in Amerika selbst mehren sich die Falle; ttd das russische IKoJonisationsprojckt als Kampfmittel gegen den Zionismus benützt wird. Der Präsident des Joint Distribution Committee, Louis Marshall, hat allerdings wiederholt erklärt, — wir haben diese Erklärungen unsem Lesern bereits mitgetcilt —, daß er und seine Freunde an ihrer positiven Stellung zu Palästina fcsthaltcn. Er fügte hinzu, daß sie auch im Wege der Jewish Agency sich an der Aufbringung der Gelder für Palästina bcteiligen werden, wenn die Zcihicrfür gckommen seinwird. Die Beziehungen sind also noch nicht abgebrochen und wir hoffen noch immer, daß die Herren cinschen werden, daß diese Zcitbercits gekommen ist. Das amerikanische Judentum besitzt eine so große Leistungsfähigkeit, daß es, wenn cs will, das Hilfswerk im Osten u 11 d das Aufbauwerk in Pa-, lästijia finanzieren kann. Das Hilfswerk im Osten ist eine Sache, die neu begonnen wird und für die cs bisher keinen festen Plan und. kein festes Budget gibt. Die Palästina-Arbeit hingegen bewegt sich in festen Bahnen, sic hat ihr Budget, ,das cingchalten werden muß, wenn nicht eine Katastrophe cintreten soll, an der das ganze Judentum schwer zu tragen hätte. Palästina kann nicht warten. Der Einwandererstrom ergießt sich unaufhaltsam in das Land, der Aufbauprozeß kann nur ein organisch fortschreitender sein und kann nicht aussetzen, bis diese oder jene andere Sache durchgeführt ist. Palästina kann nicht warten; dies wissen die amerikartischcn Zionisten, und darum haben sic die Konferenz nach Baltimore cinberufcn, die die große Kampagne für Palästina einleitcn soll. Das Keren Hajessod- Budget für Palästina beträgt jetzt monatlich 50000 £; im Oktober sind jedoch nur 31 000 £ cingcgangen. Die europäischen Länder müssen und werden ihr Aeußerstes tun, aber trotzdem sind wir uns im klaren darüber, daß eine volle Deckung des Budgets nur möglich ist durch Steigerung der Eingänge aus Amerika. Die fünf Millionen Dollar, die sich die Amerikaner zum Ziel gesetzt haben, sind ein Minimum der notwendigen Stimme. Trotzdem wird cs aller Anstrengungen unserer amerikanischen Freunde benötigen, diese Summe aufzubringen. Wir hoffen, daß dies möglich sein wird, ohne daß ein Kampf •gegen das Joint Distribution Committee *geführt wird; Dertn erstens ttb'Hcn'• \Vir nicht, deü:,Anschein, ervreckerr, als ob wir Zionisten Gegner der Hilfsarbeit waren, wir, die auch auf diesem Gebiete stets in (den ersten Reihen mitgearbeitet haben. Zweitens aber, glauben wir• überhaupt nicht, daß die Atmosphäre des Kampfes den Zielen förderlich sein kann, die sich beide Gruppen gesetzt, haben. In welcher Weise ein Ausweg gefunden wird, das müssen wir allerdings unsem amerikanischen Freunden überlassen. Wir verfolgen die Beratungen von Baltimore, die durch die Teilnahme von Herrn Sokolow ein besonderes Gewicht erhalten, mit größter Antcilnahmc und senden unsern amerikanischen Freunden unsere Grüße und herzlichen Wünsche für das Gelingen;hrer schweren Arbeit. In der Woche vom 29. November. bis 6. Dezember sollen nunmehr die Wahlen zir neuen Assefath Niw- Ein Kindergarten des; alten Jiscbuw Meine erste Arbeit in Palästina. Von Grete Obern i kleiner (Jerusalem).. Auf dem Bahnhof in Ludd r.tand eine kleine Baracke, in welcher die Kasse für die Fairkarten, ein Büro und ein Buffet untergebracht waren. Vom Jerusalemer Zuge aus erreichte man sie, wenn man durcji den Sand watete. Hann wartete man auf den Zug aus Kapitara. •der nach Haifa iiihrt. In dem kleinen Buffet lernte ich einige Menschen kennen; die meisten wußten schon, daß idi ״die neue Kindergärtnerin für Haifa“• sei. Ich erlebte diese Rehe ״mir wie aus der Ferne. Ich war' geblendet von dem grellen Lichte ־der palästincnsischci! Sonne, welches von dem weißen Sande noch greller reflektiert wurde. Ich war abgespannt von den vielen Mensehen, von dem ständigen Gcbranch der hebräischen Sprache, welche damals noch von allen Mitreisenden gesprochen wurde, denn die vierte Alijali init dem starken Zustrom neuer Mensehen ohne Hebräisch war damals noch fern. Auch die Angst, vor der neuen Arbeit, welche ich morgen beginnen sollte, lastete auf mir. ln Haifa bezog ich zunächst ein Zimmer in einem Hotel, eher Herberge im Bazarviertcl, in einem schmalen Gäßchen. Nachts, weckte mich ein fürchterlicher Gesang, den ich in meinem Zimmer zu hören glaubte; er kam aber aus den» Nachbaihause, cincm״ arabischen Cafd-chantant. Am anderen Morgen holte mich eine Kindergärtnerin ab und führte mich an meinen Arbeitsplatz. Wir gingen durch den Bazar, der von Farben, Gerüchen und Geräusche!! aller Nuancen erfüllt war. Ein schmales 'Gäßchen führte uns auf Treppen immer höher über dieses Gewühl. Bald sah man nichts mehr davon; vor uns brüteten sich nur Dächer aller Stilarten und dahinter das Meor, mit seiner Unruhe und Tiefe. Ich atmete erleichtert aijf. Wie schön, täglich von seiner Arbeitsstätte aus das Meg־ zu sehen! Wir öffneten eine Tür und ein großer Lärm kündigte an,־ daß• wir uns in einem Kindygarten befanden. ״Das ist eure neue G'wereth“, stellte mich die Lehrerin vor; und sogleich stürzten die 40 schwarj^ugigcn Kinder mit herz- Iichcm ״Schalom“ auf mich los, stießen und balgten sich, um mir die Hand 2u reichen. Ich war angenehm Überrascht, daß mir die Kinder gleich mit Zutrauen entgegenkamen;' ist es ja in Europa das schwerste, si!^1 das Vertrauen der Kinder zu erwerben, hier kam cs ganz ypn selbst Ich blieb gleich bei den Kindern und plauderte mit ihnen. Meine hebräische Aussprache, besonders der ch-Laute, er- ־ •JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 63 charim in Palästina stattfinden. Die Assefath Niweharim, die. Dclcgiertcnversamirilung der palästinensischen Juden, hat bereits einen Leidensweg hinter sich. Der Gedanke wurde noch in den Stürmen der Revolution des Weltkrieges geboren, als man, völlig •ln den fraditlonön von 1789 befangen, von der Einberufung einer ״Konstituante“ sprach, ohne zu überlegen, daß eine solche Institution nur bei einer wirklichen Staatengründung einen Sinn hat und daß man in unserem Falle, höchstens an eine palästinensische, nicht •.aber, an. eine jüdische. Konstituante hätte denken können. Die. unter der Parole der .Organisierung des Jischuw cinziiberufeüdc Versammlung hatte viel bescheidenere Aufgaben als׳ eine Staatengründung. Sic sollte lediglich ein Organ :schaffen helfen, das die Repräsentation der palästinensischen Judenschaft nach außen und ״die Verwaltung .gewisser gemeinsamer An: gelegenhcitcii nach innen besorgt.' Die. erste Assefath Haniwehnrim hat zu diesem Zweck den Waad Lcumi gewählt, der jedoch, so sehr er auch guten Willens war, auf beiden Gebieten keine nennenswerte Tätigkeit entfalten konnte. Seine Hauptbedeutung Ing darin, daß er ein Forum bildete, wo die jüdischen Angelegenheiten Palästinas frei erörtert werden konnten Und wo man Anregungen geben konnte für gewisse Maßnahmen sozialer und politischer Natur., Im übrigen;war der Waad Lcumi damit beschäftigt, die Legalisierung der Assefath Niwcharim durchzusetzen, insbesondere das Recht des־ Wand Lcumi zur Einhcbung von Steuern, das erst eine gewisse Tätigkeit ermöglicht hatte. •Das •Gcmcindcgcsctz,׳ das die Organisation palästinensischer Juden schafft, ist jedoch bis heute nicht bestätigt worden. Neben anderen Gründen waren dafür auch die Differenzen ycrantwortlieh, die zwischen der größeji Mehrheit des Jischuw und der kleinen Gruppe der Chalukkah-Orthodoxie entstanden waren. Mit Rücksicht auf diese Verzögerungen wurden auch die Neuwahlen zur Assefath Niweharim immer wieder hinausgeschoben, und die Festsetzung eines neuen Wahlstatuts stieß auf große Schwierigkeiten wegen der Frage ־des Frauen-Stimmrcchts, das von einem Teil der Orthodoxie abgclehnt wird, von den aufgeklärten Gruppen jedoch als conditio sine qua non betrachtet wurde. Bei der letzten Tagung der Assefath Niweharim im Juni dieses Jahres kam es wegen dieser Frage zu •einem .*Konflikt mit dem Misrachi, der bekanntlich einen Exodus veranstaltete und einen separatistischen Waad Lcumi der orthodoxen Juden gründete. Dies war jedoch nur ein kurzes Zwischenspiel. Die Wahlen wurden zwar ausgeschrieben, jedoch wieder abgesagt, und inzwischen wurde mit dem Misrachi verhandelt. Schließlich einigte man sich auf eine Volksabstimmung über die Frage cles Frauen-Stimmrcchtes. Als jedoch die. Cha- Iiikkah-Orjhodoxie auch *egen,.die. Beteiligung, au..einer, solchen Volksabstimmung eine mittelalterliche. Hetze.\c.r* anstaltete, erkannte der Misrachi, daß der Volksentscheid sinnlos wäre, da gerade die orthodoxen Stimmen fehlen würden, -und erklärte sich bereit, auch ohne Volksnbst»״nmm1g das Frauen Wahlrecht anzuerkennen. Der Misrachi hatte stets betont, daß er diese Frage nicht als eine religiöse betrachtet, sondern als eine rein taktische. Wir hatten — im Gegensatz zu andern, die das Verhalten des Misrachi in der Juni-Session maßlos kritisiert hahen schon damals ein gewisses Verständnis für seine Forderung, daß die‘Frage des'Frauenstimmrechtes nicht präjudi7iert werde und daß damit der gesamten Orthodoxie, die einen Teil des JiscJiuws bildet, die Chance einer Beteiligung an den Wahlen im Interesse einer wirklich demokratischen umfassenden Repräsentatiou gegeben werde. Es, war ganz richtig, wenn der Misrachi von seinem Standpunkt aus erklärte, für ihn seien nicht religiöse Gründe maßgebend, sondern konstitutionejlc. Was die höchst umstrittene religiöse Fr׳ ״ / r.n *lt betrifft, so hat der Misrachi diese längst positiv ^■3'׳cn)» c schieden, indem er in*zahlreichen Institutionen mit Frau־ •iJuC*c zusammen gearbeitet hat. Es war daher auch konseque-!•? wenn der ,Misrachi jetzt, nachdem die Sonnen^’:un5 * Gruppe dig dargebotene Hand zurückgewiesen hat in.ihrer Iufransigcnz, verharrte, zum gemeinsamen UV;’•' cUr0^ Lcumi zurückkchrtc. .Mit großer Genugtuung stellen v •g:lC״» fest, daß die einheitliche nationale Front wiederir^ 0c^ter gestellt ist. ln. der Organisation des ■Jischuw 1^1ב״י alle Juden Palästinas ,Platz haben, ungeachtet ihrer tyv;4 ״c״ * anschauimg. ,.Wenn gewisse Eigcnbrödlcr. sich ab.^v :ז ^UI. stellen, so ist das ihre Sache. Die Assefath Niwc!1ar;.J.;crcr . wird die überwältigende Mchrhcit%dcr palästinensisch |,orcinu Juden repräsentieren und niemand wird dem Waad Len! ^cS das Recht bestreiten können, in ihrem Namen zu rcdc|U‘c Damit wird ein wichtige!׳ Schritt vorwärts getan!,V . und wir hoffen nur, daß durch die Bestätigung des G1׳■ >i mcmdcgcsctzcs dem Waad Lcumi bald die Möglichkt• gegeben sein wird, eine konstruktive Tätigkeit aui k;■' turcllcm lind sozialem Gebiet zu entfalten. Aus dem Bericht unseres rumänischen Korresp;״ deuten ersehen unsere Leser, daß die Propaganda jab tinskys, die ln Deutschland keinen Eindruck gemacht klärur .:;;־•jngs;nsclic! :;rtimg ׳^otinsk erdiger;,heil K :he zio in andern Ländern eine gewisse Wirkung nicht verfehlt;1’'|C flC Kein Zweifel, daß die Gründe hierfür einerseits io d F;:., brillanten Redekunst Jabotinskys, andererseits aber au-.ä'׳i,tcr” in einer allgemeinen zionistischen Unzufriedenheit;■5■■'1׳^ *־r suchen sind. Jabotinskys Art, politische Maximalfcra.l ק ani rungen auszumalcn, schmeichelt der. nationalen Instinkt:^:rJ״cn der Masse, besonders im Vcrsammlungssaal, wo auf׳ der Begeisterung keine großen Opfer von ihr verladt werden. Man ist erschöpft von der Kleinarbeit ־;ו]* Aus erholt sich bei den großen Gedanken, wenn sie a11:|L:chtct: falsch sind. Gewiß ist diese Art der Begeisterung n;::| str C allzu tief zu nehmen, dennoch liegt in der kritiklosen Z:;|;n Sa Stimmung zu den Schlagwortcu eine ungeheure Gefahrk|-:c Ver den Zionismus. Nicht die Bodenpolitik oder Wirtschai;! ■d zu politik Jabotinskys ist cs, mit der wir uns auseinander’* setzen wollen; auch wir sind in vielen Dingen unrv frieden und suchen Wege, um besser und schnellt; vorwärlszukonimcn. Aber die wirkliche Gefahr liegt;יי der von ihm ausgegebenen Parole, daß wir Juden iü dem Eutschcidimgskampf zwischen Europa und Ask; auf der Seite Europas stehen und gewissermaßen a; Vorposten Europas diesen Kampf zu führen habe. | Jabotinskys Schüler Wolfgang Weis!, mit dessen soeben (bei Ullstein) erschienenem Buche ״Der Kampf um (V Heilige Land“ wir uns noch beschäftigen werden, ge!״ noch weiter und spricht bereits von dem Kampf c: ״weißen Rasse“.. Ein solcher .Rassenwalmsinn könnte bc• lächelt'■.sv^iijen,./wenn;, wir•' nicht',(qrchtcn müßten, d.i’ sich solche Gedanken in den Köpfen unreifer jung. Menschen fcstsctzen, und die revisionistischen Gruppe:!■ die Herr Jnbotinsky in Lettland, Rumänien usw. gründe, bestehen wahrscheinlich in der Mehrzahl aus derartig(־:■! unreifen Elementen. Wir Juden sind ein vom Schick;, gestraftes Volk, uns bleibt — wie der Kaiser Fra!:• Josef einmal sagte — doch nichts erspart; wenn v.i: mm noch soweit kommen sollen, eine Art jüdische Hakcnkrcuzlertum zu bekommen, jüdische Rasse:־■ Schwärmer, dann müssen wir uns energisch zur WrV; setzen. Der Zionismus hat nichts zu tun mit den lnte:■'^ essen der weißen Rasse im Vorderen Orient. Er vi'ig das Lebensrecht des jüdischen Volke* sichern, cir.(J'ddi nationale Heimstätte zur schöpferischen Entfaltung p־j§ ::mg i dischcr Eigenart auf dem durch Geschichte und Tr.i-i r4׳r י ditionen geheiligten Boden. Palästina ist ein in Mehrheit von Arabern bewohntes Land fdic nruahcrK.il" '1'י־ c ist;!and 1;! erfo! Der;!d und; an Ib .;ung d \] wird •1 Ihn : Londo Wie :;c Mir;he r c ■; n i s t ׳ 1u1 er 1 ׳ ser St ז •reim, •hinett;eil wi Am F!c r r a; : eine Mit 1k i• Rcic dien. weckte ihre Heiterkeit und sic korrigierten jedesmal. Et war viel heiterer und einfacher, als ich am Tage zuvor gedacht und gefürchtet liattq. Als ich noch meine Tasche auspackte und Plastilin, Buntstifte und . Zeichenhefte verteilte, waren die Kinder vollends begeistert und der Tag schien für uns alle ein Freudentag zu nein. Oie Kinder gehörten sämtlich Hem. alten Jischuw an, waren meist sephardisoher Herkunft und sprachen untoreinander spaniolisch oder arabisch. . Sie hatten meist schöne Gcsichtsziigo, waren bloß entstellt, durch Trachom und eine Kopfflechtc, welche viele von ihnen hatten. Diesen hotte inan die Haare ahrasiert und die Köpfe mit einer übelriechenden Schwcfclsalbc cingcschmiert, wodurch sie geradezu abstoßend häßlich aussaheq. Dieser Kindergarten wurde nur von kranken Kindern besucht/ während die gesunden Kinder einen anderen Kindergarten hatten; und der war das Ziel der Sehnsucht meiner Zöglinge. Sic nannten ihn bloß ,.ha-gaii lia-liu“ (jener Kindergarten) aber ihre Augen leuchteten, als sagten sie.״gatt eden“. Etwa um 210 י Uhr vormittags brachte man einen kleinen Knaben, der furchtbar schmutzig, und verwahrlost war, ein langes .Hemd trug und einen roten Fez, nur arabisch sprach und sich durch nichts von den arabischen Gassenkiudern unterschied, mit denen er bis zum heutigen Tag im Staube der Straßen gespielt hatte. Er schrie und weinte fürchterlich; seine Großmutter trieb ihn mit Stockschlägen vor sich her und verjagte ihn jedesmal •von de!׳ Eingangstür, welche er immer wieder erreichte. Ich nahm dem weil« den Stock weg und suchte vergeblich, mit ihr zu sprechen. Die Wartefrau mußte dolmetschen. Der Knabe sei schon drei Jahre alt, erfuhr ich und wolle die Schule nicht besuchen. Ich versuchte zu erklären^ daß Schläge nicht das geeignete Mittel waren, Antipathie tn Sympathie zu verwandeln. Die Alte schüttelte unwillig den Kopf, reichte mir den ‘Knaben, dessen sie sich bemächtigt hatte und gab mir mit bezeichnender Handbcwegung den guten Rat: ״lazim darb — man muß schlagen.“ Ich trug nun den sich sträubenden Schreier auf meinen Armen fort, wobei er unausgesetzt mit Händen und Füßen um sich schlug ,und immer dasselbe Wort rief: ״bedik fil beth“. Die_Kinder übersetzen: ״ich will nach Hause.“• Schließlich ermüdete er und schlief ein. Ich war glücklich darüber und bettete ■ihn int Nebenzimmer auf eine Strohmatte und ließ ihn dort allein. Wer beschreibt mein Entsetzen, als ich dieses Zimmer nach kaum fünf Minuten leer fandl Man durchsuchte das Haus, den Hof, alle Winkel. Ich lief vor die Haustür, versuchte mich mit den Vorübergehenden m ven-tändi:!■׳■ jl ׳־: zeigte init .dcu Händen: ״habt Ihr nicht ei״ klein!■; KV ‘ri gesehen?“ sic zuckten mit den Achseln hoben leicht Cr » Kopf und schnalzten ein kurzes ״c“, die .1 ™bische ueinung. Unten;1uf der Ilecrstr.iße ragten die Autor3 ■ ,(:«׳״..; vorbei, trabten Esel und Kamele; unfern war eine tief■ g Zisterne. Und wo ist das Kind? Große Mädchen ־׳הוז1ח|,; Gruppe wußten Kat: Cr sei gewiß nach Hause gehufen. u;|.י sie wollten!1111 holen. .Wirklich erschienen sic nach kau:■׳ B.; drei Minuten und ^schleppten den UugluckiFhcu hinter s.c:|: her. Die Szene dieses Morgens wiederholte sich mit dr׳ | Unterschied, daß ich keine Kraft mehr hatte, den Ktnb.'n fragen. Daher vereinfachte ich das Verfahren und schob d:"ן Riege! vor die Haustür. Welcher Art war nun die Arbeit, welche die luchsic■' Wochen ausfüiltc? Die Gedanken- und Phantasicwik de: Kinder ist klein und eng begrenzt, wie da* Stadtvicrt'l. in der sic leben. Ein starker Aberglaube erfüllt si: und auch :!re Religiosität scheint durchsetzt zu sei« von Aberglauben. B°sc Geister, welche u. a. in schwarzen Hunden wohnen, vrnr- Sachen viele Krankheiten. Auch der böse Blick ist gefahrürb. und viele von den kleinen Kindern, welche in diesen sclmnle:» Gassen sterben, haßen ihren Tod nur durch einen bösen bÜ-'j erworben. Dann tragen die Kinder allerlei Anhängsel ’•:;;u׳ Amulette. Alaunsteine, welche in PcHenncUcn a־a Kettchen oder Zwirnsfäden am Halse getragen werden, mach'n firc’־‘• Paine Kinder standhaft und helfen gleichz״i:is:, die böic Wirkung des Schreckens unschädlich zu machen. Hä־!de ל;.־ג Silber und Blech, buntem Glas, wehren den bösen Bück ab. Vor Roschhascha'nah pilgert man zum Grabe unserer Mutter Rachel. Von dort bringt man hcilkraltlge Bändchen. Gebete, gesprochen in der Elijahugrotic am Berge Karmel, 0vV ein Briefchen, dort abgegeben, bringen Heilung für d.c Kranken und Segen für die Gesunden. Trotz alledem sind die Kinder krank, und die Familie״ leben in unbeschreiblichem Elend. Diese Verhältnisse geben dem Kindergarten die erste:: Richtlinien zur Arbeit. Aufklärung tut not, Aufklärung durch das tägliche Leben. Zunächst soUeu die Kinder lernen, da 15 der Krankheitskeim nicht im Uebcrsinnlichcu sich auflialü sondern in ihrer nächsten Nähe. Die Fliegen sollen abwehren, Körper ,urid Wäsche rein halten, aas Wasser abkochen. In der Schule waschen sich die Kinder, lerne1׳ Handtücher benützen, putzen »ich die Zähne, lassen s:c.1 schneiden; ihre kranken Augen und Köpfe werden tfgllch nach Ärztlicher .Vorichrift von einer Schuischwestet

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